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!__Wtrfttwr. 13. Mai 1932

Kasseler Neueste Nachricht«»

Kür das liebe Hühnervieh...

Auf Grund wiederholter Vorstellungen der Stadt­verwaltung bei der Reichsmaisstelle, der Verteilung des verbilligten Weizens den heutigen Hühnerbestand zu Grunde zu legen, teilt die Reichsmaisstelle nun­mehr endgültig mit daß nach ihren neuesten Richt­linien als Zuteilungsmatz st ab ausschließlich das Ergebnis der Viehzählung vom 1. Dezember 1930 maßgebend ist. Hiernach sind lediglich die Bestim­mungen maßgebend und Ausnahmen grundsätzlich un­zulässig.

Nunmehr liegt es an den in Frage kommenden Hühnerhaltern, die ihnen zustehende Quote anzufot- dern. Es wird deshalb.wiederholt gebeten, die Sam­mellisten umgehend dem Statistischen Amt, Rathaus, Zimmer 197, einzureichen. Wer dieser Aufforderung nicht nachkommt, muß damit rechnen, daß er bei der Verteilung nicht berücksichtigt wird.

Was muß man über den Tonfilm wissen?

Willen Sie wie ein Tonfilm entsteht? Nein, — das wissen Sie nicht, denn Sie sind kein Fachmann. Sie wissen auch nicht, daß der Tonfilm schon sehr alt ist, etwa 40 Jahre. Ferner wissen Sie wahr­scheinlich nicht, mit wieviel Schwierigkeiten eine Tonfilmaufnahme verbunden ist, denn Sic haben bisher nur im Kino gesessen, über den „schlechten"' Ton unb zne „miserable" Akustik geschimpft, aber — sich mal über den Grund dieser, schon verhältnis­mäßig seltenen Störungen zu informieren, daran haben iSe noch nicht gedacht.

Herr Jaensch (Zeiß-Jkon-Dresden) erzählte uns nun viel Wissenswertes über den Ton­film. Die Vorträge sind mit hochinter­essanten Experimenten verbunden und selbst für den Laien leicht verständlich. Herr W. Jaensch- der ein amüsanter und gewandter Plauderer ist, führte zu seinem Thema etwa solgendes aus:

Das Wesentliche an der Sache ist, daß man Töne zeichnen und photographieren kann. So absurd das auch klingen mag, so ist es doch sehr einfach Mötz­lich. und zwar etwa folgendermaßen. Schlagen wir z. B. einen Gong an. Der Schall setzt sich bekannt- licherweise wellenförmig fort. Er wird von einem Mikrophon aufgefangen und in elektrische Schallwel­len umgeformt. An dem Mikrophon befindet sich eine Membrane, die eine Nadel oder einen Stift in Schwingungen versetzt. Diese Nadel zeichnet auf einer stark empfindlichen Wachsplatte den Ton auf, und zwar je nach seiner Stärke in steileren oder flacheren Kurven. Mit dem bloßen Auge sind diese Kurven nicht zu erkennen. Um nun den Ton wieder zu hören, wird der ganze Vorgang umgekehrt wie­derholt. Die Platte wird gedreht, die Nadel leitet die verschiedenen Tonlinien in die Membrane, die in Schwingungen gerät und ihrerseits die Schall­wellen in den Verstärker schickt.

Das ist die Grundlage, auf der sich der Tonfilm aufbaut: der photographische Ton. Beim Film nimmt man nun den Ton auf einem Filmstreifen auf, der neben dem Bild herläuft. Experimente zeigten dann die verschiedenen Herstellungsarten und die mannigfachen Schwierigkeiten, die zu überwin­den sind.

