3?r. 95 / Zwemnbxwanzigster Jahrgang
Kasseler Treueste UachrichSm
Sonnabend, 23./<$onnfag, 24. April 1932 / 4. Beilage
schnell werden die Polster hervorgezogen, Hände grcu fcn hinein. Nichts. Schon' ist ein Beamter dabei, die
stoffer des Sistierten heruntcr.zuholcn. Türen, Heiz-
Aus aller Well
Ein Herr liest Zeitung
soll man nie vergessen.
Egon Larsen.
500 Mait and
aber irgendwo müssen diese Armen, die für ihre Taten gebüßt haben, doch eine Bleibe finden, irgendwo müssen sic wieder festen Boden unter den Füßen haben, irgendwo müssen doch Menschen sein, die diesen Unglücklichen wieder den Weg ins Leben zeigen und dem „Ehaco" seine furchtbare Übende Last gbnehmcn!
Gelegentlich einer Hochzcitsfcicr in Alcncon (Frankreich), zu der etwa vierzig Hochzcitsgäste erschienen waren, ereignete sich ein Unfall, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Die Gäste wollten nach dem Essen tanzen, als der Fußboden plötzlich nachgab. Alle Gäste stürzten mitsamt den Möbeln und dem Geschirr in den Keller, in dem das Wasser über
hin ihre Entlassung erhalten. Es besteht die berechtigte Hoffnung, den größten Teil des veruntreuten Betrages für den Reichsverband wieder zu erlangen.
Riesemrnterschlagung bei einer Sparkasse
ßcn Teil Leute, die auch in Italien schon, als Mussolini den Marsch auf Rom erfolgreich beendet hatte, wegen politischer Uebeltaten gesucht wurden und deshalb nach Argentinien ausgcwandert waren.
Doch noch immer brüten 50 Menschen dumpf und verzweifelt in den elenden Schifsskammern, nur durch die kleinen Luken kommt Licht und Luft herein. So ist dieses Schiss unter dem Aequator hindurch nach den Kanarischen Inseln gekommen, und dieses herrliche Eiland strahlte im Glan; des Frühlings in den zartesten Blumenfarben — aber diese Menschen in ihren Kammern haben davon nichts hemerken können, auch nichts von der köstlichen Reise der spanischen Küste oder von der zarten Schönheit der italienischen Landschaft; mancher Vergnügungsdampfer mag wohl an diesem gespenstcrhastcn Schiff vorbeigefahren sein, die Menschen lagen auf Deck in der Sonne und griffen in vollen Zügen nach dem Leben; sie konnten diese erbarmungswürdige Ladung im Bauche dieses argentinischen Schiffes nicht ahnen.
Jetzt ist der „Chaco" im Norden Deutschlands. Antwerpen und Southampton waren nach Marseille und Genua die nächsten Häfen gewesen, in denen dieses gespensterhaste, unglückliche Schiss bittend anlegte — vergeblich, immer wieder vergeblich. Dann schleppte es sich müde die Unterelbe hinauf, aber auch hier in Deutschland ist nichts zu machen; wir können in diesen unruhigen politischen Zeiten nicht Deportierte aus anderen Staaten gebrauchen. Aber es handelt sich meistens um politische Sträflinge, um Menschen also, denen großenteils eine anständige Gesinnung nicht abzusprechen ist. Deutsche politische Persönlichkeiten haben sich deshalb an die preußische Regierung gewendet, sie möge wenigstens die Kranken an Land lassen und pflegen, das sei Menschenpflicht. Wie man hört, würde sich
die preußische Regierung einem Gesuch gegenüber nicht ablehnend verhalten.
Aber bis jetzt hat der Kapitän ein solches Ansinnen nicht gestellt — nur Lebensmittel, Kohle, Wasser müße er haben, unbedingt und schnell.
