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TTr. 113 / Zweiundrwanzigster Iahrqana

Kasseler Re«esse Hachrich<en

Dienstag, 17. Mai 19ZL z 1. Beilage

Gommertage rund um den Herkules

Es geht um alles"

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V-Zug, über die Dächer des Chilehauses und durch tionsfilmen kommen jedenfalls glänzend auf ihr« die Wellen des Hamburger Hafens her find. Zwi- Kosten.

Ein Siebziger

obot. Mosbacher

Bei jedem 6« Todesfall ist die Ursache ein Herzleiden« Kaffee Hag schont 9hr Herz«

Trotzdem die Volksspeisung von der am Freitag stattgefundenen Erwerbslosenversammlung abgelehnt wurde, ließ sich Papa Kröning nicht entmutigen und erschien am Sonnabend mittag mit zwei Gulasch­kanonen. Papa Gröning behielt mit seinem Opti­mismus recht, denn in knapp einer Stunde waren beide Kessel leer, und Hunderte konnten kein Essen mehr bekommen. Aus aller Munde hörte man nur Lob über die schmackhafte Erbsensuppe mit Fleisch. Am Sonntag gab es Gulasch und Kartoffelsalat. Auch an diesem Tage waren die reichlich bemessenen Portionen schnell vergriffen.

Sollten genügend Lebensmittel herbeigeschafft werden können, fo soll die unentgeltliche Abgabe von Mittagessen vorläufig sechs Wochen durchgefübrt werden. Besonders zu bemerken ist noch, daß es sich hier um eine zusätzliche Unterstützung handelt. Die Volksspeisung wird nicht aus die Unterstützung angerechnet, wie bereits vorher vielfach behauptet

AI üütz Mark Kaution für Ackermaun angeboten. ^ut...^ntei^^unS der sofort nach dem Erlaß des Schöffengerichtsurteils gegen den Kaufmann Acker- mann von dessen Verteidiger eingereichten Haft­beschwerde hat die Frau des Verurteilten für den Fall der Enthaftung eine Kautionvon20000Mark angeboten. Hebei dies Angebot sowie über die Haft­beschwerde wird die Große Strafkammer in den näch- N^n Tage zu befinden haben. Da der Haftbefehl vom Schöffengericht ausdrücklich auch wegen Verdunkelungs-

schendurch gibt der Film famose Ausschnitte aus einem Varietsprogramm des Berliner Wintergar­tens und gewährt weiter einen Blick hinter und un­ter die Kulissen. Freunde von humorvollen Sensa-

Zm Beiprogramm die Ufa-Wochenschau, ein inter- eflanter Kulturfilm über das Legen von Kabeln auf dem Meeresgründe und der gemüt- und humorvolle Szöke Szakall in einem lustigen Filmsketch.

Aber nicht nur beim Großen Christoph staut sich die Völkerwanderung, all die tausend Ausflugsorte vom Brasselsberg bis zum Dörnberg, bis zum Ahnatal, vom Firnsbachtal und Hohen Gras bis zum Felsengar­ten und zur Grauen Katze hatten den erträumten Pfingstbesuch. Aufgegossen und nicht ausgegossen mundete der Kaffee trotz der Hitze auf das Herrlichste, die dicken Stullenpakete schmolzen an der Sonne und ungeahnte Mengen von Flüssigkeit wurden verkonsu­miert . Die Inhaber der Gaststätten freuten sich trotz der vielen Arbeit und hatten alles aufgeboten, um ihre Gäste zufrieden zu stellen. Freitisch gab es auch schwarze Schafe, bei denen man für eine Tasse Milch 30 Pfg. (ohne) bezahlen durfte, aber da, wie der Kellner sagte, die Tasse mitbezahlt werden mußte, ha­ben wir sie, erfreut ob dieser Neuerung für Friedas Ausstattung mitgenommen. Schade, daß es da keine Warnungsschilder gibt.

Auf der Fulda parodierte die Flottille braunge­brannter Kanu-Leute, und in dichtgedrängten Auto­bussen ging es den Wanderzielen unserer schönen Heimat zu.

Ob heute auch ein grauer Himmel den grauen Alltag wieder verkündet, etwas von der Sonne haben unsere braungebrannten Mitbürger doch mit nach­hause genommen. Und das ist für uns bescheidenen Leute schon viel Wert.