Im Anschluß an den Experimentalvortrag wur­den mit einem Zeitz-Ikon Tonfilm-Kofferkinogerät einige Tonfilme vorgeführt, die dem Vortrag zur

Oie Wiederinstandsetzung des Althausbefitzes

lieber die Notwendigkeit der Wiederinstandsetzung des devastierten Allbausbesitzes besteht in großen Kreisen restlose Einmütigkeit. Alle Volksschichten, ob Hausbesitzer oder Mieter, ob Handwerker oder Ge- lverbetreibendcr, vor allem die große Bauwirtschaft, sind an der baldigen Durchführung dringend notwen­diger Hausreparaturen interessiert. Unter den obwal­tenden Verhältnissen, insbesondere unter dem Steuer­druck, ist der Hausbesitz aber nicht imstande, aus ei­gener Kraft an die Wiederherstellung seiner bedrohten Werte heranzugehen. Seine Organisationen haben immer wieder auf diese bedauerliche Tatsche hinge- wiesen, haben wiederholt dargelegt, daß die Bereit­stellung öffentlicher Mittel, sei es durch Senkung der Hauszinsstcucr, sei es aus dem Hauszinsfteuerauf- lommen, für diesen durchaus produktiven Zweck drin­gend erforderlich ist.

Die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 brachte aber neben vielen einschneidenden Maßnahmen für den Hausbesitz auch insofern eine große Enttäuschung, als ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Gesundung der Wirtschaft völlig fehlte. In der Zwischenzeit hat der Rcichswirtschaftsrat ein Arbeits­beschaffungsprogramm vorgelegt, das einen deutlichen Hinweis aus die Notwendigkeit der Instandsetzung des Altwohnraums enthielt. Und als der Reichsar­beitsminister Dr. Stegerwald auf dem Krisen-Kon- greß der Gewerkschaften eine Lösung des Problems der Finanzierung der Hausreparaturen ankündigte, horchten Hausbefitz und Bauhandwerk auf — und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und es ist inzwischen erwas gekommen, ein Rundschreiben des Reichsarbeitsministers an die Länderregierungen, das jeden enttäuschen mutz, wenn es tatsächlich die von dem Minister angekündigte Lösung des Finanzpro­blems für diese dringend notwendigen Hausreparatu­ren enthalten soll. Der Reichsarbeitsminister emp­fiehlt den Länderregierungen, auch in diesem Jahr einen Teilbetrag für die Instandsetzung an Altwoh­nungen abzuzweigen. In Preußen können Hauszins­steuerdarlehen durch die Gemeinden bis zur Höhe von 15 Prozent des ihnen zuflietzeNden Wohnungsbauan­teils vergeben werden. Nachdem für ganz Preußen in diesem Jahr für den gesamten Wohnungsbau nur noch 25 Millionen RM zur Verfügung stehen, wird auf die Instandsetzung der Altwohnungen nur ein ge­ringer Betrag entfallen.

Der Reichsarbeitsminister glaubt, auf die Aus­schöpfung aller Möglichkeiten der Finanzierung von Hausreparaturen auf Wechselgrundlage Hinweisen zu müssen, die sich folgendermaßen vollziehen wurde: Die Wechsel werden von den ausführenden Handwerkern auf den Hauseigentümer ausgestellt, von Mittel- standsbanken und ähnlichen Finanzierungsinstttuten, gegebenenfalls gegen dingliche Sicherheit, giriert und der Reichsbank eingereicht und dann, natürlich nach peinlichst genauer Prüfung der Unterschriften, des Objektes und der Art der Reparaturausträge von der Reichsbank diskontiert. Allerdings ist dies nach An­sicht des Reichsarbeitsministers nur bann angängig, wenn die Abdeckung der Reparaturkosten „in nicht allzu langer Frist mit Sicherheit zu erwarten" ist und wenn es sich möglichst nicht um Lohn- und Leistungs­wechsel handelt. Man ersieht schon hieraus, daß das Projekt wegen seiner Verklauselierung und der finanz­technischen Bedenken für eine Finanzierung von Haus­reparaturen kaum in Frage kommen dürfte.

