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Kasseler Treueste Fachrichlen

Don Anhalt bis Württemberg

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anderen

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Berlins 23. April.

Die perle Affa

, als die große offizielle Revolu- paar Monate später in der Oefsent-

rnt ’e^1 cr|t auf 50 000 Stimmen ein Mandat ent-

tra Erhöhung des Wahlquotien- . iwy— «•“« yw »•muk« mit oem (yeoanten einer der-

tcn sur die kleinen Parteien recht ungünstig auswir- artigen Notlösung vertraut zu machen. Sie hat den ken wird, ,o nimmt man doch an, daß die Gesamtzahl >"’c‘ ""---- " ' ' •• - - -

öcr Mandate, die im alten Landtag 450 betrug, keine Verminderung erfährt, da die höhere Wahlbeteiligung und die Zunahme der Wählerschaft den durch die Neu­regelung herbeigeführten Ausfall an Mandaten wie­der ausgleichen wird.

missars beseitigt. In unterrichteten Kreisen icheint man sich ernstlich mit dem Gedanken einer der-

Einem in der Oeffentlichkeit laut gewordenen Wunsche entsprechend, gibt die sächsische Staatskanzlei das Ersuchen, das der sächsische Ministerprä­sident nach dem Verbot der nationalisozia- si st i sche n SA. an den Reichsminister des Innern gerichtet hat, im Wortlaut bekannt. Es lautet:

Bereits bei den ersten Besprechungen über die Entwicklung der verschiedenen Wehrverbände hat die sächsische Regierung den Standpunkt vertreten, daß alle Maßnahmen, die ergriffen werden sollten, unter Wahrung strengster Objektivität gleichzeitig nach allen Seiten ergriffen werden muffen. Nach den in Sachsen gemachten Beobachtungen wird diese Gleichmäßigkeit aber in weiten Kreisen der Bevöl­kerung, auch soweit sie nicht von dem Verbot betrof­fen werden, vermißt.

Der Reichsverbanh der Deutschen Industrie hält es deshalb für erforderlich, daß die Reichsregierung gegenüber dieser Entwicklung eine weitgehende han­delspolitische und innerwirtschaftliche Aktivität ent­faltet. Insbesondere muß nach seiner Ausfassung

1. mit allen Mitteln eine Stärkung des deut­schen Produktions- und Handelsvolu­mens, damit eine Verbesserung des deutschen Ar- bcilsmarktes ustd eine Erhöhung des verfügbaren De­visenbestandes angestrebt werden.

2. muß eine möglichst weitgehende Förderung der deutschen Ausf'uhr unter gleichzeitiger Stärk ungdesBinnen Marktes Platz greifen, und es müssen die Hemmnisse schleunigst beseitigt wer­den, die gegenwärtig der Aufwärtsentwicklung von Ausfuhr und Binnenmarkt entgegcnstehcn. Hierzu ge­hört in erster Linie die Senkung aller Faktoren der

des des Reichsverbandes der Deutschen Industrie statt, in denen zu den wichtigsten gegenwärtigen wirtschaft- politischen Fragen Stellung genommen wurde.

Staatssekretär von S i m s o n berichtete über die gegenwärtige Lage auf handelspolitischem Gebiet und Geheimrat Kastl über Handels- und Devisenpolitik. Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes vertra­ten den Standpunkt, daß die immer stärker zunehmen­den Absperrungstendenzen der einzelnen Staaten und die Bestrebungen der Länder mit aktiver Zahlungs­bilanz, sich auch eine aktive Handelsbilanz zu schaffen, der Welt zum Verhängnis geworden sind und den tn- ternationalen Kreditmarkt und Warenhandel zu ver­nichten drohen. Die Politik der einzelnen Länder, nach der jedes Land verlangt, daß ihm soviel Waren wie nur irgend möglich abgenommen werden, aber andererseits das Recht für sich beansprucht, sich gegen die Ausnahme fremder Waren zu sperren, mutz letzten Endes zum Ruin der Weltwirtschaft führen.

Vorteil, daß eine enge Zusammenarbeit des Reichs mit Preußen sichergestellt wäre, sie würde aber gleich- zettig, nachdem schon die Brüningregierung im Reich neue Methoden des politischen Arbeitens angewendet hatte, einen wetteren und vielleicht den entscheidenden Schritt vom Parlamentarismus zu einer außerpar­lamentarischen Regierungsform bedeuten.