Wohin wird nun dieses „Verbrecherschiff" weiter fahren? Der Kapitän wollte mit seiner furchtbaren Last schnell wieder zurück nach Argentinien. Aber von drüben kam kategorisch der Befehl, unter keinen Umstünden zurückzukchren, solange diese vom Bann-, strahl der Gesetze getroffenen Menschen nicht abge- sctzt seien. Nun wird der Dampfer in die Ostsee hm- übcrfahren, um in Gdingen, Memel oder Riga, vielleicht auch an Rußlands Küste anzulegen — und wenn es scinsmutz, soll's bis hinauf nach Archangelsk an die Eisgrenze gehen;
Am Freitag kurz nach 13 Uhr wurde ein Bote der Westholsteinischen Bank in Altona, der Geld zur Reichsbank zu bringen hatte, überfallen und beraubt. Er trug fünf Beutel mit insgesamt 5 500 Mark in Silber bei sich. Als der Bote die Treppe zur Brcitcn- straße hinaufging, wurde er Plötzlich von einem Mann von hinten umschlungen und zu Boden geworfen Beide Männer stürzten die Treppe hinunter. Ein anderer Räuber nahm die Geldbeutel an sich, worauf beide Täter in einem Kraftwagen in Richtung Hamburg flüchteten. In Hamburg verließen die Täter das Auto. In der Eile hatten, sic jedoch einen Geldbeutel mit 1000 Mark Inhalt liegen lassen, der der Polizei übergeben wurde.
Johann Tscrclas Graf von Tilly (1559—1632) nach einem zeitgenössischen Stich.
Vor 300 Jahren, am 30. April 1632, starb Tilly an einer tödlichen Wunde, der er in der Schlacht am Lech, wo er Gustav Adolf unterlag, erhalten batte. Tilly war der hervorragendste kaiserliche Feldherr, den die Katholiken dem vordringenden Gustav Adolf entgegenstellen konnten. Am berühmtesten wurde er durch seine Erstürmung Magdeburgs im Jahre 1631.
In Ergänzung unseres Artikels „Wollen sie mtr bitte unauffällig folgen" schreibt uns ein Mitarbeiter:
Die holländische Grenzstation Oldenzaal ist passiert. Ob nicht mancher in unserem Zug ein wenig aufatmet?
,91a, diesmal wär's noch gut abgegangen", sagt
I.
Ein Zwischenfall in Bentheim
„Paßkontrolle!"
Wir greifen in unsere Taschen, fo' ruhig dies nur möglich ist. Man will doch sein gutes Gewissen dokumentieren. Die Beamten werfen einen Blick auf die Namen, geben die Pässe zurück. Das nächste Kupee wird visitiert. Plötzlich ein Wortwechsel auf dem Gang. „Das ist eine Unverschämtheit! Das lasse ich mir nicht gefallen! Ich bin doch kein Verbrecher" — „Also bitte, machen Sie keine Umstände, Sic werden einen Zug überspringen. Telegrafieren Sie doch an Ihre Verwandten in Amsterdam, daß Sie später kommen. Wir haben Anweisung..."
Ein Herr, Typ des kleinen Angestellten, wird sanft von einem der Beamten dem Ausgang zugcschoben. Ein anderer fordert die übrigen Insassen des Kupces auf, einen Augenblick auf den Gang zu treten. Blitz-
einen halben Meter hoch stand. Glücklicherweise kamen alle mit unwesentlichen Hautabschürfungen und einem ungewollten Bad davon.
Dor 300 Jahren starb Tilly
Kleine Chronik
Als ein besonders tüchtiger Fachmann entpuppte sich bei dem Prozeß der Bank für deutsche Beamte der zweite Angeklagte, Prokurist Höpsncr, der zu- gcben mußte, ungeachtet seiner Position als technischer Letter der Bank mit 1000 Mark Monatsgehalt niemals das Genossenschaslsgesetz überhaupt in die Hand genommen zu haben.
Bremen, 23. April.
