Kasseler Abendzeitung
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Nummer in*
Sonnabend/ Sonntag, 21 ./22. Mai 1932
22. Jahrgang
Oie Verordnung über die Erwerbslosenhilfe
Verkündung Ende nächster Woche / Oie „Defchäftigungssteuer" soll 325 Millionen einbringen / Verlängerung der Krisen- und Bürgersieuer
len werde«, weil Verletzungen des Briefgeheimnisses vorkamen, Einschreibebriefe geöffnet wurden und große Mängel bei der Herstellung telegraphischer Verbindungen auftraten. Die Streikbewegung dehnt sich inzwischen weiter aus.
Die Zollbeamten, Steuerbeamten und Finanzbe- amten beabsichtigen sich der Bewegung anzuschließen. Auch die Beamtenstäbe der übrigen Ministerien sind sehr streikfreundlich gestimmt und sammeln Unterstützungen für die Streikenden. Die Arbeiterschaft sowie die Straßenbahner wollen gleichfalls streiken.
Oas preußische Rätsel
th. Berlin, 21. Mai.
In Preußen hat setzt das Z e n t r u m seine Fraktionssitzungen ausgenommen und bei der gestrigen ersten Zusammenkunft wurde festgestellt, daß die Politik der Preutzenfraktion des Zentrums selbstverständlich nur in engster Fühlungnahme mit der Reichs- tagsfraktion des Zentrums und besonders mit dem Reichskanzler Dr. Brüning geführt werden könne. Von Koalitionsverhandlungen irgendwelcher Art ist in Preußen vorläufig nicht die R ede.
Es wird nun alles darauf ankommen, ob die Kommuni st en den von den Nationalsozialisten eingebrachten Anträgen, insbesondere dem Antrag auf Wiederherstellung der alten Geschäftsordnung, zustimmen. Vorläkffig liegen noch keine Anhaltspunkte dafür vor, daß sie das tun werden, und falls diesmal die Kommunfften, die Sozialdemokraten und das Zentrum sich an den Landtagsverhandlungen überhaupt nicht beteiligen würden, solange keine parteipolitische Basis für die Bildung einer neuen preußischen Regierung vorhanden ist, würde der Landtag überhappt beschlußunfähig sein.
Oie neuen Gieuerquellen
Von unserer Berliner Schriftleitung.
I Seite 2, die Meldung „Die Donaukonferenz in Mün- 1 chen"! Die Red'.)
| Herriot Ministerpräsident
und Außenminister?
th. Berlin, 21. Mai.
Aus den Beratungen des Reichskabinetts, die ge- geftern abend weiter geführt wurde» und die auch heute vormittag fortgesetzt werden, läßt sich jetzt ungefähr ein Ucberblick über die Maßnahmen gewinnen, die das Kabinett zur Durchführung der allgemeinen Erwerbslosenhilfe plant. Damit bestätigen sich die Mitteilungen, die in den letzten Tagen über einige Einzelheiten dieser Projekte gemacht worden sind. Die n e.u e R o t v e r o r d n u n g, mit deren Verkündung man für Ende der nächsten Woche zu rechnen hat, wird einige neue Steuermatznahmen enthalten, und damit wird die Erwerbslosenfürsorge in vieler Hinsicht auf eine veränderte Basis gestellt.
Oie Neuregelung
der Erwerbslosenfürsorge
Die Dreiteilung der Arbeitslosenfürsorge bleibt aufrecht erhalten. In der Arbeitslosenversicherung tritt, wie wir bereits gemeldet haben, eine Kürzung der UnterMtzungsgelder von 20 bzw. 16 auf 13 Woche» ein. Gleichzeitig wird eine Kürzung der U n t e r- stützungssätze durchgeführt und zwar eine Anpassung au die in der Krisenfürsorge gezahlten Leistungen.
Diese Verringerung der von der Arbeitslosenversicherung aufzubringenden Leistungen beruht darauf, daß die Arbeitslosenversicherung künftig keine Zuschüsse mehr vom Reich erhält, sondern sich vollkommen allein finanzieren muß. Die Kürzung der Unter. stützungsdauer in der Versicherung wird ausgeglichen durch die Verlängerung der Unterstützungsdauer in der Krisenfürsorge. Beide zusammen sollen wie bisher 58 Wochen umfassen, sodaß auf die Krisenfürsorge nunmehr 45 Wochen entfallen. Bei der Krisenfürsorge wird eine Ortsstaffel eingeführt und die Bedürftigkeitsprüfung verschärft. Auch soll der Familienstand bei Bemessung der Unterstützung künftig stärker be- rücksichtigt werden.
