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Nummer 78*

Montag, 4. April 1932

22. Jahrgang

Paris wird in seinen Hoffnungen bescheidener

Maedonald widerstrebt Sondervereinbarungen / Erregter Auftakt zum Wahlkampf / Bayern und die NSDAP.

Tardieus Londoner Besprechungen

Eigener Drahtbericht.

London, 4. April,

Die französischen Minister Tardieu und Flan- d i n trafen hier Sonntag nachmittag ein und wur­den auf dem Viktoria-Bahnhof von dem englischen Premier Maedonald und Außenminister Si­mon empfangen. Bereits um 6 Uhr abends stattete Tardieu, der im Hydeparthotel abgestiegen war, in der Downingstreet dem englischen Premierminister einen Besuch ab.

Nach dem Besuch, der fünfviertel Stunden dauerte gab sowohl Tardieu als auch Maedonald der Presse eine Erklärung ab. Beide Erklärungen enthalten jedoch nur unverbindliche Wendungen. So sagte Maedonald u. a.Die Politik der englischen Regierung sei die allseitige Zusammenarbeit. Der Zweck der Politik sei, Europa zu helfen. Eine Ueber- einstimmung werde auf der Viermächte- konferenz erreicht werden und nicht vorher. Die Viermächtekonferenz werde nicht auf die Donaulage beschränkt werden. Die britische Regierung gehe auf diese Konferenz mit freien Händen ebenso wie jeder andere Konferenzteilnehmer. Die Besprechungen zwi­schen Tardieu und Maedonald am Montag würden eine Uebersicht über die europä isch e Lage mit Bezug auf Lausanne, Genf und die Do­nausituation ergeben. Der erste Punkt der Erwägun­gen werde das Donauproblem sein.

Der Premierminister sagte weiter: Ich freue mich sehr über Tardieus Besuch. Ich habe immer sehr an den Wert persönlichen Kontaktes in der Diplo­matie geglaubt, der jetzt notwendiger als je ist. Es tut mir leid, daß in einigen Zeitungen Anzeichen eines Argwohns wegen der Zusammenkunft zwischen Tardieu und mir aufgetaucht sind. Für diesen Arg­wohn habe niemals auch nur die geringste Berechti­gung bestanden. Die Absichten der englischen Re­gierung seien aufrichtig und uneigennützig.

Es geht nicht ohne

Deutschland und Italien

Auch die Mitteilungen der Londoner Blätter ge­ben noch kein ganz klares Bild über die Entwicklung der Besprechungen zwischen Tardieu und Maedonald.

Gerüchte, daß Frankreich möglicherweise einen Teil der in den Donauländern eingefrorenen englischen Kredite übernehmen wolle, müssen, wie derDaily Telegraph" erklärt, mit Vorsicht ausgenommen wer­den, Der diplomatische Mitarbeiter dieses Blattes meint, Tardieu wolle vielleicht Maedonald auch für ein neues französisches Angebot an Italien über die Parität zur See im Mittelmeer gewinnen. Auch Zoll­fragen und die amtliche englische Propaganda gegen Reisen englischer Staatsangehöriger nach dem Aus­lande werde Tardieu zur Sprache bringen.

DieTimes" erklärt in ihrem Leitartikel, daß ein Plan zur Rettung der Donaustaaten nur dann Aussicht auf Erfolg haben könne, wenn Deutsch, land und Italien von Anfang an zur Mit­arbeit herangezogen würden. Das Ziel der Be­sprechungen zwischen Tardieu und Maedonald sei, die Richtlinien zu erörtern, wie sich eine Verbesse­rung der Lage an der Donau erreichen, beziehungs­weise ein Zusammenbruch vermeiden lasse.

