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Kasseler Feaesse Kachrlchlr«

Dienstag, 31. Mai 1932 / 1 Beilage

Oie Gorgen -er Fleischer

Großer Fleischertag in Karlshafen

Neues aus Kassel

Kassel. 31. Mai.

Lied -er Wolken

Don Paul Kaiser.

Wir kommen gezogen weit über das Land

Wenn blauend im Bogen der Himmel sich spannt Im Fluge die Berge und Täler zu seh'n.

O Himmel, o Erde, wie seid Ihr so schön!

Und decken mit Schrecken die Sonne wir ab, Dann wird es so düster und grau wie im Grab Doch bringen wir Regen, erquickenden Tau llird spenden so Segen für Felder und Au.

Wir kommen gezogen vom schimmernden Meer, Aus ruhlosen Wogen, da kommen wir her. Wohin wir entschweben, ist nie uns bekannt. Wir ziehen und streben hoch übers Land.

Ein alter Sanitäter gestorben

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Sonntag und Montag waren die Vertreter der 71 Fleischer-Innungen, die im BezirksvereinBeide Hessen und Nassau" im Deutschen Fleischer-Verband zusammengeschlossen sind, in Carlshafen versam­melt, um lebenswichtige Fragen des Fleischergewer­bes zu beraten. Ehren-Obermeister Schnell-Kas­sel, der die Verhandlungen leitete, teilte mit, daß dem Bezirksverein jetzt 4121 Mitglieder angehören. Obermeister Becker-Offenbach (Main) behandelte die gegc. wärtige Auswirkung er Steuern, Abgaben und Unkosten auf den Gewerbeertrag, wobei er dar­auf hinwies, daß

die Schlachtviehprcise um durchweg 30 Prozent gesunken

seien und auch die Fleischpreise sich dieser Senkung angepaßt hätten, nicht aber die Tarife für Kraft, Licht, Wasser, Frachten, Fleischbeschau, Schlacht- und Kühlhäuser, so daß bei gleichbleibendem Mengen­umsatz im Fleischergewerbe der Umsatzwert sehr stark zurückgegangen sei. Die Erhöhung der Um­satzsteuer von 0,5 Prozent auf 2 Prozent konnte in­folgedessen nicht einmal durch die Senkung der Löhne und Gehälter sowie der Zinsen ausgeglichen werden, der stark gefallene Umsatzwert konnte die Gesamtun­kosten nicht mehr tragen und ein Rückgriff auf die Substanz blieb unausbleiblich.

Ohne rücksichtslose Senkung der Steuern und Tarife sei eine weitere Verbilligung der Lebens­mittel unmöglich.

Dr. Heinrich Diegel-Kaffel zeigte die schweren Preisabschläge für Talg, Häute und Felle, Klauen, Hörner, Knochen und Borsten. Speisetalg liegen un­ter dem Vorkriegspreise. Die Erzeugung gehärteter Trane, Pflanzenöle und tierischer Fette sei derart gesteigert worden, daß vorerst an eine Besserung der Preise kaum zu denken sei. Seifentalg habe gegen billige Palmöle und Sojaöle einen schweren Stand, außerdem genieße er keinen Zollschutz. Der Anfall an Häuten und Fellen sei so groß, daß auf der gan­zen Erde die Preise weit unter den Vorkriegsstand abgerm,cht seien. In Südafrika sind die Häute be­reits so billig, daß sie die Transportkosten bis zu den Hafenplätzen nicht mehr lohnen. Im ersten Jahresviertel 1932 wurden

rund 1 Million Stück Häute und Felle nach Deutschland eingeführt, obwohl deutsche Häute und Felle, besonders Kalbfelle, gar nicht zu ver­kaufen waren.