Zwei der Hauptdarsteller des FilmesEs geht um alles": Ernst Verebes und Luciano Albertini.

scn und die Hilfe von Kassel alle maßgebenden Stel­len endlich auf den Plan rufen, für Oberkaufungen ganze Arbeit zu leisten.

gefahr erlassen worden ist, dürfte die Haftbeschwerde wahrscheinlich keinen Erfolg haben.

Nothilfe im Philippinenhof. Die Not der armen Kinder schreit um Hilfe; darum wurde von Herrn Heinrich Fuldan im Philippinenhof 4 a eine Näh­stube errichtet, wo für Kinder kostenlos gearbeitet wird; es kommen vor allen Dingen Hemden, sowie sämtliche Unterwäsche in Frage, auch Oberkleider werden für Bedürftige angefertigt. Hilfe ist daher sehr erwünscht.

Karlshospitals, mit zwei Gulaschkanonen hin nach Oberkaufungen.

Zuerst konnten wir es gar nicht glauben, daß die­ses so friedlich und idyllisch daliegende Dörfchen in großer Not sein soll. Aber wir wurden es schon ge­wahr, als wir kurz in das Dorf einbogen und uns die Kinder nachliefen, ihre Eimerchen Hochbielten und um Essen baten. Es war nicht viel von Pfingstfreude und Pfingstgeist zu spüren. Verbittert, mutlos, stumpf, so sahen wir dort die Menschen. Das Elend bat sie so gepackt, daß sie nicht mehr die Kraft aufbringen, ir­gend etwas zu beginnen. Die vielen Enttäuschungen, die immer wieder gemachten Versprechungen haben vielen Notleidenden den letzten Glauben genommen.

Als unsere Gulaschkanonen auf dem großen Guts- Hos auffuhren, konnte man sich so recht von der Größe der Not einen Begriff machen. Wer von den vielen Familienvätern hatte geglaubt, daß es in ihrem Ort einmal notwendig würde, aus der Hand helfender Menschen eine Gabe zu nehmen. Und es war für uns nur zu verständlich, daß aus dem Gefühl der Selbst- verantwortung für Familie und Kinder ein Teil der Notleidenden die Speisung ablebnte. Aber wie sollte geholfen werden? Durch weitere Proteste , durch weitere Eingaben? Davon würde in Oberkaufungen niemand satt. Und es war höchste Zeit, daß wir ka­men. Wir konnten deutlich empsinden, wie weh der Hunger tut.

laßt Euch nicht das Letzte rauben, wa ssür je den die Grundlage alles Lebens bedeutet. Steht zusammen, seid einig, die Not hat Euch zusam­mengebracht. Ihr werdet sie überwinden, wenn Ihr sx gemeinsam bekämpft. Im Gemeinsamen werdet Ihr stark sein.

blatt von Verfolgern unter ihnen Eddie Polo, Luciano Albertini, Domenico Gam­bino im Auto, Flugzeug,

Ganz Kassel wandert ins Grüne

Endlich ein guter Tag für die Straßenbahn und die Wirte

Ganz gewiß können wir nicht mit unserer Spei­sung die Rot auch nur im entferntesten lindern. Das wird jeder einsehen, der die Not tu Ober- kausungen kennt. Was wir getan haben und was wir tun mutzten, ist nichts weiter als eine erste Hilfeleistung.

Man kann die Verhältnisse von Oberkanfungen nicht mit Bestimmungen oder Paragraphen regeln wollen.

Türen und Wänden ihr Monogramm zu verewigen. Freilich kann man manchmal verzweifeln an der Ver­nunft unserer Mitbürger, wenn man sah, wie Männ­lein und Weiblein bepackt mitFrühlingsbüschen" nach Hause zog und so manchen Strauß zertreten am Wege fand. Um dein Heim mit Grün zu schmük- ken, hält der Wochenmarkt wahre Farben-Orgien be­reit, aber auf den Ansturm einer ganzen Großstadt find die Blütenbüsche nicht eingerichtet. Wenn wenig­stens nur solche Sträucher beraubt würden, bei denen der Sommer die Wunden wieder heilt, die ein einzi­ger Frühlingssonntag geschlagen hat: Aber man be­schaue sich einmal so manche schöne Koniferenpflan­zung in Wilhelmshöhe, deren abgerissene Zweige nicht nachwachsen und als ein Schandmal ihrer Zer­störer weiter leben. Hier Vernunft zu predigen, ist eine wichtige Ausgabe der Schulen.

gl. Das waren doch endlich einmal richtige Psing- ß®"- n°d einmal Sonne, daß man das

^eE des .-llltags vergaß. Und endlich einmal, wie o feiten tm «eben, all die tausend geschmiedeten l.lane in die Wirklichkeit umgesetzt werden konnten.