Deutschland insbesondere kann nur dann seine krevitpolitischen Beziehungen mit dem Auslände aufrecht erhalten und seine Verpflichtungen aus den in früheren Jähren gewährten ausländischen Kre­diten erfüllen, wenn man ihm in einem ausreichen­den Maste seine Waren abnimmt.

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Anter Vorsitz von Dr. Krupp von Bohlen und Hal­bach fanden Sitzungen des Präsidiums und Vorstan-

Handelspoliiische Aktivität!

Oie Korderungen -es Reichsverbandes der deutschen Industrie

tärischen Organisationen nicht zu einem Verbot kom­men wird.

„Wahrung strengster Objektivität"

Sachsen und das SA.-Verbot.

Dresden, 23. April.

Es muß int Sommer 1918 gewesen sein, als in un­serem Hause etwas passierte, was uns mehr erschüt­terte und erregte, als die große, offizielle Revolu- !°n, die sich etn paar Monate später in der Oeffeitt- lichkett begab: es war die Revolution in unserem H?use, unsere private Revolution, der Umsturz von Werten, die unverrückbar für uns gewesen waren. Denn die Person, dix wir Affa nannten, gehörte zum H?use, ja, zur Familie, mehr als eine der vielen xtnberfraulein, die wir je gehabt, mehr als Köchin, Hausmädchen oder irgendwer sonst. Sie gehörte in eben dem Grade dazu, wie die Eltern oder die Ge­schwister, denn sie war einfach immer dagewesen. Sie genoß das vollkommene Vertrauen, das man ganz selbstverständlich Dingen entgegenbringt, die einen Teil unseres Lebens ausmachen. Ich glaube Affa war schon Zimmermädchen bei uns, als ich geboren wurde.

Das Reichsministerium des Innern wird ersucht, zu prüfen, ob die Voraussetzung des Vorhandenseins militärähnlicher Organisationen auch bei Verbänden politischer Parteien vorliegt.

Neben den Preußenwahlen verblaßt natürlich die Bedeutung der übrigen Länderwahlen. Immerhin werden auch sie dazu beitragen, daß das Bild, das die preußischen Wahlen von dem politischen Denken unseres Volkes entwerfen, abgerundet wird. In B a Oer n ftebt speziell die Frage zur Beantwortung, wie sich die bisher dominierende Bayerische Volks- Partei gegen den Ansturm der oppositionellen Par­teien behaupten wird; daneben ist es von Interesse, welche der anderen Parteien das erste Anrecht auf das Mitregieren und das Mitbestimmen erwerben wird. Bei der Beurteilung der württembergischen Wahlergebnifle wird man sich besonders der Tatsache I

Zum Austtitt des Abgeordneten Hintzmann aus der Deutschen Volkspartei schreibt die „Nationallibe- rale Correspondenz", der Pressedienst der Deutschen Volkspartei u. a.: In der Begründung seines Schrit­tes weist Abg. Hintzmann darauf hin, daß seiner Auf- affuttfl nach die Deutschnationale Volkspartei die einzige Gruppe im bürgerlichen Lager sei, die geeignet sei, wirkliche nationale Sammelpolitik zu treiben. Diese Begründung kann schon deshalb kein Verständ­nis finden, weil die Deutschnationale Volkspariei un­ter Hugenbergs Führung durch die unglückselige Rolle, die sie beim ersten und zweiten Wahlgang für die Präsidentenwahl geleistet hat, wieder gezeigt hat, daß parteitaktische Motive ihre Entscheidung aufs stärkste beetnsluffen. Herr Hintzmann vergißt auch, daß die 5'/2 Millionen Mähler, die nach Hugenbergs Berechnung aus der gemäßigten Rechten und der na­tionalen Mitte für Hindenburg gestimmt haben, den politischen Anspruch darauf haben, als gleichberech- ttgte Faktoren für die Zusammenfassung der staats­bürgerlichen Kräfte in Deutschland gewertet zu wer­den, denen man nicht zumuten kann, sich unter das Diktat des Herrn Hugenbergs zu begeben.

erinnern müssen, daß dieses Land bisher stets als ein „Stammland des Liberalismus" gegolten hat Wird der Radikalismus auch diese Bastion im Sturm neh­men? Während "der bayerische und der wccklenburgi- sche Landtag ebenso wie das preußische Parlament noch aus dem Jahre 1928 stammten, ist die Ham­burger Bürgerschaft erst im September 1931 gewählt worden. Hier hatten die radikalen Parteien zwar starke Erfolge erzielt, aber gleichzeitig war eine Regierungsbildung unmöglich geworden. Jetzt soll nun also versucht werden, eine neue Basis zu schaffen, von der aus die Hansastadt geleitet werden kann. Und Anhalt? Zweifellos ist die Wahl in dem klei­nen Ländchen von untergeordneter Bedeutung; viel­leicht geht das Land die gleichen Wege, die sein etwas Größerer Bruder, das Braunschweiger Land, schon be- hritten hat.

th. Berlin, 23. April.

