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Begegnung im Mai / Von Friedrich Gchreyvogl

erhaben, vor seinem Reich und teilte Gnaden au«. Eines Tages traf daS Fräulein, dos mich spazieren führte, eine Bekannte und ich gewann einen Augen­blick Freiheit, während sie sprachen. Ich stellte mich vor den Maronimann und aus meinen Augen sprach vermutlich das Uebermatz an Bewunderung, das mein Her, zum Bersten füllte.

Der Herr des blanken Ofens grüßte Patriarchalisch.

Willst du was?"

Ich bekam eine Angst, die ebenso groß war, wie meine Beschämung. Der wichtigste Augenblick meines fünfjährigen Lebens drohte ungenützt zu verrinnen. Ter Maronibrater lächelte zwar gnädig. Aber ich hatte nicht einmal fünf Kreuzer, um einen schicklichen Vorwand für ein Gespräch herzustellen.

Ter Maronibrater kannte die Irrwege der kapita­listischen Welt und war ihrem niedrigen Götzendienst entrückt.Komm her", sagte er und streckte mir seine breite Hand entgegen.Grüß Gott, kleiner Mann!"

Schritt für Schritt ging ich ihm entgegen. Ich kostete die Nähe des Gewaltigen wie ein Fein­schmecker.

Da kam das Fräulein auch schon im Laufschritt. Rasch!" schrie sic und zog mich mit einem bösen Seitenblick auf den Maronibrater fort.Steh nicht bei fremden Leuten herum!"

Alles übrige verschwamm in Tränen. Die Welt war zum ersten Male erschüttert. Bor den wässrigen Augen tanzte das Tegctthoff-Monument, versant rasch der blanke, schwarz« Ösen und der Mann, an den ich mich seither nicht wieder erinnere. Er hat bei dieser Szene traurige Augen gehabt, aber vielleicht denke ich es mir heute dazu.

Im Prater selbst gab es einen alten Herrn, der alle Morgen einen großen mürben Wecken auf die Wege bröselt«. Dann kamen die Spatzen und die Singvögel und der alte Herr stand glücklich unter ihnen.

Der Vogelfreund", sagte mein Fräulein mit dem anspruchsvollen hochdeutsch, zu dem sie laut Zeugnis verpflichtet war. Der Vogelsreund strömte für mich unendliche Güte aus. Es war so traurig, daß die Vögel erschreckt aufslatterten und fortflogen, wenn man in Ihre Nähe kam. Das war so eine deutliche Abwehr und Abneigung. Der Vogelsreund hatte eine geheimnisvolle Kraft, die diesen Fluch überwand. Es war nicht das mürbe Brot allein. Eine höhere Gnade umspielte das tägliche Bild, machte den Morgen freundlich und die Welt gut.

Zu beiden Seiten der Praterallee grüßt da» erste Grün der Säume. Auf den Kieswegen durch die Wiesen leuchten weiße Kleider, ist Lachen, Fröhlichkeit und Verliebtheit. Die Stadt dämmert im Dunst der heißen Straßen; von hier schneiden nur ihre höchsten Mauern al- sanfte Silhouetten in das Blau des Himmels.

Ich gehe langsam die Fußwege, die sich seitwärts in Einsamkeit verlieren. Alle Verwundung des Leben» ist ferne. Namen sind plötzlich da und frühe Begegnungen. Begegnung im Wat!

Ich war fünf Jahr« alt und der Prater ein Wun­der, das sich niemals erschöpfte. Straßenkehrer kehr­ten feierlich die breite Fahrbahn blank, auf der sich die Welt in ihrer Erhabenheit Stelldichein gab. Ein alter freundlicher Herr mit einem Adjutanten, der immer in fester Haltung blieb, wenn die Kappen vom Kopf flogen. Der Erzherzog Ludwig Viktor. Und der Herr Praterinspektor, der zwei Rappen hatte mit langen Schweifen, die im schnellen Fahren vom Wind zerzaust waren. Und der Wachmann am Praterstern, mit großem Säbel und unantastbarer Ruhe.

