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Hessische Abendzeitung

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Montag, 2. Mai 1932

22 Jahrgang

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Kasseler Neueste Nachnchtm

Frankreich an der Wahlurne

Stichwahlen in 359 Wahlbezirken notwendig / Vereitelter Anschlag Polens auf Danzig / Das Reichskabinett an der Arbeit

Oer erwartete Ruck nach links

Eigener Drahtbericht.

polnischer Handstreich auf Danzig?

Eigener Drahtbrricht.

Paris, 2. Mai.

Die gestrigen französischen Kammer- Wahlen hoben eine außerordentliche Anzahl von Entscheidungen im zweiten Wahlgang notwendig gc macht. Der zweite Wahlgang spielt sich nicht zwischen zwei Spitzenkandidaten ab, sondern wird ein »euer ®am»f, bei dem sogar neue Kandidaten auftrcten können. Vs werden also die Kombinationen entschei­dend sein, die getroffen werden.

Wie vorauszuschen war, hat der erste Wahlsonn- wg rmcn ziemlich deutlichen Ruck nach links gc wtacht, wenn auch andererseits nicht von einer direkten Niederlage der bisherigen Mehrheit gesprochen wcr- den kann. Ganz besonders fällt die Verschiebung nach bcr Seine-Provinz und in den MM« Städten auf, was zweifellos mit der Arbeits­losigkeit m Zusammenhang zu bringe,, ist, die gerade in den genannten Wahlbezirken am stärksten hervor tritt und die Volksftimmung beeinflußt.

»^^"^"alsozlalisten haben keinen ein­zigen Sitz verloren, sondern ihre Position um fünf Wandte verstärkt. In politischen Kreisen rechnet man damit, daß sie in der Stichwahl iveitcre Fort kedritte machen werden. Bei der Rechten und beim Zentrum smd dagegen einige, wenn auch nicht sehr erhebliche Verluste zu verzeichnen. Selbstverständlich crS die Stichwahlen ein klares und objektives Bild von der Lage ergeben, und es wäre daher salsch von den mit absoluter Mehrheit gewählten Kandida- tenr^trllraa$Uero6ci Sicherheit auf das Endergebnis zu schließen. Es muß im Auge behalten werden, daß gerade beim ersten Wahlgang weniger die Gruppen- zugcborlgkelt als die persönliche Wertschätzung des Kandidaten in seinem Wahlkreise maßgebend ist. Die hervorragenden Parlamentarischen Führer aller Rich­tungen und ebenso sämtliche Mitglieder des qegcn- warttgen Kabinetts Tardieu wurden bereits Wie­de rgc wählt. Die Kommunisten scheinen schlecht abzuschneiden und auch in Paris haben ihre drei Kandidaten für die Stichwahl keine Aussichten.

Es braucht eigentlich nicht hinzugesügt zu werden daß der oben fcstgestelltcR u ck n a ch Link s nur relativ als solcher zu bezeichnen ist, da er in keiner Weise an die starken Verschiebungen hcranreicht, die wir bei Reichstags- oder Landtagswahlen in Deutsch­lang gewohnt. Immerhin befestigt sich die Ansicht, daß cs dem zukünftigen Kabinett nicht möglich sein wird, gegen die Radikalsozialist en zu regieren, und daß man bei der Mchrheitsbildung in der neuen Kammer, mit der während der letzten Legislaturperiode stets gescheiterten republikanischen Konzentration rechnen muß. Obgleich sich Her- riot in letzter Stunde ziemlich scharf gegen eine Zu- sammenLrbeit mit der Rechten geäußert hat, dürfte sich das in der Praxis doch nur ans die Ma» -n-Gruppe beziehen. Abschließend kann fcstgcstcllt werden, daß das bisherige Ergebnis in den hiesigen politischen Kreisen nicht überrascht hat und daher mit Ruhe ausgenommen wird.