Man hoffe, daß die Unterredung Klarheit über dir Art und Weise bringen möge, tote England und Frankreich nützlicherweise Zusammenarbeiten könnten, um. Europa vor dem Schiffbruch zu retten. Der Tar- dieu-Besuch könne am besten als der Anfang ernster Vorbereitungen für die Lausanner Konferenz und die Viermächtekonferenz betrachtet werden, um zu ver­hindern, daß die Arbeit der Lausanner Konferenz durch einen Zusammenbruch der Donauländer von vornherein zu einem Fehlschlag verurteilt werde.

Zurückhaltung in Paris

Paris, 4. April.

Die Pariser Morgenpresse zeigt sich über den Ver­lauf der ersten Zusammenkunft der französischen Mi­nister mit ihren Londoner Kollegen noch recht zu­rückhaltend. Sie betont allgemein, daß die eigent­lichen Verhandlungen erst heute vormittag beginnen. Immerhin scheint die erste Fühlungnahme am Sonn­tag abend auch hier den Eindruck verstärkt zu haben, als ob

England sich auf keinen Fall von Frankreich ins Schlepptau nehmen

lassen werde, sondern seine volle Handlungsfreiheit bis zur Viererkonferenz bewahren wolle, um eine Lösung zu finden, die auch Deutschland und Italien befriedige. Die Auslassungen, die die Londoner Sonderberichterstatter der französischen Blätter an die erste Unterhaltung zwischen Tardieu und Maedonald knüpften, bewegen sich sämtlich nach dieser Richtung.

Nur Pertinax macht imEcho de Paris" schon jetzt seinem ganzen Pessimismus Lust.

Er sagt, daß der englische Ministerpräsident sich wei­gere, eine wenn auch noch so eng begrenzte Solida­rität mit Frankreich anzuerkennen. Er verfolge nicht das Ziel der Zusammenarbeit einzelner Mächte, son­dern die Zusammenarbeit aller. In allen seinen Aenßernngen habe Maedonald die Absicht durchblik- ken lassen, Vorbedingungen zu stellen, die die völlige Annahme der Reichsregierung fänden. Das schlimm­ste, was den französischen Unterhändlern widerfahren könnte, sei die Annahme irgendwelcher Formeln, die dem germanischen Rachegeist (!) nutzten und dies un­ter dem Vorwand, die Einmütigkeit unter dyn vier Großmächten herzustellen.

DerPetit Parisien" äußert sich über die erste Zu­sammenkunft der beiden Ministerpräsidenten noch recht zurückhaltend. DasJournal" ist ebenfalls ge­genüber seinen bisherigen Ausführungen sehr viel anspruchsloser geworden. Er hält schon eine rein platonische Erklärung des gegenseitigen guten Wil­lens in den kommenden Viererverhandlungen für ein recht gutes Ergebnis der augenblicklichen Bespre­chungen.

*

Die erste Sitzung der Viermächtekonferenz in Lon­don wird, wie von maßgebender Stelle verlautet, Mittwoch, den 6. April, um 2.30 Uhr, nachmittags im Forcign Office stattfinden.

Amerika hat es nicht besser (Von unserem Korrespondenten.)

London, Anfang April.

Der in diesem Frühjahr auch von englischen Zei­tungen etwas übermäßig viel angeruscne Goethe hat einmal vor grauen Zeiten einen Vers aus Amerika gemacht, der mit den Worten beginnt:Amerika, du hast es besser!" Das paßte auf das Amerika so um 1820 herum, als die Siedler in breiter Front mit der Art, Pflug und Flinte Tag für Tag ein paar^ Meilen weiter vom Atlantik zum Pazifik vorrückten. Sähe der deutsche Poet die amerikanischen Zeitungen vom März 1932, läse er die Ziffern des Budgets und der Ar­beitslosenstatistik, bekäme er gar Nachricht von Hoo­vers neuesten Steuerplänen, so wurde er seinen be­rühmten Hymnus aus das neue Land wohl aus­streichen.

