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Kasseler Neueste Nachrichten

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irenb die SA. verbo-

Sturm um Groener

Interview / Äon Dr. Owlglaß

der vierten

Werbeverein in L ------

und man beschließt, daß sechs

Kursus für Gesangserziehung. Für den vom 17. bis 19 Mai bont Zentralinstitut für Erziehung und V i= terricht mit dem Frankfurter Tonkünstlerbund in Frankfurt a. M. veranstalteten Kursus für Gesangs- erziebung zeigt sich allseits lebhaftes Interesse, und die zahlreich eingegangenen Anmeldungen versprechen einen angeregten Verlauf und starken Besuch. Mini­sterialrat i.r e st e n b e r g - Berlin wird den Kursus persönlich eröffnen. Wettere Meldungen, die bis zum letzten Tagt- angenommen werden, sowie Anfragen sind zu richten an die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des ÄDLMT Leerbachstraße 71, Tel. 53 534.

iveiter als ein Schritt, und seht schwimmt der große Mann in seinem ureigensten Element. Der Stä- dele braucht bloß zu fragen und bekommt im Hand­umdrehen sämtliche Welträtsel gelöst. Das hört sich soweit ganz schön an, und wenn er nur ein bißchen abergläubischer wäre und bronzierten Pappendeckel für Gold nähme, könnte er vollauf zufrieden scm. Aber er behält seine Bedenken, Zweifel und Ein­wände doch lieber für sich; bloß grad eins möchte er zum Schluß noch gerne wissen: was die Herren Freigeister denn nun eigentlich wollen. Der Herr Professor sieht ihn groß an, zieht die Augen­brauen hoch und erwidert:Das läßt sich mit einem Wort sagen, mein lieber Herr Städele: wir suchen die Wahrheit!"

So?" denkt der Städele bei sich.Und sonst bist g'sund?' Dann steht er auf, bittet um Enb schuldigung, wenn er etwas gestört habe, bedankt sich böslich, schüttelt den, Schulkameraden von «inst bie­der die Rechte und sagt, bereits unter der Türe, mit einem Rückfall in sein Honoratiorenschwäbisch: ,Fa- ja, -'Wahrheit! . . . Aber net wahr, Herr Profesior, dees verspreche Se mir: sobald Se sc g'funde hent, telefoniere Se mirs umgehend . . . Verenabcuren Nummer dreiundsufzig . . .'

Und schon ist er draußen.

Auf der Treppe, wie das ja meistens so geht, fällt ihm noch eine schöne Redewendung ein, die in Verenabcuren und da herum gang und gäbe ist (ein Leckerbissen nebenbei für Erkenntnistheoretiker): Wenn m'r di vo weitem steht, moint m'r, du seiescht a Rindvieh; wenn d'aber näher kommst, no ischt's a Tatsach . . .

Dafür hat er nun heute leider keine Verwendung mehr . . . Das nächstemal vielleicht.

Es folgte nun die allgemeine politische Aussprache mit der die Mitztrauensanträge und die Anträge ge­gen das Verbot der kommunistischen Gottlosenorga­nisation und gegen die Aufhebung der national­sozialistischen Sturmabteilungen und Schutzstaffeln verbunden sind.

Abg. G r a tz m a n n (Soz!) polemisiert« gegen die Ausführungen des deutsch­nationalen Abg. Bang und wies darauf hin, daß di« verarmte deutsche Wirtschaft heute noch immer 2^ mal soviele Direktoren beschäftige wie in der Vor­kriegszeit. Die Fehlleitung des Kapitals habe in den kartellierten Betrieben immer schlimmere Folgen an­genommen in der gleichen Zeit, in der Millionen von Arbeitslosen als Bettler von Haus zu Haus ziehen.

Die Nationalsozialisten hätten heute endlich das bisher von ihnen als Geheimnis behütete Arbeitsbe- schasfungsprogramm mitgeteilt. Die von dieser Seite so scharf bekämpften freien Gewerkschaften hätten schon seit Januar 1930 immer wieder die Regierung dringend ersucht, rechtzeitig die Arbeitsbeschaffungs Vorschläge der Gewerkschaften durchzuführen, und vor allem die Ueberstunden zu verbieten und die Arbetts zeit zu verkürzen-. In der jetzigen Zeit der akuten Not könne die Hilse nicht von dem heute vorgetragenen nattonalsozialistischen Programm kommen, besten Verwirklichung viele Jahre in Anspruch nehmen würde. Die Arbeitszeitverkürzung auf höchstens 40 Stunden wöchentlich müsse für alle Produkttonsgrup^

