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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 7z*

Sonnabend/Sonntag, 2./3. April 1932

22. Jahrgang

Das Ende des Burgfriedens

Severins und das Oemonstrattonsverbot / Teilabkommen für die Preußenwahl / Das Programm des Londoner Tardieubefuchs

Auftakt zu neuen

ahtkämpfen

Londoner Wochenend

Von unserer Berliner Schriftleitung.

W. P. Das Schlagwort von derentente cor-

id. Berlin. 2. April.

Der politische Osterfrieden geht mit dem morgigen Sonntag zu Ende, und dann wird in der ganzen nächsten Woche der Wahlkampf für den 10. April voraussichtlich in verschärftem Tempo durchge­führt werden.

Die Vorbereitungen dafür sind von den in Be­tracht kommenden Organisationen schon seit einiger Zeit lebhaft gefördert worden. So haben die Ver­einigten Hindenburgausschüsse intensive Vorbereitungsarbeit geleistet. Die Zahl der örtlichen Ausschüsse, die vor dem 13. März nur vierzig betrug, ist inzwischen auf 160 angewachsen. Vor allem wird von den Hindenburgausfchüssen Wert darauf gelegt, im zweiten Wahlgang auch das flache Land und die kleinen Städte durch die Wahlpropaganda ganz an­ders zu erfassen als es im ersten Wahlgang möglich war. Dabei wird man sich insbesondere auch gegen die Meinung wenden, daß es am 10. April garnicht mehr darauf ankomme, zur Wahl zu gehen, weil die endgültige Wahl Hindenburgs ohnehin absolut ge­sichert sei. Die Hindenburgausschüsse wollen dem­gegenüber versuchen, am 10. April durch eine mög­lichst hohe Stimmziffer für Hindenburg die politische Autorität des deutschen Reichspräsidenten zu befesti­gen Man verspricht sich davon insbesondere einen praktischen- Nutzen für die außenpolitischen Verhand­lungen der nächsten Monate.

Die Deutschnationalen nehmen am zweiten Wahl­gang für die Reichspräsidentenwahl überhaupt kein Jntereffe.

bund und der Allgemeine Deutsche Beamtenbund einen Aufruf zur Wiederwahl Hindenburgs. Ferner sind folgende Verbände mit einem Wahlaufruf für Hindenburg hervorgetreten:

Reichsverband Deutscher Poft- und Telegraphen­beamten, Verband Preußischer Polizeibeamten, Ar­beitsgemeinschaft mitteldeutscher Polizeibeamtenver­bände, Reichsbund der Gendarmeriebeamten Deutsch­land, Katholischer Lehrerverband des Deutschen Rei­ches, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Eisen- bahnfahrbeamten, Reichsgewcrkschaft deutscher Poli­zeibeamten, Beamtenzentralverband-Reichsorganisa­tion.

Für Hitler setzt sich eine Kundgebung ein, die von General Otto v. Below-Kaffel, Geheimrat Bier-Berlin, Bogislav von Selchow und zahlrei­chen anderen Persönlichkeiten unterzeichnet ist.

Die Unterzeichner erklären, daß sie der NSDAP, zwar nicht angehören, daß sie aberim Nationalso­zialismus die größte deutsche Freiheitsbewegung seit hundert Jahren" sehen und deshalb für die Wahl Hitlers eintreten.

Politische Schießerei in Charlottenburg. Vor dem Hause Potsdamer Straße 11 in Charlottenburg ge- rictta am Freitag gegen 22 Uhr Kommunisten und Natioüalsozialistdn. ineinander. Hn-der sich nmtn daraus entwickelnden Schießerei tvurden drei Natio­nalsozialisten durch Fuß-, Waden- und Oberschcnkel- schüffe verletzt. Sie fanden im Krankenhaus Westend Aufnahme.

