Mittwoch, 25. Mai 1932
Kasseler Neueste Nachrichten
Sette I
sich überlegt, daß die Expedition nicht weniger als bisher kaum je ein Mensch betreten hat, diese einsam 2500 Kollis zu je 40 Kilogramm, d. h. men Flammen leuchten zu sehen.
Vie heutige Nummer umiaht 12 Seiten
bitionsroeri
„Mein Mann steht jeden Morgen um 7 Uhr auf, wenn die Morgengymnastik im Rundfunk beginnt!"
„So, treibt er fleißig Gymnastik?"
„Nein, aber das junge Mädchen, das uns gegenüber wohnt!"
Das Fiasko der „lebenden Künstler". Von den rund 200 Berken lebender Künstler, die das Berliner 9tut tionshaus Paul Graupe zur Versteigerung brachte,
sind nicht mehr als 38 an den Mann gebracht worden. Daß die Auktion sebr stark besucht war, rührte von dem großen Interesse bcr, das die Aussteller selbst ihren Werken entgegen brachten — Käufer gab es wenige zu sehchl.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Deutschen Grönlandexpedition 1930/31 haben alle Mühsal reich belohnt.
vollem Recht. Aber wir haben durchaus unrecht, wenn wir die Schuld oaran der Schule geben. Denn wenn
Im Friseurladen.
Die Rasur des eben ausgelernten Lehrlings fiel nicht besonders glücklich aus. Nach einer Weile bittet das unglückliche Opfer um ein Glas Wasser.
Der Friseurgehilfe: „Um Gottes Willen! Sie wollen doch nicht ohnmächtig werden?"
„Nein, ich will nur sehen, ob das Wasser zu den Backen wieder herausläuft . . ."
von seinen ersten Anfängen als Baupraktikant über seine Studienreisen nach Frankreich, England und Amerika, über die bedeutungsvollen Versuche der von ihm durchgeführten Kraftübertragungen von Miesbach nach München, von Lauffen nach Frankfurt, über die Anfangszeiten der gemeinsam mit Emil Rathenau S' ' teten Deutschen Edison-Gesellschaft, der späteren
, Es schließen sich an die erfolgreichen Schöpfungen des reifen Mannes, die Schilderungen der weitumfassenden Ideen Millers an Hand seiner großen Projekte, dem Walchenseewerk, dem Vayern- werk, der einheitlichen Reichseleklrizitätsversorauna. Auf Miller, den Elektrotechniker, folgt Miller der Begründer und Schöpfer des Deutschen Museums, jenes vielbewunderten in der ganzen Welt als Vorbild betrachteten Werkes, das Miller zu einer der volkstümlichsten Persönlichkeiten gemacht hat. Das Lebensbild O. v. Millers verdient ein deutsches Volksbuch zu werden, weil diese markant- Persönlichkeit fast ausschließlich im Dienste der öffentlichen Interessen gestanden Hai.
ten Stunde glaubend und wider alle Hoffnuna hoffend zu tun, was uns für Kirche und Volk zu tun befohlen rst. Dazu gehört, daß wir
gegen das Unrecht und gegen die Unwahrheit von Versailles
mit dem vollen Nachdruck des Gewifsensernstes auch unsere Stimme erheben". An dieser Stellungnahme hat der Kirchenbund stets festgebalten und hat die Genugtuung erlebt, daß eine ausländische Kirche nach der anderen, zuerst die schwedische, sich gegen die Propaganda der Kriegsschuldluge gewandt hat. Eine deutsche und evangelische Tat ist auch das große Werk der Stützung deutschen evangelischen Kirchentums im Auslände, das bereits Hunderte von deutschen Gemeinden in aller Welt aus ihrer Isolierung befreit und mit dem Mutterlande in geistige Gemeinschaft gebracht hat.
Bei aller Pflege des eigenen Volkstums bat sich indes der Kuchenbung vor aller Engherzigkeit oder gar Vergötterung des Deutschtums gehütet und rst mit den anderen evangelischen Kir-
verständlichen Bestandteil der Kirchentage und der Kirchenausschutzsitzungen geworden sind.