Ter Reichsinnenminister Groener hat sich ge­stern abend von Berlin nach Süddeutschland begeben, wo er morgen mit dem Reichskanzler in Sigma­ringen zusammentreffen wird. Der Kanzler will dort bekanntlich sein preußisches Wahlrecht ausüben, und der Reichsinnenminister wird ihm Bericht über die Untersuchung des Reichsbannermaterials erstatten. Wenn Dr. Groener am Montag wieder in Merlin sein wird, wird er zunächst den Reichspräsidenten von Hindenburg aufsuchen, aber er wird ihm vorläufig nur eine Art Zwischenbericht erstat­ten können, denn die letzte Stellungnahme des Reichskabinetts zu dem Endergebnis der Material­prüfung wird erst in Betracht kommen, wenn der Reichskanzler wieder in Berlin eingetroffen ist, also erst in der zweiten Hälfte der nächsten Woche. Dann wird in einer Kabinettssttzung die endgültige Stel­lungnahme der Reichsregierung zu der Frage herbei- aeführt werden, ob das Reichsbanner verboten wird oder nicht.

Man hält es nach wie vor für sehr wahrscheinlich, daß es angesichts des freiwilligen Abbaues der mili-

. .Tbomas Manns seSsundzivanzjglähriqer Sohn hat seine Erinnerungen vermtzt. Er nennt sie „Mini un- fcrci Zeit lTransmare-Verlag, Berlin». Wir ent­nehmen dem Buch die folgende Episode, die von trüber Unordnung tm väterlichen Hause am Mün­chener Herzogsvark erzählt.

Wie aber werden sich diese 450 Mandate auf die einzelnen Parteien verteilen? Den einzigen Anhalt für alle Voraussagen geben die beiden Abstimmunaen zur Präsidentenwahl. Aber auch hier spielen ver­schiedene Unsicherheitsfaktoren mit. So können selbst bei den Kommunisten und den Nationalsozialisten, den beiden Parteien also, bei denen sich noch am ehesten vom 13. Marz und vom 10. April Schlußfolgerungen

21. April ziehen laffen, die Ergebnisse der Präsidentenwahl nicht einfach ins Preußische übersetzt werden, denn in den 8,2 Millionen Stimmen, die Hit­ler beim zweiten Wahlgang in Preußen erhielt, stel­len ein paar Hunderttausend deutschnationale Stim­men, und es ist fraglich, ob diese Wähler Hitler auch bei den Preußenwahlen treu bleiben, oder ob sie in das Hugenbergsche Lager zurückkebren. Wie soll man ferner, um noch ein paar andere Schwierigkeiten auf» zuzetgen, die Auswirkungen des SA.-Verbotes in Rechnung stellen, wie hoch ist der Einfluß, den die A^sichtsloftgkeit der Thälmann-Kandidatur auf die \ „Wahllust" der kommunistischen Wähler ausübte, zu veranichlagen, und nach welchen Maßstäben will man gar bie 11,4 Millionen preußischer Stimmen, die Hiit- denburg aus sich vereinigte, austeilen, nachdem die .östn- denburgsront schon vor dem preußischen Wahlkampf gejprengt worden war? F

Das Prophezeien ist also im politischen Leben etn ichwtertges und riskantes Geschäft, und es ist gut, üch all dieser Vorbehalte bewußt zu bleiben, wenn !’’nn derartige Wahlvoraussagen zu Gesicht bekommt. Wie »ich eine mit größtmöglicher Sorgfalt anaefteHte Schatzung des Ergebnisses der Preußenwahl ansieht, mag wenigstens an einem Beispiel illustriert werden .vans Zehrer kommt in der Korrespondenz des Tat- Kretjes zu dem Ergebnis, daß er den bisherigen Re- von 450 Sitzen tm neuen Landtage

JKftnimte zubilligt, und zwar errechnet er für die SPD. 9a, für das Zentrum 73 und für die Staats- parteiu Sitze. Die Kommunisten fallen nach seiner Darstellung 60 Sitze erhalten, während der Rechtsop- I Position lnsge,amt 217 — davon den Nationalsoziali- sten 14a, den Deutschnationalen 30 und den halbrechts fallen strDen $ C ” Oppositionsgruppen 42 — Sitze zu- I

Koalition oder Reichskommiffar?

