Kasseler Tkevefte Rachrichse«
Ur. 122 Zweiund wanzigfier Jahrgang
Freitag, 22. Mai 1932 / 1. Beilage
Die leijfen vierzig Minuten
Was man bei Toresschluß in einem Kasseler Geschäftshaus erleben kann
Damit ist wirklich und endgültig Feierabend für das große Haus, zu dem von nun ab nur noch Wach- und Sicherbeitsstersonal Zutritt haben. Und aus dem riesigen Brett glänzen all' die vielen runden Messing schilder, von denen jedes eine Nummer trägt. Und jede dieser Nummern bedeutet einen Menschen der jetzt irgendwo in der Abendsonne seinen Feierabend, seine wohlverdiente Ruhe genießt ... E. K. B.
18.50 Uhr. „Darf ich den Herrn um Kasse bitten?" — „Bitte sehr! Doch warum schon so zeitig? Es ist ja noch garnicht sieben." — „Sie haben recht, mein Herr!" antwortet die Bedienung des Erfrischungsraums. — „Aber wir sind angehalten, zehn Minuten vor Geschästsschluß mit den Gästen abzurechnen, damit wirklich um sieben Uhr der Ersrischungsraum geräumt werden kann!" — Also zahlt der Herr, trinkt den letzten Schluck seines Kaffees und wandert dann durch das geräumige Haus zum Ausgang.
Kaum ist der letzte Gast aus dem Erfrischungsraum gegangen, so greifen alle verfügbaren Hände zu. In weniger als drei Minuten sind alle Tische und Büfetts abgeräumt. — Dem Publikum verborgen, steht in der blitzsauberen luftigen Küche ein junger Autoschlosser, der nirgendwo anders Arbeit finden konnte, ein Liedchen summend, an der elektrischen Spülmaschine und putzt im Handumdrehen den Rest der Geschirre. Indessen prüft der Diplombäcker noch einmal sein Reich, notiert noch eine Bestellung für den morgigen Tag, schiebt die Speisen in die Kühlschränke und schließt ab.
18.55 Uhr. Merklich strömt das Publikum den Ausgängen zu, meist nur noch neugierig einen Blick auf die Auslagen werfend. Hochbetrieb ist fünf Minuten vor Feierabend bei der Photoabteilung. Bis sechs Uhr sollen Negative und Abzüge fertig sein, und sind es meistens auch. Aber die Kundschaft ist nicht so pünktlich. Mancher hat sich eben erst — weil die Sonne prachwoll scheint — entschlossen, Ausnahme- material einzukaufen. Da muß Hilfspersonal ein- springen, um rasch abfertigen zu können.
18.56 Uhr. Die Fahrstühle sausen von oben nach «nten, laden aus; sausen von unten nach oben und bringen die letzte Kundschaft zum Stockwerk, in dem die Lebensmittelabteilung liegt. Da hat manche Hausfrau über dem Bestaunen der Stoffauslagen ganz ver- , «essen, daß ja heute abend etliche Freunde zu Tisch i kommen werden. Da muß also rasch noch ein bißchen von dem und jenem zu des Gaumens Freude und zu des Magens Sättigung eingekauft werden.
18L9 Uhr. Ueberall wird noch eifrig gewählt und gekauft. Die Dame im Blauseidenen läuft zum vierte« Male mit der geduldigen Verkäuferin aus dem Hauptportal und Prüft bei Tageslicht, ob das Stück Seide wirkUch genau zur Farbe paßt. (Dieser Weg wäre ja nicht nötig, weil am Stand etliche Lampen sind, die absolut einwandfreiestes Tageslichtspektrum fluten! Aber, was tut man nicht alles zur Befriedigung der verehrlichen Kundschaft . . .) In einer anderen Abteilung wird immer noch der richtige Koffer für die Ferienreise gesucht. Ein Stück weiter hat die Dam« endlich den richtigen Schuh gefunden — nach anderthalbstündiger Anprobe von 57 Modellen! — nämlich den Schuh, der ihr gefällt und an den Fuß paßt; jetzt aber protestiert der Herr Gemahl, der deswegen um seinen Kaffee gekommen ist, meint, daß die Absätze zu hoch seien ... So wird also abermals ein Stapel Kartons herbeigeholt.