Im Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Verhaftung eines der Unterschlagung beschuldigten Kassierers sind bei der Sparkasse in Bremen drei we't.'rc leitende Beamte der Sparkasse, die teilweise schon 25 bis 30 Jahre dort Dienst tun, in Hast genommen worden. Die bereits seit einigen Wochen bei der Sparkasse durchgeführte Revision hat nunmehr zu der Entdeckung geführt, daß in der Effektenabteilung .-lo Li der Giroabteilung Verfehlungen in größer-'m Umfange vorgekommen sind. Der größte Teil dieser Veruntreuungen ist auf Kreditgebungen nurückznfüh- ren, die unerlaubt erfolgt sind. Es erwuchsen aus d.e- sen Unterschlagungen und unerlaubten Geschäften d>r Giroabteilung sowie der anderen Beamten der Sparkasse Verluste in Höhe von insgesamt 664 000 Reichsmark. Die Verluste können aber in vollem Umfange aus den vorhandenen stillen Reserven gedeckt werde i. Zwei der Verhafteten haben bei der Staatsanw.ilt- schaft Haftbeschwerde eingelegt, die jedoch bereits verworfen worden ist.
Kirchenfchätze zur Stützung
der griechischen Währung
Athen, 23. April.
Der Metropolit von Athen, der mit den zuständigen Behörden wegen Aufrechterhaltung der Goldbasis für die Drachme durch eine allgriechische Stützungsaktion verhandelt, hat erklärt, daß die 1300 orthodoxen Kirchen Griechenlands zur Hergabe ihrer Gold- und Silberschätze bereit seien. Durchschnittlich dürste jede Kirche für "mindestens 10 000 Drachmen goldene Kir- chengcräte Opfergaben usw. besitzen. Die größeren griechischen Vereinigungen sind zu einer Besprechung eingeladen, um über die Sammlung von Gold und wertvollen Schmuckstücken zu beraten, die bei der Bank voit Griechenland hinterlegt werden sollen.
Während saft alle griechischen Stellen diese all- griechische Stützungsaktion für die Drachme begrüßen und über die Verwirklichung dieses Gedankens mit Finanzfachleuten verhandeln, bezeichnet der Wirtschaftsminister den Plan als unsinnig.
3m v-Zug der Oevisenfchmuggler
Devisen, Juwelen und Briefmarken / Kapitalflucht in Traten Oie Kleinen werden gefaßt, die Großen sind längst drüben
Immer «och täbrt das -raeutimscke ..Rrrbrechcr- schkkk" raftlos durch die Welt. Uns beute ioaar »aber aerSckt als je. — linier Mitarbeiter S r c b Haiti r ch e r schildert bier den Eindruck, deu der Damnter macht, und was er über ihn sanft noch er- sahren konnte.
Ein kleiner Dampfer, dick und plump, schaukelt langsam die Untcrelbe hinauf. Aus dem Schornstein flieht träge der schwarze Rauch, aus Deck ist kein Mensch zu sehen.
Ein alter Kasten, denkt man. An der Außenwand frißt der Rost durch die schäbig gewordene Farbe, der Ruß der Maschine hat das Deck geschwärzt. Wie ist, so fragt man bestürzt, dieser elende Kasten heil über den Ozcan gekommen?
Am Heck webt eine fremde Flagge, wenn man genau mit dem Fernglas Hinsicht, sind die argentinischen Hoheitszeichen zu sehen. Sucht man weiter, entdeckt man in verwitterten Buchstaben das Wort „Ehaco". Das also ist das „Verbrecherschisf" mit feiner höchst seltsamen, fast schaurigen Last!? In diesem Frachtdampfer hat die argentinische Regierung die ihr unbequemen Ausländer, politische und gemeine Verbrecher, verladen? Die meisten haben jahrelang hinter Gefängnismauern auf den Tag der Befreiung gewartet — als ihre Zeit um war, mußten sie das Land verlassen.
