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Kasseler Neueste Nachrichten
DonnerSkaq, A. Lptff 1932
th. Berlin, 21. April.
konnte, und wer die Geduld, die OpscrfLhigteit und den Mut der Deutsche« so genau kennengelernt hat, dem kann um die Alkuust Ihres Landes nicht hange fern!“
Das sagt ein Außenstehender, der unseren Angelegenheiten keineswegs fremd gegenüber steht, der sogar eher imstande ist, ein objektives littet! zu fällen, als wir selbst, die wir uns bei jedem Versuch, ein treffendes Bild $n gewinnen, mit auf der Platte sehen und daher Licht und Schatte» kaum sehen, wie fic wirklich sind.
„Sie sind also in bezug auf diesen ganzen Fragenkomplex nicht ganz pessimistisch?"
„Ich glaube an Deutschland» Zittnnft!"
„Nein, ich glaube au die Zukunft des deurscheu Pottes, von welcher» heute in eine« nicht hoch genug eiyjuschiitzeuden Grade die Zukunft der weisten «affe abhängig ist. Wer wie ich di« Einrichtungen, die soziale und iudustrielle Organisation zu« Beispiel — itm nur einen Na«en von den viele« zu nennen — der Zeiß-Werkc in Jena aus sich cinwirken laffen
Im preustifchen Wahlkampf fpiett vor alle« dte Frage eine große Rolle, ob das Reichsbanner nunmehr ebenso verboten werden wird, wie es mit den SA.-Formationen geschehen ist. Die gestern mit allem Vorbehalt wiedergegebene Meldung, daß die Länderregicrungen beim Reichsinnenminister wegen eines Verbotes des Reichsbanners vorstellig geworden seien, und daß man mit der Entscheidung über diese Angelegenheit bis nach Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin warten wolle, hat sich nicht bestätigt. Anträge der Länderregierungen in diesem Sinne liegen nicht vor und die Untersuchung des Materials gegen das Reichsbanner wird unabhängig von der Abwesenheit des Reichskanzlers weitcrgeprüst werden.
Man nimmt an, daß Reichsminister G r o e n e r ungefähr Ende dieser Woche in der Lage sein wird, dem Reichspräsidenten von Hindenburg Bericht über das Ergebnis dieser Untersuchung zu erstatten, aber man hält es — ohne einem Untersuchungsergebnis vorzugreisen — in unterrichteten politischen Kreisen doch nach wie vor für sehr wahr-, Deitüsttz, daß es nicht zu einem Verbot des Reichsbanners kommen wird, und zwar weist minr dabei insbesondere daraus hin, dast beim Reichsbanner der Abbau der militärischen »der militärähnlichen Körperschaften bereits freiwillig in Angriff genommen worden fei.
Siedlung im Osten
Trotz der finanzielle« Schwierigkeiten will das Reich die Mittel zur Verfügung stellen
Volksdienst für neuen Preußenkurs
Regierungsrat Or. Heinrichs und Prof. D. Strathmann als Redner
Groener-Bericht Ende der Woche?
Wahrscheinlich kein Verbot des Reichsbanners
festen Wall zur Erhaltung deutsche« Wesens und deutscher Kultur im deutschen Osten.
Trotz aller Nöte der Wirtschaft und Schwierigkeiten der Finanzen des Reiches ist die Reichsregierung ent- schloffen, die erforderlichen Mittel hereftzustellen. Diese neue Siedlung wird aber im Gegensatz zu den Siedlungen einer wirtschaftlich günstigeren Vergangenheit so einfach und sparsam errichtet werden müffcn, daß fie dem Siedler auch unter ungünstige« wirtschaftlichen Verhältnissen ein dauerndes Fortkommen bietet. Darum muß aber auch der „tue Siedler ans alle über- steigerteu Ansprüche verzichte«.
Nur das Notwendigste an Einrichtungen und Gebäuden aus billigem bodenständigen Material, wo immer möglichst aus Holz, kann ihm für den Anfang bereitgestellt werden. In umfassender Weise muß der Siedler selbst am Ausbau mitwirken. Der freiwillige Arbeitsdienst muß weitgehende Hilfe leisten. Reue Siedlungsformen müssen ohne bürokratische Hemmungen- und überflüssigen Schematismus für dieses Werk gefunden werden.
Die gesetzgeberischen Maßnahmen zur Förderung dieses Werkes sind in Vorbereitung. Sofort nach Rückkehr des Kanzlers sollen sie im Kabinett verabschiedet werden.