Strahlend gingen beide Festtage über Kassel auf. Frubzeitrg ,chon herrschte auf dem Bahnhof ein dich- te* ^ogen duftiger Frühlingskleider. Rucksacke bar- gen den Proviant für die ganze Kompagnie und ge­duldig tvartete man an den Schaltern in der altbe­kannten schlänge, bis man drankam, nahm auch ge­duldig tu den Wagen vorlieb, wenn die Sitzplätze nicht ausreichten. Und auch die Gefichter der vielge- piagten Schaffner, für die es keinen Festtag, sondern eindicker Arbeitstag" war, glänzten in eitel Pfing- ften und Geduld. Rühmend wurde anerkannt, daß dieGroße Kasseler" den riesigen Verkehr, wenn auch unter Anstrengung und minutenlangen Schwierigkei­ten bei stoßweisen Anforderungen an einzelnen Stellen, reibungslos abgewickelt hat und das wollte etwas heißen bei diesen Regimentern Inst- und son- nenbungriger Kaffelaner und jener Scharen treuer Kurhessen, die demGroßen Christoph" einmal einen Besuch abftatten wollten!

Während bei herrlichstem Pfingstwetter Scharen | Hier muß mehr geschehen. Möge gerade das Eiitgrei- lebensfroher Menschen hinauswanderten, den Früh- 1-----" ....... - -

lina zu begrüßen, und andere sich an Tagungen und Zusamenkünften beteiligten, um sich neue Lebenskraft für den Alltag zu holen, fuhren wir, die Selbsthilfe- Organisation der Erwerbslosen vom Barackenwerk des

Palast-Theater

Hm an strahlendschönen Pfingsttagen und warmen Mai- enabenden das Publikum vor die Filmleinwand zu bringen, bedarf es eines besonders zug­kräftigen Programms, das Um terhaltung und Sensation ver­spricht. Der Tempo-FilmEs geht um alles" im Palast-Thea­ter erfüllt diese Erwartungen in weitgehendem Maße, denn man hat Augen und Sinne anzuspan­nen, um der Jagd nach einer verschwundenen Jungfrau, ei­nem verschwundenen Zylinder- Hut, einem verschwundenen Trauschein und was sonst bei solchen Gelegenheiten zu ver­schwinden pflegt, restlos folgen zu können. Ernst Verebes ist das von einem durch Willi Schur prachtvoll grotesk ver­körperten Gerichtsvollzieher ge­hetzte Wild, die nette Claire R ö m m e r die verschwundene Jungfrau, hinter der ein Klee-

Oberkaufungen in Not

Ein Bericht der Erwerbslosenkommission vom Barackenwerk -es Karlshospitals

In Oberkaufungen sind viele gesunde Hände und ebenso viel Menschen, die geistig arbeiten können. Da­her wird Oberkaufungen nach der Seite Hilfe brau­chen. Aber wirtschaftlich bat sie das, was heute an Arbeitskraft zuviel in Oberkaufungen ist, zu wenig. Hier müssen wir uns gemeinsam finden und gemein­same Wege beschreiten.

Oberkaufungen wird deutlicher denn je seine Stimme erheben und mit aller Entschiedenheit als Bürger des Staates entscheidende Maßnah­men von den dafür verantwortlichen Organen rückhaltlos fordern.