*

Das französische Innenministerium veröffentlicht um 6 Uhr früh folgende amtliche Zahlen über den Ausgang des ersten Wahlsonntags: Von den für Frankreich und Algier freien 605 Kammermandaten liege,, die Ergebnisse aus 603 Wahlbezirke,, vor. Als endgültig gewählt können davon 244 Abge­ordnete gelten, während 359 in die Stichwahl kommen. Die 244 Sitze verteilen sich folgendermaßen:

Konservative 2

Republikanisch-Demokratische Vereinigung

Gruppe Marin 44

VolkSdcmokraten (Gruppe Pau, Reynaud) 10

Unabhängige Republikaner bish. parteilos 14

Linksrcpublikancr (Tardieu) 35

Radikale und Unabhängige Linke (Germain

Martin) 24

Radikalsozialisten (Herriot) 63

Unabhängige Sozialisten 4

Sozialrcpublikaner (Gruppe Chabrun) 5

Sozialisten (Leon Blum) 40

Unabhängige Kommunisten 2

Kommunisten 1

Eine arbeitsreiche Woche für das Reichskabinett

th. Berlin, "2. Mai.

Mit dem heutigen Montag beginnt ein sehr in­haltsreicher Arbeilsabschnitt für das Reichskabinett, welches den neuen Rcichshaushaltsplan fertig zu ftcl le« und bis Ende der Woche an die parlamentarischen Körpersäptste,, zu überweisen hat. Ferner ist das umfangreiche Programm der Arbeitsbeschaffung und der Neuregelung der Arbeitszeit und des Arbcits dirnstes zu beraten, sowie die Frage einer einheit­lichen Behandlung der Wehrvcrbändc zu lösen. Neben­her werden interne Besprechungen der Parteien über die Neubildung der preußische» Regie­rung sowie über die eventuellen Rückwirkungen die­ser Aktion aus das Reich geführt werden.

Das Zentrum Hai noch am Sonnabend nach­mittag eine offizielle Erklärung herausgegeben, in der über die Vorstandssitzung der Partei einige offizielle Mitteilungen gemacht und vor allem sestgestellt wurde, daß Sie Entscheidung in der Frage einer Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Natio­nalsozialisten der R e ich spa rte ile i t u ng Vor­behalten beibt. Vielleicht tritt de, Rcichspar teivorstand oes Zentrums noch vor dem Wiederbe­ginn der Reichstagsseflion zusammen, aber mit einer Festlegung des Zentrums vor dem Ablauf der Reichs­tagsdebatten ist nicht zu rechnen. Tas gilt in gleichem Maße für die Nationalsozialisten.

Es ist sehr bemerkenswert, daß das Zentrum diese speziell Preußen angehende Entscheidung seiner Reichsparteileitung Vorbehalten hat, woraus deut­lich hervorgeht, daß die Zcntruinspartei in dieser Frage ein weit über Preußen hinausgchendes Pro­blem erblickt.

Es tomnft dabei freilich auch in Betracht, daß das preußische Zentrum feit dem Tode des Abgeordneten Heß noch keinen neuen Fraktionsvorsitzenden für die Führung derart wichtiger Verhandlungen durch die preußische Landlagsfraktion gewählt hat. Jedenfalls iso mit einer raschen Entscheidung in dieser Frage nickt zu rechnen. Man legt die oben erwähnte Mit­teilung Der Zeiurumsparteileitung ferner dahin aus, daß ras Zentrum als Voraussetzung einer Einigung I über Preußen zugleich eine Einigung mit den! Nationalsozialisten über die Reichs-'

Politik verlangen wird. Das könnte sich für den Augenblick z. B. in der Richtung auswirken, von den Nationalsozialisten die Tolerierung des Kabinetts Brüning in der bevorstehenden Reichstagssession zu verlangen.

Ein links stehendes Montagsbla:r glattbt zu wissen, daß der preußische Ministerpräsident Braun unmittelbar nach dem 24. Mai, dem Tage des Zu-, sammentritts des neuen preußischen Landtages, von seinem Amte zurücktreten will. Es handelt sich dabei nicht nur um die bereits angekündigte formale De- mifsion, sondern um eine tatsächliche Rieder- legung des Amtes, selbst für den Fall, daß bis dahin noch keine neue preußische Regierung zustande- gekommen wäre.