Nochmals die „Borheimer Dokumente
Die Ortsgruppe Kassel des Christlich-sozialen Volksdienstes hielt Mittwoch abend im Vereinshaus eine Kundgebung ab, die den Umständen nach gut besucht war. In seinen Einleitungsworten protestierte der Versammlungsleiter Dr. Rohrbach gegen ein von der Deutschnationalen Volkspartei in Kassel verbreitetes Flugblatt, dessen Behauptungen über den Volksdienft schärfste Zurückweisung verdienten.
Als Gast hielt sodann der Vorsitzende der Volkskonservativen Vereinigung,
Regierungsrat Dr. Heinrichs,
eine Ansprache, in der er sich für die Wahl des Spitzenkandidaten des Volksdienstes, Pfarrer Veidt, Frankfurt a. M„ einsetzte. Es sei notwendig, daß in Preußen mit dem verhängnisvollen Kurs des überspitzten Parlamentarismus Schluß gemacht werde. Im Reiche sei man im Begriff, durch die autoritäre Regierung Brüning zu einer Ueberwindung des parlamentarischen Systems zu kommen. In diesem Zusammenhang sprach der Redner sein Bedauern über das SA.- und SS.-Verbot aus. Man sei hier recht einseitig verfahren, obwohl auch andere Orga- nisatwnen gei .bet worden seien, deren Aufgabe die Vorbereitung revolutionärer Handlungen sei. Die Preußenwahlen müßten auch der großen unausweichlichen Aufgabe, Preußen organisch in das Reich einzubauen und damit dem untragbaren Dualismus zwischen Reich und Ländern zu beseitig e n, dienen. In Bemerkungn über die Deutschnationale Volkspartei Und die Nationalsozialisten führte der Redner aus, daß die DNVP. seit lieber« nähme der Führung durch Dr. Hngenberg nicht mehr als eint Hoffnung für die Zukunft angesehen werden könne. Gefährlich und töricht zugleich sei es, die na- tionalsozialtstische Bewegung nur als Agitation und Demagogie abzutun. Sie sei deutlicher Ausdruck des deutschen Auflehnungswillens gegen die Unterdriik- kung durch den Versailler Vertrag und müsse daher als Aktivuvl in jede Außenpolitik eingestellt werden. Aber innerlich habe die Bewegung bei ihrem starkeit Wachstum nicht die erforderliche Auslese und Zurückhaltung bewiesen. Das habe trotz aller äußeren Erfolge zu einer schweren inneren Krise geführt, die sich beschleunigen werde, wenn man die Nationialso- zialisten in Preußen mit in die Verantwortung hineinnehmen würde. Allein dürften die Nationalsoziali
nieren uns die Gelegenheit zu bekommen, um die Reichsgewalt an sich zu reißen.
Eine Erklärung
der AEOA p.-Reichsleitung
München, 21. April.
Bon der Reichsleitung der NSDAP. wird zu den Erklärungen der heffifchen Regtermtg über neuent- deckteS Äaterial jn dem sogenannten Borheimer Dokument u. a. mitgeteilt: „Die Reichsleitung der NSDAP, hält nach wie vor kategorisch daran fest, daß ihr von dem Boxheimer Entwurf nicht dasaeringfte bekannt gewesen sei, bevor dieser Entwurf seinerzeit amtlich der Oeffent- lichkeit übergeben worden sei. Tie Reichsleitung der NSDAP, habe niemals eine Anfrage Dr. Best, die den Entwurf betraf, erhalten. Insbesondere fei »te Reichsleitung der NSDAP, seitens Dr. Best oder eines anderen bitt der Abfaffung des Entwurfs beteiligten Herren übergangen worden, zu der Frage, ob Lebensmittel entschädigungslos oder gegen Re quifilionsschein beschlagnahmt werden sollten, Stellung zu nehmen. Das f»genannte Buxheimer Dokument stelle nach wie vor die Privat Meinung einiger Mitglieder der NSDAP, dar. ES sollte ausdrücklich den Folgen eines Kommunistenputsches dienen, die die Beseittgung der bisherigen obersten Staatsbehörde im Gefolge gehabt hätte.
