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Kasseler Neueste Nachrichten

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Nummer 106*

Sonnabend/ Sonntag, Z./8. Mai 1932

22. Jahrgang

Frankreichs Präsident Paul Ooumer t

ßtn russischer Arzt erschießt den französischen Präsidenten / Oie Aussagen des Täters / Oie Beratungen über den Reichsetat erneut verzögert

Das Opfer eines Revolverattentats

Eigener Drahtbericht.

Etatsdebatte verschoben!

Bo« unser«, Berliner Schriftleitung.

Paris, 7. Mai.

Der Präsident der französischen Republik, Paul Doumex ist an den schwere» Verletzungen, die er gestern nachmittag bei einem Attentat erhielt, heute früh 4,40 Uhr gestorben.

Das Attentat wurde verübt, als Präsident Dou- mer eine Buchausstellung besuchte. Der Täter, ein russischer Arzt namens Paul Gorgulosf, gab fünf Re- volverschüffc ab, von denen zwei Toumer trafen.

Der schwer verletzte Präsident wurde in das Hospi- tag Bcaüjon überführt, wo sofort eine Bluttrans­fusion vorgenommen wurde. Die Bemühungen der Aerzte blieben jedoch erfolglos, obwohl man zunächst die Hoffnung hatte, den Präsidenten, der bereits im 75. Lebensjahre stand, am Lebe« zu erhalten.

Zu Beginn der ersten Morgenstunde bereits wurde es den Aerzte» klar, daß es nicht möglich sein werde, de» Präsidenten zu retten. Die sterbliche Hülle ist im Eltzsöe vorläufig aufgebahrt worden, angetan mit dem Grotzkreuz der Ehrenlegion und mit allen Orden und Ehrenzeichen. Heute vormittag wird die Embalsamierung erfolgen. Alsdann wird das Pu­blikum dte Möglichkeit habe», am Katafalk vorüber- Mzieheu. Die Einzelheiten über die Beisetzung des Staatsoberhauptes werde» im Kabinettsrat, der heute im Außenministerinm stattsindet, festgesetzt werden.

Wie das Attentat geschah

Paris, 7. Mai.

Heber den Revolveranschlag auf den französischen Staatspräsidenten werden folgende genaue Einzelhei­ten bekannt: Nachdem der Präsident kurz vor 15 1!5r Ausstellungsgebäude, in dem der Verein der schriftsteller, die am Kriege teilgenommen haben, eine Buchausstellung veranstaltete, betreten hatte, hielt er sich zunächst geraume Zeit im ersten Saale auf, um die dort ausliegenden Bücher zu be­trachten.

Während dieser Zeit hakte der Mörder Gorgulosf vor dem Bücherstand des bekannten Schriftstellers Claude Farrere Ausstellung genommen. Die Gattin des Schriftstellers verkaufte dem Russen zwei Bücher, fiir die er 50 Franken zahlte. Nachdem ihm Claude Farrere eine Widniung in die Bücher ge­schrieben hatte, zog Gorgulosf noch zwanzig Franken aus der Tasche und reichte sic der Gattin des Schrift­stellers mit der Bemerkung, daß 50 Franken für eine

wohltätige Veranstaltung zu wenig seien. Er ent­fernte sich auch dann noch nicht vom Bücherstand, son­dern beschäftigte sich damit, einen . Blick in die von ihm erstandenen Romane zu werfen. Als schließlich der Staatspräsident mit seinem Gefolge den Saal be­trat, forderte die Gattin Claude Farrere den ihr inzwischen unheimlich gewordenen Käufer auf, sich zu entfernen, und machte sogar den Chef der Pariser städtischen Polizei darauf aufmerksam, als Gorgulosf ihrer Aufforderung nicht nachkam.