Damals war die Welt so klar. Das waren große Herren, wie die Könige in dem Volkskalender der Köchin. Und alles paßte zusammen. Die Kappen, die pom Kops flogen, die lanafchweifigen Pferde, der Säbel des Wachmann». Eines Tages kam in diese reine Ordnung ein Ritz, der seither nicht recht zuge- ^aün* Eingang de» Praters, dort wo er zum Wurstelprater führt, stand ein Maronibrater. Seine Stufe in der Weltordnung war mir vom Ansang klar. Er hatte einen Ofen, der rote Glut sehen liefe, wenn ihm sein Herr mit Herrschermlene glänzende Kohlen­stücke in» Feuer warf. Daneben stand ein Sack Maroni. Ein ganzer Sack! Fünf Maroni waren das Maß, für das ich kaltherzig meinen besten Freund ver­raten hatte. Ein Sack war für mich so titel, w,« die Schlüssel der ganzen Welt besitzen.

Ein zweites kam dazu, das mich zugleich mit Staunen und mit vollster Bewunderung erfüllte. Der Maronibrater konnte sich selbst überwinden, er wuchs sozusagen über seine eigene Große hinaus. Im Mai stand der Ofen dort, ohne daß er Kohle zu fressen bekam. Dafür lagen auf dem blitzend geputzten Rost Aepfel und über sauberem weißen Papier verzuckerte Früchte. Der Sommer und Winter hatten Frieden geschlossen und der Maronibrater stand wie em un-. verglc'chlicher Philosoph, über Zeit und Veränderung

Eines Tage» kam der Vogelsreund und trug einen kleinen Hund im Arm, der zärtlich die Hand leckte, die ihn behutsam streichelte. Vor dem Eingang des Praters setzte er das kleine Tier auf die Erde. Es machte hilflose, luftige Bewegungen und schmiegte sich auf den Boden, der von der Matensonne warm und hell war.

Der Wachmann kam dazu, freute sich einen Augen­blick, dann wurde er amtlich. Er sah scharf auf den kleinen Hund und fragte sehr streng:Hat der Hund eine Mark«? Wem gehört er?"

Der Bogelfreund schluckte erschrocken.Ich habe ihn gefunden", sagte er,ich weiß nicht."

Der Wachmann war wie die sleifchgewordene Ord­nung:Dann haben Sie ihn Beim Fundamt abzu­geben. Verstanden?"

Der Vogelfreund sah mit Furcht, wie der Wach­mann das Notizbuch zog. Eine Amtshandlung be­gann: Das Fräulein zog mich fort und ich weiß nichts über ihren Ausgang.

Aber die Welt hatte ihren zweiten Riß. Der be­wunderte Wachmann, die feierliche Ordnung stand jedenfalls im Widerspruch mit der Güte. Sic verstan­den sich nicht. Zum ersten Male begreift man das so schwer.

Den dritten Riß bekam mein Herz und die Welt noch in der gleichen Woche. Ich saß In der Nähe des KonstantinhÜgels im Gras und grub mit einem alten silbernen Suppenlöffel, den man mir dazu geschenkt hatte, in der fruchten Erde. Das Fräulein faß mit einer Handarbeit auf einer Bank und war in ein Gespräch vertieft.

Da spazierte daS Wunder vorbei. Ein kleines Mädchen. Blonde Haare waren wie ein Goldschein um ein Gesicht von solcher Sinderschönheit gelegt, daß noch heute meine Träume um jenes Bild schweben.

Da» kleine Mäderl ging vorbei, sah neugierig aus meinen silbernen Löffel und blieb bei dem nächsten Fliederbusch stehen. Ich stand langsam auf, hatte richtiges Herzklopfen und wartete.

Wir sprachen irgendein Kindergespräch. Ich weiß keines, das mich im Leben wieder so glücklich gemacht hat. Dann huschte das Mäderl fort. Erna!

Am nächsten Tag wollte das Fräulein nicht zum Konstantinhügel. In mir war abgrundtiefe Ver­zweiflung. Die Augen waren sofort voll Tränen. Ich erinnere mich nicht, wie ich es angestellt habe, aber schließlich saß ich doch wieder mit meinem silbernen Löffel am alten Platz.