Das Landvolk zur Preußenwahl
Das Deutsche Landvolk erläßt zur Wahl einen Ausruf. in dem es u. a. heißt: Wir setzen uns in Preußen für eine Politik ein, die Volk und Land über alles stellt. Innenpolitisch sehen wir unsere vornehmste Ausgabe in der Beschaffung nutzbringender Arbeit für die zur Untätigkeit verdammten Polksmaffen. Das ist heute nicht ohne Ued.-rsührung des dazu geeigneten Teils der großstädtischen arbeitslosen Bevölkerung in ländliche Arbeiisverhalinifse möglich. Dazu ist auch die Befchräukung der Frauenarbeit notwendig, soweit fie einen volkswirtschaftlich ungesunden Wettbewerb nm die Männerarbeil darftellt.
Wir sind kein Intereffentenbaufen. Gewiß, wir kämpfen darum, daß unsere Arbeit auf der von den Vätern ererbten Scholle nicht ohne Erfolg bleibt. Wir wollen leben, wir wolle» aber auch die andern leben lassen. Wir sind für die größtmögliche Einschränkung der wirtschaftlichen Tätigkeit der öffentlichen Hand. Der wirtschaftliche Ausstieg ist nur bei unbeengtem Einsatz der Einzelkräfte möglich. Der Einzelne muß die Verantwortung, muß das Risiko tragen. Es muß ihm aber auch der Erfolg bleiben.
Die wirtschaftliche Gesundung kann nicht von der Geldseite, sie kann nur durch Ordnung, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit kommen. Wir sind deshalb Gegner von neuen Wäyrungseiperimentcn. Dadnrch würde daS in ehrlicher Arbeit Erworbene gefährdet nnd zer- stött werden.
Das Hauptversahre« gegen die „Weltbühne". Reichswehrminister Groener hatte wegen eines am vierten Augnst 1931 in der Weltbühne erschienenen Artikels, in dem Soldaten als Mörder bezeichnet wur- den, gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Weltbüyne von Ossietzky Strafantrag wegen Beleidigung der Reichswehr erhoben. Nachdent das Schöffengericht Berlin-Charlottenburg es abgelehnt hätte, das Hauptverfahren gegen von Ossietzky zu eröffnen, bat aus die sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft nunmehr die große Strafkammer beim Landgericht IIl das Hauptverfahren eröffnet, sodaß es voraussichtlich in den nächsten Wochen zur Verhandlung komntt.
Berlin, 21. April.
Amtlich wurde am Mittwochabend mitgeteilt: Am 19. April fand unter dem Vorsitz des Rcichsatbeits- ministerS eine Besprechung sämtlicher e» bet Durchführung der landwirtschaftlichen Siedlung beteiligten Reichsminister statt.
Die Abwicklung der Osthilfe mit ihrem großen Landausfall und gleichzeitig dir Forderung breiter Kreise nach ländlicher Ansiedlung verlangen eine positive Lösung. Die Reichsregierung sieht in einem großzügigen Siedlungswerk im Osten eine schöpferische Tat des Wiederaufbaues nach all den notwendigen, aber nur negativen Abwehrmaßnahmen zum Schutze von Staat und Wirtschaft. So kann auch der gegenwärtige furchtbare Druck erzwungener Untätigkeit und seelischer Zermürbung von unserem Volke genommen werden.
Zwei Millionen Morgen Land, das trotz aller Hilssmaßnahmeu den bisherigen Eigentümern nicht erhalten werden kann, soll Z e h n r a u - sende neuer Siedler im deutschen Osten fest verankern. Die Guts- und Landarbeiter wie die Bauernsöhne des Ostens, in der alten Heimat neu verwurzelt und mit neuem Blut aus dem Uebersluß der Landwirtschaft des Westens belebt, bilden einen
Darmstadt, 21. April.
Di« hessische Regierung erläßt eine amtliche Erklärung, in der sie «och einmal auf die viel genannten .Borheimer Dokumente", die noch unerledigt beim Oberreichsanwalt ruhen, zu sprechen kommt. ES heißt darin u. a.: „Unter dem bei den Haussuchungen in Hesse« anläßlich bei SA.- und SS -Verbots beschlagnahmte« Material Sabtn sich auch Schriftstücke befunden, die für die Aufklärung des hochverräterische« Verfahrens wegen der Boxheimer Dokumente von nicht unerheblicher Bedeutung sein dürften. ES ist hier insbesondere ein Schreiben zu erwähnen, das der Leiter der RechtSabteiluua des Gaurs Hessen der NSDAP., der Landtagsabgeordnete Dr. Best, an die Reichsleitung der NSDAP, in München gerichtet hat. Es ist bezeichnenderweise mit dem Datum vom 6 September 1931 versehen, woraus hervorgeht, daß di« Behauptungen, das Boxheimer Dokument fei im Zusammenhang mit den Ereignissen im Juli 1931 entstanden, ebenfalls nicht zutreffen dürften."