Italiener, Letten, Polen und Tschechoslowaken sind auf dem Kahn. Außerdem eine waghalsige Besatzung, den Teufel im Leih, mit guter Heuer angeworben. Indessen, dieser klägliche Dämpfer hatte nicht allzuviel Platz für seine unerwünschten Gäste;
dieses halbe Hundert Deportierter wurde in die wenigen Räume zusammengepfercht, und da die kleine Besatzung mit den gefährlichen Passagieren nicht fertig werden kann, läßt man diese lebende Last nicht auf Deck, nicht eine Minute an die frische Luft. So ist dieser „Chaco" zu einem zweiten entsetzlichen Gefängnis geworden; seit sechs Wochen schwimmt dieser Kasten nun auf dem Wasser, schleppt feinen Inhalt ruhelos von Hasen zu Hasen; heute selbst weiß der Kapitän, ein verwegener Herr mit zerfurchtem Gesicht und stechenden Augen, absolut noch nicht, wann fein fluchbeladener, fliegender Argentinier am Ende seiner abenteuerlichen Fahrt fein wird.
Anfang März hat dieses seltsame Schiff an der argentinischen Küste die Anker gelichtet. Eine tolle Hitze machte in den ersten Tagen schon die Fahrt für die mißmutige Mannschaft und die eingcspcrrten Passagiere zur Höllenqual; was sollte der Kapitän dagegen tun, er hatte seine Weisungen, die er befolgen mußte; er hätte sich und feine Matrosen selbst in Gefahr gebracht, wenn er die stickigen, heißen Räume geöffnet" und den Gefangenen auf Deck die Freiheit gegeben hätte. Der Staat, in diesem Falle der argentinische, betrachtete diese Männer und Frauen,
jawohl, auch Frauen sind dabei,
als lästige Ausländer, als Verbrecher am Volke, ganz gleich, weshalb und warum. Zuerst glaubte man drüben, schon in Lissabon oder Marseille landen zu können, aber erst in Genua soll es dem Kapitän gelungen fein, etwa zehn Italiener an Land zu setzen; zum gro-
körpcr, alles wird rasch geprüft. Daun geht es zur Gangtoilelte. Der Deckel wird ganz herumgeklappt — und auf einer Unterseite kommt ein kleiner Beutel zum Vorschein, sorgfältig mit Reißnägeln beseligt ...
„Alle paar Tage machen wir so einen guten Fang", erzählt uns der Zollbeamte. „Was sie über die Grenze schieben? Geld, Juwelen und alles, was sic nicht unbeschränkt aussührcn dürfen. Der da war noch em Neuer. Ein kleiner Bankbeamter ans Berlin, abgcbaut, in hie Kreise gekommen, in denen die Agenten der holländischen Banken verkehren. Was die Holländer uns antun, das ist unverantwortlich. Deutschland ist so verarmt. Aber die Banken und Konzerne da drüben verstehen cs immer wieder, weitere Millionen herauszuzieheii. Die kleine Szene, die Tie eben miterlebt haben, ist übrigens nur ein Schlußkapitel. Der Mann war uns vorher signalisiert."
„Wo Hal er-denn die Wertgegenstände her, die er schmuggeln wollte?" „Von seinem Auftraggeber, dem Berliner Agenten irgendeiner holländischen Bank. Diese Agenten bekommen deutsche Aktien aus Holland geschickt, die man drüben zu den billigen Börsenkursen eingetauft Hai. Der Agent muß sic nun in Berlin zu den höheren deutschen Kursen verkaufen. Dazu nimmt er sich eine Anzahl Unteragenten. Tie gehen zu kleinen Banken, geben Verkaufsaufträge. Und wenn die Papiere verläuft sind, versucht man das Geld mit einem Vertrauensmann über die Grenze zu bringen. Aber den da hat die Berliner Zollfahndungsstelle schon lange beobachten lassen, wie er Aktien verkaufte, den Agenten der Holländer besuchte, die Fahrkarte nach Amsterdam besorgte usw. In dem Augenblick, in dem er in Berlin abgefahren ist, wissen wir hier an der Grenze schon, wie er heißt und aussieht..."