Am Haupteingang überwiegt das Hinausströmen der befriedigten und unbefriedigten Kundschaft. Nur noch wenige, die sich mit der Zeit versäumt haben oder jetzt erst, wirklich jetzt erst kommen können, huschen noch durch die Tür . . . verschwinden unauf- findlich in dem sich ihnen entgegenwälzenden Men- fchenstrom
Der Portier an der Haupttür schaut hinauf zur Uhr, deren Zeiger eben weiterspringt. 19.00 Uhr. Tas heißt Feierabend im Warenhaus, der Augenblick höchster Spannung und Entspannung zugleich. — Biadame im Blauseidenen empfängt eben den Kassenbon. --Die Glocken läuten, summen, schrillen —
ebenso dezent wie energisch: Geschästsschluß! Wie ein elektrischer Schlag wirkt das auf manche. „Um Gotteswillen! Schon sieben? — Ich mutz ja noch das und das haben!!" Da stürzen sie schon davon ... — Der junge Mann in der Abteilung für Herrenartikel hat gerade einen Selbstbinder in der Hand, den er vielleicht nimmermehr kaufen würde, wenn es nicht schon sieben Uhr wäre. Eine halbe Stunde hatte er zum Aussuchen Zeit und konnte sich nicht schlüssig werden. Jetzt läutet es — für ihn Sturm! Verlegen guckt er sich um. Er zögert ... na — er reicht wirklich den Binder dem Verkäufer ... schämt sich vielleicht wegen feines langen Wählens.
Die jungen Mädchen und Frauen vor den Stapeln von duftigen Stoffen für Sommerkleider haben's nicht so eilig. Wühlen und wenden immer noch einmal Und die Bedienung hat wahre Engelsgedulo und ein schlaues Köpfchen, wen sie spricht: „Aber das steht Ihnen ausgezeichnet. Sehen Sie, jetzt haben Sie das, einzig Richtige gefunden!" Oder: „Gnädige Frau! Nein, nun überstürzen Sie sich um keinen Preis und wählen am Ende gegen Ihren Geschmack. Lassen Sie sich doch Zeit! — Aber ganz im Vertrauen, gnädige Frau, weil Sie eine Stammkundin sind — ich dürfte es ja sonst nicht sagen — morgen früh haben wir die entzückendsten Neuheiten, ganz apart und so preiswert . . . Aber natürlich! — Also: Auf morgen! — Danke sehr! — Aus Wiedersehn, gnädige Frau!" — Und so fertigt das Personal mit Geschick die „klebenden" Kunden und Kundinnen ab . . . immer individuell . . . immer nach der obersten Losung, die da heißt „Dienst am Kunden!"
19.00 Uhr und etliche zehn oder zwanzig Sekunde«, aber bestimmt noch nicht: 19.01 Uhr! — Der Portier wird jetzt zum Türschließer und Wächter der großen Pforte: Niemand darf mehr hinein; aber alles hinaus. Die Preisschilder ^nd hereingeholt. Eine der beiden Türen ist schon geschlossen. Grüne Vorhänge werden heruntergezogen und verdecken die Durchsicht. Die große 2any>c Hinterm Eingang wird im Vorbeigehen durch ein Ziehen an der Kette gelöscht — und dann weicht der Herr der Pforte für die nächsten Minuten nicht von der Stelle. — „Nein! Ich bedauere . . . bereits Geschästsschluß!--Es
tut mir surchtbar leid; aber es würde mich meine Stellung kosten, wenn ich Sie noch hereinließe . . ." Nein, es kommt niemand mehr herein. Mit bewundernswerter fünfter Gewalt wimmelt der, in dieser Minute allmächtige Herr an der Psort auch den stürmischsten Bewerber ab.
19.01 Uhr bis 19.05 Uhr. Abmarsch der Massen! Die Fahrstühle sind abwärts bis zur zulässigen Grenze besetzt; auswärts sind sie fast leer. Gekauft und geschaut wird noch an vielen Ständen: denn wer einmal drin ist, im Warenhaus, soll nach Möglichkeit
auch bis zur Erfüllung seiner Wünsche bedient werden. Aber das Feierabeiidsianal hat auf die meisten wie ein Wunder der Disziplin gewirkt: dort ist endlich auch der Koffer rasch gefunden. Nur die Dame in der Schuhabteilung drückt noch etwas. Nein, eigentlich drückt es jetzt den Gatten, der soviel mehr ausgeben foll . . .
In allen Abteilungen verlöschen nacheinander die großen Lampen, sobald die Kundschaft abgewandert ist. Von der Lebensmittel-Abteilung rollen die Wagen mit den leichtverderblichen Lebensmitteln in die ausgedehnten Kühlräume, aus denen eine erfrischende Aaltluft strömt.
