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Hessische Abendzeitung
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Nummer 108*
Dienstag, 10. Mai 1932
22. Jahrgang
KMS9S
Lebrun wird französischer Staatspräsident
Heute nachmittag Präsidentenwahl in Versailles / Litauische Umtriebe im Memelland / Oer Kampf um das Schuldentttgungsgesetz
Auch painieve verzichtet
Eigener Drahtbericht.
Oie Regierungskrise in Oesterreich
Von unserem Wiener Korrespondenten.
Paris, 10. Mai.
Nachdem sich Paul Pa i n l e v c auf Drängen seiner Freunde gestern bereit erklärt hatte, als Präsidentschaftskandidat der Linken bei der heutigen Wahl des Staatspräsidenten aufzntreten, ist diese Kandidatur noch im Laufe der Nacht zurückgezogen worden. Für die Staatspräsidentenwahl, die heute nachmittag um 14 Uhr in Versailles stattfindet, kandidiert also nur noch der bisherige Senatsprästdent L e - drun.
Die Zurückziehung der Kandidatur Painleves, die von der Mehrheit der radikalen Senatsfraktion veranlaßt wurde, erklärt sich einmal aus dem Wunsche, nach der Ermordung des Präsidenten Doumer dem Auslände eine Manifestation der nationalen Einigung in einem Augenblick der Landestrauer vorzuführen, und dann aus der Tatsache, daß nicht die neugewählte Kamtner, sondern die alte Kammer, die ja politisch ganz anders zusammengesetzt ist, an der Wahl teilzunehmen hat.
Senatspräsident Lebrun wird im ersten Wahlgang wohl f a st e i n st i m m i g gewählt werden. Selbst die Radikalsozialisten die die Kandidatur Painleves unterstützt hätten, werden ihre Stimme für Lebrun abaeben. Herriot hatte am Montag nachmittag erklärt, daß seine Parte- für Painleve stimnten werde, wenn er Kandt vat sei. Im anderen Falle stimme sie für Lebrun. In Anbetracht dieser nunmehr wesentlich vereinfachten Lage ist damit zu rechnen, daß die W a h l in Versailles gegen 5 Uhr nachmittags 6 c e nd e t ist.
Der neue Staatspräsident Lebrun wird sich dann programmäßig in Begleitung des Ministerpräsidenten und gefolgt von einer Ehrengarde zu Pferde im Automobil nach Paris begeben, wo sein erster Besuch den sterblichen Ueberresten seines Vorgängers gilt, der im Elysee aufgebahrt ist.
Kartell oder Konzentration?
Paris, 10. Mai.
Zn politische» Kreisen herrscht vorläufig noch csrotze Ungewißheit über die kommende Regierungsmehrheit in der Kammer. Sowohl Konzentration wie Kartell sind möglich, obgleich man in parlamentarischen Kreisen nicht daran glauben will, daß Herriot das Experiment von 1924 wiederholt.
Die Radikalsozialisten hielten am Montag unter der Führung Herriots eine kurze Sitzung ab, in der die neue Lage besprochen wurde. Der ehemalige Ministerpräsident weigerte sich jedoch, irgend eine Erklärung abzugeben und wies auf den Parteitag ani 18. Mai hin, auf dem erst endgültige Beschlüsse gefaßt werden sollen.
Putschgefahr im Memelland?
Bkeniel, 10. Mai.
In der Nacht zum Dienstag sind über die litauischmemelländische Grenze zahlreiche Jungschützenverbände auf Lastautos und Fahrrädern in das Memelland gekommen. In den Straßen von Memel fahren Jungschützen umher. Tie Beunruhigung in der Bevölkerung ist außerordentlich stark. Man befürchtet den Einmarsch weiterer bewaffneter Verbände und einen Putsch.
Die Auffassung geht dahin, daß die von Merkys eingesetzten Nachgeordneten Stellen befürchten, ihre Posten zu verlieren, falls ein neuer Gouverneur eingesetzt wird, und daß diese Grotzlitauer vollendete Tatsachen schaffen wollen.