Darüber hinaus muß aber festgestellt werden, daß alle Kräfte eingesetzt werden müssen. Und so hat sich denn in Oberkaufungen ein Selb st hilfeaus schuß gebildet, der insbesondere sich verantwortlich weiß für die Hilfsmaßnahmen, die Stadt und Land Overkau- fungen zuteil werden lassen. Die verschiedensten An­regungen zur Durchführung solcher Maßnahmen sind uns bereits zugegangen. U. a. plant der Arbeiter-Sa- mariterbund des Bezirks mit kirchlichen Organisatio­nen über die Ferien

dic Verschickung besonders notleidender Kinder in noch verhältnismäßig wirtschaftlich glücklichere Teile unseres Heffenlandes,

um dadurch die schwer betroffenen Familien wirt­schaftlich zu stützen und den Kindern, die wohl am schlimmsten unter der immer mehr zunehmenden Ver­elendung gelitten haben, einen vollen Magen und Freudigkeit für die Ferieuiage zu geben. Daß es natürlich ganz unmöglich ist, auf längere Zeit die Gu­laschkanonen nach Oberkaufungen fahren zu lassen, dürfte allgemein verständlich fein. So plant denn der Selbsthilfeausschuß mit dem Abschluß dieser Woche die Möglichkeit, selbst die Speisung fortzusetzen. Augen­blicklich fehlt es noch an allem. Mindestens drei Koch­kessel von je 200 Liter Inhalt werden benötigt und die Lebensmittel dazu. Vielleicht kann noch von der Bezirks-Winterhilssstelle hier nachgeholfen wer­den. Wer aber gibt uns die Kessel? Wir haben die feste Hoffnung, daß wir diese irgendwoher bekom­men. So wie wir in Kassel das große Barackenwerk des Karlshospitals nur im Vertrauen von Mensch zu Mensch täglich führen und damit die Hilfe und das Verständnis aller Kreise immer wieder neu ge­winnen, was so vielen unglücklichen Notleidenden über die schwerste Zeit ihres Lebens hilft, nur fo wird es auch in Oberkausungen möglich fein, neben den staatlichen von außen her kommenden Hilfsmaß­nahmen sich im Vertrauen zueinander einzustellen und wiederzufinden. Dann werden gewiß weit über die Grenzen des in der fchönen Landschaft eingebetteten Oberkaufungen sich Menschen finden, die mithelfen, daß auch hier die Freude wieder ihren Einzug hält.

Für jeden, der Verständnis für die Not in Ober» faufungen hat, und mithelfen will, ist in Kassel eine Sammelstelle für Geld, Lebensrnittel ufw. im Karlshospital eingerichtet. In Ober« kaufungen ist eine Sammelstelle beim Bürgermeister­amt. K.

Den fanden sie nach der langen Kur der letzten Jahre, die er unter der fachkundigen Leitung von Oberbaurat Morin durchzumachen hatte, gekräftigt und wiederhergestellt. Zwarzieren" das Oktokon in­nen noch einige Gerüste, da der im Lause der Jahr­hunderte brüchig gewordene Stein noch weiterhin ge­impft werden muß. Trotzdem sind die meisten der ge­fährlichen Hohlräume inzwischen ausgefüllt worden, wobei riesige Wagenladungen von Zement verschwan­den. Die Plattform ist nunmehr endlich einwandfrei und sauber abgedeckt, so daß die Witterungsschäden dem Riesenschlotz nichts mehr anhaben können. Wenn durch Frost und Nässe die Fugen in jedem Jahr auch nur einen Millimeter auseinanbergetrieben wurden, ergab das für die 220 Jahre des Bestehens schon 22 Zentimeter, und so wäre ohne jene Arbeiten binnen kurzem das Schloß eine völlige Ruine gewesen. So danken auch wir Kaastelaner dem bewährten Erhalter fo manchen deutschen Domes Professor Rüch-Karls- ruhe, daß er Mittel und Wege wies, die Krone des Habichtswaldes zu erhalten.

Aber noch eine andere Ueberraschung erwartete uns oben. Der Phramidensaal ist sauber erneuert, Aus­sichtsfenster schützen vor Zug und Wind, wo früher durch die Holzläden ein heftiges Lüstchen pfiff, und der Unentwegte, der durchaus aus der Herkuleskeule die meterlangen Plattfüßchen beschauen will, ist durch die elektrische Beleuchtung der Steiltreppe aufs angenehmste Überrascht. Es steigen viele, viele hier herauf, nicht nur die Hamburger Zimmerleute, denen in ihrem Wanderbuch der Herkulesbesuchvorgeschrie­ben" ist. Es ist herrlich hier oben in der luftigen Höhe und wir wünschen unserem Herkules recht viele angenehme Besucher, wenn es auch niemand mehr vergönnt ist, wie weiland der Erbauer des Oktogons, hier oben fogar sommerlich zu wohnen. Reste dieses so romantischen Sommeraufenthaltes haben sich un­terhalb der Plattform gefunden.