O dieses erste Warten! Nach einer Stunde gingen wir beim. Als wir in die Hauptallee kamen, fuhr ge- radc ein schöner Wagen mit Gummirädern vorbei. Der Kutscher trug einen matten Zylinder und der

Kasseler Neueste Rachrichtea

Freitag, 27. Mai 1932

Oer Sachschaden der Schlägerei

«.Säuberung" im LandtagSgebäude

der Obersten Heeresleitung der damalige Major war übrigens schon im letzten Kriegsjahr, als Lei­ter des Büros der Eeneralguartiermeisters, vorwie­gend mit den Beziehungen zwischen Militär und Po­litik befaßt sandte ihn im Dezember 1918 nach Ber­lin, um im Kabinett der Valksbeauftragten den Standpunkt der Obersten Heeresleitung und damit di« Niederwerfung des spartakistifchen Aufruhrs durchzusetzen. Dies gelang. Als di« Oberste Heeres­leitung für ihre arbeit im Aufbau des neuen Söld­nerheeres fortsetzte, war Major von Schleicher unter den ersten. Man kann ihn zu den Vätern der Reichs­wehr .zählen. Persönlich exponierte et sich am stärksten bei der Durchführung des militärischen Ausnahmezu­standes in dem fürchterlichen Rotwinter 1923-1924. Die Geschichte weiß, daß damals Stresemann, der

Düffeldorf, 27. Mai.

Außer den Kominunisten-Krawallen in Hamburg, die sich gestern besonders am Sägerplatz wiederholten, kam es in Düsseldorf, Dortmund und Wuppertal zu Zufammenstößen.

Am Donnerstag, kurz nach 18 Uhr, erschien plötz­lich in einer der Hauptverkehrsstraßen Düsseldorfs, der Königsallee, ein Trupp von etwa 100 bis 150 meist jungen Leuten. Sie liefen zunächst unter dem Gesang der Internationale im Laufschritt durch die Straßen,

ergriffen dann plötzlich die vor einem Kaffeehaus stehenden Stühle und Tische und schleuderten sic in die großen Spiegelscheiben mehrerer Geschäfte. Zwölf große Schaufensterscheiben und verschiedene Glasscheiben parkender Kraftwagen wurden zer trümmcrt.

Die Demonstranten zerstreuten sich, bevor die Uebernillkommandos zur Stelle waren.

v' Zentrum Dortmunds mutzte die Polizei mit innreren Ueberfallkommandos cinarelfen. Mehr­fach griffen die Demonstranten Polizeibeamte tätlich an. Ein Beamter wurde durch einen Schutz au» einer Scheintodpistole schwer verletzt. Insgesamt mußten 22 Personen verhaftet werden, von denen sechs nach Fest- stcllung ihrer Personalien entlassen wurden.

*

Wuppertal, 27. Mai. Wegen der vorgesehenen Kürzung der Unterstützungssätze demonstrierten Wohl­fahrtserwerbslose vor dem Barmer Rathause. Die Polizei sah sich zur Räumung des Rathaus- vorPlatzes gezwungen. Einem Teil der Demon- stranten gelang es, bei der Säuberungsaktion in das Rathaus einzudringen. Ein Polizeikommando besetzte daraufhin das Rathaus und kontrollierte die Besucher, Vorübergehend wurde da» Rathaus von der Polizei geschloffen, um eine reibungslose Abfertigung der Unterstützungsempfänger zu ermöglichen. Auch später kam es In den in der Nähe des Rathauses kiegenden Straften Immer wieder zu lärmenden Kundgebungen von Demonstranten, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machten.

Zusammenstöße in Berlin

Berlin, 27. Mai.

An acht verschiedenen Stellen Berlins kam es Don­nerstag früh zu Zusammenstößen zwischen Kommu­nisten und Nationalsozialisten. Die

größte Schlägerei entstand am Stettiner Tunnel, wo auch zwei Schüsse, die aber niemanden trafen, ab- gegeben wurden. In der Weitzenburger Straße wurde ein Nationalsozialist durch einen Messerstich verletzt. Bei einer Schlägerei in der ZionSkirchstratze wurde eine Person schwer und zwei leicht verletzt. Mehrere Kommunisten überfielen ein nationalsozia­listische- Lokal, ergriffen aber beim Eintreffen der Polizei die Flucht. Im Kleistpark wurde ein Nationalsozialist durch einen Steinwurf verletzt. Die Polizei nahm mehrere Personen verschiedener Par- telangehörigkeit fest und führte sie der politischen Polizei zu.