Seine Stellung zum Staate hat der Kirchenbund in den drei Forderungen des Königsberger Kirchentages 1927 zusammengekaßt, daß
jeder nach bestem Wiffen und Gewissen dem Staatsganzen dient,
und für das Wohl der Gesamtheit Opfer bringt; um des Wortes Gottes willen der staatlichen Ordnung untertan ist, sich seiner Mitverantwortung bewußt ist und sich für alles einsetzt, was Volk und Staat stärkt, bessert und fördert. „Die Kirche — heißt es ferner in der Vaterländischen Botschaft von Königsberg — steht über den Parteien. Sie dient allen ihren Gliedern, gleichviel welcher Partei sie angehören, mit gleicher Liebe und gibt allen die gleichen Rechte in ihrer Mitte." Was auch die Zukunft bringen möge, die im Kirchenbund zusammengeschloffenen Landeskirchen haben gezeigt, daß sie in Unabhängigkeit vom Staate zu bestehen vermögen.
geradenwegs auf das Rathaus zu.
Aber da tritt auch schon mein Freund aus seiner Tür.
„Wohin?" fragt er.
„Oh, nur aufs Rathaus, Hundesteuer."
Als ich vor der Tür des Rarhauses stand und die Hand zur Klinke hob. rief der Freund mir nach. Ich drehte mich um, sah in sein Gesicht. Von der Bäk- kersmr schellte unzeitgemäß Resis silbernes Lachen auf.
Was aber erfolgte jetzt?
Ein Mann kam über die Straße her, aufs Rathaus zu. Wür machten beide Platz, ich grüßte tief und erschrocken.
„Wer war das?" fragte mein Freund.
„Der Bürgermeister!" sagte ich, verwundert, da mein Freund doch angeblich gestern mit ihm gesprochen hatte.
Im gleichen Augenblick wußte ich.
Wir lachten beide, jeder hatte Grund, mein Freund K. den meisten. Wir schüttelten uns die Hand, wie Ringer nach dem Kampf.
Die Sonne stach durch den Nebel. Wir nahmen zwei Boote und ruderten um die Wette aus den See hinaus. Wie schrien das letzte Gewölk an, bis das Blau des Himmels vor unfetm Hauch herauskam.
Im Tagebuch des Führers, das dem ganzen Expe- .'.Uonswerk den wehmütigen Namen „Alfred Wegeners letzte Erönlandfahrt" gibt, zeichnet sich ein ergreifendes Bild eines idealistischen deutschen Forschers ab. Es ist von intimem menschlichen Reiz, die Selbstgespräche des großen Toten anzuhören, seinen harten
Alfred Wegeners letzte Grönlandfahrt
Mit 1OOOOO Kilogramm Gepäck im Grönlandeis / 2500 Meter Eis über dem Festland / Das Tagebuch des Forschers
auch ohne Zweifel die Anforderungen an das eigentliche Schulwissen im letzten Jahrhundert allmählich immer geringer wurden, so hat sich doch das Schulwesen im allgemeinen in dieser Zeit sicherlich nach oben entwickelt, vor allem, was den Reichtum an pädagogischen Ideen anlangt. Nur ist es leider so, daß keine Schulbildung, und sei sie menschlich noch so tief fundiert, das ersetzen kann, was durch die formende Kraft des Lebens selber nicht mehr geleistet werden kann. Und diese formende Kraft des Lebens ist seit über hundert Jahren immer schwächer geworden. Die „entforinenden" Tendenzen, die zu einer allmählichen Auflösung aller festen Bindungen geführt haben, sind daran schuld, daß der Einzelmensch heute so sehr wie noch niemals früher für die „Bildung" seines Menschentums auf sich selber angewiesen ist. Das, was in früheren Epochen den „Ständen" ohne weiteres gelang: die Formung jedes Einzelnen, der zu ihnen gehörte, zu einem „abgerundeten", in sich geschloffenen „Gebilde" — wir erleben es heute noch ‘in einer letzten Phase bei dem am längsten intakt gebliebenen Bauernstände, der aber
Schule und Menschenbildung
In der Zeitschrift „Die Form" (Verlag Hermann Reckendorf, Berlin SW. 68) untersucht Walter Riez- ler^der Direktor des Stettiner Museums, das Verhältnis zwischen Schule und Menschenbildung. Wir entnehmen seinen Ausführungen den folgenden Abschnitt:
Ein Elisabeth Bergner-Roman. Von dem ehemaligen Dramaturgen des Deutschen Künstler-Theaters in Berlin, Otto Zareck, liegt jetzt ein Roman vor, der unter dem Titel „Maria Thul" das Leben Elisabeth Bergners behandelt. Die Biographie der bekannten großen Schauspielerin soll auch einen lleberblick über die gegenwärtigen Berliner Theaterverhaltnisse bieten.