Die Gemeinden haben für Gemeindewohlfahrtspflege im neuen Etatsjahr einen Betrag von 680 Millionen aufzubringen, während sie im Vorjahre 877 Millionen Mark leisten mußten. Der finanzielle Gesamtbedarf für Arbeitslosenversicherung, Krisenfürsorge und Gemeindewohlfahrtsfürsorge wird — auch darüber sind unsere Leser schon unterrichtet — auf 3,018 Milliarden Mark veranschlagt. Davon bringt die Arbeitslosenversicherung durch ihre Beiträge 1,082 Milliarden auf. Das Reich wird zur Krisenfürsorge einen Zuschuß von 880 Millionen leisten. Die Gemeinden bringen die erwähnten 680 Millionen auf.
Oie neuen Steuerpläne
res noch ein weiteres Quartal erhoben wird. Das wird 45 Millionen RM erbringen. Die restlichen 325 Millionen werden durch die von uns bereits gemeldete neue
„Beschäftigungssteuer" aufgebracht. Diese Steuer wird von allen Personen erhoben, die ein fe st es Einkommen üb er 300 Mark monatlich haben, und zwar wird die Steuer mit dem gleichbleibenden Satz von 1,5 Prozent bemesse». Die Freigrenze von 300 RM erklärt sich aus den Bestimmungen über die Arbeitslosenversicherung.
Aus diesen Feststellungen läßt sich nunmehr auch deutlich entnehmen, welche
Belastungen für die Beamte« in Frage kommen. Es hat sich nicht bestätigt, daß die Beamten in die Krisensteuer einbezogen werden sollen dagegen werden die Beamten selbstverständlich, soweit ihre Bezüge 300 RM übersteigen, zu der Beschäftigungssteuer herangezogen.
Zur Deckung des Finanzbedarfs der Gemeinden ist noch zu erwähnen, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, die Bürg er steuer, die ursprünglich mit dem 30. Juni dieses Jahres aufhören sollte, noch einmal für6 Monate zu erheben. Daraus gewinnen die Gemeinden 25C; Millionen RM.
Die neue Notverordnung, die nunmehr in Aussicht steht, wird also Steuerquellen in folgender Zusammenstellung eröffnen:
250 Millionen aus der Verlängerung der Bürgersteuer,
45 Millionen aus der Verlängerung der Krisensteuer und
325 Millionen aus der neuen Beschästigungs- steuer
Selbstverständlich müssen diese Steuermaßnahmen mit Hilse des Artikels 48 in Kraft gesetzt werden, denn an eine parlamentarische Bewilligung dieser Summe ist unter den heutigen Umständen natürlich nicht zu denken.
Oer Kampf
um die Reichstagseinberrrfung
Der Termin des Zusammentritts des Reichstages steht noch in keiner Weife fest. Präsident L o e b e hat den neuen Antrag der Deutschnationalen, den Reichstag auf den 24. Mai einzuberufen, von sich aus abgelehnt. Man hält es für wahrscheinlich, daß der Reichstag zum 6. Juni einberufen wird, falls nicht überhaupt eine weitergehende Vertagung bis über die Konferenz von Lausanne hinaus eintritt.
Trotzdem bleibt für den Gesamtbedarf von reichlich drei Milliarde» noch ein sehr erheblicher Differenzbetrag übrig u. zw. i» Höhe von 370 Millionen Mark.
Dieser Betrag wird auf doppelte Weise gedeckt. Einmal durch die Verlängerung der Kri- fenfteuer, die über den 31. Dezember dieses Jah-
Die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten wollen nun beim Staatsgerichtshof Klage erheben, um zu erreichen, daß der Reichstag möglichst bald eiuberufe» wird. Präsident Loebe steht auf dem Standpunkt, daß das Urteil des Staatsgerichtshofes, welches sich auf den Preußischen Landtag bezog, nicht für de» Reichstag Geltung hat.
Oie Krönten in der Oonaufrage
(Eigene Drahtmeldung.)
Genf, 21. Mai.
I» den am Freitag geführten vertraulichen Besprechungen zwischen de» an der Donaufrage interessierten Mächten ist insofern eine Wendung eingetreten,'als sich Deutschland, England und Italien grundsätzlich bereit erklärt haben, der österreichischen Regierung zur lieber windnng der ernsten Finanzlage eine Anleihe zu gewähren. Da dieser Plan jedoch von französischer Seite scharf abgelehnt wird, besteht zunächst wenig Aussicht für seine Durchführung. Im Falle der Gewährung einer Anleihe würde die österreichische Regierung zunächst von der Erklärung eines Transfer- moratoriums absehen können.
lieber die Höhe und die Bedingungen einer neuen internationalen Anleihe für Oesterreich sind noch keinerlei nähere Vereinbarungen getroffen worden. Tie französische Regierung beabsichtigt nun im Völker- bundsrat den Tardieuplan wieder in den Vordergrund zu rücken und jede Finanzhilfe Frankreichs für Oesterreich von der Annahme der Tardieuvor- fchlages abhängig zu machen. Dagegen wird auf deutscher Seite der von Staatssekretär von Bülow aus der Londoner Konferenzmügeteilte deutsche Klan
vorgebracht werden, an dem unter allen Umständen festgehalten werden soll.