Aus diesem Schreiben geht nach Ansicht der hessischen Regierung hervor, daß erstens die Borheimer Dokumente keineswegs eine „Privatarbeit" des Assessors Dr. Bttj sind, wie es seinerzeit von der Reichsleitung der NSDAP, hingesteift worden ist. Die Boxheimer Dokumente sind demnach vielmehr — wenigstens in wichtigen Teilen — auf Grund von vorheriger Anfrage bei der Reichsleitung der NSDAP, und nach Klärung bestimmter Vorfragen mit der Reichsleitung verfertigt worden. Zweitens erscheine die Ausrede, daß die Boxheimer Dokumente erst für den Fall eines vorausgegangenen kommunistischen Patsches in Betracht gezogen werden sollten, nach diesem Schreiben in einem ganz anderen Lichte Der Plan sei dahin gegangen die Städte den kommunistischen Umstürzlern zu überlasse« und sich auf daS Land zurückzuziehen, um dann dte Städte zu -er
sten in Preußen nicht zur Macht kommen, weil fie nicht die Gewähr bieten, die man von Führern des Staates und der Nation verlangen müsse. Soda«« sprach
Universitätsprof. D. Strathman« -Erlange«, der Führer des Volksdienstes in Bayern, über das Thema „Was erwarten wir Evangelischen vom 24. April?". Man renne gegen das „System der Notverordnungen" an, ohne zu erkennen, daß das der einzig mögliche Weg zur Rettung Deutschlands gewesen sei, indem es erstens die wirkliche deutsche Lage, wie sie nach dem Kriege geschaffeil war, vor aller Welt rücksichtslos entschleierte und dem deutschen Volk die Wege größter Sparsamkeit ilnd Einschränkung wies, indem es zweitens einen planmäßigen und in gewissem Umfange schon erfolgreichen konzentrischen Angriff auf die Tributverpflichtungen Deutschlands geführt, und indem es drittens in dem Dasein und der Methode der Regierung Brüning bereits zu einer starken Ueberwindung des parlamentarischen Systems der Weimarer Verfassung ert habe in Richtung aus eine konstitutionelle dtegierung, vielleicht sogar auf eine neue Prä- sidialversassung hin. DaS set wirklich vaterländische Politik gewesen, umsomehr als die Gegner dieses „Systems" gar nicht in der Lage gewesen seien, bessere Vorschläge zu machen. Während man im Reiche kein Recht habe, von einem „System" zu sprechen, müsse man in Preußen mit aller Deutlichkeit davon sprechen. Hier bedeutet System die planmäßige Aufteilung der staatlichen »Macht zwischen zwei Parteien, Zentrum und Sozialdemokratie, was sich für das evangelische Empfinden besonders schmerzlich auf dem Gebiet der Schul- und Kulturpolitik ausgewirkt habe. Jn den Schulen werde die Erinnerung an die große deutschen Vergangenheit planmäßig unterdrückt, wie das gesamte Leben einem Prozeß der Entchristlichung unterworfen werde. Die Schuld daran trage die Sozialdemokratie nicht allein, sondern das Zentrum habe sich mitschuldig gemacht, weil cs diesen Kurs solange geduldet hqbe. In seinen Schluß- bemerkungen wandte sich der Redner noch gegen die Deutschnationalen und Nationalsozialisten und empfahl schließlich die Liste des Volksvienstes zur Wahl.
Mit einem kurzen Schlußwort von Dr. Rohrbach nahm die Versammlung ihr Ende.
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M:
te ein Gedicht entsteht
Hermann Claudius i r <
Zu meinem Ahnen, dem Matthias, sagte die Gräfin Schimmelmann — oder war es die Frau von Rantzau —: „Sieber Claudius, heute ist der erste Mai, den müssen Sie besingen." Und Herr Claudius ging alsbald in feinen kleinen Wandsbeker Garten und machte das Gedicht, das zu feinen besten gehört:
Heute will ich fröhlich, fröhlich fein!
Keine Weif' und keine Sitte hören;
Will mich wälzen und für Freude schrein. Und der König soll mir das nicht wehren.