Kampf mit der machtvollen Natur kennen zu lernen, seine tiefe Sehnsucht nach dem Ziel, seine Zweifel und seine Hoffnungen. Manchmal, wenn sein Plan zu mißlingen schien, überkam ihn eine niedergedrückte pessimistische Stimmung. Müde malle er sich dann aus, daß sein Unternehmen zu keinem guten Ende führen könne, und sah trübe in die Zukunft, die ihm Grau in Grau erschien. Aber seine bewunderungswerte Energie ließ ihn immer wieder Herr über diese Eingebungen eines düsteren Augenblicks werden. „Geht es hart auf hart, so wollen wir schon die Zähne zeigen, so leicht ergeben wir uns nicht," sagt er an einer Stelle des Buches, und das Zutrauen, das er in seine gewaltige Arbeitskraft setzte, geht aus den Worten hervor: „Hinge alles allein von meiner eigenen Arbeitskraft ab, so würde ich diesen Schwierigkeiten gern die Stirn bieten." An einer anderen Stelle seines Tagebuches stehen die Worte: „Was es mir leicht macht, über alle die zahllosen kleinen 'Widerwärtigkeiten des täglichen Lebens hinwegzukommen, das ist die große Aufgabe, die vollendet werden soll . . .
Zähigkeit, Ausdauer, nicht Nachlassen und nicht den Mut verlieren, das ist das was wir brauchen."
Diese Worte eines starken Willens haben auch einen tiefen Sinn für das ganze deutsche Volk, das sich nur dann aus seiner schweren Notlage befreien kann, wenn es „die große Aufgabe, die vollendet werden soll", nie aus dem Auge verliert. „Zähigkeit, Ausdauer, nicht Nachlassen und nicht den Mut verlieren, das ist das, was wir brauchen."
Vernarb R. Friedrichs.
chen der Welt und auch den orthodox-katholischen Kirchen auf dem Gebiete des praktischen Christentums eine aufrichtige Arbeitsgemeinschaft eingeangen, die im Genfer Sozialen Institut ihren Mittelpunkt besitzt, schon viel für das gegenseite Verständnis der sozialen Lage in den einzelnen Ländern getan hat und eben jetzt gereift genug erscheint, um auch gegenüber den weltbewegenden sozialen Problemen der Gegenwart, wie etwa der Bezwingung der Arbeits- los i g k e i t, eine eigene evangelische und internationale Nuance in den allgemeinen Bemühungen um das schwere Problem zur Geltung zu bringen. Daß über diesen auf die allgemeine Weltlage und ihren Auswirkungen gerichteten Bemühungen die Aufmerksamkeit auf unsere deutschen wirtschaftlichen und sozialen Verbältniffe und Aufgaben nicht erlahmt ist, beweisen die seit der grundlegenden „Sozialen Botschaft« des ersten Kirchentages (in Bethel) sich immer erneuernden Kundgebungen Beschlüsse und Eingaben zu wichtigen Einzelpunkten, die zu einem nahezu selbst-
2skar von Miller. Nach eigenen Aufzeichnungen Reden und Briefen. Bearbeitet von Walther von Miller. Mit 24 Bildtafeln. Ganzleinen RM. 5,50. Verlag F. Bruckmann, München. — Ein Leben von wunderbarer Fülle, vorbildlich durch die gewaltige Leistung, vorbildlich^ noch mehr durch die Aufopferung aller persönlichen Interessen zugunsten der öffentlichen, ist hier zum ersten Male gezeichnet. Zum Teil tu autobiographischer Darstellung, die freilich dem Bescheidenen nur mit großer Mühe zu entringen war, zum Teil in einer prächtigen, aus nahestem Erleben heraus entstandenen und auf Briesen, Reden usw. aufgebauten Schilderung des Sohnes rollt sich diese erstaunliche Lebensreise, in der sich die Entwicklung des letzten halben Jahrhunderts mit seinen gewaltigen technischen Leistungen widerspiegelt, ab. Oskar von Miller berichtet in schlichtem Erzähleiton