„Sind auch Frauen bei diesem Geschäft anzutreffen?"
„Natürlich! Das sind die Geschicktesten. Die werden zuerst von unseren Beamtinnen untersucht. Findet man nichts bei ihnen, dann wird der Stationsarzt geholt. Und wissen Sie, wo man bei ihnen gelegentlich Tausendmarkscheine ober Diamanten herausholt . . .?!"
„Einsteigcn!" ruft der Schaffner . . .
II.
Das Schiff der Geächteten
»Ehaco^, der fliegende Argentinier / 50 Menschen gehetzt über die Meere / Wie sieht es auf dem ».Dampfer des Grauens" aus? / Zn engen Räumen zusammengepfercht Auch Krauen darunter
Sonderbericht für die KAsscler Neuesten Nachrichten.
lächelnd der dicke Herr neben mir. „Uebcrmäßig intelligent sind die Leute von der Zollrevision auch nicht . . ."
In diesem Augenblick läßt ein Mitfahrender mir gegenüber die Zeitung sinken, sieht sich den Sprecher an. Das ist doch der Kommissar R. vom Berliner Alex! Ich will ihn begrüßen — da macht er mir schon ein Zeichen und versinkt wieder hinter seiner Zeitung. _ ,
Nachher, im Speisewagen, trepen wir uns. ,,^ch bin jetzt'bei der Zollfahndung", erzählt er. „Die hat ein paar hundert gefchulte Kriminalisten neu eingestellt. Der Devisenschmiiggel nimmt ungeheuer überhand. Seit Weihnachten haben wir fast snnszehn Millionen verschobene Devisen, Diamanten, Briefmarken erwischt . . ."
„Briefmarken?"
„Natürlich. Ein ganz großes Geschäft. Marken haben internationale Standardwerte, außerdem sind sie klein, handlich, lassen sich im ganzen Ausland zum Einkaufspreis wieder losschlagen. Auf diese Art kann einer fein ganzes Vermögen über die Grenze schieben: Hüven cuUaufcu, drüben verkaufen. In der Potsdamer Straße in Berlin gibt cs-fcbtrn drei neue Briefmarkcngcschäsle. Deren Kunden haben wir besonders lieb — die lassen wir nicht ans den Augen."
„Und was haben Sie hier in Holland zu tun? Hört nicht die Zuständigkeit der deutschen Behörden an der Grenze auf?“ . m .
„Die Zuständigkeit schon — aber nicht die Auz- merffamfeit. Erinnern Sie sich an_ben unvorsichtigen Herrn vorhin im Kupee? Sehen Sie, das sind meine besten Kunden. Verlassen Sie sich darauf, er wird wieder nach Deutschland zurückkommen. Er wird wieder ein paar Kleinigkeiten mit über die Grenze zu nehmen versuchen. Das ist so einer von denen, die ihr Vermögen ratenweise hinnberschafsen — kein kleiner Schmuggler wie der Mann, der in Bentheim herausgeholt wurde; sondern ein größerer Kunde. Wir werden ihn schon fassen, das ist nur eine Frage der Zeit. Das nächste Mal wird es ihm nicht glücken: Da packen wir schon auf deutschem Boden zu."
„Fassen Sie die meisten dieser Kapitalflüchtlinge?"
„Leider sind die ganz Großen schon alle hinüber; die hören ja das Gras wachsen und Haden sich rechtzeitig ihr Schäfchen ins Trockene gebracht. Was jetzt iioch kommt, sind Nachzügler. Fast tun sie einem leib. — Aber oeu anderen, den gewerbsmäßigen Devisenschiebern, gehl's jetzt schwer an den Kragen. Jüngst ist eine neue Verordnung herausgekommen, daß jede Bank sich informieren muß über bie Person bessen, der ihr Aktien zum Verkauf anbietet. Tas wird den Herren bas Handwerk ein wenig legen. Es sind nur so außerordentlich viele, die au diesen Ge- . schäften beteiligt sind. Jeder holländische Konzern, der Devifenschiebungen mitmacht, hat außer seinem Generalagenten Dutzende von kleinen Leuten, meist erwerbslose Makler, die für ihn in Deutschland Aktien verkaufen. Und es gibt so viele Möglichkeiten, das Geld bann wieder zurück über die Grenze zu schaffen. Wer kann zum Beispiel einen bis zum Rand mit Kohlen beladenen Rheindampser umschaufeln, um nachzuschen, ob nicht ein Päckchen Taufendmarkscheine irgendwo versteckt ist?" f
„Wenn wenigstens bie deutschen Banken alle ehrlich wären und den Behörden in ihrem Kamps beistehen würden!"