Der 24. April schließt zunächst den innerpolitischen Kampf der letzten Wochen ab. Ob er insbesondere in Preußen Entscheidungen von dauerhafter Wirkung schaffen wird, ist heute noch nicht abzusehen. Wie dem auch sei, es geht um wichtige Dinge, und nie­mand, der sich seiner Staatsbürgerpflichten bewußt ist, wird am morgigen Wahltage auf das Recht, an , । der Gestaltung dieser Dinge mitzuwirken, verzichten

Tatsache I wollen.

geschoß geeilt war — was so selten geschah — rang und haderte sie um jedes Stück: von jedem behauptete sie, daß es ihr, ihr ganz allein gehöre; der Rotwein war ein Geschenk ihres ersten Bräutigams aus Pa­ris, die Handtücher alte Erbstücke und nur zufällig mit unseren Initialen gezeichnet: wir waren es die ste bestehlen wollten. — Wir oben, im Eßzimmer hörten den schrecklichen Lärm der Erwachsenen, die' wir bis dahin doch nur so höflich miteinander hatten -reden hören. Wir zitterten: es war ein Streit der Götter, ein Aufruhr der oberen Mächte; mindestens etwas mix der Trojanische Krieg. Man hätte die Polizei nicht gerufen, nur Affas tolles Gehaben zwang dazu. Vom Schutzmann begleitet, fuhr man in die Wohnung von irgendeiner Verwandtschaft Affas, wo, den Angaben der Köchin zufolge — denen man nun doch anfing zu glauben — noch allerlei zu finden sem würde, was Affa in unserem Hause zusammenge- rafft hatte. Man fand noch die erstaunlichsten Dinge; von Blumenoasen bis zu Sardinenbüchsen, alles was Affa irgend nützlich oder hübsch gefunden', alles' was ihrer umsichtigen Kleptomanie irgend in bie Hände gefallen war — ja, sogar einen kleinen japanischen Fächer, den ich während meiner großen Krankheit ge­schenkt bekommen hatte und der mir bann abhanden gekommen war. Ich hatte ihn unter Tränen gesucht. Tagelang; Affa aber hütete ihn wohl —

Abends kam sie noch einmal für eine halbe Stunde in unser Haus, um ihren Koffer zu packen. Sie ver- ließ uns, fürchterliche Racheschwüre auf den Lippen. Uns Kindern war verboten, noch einmal mit ihr in Berührung zu kommen. Während sie unten unsere Familie verfluchte, saßen wir erschüttert oben an Den Arbeitspulten.

Groerrers JReife nach Sigmaringen

Entscheidung in der Reichsbannerfrage erst nach Brünings Rückkehr

Klaus Mann:

K

Der Gerichtsverhandlung gegen Affa, die einige Monate später statt fand, wohnten wir selbstverständ­lich nicht bei; auch sie ist reiner Erinnerungs-Mythos unkontrollierbare Legende. Diese Legende hält fest' wie Affa, in praller, giftgrüner Atlasbluse, die Wangen festlicher erhitzt denn je, vor den Richtern erschien; wie sie es war, die sich das Vertrauen btr Münchener Beamten und des Zuschauer-Raumes durch »owohl siegesgewiffes als demütiges und oerfiihre- rljches Wesen gewann, während meine Eltern als „landfremd" wirkende Intellektuelle, mehr ' Miß­trauen als Sympathie erweckten. Es fehlte nicht viel, daß ste die Angeklagten wurden. Affa, in gro­ßer Form, berauscht vom Hochdramatlschen des Augenblicks, wußte die Situation so zu wenden, daß chließlich ste es war, die als die Geschädigte, Ausge­beutete und dann auch noch Verleumdete daftänd: von lei- einer ruchlosen Herrschaft mißhandelt — ja, der Herr