Präsident Hoover, dem wirklich das Kassandra- schicksal zugesallen zu fein scheint, seinem Volke unan­genehme Dinge mitteilen zu müssen, was vielleicht eine göttliche Strafe für die mammonistische Lobprei­sung her Prosperity beim Beginn feiner Amtsperiode ist, mußte einer Pressekonferenz im Weißen Hause mit

folgenden Zahlen aufwarten: Fehlbetrag des Budgets für das nächste Fiskaljahr voraussichtlich 5% Milliarde Reichsmark; Fehlbetrag für das laufende Geschäftsjahr zwischen 8 und 9 Milliarden Reichs­mark; Staatshaushalt für das nächste Geschäftsjahr zwischen 16 und 17 Milliarden RM Es fehlen also für das lausende und nächste Geschäftsjahr milde gerechnet 13 bis 14 Milliärdchen! Auch einem dentfchen Finanzminister, her doch an Nullen gewöhnt ist, würde es bei diesen Ziffern kalt über den Rücken laufen.

Das Schlimmste bei der Sache ist aber, daß wie Hoover mitteilte, die Fehlbeträge meist von Steuer­ausfällen herrühren. Für die Vergangenheit ist das eine Feststellung, für die Zukunft eine frühe Ah­nung. Man fragt sich auch, wie Steucrausfälle durch neue Steuern geheilt werden können, die ja voraus­sichtlich wieder eine Quelle von neuen Ausfällen sein werden. Diese Erwägung hindert natürlich das Re- präsentanlenhaus nicht, stündlich neue Steuern zu beschließen, denn das Budget muß wenigstens for­

mell, d. h. auf dem Papier ins Gleichgewicht gebracht werden. Da Amerika das Rekordland der Rekorde ist, so vermerken die Nachrichten der United Preß, daß das Repräsentantenhaus in einer fünfstündigen Sitzung 300 Millionen Dollar neue Steuern beschlos­sen hat, was auf bie Minnte 1 Million D ol- l a r bringt. Aber es steht dahin, ob das wirklich der Rekord ist, denn in der vorigen Woche ist eine Erb­schaftssteuer von 45 Prozent beschlossen worden, die im Zusammenhang mit anderen Vermögenssteuern in der Tat in manchen Fällen einer Vermögenskonfis­kation gleichkommt. Dazu werden treten: viele Er­schwerungen des Verkehrs durch Stempelsteuern, Er­höhungen der Postgebühren, eine Steuer auf Tele­graphieren und Telephonieren in Amerika Privat­unternehmungen! und eine zehnprozentige Ver­gnügungssteuer. Wer all das reicht noch nicht, um nur die Hälfte der Fehlbeträge zu decken. Es müssen noch andere Artikel herangeholt werden, u. a. die alko­holfreien Getränke, deren Verteuerung der Prohibi­tion einen argen Stoß versetzen kann. Es ist nicht anzunehmen, daß die Stenern die wirtschaftlichen Verhältnisse in Amerika bessern werden. Die Ankur­belung des inneren Marktes ist bisher nicht gelungen.

Aus Erklärungen des Mr. Green, Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, geht hervor, daß i m m e r n o ch 8 M i l l i o n e n M e n s ch e n in den USA. arbeitlos sind, und daß im Februar 1932 nur etwa 300 000 wieder in die Arbeit eingestellt wer­den konnten. In dieser geringfügigen Ziffer zeigt sich noch eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr Außerdem läßt die amtliche Ziffer die Lage besser er­

scheinen, als sie ist, weil man in den Vereinigten Staaten nur die ganz Arbeitslosen registriert und die Ziffer der Kurzarbeit gänzlich unbekannt ist. Wollte man die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage mitteilen so gäbe es einen panischen Schrecken im Land.