Aehnlich wie die Gesellschaft zur Pflege der «au^ mermusik will das neue Kammerorchester für einen geringen Eintrittspreis, der die Unkosten für Saal­miete, Reklame, Noten usw. decken soll, musikinterci- sierten Kreisen Werke alter Meister wie Telemann, Vivaldi, Lully, Dittersdorf, Händel, Jos. u. Mtchael Havdn, Bach (Vater und Söhne), Mozart u. a. mög­lichst original- und stilgetreu ohne rungenten dar­bieten. Für die Sommermonate sind auch nach dem Vorbild anderer Städte an geeigneten Plätzen Kas­sels bei schönem Wetter nächtliche Serenaden unter freiem Himmel geplant. Für den kommenden Wm.er wird ein Zyklus ältester Kammermusitwerke tn chro­nologischer Abfolge vorbereitet, der als Besonderhet- ten auch alte unbekannte Opernwerke wieRoland von Lullv (1659), ,,Callirhoe" von Destouche- (1712) u. a. zu Gehör bringen soll.

Beteiligt sind an dem Kammerorchester für die Vio­line die Kammermunker Borisch, yemb, Rull mann Ziehe, Friedrich, für die Bratsche Bode und Gees«, zur Cello Berckmann, für Kontrabaß Grze>ck für Flöte und Oboe Kober und Gericke, ylore und Pauke Leist, für Klarinette Lohmann, für Horn yechner und Man­gold. Wenn das junge Orchester von selten der Be­sucher und lluhörer die erwartete genügende Unter­stützung findet, werden seine Abende zweifellos eme interessante Forderung und Bereicherung des Kasse­ler Musiklebens bedeuten können.

Daß der kleine Schreinermeister Städele tn Vere- nabeuren und der grotzmächtige Herr Professor Dok­tor Hadubrand in Berlin vor vielen Jahren einmal aus der nämlicheii Schulbank einträchtig nebeneinan­der gesessen sind, sollte man nicht für möglich halten.

Abg. Hepp (Landvolk) schließt sich dem nationalsozialistischen Vorredner in der Kritik der Wirtschaftspolitik der Regierung in vielen Punkten au. In Deutschland gebe es keinen Menschen, der eine Fortzahlung der Reparationen für möglich halte. Das Verbot der nationalsozialisti­schen Sturmabteilungen und Schutzstaffeln werde von der Landvolkpartei in keiner Weise gebilligt. Minister Schiele habe das große Werk durchgeführt, den deutschen.Getreidebau in der schwersten Zeit vor dem völligen Verfall zu bewahren. Anzuerkennen sei auch die Tätigkeit des Ministers Schlange. Die Schutz­maßnahmen für den bäuerlichen Beredelungsverkehr hätten leider den erhofften Erfolg nicht gehabt. Das sei auf die unglückliche Zusammensetzung des Kabi­netts zurückzusühren. Die Steuerpolitik der letzten Zeit habe sich nur fiskalischen Bedürfnissen angepaßt und wirtschaftspolitische Gesichtspunkte ver­missen lassen.

Oie Abstimmung über das Schulöeniilgungsgeseh

Damit war bie erste Beratung des Schuldentil­gungsgesetzes beendet. Die Nationalsozialisten bean­tragen Ueberweifung bet Vorlage an den Haushalts­ausschuß. Dieser Antrag wird im Hammelsprung mit 264 gegen 209 Stimmen der Nationalsozialisten, Kommunisten und Deutschnationalen abgelehnt.

ES folgt bie zweite Beratung, in der das Schul­dentilgungsgesetz gegen die Stimmen der National­sozialisten. Kommunisten und Deutschnationalen angenommen wird. § 8, der die Ermächtigung zur Sparprämienanleihe für die Arbeitsbeschaffung ent­hält, wird im Harnrnelfprung mit 245 gegen 224 Stimmen angenommen. In diesem Falle hat auch die Deutsche Volkspariei mit der Opposition gestimmt. Die dritte Beratung wird später stattfinden.

ten wird, läßt man das Reichsbanner bestehen, das zum größten Teil aus Sozialdemokraten besteht, also aus Angehörigen einer Partei, die die Kriegsdienst­verweigerung proklamiert hat.