diale" ist wieder modern geworden; in Paris vor allem wird gern und ausgiebig von demherz­lichen Einvernehmen" gesprochen, das die französisch-englischen Beziehungen zu bestimmen habe. Andre Tardieu wartet England bei allen möglichen paffenden und unpaffenden Gelegenheiten mit ein paar rührenden Phrasen von der alten, guten Freundschaft auf, und das große, wohldisziplinierte Orchester der Pariser Presse hat diese Töne, die der Meister anschlug, mit Eifer ausgenommen. Nach allen Regeln her Kunst wird die Sehnsucht, daß es zwi­schen England und Frankreich wieder so werden möge, wie es in der Vorkriegszeit und wie es nach dem Kriege in der Aera Austen Chamberlain gewe­sen war, variiert, und die Empfindungen durcheilen dabei die ganze Skala der Gefühle: von hochgemuter und hochmütiger Siegeszuversicht bis zur bitterbösen Kritik an dem Nachbarn jenseits des Kanals. Ma­rianne wirbt auf ihre Art um John Bull, und zwei­fellos ist dieser Versuch, das englisch-französische Ver­hältnis zu klären und, wenn es nach Frankreichs Wunsche geht, auf eine neue Entente-Formel zu bringen, ein wichtiges Vorspiel zu den großen euro­päischen Auseinandersetzungen, die in den nächsten acht Wochen in der Zeit also, die bis zum Ablauf des Hpover-Moraforrums noch zsir Veriikgntkcf steht dürchMochten werden müssen. Wichtig insbesondere deshalb, weil das bevorstehende englisch - fran­zösische Wochenendgespräch vielleicht schon Klarkeit darüber schafft, welche taktischen Positionen

Gestern hat die Reichstagsfraktion dieser Partei eine Sitzung abgehalten, in der im wesentlichen der vom Parteiführer bereits bekannt gegebene Standpunkt be­stätigt wurde, wonach alle Kräfte für die Preußenwahl eingesetzt werden sollen. Die Teutschnationalen haben nicht eine eigentliche Stimmenthaltungsparole" für den 10. April aus­geben, aber sie stellen es ihren Wählern frei, wie sie an diesem Tage ihre Stimme abgeben wollen. Der Parteivorstand wird heute zusammentreten und wird sich ausschließlich mit der Preußenwahl beschäftigen. Die Fraktion hat gestern noch eine sehr scharf formu­lierte Erklärung gegen die Angriffe veröffent­licht, die in der nationalsozialistischen Presse in letzter Zeit gegen den deutschnationalen Führer Hugenberg enthalten waren.

Zur Vorbereitung der Preußenwahlen ist in letzter Zeit bekanntlich eine Reihe von Besprechungen zwi­schen verschiedenen Gruppen der Mitte und der soge­nannten Halbrechten geführt worden. Zu einer eigent­lichen Sammlung der bürgerlichen Mitte ist es be­kanntlich nicht gekommen, aber statt dessen sind jetzt einige

Teilabschlüffe und Sondrrabmachungen bekannt geworden. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Wirtschaftspartei und das Landvolk, die über ein gemeinsames Vorgehen im preußischen Wahlkampf verhandelt haben. Wahrschein­lich wird G r af W e st a r p an der Spitze der gemein­samen Landesliste dieser beiden Parteien stehen. Darüber sollen in einer Reihe verschiedener Wahl­kreise noch Zusammenschlüße mit anderen Gruppen so z. B. mit der Volkspartei und den Konserva­tiven in Betracht kommen. Das erstreckt sich aber nicht auf ganz Preußen, sondern nur auf einzelne Wahlkreise.

An den Verhandlungen über diese Zusammen­schlüsse bezw. Listenverbindung der gemäßigten Rech­ten in einiaen Wahlkreisen ist auch eine neue Gruppe unter dem NamenJunge Rechte" be­teiligt, in der einige perteipolitisch nicht genau fest- geleate Jugendverbände zusammengefoßt sind.

