Kasseler Neueste Nachrichten
Freöag, 6. Mar 1932
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Betriebseinschränkungen, zum Teil auch Stillegungen, zu beobachten gewesen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in der Stahl- und Eisenindustrie. Weitere Rationalisierungsmaßnahmen sind eingeführt und die früher vorsorglich ausgesprochenen Kündigungen wirksam geworden. Die Frühjahrssaison hat nicht in dem erwarteten Matze zur Geschäftsbelebung beigetragen.
Die etwas bessere Beschäftigung in den Saisongruppen hat noch nicht zu Neueinstellungen geführt. Immerhin sind bereits ausgesprochene Kündigungen hinausgeschoben.
Das Vermittlungsergebnis hat gegenüber dem Mär, eine leichte Besserung erfahren. Im allgemeinen ist die Stimmung in Wirtschastskreisen etwas
EeU« E — 2. Bella-,
Am 7. Mal begeht das bekannte Möbelgeichast W. Zimmermann, Wolfsschlucht 19, sein bOjähriges Bestehen. Der Vater des jetzigen Inhabers übernahm das kleine Geschäft in der Kruggaffe. Einige Jahre später konnte er dann das Grundstück Hohen- torstratze 17 erwerben. Nach Jahren mühevoller Arbeit gelang es seinem Sohn, sein Geschäft zu einem der ersten in Kassel zu machen. Nachdem er das Grundstück Drleansstratze 6 erworben batte, gliederte er seinem Geschäft eine umfangreiche Schreinerei, Polsterei und Innendekoration an. Die allgemeine wirtschaftliche Notlage machte dem weiteren Ausbau des Geschäfts ein Ende. Mit kaufmännischer Fernsicht baute W. Zimmermann sein Geschäft um. Und so erfreut sich gerade heute die Firma Zimmermann einer grossen Beliebtheit. Möge es dem rührigen Inhaber vergönnt sein, noch lange in seinem Geschäft segensreich >u wirken.
„Verwilderung der Wettbewerbsfitien"
Tagung des Kasseler Einzelhandels
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®ie diesjährige Generalversammlung der Kasseler Ortsgruppe des Landesverbandes des Kolo- malwaren-, Felnkost- und Lebensmittel-Einzelhandels von Hessen-Nassau und angrenzenden Gebieten e. V. r -J®*’ "ie man uns schreibt, im Stände- haus unter Leitung von Hrn. Heinr. Vöttger statt b^dikus Dr. Tr rpx -Frankfurt a. M.berichtete von den letzten Ergebnissen des Kampfes des Einzelhan- sels gegen bte Warenhäuser. Massenfilialbetriebe und Koniumvereme. Es sei erfreulich, dass die Regierung
etü ^eln wenig Einsehen gehabt hat und in ®rrorönung^ zum Schutze der Wirtschaft dem Einzelhandel das Zugabenverbot, das Verbot der Eröff- Eg von Einheitspreisgeschäften in Städten unter iuouoo Einwohnern, eine Neuregelung des Ausvcr- laufswesens und die Errichtung von Einigungsämtern von Mttbewerbsftreitigkeiten zugeftandcn habe. Alle meje Massnahmen kommen jedoch nicht zur vollen Entfaltung, weil sie nur halb getroffen worden sind.
Zugabeverbot ist mit Ausnahmen so durchlöchert, dass nicht eine Besserung, sondern eine Berschlcchte- ning des Zugabenunfuges befürchtet werden müsse.
Noch keine Besserung
auf dem kaufmännischen Arbcitsmarkt.
Der Bewerbcrzugang im April hatte die gleiche Höhe des Vormonats. Einen erheblichen Anteil an den Gekündigten stellten die Junggehilfen, die nach Beendigung ihrer Lehre nicht wetterbeschästigt werden konnten.
Die Entlassungen setzten sich, wie die Kaufmännische Stellenvermittlung des D. H. V. mitteilt, hauptsächlich aus Einzeltündigungen zusammen, und zwar aus allen Branchen. Stärkerer Bewerberzugang kam aus der Maschinenindustrie. Die Beschäftigungsmög- llchkeiten im Bergbau, in der Hütten- und Metallindustrie haben sich weiter verschlechtert. Es sind noch
Wenn es auch erfreulich sei, dass die Einheitspreisgeschäfte in Zukunft bei den Waren, die anormale Ee- wichtsmengen haben, die Preise für die normalen Gewichte angeben müssen, so sei auch dies alles nicht ausreichend, um die Verwilderung der Wettbewerbssitten zu beseitigen. Die Warenhäuser hätten immer noch die Möglichkeit, alle 14 Tage sogenannte Ausnahmewochen zu veranstalten. Man brauche sich nicht zu wundern, wenn der Einzelhandel in seinen Forderungen radikal werde.
