Mnzewreis 10 pfennk-
Kasseler Neueste NachriAen
Kasseler Abendzeitung
trf6etmme8«eife: «SchenMch «Mtonttta«». AbonnementSvrriS: für Den Monat 3.10 Jl etefibl. 80 X
raserloon bet freiet Zustellung tnS Saus in der Geschailsstell« abgeholt 1.80 Jl. Durch die Poll mou. 2.10 Jl
tnSfml. äufteSgäü6t. In fallen von höherer Gewalt bekehr kein Ansvruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des SezugsvreifeS Berlag Schriftleitung und Druckerei: Sölnilche Strafte 10. — Televbon: Eammeluuruut« 8800. Jnriftifwe Sorechftunüen Dienstags und SreitagS 17—19 Ubr Kölnische Strafte 10. 1
Hessische Abendzeitung
SitMtffeiwreife: GefSSf». und Fantilien-Amelgen die 80 mm »Seile 11 Pfennig. Steine flnuefsen an» Staffel da» Wort 7 X. Auswärtige kleine Anzeigen die PO mm breite Zeile 11 Anzeigen im Reklameteil die 78 mm breite Zeile 4S X. Offertgebühr 25 X (bei Zustellung 85 X). — Sür da» Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für telephonisch erteilte Aufträge keine ®ewä6t. SRe* nungSbetrage innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Staffel. — Postscheckkonto Sranksurt a. M. 638a
Nummer 78*
Montag, 4. April 1932
22. Jahrgang
Paris wird in seinen Hoffnungen bescheidener
Maedonald widerstrebt Sondervereinbarungen / Erregter Auftakt zum Wahlkampf / Bayern und die NSDAP.
Tardieus Londoner Besprechungen
Eigener Drahtbericht.
London, 4. April,
Die französischen Minister Tardieu und Flan- d i n trafen hier Sonntag nachmittag ein und wurden auf dem Viktoria-Bahnhof von dem englischen Premier Maedonald und Außenminister Simon empfangen. Bereits um 6 Uhr abends stattete Tardieu, der im Hydeparthotel abgestiegen war, in der Downingstreet dem englischen Premierminister einen Besuch ab.
Nach dem Besuch, der fünfviertel Stunden dauerte gab sowohl Tardieu als auch Maedonald der Presse eine Erklärung ab. Beide Erklärungen enthalten jedoch nur unverbindliche Wendungen. So sagte Maedonald u. a.Die Politik der englischen Regierung sei die allseitige Zusammenarbeit. Der Zweck der Politik sei, Europa zu helfen. Eine Ueber- einstimmung werde auf der Viermächte- konferenz erreicht werden und nicht vorher. Die Viermächtekonferenz werde nicht auf die Donaulage beschränkt werden. Die britische Regierung gehe auf diese Konferenz mit freien Händen ebenso wie jeder andere Konferenzteilnehmer. Die Besprechungen zwischen Tardieu und Maedonald am Montag würden eine Uebersicht über die europä isch e Lage mit Bezug auf Lausanne, Genf und die Donausituation ergeben. Der erste Punkt der Erwägungen werde das Donauproblem sein.
Der Premierminister sagte weiter: Ich freue mich sehr über Tardieus Besuch. Ich habe immer sehr an den Wert persönlichen Kontaktes in der Diplomatie geglaubt, der jetzt notwendiger als je ist. Es tut mir leid, daß in einigen Zeitungen Anzeichen eines Argwohns wegen der Zusammenkunft zwischen Tardieu und mir aufgetaucht sind. Für diesen Argwohn habe niemals auch nur die geringste Berechtigung bestanden. Die Absichten der englischen Regierung seien aufrichtig und uneigennützig.
Es geht nicht ohne
Deutschland und Italien
Auch die Mitteilungen der Londoner Blätter geben noch kein ganz klares Bild über die Entwicklung der Besprechungen zwischen Tardieu und Maedonald.