Inzwischen hatte der Staatspräsident den Bücher stand erreicht und betrachtete intercfficrt die Auslagen. Er wechselte einige Worte mit der Gattin des Schrift­stellers, deren Trauzeuge er gewesen war und er er­stand schließlich einige Bücher. Dann grüßte er chelnd, rief der noch jungen Frau einAuf Wieder­sehen" zu und wollte sich gerade entfernen, als fünf Revolverschüsse krachten. Der Präsident sank zunächst in die Knie, richtete sich dann aber noch einmal auf und brach schließlich unter dem Aufrus: Oh lala" zusammen. Während er in seinen Kraftwa­gen getragen wurde, stürzte sich die Menge auf den M o r d e r, der f a st gelyncht wurde. In seiner Tasche fand man eine» zweiten geladenen Revolver und einige Tabletten Sublimat. Bei seiner Verneh­mung erklärte er, daß er diese Tabletten zu sich ge­nommen hätte» um sich zu vergiften, falls sein An­schlag mißlungen wäre.

Ins Krankenhaus kam der Staatspräsident nach her zweiten Blutübertragung wieder zu sich und er­kannte den ihn behandelnden- Arzt. Seine ersten Worte waren?Sinds Franzosen, die das getan ha­ben und was ist überhaupt passiert?" Die Aerzte er­klärten ihm, er sei einem Kraftwagenunfall zum Opfer gefallen, worauf sich der Staatspräsident nach dem Namen des Führers erkundigte, der den Wagen ge­steuert habe. Schließlich baten ihn die Aerzte, sich Schonung aufzuerlegen und zu versuchen, zu schlafen. Als der Staatspräsident zum zweiten Male das Be­wußtsein verlor, wurde beschlossen, die operativen Eingriffe vorzunehmen, die auf Grund des starken Blutverlustes und des großen Schwächezustandes nicht in der Narkose gemacht werden konnten. Der Prä­sident wachte mitten in der Operation auf und sagte zu dem ihn behandelnden Professor:Wann seid Ihr fertig, mir weh zu tun? Der Staatspräsident ver­lor um 2,30 Uhr erneut die Besinnung. (Siehe auch den ArtikelFrankreichs Bürgerpräsident auf S. 3!)

Das Verhör des Täters

Tas erste Ergebnis der Untersuchung der Angele­genheit Gorgulosf scheint darauf hinzudeuten, daß Gorgulosf keine politische Vergan­genheit hat. Er war zweimal aus Frankreich aus­gewiesen worden, und zwar wegen illegaler Aus­übung des Arztbcrufes.

Gorgulosf ist ein plump und bäuerisch aus­sehender Mann von 37 Jahren. Sein sonderbares Benehmen und seine unruhig flackernden Augen schei­nen die Auffassung vollkommen zu bestätigen, daß man es mit einem gefährlichen Irren zu tun hat. Während seines Verhörs sprach er unausgesetzt vor sich hin, antwortete unklar auf die an ihn gerichteten Fragen und summte von Zeit zu Zeit eincMelodie. Soweit aus seinen unzusammenhängenden Reden hervorgeht,

bezeichnet sich der Attentäter als Dichter und Mystiker.

In dem Verhör vor dem Unte rsuchungs- r ich ter sagte Gorgulosf aus: Ich heiße Paul Gor- guloff und bin am 29. Juni in Labinskaja geboren. Ich bin Doktor der Medizin und bewohne eine Villa in Monaco, wo ich mich seit vier Monaten aufhalte, weil mir die Einreise nach Frankreich verboten ist. Ich wollte politische Propaganda treiben und speziell gegen das sowjetrussischc Regime kämpfen. Ich hatte es auf den Präsidenten der Republik abgesehen,

um Frankreich zum Kampf gegen die Sowjets aufzurufen.

Aus den Zeitungen erfuhr ich, daß Präsident Doumer einer von den Frontkämpferschriftstellern gegebenen Veranstaltung beiwohnen sollte. Gestern bin ich zum ersten Male in die Ausstellungsräume gekommen, um mich zu orientieren, und heute bin ich erschienen, um den Präsidenten der Republik zu töten. Ich habe eine Stunde lang auf ihn gewartet.