Die Vorstandswahl ergab einstimmige Wiederwahl sämtlicher Vorstandsmitglieder.
Syndikus Diplom-Kaufmann L e i h n e r berichtete über die neue Einheitsbewertung und die Möglichkeiten der Nachprüfung ihrer Richtigkeit, worauf Herr Arwed K l i p p e r t - Kassel einen ausserordentlich interessanten Lichtbildervortrag über seine im vergangenen Jahr stattgefundene Amevikareise hielt. Der fast zweistündige Lichtbildervortrag, der sich insbesondere auch mit dem amerikanischen Einzelhandel befasste, fand lebhaften Beifall.
I ruhiger geworden, und die weitere Entwicklung wird — auch im Hinblick auf die außenpolitischen Verhandlungen — zuversichtlicher beurteilt.
Sommerpreise i« Kohlenhandel. Man schreibt uns: Der Kohlenhandel hat auf Grund der von den Zechen eingeräumlen Rabatte seine Verkaufspreise für Eiform-Vriketts, Hüttenbrechkoks und Anthrazitnutzkohlen mit Wirkung ab 1. Mai d. I. herabgesetzt. Für Braunkohlenbriketts ist die Preisermäßigung bekanntlich bereits ab 1. April d. I. in Kraft getreten. Für in den Monaten Mai und Juni d. I. etf.lgende Lieferungen hat der Kohlenhandel, um einen besonderen Anreiz zur Brennstoffbedarfsdeckung in den Sommermonaten zu.geben, den bisherigen Barzahlungsrabatt von 3 Prozent auf 5 Prozent erhöbt
Montag wieder Stadtverordnetensitzung. Montag, den 9. Mai, findet abends 18 Uhr eine Stadtverordnetensitzung statt. Die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung weist den Rest der Anträge der nationalsozialistischen und der kommunistischen Fraktion aus der vorigen Sitzung auf.
Jahreshauptversammlung des Post- und Telegraphenbeamtinnenvereins. Die Tagung wurde durch ein Beethovenquarlett unter Nanny H i e g e eröffnet. Frau Klara V ö l z i n g schilderte in großen Zügen den Werdegang des Vereins. Den Höhepunkt des Abends aber bildete ein Vortrag der Verbandsvorsitzenden Frau Else Kolshorn -Berlin. Die Rednerin erläuterte in lebendiger Weise, wie das Schicksal der Beamtinnenschaft eng verknüpft ist mit dem Schicksal unseres Volkes, ja mit den Weltgeschehnissen und zeichnete zum Schluß die Grundlinie aller Frauenberufsarbeit, die eine Verbindung der Arbeit des Kopfes und des Herzens darstellen müsse.
Die „Tegernseer", die allabendlich im Stadtpark große Heiterkeitsersolge zu verzeichnen haben, wechseln letztmalig ihr Programm. Ab heute, Freitag, gelangt für die letzten fünf Gastspieltage zur Aufführung: „Eine tolle' Almnacht".
Finanz-Personalien
Einberufen: Die Versoraunssanwärter Bittner in Kastel, Ropoelt in Corbach und Weber in Frankfurt als Lteuerwachtmeister. — Ernannt: Kanzleisekretär Hilgenberg in Kaffel^zum SteuerasNstenten. — Versetzt: Zolldiätar Winter von «traft nach Kassel — Aus Antrag ausgeschieden: Zolldiatar Wenzel in Kassel.
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Wenn die Wasser springen
bs. Wir haben Jahr um Jahr den Frühling gesehen, wenn er sein Füllhorn über den Park von Wilhelmshöhe ausgießt. Dann standen wir vor dem Schlosse und tauchten unsere Blicke in die Blütenwunder, die von den schön gepflegten Beeten leuchteten, freuten uns über die Wipfel der Bäume, denen der Mai das grüne Gewand webte oder ließen unsere Blicke schweifen über die Stadt und das weite Land der Heimat, das im Sonnenscheine wie goldenes Geschmeide erglänzte.
Wir haben auch gestern, am Himmelfahrtstage mtt Tausenden unsere Schritte gelenkt, hindurch in den Park, zu den Füßen des „großen Christoph", der trotz allem hoffnungsvoll in das Land der Heimat auszublicken scheint und in dessen Schoße gestern zum erstenmalc wieder die Wasser sprangen.