Obermeister Kramer-Fulda warnte die Land­wirtschaft vor zu starker Verfütterung von Soja­schrot und Sojamehl; sie begebe sich hierdurch nicht nur in eine Abhängigkeit zum Auslande, son­dern beeinflusse auch die Qualität des Fleisches nach­teilig, was auch von anderer Seite in der Aus­sprache unterstrichen wurde. Obermeister Lauck- n e r - Kassel bekämpfte die Ergänzungsbeschau­gebühren für die sogen. Hausschlachtungen, die jetzt i auf das Fleischergewerbe umgelegt würden. Alle I

Revisionen, die im öffentlichen Interesse der Schlach­tungen vorgenommen würden, müßten aus öffent­lichen Mitteln bezahlt werden. Ehrenobermeister Karl Schnell-Kassel und Obermeister Eduard Düker- Lippoldsberg (Weser) behandelten das Ueberhandnehmen der Hausschlachtungen, durch die viele ländliche Fleischereibetriebe in größte Bedräng­nis kommen. Eine Entschließung fordert, daß jede Schlachtung als gewerblich anzusehen sei, wenn Fleisch und Fleischwaren gegen Entgelt an dritte Personen verabfolgt würden. Obermeister Wilhelm Pfeifer- Frankfurt a. M. berichtete über die be­absichtigte Zusammenlegung der Fleischerei-Berufsge­nossenschaft mit sieben anderen Berufsgenossenschaf- len zu einem Verwaltungsorgan, um auf diese Weise mit den angesammelten Mitteln der Fleischerei-Be­rufsgenossenschaften die leeren Kassen der anderen aufzufüllen. Außerdem versuchten die Gewerkschaf­ten den Vorstand der Berussgenossenschaften nun­mehr so zusammenzusetzen, daß die gleiche Anzahl Arbeitnehmer ausgenommen werden müßte, obwohl die Arbeitgeber allein die Schäden zu tragen haben. Der stellvertretende Präsident der Handwerkskammer Kassel, Obermeister Müller, der mehrfach in die Verhandlungen als Redner eingegriffen hatte, da er zugleich auch die Handwerkskammern in Darmstadt, in Wiesbaden und die Handwerkskammer-Neben­stelle Frankfurt a. M. vertrat, wandte sich sehr scharf gegen diesen Eingriff in die Selbstverwaltung der Berufsgenoffenschasten, die doch im einzelnen nicht deshalb so sparsam gewirtschaftet haben, um hin­terher

durch Konfiskation ihrer Rücklagen für ihre Sparsamkeit bestraft zu werden.

Obermeister Lauckner-Kassel wies in diesem Zu­sammenhänge auf eine Bestimmung des Reichsar­beitsministers hin, wonach die Ueberschüsse der Be­rufsgenossenschaften ohne weiteres durch den Reichs- flnanzminister erfaßt werden könnten, um sie für Zwecke der allgemeinen Sozialfürsorge zu verwen­den. Eine Entschließung fordert, mit dem Reichsarbeitsministerium Verhandlungen aufzuneh­men, damit die geplante Zusammenlegung , unter­bleibt, die Arbeitnehmer nicht in den Vorstand be­rufen werden, weil dies einen Eingriff in die Selbstverwaltung bedeuten würde. Die Versamm­lung beschloß, den Beitrag unverändert zu lassen, um der Unterstützungskasse größere Zuweisungen machen zu können. In den Vorstand wurden Obermeister Pfeifer-Frankfurt a. M., Obermeister Schumann-Herborn und Obermei­ster Kramer-Fulda gewählt; als Vertreter des Bezirkstages zum 52. Fleischer-Verbandstag verbun­den mit der Deutschen Fleischer-Fachmesse in Dort­mund die Obermeister Textor-Trendelburg und B i e r a ch - Melsungen. Einen harten Kampf gab es um den Ort für den nächstjährigen Bezirkstag. Bad Sooden-Allendorf und Friedberg (Oberhessen) standen in engster Wahl; die Abstimmung entschied für Friedberg.