So steht Affa in meiner Erinnerung: oft von einer Heiterkeit, die ich heute, zurückblickend, etwas laut, forciert und hysterisch nennen muß — damals fanden wir nur, daß sie die schönsten Faxen von der Welt machen könnte ost mißgestimmt und dann von unberechenbarer Empfindlichkeit; Affa, mit fest­lich erhitzten Wangen und lebhaften, grünen Augen, die herausfordernd blitzen konnten; üppig, stolz und gewandt; befreundet mit Offizieren und Apothekern; herrschsüchtig, verwöhnt und unentbehrlich. Six war es, die beim Rodeln auf dem Berg den riesengroßen, plumpen grünen Schlitten benutzte und wild grimas- fierend mit dem unvergleichlichsten Gesicht zu Tale sauste; sie allein konnte uns abends mit den pracht­vollsten kleinen Einfällen amüsieren, indem sie er­zählt, daß Erika einen schwarzen und schlanken jun­gen Baron heiraten würde, vormachte, was Mielein •für ein Gesicht machte, wenn sie mit der Fanny den Speisezettel beriet oder wenn sie das hübsche Lied von Eduard Biermüller, dem feschen Klavierspieler, träl­lerte — „blond, mit gescheiteltem Haar". Am meisten glänzte ste. wenn w,r..Gesellschaft hatten; sie war Meisterin darin, den Tisch mit Blumen zu zieren, und alle Gäste bestrickte ste durch ihr verständiges und warmes Wesen. Die Gäste meinten, daß sie „eine

nach Hause kommend, sehen mußte, wie man in ihre» mit so viel listigem Fleiß zusammengetragenen Lager stöberte, geriet in einen wahren Rausch von Habgier und Wut: mit unserem Vater, der selber ins Kell,

Es war ein Warenlager, bas sich fand. Alle Ge­genstände, die inf Laufe der letzten Jahre im Hause verlorengegangen waren — und meine Mutter glaubte viel verloren zu haben, ba sie eher zur Un­ordnung neigt —, fanden sich aufgeschichtet, gestapelt übereinandergeworfen in Affas Schrank und Kom­mode, ja, noch unter dem Bett. Sie hatte mit einer solchen Passion, einer solchen Besessenheit gestohlen, daß nicht nur Tischdecken, Rotweinftaschen, Teelöffel, Blumenvasen und Luxusausgaben toter, sowie le­bender Autoren, sondern auch Nagelscheren, Spiel­pferdchen, Kragenknopfe — nach denen man hände­ringend gesucht — und Nadelkissen aus der Dunkel­heit ihrer Verwahrung ans Licht gehoben wurden.

Wir wohnten dieser Szene des Zimmer-Oeffnens nicht bei, aber es muß eine Szene großen Stils ge­wesen sein. Welch ungeheuerliche Ueberraschung im Gesicht meiner Mutter, welcher Triumph in den Mienen der Köchin! — Aber geradezu mythisch-kata­strophalen Eharatter gewann in unserer Ueberliefe- rung di« Szene, welche nun folgte: denn Affa, die, nach Hause kommend, sehen mußte, wie man in ihrem,

Um die Reform der Arbeitslosenhilfe

Zusammenlegung der Krisen- und Wohlfahrts- Unterstützung?

In unterrichteten Kreisen wird dem Nachrichten­büro des VDZ. gesagt, daß hinsichtlich der Reform der Betreuung der Erwerbslosen jetzt der.Gedanke ei­ner Z u f a ut m c n I e g u n g der Kri'sen- und der Wohlfahrtsunterstützung stark erör­tert werde. Der Plan einer Zusammenlegung aller drei Versicherungsarten, einschließlich also der Er- werbslosenversicherunst, soll auf erhebliche politische Schwierigkeiten stoßen und besonders die Gegnerschaft der Getverkschaften finden. Wenn man daher sich jetzt bemühe, wenigstens die Krisen- und die Wohlfahrts­unterstützung zusammenzutun, so lasse man sich hierbei vor allem von der Notwendigkeit einer fühlbaren finanziellen Entlastung der Gemein­den leiten.

Obgleich bisher noch kein endgültiger Beschluß über diese Frage vorliegt und man zurzeit nicht ein­mal sagen kann, wann eine entsprechende Verord­nung erscheinen könnte, rechnet man doch damit, daß chon durch die Zusammenlegung von Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung den Gemeinden eine Er­sparnis von wenigstens 100 Millio s neu im Jahre erwachsen würde.