Der preußische Innenminister hat für den zwei­ten Wahlgang der Präsidentenwahl die Anord­nung getroffen, daß das

allgemeine Demonstrationsverbot vorübergehend aufgehoben

werden soll. Der Minister hat den Regierungs­präsidenten ermächtigt, in der Zeit vom 3. April, 12 Uhr mittags bis zum 9. April Ausnahmen vom Demonstrationsverbdt zuzulaffen, wenn diese Aus- nahmen 24 Stunden vorher schriftlich beantragt wor­den sind, und wenn der friedliche Ablaus derartiger Veranstaltungen oder Umzüge unter freiem Him­mel gewährleistet erscheint.

Oie ersten Wahlaufrufe

Eine größere Anzahl von Verbänden und Bünden ist heute mit Ausrusen für den zweiten Wahlgang der Präsidentenwahl an die Oeffentlichkeit getreten. Wahl­aufrufe für Hindenburg erlassen die Reichs­kampsleitung der Eisernen Front, die die Parole aus­gibt:Schlagt Hitler mehr Stimmen für Hinden­burg!" Ferner erlassen der Allgemeine Deutsche Ge- werkschaftsbund, der Allgemeine Freie Angestellten­

Zusammenarbeit mit allen Mächten!

Londoner preffestimmen zum Oonauplan und zur Tribuifrage

London, 2. April.

DieTimes" erklärt in einem Leitartikel, Haupt- ausgabe der Viermächtekonserenz werde es sein, einen Vorschlag auszuarbeiten, in dem die Donaustaaten zur Aufstellung eines Planes für engere Wirtschaftsbeziehungen auf der Grundlage der Vorzugsbehandlung aufgefordert werden. Die Kon­ferenz werde sich mit zahlreichen Fragen zu beschäfti­gen haben, über die man verschiedener Ansicht sein könne, so zum Beispiel in der Frage der Einbeziehung Bulgariens in den Plan. Die vier Mächte müßten sich auch darüber schlüssig werden, zu welchen Zuge­ständnissen sie bereit seien und welches Maß von Unterstützung sie dem Plan angedeihen lassen könnten

DieTimes" wendet sich dann gegen ausländische Pressestimmen, die durch gegenseitige Verdächtigungen die Atmosphäre der Konferenz schon vor dem Zusam­mentritt zu verderben suchten.

Ein ausschließlich englisch-französisches Einver­nehmen komme, so sagt das Blatt, nicht in Frage.

Eine englisch-französische Lösung, ohne Mitwirkung der anderen Mächte könne dem übrigen Europa nicht ausgezwungen werden. Tardieu sei viel zu klug und wisse, daß ein solcher Weg keinen Erfolg bringen würde. Von englischer Seite sei völlig klargestellt worden, daß England bei allen Bemühungen um die Lösung gemeinsamer Fragen mit allen Mächten Zusammenarbeiten Wolle. Abmachungen mit irgendeiner Macht, von denen andere Länder ausge­schloffen würden, kämen nicht in Frage. Der Besuch Tardieus sei ein durchaus natürlicher Schritt auf dem Wege einer allgemeinen europäischen Zusammenarbeit.

DieFinancial News" erklärt,'die Eich begünstige zwar eine Abmachung durch die den betroffenen Län­dern sofortige finanzielle Hilfe geleistet werden könne, sei sich jedoch klar darüber, daß eine solche Hilfelei­stung für Mitteleuropa nur dann von Bedeutung werden könne, wenn sich damit eine Vereinbarung über die Tribute verknüpfe.

Der französische Versuch, Deutschland von Oesterreich zu trennen, errege Mißfallen, da hierdurch die Stellung Deutschlands in Lausanne erschwert und die Aussicht auf ein zufriedenstellendes Tributabkommen verringert würde.

Erst Tribut-, dann Oonaufrage!

London, 2. April.

Der englische Ministerpräsident Macdonald, der am Sonnabend nach London zurückkehrte, hat be­schlossen, seinen französischen Ministerkollegen persön­lich am Sonntag nachmittag aus dem Viktoria-Bahn­hof in London zu empfangen.