Für Europa folgt aus all diesen Dingen nichts Gutes. Die USA wollen sich noch strenger ab- schließen a l s b i s h e r. Die Beschränkung der Einwanderung kommt jetzt fast schon der Verhinde­rung gleich unddas Land der unbegrenzten Mög­lichkeiten" scheint fast auf die Stufe des verschlossenen einstigen China oder Japan ober bas Paraguay des Dr. Francia herabzusteigen. Ob derinnere Markt aus solcher Abschlietzung Genesung finden wird, ist sehr fraglich. Es gibt Kenner Amerikas, die das Welken des Landes schon vor dem Weltkrieg beobachtet und auf die immer peinlichere Verengung der Menschen- einfuhr zurückgeführt haben. Der Weltkrieg brachte die großen Kriegsverdienste und die vorübergehende Konjunktur-Prosperity. Als dieserBoom" vorüber war, stellten sich die Folgen der Fernhaltung der Menscheneinfuhr ein. Durch diese Fernhaltung ist die Volkszahl der Nordamerikaner im letzten Menschen­alter so lange dauert die Einwanderungsverhinde­rung schon wenigstens um 20 Millionen Menschen gebracht worden, die jetzt als Konsumenten fehlen.

Außerdem mutz Europa sich darauf gefaßt machen, daß Amerika weniger als je für eine Streichung oder auch nur Minderung der Kriegsschulden zu haben fein wird, und daß sich besonders für Deutschland trübe Aussichten in Bezug auf die Milderung der von ihm übernommenen Kriegslasten ergeben.

Nach dem Burgfrieden!

Oer Wahlkampf auf der ganzen Linie entbrannt

th. Berlin, 4. April.

Mit dem gestrigen Sonntag ist der politische Oster- friebe abgelaufen und der Wahlkampf hat tat­sächlich fast auf die Stunde m i t g r o ß e r Heftig- ,eit wieder eingesetzt. In Berlin haben sich dabei eine Reihe schwerer Zusammenstöße ereignet, bei denen es sich vor allem um Auseinander­setzungen zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten handelte. An einer Stelle wurde jedoch auch gegen die eingreifende Polizei Front gemacht. Hier kam es zu einem Kugelwechsel, bei dem ein Schupowachtmeister und ein Kommunist schwer ver­letzt wurden. Auch an mehreren anderen Stellen der Stadt find Zusammenstöße vorgekommen, bei denen die Polizei einschreiten mutzte, sodaß insgesamt gestern in Berlin achtVerwundeteund34Ver. haftete zu verzeichnen find. Ferner werden ans anderen Städten des Reiches, insbesondere ans Kiel, Altona und Chemnitz gleichfalls Zusammenstöße ge­meldet, bei denen mehrere Personen schwer verletzt wurden.

Eigentliche Wahlversammlungen haben in Berlin noch nicht stattgefunden; dagegen hat sich bereits eine sehr starke Flugzettel-Propaganda und eine verstärkte Tätigkeit der Mal- und Klebekolonnen bemerkbar gemacht. Die Hindenburgausschüsse ließen am gestrigen Tage eine Propagandastaffel von vier Flugzeugen im Tempelhofer Feld starten. Der Reichskanzler, der sich bis beute in Badenwei­ler aufgehalten hat, begibt sich von dort direkt nach Karlruhe, wo er die erste seiner angekündigten Wahl­reden halten wird. Von da fährt er nach Stuttgart, dann nach Erfurt und in die anderen bereits bekannt gegebenen Städte. Adolf Hitler bat die Absicht, an jedem Tage bis znm Sonnabend nicht weniger als vier verschiedene Wahlreden in verschiedenen Städten zu halten. Am gestrigen Sonntag bat Hitler bereits in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen gespro­chen. Heute hält er nachmittags in Berlin eine Rede, abends in Potsdam und am späten Abend noch ein­mal in Berlin an zwei verschiedenen Stellen. Auf diese Weise will Hitler, unter Zuhilfenahme von Auto und Flugzeug, jeden Tag ein bestimmtes Gebiet in Deutschland propagandistisch durch seine eigenen Reden bearbeiten, besonders aber diejenigen Gebiete, in denen die Nationalsozialisten am 13. März nicht besonders gut abgeschnitten baben. Die Eiserne Front hat am gestrigen Sonntag mehrere tausend Versammlungen im ganzen Reich durchgeführt.