Sollte Braun diese Absicht durchführen, so würde damit natürlich die in anderem Zusammenhänge schon wiederholt erörterte Notwendigkeit der Ein­setzung eines Reichskommissars für Preußen wohl in die Nähe gerückt werden.

Ob cs zu einer Derartigen Entwicklung kommt, läßt sich vorläufig noch nicht übersehen; nur läßt sich deut­lich erkennen, daß weder beim Zentrum noch bei den Nationalsozialisten besondere Eile in Bezug auf ge­meinsame Verhandlungen wegen der Neubildung der preußischen Regierung zu bestehen scheint.

Bei den Nationalsozialisten sind gewiffc Strö­mungen int Gange (das gilt aber nicht als einheit­liche Parteimcldung) vorläufig noch nicht in die Regierung einzutreten, sondern im Herbst eine neue Landtagswahl herbeizuführcn, mit der dann der Versuch gemacht werden soll, die ab­solute Mehrheit für die Bereinigte Rechte zu er reichen.

Demgegenüber scheint es jedoch, daß die maßgeben­den Stellen der NSDAP durchaus zu ernsthaften Ver­handlungen mit dem Zentrum und der gemeinsamen Bildung einer neuen preußischen Regierung bereit sind. Hitler ist allerdings noch einmal nach München zu­rückgereist und wird erst Anfang nächster Woche wieder nach Berlin zurückkehren. Jnfolgebeffen ist mit einem besonders raschen Fortgang der weiteren Verhandlun­gen nicht zu rechnen.

London, 2. Mai.

Daily Expreß" veröffentlicht in sensationeller Aus­machung einen Bericht seines Sonderkorrespondentei, in Danzig, in Dem es u. a. heißt, Polen habe seine Pläne für Die Besitzergreifung des Freistaates Danzig sertiggesteUt. Nur ein in elfter Stunde erfolgter Schritt Frankreichs habe ver­hindert, daß die polnische Flagge gestern abend über Danzig wehte.

Der Korrespondent sagt, die maßgebendste Persön­lichkeit an Ort und Stelle, kein Pole oder Danziger, habe ihm erklärt:Die Polen haben ihren Kopf ver­loren". Die Behörden hätten befürchtet, daß die pol­nische Flotte in den Danziger Hasen einfahren und wie im Falle der Wegnahme von Wilna die Welt vor eine vollendete Tatsache stcllcn würde. Der Obcrkom- miffnr, Graf Gravina, habe sich dringend mit dem Gencralsekretär des Völkerbundes in Verbin­dung gefetzt und habe ihm warnend von dieser Ge­fährdung des europäischen Friedens Mitteilung ge­macht.

Der Danziger Korrespondent des Arbeiterblattes Daily Herald" sagt in einer nicht ganz so sensationell gehaltenen Meldung, Die radikalen Elemente in

Deutschland und Polen warteten nur daraus, daß die andere Seite die Feindseligkeiten eröffne. Eine Kata­strophe fei gestern vermieden worden. Aber Die Lage bleibe ernst unb bedürfe einer sorgfältigen Behand- lung.

Der Sonderkorrespondent der Daily Mail in Zop- pot berichtet ebenfalls, daß eine neue internationale Verwicklung mit knapper Not vermieden worden sei.

Maiparade in Moskau

Moskau, 2. Mai.

Alp Sonntag fand in Moskau aus Anlaß der Mai­feier eine große Parade der Roten Armee statt. Auf der Tribüne der Sowjetregierung erregte die An­wesenheit oer türkischen Abordnung unter Führung des Ministerpräsidenten besondere Aufmerksamkeit. Auch das gesamte diplomatische Korps unter Führung des japanischen Botschafters war zugegen. Kriegs- kommissar Woroschilow hielt eine Rede, in der er daraus binwies daß die Rote Armee jederzeit be­reit fein müsse, für die Sowjetunion zu kämpfen, die jetzt stark bedroht sei. Nach dem Vorbeimarfck der Truppen zogen die Moskauer Arbciterverbändc an der Tribüne vorüber. Am Sonntag wurden in der ganzen Sowjetunion neue Fabrikanlagen eingewerht.