Das bei Eorguloff vorgefundene, in rus­sischer Sprache beschriebene Heft enihält eine Art Plädoyer, in dem Eorguloff erläutert, wes­halb er den Präsidenten der Republik töten wollte. Nach seiner Ansicht sei Rußland Frankreich während

des Krieges zu Hilfe gekommen, aber Frankreich habe nichts getan, um Rußland zu helfen, das sowjetiftische Joch abzuschütteln. Am Schluß des Aufsatzes bezich­tigt sich Eorguloff selbst,

de» Sohn Lindberghs geraubt zu haben.

Er habe mehr als 60 000 Francs ausgegeben, um ihn entführen zu lasten. Das Kind werde als Geisel von russischen Terroristen aufbewahrt. Havas be­merkt hierzu, dieser Schluß der Aufzeichnungen scheine darauf hinzuweisen, daß Eorguloff nicht im Vollbe­sitz seiner geistigen Fähigkeiten sei.

Inzwischen wurde Eorguloff vom Untersuchungs­richter die Anklageschrift zugestellt. Sie lautet auf Mordversuch an dem Präsidenten der Re­publik. Alsdann wurde er in das Santö-Gefängnis eingeliefert. Der Untersuchungsrichter hat drei me­dizinische Sachverständige bestellt, die Paul Eorguloff auf seinen Geisteszustand untersuchen sol­len. Er stellte den Antrag, daß ihm von amtswegen ein Verteidiger zur Verfügung gestellt werde.

Höchstwahrscheinlich wird, da man annimmt, daß Gorgulosf viele Beziehungen zu russischen Kreisen un­terhält, die Untersuchung sich auch auf diese erstrecken.

Paris nach -em Attentat

Lebrun Präsidentschaftskandidat?

Paris» 7. Mai.

Nunmehr wird der Kongreß in Versailles wiederum zusammentreten; vermutlich am kommenden Dienstag, den 10. Mai, werden Senat und Kammer in Versailles die Wahl des neuen Präsidenten vor­nehmen. Einer alten Tradition entsprechend, wird wahrscheinlich Senatspräsident Albert L6brunKan­didat für die Präsidentschaft der Republik sein, hat man doch schon anläßlich der letzten Wahl von seiner Kandidatur gesprochen, die ganz besonders von den Freunden Poincarss und Maginots empfohlen wurde. Es ist aber damit zu rechnen, daß die Linksparteien ebenfalls einen Kandidaten aufstcllen werden.

th. Berlin, 7. Mai.

Die Etakberatungen des Reichskabinetts haben sich auch gestern wieder bis in die späten Abendstunden ausgedehnt, haben jedoch noch keinen Abschluß gefunden. Die Feststellung der Einnahmen­seite des Etats bereitet immer noch Schwierigkeiten, und angesichts der starken Verzögerung rechnet man nun mit der Möglichkeit, daß der ursprüngliche Plan nicht durchgesührt werden kann, wonach der Etat dem Reichsrat und dem Reichstag bereits vorlicgen sollte, wenn am Montag die Debatten im Reichstag be­ginnen. Demgemäß wird diese Aussprache nun auch nicht mehr als Etat-Debatte erster Le­sung gelten können, wie man anfangs plante, son­dern die eigentlichen Etatsdebatten werden zu einem späteren Zeitpunkte stattfinden müßen.

Llnd die Arbeitsbeschaffung?

Ob der Reichstag während seiner kurzen Tagung bereits Kenntnis von den sonstigen Maßnahmen er­hält, die das Kabinett augenblicklich vorbereitet, ist noch nicht sicher. Es handelt sich dabei um die be­reits angekündigte neue Notverordnung über Arbeitsbeschaffung, Neuregelung der Arbeitszeit und des Arbeitsdienstes und die Be­schaffung der notwendigen Mittel für diese Projekte. Angesichts der bei den Beratungen in der Reichs­regierung eingetretenen Verzögerung ist es un­wahrscheinlich geworden, daß dem Parla­

ment bereits Mitteilungen über diese Pläne gemacht lverden können.