Ich habe nun wenig Verkehr mit Gräfinnen, kann also in obiger Art nicht dienen. Bin auch der Meinung (oder besser: des Wissens), daß, wenn man obigem Faktum zu Leibe geht, dennoch trotz Erii- finnen und dem ersten Mat das Lied den Dichter fand, und nicht der Dichter da» Lied innerhalb der Zäune feines Gärtchens parforce jagte.
Mir aber ist es so ergangen:
Auf einem einsamen Landweg zwischen Poppeu- hUttel und Hummelsbüttel schritten mein Weib und ich eines Oktoberabends dahin. Schweigsam, beide der Stimmung der stillen Staube hingegsLen. Plötzlich wende ich mich, roeil ich einen Hellen Schein hinter mir aufhuschen seh« und denke ein Radfahrer kommt um die Ecke oder ein Auto. Aber da ist es der Mond leibhaftig, der eben au» einer Wolkenbank hochsteigt. Wir lächeln und schreiten,weiter. Und wie nun der Mond mir dauernd schräg über die Schulter guckt, kommen mir die Worte:
Un» Hinterm Rücke» droht da» Mondgesicht.
Ich sage da» Wort nicht laut, sondern e» geht im Schritt stumm mit mit, immer mit mir. Schließlich sage ich cs halb singend vor mich hin. (Meine Frau kennt mich in diesem Punkte schon und läßt mtch gewähren.) Inzwischen sind Bäume und Busche längs des Weges dunkel geworden.
Und alle» harrt der Mutter, harrt der Nacht.
Mit ganz tiefer Altstimme höre ich das in mir. Und es ist, al» ob beide Verse gegeneinanderspielen.
Als wir die ersten Häuser in Hummelsbüttel erreicht haben, ist mein Abendlied fertig. Ich kann es sogar meiner Frau im Weitergehen hetsagen:
Herb st lichet Abendgang.
Die Erde dämmert unter unfern Füßen.
Vom Himmel sinkt da» letzte rote Licht.
Uns hinterm Rücken droht das Mondgesicht.
Ein erstes Sternlein will uns freundlich grüßen.
Aus allen dunkeln Bäumen äugt die Stille
Und wartet auf die Mutter, auf die Nacht.
Sie kommt und öffnet ihren Mantel sacht.
Und alles überschattet nun ihr Wille.
Und unsere Schritte sind gleich einem Schwanken
Und schreiten durch das Dunkel grenzenlos.
Und alles ist unendlich tief und groß
Und trägt uns fort mit ewigen Gedanken.
Ich schrieb es zu Hause nieder und legte es ab acta.
Als ich cs nach manchen Tagen zu einem besonderen Zwecke durchtippen wollte, mißfiel mir die letzte Strophe. Je öfter ich sie las, desto leerer schien sie mir. Nur die erste Reihe haftete. Aber sie war mir nicht lebendig genug. Die Ungewißheit de» Im- Dunteln-Wanderns sputte nicht darin. Ich ließ das Manuskript liegen und wartete.
Usch«
Von
Victor Auburtin.
Jn dem Schaufenster der Lebensmittelhandlung hatte man die Fische ausgelegt, die in der letzten Nacht im See gefangen worden waren. Sie lagen auf einer breiten, weißen Marmorplatte tot ausgestreckt; und zwar war diese Marmorplatte nach vorn etwas geneigt, damit das Wasser und auch das Blut hübsch sauber und ordentlich ablaufen könne.
Dicke Barsche, Aeschen ganz wie aus Silber, Forellen mit runden Flecken, Hechte mit länglichen Flecken und dte breitmäuligen Quappen, bei denen die Leber das beste ist. Ein ganz riesiger Hecht von anderthalb Meter Länge lag in der Mitte und war das Staatsstück. Und sie alle, die geschwänzelt hatten in den kühlen Gründen des Sees, und immer gerudert und geflitzt und immer Welle gewesen waren, fie lagen steif ausgestrcckt einer neben dem andern und hielten sich nun endlich still. Und weil es hübsch anzusehcn war, wie sie ba so sauber tot Umizh, deshalb bliebe« ble
Und dann kam es bald trotz Hochbahnhof und Easlaternen auf verkehrsreicher Straße zu mir:
Und seltsam mischen Nähe sich und Ferne.
Und eines hebt sich aus de» andern Schoß.
Ich tag' in» Dunkel wie ein Riese groß.
Und meine Schritte taumeln in die Sterne...