Don Romantik ist im Verlaufe eines solchen Forschungsunternehmens wenig zu verspüren. Harte Arbeit den ganzen Tag, ja zuweilen die Nacht über, läßt dazu keine Zeit. An die Teilnehmer müssen ganz bestimmte Anforderungen gestellt werden. Sie müssen nicht nur tüchtige Fachwissenschaftler oder Spezialtechniker, sondern auch körperlich außerordentlich leistungsfähig sein und sehr viel Unternehmungslust, Ausdauer und Selbstverleugnung mitbringen. Wer in das Polargebiet geht, muß schwere körperliche Arbeit verrichten, Entbehrungen. Hunger und Kälte ertragen können und sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß sein Leben ständig auf dem Spiele steht. Alle Expedltionsmitglieder müssen zu jeder Zeit bereit sein, ihre wissenschaftlichen Arbeiten zurückzustellen, und dafür hart körperlich tätig zu sein. Von den Schwierigkeiten, die die Expedition zu überwinden hatte, kann man sich einen Begriff machen, wenn man .*> Alfred WeaenerS letzte Grönlanbiahrt. Die Erlebnisse bet Deutschen Grönland-Expedition 1930/31". geschildert ..NEncaFalchtrn und nach Tagebüchern des glor- werS. Unter Mitwirkung von Dr. Kritz Loewe, berausge- Mben von Elle Wegener Borwort von Pros. Dr. Kurt Wegener. Mit 3 Rundbildern, 122 Abbildungen 11 Karten und U-bersjchtEU Gehestet RMK.70, leinen RM 8.—. F. A. Brockhauö, Leipzig.
Verantwortlich für den politischen Teil: Dr. Walter Pchnt: für das Feuilleton: i. B. Dr. Walter Pebnt: für den lokalen Teil: Dr. Hans Joachim Glotzer: für den Heimatteil: Rudolf Glaser: für Handelt Dr. Hans Lanaenberg: für den Sportteil: Her. Bert Sprich: Photo-Redakteur: Eduard Schul,. Steffel: für Anzeigenteil: Konrad Wachsmann. — Berliner Schriftleitung: Dr. Walter Thum. Ber. li» SW. 68. — Druck und Verlag: Kasseler Neueste Nachrichten G. m. b. H.. Kassel. Kölnische Strasse 10.
geht —, das kann heute keinem „Berufe" und keiner wie immer gearteten „Beschäftigung" gelingen. Und auch die Schule mutz an dieser Aufgabe scheitern, wenn sie sich auch noch so sehr um die Pflege des rein Menschlichen bemüht. Am ehesten kann die Formung des Menschen der Schule immer noch da gelingen, wo diese eben nicht nur Schule, sondern eine das ganze Leben der Jugend umfaflende Gemeinschaft ist, wie sie Goethe in der Utopie der „pädagogischen Provinz" in „Wilhelm Meisters Wanderjah- ren" gefordert hat. Daß diese Utopie in manchen unserer „Landerziehungsheime" schon beinahe Wirklichkeit geworden ist, iß eine Tatsache von großer Bedeutung. Nur ist diese Form der Menschenbildung notwendig nur auf kleine Kreise unseres Volkes beschränkt und kann sich deshalb nicht fo allgemein auswirken, wie es nötig wäre.
Mit diesen Feststellungen soll keineswegs einem „Kulturpeffimismus" im Sinne Spenglers das Wort geredet werden. Die Menschheit muß durch diese Phase der „Entformung" hindurch, — aber es hat den Anschein, als wäre diese Phase bald überwunden, als seien die neuen Bindungen bereits in den ersten Umrissen sichtbar. Freilich — welcher Art diese Bindungen fein werden, davon hängt alles ab. Heute sei nur das eine betont, auch wenn wir daran verzweifeln müssen, daß eine wie immer gestaltete Schule jemals für die Menschenblldung das wird leisten können, was eigentlich Funktion des Lebens und der Kultur sein sollte, werden wir uns stets um eine Gestaltung der Schule bemühen müssen, die die lebendigen Kräfte freimacht. Denn nur aus diesen können neue Bindungen entstehen, die der Menschheit nicht zum Verderben, sondern zum Heil gereichen. Diese lebendigen Kräfte aber waren immer und werden immer fein Natur und Geist. Dem „Geist" zu dienen hat die Schule stets versucht, wenn auch oft mit bedenklichen oder schwachen Mitteln. Wie sie auch der „Natur" dienen kann, hat mit manchen anderen auch Kerschensteiner gezeigt. Wenn er an die Stelle der alten Lernschule die „Arbeitsschule" setzen wollte und der Ausbildung des gewerblichen Nachwuchses besondere Sorgfalt widmete, so meinte er damit nicht baS Handwerk als letztes Ziel, sondern etwas viel allgemeineres; die Arbeit an einem Naturstoff als unmittelbarer Bestätigung des Menschen, der damit seine Naturverbundenheit erhält oder wieder gewinnt — also die Erziehung zur „Tat", so wie Goethe dieses Wort verstanden hat."