Gegenüber den Behauptungen, daß die Regierung eine Vermögensabgabe oder eine Zwangs­anleihe plane, ist gestern abend ein deutliches amtliches Dementi herausgegeben worden. Dieses erstreckt sich aber nicht auf die von uns gestern be­reits kurz gemeldeten Andeutungen, die der preußi­sche Ministerialdirektor von Leyden in seiner Rede Dortmund mitgeteilt hat, und die sich auf eine

Sonderabgabe

zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung

bezog. Ob die Regierung eine» derartige» Plan tat­sächlich verfolgt, ist auch bis jetzt noch nicht endgültig festzustellen gewesen. Mitteilungen von den zuständi­gen Stellen sind in dieser Frage noch nicht zu erlan­gen, aber da auch kein Dementi vorlicgt, wird man wohl mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß ein der­artiger Plan realisiert wird. Dan» wird es allerdings wahrscheinlich sehr kurzfristig geschehen, und man er­wartet in politischen Kreisen in dieser Angelegenheit eigentlich schon für den heutige» Tag die Ent­scheidung der Reichsregierung.

Begreiflicherweise hat schon der Plan, noch ehe seine Verwirklichung überhaupt feststeht, starkes Auf- sehen und Kritik hervorgerufen und dieDeutsche All- gemeine Zeitung" schreibt unter anderem, daß heute nicht die geringste Steigerung einer bestehenden oder die Auflegung einer neuen Steuer mehr verantwortet werden könnte.

Deutsche Volksgemeinschaft

W. P. Nur wer die schweren Kämpfe, die von deut­schen, unter fremder Herrschaft lebenden Menschen tagtäglich um ihr Volkstum ausgefochten werden müs­sen, aus unmittelbarer Nähe gesehen hat, wer etwa in Kattowitz eine jener Justizkomödien, die im Reiche des oberschlesischen Wojewoden gang und gäbe sind miterlebt, wer die Klagen der Änsgewiesenen, der von Haus und Hof Gejagten gehört und wer im Hultschiner Ländchen oder anderswo gesehen hat, wie das Deutschtum bespitzelt und gegängelt wird, kann ermessen, was solch ein trotzigesDennoch, wie es jetzt von dermemelländischenBevölkerung ausgesprochen wurde, bedeutet. Es gehört unendlich viel Mut, unerschütterliche Treue und starke Energie dazu, um allen anstürmenden Sorgen zu widerstehen und den Glauben an das geschmähte und angegriffene Volkstum gesund und kräftig zu erhalten. Ständig unter seelischem Druck gehalten zu werden, sich, die Familie und das eigene Werk ohne Unterlaß schwer bedroht zu sehen, kostet Nervenkraft, und es ist ein wahrhaft großes Schauspiel, wenn die Front der Verteidiger allen Angriffen des Gegners, der sich in der Auswahl seiner Angriffsmethoden durch keine Skrupel und Zweifel beengt fühlt, standhält. Ein Schauspiel, das nicht allein uns, die wir Menschen von gleichem Blut, Angehörige der gleichen Volksge­meinschaft sind, ergreift, aufrüttelt und dankbar stimmt, sondern das auch, sofern das Gefühl für Recht und Anständigkeit noch nicht überall erloschen ist, in der Welt die verdiente Beachtung und Würdi­gung finden muß.