Bei den Sozialdemokraten fetzt hierbei ein neuer ?!roteststurm ein. Abg. Sollmann (S.) ruft:Sie nb ein Lügner!" Abg. Dr. Frick (NS.) ruft zum Vizepräsidenten Esser:Sollmann muß zur Ordnung gerufen werden!" Abg. Sollmann (S.) ruft:Ja ich habe Göring wegen feiner verlogenen Verleum­dung meiner Partei einen Lügner genannt und wie­derhole das!" Vizepräsident Effet tust den Abgeord­neten Sollmann zur Ordnung.

Abg. Göring fährt fort: Ohne die SA. wäre die Ordnuilg im Innern überhaupt nicht hergestellt wor­den. Dte Nationalsozialisten werden Deutschlands Grenzen schützen, aber sie werden vorher mit den Ver­rätern im Innern aufräumen.

Als der Berliner Polizeipräsident tn Per Nähe des Reichsratstisches sichtbar werd, ru,en die Nationalsozialisten lautIsidor ist da! Raus mit Isidor!' Der Lärm legt sich erst, als Abgeordneter Göring seine Parteigenossen zur Ruhe ermahnt. Llbg. Göring richtet dann weitere Angriffe gegen, die So­zialdemokraten unter allgemeiner Unruhe dte in all­gemeines Gelächter übergeht, als Vizepräsident Esser sagt:Ich ersuche den Abgeordneten, sich zu melden, der soeben den Rednerblöder Hammels genannt hat I Ein Sozialdemokrat meldet sich und wird zur -rd- nung gerufen. Auf die Frage des Vizepräsidenten, wer Isidor gerufen habe, melden sich fast alle Ratto- nalfozialisten. Sie Werden zur Ordnung gerufen.

Abg Göring: Jetzt, nachdem wir aus den Lan- derwaylen so stark hervorgegangen sind, wenden wir uns ausdrücklich an alle Parteien die bewußt am Aufbau Deutschlands arbeiten wollen. Wir reichen ihnen die Hand zu genieinsamem Ausbau, lassen aber auch darüber keine Unklarheit, van em volllg neuer Kurs Platz greifen mutz. Wer unter diesen I Umständen bereit ist, mit uns zusammenzuarbei.en, I den werden wir nicht zurückstoßen. Die erste Voraus- I setzung für jede Aufbauarbeit tst, datz das Kabinett

Brüning verschwindet.

Das Wort nimmt dann

Innen» und Wehrminisier Groener

Wenn der Abg. Göring der Regierung und mit den I Vorwurf gemacht hat, daß wir durch das Verbot der I ZA. und SS. der Nationalsozialisten die moralische I Abrüstung des Freiheitswillens herbetgeführt halten, I so muß ich dagegen auf das ernieste Verwah- I tung einlegen. (Erregt mit der Sauft aus das Red- I ucrpult schlagend) Ich verbitte mir das. <E"deklat- I scheu in der Mitte, erregte Zurufe bet den Rattonal- I sozialisten). _ ..

I Abg. Göring hat in außerordentlich warmer Weise die Vaterlandsliebe der SA. gerühmt Es^war^aHer für bie Staatsautoritat nicht erträglich, daß 400 »00 I tatbeoierine junge Leute nur ihrem Parteiführer zur I Verfügung stehen und nicht dem Staat. Fchkaunhier nicht das'Material vortragen das uns m die Hände gefallen ist, aber einiges muß cmmal gesagt werden zur Erläuterung der Worte, die Hitler m Lau«,.

I dcfnat hast (Die Abgeordneten Gormg und Frank H machen erregte Zwischenrufe).

Schwarz auf Weiß:Kleine polm che ^n6cn',n6 ftb zuwehren. Sobald ein Aufmar,ch regularer Truppen erfolgt, ruckt die SA. in die befohlenen Bereltstellungs- räume". Als Grund ist angegeben:Wir wollen un­serem Führer unbedingt die SA. Zus Verfügung hal­ten". (Zuruf von den Nationalsozialisten: »Rch Ihnen doch nicht etwa!" Bon links wird geantwortet:Das istdas Bekenntnis des Landesverrats). Wenn unsere

haben muß.