Die Aufnahme, Verzinsung und Tilgung sogenann­ter Reparaturhypotheken soll durch teilweisen oder völligen Erlaß der Hauszinssteuer erleichtert werden. Ganz abgesehen davon, daß die ministeriellen Aus­führungsbestimmungen in Preußen diese Möglichkei­ten stark eingeschränkt haben, sind bei der augenblick­lichen Lage des Geldmarktes solche Hypotheken über­haupt nicht zu erhalten.

Verfehlt scheint auch der Hinweis des Reichsar- beitsministers auf die bestehenden gesetzlichen Mög­lichkeiten, die Ausführung notwendiger laufender Jnstandsetzungsarbeiten im Einzelfalle zwangsweise anzuordnen. Wenn wie bisher die in der gesetzlichen Miete den Eigentümern zur Verfügung stehenden Be­träge hierfür nicht ausreichen, können auch Zwangs­maßnahmen keinen Erfolg zeitigen.

Trotz dieses unzulänglichen Rundschreibens des Reichsarbeitsministers, das in den interessierten Krei­sen ein Gefühl schlimmster Enttäuschung hervorgeru­fen hat, mutz die Arbeitsbeschaffung in den Althäu­sern weiter erstrebt und gefordert werden, sollen bte nicht in dem privaten Hausbesitz ruhenden Werte, die einen bedeutungsvollen Aktivposten in der Vermö­gensbilanz unseres Volkes darstellen, völlig vernichtet werden. Dr. Balzer.

Ergänzung dienten. Zuerst wurde ein Stück aus dem Kriminaltonfilm „Der Schutz im Tonfilm­atelier" gezeigt, das noch einen besonders guten Einblick in die Technik des Tonfilms gewährte. Dann folgte ein Kulturfilm: „Wie eine Grammo­phonplatte entsteht", unter Mitwirkung von Richard Tauber, Dajos Belä und anderen namhaften Künstlern. Den Abschluß bildete einer der bekann­ten Micky-Maus-Filme.

Fachleute und Laien, die dem Vortrag im Stadt­park beiwohnten, sind nicht enttäuscht worden. Man kann es der Firma Zeitz-Ikon als Verdienst anrech­nen, daß sie das noch ziemlich unbekannte Problem

der Tonfilmherstellung an die Oeffentlichkeit bringt. Von der Güte der Apparate wird sich bald jeder selbst überzeugen können, denn Herr Henkel, der rüh­rige Besitzer des Stadtparks hat einen angeschafft, um im Sommer als erstes Unternehmen in Europa Tonfilme im Freien vorführen zu können. lü.

Reisen zu den deutschen KriegsgräberstStten. Zahl­reiche Reisebüros und Verkehrsvereine, sowie einzelne Verbände und Gruppen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge haben Gesellschaftsreisen in Vorbereitung, um möglichst vielen Angehörigen und Kameraden unserer Gefallenen Gelegenheit zum Be-

__________________________Bette 3 ~ 8. Vellage ; such der benschen Kriegsgräberstätten im Auslande, insbesondere in Frankreich und Belgien, zu geben. Jeder, der an einer solchen Reise teilnehmen will, sei vorher darauf aufmerksam gemacht, daß die große Anzahl der während des Krieges von den deutschen Truppen angelegten Friedhöfe aufgehoben ist und die Toten auf Sammelfriedhöfe umgebettet wurden. Es sollte daher jeder, der ein bestimmtes Grab aujfuchen will, sich rechtzeitig — mindestens 8 Wochen vorher — eine Grablagebescheinigung beschaffen. Der Volks­bund steht jedem, der die Kriegsgräberstätten un Auslande besuchen will, mit Rat und Tat zur Sette und vermittelt auch Auskünfte über die jetzige Lage eines Kriegsgrabes.

3m Dienste der Landwirtschaft

Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates ii Hann. Münden.