etwa 100 000 Kilogramm Gepäck mitnehmen mußte. Ein großer Teil hiervon entfiel auf die wissenschaftlichen Instrumente, die den Expeditionsteilnehmern für ihre Arbeiten dienten, sowie auf die beiden Propellerschlitten, die neben dem Hundeschlitten ein wichtiges Beförderungsmittel der We- generschen Expedition bildeten. Propellerschlitten — das war eine Lieblingsidee Alfred Wegeners der von dem Gedanken ausging, daß man für Maschinen nicht soviel „Nahrung", also Del und Benzin mitnehmen müsse, wie Lebensmittel für die Polarhunde. Der Gedanke Alfred Wegeners hat sich, wie die Geschichte der Expedition zeigt, glänzend bewährt. Nach der Ansicht der Wegener-Expedition find die Propellerschlitten berufen, dem Flugzeug als geeignetes arktisches Forschungsmittel gleichberechtigt zur Seite zu treten, ja, es unter Umständen bis zu einem gewissen Grade zu verdrängen. Sie sehen in der Verwendung von Propellerschlitten einen bahnbrechenden und nach den vielen Flugzeugunfällen im Polar- gebtet geradezu erlösenden Schritt.
Die Größe der Mühseligkeiten und täglichen Strapazen, denen sich die Forscher im Dienste ihrer hohen Ziele unterwerfen mußten, kann der Leser, des Heldenbuches, das fich unter dem Titel „Alfred Wegeners letzte Erönlandfahrt" versteckt, erst ermessen, wenn er liest, daß selbst die grönländischen Führer sich nicht selten weigerten, weiterhin bei der Expedition zu bleiben. Diese Eskimos sind das harte Leben, das fie in ihrem unwirtlichen Land führen müssen, von Kindheit an gewöhnt, und so sind ihre Streiks bezeichnend für das geradezu qualvolle Los, das die Expedition tragen mußte. Die alten Soldaten unter den Expeditionsteilnehmern verglichen ihre Lage dem immer angriffslustigen Inlandeis gegenüber mit der Situation eines Stellungskrieges. Ebenso wie im Weltkriege waren die Gelehrten gezwungen, sich in Unterstände zu verkriechen, was sie nicht vor den Kugeln des Feindes, aber vor dem alles Leben in Erstarrung setzenden eisigen Atem der unerbittlichen Kälte schützen sollte. Auch die häufigen Schnee- ftürme, die die Forscher überfielen, wenn sie sich von den Stationen entfernen mußten, um ihre irgendwo in der Nähe aufgestellten Instrumente abzulesen, beschworen ernste Gefahren herauf. Die dicken Londoner Nebel genießen den zweifelhaften Ruhm, undurchdringlicher als Rauchwolken zu sein. Diese Schneeftürme waren noch dichter, so undurchsichtig, daß man die ausgestreckte Hand kaum mehr erkennen konnte. Sie bedeuteten eine schwere Gefahr, denn Wegzeichen wurden int Augenblick überschneit, so daß man sie nicht mehr erkennen konnte. Manchmal gelang es den kühnen Gelehrten erst nach langen vergeblichen Versuchen, sich nach der Station zurückzufinden. Und es ereignete sich mehr als einmal, daß sich die Verirrten nur wenige Schritte von der Station völlig erschöpft in ihre Schlafsäcke wickelten und das Nachlassen des Schneetreibens abwarteten. Halb er- ftoren fielen sie in den Schlaf, und es hätte sich in vielen Fällen Schreckliches nicht, vermeiden lassen, wenn die Besatzungen der Stationen nicht starke Leuchtfeuer angezündet hätten, mit denen sie den Verirrten entgegengingen. Es muß ein einzigartiges Bild gewesen sein, auf der grenzenlosen Eisfläche, die
Es konnten meteorologische, geologische, ärologische, Seodätische, geophysikalische, verkehrstechnische und son- ige Erfahrungen gesammelt werden, die für die (über alle mit dem grönländischen Inlandeis zusammenhängenden Fragen) bisher im Dunkeln tappende Wissenschaft noch hohe Bedeutung erlangen werden. So konnte durch Eissprengungen und andere unter schwierigsten Verhältnissen durchgeführte Messungen festgestellt werden, daß Jnnergrönland unter einem sehr dicken Eispanzer begraben liegt. Man muß sich Grönland wie einen tiefen Teller vorstellen, der mit Eis angefüllt ist.