Länderaktionen gegen NSOAp.

Im Rahmen der Gegenpropaganda gegen die Na­tionalsozialisten spielen heute vor allem die Mittei­lungen der Amtlichen bayerischen Presse st elle eine große Rolle, die sich mit Den angeblichen nationalsozialistischen Puischplänen oom 13. März beschäftigen. Dieses Material (siehe Seite 2!) ist von der linksstehenden Berliner Presse in sehr gro­ßer Aufmachung wiedergegeben worden, während Der

rechtsstehendeMontag" nur einen Auszug davon bringt, mit der UeberschriftDie bayerische Regierung macht Wahlpropaganda". Das Material, welches die preußische Regierung bei den Haussuchungen der Po­lizei bei den Nationalsozialisten vor einiger Zeit be­schlagnahmte, ist inzwischen durchgeprüft worden, und man nimmt an, daß im Lause dieser Woche das Er­gebnis dieser Nachprüfung von der preußischen Re­gierung veröffentlicht werden wird. Heute kehrt auch der Reichsinnenminister G r o e n e r nach Berlin zu­rück, und man nimmt an, daß man über seine Unter­redung mit dem braunschweigischen Ministerpräsiden­ten K ü ch e n t h a l nunmehr Näheres erfahren wirb, nachdem die bisherige kurze amtliche Mitteilung dar­über von allen Seiten als durchaus unbefriedigend und ergänzungsbedürftig bezeichnet worden ist.

Hindenburg und der Stahlhelm

Der deutschnationale Parteivorstand hatte am Sonnabend Abend eine Entschließung ge­faßt, in welcher noch einmal die bekannte Parole be­stätigt wird, daß die Deutschnationalen sich an der Präsidentenwahl überhaupt nicht mehr beteiligen, sondern alle Kräfte auf die Preußenwahl verwenden wollen. Man rechnet damit, daß die Duester- berg-Wähler fick halb und halb für Hitler und Hindenburg entscheiden werden. Das gilt wahrschein­lich auch für die Mitglieder des Stahlhelms.

Die Bundesleitung des Stahlhelms hat bekanntlich gegen eine Reihe ihrer Mitglieder Schritte eingeleitet, die beim ersten Wahlgang nicht der Ducst ...rg-Parole gefolgt waren. So ist gegen den früheren Herzog von Coburg ein Verfah­ren eingeleitet worden, weil er für Hitler stimmte, aber auch gegen Hindenburgwähler ist die Bundes­leitung des Stahlhelms vorgegangen. Nunmehr hat der Reichspräsident bis zum 5. April eine E r - Gärung verlangt, ob die Bundesleitung diese Maßnahmen zurücknehmen will.

In Regierungskreisen glaubt man, daß der Reichs­präsident, wenn er keine befriedigende Erklärung er­hält, die Konsequenzen im Hinblick auf seine bisherige Ehrenmitgliedschaft beim Stahlhelm ziehen wird. In Kreisen, die dem Stahlhelm naheflehen, glaubt man jedoch, derartige Befürchtungen nicht hegen zu müssen. Eine Erklärung dahingehend, daß der Stahlhelm ge­nötigt gewesen sei, Parität zu üben, würde vom Reichspräsidenten wohl nicht als genügend angesehen werden.

Oer frühere Konprinz bei Hitler

Wider Erwarten hat jetzt auch der frühere deutsche K-ronprinz in den Wahlkampf einge­griffen, und zwar durch Die Erklärung, daß er für Hitler stimmen werde. Es kann zwar bezweifelt wer­den, ob dies eine politische Kundgebung oder lediglich die Antwort auf eine an den Kronprinzen gerichtete Anfrage tst. Als der damalige Reichskanzler Strese-