In Hann.-Münden findet der vierte Lehrgang für Leiter landwirtschaftlicher Buchstellen statt, die vom Deutschen Landwlrischastsrat-Berlin veranstaltet, wird Nach dem Begrüßunasabend im „Schmucken Jäger" begann am Mittwoch die Arbeitstagung unter dem Vorsitz des Rittergutsbesitzers Vogelsang-Ebersbach. Der Redner begrüßte zunächst die prominenten Gäste, u. a. die Vertreter des Reichsfinanzministeriums, so­wie der sonstigen Finanzbehörden in München, Han­nover, Münster, Kassel, Göttingen, Northeim und Münden, ferner die Herren der Landwirtschastskam- mern. der Forstschule. Reichsminister Dr. Schlange- Schöningen war, da seine Anwesenheit im Reichstage erforderlich war, nicht erschienen. Erschienen waren auch zahlreiche Gäste aus der Schweiz, Dänemark und dem deutschen Osten.

Der erste Referent, Oberlandwirtschaftsrat Dr. Felber-Halle, sprach über das Thema: „Der Stand des Wirtschaftsprüfers und seine Bedeutung für die Landwirtschaft und die landwirtschaftlichen Buch- stellen". Der Stand des öffentlich bestellten Wirt­schaftsprüfers sei aus der Not der Zeit geboren. Der neue Berufsstand solle wieder Klarheit und Wahrheit in die Bilanzen bringen. Die Grundlage biete der sogenannte Ländervertrag, eine Vereinbarung des Reiches mit den sämtlichen deutschen Ländern, auf der der neue Berufsstand organisiert worden ist. Anschlie­ßend sprach Dr. Ehrensorth, Dir. bet der Deutschen Rentenbankkreditanstalt über „Die Aufgaben der Buch­stellen im landwirtschaftl. Kreditwesen. Den dritten und letzten Vorttag des Tages hielt Rechtsanwalt Knitter-Berftn über „Zwangsvollstreckung und Voll­streckungsschutz".

Arn Donnerstag sprach Freiherr von Lüninck, über dessen Vortrag wir schon berichtet haben. An­schließend hielt Steuersyndikus Hecken, MdL., Rück­blick und Ausblick auf die Gesellgebung. Er kritisierte heftig den Steuerwirrwarr, der den Steuerzahler so­wohl tote die Behörde stark belastet. An weiteren Vorträgen waren vorgesehen ein Referat über die Be­steuerung der Landwirtschaft im Lichte der Rechtspre­chung von Geh. Reg.-Rat Dr. Busch, Referate über Buchführung in Land- und Forstwirtschaft, gehalten von Dr. Peters und Reg.- und Forstrat Professor Eberts. Ueber Buch- und Betriebsprüfung sollen heute, Freitag vormittag, Reg.-Rat Dr. Mehrmann und Oberlandwirtschaftsrat B a z l e n sprechen.

Frau Großmann war eine korpulente und selbst- I sichere Matrone, so eine, tote man sie in den meisten | Gemüseläden antrifft, wo sie tote ein alter geprüfter I Grenadier, das Tuch auf der Brust gekreuzt, Hinterm Ladentisch zu stehen pflegen. Auf der Oberlippe | hatte sie einen kleinen Schnurrbart» und ihre Hände lucren so rot wie reife Tomaten. Sie betrachtete die beiden Polizeibeamten mit ruhiger Neugierde, Ru­dolf aber, den sie anscheinend kannte, mit entschiede­nem Mißtrauen.

Rudolf erklärte ihr, daß die beiden Herren sie wegen des verrückten Professors aussuchten.

„Er wohnt ja bei Ihnen, nicht Frau Großmann?" „Ja," antwortete ste vorsichtig.

„Die beiden Herren sind von der Polizei," er­klärte Rudolf.