Wir werden Arbeit schaffen durch die Schaffung von Eigenheimsiedlungen. An dem Tage, an dem wir die Regierung übernehmen, wird der erste Spatenstich dazu gemacht. 8,5 Millionen Hek­tar Land in Deutschland muß drainiert werden. Hier zeigt sich reiche Arbeitsmöglichkeit. Noch immer ind viele Millionen Hektar Moor und Oedland ur­bar zu machen. Hier könnte PieArbeitsdienst- , flicht, sich bewahren. Die in der freien Wirt- chaft ausgeführten Arbeiten müssen zum Tariflohn bezahlt werden, für die. übrigen Arbeiten ist die Ar­beitsdienstpflicht da. Wenn der Staat erst durch die Arbeitsvergebrmy den Motor angekurbelt hat, dann wird er in zwei Jahren von selbst weiterlaufen, denn Arbeit erzeugt neue Arbeit. Die bisherigen Siedlungsversuche der Regierung weisen schwere Mängel aus. Ein staatliches Roggenmono- p o l wird sich nicht vermeiden lassen, wenn wir nicht das Lohnproblem lösen wollen. Die Kontrolle der Lebensmittelpreise und die Ausschaltung der Spe­kulation mit notwendigen Lebensmitteln ermöglicht es dem Staat erst, dem Lohn eine wertbeständige Grundlage zu geben.

Gegen unsere Arbeitsbeschasfungspläne wird oft eiugewandt, wir seien in Deutschland zu arm, Arbeit zu schaffen. Wir anworten: Gerade weil wir arm iind, müssen wir Arbeit schaffen, uni aus der Armut «erauszukonimen. Wir wollen die Finanzierung des Arbeitsprogramms durch eine eigens dafür bestimmte Wirtschaftsbank durchführen. Die Ersparnis an Erwerbslosenunterstützung, das Mehrauskommen an Steuern bieten bie Möglichkeit für eine zusätz­liche Krebitschöpsung, die solange unbedenk­lich ist, wie ein starker, sauberer Staat darüber wacht daß damit kein Mißbrauch getrieben wird. Eine Neuorganisation der Elektrizität-Wirtschaft muß dem jetzigen Wucher bet den Licht- und Strompreisen ein Ende machen. Das Wichtigste ist aber die

radikale Senkung des viel zu hohen Zinsfußes. Auf diesem Wege kommen wir zu einer Neugestaltung unserer sozialen Sttuktur, zu einer Weltenwende. Wenn wir hier unser Programm vorlegen, so erken­nen wir an, daß Brüning an alle diese Probleme mit dem besten Willen herangegangen ist. (Rufe bei

Er biedert sich an beim Zen­

trum!'), aber es war ihm unmöglich, seine Pläne durchzuführen, weil er seine ganze Kraft darauf ver­wenden mußte, die betrogenen Parteien zusammen- zuhalten, mit denen es regiert. Mit einer Vielheit von kleinen Parteien kann man in dieser schicksals­schweren Zeit nicht regieren, sie müssen weg. (Beifall bei den Nationalsozialisten. Unruhe.) Regieren kann man nur mit einer Volksbewegung, die ihrem Führer unbedingtes Vertrauen entgegenbringt.

Das Kasseler Kammerorchester

Die Bereinigung der Musik- und Theaterfreunde macht daraus ausmerksam, daß zur Bereicherung der kammermusikalischen Daroietunaen m Kassel sich im Januar d. I. Mitglieder der Staatlichen Kapelle zu einem Kammerorchester zusammengeschloffen haben. Rach dreimonatiger ernster Probenzett gedenkt es am 18. Mat zum ersten Male selbständig mit Werken von Bach. Mtchael Haydn und Mozart hervorzutreten, nachdem bereits in der Aufführung des Stürmer­abends Mitglieder des Orchesters rrsolgrerch such be­teiligt haben. . - --

pen durchgeführt werden, auch für die Eisenindustrie, die sich noch immer dagegen sträube.

Abg. Göring (Ratsoz.):

Das Kabinett Brüning, das sich alsKabinett der Frontsoldaten' vorgestellt hat, ist tatsächlich ein Kabi­nett der Illusionen. Es Hst nicht möglich, an interna­tionalen Verhandlungen mit Erfolg teilzunehmen, wenn im Innern nicht eittt'iräfnge völkische Politik gemacht wird. Die bei diesen Verhandlungen erreichte Isolierung Frankreichs ist nicht ein Verdienst Brü­nings, sondern sie ist trotz und gegen da- Kabinett Brüning herbeigesührt worden. Der deutsche Sieg in Danzig und im Memelgebiet trägt nicht das Signum Brünings, sondern Hitlers.