Es hat sich von neuem gezeigt, daß zwischen Deutschland, England und Italien in den Donaufragen weitgehende Uebereinstimmung besteht und Frankreich mit seinem hartnäckigen Festhalten am Tardieuplan isoliert ist. Der Sonderausschuß dessen Einsetzung gestern beschlossen wurde, »nd dem Vertreter der europäische» Großmächte und kleinerer Mächte angehören werden, wird m zehn Tagen in Genf zusammentreten. Ihm gehören von deutscher Seite Ministerialdirektor Gras Schwerin-Ero- sigk und das Mitglied des Finanzausschusses Kempner an.
Da sich die Auffassungen in der gesamten Donaufrage noch sehr schroff gegenüberstehen, ist ein praktisches Ergebnis der heutigen Ratsaussprachc kaum zu erwarten. Frankreich will durch seine Taktik des Hinhaltens erreichen, daß die D o « a u f r a g e auf der Lausanner Konferenz in den Mittelpunkt der Erörterungen gestellt wird und Frankreich dadurch die Möglichkeit erhält, eine Verbindung zwischen der Tributfrage und dex Donausrage herzustellen. Eine solche Verbindung wird von deutscher Seite keineswegs anerkannt ttierbeu. ^Sietze auch auf
Paris, 21. Mai.
Die Radikalsozialisten haben in ihrer Freitagsitzung beschlossen, die Einberufung des Vollzugsausschusses endgültig auf den 31. Mai festzu- etzen. Da die Sozialisten bereits am 29. Mai ihre Landestagung abhalten, ist es sehr wohl möglich, daß Herriot bis zu diesem Zeitpunkt im Besitz der sogenannten Mindestforderungen ist, die Leon Blum für eine Beteiligung seiner Partei an die Regierung stellte. Man hat in parlamentarischen Kreisen den Eindruck, daß der Bürgermeister von Lyon eine Verständigung der republikanischen Parteien bis zur Gruppe Tardieu anstrebt.
Bemerkenswert ist die Haltung der Pariser Rechtspresse, die bisher jede Gelegenheit aus- nützte, um gegen Herriot zu Felde zu ziehen. Seiw außenpolitisches Bekenntnis hat die Einstellung dieser Blätter geändert, die sich bemühen, keine falsche Note in das bisherige Programm zu bringen. Die zukünftige französische Regierung wird auf alle Fälle unter Herriots Führung stehen, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Außenministerium übernimmt
Beamtensireik in Griechenland
Athen, 21. Mai.
Der Streik der Postbeamten wird mit Erfolg fortgesetzt. Seit Tagen ist die Telegrammund Briefbestellung so gut wie unterbunden. Die eingestellten Hilfskräfte mußten zum Teil wieder entlas-
Vorbereitungen für Lausanne
W. P. Das Interesse des deutschen Volkes hat die ganzen letzten Woche und Monate hindurch innerpolitischen Fragen gehört. Es gab immer etwas Neues, das bedacht und besprochen sein wollte: Wahlpropaganda und Wahlresultate, SA.-Verbot und Koalitionsmöglichkeiten, Teilkrisen im Kabinett und Diktaturgerüchte waren die Themen des Tages, und nur ein paar außenpolitische Ereignisse, die Vorgänge im Memelland, die französischen Kammerwahlen und die Attentate in Paris und Tokio, konnten ihnen den Rang streitig machen. Was wird in Preußen, kommen die Koalitionsverhandlungen in Gang, wird das Reichskabinett um- oder neugebildet — darum ging und geht die Diskussion, und die jetzt bekannt gewordenen Pläne über die Neuordnung und die Finanzierung der Erwerbslosenfürsorge, die in die Verhältnisse jedes einzelnen eingreifen, werden unsere internen, unsere häuslichen Sorgen noch stärker in den Vordergrund rücken. Diese Pläne werden Gegensätzlichkeiten verschärfen, wo Konzentration der nationalen Kraft notwendig ist, und sie werden Erregung auslöfen, obwohl wir jetzt nichts dringender als nationale Disziplin und nationale Besonnenheit brauchten. Denn über dem Geschehen der nächsten Wochen steht das Wort Lausanne: das Wort, das Kampf nm die denffche Zukunft bedeutet, das alles Planen und Handeln der letzten Monate schon hätte bestimmen müssen, wenn wir für diesen Kamps berät setn wollten.