Das Urteil im Hückeswagener Prozeß

Wuppertal, 27. Mal.

Da» Schwurgericht fällte in dem Prozeß gegen die drei Nationalsozialisten Wlllmund, Marx und Dr.

Reichskanzler, die Reichswehr in Sachfen und in Thüringen einmarfchieren ließ, und daß Herr von Seeckt Inhaber der vollziehenden Gewalt war. Aber auch heute weiß nur ein kleiner Kreis von Personen, daß Schleicher es gewesen ist, der die Entwicklung hat kommen sehen und der die militärische Aktion mo­natelang vorbereitet und schließlich durchgefiihrt hat. Mit ihm arbeiteten fünf Offiziere seiner Abteilung, von denen einer, Major Marcks. gegenwärtig Presse­chef des Reichswehrministeriums Ist.

Es ist vielleicht nicht überflüssig, diese Erinnerun­gen heute hervorzulolen. Hat wiederum die Stunde oes Generals Schleicher geschlagen? Eine Antwort auf diese Frage zu suchen, ist nicht Aufgabe dieses Artikels: hier körn es nur darauf an, zu zeigen, wer dieser Generalleutnant von Schleicher, dieser vielge­nannte und vielumstrittene Mann ist.

Heuckenkamp wegen Erschießung der Kommunisten Fries, Mondre und Blumberg aus Hückeswagen am 13. März folgendes Urteil: Der Bäcker Wlllmund erhielt wegen Totschlags 6 Monate Gefängnis und wegen verbotenen Waffenbesitzes 50 Mark Geldstrafe, der Dachdecker Marx wegen Totschlags 5 Jahre Ge­fängnis, 3 Jahre Ehrverlust und wegen verbotenen Waffenbesitzes 50 Mark Geldstrafe, Dr. Heuckenkamp wegen Raufhandels 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Die Untersuchungshaft wird bei allen drei Angeklagten voll angerechnet. Die Haftbefehle bleiben bestehen.

Warschau, 27. Mai.

Die Bereinigung der Hochschüler aus den an Ostpreußen grenzenden Bezirken veranstalteten In Warschau einen Ostpreußenabend, auf der u. a. der frühere polnische Generalkonsul in Königsberg, Srokowski, einen bemerkenswerten Vortrag über Ostpreußen hielt. Noch im Jahre 1919 habe nach Meinung Srokowskis die Möglichkeit einer Verstän­digung zwischen Ostpreußen und Polen bestanden, was sedoch durch Deutschland vereitelt worden sei, da das Reich sich sehr rasch von der Niederlage zu erholen und gleichermaßen an die Revision der Grenzen zu denken begonnen habe. Seit dieser Zeit sei Ostpreußen Gegenstand besonderer Fürsorge deS Reiches geworden, wobei es vor allen Dingen dar­um gehe, Ostpreußen auch unter großen Opfern bei Deutschland zu erhalten und nachzuwetsen, daß das polnische Pommerellen zu Deutschland gehören müsse. Darum lasse sich daS Reich Ostpreußen auch heute noch viel kosten, obgleich dieses Land ohne natürliches polnisches Hinterland wirtschaftlich nu > selbständig bestehen könne und aus drei verschiede­nen (?) Gebietsteilen zusammengesetzt sei.

Ausgabe der polnischen Diplomatie sei, der Welt klarzumachen, daß Ostpreubetz ebenso wie Lettland, Litauen und Finnland be­freit (ksltverden müsse. Die polnische Oeffent- lichkeit und die Polnischen Organisationen müßten systematisch daran arbeiten, um die rückständige und vernachlässigte Masse (!) der masurischen Bevölke­rung für Polen (!) zu gewinnen.

21 Todesopfer in Aordpommerellerr

Berlin, 27. Mai.