Eine sekundäre Frage wäre dabei, wer als Träger der so zufammengesaßten Versicherung zu gelten hätte. Der Deutsche Städtetag hatte sich dahin ausgespro­chen, aus grundsätzlichen Erwägungen der Selbstver­waltung heraus die Gemeinden als Träger fungie­ren zu lassen, während der Reichsstädtebund, die Ver­tretung der mittleren und kleineren Städte in Deutsch­land, ebenso wie der Landkreistag eine solche Forde­rung nicht ausgestellt haben.

Von der OVp.

zu -en Oeutschnationalen

Berlin, 23. April.

Der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Hintz- m a n n, der Geschäftsführer der Fraktion ist, hat, der „Nachtausgabe" zufolge, dem Parteivorsitzenden Din; teldey in einem Schreiben seinen Austritt aus der Fraktion und der DVP. mitgeteilt. Abg. Hintzmann äußert in diesem Schreiben, er werde sich der DNVP. anschließen, da nur diese Partei für die Sammlung der bürgerlich-nationalen Stimmen in Frage komme.

„Oer Mustergatte"

Im Theater in der Stresemannstraße, Berlin wur­de ein Schwank von Avery Hopwood uraufgefübrt der das Thema der ehelichen Treue auf eine luftige Art variiert: Ein Mustergatte, der sich nichts zu schulden kommen läßt und der Gattin jeden Wunsch an den Augen ablieft, muß entdecken, daß alle Brav­heit und Treue ihn bei der eigenen Frau nicht höher in Kurs fetzen können. Er sicht, wie sie ihm auf der Rase herumtanzt. Kurz entschlossen dreht er die Me­daille um, wird ein Wirtshausgänger, Frauenjäger und tobt eine Sekt-Nacht lang wie der tollste Lebe­mann. Kein Wunder, daß er auf diesem Wege schnel­ler zum Ziele kommt, fortan seinem Weibe zu im- vonieren... Man steht schon, daß das harmlos-fröh­liche stuck eine Bombenrolle für einen bei -glichen Spaßvogel enthalt. Heinz Rühmann füllte sie mit rever schausptelertschen Akrobatik und Disziplin der- artig vollkommen aus, daß bas Publikum in Hellen Beifall ausbrach. h M. £.

des Hauses hatte sie gar nicht selten geschlagen —; in einer schauerlichen Bohemewirischaft ständig nahe dem Hungertobe. Alles, was hier auf bem Tische ausgebreitet lag — unsere Spielsachen und bie Bücher unseres Vaters hatten ihr immer gehört, oder sie hatte es zu Weihnachten von uns geschenkt bekommen. Der Haß machte sie genial; sie log pracht­voll. Außerdem kam ihr die Zeitstimmung und die Atmosphäre des Ortes entgegen: In diesen ersten Monaten nach der Revolution hatte man für Ange­hörige der dienenden Stände vor deutschen Gerichten vielleicht mehr Sympathie und Zuttauen als für bie, welche man für Kapitalisten hielt — ein Zustand, bet sich nur zu schnell roicbcr geändert hat —; und zudem ist ein „Schriftsteller" für ein Münchener Ge­richt kaum jemals eine populäre Figur gewesen. Man glaubte lieber der rüstigen Person, die bayerisch sprach und augenscheinlich so viel gelitten hatte. — Affa wurde freigesprochen, es fehlte nicht viel und man hätte sie in ihrer grünen Atlasbluse im Triumph aus dem Saal getragen. Unsere Eltern fürchteten, gelyncht zu werden, so gereizt war gegen sie bie Stimmung. — Daß ich nicht dabei sein durfte, als Affa, von ihrem Sieg zu einer Stattlichkeit gebläht, die ihre sonstige Pracht bei weitem übertraf, das Ee- ridjtsgebäube verließ! Aber ich sehe sie, erhitzt und selig lächelnd, ihren Bekannten die Hände schüttelnd, wie eine Operndiva nach dem großartig geglückten Gala-Abend.

Perle" sei. Mein Vater sagte, sie sei die geborene Festordnerin.

Gelegentlich geschah es, daß die anderen Dienst­boten vor ihr warnten: sie spreche unehrerbietig, ja, gehajstg von der Herrschaft; manche gingen so weit, ihre Ehrlichkeit zu bezweifeln. Affa konnte üch über solche Verdächtigungen weit erhaben fühlen. Mit bösem und hochmütigem Gelächter wies sie dererlei von sich.