Der Himmel hing an diesem Himmelsahrtstag zwar wie ein graues Halstuch über Stadt und Park und es war auch kein Mailüftchen, das über den Habichtswald wehte. Mancher Kasselaner hatte schon eine rote Rase, als er oben mit Kind und Kegel ankam. Doch was macht eine kalte Schauer aus, wenn man wieder einmal nach langen Wintermonaten Gelegenheit bekommt, die Wasser springen zu sehen. Der Wald aber stand an diesem Himmelfahrtstag wie eine Braut.
Vollgepfropfte Straßenbahnwagen sangen eine knarrende Melodie hinauf zur Endstation. Man winkte sich zu, lachte sich an, freute sich über alles was lebte. Darin scheint so leicht kein anderer Großstädter dem Kasseläner gleich groß zu sein, nämlich in der Freude am Schönen und in der Liebe zur Natur.
Es ist 3% Uhr. Menschenmassen umlagerten die Kaskaden. In großen Scharen umstanden sie den Schloßteich auf dem die weißen Schwäne verträumt ruderten. Droben ertönte eine Sirene, begleitet vom Jubel Tausender.
Von einer Stufe zur anderen hinab stürzten die Wasser in ausgetrocknete Becken, rannen über grüne Matten und spielten wieder wie einst mit runden Kieselsteinen, die sich langsam mit ihnen fortbewegten nach unten, wo sie mit über die Teufelsbrücke hüpften.
Dumpf polterten die Fluten über Felsblöcke und weiter hinab zu dem Teiche, der von harrenden Menschen umsäumt wurde, deren Blicke auf die Stelle gerichtet war, an der aus einem Rohr das herrliche Schauspiel der Fontäne jeden Augenblick sich vollenden mußte.
Aus hundert Menschenkehlen ein Jubelruf — hoch auf zischt eine Wassersäule und wird im selben Augenblick wunderbar von der Sonne vergoldet. Weißer Gischt wird vom Wind erfaßt und über den Teich gehaucht. Die Schwäne krabbelten ängstlich an das Land. Es schien ihnen unheimlich zu werden im Teich. Höher und höher drückte sich die Wassersäule in das Licht der Sonne, die durch blaue Wol- kcnsetzen lacht und es ging wie eine Mahnung über das Wasser: Menschen! Es beginnt eine schöne Zeit im Maien...
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Mit Wirkung vom 1. Juni 1932 wird die Reichsbahn die große Spanne, die zwischen den Zeit- ka rt e n p r e i s en für Personen- und Eilzüge und zwischen den Zeitkartenpreisen der 2. und 3. Klasse besteht, verringern. Künftig soll, wenn die Zeitkarte 3. Klasse Personenzug — 100 gesetzt wird, die Zeitkarte 3. Klasse mit Eilzugberechtigung — 133, die Zeitkarte 2. Klasse für den Personenzug gleichfalls — 133 und die Zeitkarte 2. Klasse mit Eilzugberechtigung — 167 betragen.
Danach wird also die Monatskarte 3. Klasse mit Eilzugberechtigung denselben Preis haben wie die Monatskarte für den Personenzug in der 2. Klaffe. Ein Inhaber einer Monatskarte ' für 2. Klasse Personenzug darf also ohne weiteres einen Eilzug in der 3. Klasse auf Grund seiner Monatskarte benutzen bzw. darf der Besitzer einer Monatskarte für 3. Klasse Eilzug in dem Personenzug in der 2. Klasse fahren. In ähnlicher Weise wird, wie es auch heute schon zugelassen ist, der Inhaber einer Monatskarte 2. Klasse mit Eilzugberechtigung in der 3. Klasse Schnellzüge benutzen können. Heute ist die Spanne zwischen diesen einzelnen Zeitkartenpreksen weitaus größer und komplizierter. So beträgt z. B. das Verhältnis einer Monatskarte 3. Klasse Personenzug zu einer Monatskarte 2. Klaffe mit Eilzugberechtigung 100 :211.
Die neue Maßnahme stellt also eine Vereinfachung dar und bringt für
die Monatskarte 3. Kl. mit Eilzugbenutzung eine Ermäßigung um 8,7 Prozent,
für die Monatskarten 2. Kl. Personenzug eine Ermäßigung um 14,6 Prozent
und für die Monatskarten 2. Kl. mit Eilzugberech- tiguna eine Ermäßigung um 21 Pritzent gegenüber oen heutigen Sätzen.
Die neue Staffelung findet Anwendung bei den Monatskarten, Schülermonatskarten und Teilmouats- karten.
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