„Was Sie sagen," antwortete sie mcht weiter er­staunt. „

Plötzlich heftete sie ihre zornigen Augen auf Ru­dolf und ries: ,

„Packen Sie sich weg, Sie elender Wtcht. Ich wtll mit der Polizei allein sprechen."

Rudolf drückte sich schleunigst. Als bte beiden Polizeibeamten mit der Frau allein geblieben waren, sagte Krag:

„Es scheint Ste nicht sonderlich zu verwundern, daß die Polizei Sie wegen des verrückten Professors aufsucht?"

„Nein," antwortete sie.

„Wie lange hat er bei Ihnen gewohnt?"

„Zwei Jahre. In der ersten Zeit fragte ich mtch selbst immer: kommt die Polizei nicht bald? Aber keine Polizei kam. Seither habe ich aufgehört, mich danach zu fragen. Unb jetzt ist bte Polizei also ba. Aber verwundern tut es mich nicht."

Sie griff nach einem großen Schlüsselbund, das an einer rostigen Kette auf ihrem Leib hing.

„Ich glaube nicht, daß er zu Hause," sagte sie.

„Er ist nicht zu Haufe," antwortete Krag. „Aber wir wollen gern sein Zimmer sehen." .

Sie hob eine Klappe im Ladentisch unb bie De­tektive traten näher. Erst wackelte sie zur Ladetttur und schloß sie ab. Darauf führte sie, indem sie vor­ausschritt, das rasselnde Schlüsselbund in ihrer toma­tenroten Faust, die Detektive durch einen Raum hin- ter dem Laden, der mit Säcken unb Kisten unb aller­hand Obst und Gemüsen voll war. Die Lust war dick unb herbe. Von biesem Raum führte eine Tur zu einem buntlcn Gang. Die • rauhe Feuchtigkeit hatte sich burch bie Mauern gefressen. Auch in dem dunklen Gang roch es nach Kartoffeln unb Kohl unb anderem Gemüse, unb biefer Geruch begleitete sie bie Treppe hinauf, bis er nach unb nach von bem unbe­

schreiblichen Geruch abgelöst würbe, ber unausrott­bar an alten Häusern klebt unb von feuchten Mau­ern unb altem faulen Holz herstammt. Die Treppe war eng unb knarrte jämmerlich unter bem Gewicht der schweren Frau. Man konnte keine Hand vor Augen sehen, bie Gemüsehändlerin aber ging mit ge­übter Sicherheit durch die Dunkelheit und bie Detek­tive folgten ihr auf ben Fersen.

Schließlich blieb sie auf einem Absatz stehen unb steckte ben Schlüssel in eine Tür.

Die ganze Zeit über hatte sie kein Wort gesagt, jetzt aber fragte sie:

„Ist er verhaftet?"

„Nein," antwortete Krag. „Er ist tot."

'Einen Augenblick verharrte bas Schlüsselbunb ge­räuschlos in ihrer Hand. Auch von brautzen kam kein Laut, unb bie Dunkelheit umgab sie bicht unb beklemmend. Von unten aber drang ein rauher, saugender Luftzug durch bie enge Treppe zu ihnen hinauf.

Sie brehte ben Schlüssel um, unb bie brei Men­schen betraten einen Raum, ber auch buntel war, nur an einer Stelle sah man ein graues Fensterviereck, nicht größer als eine Steintafel über einem Grab.

Keller atmete tief.

„Was für ein Duft!" rief er erstaunt aus.

„Blumen..." ,

„Frische Blumen," sagte Krag, „wie auf einem Kirchhof. Machen Sie Licht."

XVII.