Gerüchte, daß Frankreich möglicherweise einen Teil der in den Donauländern eingefrorenen englischen Kredite übernehmen wolle, müssen, wie der „Daily Telegraph" erklärt, mit Vorsicht ausgenommen werden, Der diplomatische Mitarbeiter dieses Blattes meint, Tardieu wolle vielleicht Maedonald auch für ein neues französisches Angebot an Italien über die Parität zur See im Mittelmeer gewinnen. Auch Zollfragen und die amtliche englische Propaganda gegen Reisen englischer Staatsangehöriger nach dem Auslande werde Tardieu zur Sprache bringen.
Die „Times" erklärt in ihrem Leitartikel, daß ein Plan zur Rettung der Donaustaaten nur dann Aussicht auf Erfolg haben könne, wenn Deutsch, land und Italien von Anfang an zur Mitarbeit herangezogen würden. Das Ziel der Besprechungen zwischen Tardieu und Maedonald sei, die Richtlinien zu erörtern, wie sich eine Verbesserung der Lage an der Donau erreichen, beziehungsweise ein Zusammenbruch vermeiden lasse.
Man hoffe, daß die Unterredung Klarheit über dir Art und Weise bringen möge, tote England und Frankreich nützlicherweise Zusammenarbeiten könnten, um. Europa vor dem Schiffbruch zu retten. Der Tar- dieu-Besuch könne am besten als der Anfang ernster Vorbereitungen für die Lausanner Konferenz und die Viermächtekonferenz betrachtet werden, um zu verhindern, daß die Arbeit der Lausanner Konferenz durch einen Zusammenbruch der Donauländer von vornherein zu einem Fehlschlag verurteilt werde.
Zurückhaltung in Paris
Paris, 4. April.
Die Pariser Morgenpresse zeigt sich über den Verlauf der ersten Zusammenkunft der französischen Minister mit ihren Londoner Kollegen noch recht zurückhaltend. Sie betont allgemein, daß die eigentlichen Verhandlungen erst heute vormittag beginnen. Immerhin scheint die erste Fühlungnahme am Sonntag abend auch hier den Eindruck verstärkt zu haben, als ob
England sich auf keinen Fall von Frankreich ins Schlepptau nehmen
lassen werde, sondern seine volle Handlungsfreiheit bis zur Viererkonferenz bewahren wolle, um eine Lösung zu finden, die auch Deutschland und Italien befriedige. Die Auslassungen, die die Londoner Sonderberichterstatter der französischen Blätter an die erste Unterhaltung zwischen Tardieu und Maedonald knüpften, bewegen sich sämtlich nach dieser Richtung.
Nur Pertinax macht im „Echo de Paris" schon jetzt seinem ganzen Pessimismus Lust.
Er sagt, daß der englische Ministerpräsident sich weigere, eine wenn auch noch so eng begrenzte Solidarität mit Frankreich anzuerkennen. Er verfolge nicht das Ziel der Zusammenarbeit einzelner Mächte, sondern die Zusammenarbeit aller. In allen seinen Aenßernngen habe Maedonald die Absicht durchblik- ken lassen, Vorbedingungen zu stellen, die die völlige Annahme der Reichsregierung fänden. Das schlimmste, was den französischen Unterhändlern widerfahren könnte, sei die Annahme irgendwelcher Formeln, die dem germanischen Rachegeist (!) nutzten und dies unter dem Vorwand, die Einmütigkeit unter dyn vier Großmächten herzustellen.
Der „Petit Parisien" äußert sich über die erste Zusammenkunft der beiden Ministerpräsidenten noch recht zurückhaltend. Das „Journal" ist ebenfalls gegenüber seinen bisherigen Ausführungen sehr viel anspruchsloser geworden. Er hält schon eine rein platonische Erklärung des gegenseitigen guten Willens in den kommenden Viererverhandlungen für ein recht gutes Ergebnis der augenblicklichen Besprechungen.
*
Die erste Sitzung der Viermächtekonferenz in London wird, wie von maßgebender Stelle verlautet, Mittwoch, den 6. April, um 2.30 Uhr, nachmittags im Forcign Office stattfinden.
Amerika hat es nicht besser (Von unserem Korrespondenten.)
London, Anfang April.