In den letzten Tagen sind, nach einer Meldung derBörsenzettung" aus Danzig, aus Nordpommc- rcllen Meldungen eingetroffen, die für die verzwei­felte Stimmung bezeichnend sind, die sich eines großen Teiles der Bevölkerung in Polen bemächtigt hat. So wird aus Karthaus, Neustadl und Gdingen berich­tet, daß es dort zu schweren Unruhen gekommen ist, bei denen Pommerellische Arbeiter, die bei der Ver- tctlung von Arbeitslofenunterstutzungsgeldern zu Gunsten kongreßpolnifcher und galizischer in Schützen- verbänden organisierter Arbeiter benachteiligt wur­den, gegen diese mit großer Erbitterung vorgegangen

Berlin. 27. Mai.

Im Anschluß an die Schlägerei, die am 25. Mai im Preußischen Landtag stattgefunden hat, haben sich zahlreiche Tribünenbesuchcr der Polizei als Zeugen angeboten. Der Polizeipräsident hat die Vernehmung dieser Zeugen durchführen lassen und die Protokolle der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt.

Der neue Präsident des Preußischen Land­tags, Serri, erklärte auf die Frage, ob und welche acschäftsordnungsmäßigen Folgerungen aus den Zu­sammenstößen im Landtagsplenum gezogen werden würden, daß hierüber zurzeit noch nichts erklärt wer­den könne. Er werde fpäter veranlassen, daß auf kei­nen Fall in Zukunft vor der Rednertribüne sich aber­mals Abgeordnete zufammenballen könnten. Die Ab­geordneten follten ersucht werden, innerhalb der Bänke zu bleiben. Ob die gegenwärtigen Ordnungs- bestimmungen des Hauses verschärft werden mußten, darüber werde er nach den Beratungen mit dem Ael- testenrat die Entscheidung fällen können.

Ain Donnerstag vormittag wellten einige höhere Beamte der Berliner Polizei im Landtagsgebäude, nm sich denSchauplatz der Tat" anzusehen. Der Präsident äußerte die Ansicht, daß die höheren Poli- zcloffiziere lediglich einen privaten Besuch im Hause abgestattet hätten, was ihnen wie jedem anderen, nicht verwehrt werden könne.

Im übrigen sind bereits am Donnerstag mittag alle Spuren des Zusammenstoßes aus dem Ple- narsitzungssaal beseitigt worden, sodaß der Saal wieder sauber und in Ordnung der nächsten Plenar-

sein sollen. Es sollen bei diesen Zusammenstößen in Neustadt acht und in Gdingen 13 Todesopfer zu ver­zeichnen fein. Die Marine in Gdingen und das in Neustadt stationierte Militär follen sich geweigert haben, gegen die pommerellischen Arbeiter vorzu- gehcn.

Kattowitz, 27. Mai. Vor dem Gemeindeamt in Lippine sammelten sich etwa 200 Arbeitslose, dar­unter viele Frauen, und verlangten die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung. Als den Arbeits­losen erklärt wurde, daß die Auszahlung der Unter­stützung infolge Geldmangels einstweilen nicht erfol­gen könnte, stürmten die Frauen auf den Markt und plünderten die Bückerstände, woraus sie das Wette suchten.

Keine Einigung in der Flottenfrage

Genf, 27. Mai.

Ein erster abschließender Bericht über die Flotten- frage, der von einem Redaktlonsausfchnß ausgearbei­tet worden ist, gelangt nunmehr in der Vollsitzung des Flottcnausschuffes zur Verhandlung. Der Be­richt behandelt die geeignetsten Flottenrüstungen für >. den Fall eines Secangriffs. EH wird festgestellt, daß eine einstimmige Stellungnahme sämtlicher Machte nicht erzielt worden ist.

Die deutsche Abordnung hat in dem Bericht eine grundsätzliche Erklärung aufnchmen lassen, wonach die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Ver­trags bereits die Antwort auf die vom Hauptaus- fchuß der Konferenz gestellte Frage über den An­griffscharakter der Flottenrüftungcn enthielten.