Daily Mail" rechnet damit, daß über die Tri­bute, die Abrüstung und die Wirtschafts- und Zoll­politik noch am Sonntag nachmittag und abend gesprochen werde. Macdonald werde, wie man er­warte, Tardieu davon unterrichten, daß die englische Regierung an ihrer Reparationspolitik festhalten werde, und daß früher oder später und wenn möglich in Lausanne im Juni endgültige Schritte unternom­men werden müßten, um die Lasten der Kriegsschul­den und Reparationen zu erleichtern. Die Donau­frage würde am Montag zur Erörterung kommen, wozu die anderen zuständigen Minister hinzugezo- gen würden.

Grobe Taktlosigkeit Tardieus

Paris, 2. April.

In bet französischen Kammer erklärte der Kammer­präsident am Freitag mittag die Legislaturperiode für beendet und die Kammer für a u s g e l ö st. Auch der Senat wurde in die Ferien geschickt. Beide Häuser treten am 1. Juni wieder zusammen.

*

In der vorausgegangenen Sitzung setzte die Kam­mer die Beratungen des Haushaltsplanes fort und verabschiedete schließlich den Gesamthaushalt in drit­ter Lesung mit 435 gegen 135 Stimmen.

Die letzte Sitzung der französischen Kammer klang mit einem Mißton aus, dessen Echo sich in einigen Morgenblättern findet. Der französische Ministerprä­sident hatte sich nach Verabschiedung des Haushalts auf eine polemische Auseinandersetzung mit dem sozia­listischen Abgeordneten Bedouce eingelassen, der die Gewährung von Anleihen an auswärtige Regierungen kritisierte. Tardieu hat bei der Abwehr dieser Kritik dasDiktaturregime in Deutschland", wie es in den Notverordnungen zum Ausdruck komme", in einer Weise in die Debatte gezogen, die der sozialistischen Presse Anlaß zu Protesten gibt.

DerQuotidien" kritisierte anschließend sehr scharf dicu" hat einen Augenblick vergessen, daß er Außen­minister ist. Abg. Bedouce machte ihm mit Recht zum Vorwurf, unüberlegt verschiedenen ausländischen Staaten Anleihen gewährt zu haben. Tardieu erwi­derte:Müssen denn diese Länder, um die sozialistische Zustimmung zu erhalten, einen Marschall zum Präsidenten haben? Ist es nötig, daß eine Dik­tatur, damit wir mit ihr ein Abkommen abschließen können, die Stimmen der sozialistischen Partei erhält und sich Diktatur der Notverordnungen nennt?"

DerQuodidien" kritisierte anschließend sehr scharf diese Aeußerung, die für einen unverantwortlichen Parteigänger möglich fei, die aber von einem Minister, der gerade auf einer schon anberaumten Konferenz mit der Reichsregierung verhandeln solle, auf keinen Fall hätte gebraucht werden dürfen.

diese beiden Akteure für die nächste Zukunft zu be­ziehen gedenken.