Der in diesem Frühjahr auch von englischen Zeitungen etwas übermäßig viel angeruscne Goethe hat einmal vor grauen Zeiten einen Vers aus Amerika gemacht, der mit den Worten beginnt: „Amerika, du hast es besser!" Das paßte auf das Amerika so um 1820 herum, als die Siedler in breiter Front mit der Art, Pflug und Flinte Tag für Tag ein paar^ Meilen weiter vom Atlantik zum Pazifik vorrückten. Sähe der deutsche Poet die amerikanischen Zeitungen vom März 1932, läse er die Ziffern des Budgets und der Arbeitslosenstatistik, bekäme er gar Nachricht von Hoovers neuesten Steuerplänen, so wurde er seinen berühmten Hymnus aus das neue Land wohl ausstreichen.
Präsident Hoover, dem wirklich das Kassandra- schicksal zugesallen zu fein scheint, seinem Volke unangenehme Dinge mitteilen zu müssen, was vielleicht eine göttliche Strafe für die mammonistische Lobpreisung her Prosperity beim Beginn feiner Amtsperiode ist, mußte einer Pressekonferenz im Weißen Hause mit
folgenden Zahlen aufwarten: Fehlbetrag des Budgets für das nächste Fiskaljahr voraussichtlich 5% Milliarde Reichsmark; Fehlbetrag für das laufende Geschäftsjahr zwischen 8 und 9 Milliarden Reichsmark; Staatshaushalt für das nächste Geschäftsjahr zwischen 16 und 17 Milliarden RM Es fehlen also für das lausende und nächste Geschäftsjahr milde gerechnet 13 bis 14 Milliärdchen! Auch einem dentfchen Finanzminister, her doch an Nullen gewöhnt ist, würde es bei diesen Ziffern kalt über den Rücken laufen.
Das Schlimmste bei der Sache ist aber, daß wie Hoover mitteilte, die Fehlbeträge meist von Steuerausfällen herrühren. Für die Vergangenheit ist das eine Feststellung, für die Zukunft eine frühe Ahnung. Man fragt sich auch, wie Steucrausfälle durch neue Steuern geheilt werden können, die ja voraussichtlich wieder eine Quelle von neuen Ausfällen sein werden. Diese Erwägung hindert natürlich das Re- präsentanlenhaus nicht, stündlich neue Steuern zu beschließen, denn das Budget muß wenigstens for
mell, d. h. auf dem Papier ins Gleichgewicht gebracht werden. Da Amerika das Rekordland der Rekorde ist, so vermerken die Nachrichten der United Preß, daß das Repräsentantenhaus in einer fünfstündigen Sitzung 300 Millionen Dollar neue Steuern beschlossen hat, was auf bie Minnte 1 Million D ol- l a r bringt. Aber es steht dahin, ob das wirklich der Rekord ist, denn in der vorigen Woche ist eine Erbschaftssteuer von 45 Prozent beschlossen worden, die im Zusammenhang mit anderen Vermögenssteuern in der Tat in manchen Fällen einer Vermögenskonfiskation gleichkommt. Dazu werden treten: viele Erschwerungen des Verkehrs durch Stempelsteuern, Erhöhungen der Postgebühren, eine Steuer auf Telegraphieren und Telephonieren — in Amerika Privatunternehmungen! — und eine zehnprozentige Vergnügungssteuer. Wer all das reicht noch nicht, um nur die Hälfte der Fehlbeträge zu decken. Es müssen noch andere Artikel herangeholt werden, u. a. die alkoholfreien Getränke, deren Verteuerung der Prohibition einen argen Stoß versetzen kann. Es ist nicht anzunehmen, daß die Stenern die wirtschaftlichen Verhältnisse in Amerika bessern werden. Die Ankurbelung des inneren Marktes ist bisher nicht gelungen.
Aus Erklärungen des Mr. Green, Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, geht hervor, daß i m m e r n o ch 8 M i l l i o n e n M e n s ch e n in den USA. arbeitlos sind, und daß im Februar 1932 nur etwa 300 000 wieder in die Arbeit eingestellt werden konnten. In dieser geringfügigen Ziffer zeigt sich noch eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr Außerdem läßt die amtliche Ziffer die Lage besser er
scheinen, als sie ist, weil man in den Vereinigten Staaten nur die ganz Arbeitslosen registriert und die Ziffer der Kurzarbeit gänzlich unbekannt ist. Wollte man die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage mitteilen so gäbe es einen panischen Schrecken im Land.