Bei der Abrüstungskonferenz hätten wir gewünscht daß nicht ein italienischer Außenminister die deut­sche Politik hätte vertreten und das sagen muffen was eigentlich ein deutscher Staatsmann hätte sagen müssen. (Beifall bet den NS.) Das Verbot der SA. und der SS. betrachten wir als die moralische Abrüstung des nationalen Freiheitswillens durch die Regierung. (Beifall bei den NS.) Diese Sturmabtev tuiiacn und Schutzstaffeln sind keine Privatarmee sondern sie dienten ausschließlich dem schütz unserer Partei gegen den Mordterror der Gegner. (Betsall bet den NS-, Unruhe links.)

Wir wollen die Reffortgrenzen achten, für Landes­verrat find Sie (zu den Sozialdemokraten) zuständig (Diese Aeuherung führt zu stürmifchen Protestkund-

interefficrcn, und auch den ungewohnten Pläsierlich leiten geht man nicht zimperlich aus dem Weg. Schon zuhause hat sich der Städele vorgenommen, die günstige Gelegenheit zu benützen und seinen ehe­maligen Mitschüler, den Herrn Professor Hadu­brand, aufzusuchen, einmal wegen der alten Karne- radschast, und dann auch, weil er ihn 8"»«in biß eben darüber ausfragen mochte, wie es «un eigent lieb mit dieser übelberufenen Freigeister«, bestellt Ist und auf was die ganze Geschichte hinauslau,t.

Also schlägt er im Adreßbuch nach, wo der große Mann wohnt, und rückt nachmittags zwischen drei und vier bet ihm an. Man führt ihn m ein ge­räumiges Zimmer mit lauter Büchergestellen an den Wänden, wo ein graubartiger Herr am Schreibtisch sitzt und verwundert aufschaut. .

öStädele Ist mein Name', sagt der Betuch« f° schön hochdeutsch, wie es ihm nur »rg-nd möglich ist Und als ihn der Herr nur immer bloß erstaun mustert, fährt er fort:Wtr sind nämlich vorzeiten einmal zufammen tn die Realschule gegangen ...

Städele??' fragt jetzt der Herr Professor, schüt leit den Kops und denkt mit einer so angestrengten Miene nach, als müsse er einen Ichthyosaurus aus lautet kleinen Posidonien-Nieser-stuckchen zufam- feben Jawohl, Heinrich «rädele aus Derenabeu reu', wiederholt der Schreinermeister und muß ubers ganze Gesicht grinsen.Kannst dich denn nimmer Cli",9Iab'. . . jetzt dämmert es mir . . ganz richtig . . . und was verschasft mir die Ehre, Herr Städele?'

So einer bist du?' denkt der und bekommt rote Ohren.Wart nur, Alterle, dich tootten toir toon kriegen!' Und laut sägt er:Wett Sie halt gar so berühmt geworden sind, Herr Professor,.und wei ich grab zufällig in Berlin bin, hab ich so frei fein

Schon' hat die Witterung in den böheren Luft­schichten umgeschlagen. Der Professor siebt auf ein« mal ganz wohlwollend aus, steht aut, re>chi dem Gast die Hand und bietet ihm einen >Jnhl an. <>a, er geht so weit, sich herablassend nach seinen Schick­salen und Verhältnissen zu "kundigen, und erfährt von dem Schreinermeister °^/s Wissenswerte, day er drei Gesellen habe und mit einem Motor arbeite und natürlich auch ein Telephon besitze und so fort Von der Technik bis zur Naturwlssenjchaft lst s Nicht

Reichstag mit Zwischenfällen

Heftiger Vorstoß des Nationalsozialisten Göring gegen den Reichsinnenminister / Groener verteidigt das G. A.-Verbot Oie Sitzung muß unterbrochen werden

ist schon so; bloß eben, der Städele ist nach ... ____ien Realklasse zum goldenen Handwerk ab­