Nun war das kosmische Nachtgefühl für mich da. Und ich freute mich sehr und sang die Strophe laut, bis sich ein Vorbeischreitender etwas kritisch nach mir umsah.
Durch das ,,Jch" veranlaßt, schrieb ich nunmehr das ganze Gedicht in die folgende Fassung um:
Herbstlicher Abendgang.
Die Erde dämmert unter meinen Füßen.
Vom Himmel sinkt bas letzte tote Licht.
Mir hinterm Rücken droht da» Mondgesicht.
Ein erstes Sternlein will mich freundlich grüßen.
Aus dunkeln Bäumen äugt auf mich die Stille Und wartet auf die Mutter, auf die Nacht.
Sie kommt und öffnet ihres Mantel» Pracht.
Und alles überschattet nun ihr Wille.
Und seltsam mischen Nähe sich und Ferne.
Und eines hebt sich aus des andern Schoß.
Ich rag' ins Dunkel wie ein Riese groß
Und meine Schritte taumeln in die Sterne...
Gedanken für die Zett
Ei« Europa, das aus dem papierenen Ra- Nonalismus der Medensdittake beruht- bleibt unfrei und geknechtet zugleich ml dem deutschen Volke
E. G. Kokbenheyer.
Ihr habt selten die Schriftsteller- dte ihr braucht, ihr habt immer die Schriftsteller, die ihr euch gefalle« laßt
Hans Griimn
Sie Stufe der Vollkommenheit Haven vir mit dem Evangelium wahrscheinlich nicht metcht. Vollkommen als Shriste« werde« vir erst fern, wem wir der Wahrheit gegenüber keinen einzige« Schleier mehr brauche« und lei« Trugbild
Nikolaus Schwarzkopf
Leute vor dem Laden stehen utid hatten ihre Freude daran. „Dieser süße Hecht," rief das zwölfjährige Mädchen mit den nackten Beinen, „und was er für reizende Zähnchen hat." „Der wiegt seine achtzehn Pfund," sagte der Her im Gummimantel. „Warum," so murmelte der Feuilletonist, „warum hat die Forelle runde Flecken und der Hecht längliche Flecken? Welch eine Spielerei ist dieses?"
Der Philosoph aber dachte: ,Jn diesem Geschäft ist der Fisch während eines Monates um 20 Prozent billiger geworden."
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Da geschah es, daß der große Hecht seine Kiemen öffnete und tief auf atmete; denn et wat noch gar nicht tot. Und alle die Leute, die vor dem Laden gestanden hatten, fuhren erschreckt zusammen und wandten die Augen ab.
„Gräßlich, daß sie da lebende Fische hinlegen," sagte der Herr im Gummimantel.
„Dian sollte ihm doch den Bauch aufschneidcn," meinte das zwölfjährige Mädchen mit den nackten Seiwr
„Warum," so murmelte bet Feuilletonist, „warum hatten wir Wohlgefallen an dem Tode, und warum schauderten wir vor dem Leben zurück?" Der Philosoph aber dachte: „Dieses Geschäft werde ich mir merken; da scheinen die Fische ganz frisch vom See herzukommen."
Gundolfs Goethetede. Gundolf war von der Uni versität Paris eingeladen worden, die Festrede zur Feier von Goethes 100. Todestage in der Sorbonne zu halten. Gundolf hat die Rede einige Wochen vor feinem Tod versaßt. Sie wird noch im April im Verlage von Georg Bondi erscheinen.
Felbherrnköpf«. 1914/18. Von Arminias. Verla« 8. F. Moehler, Leipzig. Steifdeckelband 2,85 M. — Ein hervorragender Gedanke, di« Oberbefeblsh^h« iee Weltkrieges aller Länder mit ihren Vorzügen und Fehlern plastisch nebeneinander zu stellen. Uebcrraichend ist die Berschieden- 6eit der Männer nach Veranlagung und Charakter. Neben dem „kranken" Moltke, rz-alkendann, dem Mann der „Halb- beiten", das Titanen paar Hindeubura-Ludendorff, Ioffre. „der Bär", Fach „der Unbeugiame", Grohfürst Nikolai.„der schwache Gewaltmensch und viele andere, als „Tiplomat" als „Theoretiker". als „scharmanter Adjutant" charakterisiert. Gin fefselndes Buch, das vier Ciobrc groü'n W itae- fchehciis in der Äennzeichnuna der führenden Periöulichtci- *s erfteben lakt