Für die Beibehaltung der Lintenfchisfe sprechen sich die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan aus. Italien verlangt Abschaffung der Linien­schiffe und Unterseeboote. Deutschland, Sowjetruß- land, Frankreich, Polen, Spanien, Finnland, sowie die südamerikanischen Staaten fordern die Abschaf­fung der Linienschiffe über eine bestimmte Tonnage. Die Beibehaltung der Unterseeboote wird von Frank­reich gefordert. Dagegen verlangen die Vereinigten Staaten, England, Sowjetrutzland, Deutschland und Italien die Abschaffung der U-Boot-Waffe. Die Ab­schaffung der Minen wird von sämtlichen Staaten ge- Jordert. Kreuzer und Torpedoboote werden in dem

Zericht nicht als Angriffswaffen angesehen.

i sitzung des Hauses am 1. Juni zur Verfügung steht. Der Sachschaden, der aus der Prügelei entstand, ist, wie sich nachträglich herausstellt, nicht bedeutend. Es bat sich ergeben, daß die schweren Sessel auf der Ministerbank, die bereits lange vor dem Kriege an­geschafft wurden, zum größten Teil auch den Anfor­derungen gewachsen waren, die die Abgeordneten am Mittwoch an sie stellten. Man konnte die Sessel zwar von der Regierungsbank in die Reihen der Abge­ordneten hinunterschleudern, konnte sie aber nicht zerstören. Nur wo mit Gewalt Stuhlbeine heraus- geriffen wurden, die als Waffe dienen sollten, sind Sachbeschädigungen erfolgt, ebenfo an der Polsterung wie auch an den kleineren Gegenständen, wie Lam­pen und Schreibzeugen. Ein Teil des Teppichbelags bedarf einer gründlichen Reinigung von Blut- uud Tintenflecken.

Die Tagesordnung für die nächste Landtagssitzung am Mittwoch, 1. Juni, ist bereits ausgestellt. Es fin­den sich auf ihr nationalsozialistische und kommuni­stische Anträge über die Bildung von Untersuchungs­ausschüssen, Einstellung von Strafverfahren, die neue Geschäftsordnung des preußischen Landtages, über die Aufhebung der Kürzungen der sozialen Unterstützung über die weitere Amtsführung der Regierung Braun und auf Beseitigung des Abfindungsvertrages mit den Hohenzollern, so ziemlich alles Beratungsgegen­stände, die in verflossenen Verhandlungen bereits die Meinungen sehr hart auseinanderprallen ließen.

Schuh der deutschen Familie!

Forderungen des Interkonfessionellen Paritätische«

Ausgleichsauss chuss es.

Der Interkonfessionelle Paritätische Ausglcichsausschuß, dessen evangel. Gruppe von Präsidenten Dr. Bäh r-Kassel geführt wird, hielt vor kurzem in Berlin eine Tagung ab. Die Ergeb­nisse der Verhandlungen fanden in folgende» Ent­schließungen ihren Niederfchlag:

Für Erhaltung und den Schutz der deutschen Fa­milie! Unser Volk hat den gottgewollten Sinn der Ehe und Familie wieder mehr zu erkennen, der Staat hat ihn zu erhalten und zu fördern, indem er Maß­nahmen ergreift, die der Schädigung und Irrefüh­rung der Ehe- und Familienauffassung entgegen» wirken. Er muß die Mittel verbieten, die das Wer­den des neuen Menschen verhindern, er muß keimen­des Leben schützen und seine Vernichtung unter Strafe stellen, er muß Heranwachsender Leben vor der Verführung durch Schmutz und Schund bewahren. Nur dadurch schafft und schützt er den Lebensraum für die Entfaltung der Kräfte, die in allen Erschüt­terungen der Gegenwart das Fundament der Fami­lie sind. Auswirkungen dieses, schon durch Art. 119 der R V. zum Ausdruck gebrachte» samiltenhasten Denkens, sind auch wirksame materielle Maßnahmen, die in der jetzigen Krisenzelt leider nicht in dem Um­fang gefordert werden können, tote sie für normale Zelten vorzusehen sind. Zur Zeit mutz aber vor allem gefordert werden, datz durch planvoll gesteigerte Sied­lung in allen Formen, insbesondere auch durch die sogenannte Stadtrandsiedlung (Ausbauheimstätte) den Familien, besonders den kinderreichen, nach Mög­lichkeit Hilfe gewährt wird.