Zm Mittelpunkt Grönlands dürfte die Eisdecke etwa 2500—2700 Meter dick sein.
Die Ausmaße und das Gewicht dieser ungeheueren Eismenge übersteigen beinahe das menschliche Fassungsvermögen. Sie ist so groß wie die Masse des gesamten europäischen Festlandes mit allen Hoch- und Mittelgebirgen. Diese 3 Millionen ÄuBiftilometer Eis enthalten vierzigmal soviel Wasser, wie Nord- und Ostsee zusammen. Würde das hier aufgespeicherte Eis schmelzen, so stiege das Weltmeer um nicht weniger als 8 Meter, und weite tiefliegende Gebiete in allen Weltteilen würden unter Wasser gesetzt werden. Auch die für Wirtschaft und Wissenschaft außerordentlich wichtige Frage, in welcher Weise das Inlandeis die Verluste durch Schmelze und Eisbergkalbung wieder wettmacht, wird in dem stets interessanten E;peditionsbericht ihrer Lösung entgegengeführt. Weitere wichtige Ergebnisse, die besonders für die Klimakunde und die Landwirtschaft eine Rolle spielen werden, ergeben sich aus der Beobachtung des Schneefalls, der jährlich über Grönland niedergeht, und aus der Messung der „eisigen" Temperaturen in verschiedenen Höhenlagen.
Diese bedeutenden sachlichen Erfolge der Expedition konnten nur errungen werden durch den Verzicht der Teilnehmer auf jegliche Bequemlichkeit unh vor allem durch den Geist echter und schönster Kameradschaft, der fie beherrschte. Wenn nicht alle in Freud und Leid zusammengestanden hätten wie ein Mann, wenn sie nicht ihr Leben drangesetzt hätten, um ihrer hohen Ziele wegen, dann würde diese Forscherfahrt auch nur eine der' zahlreichen unbekannten und mit Recht halbvergessenen Norden-Expeditionen fein: so aber formte sich jenes großes Erlebnis, jener harte Kampf mit dem ewigen Eis zur „Deutschen Erön- landexpedition 1930/31“, die sich getrost neben die klassischen Unternehmungen eines Nansen, Norden- skiöld und anderer stellen kann. Es ist sehr traurig, daß der tragische Tod Alfred Wegeners und des Grönländers Rasmus einen düsteren Schatten auf das strahlende Bild dieser deutschen Forschungsfahrt wirft.