19.07 Uhr. Eben kommen auch schon die weißen Bottiche vom Erdgeschoß heraus. In diesen Bottichen ist das Frucht- und Vanilleeis, das an heißen Tagen unten im Erdgeschoß verkauft wird. Jetzt wandert es in die Kühlschränke . . .
Wie sieht es 19.07 Uhr im Erdgeschoß aus? Flugs hinab mit dem Fahrstuhl. — Cerberus bewacht immer noch feine Pforte mit freundlichem Lächeln und Grüßen. Wie merkwürdig rasch ist es nun hier unten leer geworden, wo vor knapp zehn Minuten noch Tau
sende durcheinanderdrängten! — Da ordnet man schon die Stoffballen, legt schützende Tücher über die empfindlichen Auslagen. Ordnet in die Fächer ein. — In der Mitte des Lichthofs turnen ein Dutzend Menschen, packen auf Rollwagen, heben Dekorationen fort. Das geht mit einer Geschwindigkeit und Lautlosigkeit, als gelte es vor einem wartenden Publikum in wenigen Augenblicken ein neues Bühnenbild aufzubauen. — Ja — Majestät Publikum ist immer noch da; aber vereinzelt. Und wo es, statt zum Ausgang zu schreiten, stehen bleibt, da fragen Verkäufer nach den letzten Wünschen.
19.10 Uhr. Ein zweites Glockensignal aus allen Gängen, in allen Abteilungen, im ganzen Hause Das Signal heißt: Feierabend für das Personal! Laufen sie da schon, die jungen Mädchen, die jungen Männer, die eben noch hinter den Ladentischen gestanden haben? . . .
Erstens ist wirklich so rasch aufgeräumt worden, und wo es nicht so einfach ging, da greift das Jour- Personal helfend zu, räumt sogar nach • . . Jour- Perfonal, Jour-Habende . . . Was ist das? — Das ist die ständig wechselnde Gruppe derjenigen Angestellten, die über 19.10 Uhr hinaus Dienst zu machen hat. Wie lange? Wir werden sehen ... Da und dort steckt immer noch ein Kunde und kann nicht schlüssig wer den. Das Jour-Personal löst ab, oder der Abteilungsleiter oder die Leiterin übernehmen selbst die Bedienung; und bann geschehen manchmal Wunder. . .
Familie Müller hat heute großen Einkausstag. Schon mit vielen Paketen beladen, jagen sie immer noch durch die Verkaussgaffen, zwischen denen schon die Papierreste zufammengekehrt werden. Frau Müller schiebt sich mit ihren hundertundzweiundachtzig Pfund hinter den Kindern her: „Nu mau nich so schnell, Kinder! Wo gibt's denn Schirme?" — Aber, Mutter, heute regnet's doch garnicht mehr!" meint Willi, der jüngste im Stamme Müller. „Rede nicht Junge! Mariecheu muß'n Schirm haben . . ." — In der Ferne verschwindet Frau Müller mit ihren Kindern und ihren vielen Paketen. Und wirklich, nach wenigen Minuten ist der letzte Wunsch auch erfüllt. Abfertigung folgt an der Schlußkaffe, und bann hochbepackt, vorbei am Türhüter, hinaus in die Frühlingslust . . .
19.20 Uhr. Ein Glockensignal, das in dem jetzt stark verdunkelten, säst menschenleeren Haus mächtig widerhallt. — Die für den Tag diensthabenden Abtei- | lungsleiter beginnen ihre „ausräumende" Tätigkeit! — Im obersten Stockwerk geht es los: Alles was nichts
mehr im Hause zu tun und zu suchen hat, wird ab» geschoben.
Auch das Jour-Personal, bis auf zwei in jeder Etage, rückt langsam ab, nachdem noch einmal hinter sämtliche Theken, in alle Umkleide- und sonstigen Räume aufmerksam geschaut worden ist, ob nichts verloren und sich nichts — eingefunden hat. Alle Türen stehen sperrangelweit offen. Zu jedem Raum, sofern er nicht einer besonderen Verwaltung untersteht, hat jetzt der diensthabende Vorgesetzte Zutritt. Ist alles in Ordnung, so werden die Türen nach allen Regeln der Sicherheitskunst verschlossen und die Kontrollmarken abgenommen.
19.25 Uhr. Oberstes Stockwerk ist fertig, ist durchkontrolliert und geräumt. Die letzten Jour-Habenden melden sich, steigen hinunter zum nächsten Stockwerk; melden sich auch dort und können heimgehen. (Morgen haben sie für die Mehrleistung über die Dienststunden hinaus eine entsprechende Freizeit.) 19.26 Uhr ist auch schon das nächste Stockwerk frei. Eine Etage weiter unten wartet man schon auf die „von oben*.