Prags Kampf gegen das Deutschtum (Vonunserem Korrespondenten.)

X. Prag, Ende April.

Wenn ein sechzehnjähriger reichsdeutscher Schüler auf der Reise zu seinen in der Tschechoslowakei leben­den Verwandten um die Weihnachtszeit in Rumburg in Böhmen mit seinem funkelnagelneuen Photoappa­rat eine alte Lokomotive auf die Platte bannt, wenn ein braver Bibliothekar aus Meißen das historische Schlachtfeld von Kolin in Gestalt eines kümmerlich be­wachsenen Hügels photographiert, wenn ein Schnee­mann im Riefengebirge Aehulichkeit mit Vater Hin­denburg aufweist, wenn das Publikum im Troppauer Stadttheater imWeißen Rötz!" Dem Darsteller des seligen Kaisers Franz Joseph applaudiert, wenn je­mand es wagen sollte, zu verlangen, daß im Prager Telephonbuch Fritz Fritz heißt und nicht Bedrich Dann ist Die tschechoslowakische Republik in Gefahr. Entweber heißt es Dann, man habe zugunsten einer fremden Macht" Spionage getrieben, ober man habe Den Staat beleidigt, und wenn beides nicht zutrifft, fo wurde jedenfalls die öffentliche Ruhe und Sicher­heit gefährdet. Für alle diese Eventualitäten hat ein famoses Gesetz zum Schutze der Republik Vorsorge ge­troffen, damit den also Betroffenen nicht erspart bleibe, Wochen und Monate unschuldig in Unter­suchungshaft zu sitzen. Zwar enden fast alle Fälle Die« fer tschechischen Spionenriecherei mit einer vollständi­gen Blamage des Staatsanwalts, aber kann dies bei der herrschenden tschechischen Mentalität Grund genug fein, dem Treiben Der BehörDen enDlich Einhalt zu tun und die vorhandenen Minderwertigkeitskomplexe auf andere Weise abzureagieren? Mitnichten, sagt man in Prag, und zur Bekräftigung dessen, daß der Doppelgeschwänzte böhmische Leu mit ungeschmälerter Wachsamkeit die weltbewegenden Ereignisse verfolgt, hat man erst soeben wieder zwei deutsche Wander­burschen aus Westfalen namens Godde unb Witfin bei Mährifch-Schöuberg auf Der Landstraße verhaftet und acht Tage unschuldig im Gefängnis sitzen lassen, weil sie sich durch das Tragen eines Abzeichens spio­nageverdächtig gemacht hatten, von dem man meinte, es fei dasjenige derHakenkreuzler", während es sich in Wirklichkeit um das Abzeichen des katholischen Ge- sellenvereins in Deutschland handelte.

Dies alles aber, in feiner Wirkung mehr auf Reichsdeutsche, Oesterrsicher und Ungarn, also auf besonders gern gesehene Ausländer, berechnet, ist nur ein Kinderspiel zu nennen gegenüber jener chauvi­nistischen Welle, die unter dem Vorwande, der Staat sei in seinen Grundfesten gefährdet, seit einigen Monaten über den dreieinhalb Millio­nen Subetendeutschen zufarnrneufchlägt. In einem wohlberechneten Augenblick, in bem bas beutsche Muttervolk in Deutschlanb unb Oesterreich durch schwere eigene Sorgen, und durch einen wirtschaftlichen Existenzkampf gehandicapt ist, unb wo eine noch nicht bagewesene Wirtschaftskrise in ben am stärksten heim gesuchten subentenbeutschen Sieblungsgebieten bie na­tionale Widerstanbskrast zu lähmen droht, hat der Generalangriff der Tschechen gegen die Träger der nationalen Volksdeutschen Arbeit eingesetzt. Das Vor­gehen gegen den inzwischen behördlich aufgelösten na­tionalsozialistischen VereinVolkssport" und bie in diesem Zusammenhang vorgenommenen Massen- verhaftungcn subetenbeutscher Schüler unb Studenten