geschwenkt, nicht wegen der Dummheit, sondern weil der väterliche Geldbeutel keine Milch mehr hergab, und der andere ist an der Letter der Weisheit hö­her und höher geklettert, bis es nach menschlicher Meinung ganz einsach nicht mehr weiter ging. Da thront er nun im bläulichen Aether, schaut mit sei­ner scharsen Brille alles, aber auch alles, durch und durch uud ist nebenbei der Gottsöberste aller jener sogenanntenFreigeister' rings im Lande, die aus dem einen Pferch ausgebrochen sind, um ,ich flugs in einem anderen wieder zusammen zu finden. Ge­sehen haben sich die zwei seit ihren gemeinsamen Schultagen nicht mehr, und der Herr Professor bat den Städele natürlich längst vergessen; dieser aber ibn nicht schon darum nicht, weil der Name des Jugendsreundes alle Nasen lang tn der Zeitung ttfbt freilich nicht immer grad mit rühmenden Be- fllettmorien; denn Siädeles heimatliches Wochen- blatt hält nicht viel vom Fortschritt. Doch der Schreinermeister ist ein heller und grüblerischer Kopf, bat sich hinter Hobelbank und Leimtiegel über Gott und Zelt seine eigenen ©cMnlen gemacht gescheite und wohl auch etliche ungescheite, und laßt sich nicht so leicht ins Bocksdorn jagen, von einem bedruck­ten Stück Papier schon gar nicht. In aller Stille ist er da hinten in Verenabeuren so^eine Art Philo- soph geworden, von der sUtischen «orte, und $att< dem alten Sokrates sicherlich nicht mißfallen.

Eines Taacs aewinnt der Verenabeurener Ge- Eines Tages gcwin ^.^ fün^^ntfUItbcIt Mark, u,.o luun uviuMefjt, daß sechs MitaUeder aus l werden sollen, um mit dieser Summe ttlbander eme Reise nach Berlin zu unternehmenbehu,s Erweite­rung ihres Gesichtskreises'. <6 # ® n!

darunter, zieht seinen schönen, dunkelblauen ^.onn- tagsanzug an und begibt sich wohlgemut auf die große Entdeckungsfahrt.

In der Reichshauptstadt werden die Kopfe zu­nächst etwas wirbelig von dem Umtrieb und Ge­töse; aber dann findet man sich doch zurecht, ieder guckt sich nach den Dingen um, die ihn bejondcrs

Schaffung eine» Johann« S«Mf-Museum». Anläß­lich des 70. Geburtstages von Johannes Schlaf am 21. Juni d. I. soll am Geburtshaus- des Dichters in Querfurt eine Gedenktafel enthüllt werden. Es ist geplant, gleichzeitig in seiner Vaterstadt ein Museum zu schassen, in dem Erinnerungsgegenstande, Briefe, Manuskripte und Bildnisse von Johannes Schlaf zu einer Sammlung zusammengeschlossen werden sollen, um sie der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen.

tig muß cs heißen:Arbeit schasst Kapital!' Wir I den Komulunisten: verlangen eine Aenderung der schwächlichen Fassung tnimf'V nh#r »a v des Verfassungsartikels Nr. 163 dahin, daß es küns- tig heißt, daß" jeder Deutsche das Recht auf Arbeit

________Mittwoch, 11. Mai 193? gedungen der Sozialdemokraten. Mehrere Sozialde­mokraten rufen:Dieser Lump will uns beschimp­fen!") Vizepräsident Esser ruft den Abgeordneten Gö­ring während feiner leiden Bemerkung zur Ord­nung. Einige Sozialdemokraten rufen:Das genügt nicht, der Lump muß raus!" Vizepräi.dent Esser: Wir haben nun V/2 Tage lange ruhig verhandelt und wollen doch nun weiter ruhig bleiben!"

Abg. Göring (NS.) fährt fort: Es ist bestritten worden, daß das Verbot der SA. auf ausländische Einflüsse zurückzuführeu ist. Ich richte aber an den Reichskanzler die Frage, ob cs richtig ist, daß der Botschafter von Hoesch in wiederholten Telegrammen darauf hiugewiesen Hai, daß das Verbot der SA. für die Abrüstungskonferenz und für die weiteren internationalen Verhandlungen dringend notwendig fei?

Reichskanzler Dr. Brüning: Diese Frage kann ich sofort dahin beantworten, daß In keinem Tele­gramm des Botschafters von Hoefch von einem Ber- bot der SA auch nur dir Rede war. (Lebhafte Hört- Hört-Rufc und Rufe links:Schon wieder eine nativ-

Berlin, 11. Mai.