In den innerpolitischen Kämpfen, die wir Reichs­deutschen jetzt auszutragen haben, ist manches verges­sen worden, was ebenso lebenswichtig und ebenso zukunftsentscheidend ist wie der Umbau unserer sozia­len und parteipolitischen Verhältnisse, der seit ein paar Jahren begonnen hat. Denn dieser Umbau, diese ganze Bewegung bekommt erst dann ihre tiefere Recht­fertigung, wenn sie die Bahn für neue, für größere, umfassendere und vorwärtsführende Ideen sreimacht. Zu diesen zukunftsweisenden Gedanken, die berufen sind, die deutsche Innen- und Außenpolitik zu gestal­ten, muß aber in erster Linie die Volksdeutsche I d e e gerechnet werden., Ihre Grundlage ist einmal die Erkenntnis, daß sich Staats- und Volksgrenze nur selten und im Europa Versailler Prägung niemals decken, und sie ist zum andern das Wissen, daß das Deutschtum iit Europa auf 82 oder 83 Millionen Menschen zu schätzen ist, von de­nen aber nur 63 Millionen innerhalb der Reichs­grenzen wohnen. Aus diesen Tatsachen zieht die Volksdeutsche Idee ihre Kraft; das Ziel aber, auf das iie hinstrebt, liegt keineswegs das muß nachdrück­lichst betont werden, um etwaigen Mißdeutungen und Irrtümern von vornherein vorzubeugen auf einem Gebiete, das als Imperialismus oder als irgendein ähnlicherIsmus zu bezeichnen ist. Es geht für uns nicht darum, das bestehende Unrecht durch ein

anderes Unrecht abzulösen, sondern das Ziel ist viel­mehr, ein besseres Recht, und zwar, um das Wort eines deutschen Minderheitenführers zu gebrauchen, das Recht derüberstaatlichen deut­schen V o l k s g e m e i n s ch a s t zu schaffen. Diese Volksgemeinschaft soll hem deutschen Volkstum im Auslande den starken Rückhalt geben, der ausreicht, um den unter fremdem Recht lebenden Volksgenos­sen nicht allein ihre materiellen, sondern auch ihre kulturellen Güter zu sichern. Sie soll und sie wird ferner aber auch, wenn sie festgefügt dasteht, dem deut­schen Volke das richtige Raumgefühl und damit zu­gleich das sichere Gefühl für die außenpolitischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten geben, das die Unsicherheit, die wir heute als Bewohner des Landes der europäischen Mitte empfinden, endlich über­windet.

Der frühere Reichsminister Dr. G e ß l e r, der als Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Aus­land für diesen Gedanken der großen deutschen Volks­gemeinschaft wirkt und arbeitet, stellte in einem vor kurzem veröffentlichten Aufsatze der Volksdeutschen Bewegung die Aufgabe,ein einheitliches Bewußtsein zwischen dem Binnendeutschtum und dem Außen- deutschtum zu pflegen und zu vertiefen. Mit Recht wies er aber im Anschluß an diese Zielsetzung darauf hin, daß die starken Kräfte, die vom deutschen Ge­meinschaftsgefühl ausgehen würden, auch und das wäre eine weitere höchst wünschenswerte Folgeer­scheinung in das Jnnendeutschtum zu­rückstrahlen würden. Dennin der Volksdeut­schen Idee findet sich nicht durch Reden und Pro­gramme, sondern in praktischer Arbeit eine Möglich­keit der hier gerade als selbstverständlich empfunde­nen Uebcrbrüdung der politischen, koefessionellen und sozialen Gegensätze. Besonders die Jugend hat in ihrer Sehnsucht nach einigenden Kräften diese Ar­beit mit Begeisterung aufgenommen und sich über ihre heute leider bis in die Schulen reichenden Spannun­gen und Gegensätze hinweg zusammengesunden.

Wir stehen, auss Ganze gesehen, noch im Anfänge der Entwicklung, - die auf die Bildung dieses Volks­deutschen Bewußtseins abzielt. Umso notwendiger ist es aber, daß die Mahnung solcher Taten, wie sie jetzt von der deutschen Bevölkerung des Memellandes an­gesichts der litauischen Maßnahmen und Rechtsver­drehungen vollbracht wurden, auch im Reich verstan­den und beherzigt wird. Der Wahltag im Memelland war ein deutscher Sieg, ein Sieg des guten Gewissens und des starken Willens. Neben diesem Sieg stehen aber in der Chronik der letzten Woche Ereignisse, die wenig erfreuliche Perspektiven eröffnen. Mögen die unentwegten Optimisten an den Berichten, die engli­sche Reporter über polnische Putschpläne in Danzig gaben, noch soviel herumkorrigieren, die Antwortnote, in der der Senat der nur allzu unfreien Stabt die Warschauer Forderungen auf Auslieferung