sollten offenbar nur als Vorwand dienen, um nun ge­gen fast sämtliche nationalen Organisationen des Su- detenbeutschtums znm Schlage auszuholen. Daß man biefe Vereine von ber Bedeutung des Bundes der Deutschen in Böhmen unb bes Deutschen Kulturverbanbes nicht so ohne weiteres ver­bieten kann, bas weiß man schließlich auf tschechischer Seite ganz genau. Aber man will burch systematische Verhaftungen, Hausburchsuchungen unb durch eine Unzahl kleinerer Schikanen die Arbeit dieser Organi­sationen nach Möglichkeit beeinträchtigen und vor al­lem die seit jeher sehr engen Verbindungen zwischen den Volksdeutschen Organisationen im Reich, wie VDA., Schutzbund, Auslandsinstitut in Stuttgart usw. und diesen fubentenbeutschen nationalen Vereinen un­terbinden.

Eine willkommene Handhabe bot den tschechischen Behörden dazu bie int Dezember v. I. erfolgte Ver­haftung bes Wanberlehrers bes Bunbes der Deutschen in Böhmen, Josef Schwarz, auf einer Versamm- lungSrcife im Böhmer Walbe, weil er angeblich Spio­nage für einefrentbe Macht betrieben unb über» bies gegen ben tschechoslowakischen Staat gehetzt ha­ben soll. In Wirklichkeit scheint man Schwarz, besten intensive Tätigkeit zur Erhaltung bes Deutschtums ben Tschechisieruugsvereinen unb ben Behörden schon längst ein Dorn im Auge war,, seine Reden über bie tatsächliche Benachteiligung bes" Subetenbeutsch- tums als staatsseinbliche Handlung anzukreiden, denn irgendwelche konkreten Angaben und Beweise über feine angebliche Spionagearbeit wurden bisher vor bcr Oeffentlichkeit nicht erbracht. Dagegen ergab sich aus biefer Verhaftung ein behördliches Einschreiten gegen bie Arbeit bes Bundes der Deutschen in Böh­men im Gebiete des Böhmerwaldes und in West- böhmen. Der Obmann des Gaues Egerland des Bun­des der Deutschen, Rentmeister Müller, sowie zwei reichsdeutsche Staatsangehörige und ein weiterer Ju­gendführer des Bundes wurden verhaftet; den Hilfs­lehrer Hitfchfeld der Deutschen Bauernschnle in Ul­lersdorf in Schlesien ließ man in derselben Angele­genheit zwei Monate unschuldig im Gefängnis sitzen, um ihn erst dieser Tage mangels an Beweisen frcizu- lasten. In den meisten Fällen genügte die Auffin­dung privatester Briefe bei verdächtigten Persönlich­keiten, ja selbst nur eine Anschrift, um der Hausdurch­suchung und Verhaftung gewärtig zu fein.

Außerhalb der Volkssport-Affäre, in der bekanntlich schon an die zweihundert Verhaftungen unb an bie taufenb Hausdurchsuchungen vorgenommen würben, mußte sich eine ganze Reihe sudetendeutscher Organi­sationen eine behördliche Durchsuchung ihrer Lokalitä­ten gefallen lasten. So erstreckte sich das Vorgehen des Staatsanwaltes u. a. auch auf bie zahlreichen deutschen Turnvereine, bie sich barüber in einer besonbe- ren Eingabe an ben Innenminister in Prag beschwer­ten. Selbst bie Tätigkeit des Deutschen Kultur­verbanbes wirb von beit politische» Behörden nun schärsstens üverwachl und wo dies nur möglich ist, werden ihr Hindernisse in den Weg gelegt. Fast nach jeder Versammlung eines Wanderlehrers auf dem Lande erkundigt sich die Gendarmerie beim Orts­vorsteher ober dem Obmann bcr Ortsgruppe, was bcr Manberlehrer gesprochen hat, worauf ein Protokoll