Neue polnische Schikane
Danzig, 10. Mai.
Auf der bevorstehenden Genfer Ratstagung wird der Völkerbundsrat voraussichtlich eine Entscheidung treffen müssen, die nicht nur für die Danziger Wirtschaft, sondern auch für die völkerrechi- liche Stellung Danzigs von höchster Tragweite ist. Bekanntlich hat der Hohe Kommissar des Völkerbundes in Danzig Graf G r a v i n a tn Sachen des Danziger Veredelungsverkebrs entschieden, daß Polen mit dem Ausschluß der Danziger Veredelungswaren von polnischem Gebiet eine gegen den Sinn des Zollvereins verstoßende „action birecte" begangen bat. Polen hat diese Entscheidung bis beute früh völlig mißachtet.
Auch nach dem Spruch des Hohen Kommiffars iverden Danziger Veredelungswaren in Polen nach wie vor beschlagnahmt.
Polen ist in seiner Nichtachtung der Entscheidung des Hohen Kommiffars sogar soweit gegangen, daß es eine neue Finanz st rasbe st immung gegen
die Einfuhr von Danziger Veredelungswaren nach Polen erlassen hat. Diese Strafbestimmung ist ferner ausgedehnt auf die Waren des Danziger Lagerver- kehts und die Waren, die Danzig vertragsgemäß zur Weiterverarbeitung für seine eigene Industrie, Landwirtschaft und sein Handtverk aus dem Ausland beziehen darf. Vielen Wirtschaftsunternchmungen in Danzig, namentlich der Industrie würde die Daseinsgrundlage entzogen, wenn sie die weiter bearbeitenden Eigenbedarfskontingente nicht mehr auf dem polnischen Markt absetzen könnten.
Polen hat damit mitten im Zollvereinsgebiet eine Zollgrenze gegen Danzig gezogen.
Der Danziger Senat hat die Entscheidung des Völkerbundskommissars gegen diese neue polnische Maßnahme angerufen, die den Sinn des Versailler Vertrages und der Begründung für die Abtrennung Danzigs vom Deutschen Reich und für seine Zollvereinigung mit Polen zuwiderlaufen. Der Hohe Kommissar hat den Antrag an den Völkerbundsrat weitergegeben.
9 Listen in Oldenburg. Sonntag lief der Termin für die Einreichung von Wahlvorschlägen für die oldenburgischen Landtagswahlen, die am 29. Mai stattsindcu, ab. Eingereicht worden sind neun politische Listen, und zwar: Nationalsozialisten, Deutsch- nationale, Landvolkpartei, Nationale Vereinigung, Zentrum, Staatspartei, Sozialdemokraten, Sozialistische Arbeiterpartei und Kommunisten. Unter dem Namen „Nationale Vereinigung" haben sich Deutsche Volkspartei und Wirtschaftspartei auf ente gemeinsame Liste geeinigt. .
A. K. Wien, 9. Mai.
Der Einbruch der Hitler-Partei in die angestammten Domänen der Ehristlichsozialen anläßlich der Landtags- und Gemeinderatswahlen, vor allem aber ihr sensationeller Wahlerfolg in Wien, hat ein beträchtliches Durcheinander in den Reihen der großen klerikalen Bürgerpartei zur Folge gehabt, das bis dahin mehr oder weniger geruhsam amtierende Parlament in einen Haufen aufgescheuchter Volksvertreter verwandelt und die Regierung Buresch nach einigen Tagen unzulänglicher Behauptungsversuche zum Rücktritt veranlaßt. Auch jetzt zeigte sich wiederum, daß der ganze beschauliche Regierungsapparat in Oesterreich in Unordnung gerät, wenn irgendwelche unerwarteten Ereignisse eintreten. Das klassische Land der Traditionen ist gegen Unvor- hergesehenheiten schlecht gewappnet, und es bedarf gewöhnlich einiger Zeit, bis man sein seelisches Gleichgewicht gegenüber Iraditionsseind- lichen Erscheinugen wiedersindet. In unserem Falle genügten im Zusammenhänge mit diesem Ausfall der Länderwahleu drei Anträge der oppositionellen Sozialdemokraten, Grotzdeutschen und des Heimatblocks aus Parlamentsauflösung und Ausschreibung von Neuwahlen, um die Regierungsdemission auszulösen, denn Herr Buresch verfügt im Nationalrat nur über 75 Stimmen der Ehristlichsozialen und Landbündler gegenüber den 90 der Opposition und -wäre bei einer allfälligen Abstimmung int Parlament wie im Verfassungsausfchuß in der Minderheit ge-
Nachtsitzung am Donnerstag?