Gegen die Gefahren der Gottlosenbewegung und der Schund- und Schmutzliteratur. Mit tiefer Be­sorgnis nimmt der Paritätische Ausschuß Kenntnis von den verheerenden Wirkungen der Schund- und Schmutzliteratur und verwandten Erscheinungen auf dem Gebiete der öffentlichen Sittlichkeit. Er fordert schärfere materielle Bestimmungen, um diesen Er­scheinungen wirksam entgegentreten zu können. Es wird auch für unerlätzlich erachtet, daß unbefchadet bereits erlassener Verordnungen gegenüber den das christliche Empfinden verletzenden Propagandametho- dcn und sonstiger öffentlicher Betätigung der Frei­denker- und Gottlosenbewegung mit allem Nachdruck eingeschritten wird. Gegenüber den besonderen Aus­wüchsen der Schund- und Schmutzliteratur wendet sich der P. A. vor allem auch an den deutschen Städte­tag mit ver Bitte, durch entsprechende kommunale Maßnahmen vor allem die dem städtischen Einfluß unterliegenden Kioske und sonstigen Verkaufsstellen von diesen Erscheinungen zu säubern.

Kommunisienunruhen im Westen

Reibereien auch in Berlin

polnische Ltnverfchämthetten

Sine Rede des früheren polnischen Generalkonsuls in Königsberg / Ostpreußen soll

-befreit" werde«

lange Schweif der Schimmel flog int Wind. Im Wa­gen aber saß meine kleine Freundin und suchte mit unruhigen Augen etwas auf dem Fußsteig. Sicherlich mich, wie ich noch heute meine .. -

Fräulein!" schrie ich in Herzensagst und zeigte der Erzieherin den Wagen. Der war schon weit fort und bog fern auf den Praterstern. Noch einmal sah ich den kleinen blonden Kopf, bann war es vorbei.

Ich habe ein paar Monate lang gewartet und Vor jedem kleinen Mädchen, das ein ähnliches Kleid trug, bat mein Herz gezittert. Aber ich habe eigentlich doch gewußt, daß das rasche Fortfahren das Richtige war, daß das irgendwie das Leben ist, das mich damals früh gegrüßt hat.

Warum ich das erzähle?

Weil das ganze Leben, das mich, wie jeden andern seither fest in die Zügel genommen, verwundet und von tausend Wiesen der Sehnsucht getagt hat, sich ei­gentlich in solchen Begegnungen abfpielt

Der Maronibrater, der ein Niemand und doch der Klügste ist, der Vogelsreund und der Wachmann, das kleine blonde Mäderl, das davonsährt, sind mir hun­dertmal mit hundert verschiedenen Gesichtern begegnet.

Nur einmal aber zeigen sie sich so, daß man sie nie vergißt. Man sieht das Leben durch die ersten Riffe, die die Welt bekommt, bis sie zur Wirflichkeit wird.

Man begegnet ihnen niemals so wie im Mai und wenn man erst fünf Jahre von der seligen Insel der Ungeborenen verbannt ist.

Alfons Pape tritt zurück. Aus München wird gemel­det: Die schon seit längerer Zeit bestehenden Unstim­migkeiten zwischen dem Schauspieldirektor Alfons Pape und dem bayerischen Kultusministerium haben jetzt zu dem Ergebnis geführt, daß zwischen Herrn Pape und dem Ministerium ein Uebeteinlommen ab­geschlossen wurde, nach dem der Schauspieldireflor Pape am Schluß dieser Saison aus feinem Amt aus­scheidet.

Fliegerliteratur

Wetterkunde für Flieger. Von Dr. Herman» No'd Verlag Klasing u. Co. Berlin W. 9. Der Setter der Flugwetterwarte Berlin faßt die Flugwetterks"- de zu einem konzentrierten, vorzüglichen Abriß sammen. Zahlreiche Bilder und Zeichnungen erläu­tern den Text. Das Buch wird jedem, der sich ratzch und zuvcrläffig in die Materie einführen will, gute Dienste leisten, zumal es ganz auf die Praxis e«vge- stellt iS. _______ _

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