*
Vier Wochen trennen uns noch, sofern die französischen Verschleppungsversuche, wie zu hoffen ist, erfolglos verlaufen, von der Eröffnung der Lausanner Konferenz. Sind wir heute fo weit borbereitet, daß in biefer uns noch zur Verfügung stehenden Zeit unsere Kampsrüstung bis zum Letzten ergänzt und durchgeführt werden kann? Es ist nicht ganz leicht, auf diese Frage eine gerechte Antwort zu erteilen. Immer wieder und mit erheblichem Nachdruck hat der Außenminister Dr. Brüning den Grundsatz vertreten, daß unser ganzes Tun und Lassen, daß alle innerpolitischen Maßnahmen heute unter außenpolitische Gesichtspunkte zu stellen seien, und zweifellos muß diefe Erkenntnis von jedem Einsichtigen voll und ganz gebilligt werden. Aber gerade wer von dem Glauben an den Primat der Außenpolitik ausgeht und sich in dieser Hinsicht mit dem verantwortlichen Leiter der deutschen Polittk eines Sinnes weiß, hat auch das Recht, kritisch zu prüfen, inwieweit der Kanzler die richtige Erkenntnis feines Außenministers in die Wirklichkeit umgesetzt hat.
Heute haben wir eine Reichsregieruug, beten Autorität durch mannigfache innere Gegensätze geschwächt ist. und es erscheint unwahrscheinlich, daß das große AnjeHäl, degen M Dr. Brüning persönlich im Aus
lande erfreut, ausreicht, um den Prestigeverlust des Kabinetts, den zu unterstreichen vor allem die französische Preisse eifrig bemüht ist, völlig auszugleichen. Bestimmt ist diese Regierung aber siicht das Sammelbecken aller nationalen Kräfte, und wenn sich auch der Kanzler gerade aus außenpolitischen Rücksichten zur Zurückhaltung verpslichtet gefühlt hat, so bleibt doch abzuwarten, ob die Entwicklung ihm oder seinen Gegnern, die sich von einer klaren Entscheidung in der Frage der Regierungsumoder Neubildung einen größeren außenpolitischen Nutzeffekt versprechen, recht gibt. Das ist der eine Punkt, an dem die Kritik ansetzt, der andere ist durch den Vorwurf bezeichnet, daß es die Regierung an Mui zu großzügigen und organischen innerpolitischen Reformen habe fehlen lassen. Die Ankündigungen über den Inhalt der neuen Notverordnung werden diesen Tadel eher verschärfen als abschwächen. Denn ganz abgesehen davon, daß diese Pläne großen Teilen des deutschen Volkes neue Belastungen bringen werden, lassen sie offenbar auch die Merkmale eines wirklich umfassenden und aus weite Sicht berechneten Reformwerkes vermissen. An den Opfermut der Bevölkerung ist überdies schon zu oft appelliert worden, als daß von dem neuen Opfer, das jetzt gebracht werden soll, jene positive Kraft ausstrahlen würde, die ein Aktivnm in den bevorstehenden außenpolitischen Kämpfen bedeuten könnte.
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Sind wir also für Lausanne so gut borbereitet, wie es in dem Rahmen, der uns und unserer politischen Leistungsfähigkeit gezogen ist, möglich ist? Tas Bild der gegenwärtigen Situation würde nicht vollständig sein, wenn man die Untersuchung auf das innenpolitische Gebiet und da insbesondere auf die Frage, ob und inwieweit die im deutschen Volke lebendigen Kräfte für die bevorstehenden Auseinandersetzungen frei und wirksam gemacht sind, beschränken würde. Die Vorbereitung politischer Entscheidungen ist zu einem guten Teil eine propagandistische Arbeit, und mit vollem Recht hat Reichskanzler und Außenminister Dr. Brüning seit dem 10. Januar 1932, feit dem Tage also, an dem das deutsche Nein von verantwortlicher Stelle klar und deutlich formuliert wurde, seine großen politischen Reden bewußt aus diese propagandistische Aufgabe abgestellt. Die Ausführungen, die der Kanzler damals in einem Interview mit dem Chefredakteur des Wolff-Büros machte, und die er dann später vor der auswärtigen Presse in Berlin und im Reichstage wiederholte, gipfelten in der Feststellung, daß für Deutschland eine Fortsetzung seiner Reparationszahlungen unmöglich fei, daß — mit anderen Worten — „das Ende der Reparationen" gekommen fei, weil Deutschlands Leistungsfähigkeit erschöpft war. Damit war die Basis, von der aus die deutsche Außenpolitik in Lausanne ihren Kamps