Das Programm des Reichstags
th. Berlin, 10. Mai.
Auf den sehr ruhigen Anfang der neuen Reichstagssession hat Wohl kaum jemand gerechnet, denn nach einer Pause von zehn Wochen pflegt sich imnter- hin eine allgemeine Spannung einzustellen. Die Nationalsozialisten hatten offenbar die Parole ausgegeben, daß keinerlei Störungsversuche unternommen werden sollten. Ob diese Ruhe auch für den Rest der kurzen Tagung so bleibe» wird, ist natürlich schwer zu sagen, denn heute, spätestens morgen ist mit den Darlegungen des Reichsinnenministers Groener über das SA.-Verbot und die damit zusammenhängenden Fragen zu rechnen. (Siehe auch den Bericht über die gestrige Retchstagssitzung auf Seite 21)
Der Hauptgegeustand, der nachträglich mit der vo» Anfang an angelünöigtcn allgemeinen politischen Debatte verbunden worden ist, ist das Schuldentilgungsgesetz.
Diese eigentümliche Vorlage, in die mehrere Materie» hineingepackt sind, die eigentlich wenig Zu- samntenhang damit haben, so vor allem die n t u c Kreditermächtigung und die eigentliche Schuldentilgung, ist der Gegenstand ernster Sorge für die Reichsregierung. Denn das Kabinett muß entscheidendes Gewicht daraus legen, daß diese Vorlage die reguläre parlamentarische Genehmigung findet.
In dem dieser Tage genteldeten Konflikt zwischen deut Vizepräsidenten der Reichsschuldenverwaltung Dr. Kühnemann und der Reichsregierung, hat sich Kühnemann auf den Standpunkt gestellt, daß nach Artikel 87 der Reichsverfassung für Kreditermächti- guitgen unbedingt ein formelles Gesetz notwendig sei und daß diese Ermächtigungen nicht mit Hilfe des Artikels 48 erteilt werden könnten. Run hat die Reichsregierung schon in früheren Fällen für diesen Zweck von Artikel 48 wiederholt Gebrauch gemacht; nm aber irgendwie geartete staatsrechtliche Konsequenzen zu vernteideu, wird das Reichskabinett die neue Anleiheermächtigung im Rahmen des Schuldentilgungsgesetzes diesmal vom Reichstag in allen drei Lesungen annehmen lauen, um davurch die volle parlamentarische Deckung zu finden. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die notwendige Mehrheit ves Reichstages zu diesem Zweck vorhanden ist, und es kommt dem Kanzler vor allem darauf an, diesen Reichstagsbeschluß möglichst bald herbeizusühren. 2(Herbings wirb es bazu notwenbig sein, baß bas Schulbentilgungsgesetz heute toieber von bem Zusammenhang mit der allgemeinen politischen Debatte losgelöst wird, weil andernfalls bie Zeit bis zum Enbe dieser Woche nicht ausreichen würde, um in allen drei Lesungen diese Vorlage zu verabschieden.
Der Reichstagspräsident rechnet damit, daß man möglicherweise am Donnerstag abend noch eine Nachtsitzung einschalten mutz, roqtn man am Freitag vor Pfingsten keine Sitzung mehr abhalten will unp wenn man bis dahin sowohl bie große politische Debatte, wie die drei Lesungen des Schulden- tUgungSgesetzes und die Abstimmungen über Miß trattensanträge ufw. erledigt haben will.