Anderthalb Sitzungstagc hat es der Reichstag fertig gebracht, inen Formen zu verhandeln, die früher einmal die guten parlamentarischen Formen genannt wurden. In dieser Weise wurde das Sckuldentilguugs-Gesey in erster und zweiter Be­ratung verabschiedet. Als dann das Verbot der nationalsozialisttscheu Sturmabteilungen und Schutz­stafseln zur Erörterung kam, wiederholten sich die «rurmszenen der letzten Tagungsabsch-tttc in ver­stärktem Umfang.

Beim Schn Ide ntilgungsgesetz hielt zu­nächst

Abg. Bang (Dn.)

eine scharfe Angriffsrede gegen die Finanzpolitik der Regierung. Er nannte es eine leere Phrase, wenn der Etat dem Reichstag vorgelcgt werde, ob­wohl die Regierung die Absicht verkünde, im Falle seiner Nichtannahme den Etat durch Notverordnung ip Kraft zu setzen. Die Haushaltsgeschichte der letz­ten vier Jahre sei die Geschichte des Zusammen­bruchs aller Jllustoneii, Hoffnungen und Verspre­chungen trotz aller Vorausberechnungen der Regie­rung. In einem gesunden Staat lebe die Wirtschaft von der Politik; bei uns lebe seit dreizehn Jabren die Politik von der Wirtschaft mit dem Erfolg ihrer Zerstörung. Helfen könne allein die Befreiung und Entlastung der freien Wirtschaft bei grundsätzlicher Umstellung des staatssozialistischen Apparates. Bisher sei das Gegenteil geschehen. Das neue Etatsjahr stehe schon jetzt angesichts der zu er­wartenden Steueraussälle und der» Möglichkeit, neue Kredite aufzunehmeu, vor einer für die heutige Po­litik unlöslichen Situation. Das System von heute sei gewogen und zu leicht befunden. Seine Uhr sei abgefaufen.

Abg. Baltrusch (Volksuat. Reichsvereinigung) stimmte dem Schuldentilgungsgesetz mit Einschluß des Kreditermächtigungsgesetzes zu. Die wichtigste Frage sei die, wie die Beschäftigungslosen wieder in Arbeit zu bringen sind. Ohne Beseitigung der Tributzahlungen sei die Belebung der Wirtschaft nicht möglich. Die Reichsregierung müsse bas Nein aufrechterhalten. Wer für völlige Autarkie eintrete, drücke den Lebensstandard des Volkes herab. Einem weiteren Lohnabbau müsse sich die Reichsregierung mit allen Mitteln widersetzen.

Die Wirtschaftspolitik

»er NSDAP.

Abg. Straffer

nahm dann das Wort, um in sehr ruhigen und sach­lichen Ausführungen das nationalsozialistische Wirt­schaftsprogramm darzulegen. Seit 1930, sagte Stras­ser, hat sich trotz der inzwischen aufeinander folgen­den gewaltigen nationalsozialistischen Wahlsiege an der Reichspolitik gar nichts geändert. Die Regie­rung führt nur den Kampf gegen uns, nicht aber den Kampf für das deutsche Volk. Die große anti- kapitalistische Sehnsuchtswelle, die durch das deutsche Volk geht, findet ihre Befriedigung nicht mehr in den Sozia.emokraten, die am 1. Mat den Massen nichts weiter zu verheißen wußten als Arbeit.zeit- verkürzung, Völkerfriede und Klassenhaß. Die so- zialdemokratischen Gewerkschaften haben auf ihrem Kongreß einen viel vernünftigeren Standpunkt ein­genommen alS die Sozialdemokratische Partei, lieber

das Arbcltsbeschaffungsprogramm

dieser Gewerkschaften läßt sich reden. Wir sind be­reit, daran mitzuarbeiten und sehen in dem im Or­gan derfreien Gewerkschaften' von Woytinskl da­für entworfenen Finanzierungsplan viele Gedan­ken, die unsere Gedanken sind. Den Regierungsplan der Sparprämienanleihe lehnen wir ab. Er versucht eine Lösung, die keine Rücksicht auf die deutschen Arbeiter nimmt und die für uns als un­abhängige Arbeiterpartei unannehmbar ist. Unsere Partei legt ein besseres Arbeitsbeschaffungspro­gramm vor. DaS betrachtet als feine Grundlage nicht das Gold, fondern die beiden ewigen Werte, bie es gibt, die Bodenschätze und die A r b e.i t. Falsch ist der Satz:Kapital schafft Arbeit!' Rich-