Die Schlüssel

Es bauerte eine Weile, bevor bie Gemüsehänd­lerin die Schachtel mit Schwefelhölzern in ihrer ge­räumigen Tasche fand, und währenbessen standen bie beiden Polizeibeamten in völliger Finsternis unb atmeten ben seltsamen blumengesättigten Duft, ber ben Raum füllte. „

Dieser Duft gab ben Anwesenden eine bt|ionare Empfindung von ber Nähe bes Todes. Es war, als ob ber verrückte Professor bereits vor ihnen nach Hause gekommen, ober als ob seine Seele von bem erbfeuchten, kalten Luftzug in bem alten Haus bie Treppe hinaufgetragen sei unb jetzt in bem Blumen­duft schwebte. Aehnlich empfinden Lebende oft bie Nähe kürzlich Verstorbener auf bem Kirchhof in bem Duft der Blumenpracht auf bem Sarge. Das Ge­fühl, in ber Nähe von etwas Ungewöhnlichem zu fein, wurde bei Asbjörn Krag so stark, daß er mit lauter Stimme wiederholte:

„Machen Sie Licht!"

Endlich glückte es ber Alten, ein Streichholz zu entjünben. Beim ersten flackernden Schein sahen

MONTROSE

17

Kriminalroman von Sven Elvestad

bie Detektive ein Gewirr von Farben im Zimmer, eine intensive Glut längs der Wänbe, unb als bie Lampe brannte, bekamen sie eine Erklärung für die­sen Farbenschimmer und den betäubenden Blumen­duft: in einer langen Reihe von Flaschen und Kru­ken standen alle möglichen prächtigen und seltsamen Blumen. Einige waren in voller Blüte, die meisten aber — und diese waren es, die den betäubenden Duft aussandten — waren bereits im Verwelken unb hingen traurig unb sterbend mit ihren Köpfen.

„Friedhofsdieb," murmelte Keller und betrachtete kritisch einige wundervolle Tulpen, die in einer grü­nen Wasserkanne standen.

„Kaum," antwortete Krag, der einen hastigen Ueberblick über bie ungewöhnliche Blumenpracht ge­nommen hatte, „diese Blumen sind aus Kränzen ober Buketts herausgerissen, sie sind aus Beeten ab­geschnitten."

Währenb er leise bie Namen ber verschiedenen Arten murmelte, zuckte er bie Achseln, als ob er das Schicksal dieser ichönen Blumen bebaute. Er hob eine schwarze Likörflasche, in ber zwei bezaubernde Sonnenrosen standen unb sagte:

„Diese hier sind vor kaum vierundzwanzig Stun­den in einem Treibhaus gepflückt worden."

„Aber in welchem Treibhaus?" fragte Keller.

Krag antwortete indirekt:

„Abbe Montrose war ein großer Blumenlieb­haber."

Keller lachte und zeigte auf das kleine Zimmer.

„Haben Sie bie wahnsinnige Zusammenstellung von Abbe Montrose unb dem verrückten Professor noch nicht aufgegeben," sagte er. „Betrachten Sie doch nur alle diese geleerten und halb geleerten Fla­schen Branntwein, unb Liköre von ber allergewöhn- lichsten Sorte. Ist das nicht Beweis genug, daß hier ein Trinker gewohnt hat? Unb ber Wahnsinn des Trinkers hat sich darin geäußert, daß er bie leeren Flaschen mit schönen Blumen schmückte, wie man Leichen schmückt. Hier hat erst vor kurzem ein großes Begräbnis stattgefunden, er war ja auch total be­trunken, als wir ihn trafen."

„Er war fast immer betrunken," schob die"Gemüse­händlerin mit ihrem groben Baß ein.

Keller lachte, tote nur ber lachen tarnt, der voll­kommen überzeugt ist:

„Unb toenn ich an den vornehmen und angesehe­nen Abbe Montrose denke, den berühmten Gelehrten ber den ganzen Tag in seiner Bibliothek saß, in feine Studien vertieft, bann bin ich leider nicht imstande. Ihnen in Ihren kühnen Mutmaßungen zu folgen."