Mit schmerzlichem Bedauern hat man in Paris er­kannt, daß dem heutigen Chef der englischen Politik die Gefühle der Begeisterung und der Liebe, mit denen ein Mann wie Sir Austen Chamberlain Frank­reich gegenübertrat, fremd sind. Ramsay Macdonald ist alles andere als ein überschwänglicher Liebhaber, er ist ein recht nüchterner Verhandlungspartner, ein Staatsmann, der durchaus befähigt ist, in den klas­sischen Formen der englischen Außenpolitik zu den­ken. Während seiner Tätigkeit als Premier hat Macdonald mehr als einmal bewiesen, daß für ihn der alte englische Grundsatz derba = lance of power, desAusgleichs der festlän­dischen Kräfte", noch existiert, und wenn sein Handeln nicht immer diesem Leitgedanken entsprach, so dürste das vor allem auf widrige äußere Umstände zuriick- zuführen sein. Die vorjährigen Attacken auf das Pfund haben einen schwachen Punkt der englischen Stellung deutlich genug enthüllt. Diese finanzielle Schwäche ist heute durch die zielbewußte Politik der englischen Regierung so gut wie beseitigt. Es bleiben aber immer noch verschiedene Gründe, die die Bewe­gungsfreiheit des Premierministers hemmen: Da ist zunächst die ständige militärische Gefährdung des Jn- selrelches zu nennen, bic durch Mc überlegene franzö­sische Lustrüstung gegeben ist, und da muß zweitens berücksichtigt werden, daß heute die franzosenfreund­lichen Kreise um Chamberlain wieder recht starken Einfluß auf die Regierung haben. Umso anerken­nenswerter ist aber, daß Macdonald auch in den letz­ten Tagen, in denen über die Einberufung der Do- naukonferenz verhandel wurde, seinen ganzen Ein­fluß aufgeboten hat, um den französischen Hegemoniegelüsten die Spitze abzubre- ch e n. Er hat versucht, die taktischen Fehler seines Außenministers Sir John Simon, der nach dem eigenen Urteil englischer Blätter ziemlich ungeschickt in die Fallen des Herrn Tardieu hineingegangen war, wieder auszugleichen, er ist dem Pariser Plan, die Donaufrage zwischen den Donaustaaten abzuhandeln und sie damit ganz nach französischem Gutdünken zu lösen", entgegengetreten, und er hat auch sein Mög­lichstes getan, um den englisch-französischen Ver­handlungen durch Hinzuziehung der übrigen Groß­mächte den Charakter einseitiger Sonderbesprechungen zu nehmen. Das alles ist ganz gewiß nicht versucht worden aus Liebe zu Deutschland oder zu irgend­einem anderen Staate, sondern es ist geschehen aus der durchaus egoistischen Ueberlegung, daß eine Ver­wirklichung der französischen Pläne das Chaos im mitteleuropäischen Raum vollenden und damit höchst materielle englische Interessen gefährden würde. Selbstverständlich kann aber diese Feststellung den Wert des Mäcdonaldschen Vorgehens nicht herabsetzen, denn kein Staat kann einem anderen zur Liebe Po­litik machen, und wenn wir auf die Unterstützung des Auslandes reflektieren, so ist es unsere Aufgabe, un­sere Interessen mit den Interessen der unabhängigen Mächte parallel zu schalten.

Macdonalds Abwehr der französischen Zudring­lichkeiten, die mit dem Worte von derSelbsteinla­dung" Tardieus nicht übel gekennzeichnet sind, hak sich nicht in vollem Umfange durchsetzen können. An- bre Tardieu i st am morgigen Sonntage Wochenend­gast der englischen Regierung, und es wird noch auf­zuklären sein, ob die Bemühungen Macdonalds, aus der Besprechung zu Zweien eine Konferenz zu Vie­ren zu machen, von deutscher Seite nicht stär­ker unterstützt werden konnten. Hier scheinen Miß­verständnisse im Spiel gewesen zu sein, die heute noch nicht tlar zu durchschauen sind. Wie dem aber auch sei, es ist doch wohl notwendig, sich mit den Mo­tiven des Liebenswerbens, mit dem Marianne den spröden John Bull verfolgt, noch ein wenig aus­führlicher zu beschäftigen. Wir haben uns stets ge­gen die auch bei uns noch nicht völlig ausgestorbenen Methoden, die Dinge nur in rosenroter Beleuchtung zu zeigen, gewehrt; wir würden cs aber für ebenso verkehrt halten, wenn man vor lauter Pessimismus die Chancen, die sich aus der weltpolitischen Konstel­lation für uns ergeben können, übersetzen würde. In diesem Augenblick, in dem Herr Tardieu seine Kof­fer zur London-Reise packen läßt, drängt sich vor allem die Frage auf, ob die gegenwärtigen Bemühungen des französischen Ministerpräsidenten, England noch einmal vor den französischen Wagen zu spannen, un­bedingt als Zeichen von Stärke zu deuten sind, oder ob aus ihnen nicht doch ein Gefühl der Schwäche oder zumindest der Unsicherheit spricht. Was Tardieu selbst angeht, so ist seine er­höhte Geschäftigkeit zweifellos damit zu erklären, daß er angesichts der französischen Wahlen und in Er­wartung des 1. Julis, der die Welt mit dem Ablauf des Hoover-Moratoriums vor neue Möglichkeiten und