Für Europa folgt aus all diesen Dingen nichts Gutes. Die USA wollen sich noch strenger ab- schließen a l s b i s h e r. Die Beschränkung der Einwanderung kommt jetzt fast schon der Verhinderung gleich und „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten" scheint fast auf die Stufe des verschlossenen einstigen China oder Japan ober bas Paraguay des Dr. Francia herabzusteigen. Ob der „innere Markt aus solcher Abschlietzung Genesung finden wird, ist sehr fraglich. Es gibt Kenner Amerikas, die das Welken des Landes schon vor dem Weltkrieg beobachtet und auf die immer peinlichere Verengung der Menschen- einfuhr zurückgeführt haben. Der Weltkrieg brachte die großen Kriegsverdienste und die vorübergehende Konjunktur-Prosperity. Als dieser „Boom" vorüber war, stellten sich die Folgen der Fernhaltung der Menscheneinfuhr ein. Durch diese Fernhaltung ist die Volkszahl der Nordamerikaner im letzten Menschenalter — so lange dauert die Einwanderungsverhinderung schon — wenigstens um 20 Millionen Menschen gebracht worden, die jetzt als Konsumenten fehlen.
Außerdem mutz Europa sich darauf gefaßt machen, daß Amerika weniger als je für eine Streichung oder auch nur Minderung der Kriegsschulden zu haben fein wird, und daß sich besonders für Deutschland trübe Aussichten in Bezug auf die Milderung der von ihm übernommenen Kriegslasten ergeben.
Nach dem Burgfrieden!
Oer Wahlkampf auf der ganzen Linie entbrannt
th. Berlin, 4. April.
Mit dem gestrigen Sonntag ist der politische Oster- friebe abgelaufen und der Wahlkampf hat tatsächlich fast auf die Stunde m i t g r o ß e r Heftig- ,eit wieder eingesetzt. In Berlin haben sich dabei eine Reihe schwerer Zusammenstöße ereignet, bei denen es sich vor allem um Auseinandersetzungen zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten handelte. An einer Stelle wurde jedoch auch gegen die eingreifende Polizei Front gemacht. Hier kam es zu einem Kugelwechsel, bei dem ein Schupowachtmeister und ein Kommunist schwer verletzt wurden. Auch an mehreren anderen Stellen der Stadt find Zusammenstöße vorgekommen, bei denen die Polizei einschreiten mutzte, sodaß insgesamt gestern in Berlin achtVerwundeteund34Ver. haftete zu verzeichnen find. Ferner werden ans anderen Städten des Reiches, insbesondere ans Kiel, Altona und Chemnitz gleichfalls Zusammenstöße gemeldet, bei denen mehrere Personen schwer verletzt wurden.
Eigentliche Wahlversammlungen haben in Berlin noch nicht stattgefunden; dagegen hat sich bereits eine sehr starke Flugzettel-Propaganda und eine verstärkte Tätigkeit der Mal- und Klebekolonnen bemerkbar gemacht. Die Hindenburgausschüsse ließen am gestrigen Tage eine Propagandastaffel von vier Flugzeugen im Tempelhofer Feld starten. Der Reichskanzler, der sich bis beute in Badenweiler aufgehalten hat, begibt sich von dort direkt nach Karlruhe, wo er die erste seiner angekündigten Wahlreden halten wird. Von da fährt er nach Stuttgart, dann nach Erfurt und in die anderen bereits bekannt gegebenen Städte. Adolf Hitler bat die Absicht, an jedem Tage bis znm Sonnabend nicht weniger als vier verschiedene Wahlreden in verschiedenen Städten zu halten. Am gestrigen Sonntag bat Hitler bereits in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen gesprochen. Heute hält er nachmittags in Berlin eine Rede, abends in Potsdam und am späten Abend noch einmal in Berlin an zwei verschiedenen Stellen. Auf diese Weise will Hitler, unter Zuhilfenahme von Auto und Flugzeug, jeden Tag ein bestimmtes Gebiet in Deutschland propagandistisch durch seine eigenen Reden bearbeiten, besonders aber diejenigen Gebiete, in denen die Nationalsozialisten am 13. März nicht besonders gut abgeschnitten baben. Die Eiserne Front hat am gestrigen Sonntag mehrere tausend Versammlungen im ganzen Reich durchgeführt.