,Zch habe gar keine Mutmaßungen," sagte Asbjörn Krag, der den Blumen noch immer seine unvcr- toanbte Aufmerksamkeit schenkte. „Ich behaupte et« ivas, was ich ganz genau weiß: biese Blumen sind nicht von einem Friebhof gestohlen, sie sinb kürzlich in einem Treibhaus abgeschnitten worben. Wissen Sie nicht, lieber Frennb, daß Abbe Montrose ein großer Blumenliebhaber war, er hatte ein herrliches

Treibhaus in seinem Garten. Diese Blumen gehören Abbö Montrose — mag er tot ober lebenbig fein."

„Sie können sich also immer noch nicht von bem Gedanken trennen, daß der verrückte Professor mit Abbe Montrose identisch ist?"

,^J bewahre, diesen Gedanken habe ich schon lange fallen lassen. Ich stelle nut fest, daß diese Blumen uns von neifem mit Abbe Montroses Garten, unb dadurch mit dem Verbrecher in Verbindung bringen. Ich bebaute von neuem, daß bet verrückte Professor tot ist, sonst hätte er uns das Rätsel leicht lösen können."

Die Gemüsehändlerin brummte ungeduldig. Offenbar wollte sie ungern mit den Aufschlüssen, die sie geben konnte, Einbrennen. Wie die meisten ihrer Gesellschaftsklasse wat sie glücklich, wenn sie der Po­lizei einen Dienst erweisen konnte.

Sie erzählte, daß ber verrückte Professor, ber sich Watten nannte, vor zwei Iahten bieses Zimmer ge­mietet habe. Gleich von vornherein habe er sich son­derbar benommen, daß es ihr ausgefallen sei.

„Erstens hatte er offenbar nichts zu tun," sagte sie, „und Menschen, die nichts zu tun haben, sind mir immer verdächtig. Dagegen hatte er die Eigenschaft, daß er sich gern verkleiden mochte: als er mal in den Besitz eines Doktorhutes kam, so einen, wie man sie auf ber Universität trägt, wat er glücklich. Da trieb er sich hier in ber Nähe auf ben Straßen herum, rebele Leute an, bis bte Polizei ihm ben Doktorhut fortnahm, weil er immer eine Volksmenge um sich versammelte unb ben Verkehr hinderte. Et tränt fürchterlich, unb toenn er betrunken toar, hielt et lange und sonderbare Zwiegespräche hier oben in seinem Zimmer. Stundenlang konnte er predigen, als ob er auf einer Kanzel stehe. Häufig kam er mit Blumen nach Hause, die er unter seinem Mantel verbarg, und sobald er eine Flasche leer getrunken hatte, schmückte er sie mit Blumen. Gestern toar er ganz toild vor Freude, weil er in den Besitz eines ganzen Priesteranzugs gekommen toar, mit bem er sich ausstaffiert hatte."

„Hatte er bisweilen Besuch?" fragte Krag.

„Selten," antwortete Fran Großmann, „unb bann waten es meistens Trnnkenbolbe, bie er von ber Straße aufgesammelt hatte und mit denen er zechte. Vor einigen Stunden aber waten hier zwei Männer, die nach ihm fragten."

(Fortsetzung folgt.)

Beim Arzt.

„Wenn Sie sich nach meinen Anordnungen rich­ten, können Sie noch zehn Jahre leben!"

„Und Wenn ich sie nicht befolge, Herr Doktor?"

„Dann befürchte ich, daß Sie innerhalb einet

Woche ein toter Mann sind!"

„Gut, ich werde mir die Sache vierzehn Tage überlegen."

Bei kleinen IPerleizungen.

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Das heißt: Nie mit nassem Körper in die

■KJQy * Sonne, und stets vorher einreiben mit

W, NIVEA' CREME NIVEA- ÖL

Das gibt dann wundervoll gebräunte und Nivea-Öl nicht, auch nicht durch

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Haut. Sie vermindern so auch die „Nachahmungen", die Ihnen als Gefahr des Sonnenbrandes. „ebensogut" empfohlen werden.

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