Am vergangenen Sonntag verstarb im Alter von 66 Jahren der im Ruhestand befindliche Stadtsekre- tär Friedrich Baumann. Der Heimgegangene war über 40 Jahre Mitglied der Genossenschaft frei­williger Krankenpfleger im Kriege, deren langjäh­riger 1. Kolonnenführer er war. Bei Ausbruch des Weltkrieges war er Führer eines der ersten Sani­tätstrupps, die sofort nach der Mobilmachung ins Feld zogen und wurde auch als einer der ersten Sanitätsmannschaften mit dem eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Lange Jahre war er Leiter der Verbandsstelle im Rathause und wurde im Sa­u'. " sdienst mit der Rotenkreuzmedaille und Ernen­nung zum Ehrenkolonnenführer geehrt. Er wurde vom Provinzialverein vom Roten Kreuz in der Ko­lonnenbeirat '-rufen. Eine seitens des Vaterländi­schen Vereins vom ölen Kreuz bereits beim hie­sigen Provinzialverein eingetroffene Auszeichnung für 40jährigen Sanitätsdienst kam leider zu spät und. wird nun der Witwe des Verstorbenen überreicht.

Von der Strassenbahn angefahren. Auf der Fulda­brücke wurde gestern nachmittag ein Viehhändler aus Guxhagen von der Straßenbahn mit seinem Motor­rad zu Fall gebracht. Er erlitt einen Bruch des Schultergelenkes und sand durch die Sanitätshaupt­wache Ausnahme im Elisabethkrankenhaus.

Sternenhimmel km Juni

Der herrliche Glanz der Venus nimmt gegen Ende des Monats erheblich ab. Sie verschwindet um den 29. im Glanz der Sonne, um später sogar vor der Sonne unterzugehen. Aber Jupiter, der größte aller Planeten, übernimmt jetzt die Rolle des Abendsterns im Südwestquadranten. Später als diese beiden Planeten erscheinen in der Dämmerung Fixsterne wie Wega in der Leyer und Arktur im Bootes. Bei Fort­schreiten der Dämmerung werden im Süden die Sternbilder Schlange, Waage, Jungfrau u. Skorpion, am Osthimmel die sommerlichen Standbilder Schwan, Adler und hoch im Zenith die Leyer sichtbar. Im Norden verschwindet Perseus schon tm Dunst der Großstadt, doch darüber funkelt die schöne Kassiopeia. Den Westen erfüllen Löwe und großer Bär, die nächste Umgebung des Polarsterns Drache, Herkules und klei­ner Bär. Von den Planeten gelangt Merkur am 20. in größte östliche Elongation und ist Ende des Mo­nats am Abendhimmel auffindbar. Venus wird all­mählich zum Morgenstern. Am 22. befindet sich Ve­nus mit Merkur in Konjunktion, jedoch leider erst Stunde von Sonnenuntergang. Mars geht 12 Stunden vor der Sonne auf, Jupiter verschwindet ge­

gen 23 Uhr, während um diese Zeit Saturn aufgeht. Uranus steigt erst um Mitternacht herauf, zu einer Zeit, zu der Neptun wieder absinkt.

Die Mondphasen werteilen sich folgendermaßen: Am 4. Neumond, am 11. erstes Viertel, am 18. Voll­mond, am 25. letztes Viertel.

Mondvorübergänge: Am 2. an Mars, am 7. an Pollux, am 10. an Regulus, am 14. an Spika, am 17. an Antares, am 27. an Uranus.

Am 13. gegen 22 Uhr verdeckt der Mond den Stern 49 Virginis. Die Sonne verläßt am 21. das Tier­kreiszeichen Zwillinge und tritt in das des Krebses über. Damit beginnt der Sommer.

W. Strohmeier.

Der 3. Nachtrag zur Biersteuerordnung der Stadt Kassel vom 15. August 1927 ist vom Bezirksausschuß genehmigt und vom 22. März 1932 an rechtswirksam. Wir verweisen auf die heutige Bekanntmachung des Magistrats. a

Mit kochendem Teer verbrüht. In Rothenditmold glitt ein Dachdeckerlehrling mit einem Eimer kochen­dem Teer aus und verbrannte sich schwer an Armen und Beinen. Er wurde durch die Sanitätshauptwache ins Marienkrankenhous gebracht.