19.28 Uhr. Ueberall leuchten nur noch die matten Lampen der Notbeleuchtung. Die Schlußkaffe schließt
ihren Schalter. Alles andere ist ja schon längst erledigt. Vierfünftel der vereinnahmten Gelder ruhen schon weit über eine Stunde in sicheren Tresoren der Banken, weil im großen Geschäftshaus Vorkasse gemacht wird und die buchmäßige Endesabrechnung erst am nächsten Vormittag in den ruhigen Geschäftsstunden erfolgt. In irgendeinen zehnmal gesicherten Panzerschrank des Hauses wandert in Kassetten das zuletzt vereinnahmte Geld.
Der Türmeister hat die letzte Pforte verschlossen; das einbruchsichere Gitter ist aufgezogen. Niemand kann mehr in das Haus! — Doch da kommt noch eine Dame furchtbar aufgeregt zum Dienstausgang herein. „Mein Handtäfchchen! Mein Handtäschchen!! Ach, wenn es nur noch da ist.. ." der Abteilungsleiter int Erdgeschoß führt die Dame in die von ihr bezeichnete Abteilung. Richtig, da ist auch wirklich ein Täschchen gefunden worden!
19.30 Uhr. Jetzt ist wirklich Feierabend in dem vielgestaltigen großen Haus, von dessen lärmender Bewegtheit kaum noch etwas zu merken ist. Abmarsch der letzten Getreuen, des Jour-Personals des untersten Stockwerks. Die Abteilungsleiter erstatten sich gegenseitig Bericht. Die Hausinspektion, der nun einsetzende Wächterdienst — schon kläffen die „Blut"-Hunde irgendwo auf dem Hof — erhält Informationen für den Nachtkontrolldienst.
I» der Portierbude ist noch Leben. Hier landet ein Schlüssel nach dem andern. — Auch die Anrufe vom Amt kommen jetzt in die Portierbude. . . „Nein, gnädige Frau, wenn Sie erst um halb sieben Ihr Rauchtischchen gekauft haben, dann wird es Ihnen heute nicht mehr ins Haus geliefert. Unsere letzten Wagen fahren um fedfc Uhr. Nur ganz dringende Fälle werden bis sieben Uhr expediert!"
Nebenan empfängt das Personal gegen Ausweis die für eignen Bedarf eingekauften Waren fix und fertig verpackt. — Der Jnstallationsmeister empfängt das letzte, für Vorführzwecke im Geschäftshaus verwendete Bügeleisen und den letzten Tauchsieder, ja sogar die einzelnen Anschlußschnüre — damit ja kein Unheil mit versehentlich eingeschaltet gebliebenen Heizgeräten geschehen kann. Jetzt schaltet er mit einer Hebelumlegung den gesamten Strom des Hauses ab — nur die Notbeleuchtung und die Lichter in den Schaufenstern brennen ungestört weiter — schließt den Schaltraum ab und übergibt den Schlüssel. Die sind jetzt alle beisammen und werden sorgfältig bis zum nächsten Morgen im Tresor verwahrt.
Für Fortführung des Staatstheaters!
Urantrag der Landtagssraktion der NSDAP.
Die Abgeordneten Kubc, Hinkler, Lohse, Haake, Weinrich, Dr. Freister und die übrigen Mitglieder der nationalsozialistischen preußischen Landtagssraktion haben im Landtag folgenden Urantrag einge- bracht:
Der Landtag wolle beschließen: Bei der Ausnahme Kurhessens in den Preußischen Staat im Jahre 1866 übernahm Preußen ausdrücklich die Verpsltch- tung zur Weiterführung des Kasseler Theaters als Staatstheater. Preußen hat diese Verpflichtung bis in das Jahr 1931 hinein erfüllt. Das Staatstheater in Kassel hat sich weit über das Gebiet Kassels hinaus als Faktor der Volksbildung einen Ruf erworben. '
Ohne hierzu eine Rechtsgrundlage zu besitzen, hat das Staatsministerium gegen den einmütigen Protest des Kommunallandtages für den Regierungsbezirk Kassel, der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, des Herrn Landeshauptmanns des Kommunalverbandes Hessen-Kassel, des Herrn Oberbürgermeisters der Stadt Kassel, sich geweigert, weitere Mittel zur Erhaltung des Staatstheaters bereitzustellen, obgleich Kommunallandtag und ©tobt« berorbnetenberfammlung bereit waren, vorüber- gehenb in einem gewissen Umfange auch finanzielle Beihilfe zu leisten. Hunberten von Künstlern, Beamten, Angestellten, Arbeitern, bie im Betriebe des Staatstheaters tätig sind, droht die Arbeitslosigkeit. Der hessischen Bevölkerung droht der Verlust eines Institutes von hoher kultureller Bedeutung.