Länderaktionen gegen NSOAp.
Im Rahmen der Gegenpropaganda gegen die Nationalsozialisten spielen heute vor allem die Mitteilungen der Amtlichen bayerischen Presse st elle eine große Rolle, die sich mit Den angeblichen nationalsozialistischen Puischplänen oom 13. März beschäftigen. Dieses Material (siehe Seite 2!) ist von der linksstehenden Berliner Presse in sehr großer Aufmachung wiedergegeben worden, während Der
rechtsstehende „Montag" nur einen Auszug davon bringt, mit der Ueberschrift „Die bayerische Regierung macht Wahlpropaganda". Das Material, welches die preußische Regierung bei den Haussuchungen der Polizei bei den Nationalsozialisten vor einiger Zeit beschlagnahmte, ist inzwischen durchgeprüft worden, und man nimmt an, daß im Lause dieser Woche das Ergebnis dieser Nachprüfung von der preußischen Regierung veröffentlicht werden wird. Heute kehrt auch der Reichsinnenminister G r o e n e r nach Berlin zurück, und man nimmt an, daß man über seine Unterredung mit dem braunschweigischen Ministerpräsidenten K ü ch e n t h a l nunmehr Näheres erfahren wirb, nachdem die bisherige kurze amtliche Mitteilung darüber von allen Seiten als durchaus unbefriedigend und ergänzungsbedürftig bezeichnet worden ist.
Hindenburg und der Stahlhelm
Der deutschnationale Parteivorstand hatte am Sonnabend Abend eine Entschließung gefaßt, in welcher noch einmal die bekannte Parole bestätigt wird, daß die Deutschnationalen sich an der Präsidentenwahl überhaupt nicht mehr beteiligen, sondern alle Kräfte auf die Preußenwahl verwenden wollen. Man rechnet damit, daß die Duester- berg-Wähler fick halb und halb für Hitler und Hindenburg entscheiden werden. Das gilt wahrscheinlich auch für die Mitglieder des Stahlhelms.
Die Bundesleitung des Stahlhelms hat bekanntlich gegen eine Reihe ihrer Mitglieder Schritte eingeleitet, die beim ersten Wahlgang nicht der Ducst ...rg-Parole gefolgt waren. So ist gegen den früheren Herzog von Coburg ein Verfahren eingeleitet worden, weil er für Hitler stimmte, aber auch gegen Hindenburgwähler ist die Bundesleitung des Stahlhelms vorgegangen. Nunmehr hat der Reichspräsident bis zum 5. April eine E r - Gärung verlangt, ob die Bundesleitung diese Maßnahmen zurücknehmen will.
In Regierungskreisen glaubt man, daß der Reichspräsident, wenn er keine befriedigende Erklärung erhält, die Konsequenzen im Hinblick auf seine bisherige Ehrenmitgliedschaft beim Stahlhelm ziehen wird. In Kreisen, die dem Stahlhelm naheflehen, glaubt man jedoch, derartige Befürchtungen nicht hegen zu müssen. Eine Erklärung dahingehend, daß der Stahlhelm genötigt gewesen sei, Parität zu üben, würde vom Reichspräsidenten wohl nicht als genügend angesehen werden.
Oer frühere Konprinz bei Hitler
Wider Erwarten hat jetzt auch der frühere deutsche K-ronprinz in den Wahlkampf eingegriffen, und zwar durch Die Erklärung, daß er für Hitler stimmen werde. Es kann zwar bezweifelt werden, ob dies eine politische Kundgebung oder lediglich die Antwort auf eine an den Kronprinzen gerichtete Anfrage tst. Als der damalige Reichskanzler Strese-