Schöffe auf den Arzt

Mordanschlag auf Dr. Salomon. Der Täter stellt sich

Eben geht uns die Meldung zu, daß auf den Haut- arzt Dr. Salomon, Hohenzollernstraße 26, von einem Patienten ein Mordanschlag verübt wurde. Es wurden mehrere Schüsse auf Dr. Salomon abgegeben, einer davon verletzte ihn schwer am Unterkiefer. Ob die Verletzung lebensgefährlich ist, ist noch nicht fest- gestellt.

Der Täter ist ein gewisser Arthur Simonson aus der Mittelgaffe, 32 Jahre alt, nervenkrank. Er stellte sich nach der Tat sofort der Polizei. Ueber die Motive ist vorläufig nichts bekannt. Man spricht da­von, daß er in der Vorstellung lebte, der Arzt behan­dele ihn nicht richtig.

Kasseler Schach

Schachwettkampf Rothenditmold Eisenbahner­schachklub 7:11.

Kürzlich fand in Rothenditmold ein Wettkampf zwischen dem Schachklub Rothenditmold und dem Eisenbahnerschachklub statt. Der an 18 Brettern aus- getragene Kampf endete nach wechselvollem Verlauf mit dem Siege der Eisenbahner. Rothenditmold be­wies jedoch, daß seine Mannschaft sich weiter ver­bessert hat und erzielte ein ehrenvolles Ergebnis mit 7:11 Punkten.

Achtung Kleinrentner!

Die Auszahlung 6er ersten Hälfte der Unterstütznns für den Monat Juni 1932 findet unter Vorlage der grünen Auswelskarte wie folgt statt: Im Bo sehe im (Suiten« strafte ö): Mittwoch, 1. Juni Buchstabe AF: Donnerstag- 2. Juni Buchstabe GK: Freitag, 3. Juni Buchstabe SR: Sonnabet . 4. 3uni Buchstabe SZ. In den Büroräu­men der Rentnerfürsorge (Holländische Strahe 19): ®onnerätag, 2. Juni Buchstabe A-H: Freitag, 3. Juni Buchstabe IR: Sonnabend, 4. Juni Buchstabe SZ. Um Nachzahlungen, zu vermeiden, wird ersucht, die festgesetzten Zahltage unbedingt einzuhalten. Die Kassen sind geöffnet von 812.30 Uhr.

Rene Backer- und Mullermetster. Der Fachverein der Kasseler Bäckermeistersöhne veranstaltete im Winterhalbjahr 1931/32 einen Meisterkurfus für Bäcker und Müller. Alle Prüflinge bestanden. Somit haben wir solgende neue Mei­ster. Als Bäckermeister in Kassel: Edmund Böttcher, Rein­hold Gandert, Dückert, Heinrich Franke, Kurt Breier, Aug. Keim, WM. Hold, Karl Schmidt, Herbert Schubert, Brei- tenftem, Wolfsanger: Lüttebrand, Niedenstein: Klavv, Har­leshausen: Ranft, Dörnhagen. Als Müllermeister: Christian Hold, Grebenstein: Ernst, Hofgeismar: Kreuzburg, Mönchs- hof: Lange, Westuffeln.

SSjäbriges Dienstiubiläum. Auf eine 35jährige Tätigkeit kann der Fahrbursch der Kasseler Kaffeerösterei I. G. H. Schier, Job. Brede, zurückblicken.

Die nach Polen abziehende Störung läßt an ihrer Rückseite durch die Zufuhr kühler Luft noch wechsel­haftes Wetter mit einzelnen Gewitterstörungen auf­treten. Da wir aber in den Bereich eines Zwischen­hochs kommen, ist eine vorübergehende Besserung zu erwarten. Sie wird jedoch nicht von langer Dauer sein, denn die neue Atlantikstörung schiebt ihre Warm­luft vor und wird neben Erwärmung und Baro­meterfall wieder Bewölkungsaufzug und Nieder­schläge verursachen.

Aussichten für Mittwoch: Wärmer, nach vorübergehender Besserung wieder Bewölkungszu­nahme und aufkommende Niederschläge.

Kaffee Hag:

« so gesund wie er gut ist .. unübertrefflich, s®10 aber nicht teurer!

SIGNAL?

KRAGEN- KNOPF?