Das Kultus- und Finanzministerium werde« deshalb ersucht, sich umgehend mit dem Herrn Oberbürgermeister in Kassel in Verbindung zu setzen, um mit diesen über die Fortführung des Staatstheaters als staatliche Einrichtung auf der Grundlage der Anerkennung der vom Staate übernommenen Ver- pslichtung zur Erhaltung dieses Theaters zu verhandeln.
Not auch im Schneidergewer
Die Schneider - Zwangsinnung für dc t- unb Landkreis Kassel veranstaltete eine st gesuchte Jnnungsverfammlung. Obermeister Müller bedauerte, daß in diesem Jahr das Schneidergewerbe keine Saison gehaöt habe, daß vielmehr eine Arbeitslosigkeit unter den Kasseler Schneidern vorhanden war, wie sie erschreckender nicht gedacht werden könnte. Es sei bedauerlich, daß das Publikum so wenig Wert auf eine individuell angefertigte Maßarbeit lege, vielmehr Konfektionsware hevorzuge. Es müßte deshalb mit Nachdruck durch Aufklärung in Wort und Schrift für die Maßarbeit geworben werben, bie auch heute noch das am besten sitzende und am längsten haltende und damit das billigste Kleidungsstück liefere. Die Innungsversammlung pflichtete den Ausführungen ihres Obermeisters voll und ganz bei und beauftragte den Vorstand, geeignete Schritte zu unternehmen, um das Publikum über den Wert der Maßarbeit gegenüber der fabrikmäßig hergestellten Konfektionsware aufzuklä- ren.
Sodann hielt Syndikus Dr. Schüller vom Innungsausschuß Kassel einen längeren Vortrag über wichtige Rechtsfragen des täglichen Lebens.
Steuerzahler antretsn!
An Staats- und Gemeindeabgaben sind im Monat Juni 1932 zu zahlen:
I. Vom 1. bis zum 8.: Die Essigsteuer für Mai 1932.
II. Vom 1. bis zum 10.: Die Eetränkesteuer für die Getränke, für bie im Monat Mai eine Steuer» schulb entstanden ist.
(Bei Ueberschreitung des Termins wirb ein Zuschlag von 10 Prozent ber Steuer erhoben.)
III. Vom 1. bis zum 15.: 1. Die Staatssteuer vom Grundvermögen, 2. ber Eemeinbezuschlag hierzu, 3. die Staatshauszinssteuer, 4. bie Kanalbe- nutzungs- unb Müllabfuhrgebühr, 5. bie Beiträge zu den Kosten der Straßenreinigung.
IV. Vom 1. bis zum 25.: Die Biersteuer für den Monat Mai.
V. Die Bürgersteuer, soweit sie von den Arbeitgebern im Juni ahzuführen ist.
Personalveränderungen
beim Landesfinanzamt
Versetzt: Steueramtmann Mueck von Kassel nach Witzenhausen als Amtsvorsteher, Zollinspektor Metzinger von Frankfurt a. M. nach Kassel; Oberzollsekretär Bröcking von Kassel nach Frankfurt am Main; Zollaffistent Schneider von Kassel nach Homberg (Bez. Kassel). Ernannt: Obersteuerinspektor Erstinghausen in Kassel zum Steueramtmann; Zollassistent Steinfeld in Kassel zum Zollsekretär. Gestorben: Steuersekretär Heinrich Wolf in Kassel.
Wetter^
Hoher Druck im Norden und Nordwesten unb flache Störungen über Deutschland bedingen immer noch entsprechend dem Druckgefälle die Zufuhr kühler Ozeanluft. Infolgedessen kommt vorerst kein beständiges Wetter auf. Bewölkung und Aufheiterung lösen sich ab und die Temperaturen bewegen sich meist noch in mäßigen Grenzen.
Aussichten für Sonnabend:
Weiterhin wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, mäßig warm, vereinzelt noch etwas Regen.
Die Beschickung der 34. Aus» Stellung der D. L. G. zu Mannheim hat begonnen
]e billiger der Kaffee-umsu auffallender die Webers Wirkung!
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