Außerhalb des Reichstagsplenums habe» gestern nur noch einige interne Besprechungen der Ressorts über die Fertigstellung und Vereinheitlichung der zahlreichen Entwürfe stattgefunden, die in der Frage der Arbeitsbeschaffung und der dazu gehörenden Finanzierung sowie in der Frage eines Umbaues der Krisensteuer vorliegen. Sobald diese finanztechnischen Fragen geregelt sind, kann der Etat, einschließlich des Arbeitsprogramms verabschiedea werden. Die Tatsache, daß
der Reichskanzler gestern nachmittag eine Unterredung mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg
hatte, war zwar der Anlaß zu allerlei Gerüchten über angebliche Neubesetzungen im Reichskabinett, aber tiefe Gerüchte haben sich nicht bestätigt. Vielmehr diente dieser Besuch nur einer Besprechung über bie Haltung, die der Kanzler und der Reichsinnenminister heute bzw. morgen im Reichstag einnehmen werden
Die „Börsenzeitung" will erfahre» haben, daß die Ernennung des Reichskommiffars Dr. Goerdeler zum Wirtschaftsminister alsbald bevorsteht. Tas dürfte für die Zeit nach Pfingsten richtig fein, aber von einem weitergehenden Umbau des Kabinetts wird man vor dem Zusammentritt des Preußischen Landtages schwerlich sprechen können.
Rekordsahrt des „Gras Zeppelin"
Friedrichshafen, 10. Mai.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am heutigen Dienstag gegen 8,30 Uhr früh von seiner Fahrt nach Südamerika zurückgekehrt. Es hat auf dem Rückflug eine neue Höchstleistung vollbracht, da es an reiner Fahrzeit von Pernambuco bis nach dem Bodensee nur 7 7)4 Stunden benötigte gegenüber der durchschnittlichem Normalfahrzeit von rund 85 Stunden. Dieser Erfolg ist auf bie günstigen Windverhältnisse wahrend des Fluges und nicht zuletzt auf bie gute Navigierung zurückzusiihren.
Um 8,45 Uhr ging bas Luftschiff übet den Flughafen bis auf etwa 30 Meter herunter und warf mittels Fallschirms zwei große Postsäcke ab. Ta jedoch ein außergewöhnlich starker Westwind bis zu zwölf Sekundenmetern wehte, konnte cs zunächst nicht landen
blieben. In Wahrheit war aber in demselben Augenblick, in dem Herr Buresch jurüdtrat, bereits klar geworden, daß dieser Rücktritt nicht mehr erfolgte, um die politischen Konsequenzen aus den Landtagswahlen des 24. April zu ziehen und dem Volke Gelegenheit zu geben, das in seiner Zusammensetzung nicht mehr dem tatsächlichen Volkswillen entsprechende Parlament neu zu wählen, sondern um im Gegenteil zu verhindern, daß die gegenwärtigen parteipolitischen Machtverhältnisse eine Aenderung erfahren.