„Tun Sie den deutschen Banken nicht unrecht. Sie sind viel anständiger als man allgemein glaubt. Unzählige kleine Bankiers werfen einen Makler, der Effekten verkaufen will, glatt hinaus, wenn ihnen der Mann nicht tiptop erscheint, oder übergeben ihn der Polizei. Es gibt noch ehrliche Leute in Berlin. Aber die Versuchung, beim einträglichen Geschäft der Devisenschiebung rnftzumachen, ist groß. Sie würden es auch tun, wenn Sie nichts zu beißen hätten!"
„Nana, ich glaube doch nicht . . ."
„Jetzt reden Sic so. Und in vier Wochen . . .? Die anderen waren auch mal so standfest--das
Zeit tusopte, bin
All—
Xi
Sklarek geisteskrank?
Anträge der Verteidigung.
Berlin, 23. April.
Im Sklarek-Prozeß unterbreitete Rechtsanwalt Dr. Pindar dem Gericht mehrere ärztliche Gutachten und erklärte, daß aus Grund dieser Gutachten eine psychiatrische Untersuchung Leo Sklareks notwendig sei. Auf Grund des ärztlichen Befundes sei bei Leo Sklarek eine organische Schädigung des Zentralnervensystems scstzustellen, so daß beibe Sachverständige, Professor T. A. Levi und Universitätsprofessor Cronfeld, die Begutachtung seines psychiatrischen Verhaltens für dringend erforderlich halten, da eine erhebliche Verringerung seiner Zurechmingsfähigkeit vorliegt.
Rechtsanwalt Bahn schloß sich diesem Antrag an und erklärte, er habe schon immer den Eiiidruck gehabt, daß Leo Sklarek geisteskrank sei. Tie Uebcrtrei- bungen Leo Sklareks, daß beispielsweise Sekt ans Kübeln getrunken und Kaviar mit Lösseln gegessen sei, die Tausende von unwahren Behauptungen, die er anfgefteUt habe, sprächen dafür, daß er nicht normal sei, ebenso sein fanatischer Haß gegen Stadtbank- direktor Hoffmann.
Leo Sklarek (erregt): „Ich habe mich immer zu- fammengeitommen. Ich weiß gar nicht, warum ich hier fitze. Ich verbitte mir, daß ich jetzt geisteskrank fein soll."
Vorsitzender: „Ich verbitte mir diese Schreierei, Leo Sklarek, Sie haben sich hier anständig zu benehmen."
Unterschlagungen beim Luftfahrtverband
Berlin, 23. April.
Zu Gerüchten über Unterschlagungen im Reichs- bcrband der deutschen Lustsahrt-Jndustrie teilt ber Rcichsverband mit: Vor mehreren Wochen sind Unterschlagungen des Registrators Sern aufgedecktZvor- den. Im Zusammenhang damit hat sich eine Sekretärin des Verbandes, die an den Verfehlungen des genannten Registrators nicht direkt beteiligt war, in einem Anfall von Schwermut das Leben genommen. Ter Registrator wurde fristlos entlassen. Ebenso haben in diesem Zusammenhang der für die Verwaltung verantwortliche Geschäftsführer und ein weiterer Angestellter des Verbandes auf ihr Gesuch
V/arscheu
Motaia
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450 --Rom