Aber hoffen wollen wir auch, daß die Kasselaner endlich einmal ihre gute Erziehung beweisen, die nicht immer vom Geldbeutel abhängt: Nur Nar­renhände werden sich gedrängt fühlen, an den neuen

Der wohl allen Besuchern des Afchrottparks be­kannte Parkauffeher und Arbeiter C. Schmidt, Landgrafenftratze 9. feiert am heutigen Tage seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig sein 40jäh- riges Arbeitsjubiläum bei der Aschrottfchen Nachlatzverwaltung hier.

Herr Schmidt stammt aus Hlfen, Kreis Rotenburg. Er erlernte in seiner Jugend das Schmiedehandwerk, das er bis zu feinem 30. Lebensjahre betrieb. Gesund­heitsrücksichten zwangen ihn. seinen Beruf aufzugeben, und so trat er im Frühjahr 1892 bei der Aschrottschen Verwaltung in Kastel als ©arienarbeiter ein. Hier zeichnete sich Herr Schmidt bald als vorbildlicher, ge­wissenhafter. geschickter Arbeiter aus. so daß er stets das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten besaß.

Mehr als ein halbes Menschenalter hat nun Herr Schmwt in dem ihm ganz ans Herz gewachsenen Aschrottpark gewirkt und diesen mit ganzer Hingabe gehegt und gepflegt. Möge dem jetzt 70jährigen Jubilar nach seinem arbeitsvollen Leben ein ruhiger Lebensabend im Kreise seiner Kinder und Enkel be- schieden sein.

Die geistigen und seelischen Werte, die durch die dauernden chaotischen Zustände vernichtet werden, sind wohl noch die schrecklichsten Verluste durch die trostlose Lage. Zu der Rat- und Hilflosigkeit der einst so frohen und lebendigen Gemeinde tritt einem auf der einen Seite die völlige Verstumpfnng und auf der anderen Seite eine Brutalität entgegen, die vor nichts mehr Halt macht. Wenn unsere Hilfe von Kassel ne­ben der unmittelbaren Sättigung der am schlimmsten durch die Not Betroffenen noch einen Zweck haben sollte, so war es der, daß wir in dem gemeinsamen Verstehen der Not nicht auch mit einer Sympathie­kundgebung die Türe vor der Nase zuschlietzen und die Notleidenden draußen stehen lassen.

Ihr seid nicht vergessen und Ihr werdet nicht vergessen sein. Dafür werden alle die sorgen, die eines guten Willens find.

Im einzelnen wird es unmöglich sein, die lokalen Ver­hältnisse von außen zu überschauen oder zu dirigieren, das muß Oberkaufungen selbst tun. Den vielen Not­leidenden ist wieder Mut geworden, selbst die Not an­zupacken.

Die Psingstseiertage galten Oberkaufungen. Die schönste Pfingstfreude, die wir erleben dursten, waren nicht nur allein die fröhlichen Gefichter bei der Aus­gabe unseres Essens. Der Wille, nicht in der Mutlo­sigkeit versinken, war für uns ein besonderes Fest­geschenk. Und wir können es nicht laut genug den Oberfanfungern immer und immer wieder ans Herz legen,

Hilfe im letzte« Augenblick

Speisung durch das Karlshospital. Restzahlung in den nächsten Tagen.

wurde. Fast alle ausgesteuerten Erwerbslosen hol­ten sich ihr Essen. Gerade diejenigen, die vorher am meisten dagegen waren, trugen sich als erste in die Liste ein. Außerdem sind am Sonnabend mehrere Kisten Käse eingetroffen, die am Montag zur Ver­teilung kamen. Nach Pfingsten soll versucht werden, die Lebensmittel direkt nach Oberkaufungen zu be­kommen. ~aS Essen soll dann hier am Orte zube­reitet werden.

In den nächsten Tagen wird auch die R e st - Unterstützung von 100 Prozent zur Aus­zahlung gelangen, fo daß für die nächste Zeit keine Unruhen mehr zu befürchten sind. Hoffentlich ge­lingt es der Regierung, bis zum Verbrauch der Bei­hilfe eine entgültige Regelung der Erwerbslosen­fürsorge zu finden, damit die Wohlfahrtserwerbs­losen nicht wieder in eine solch verzweifelte Lage gebracht werden.

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