Die Sozialdemokratie, mit ihren 72 Abgeordneten heute die stärkste Partei im Nationalrat, hatte zwar durch einen ihrer Prominenten, Dr. Otto Bauer, in der „Arbeiterzeitung" erklären lassen, angesichts des nationalfozialistifchen Vordringens werde die Partei gegen den Faschismus und die bürgerliche Reaktion zu radikaleren Methoden ihre Zuflucht nehmen, gegenüber den Aussichten, in einem neugewählten Parlament nun aber gegen zwei Fronten kämpfen zu müssen, eilte nationalsozialistische und eine durch Hitlers Mannen gleichfalls zu einer bedeutend radikaleren Tonart gezwungenen christlichfozialen, mußte ihr aber der gegenwärtige Zustand beinahe schon ideal erscheinen. Sie wirb daher nicht böse gewesen fein, als ihr eigener Antrag auf Auslösung des Hauses und sofortige parlamentarische Neuwahlen, die spätestens am 19. Juni hätten durchgeführt werden können, infolge des Terminverfäumnisses hinfällig wurde. -
Abgesehen davon, hätte ihr Antrag auch ohnehin nicht zum Ziel geführt, da er gleichzeitig auch eine Aenderung der geltenden Wahlrechtsbestimmungen verlangt hatte und ba er vom Bunbesrat mit feiner christlichsozialen Mehrheit, bem er hätte vorgelegt werden müssen, abgelehnt worben wäre. Daß die Ehristlichsozialen und die Landbündler, die Stützen der abgetretenen Regierung, sich mit allen Mitteln gegen Neuwahlen stellen würden, die ihnen eine schwere Einbuße an Mandaten gebracht hätten, war gleichfalls eine Selbstverständlichkeit, sodaß nur noch übrig blieb, sich mit der Haltung des aus den 7 Großdeutschen und den drei Vertretern des Nationalen Wirtschaftsbundes zusammengesetzten „Nationalen Wirtschaftsblock" sowie der 8 Heimatblockabgeordneten zu befassen und zu versuchen, diese parlamentarischen Gruppen auf der antimarristischen Front durch Konzessionen zu einer Ausgabe ihrer oppositionellen Politik und zum Eintritt in eine neu zu bildende Regierung der bürgerlichen Konzentration zu bewegen.
Die Frage der Neuwahlen ist damit mindestens bis zum Herbst hinausgeschoben worden, und die jetzige österreichische Regierungskrise wird — daran ist wohl nicht mehr zu zweifeln — in einigen Tagen damit gelöst werden, daß bie bisherige allzu knappe Regierungsbasis der Christlich- Sozialen und Landbündler eine Er Weiterung durch die Grotzdeutschen oder den Heimat b l o ck, wahrscheinlich aber durch diese beiden Gruppen, erfährt. Gehen die Grotzdeutschen und die mit ihnen verbundenen rrei Vertreter bes Nationalen Wirtschastsbunbes (Schober, Nationalrat Vienzl und Frau Schneider) in die Regierung, was davon abhängen wird, ob man ihnen das geforderte Portefeuille des Auhenministers von neuem anvertraut, fo würde diese neue Regierung über 85 Sitze im Parlament verfügen gegen 80 der Sozialdemokraten und des Heimatblocks, nimmt auch der Heimatblock an der Regie- rungsbilduna teil, so hätte eine solche Reaierun-- 93 Stimmen gegenüber den 72 der Sozialdemokraten und damit eine absolut sichere Mehrheit aufzuweisen. Alles dreht sich gegenwärtig nur mehr um die Frage, ob die Ehristlichsoziale Partei und die Landbündler in der Lage sein werden, die weitgehenden Forderungen der Grotzdeutschen und Heimatblöckler zu erfüllen, von denen die letzteren eilten fcharfen Rechtskurs, das Innenministerium und die Agenden des bisher vom landbündlerischen Minister Bachinger geführten Sicherheitsministeriums für sich verlangen, während die ersteren gleichzeitig mit der Forderung des Autzenminister-Portefeuilles grundsätzlich die Bedingung stellen, Dr. Buresch dürfe auf keinen Fall zum dritten Male die Kanzlerschaft übernehmen, da er es war, der unter wenig schönen Begleitumständen vor einigen Monaten einer srankophilen „Tringgeldpoli- tik" zuliebe Dr. Schober ans dem Kabinett aus- schisste.
Der unbefangene Beobachter kann sich gegenüber dieser Voranstelluiig parteigefchäftlicher und egoistischer Jutereffen nicht des Eindrucks erwehren, daß mau in Wien noch immer nicht begriffen hat oder nicht begreifen will, worum e s i it Wirklichkeit gebt. Der große Wahlerfolg der Nationalsozialisten ist nur aus dem Umstand zu erklären, daß es sich hier um Protestwahlcn handelte,