Am 27. Ma: wtrb tu bet Grazer Universität eine Säfte des aus bet „Deutschen Grönlandexvedttion 1930/31* verstorbenen Proselsors Alsreb Weaener einet meibt metben. Tei ®räfibent ber Notgemetnichast bet beul« Wen Wissenschaft. Ercellenz Schmidt-Ott, wirb bas Ebrenvral ber Oeftentlichkeit im Beisein ber Witwe be8 Toten übergebe». In btefem Tage wirb Else Wegener nach schon im Besitz ber ersten Exemplare d«s von ihr tu Gemeintchait mit bem als Krüvvel detmaekebrten Dr. Fritz Loewe heransgegebene» Ori» aimtlonches über ble Exvedition ihres Mannes sein, das unter dem Titel„Alfred Wegeners letzte Grön- ^?dfahrt bei F. A. Brockhans m Leimig erscheint. Wir sind als einzige bteftee Zeit««« schon heute in der Lage, eine« ausführlichen Vorbericht übet dieses aufsehenerregende Werk ,n bringen, bas bett «lassi- keim ber Polarliteratnr gleichberechtigt zur Seite treten
„Auf dem Hintergründe einer gewaltigen Natur spreit fich ein schreckliches Drama voll düsterer Tragik ab." Diese Worte sind ein Klischee, das wohl jedes Arktisbuch einmal über fich hat ergehen lassen müssen. Aus den von Else Wegener herausgegebe- nen Expeditionsbericht „Alfred Wegeners letzte Erönlandfahrt. Die Erlebnisse der Deutschen Erönland- Expedition 1930/31“ *) angewendet, gewinnt selbst diese Redensart Leben und Bedeutung. Welche Natur könnte gewaltiger fein als das von kilometerstarkem Eispanzer umschlossene Grönland, welches Drama könnte schrecklicher, furchterregender sein als das zähe, erbitterte Ringen der Wegener-Expedition (die dem stärkeren Gegner den kostbarsten Tribut, den großen Führer selbst, zollen mußte) mit dem manchmal zurückweichenden, immer wieder vordringenden, ungeschlagenen Eis, was könnte dieses Drama von düsterer Tragik an eindringlicher Wirkung noch übertreffen? Im April 1930 brach die wandernde Uni. versttät in Kopenhagen auf und im November 1931 kehrte fie zurück. Zwischen diesen Tagen liegen Zeiten schwerster Strapazen und härtester Anforderungen an Gemüt und Widerstandskraft der Forscher. '
Das Buch beseitigt gründlich die romantischen Vorstellungen, die der durchschnittliche Mitteleuropäer von Arktis-Expeditionen hegt.
Ich ging vor die Tür, rannte durch ©arten und Nacht und dachte mir eine Rede aus, die ich dem Büraer- meister halten würde. Ich sprach laut, ich schrie in dre Baume. Ein Sturm hob sich auf und antwortete mir. ^ch begann laut zu lachen, ein ganz fremdes Gelächter, und klopfte in der Vorstellung dem Bürgermeister auf die Schulter. Die Meinen sahen aus dem Fenster nach mir herunter und wunderten sich.
Ich verbrachte in meinem Bett eine fast schlaflose Nacht. Kettengeflirr umraffelte mich. Ernsie Gesichter meiner mir unbekannten Sortierter erschienen mir.
Um zehn Uhr des nächsten Tages zog ich mich dunkel an, setzte sogar einen Hut auf mein sonst immer frei getragenes Haar und machte mich auf den Weg, der gegangen fein mußte: zum Bürgermeister, der Herr über meine Freiheit, ja über mein ganzes Schicksal geworden war.
Zeigt sich da nicht des Freundes Kopf am Fenster? Verschwindet der Kops nicht merkwürdig schnell' Es wird ein Irrtum von mit gewesen fein. Voll Triumph und Hohn, so scheint es, folgen mir die Blicke der Bürger, die vor ihre Türen treten Aber in den Augen der schönen Resi, der Tochter des Bäk- lerS, zeigt sich ein rätselhaft verräterisches Lächeln.
Ich gehe entschloflen auf die andere Straßenseite,
Dr. Dralle’s Rasiercreme macht das basieren zum §enuß
Große Tube nur noch w vPt
«Den alten Satz: „non scholae, sed Vitae discimus", in allen Ehren — aber noch niemals und nirgends hat eine Schule als solche wirklich Menschen „gebildet". Wohl sind aus ihr da nutz dort, in besonders glücklich gelagerten Fällen „gebildete Menschen in dem heute üblichen sinne des Wortes hervorgegangen — man denke etwa an humanistische Anstalten vom Range Schulpfortas —, aber im Grunde konnten auch diese Schulen nichts tun wie Wissen und ein gewisses geistig-formales Können übermitteln und mußten die eigentliche „Menschenbildung im tiefsten Sinne des Wortes dem Leben und der geistigen Gemeinschaft überlassen, von der die schuler ausgenommen wurden. Seit langem klagen wtr über den ----- „—------... --------------, --- -----
zunehmenden „Verfall der Bildung", und sicher mit vssenbar auch allmählich seiner Auflösung entgegen-