Während des Krieges wurde das Glitzern in ih­ren, grünen Augen renitenter und aufsässiger. Sogar in unserer Gegenwart machte sie Bemerkungen über bie Eltern, bie wir unbegreiflich fanben. Inzwischen warnte auch die Köchin immer eindringlicher vor ihr. Immer wieder mußte meine Mutter hören, daß Affa stehle. Natürlich glaubte kein ernsthafter Mensch daran einen Moment. Eigentlich mehr, um die ver­leumderische Köchin zum Schweigen zu bringen, ließ meine Mutter sich eines Nachmittags, als Affa aus­gegangen war, ihr Zimmer öffnen (es war ver­schlossen, wahrscheinlich benutzte man einen Dietrichs. — Was fand sich?

"stfl Stunden werden wir wissen, s ? 'C- ;7{^»ung aufgegangen ist. Fest steht s5 S* Preußen einen erheblichen Bergrutsch geben totrb.JSer alte Landtag, dessen Zusarnmenfett ^!ihr<.Uiq9R Schaubild wiedergibt, ragt noch aus dem ^abre 1928 m unsere fo gründlich und so tiefareifenb inrtn' unb schon seit den Reichstags- ÄfcU*« war «es ersichtlich, baß diese Vertre­tung des Volkes die öffentliche Meinung nicht mehr lutebergab. - Der Spielraum, den die bisherige Regie- tuugsmchrhelt hatte, ist zu gering, als daß er die^be- m°Pr,!tC?enö,c Verschiebung der Stimmenzahlen aufneh- rer Ko?/???»somit der Typ der Weima- rer Koalition als Regierungssystem für Preu- tH»fAerfcÖl0t dürfte, so bleibt bie Frage, burch * derA Typ er ersetzt werden kann. In Kreisen ,5 Rechten glaubt man natürlich.fchou aus wablaai- Gründen daran, haß die Grundlage für ?ln.c Rechtskoalition, in der sich die Rational- ”llt den.Deutschnationen und den halb­rechts stehenden kleineren Oppositionsparteien zusam- '"ennnden wurden, geschaffen werden könnte. Trotz- - eibt, es fraglich, ob diese Parteien zusammen 51 Prozent der Wahlerstimmen aufbringen werden denn es ist za schließlich zu bedenken, daß der Zuwachs' der Nationalsozialtsten zum großen Teil gerade auf T°rteien ber gemäßigten Rechten gebt. Was bleibt dann noch an Möglichkeiten übrig? Eine Koalition der Rechten mit dem Zentrum würde zwar sicher »der eine Mehrheit verfügen, aber es ist noch ungewiß, wieweit beim Zentrum Neigung besteht, nach rechts zu optieren, und ebenso würden auch die Na­tionalsozialisten wohl noch sehr gründlich mit sich zu Rate gehen, ob sie den Schritt auf das glatte parla­mentarische Parkett gehen können. So ständen dann "Us n°ch zwei Wege offen: Entweder könnte eine ge- schaftsfuhreude Regierung nach dem Muster des Brü­ning-Kabinetts gebildet werden, oder aber die koali- tioilSmaßigeii Schwierigkeiten würden von reichswe- gen durch die E i n s e tz u n g e i n e s R c i ch s k o m,

___________Sonnabend, 23./Sonntng, 24. April 1935 ' Produktionskosten sowie auch eine restlose Ausuutzimg aller Kreditmöglichkeiten.

3. muß, solange eine Devisenbewirtschafs tu n g nicht entbehrt werden kann, diese unter forgfäfa tiger Beachtung unserer handelspolitischen Interesse« gehandhabt werden.

Der Vorsitzende brachte weiter zum Ausdruck, daß die Reichsregierung angesichts der unerträglichen Be- lastung der Betriebe auch aus staatspolitischen Erwä­gungen heraus die unabweisbare Pflicht habe, aller­größte Sparsamkeit walten zu lassen und insbesondere auch auf dem Gebiete der Verwaltungsreform und des Finanzausgleichs Schritte zu ergreifen, um die Wirtschaft vor der Erdrosselung durch Steuern und soziale Lasten zu bewahren.

Das Präsidium befaßte sich bann ausführlich mit den Angriffen, die auf bem Gewerkschaftskongreß gegen das Unternehmertum gerichtet wurden, und stellte mit Bedauern fest, dast felbft in dieser Zeit der Rot halt­lose Verdächtigungen gegen das Unternehmertum aus­gesprochen würden.