Einzelpreis 20 Pfennig
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
«nzetgenmE: G«sE». S°mMcn-«n»kwen Me 80 mm-Stile 11 Vfenntg. »leine Änwteen aus «affe! bas Son 7 4. «uSwaNiae Kleine «»»eigen die W mm breite Seile 11 4 Anzeigen im Reklameioii die TO mm breite Seile 45 4 Cffcrtgebübr 25 4 (bei Suitellung 85 4>. - Kür baS Erscheinen von Anzeigen in bestimmten Ausgaben, an besonderen Platzen und iür televhontsch erteilte Auftrage keine Gemabr. -Tiech. nungSbetrage innerbalb von 5 Tagen zablbar. Gerichisitand Kassel. - Postscheckkonto Srankiun a. M. 638CL
erf<6'tnnn98rijetfe: wdchentsi« sechsmal nachntttiagS AbonnementSvreiS: «ür den Monat 2,10 4 einkchl. 30 * bei freiet Zustellung >ns Saus 'n der Geichalisstelle abgebolt 1904 Tunfi die «oft man. 2.10 Jl U^öl. Suhellgebnbr Sn Kbllen von fidberer Gemalt beftebt kein Anloruch auf Lieferung der Seitung oder auf Rückzahlung »es Bezugsvrenes Berlag Zchnitlenung und Druckerei: Kölnische Ltrafie 10 - Delevbon:
Sammelnummer 6800 .lurifttftbe Torechltunden Dienstags und KrettagS 17—19 Uhr Kölnische Strafte 10. I.
Nummer 72*
Gonna-end/Sonntag, 26/22. März 4932
22. Jahrgang
Frankreich kennt keine Nachgiebigkeit
Taröieu über -ie Ireparaiionsfrage / Oer französische Ministerpräsident fährt nach London / Reiches Arveitsprogramm nach der Osterpaufe
Oie Schute des Leids
Ehequers mit anderem Vorzeichen
Eigener Drahtbericht.
Tardieu fahrt nach London
Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wurden mit langanhaltendem Beifall ausgenommen.
Am Donnerstag hatte sich bereits Finanzminister F l a n d i n im Senat mit der Repa.rationssrage beschäftigt. Von seinen Ausführungen verdienen vor allem folgende Gedanken Beachtung: Alle Welt erkenne an, daß sogar eine Streichung der Reparationen und Kriegsschulden die Wirtschaftskrise nicht lösen würde. Allgemeinere Lösungen seien notwendig. Zunächst muffe man den langfristigen Kredit wieder Herstellen und zu diesem Zweck erreichen, daß die eingegangenen Verpflichtungen respektiert würden Diese Politik fei von Frankreich in den beiden letzten Jahren vertreten worden. Frankreich stehe in der Welt als unerbittlicher Gläubiger da, vielmehr stamme jede konstrukttve Initiative von Frankreich. (?)
Wer über das Aeugere nicht Hinwegzukommen, wer nicht in die Tiefe zu schauen vermag, wird es vielleicht für Vermessenheit, ja, er wird es sogar für Hohn und Spott halten, wenn man heute vom Wachstum und von neuem Werden unseres Volkes spricht. Stehen wir nicht gerade jetzt mitten in der Krise, die von jenen Diktaten und Verträgen heraufbeschworen worden ist, deren alleiniger Zweck es war, unser Wachsen und Werden als Nation zu behindern und zu unterbinden? Hat man nicht deutsches Land von deutschem Lande und deutsche Menschen von deutschen Menschen getrennt, hat man nicht Tausenden und aber Tausenden Heimat, Hab und Gut, hat man nicht darüber hinaus Millionen ogar das einfachste Recht, das der Mensch hat, das Recht auf Arbeit, genommen? Wurde Deutschland
London, 26. März.
Zu der geplanten Zusammenkunft Tardieu- Macdonald meldet der diplomatische Korrespondent der »Daily Mail", daß die Zusammenkunft schon in den nächsten Tagen ftattfinden wird, falls die Lage in Irland nicht plötzlich sich so verschlechtere, daß sie die volle Aufmerksamkeit Macdonalds in Anspruch nehme. Beide Minister feien sich über die Notwendigkeit einer Verständigung zwischen Eng- lang und Frankreich völlig im klaren, und es würden olle Anstrengungen gemacht werden, um dieses Ziel zu erreichen.
London, 36. März. Die Zusammenkunft zwischen Tardieu und Macdonald wird, wie man in politischen Kreisen annimmt, voraussichtlich in London bzw. Chequers stattfinden. Eine derartige Vereinbarung würde dem Wunsche Macdonalds eiusprechen, den er seinerzeit Laval gegenüber aussprach. Es verlautet, daß er auch diesesmai Tardieu eine entsprechende Einladung hat übermitteln lassen, und daß Tardieu einverstanden sein soll.
weit von dem Ziel, das erreicht werden muß, entfernt ist. hat auch das Recht, als Verheißung zu begrüßen, was sich selbst in unserer ernsten gegenwärtigen Lage an neuem Willen zum Wachsen und Aufbauen zeigt. Nicht jene Vorgänge sollen in diesem Zusammenhänge des Langen und Breiten erörtert werden, die von den Zünftigen als Auflockerung der außenpolitischen Situation bezeichnet werden. Das äußere Bild unserer Lage trägt, wir sagten es schon, heute noch zuviel dunkele Farben, als daß ihm ein paar kleine Glanz! ich ter ein anderes Aussehen geben könnten. Gesprochen werden muß aber von der inneren Entwicklung unseres Volkes, von dem inneren Wachstum und Reifen der Millionen deutscher Menschen, die innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen wohnen.
Auch hier wird der oberflächliche Betrachter zunächst das Negative sehen: Der Lärm der schweren innerpolitischen Kämpfe, die wir jetzt erleben, drängt sich vor; schroff stehen sich die Fronten gegenüber, und dieses ganze parteipolitische Getriebe erinnert in der Tat an den Geist, dessen Künste sich im Verneinen erschöpfen. Und doch: Wer tiefer hineinhorcht in das Geschehen, vermag gerade in dieser Entwicklung, die zunächst nur ins Negative abzuzielen scheint, Ansätze zum Positiven zu erkennen; ihm wird an diesem Beispiele klar werden, was das Dichterwort von den „guten Wachstumsjahren" sagen will und wie es in die Wirklichkeit übertragen werden kann. Die große Umschichtung innerhalb unserer Volksgemeinschaft, bereit chaotischen Höhepunkt wir jetzt erleben, erweist sich als Notwendigkeit, weil nur eine wirkliche Neu ordnung fähig sein wird, die Elemente der Ueberlieferung und die neuen vorwärtsdrängenden sozialen Kräfte, das Wollen der Jugend und die Erfahrung des Alters, kurzum, all diese verschiedenen Lebens- und Denkarten zu einer Einheit zu- sammenzuschließen. Heute mag diese Notwendigkeit bei den meisten aus dem Unterbewußtsein noch nicht in das helle Licht der Erkenntnis vorgedrungen sein; daß sie aber doch schon schafft und wirkt, hat der letzte Wahltag bewiesen, an dem viele Wähler zweifellos deshalb für Hindenburg ihre Stimme abgegeben haben, weil sie in dem greifen Reichspräsidenten den Hüter des überparteilichen Staatsgedankens sahen, und weil sie sich von der Ueber- zeugung leiten ließen, daß im innenpolitischen Leben der Kampf nicht Selbstzweck sein darf, sondern, daß er nur Mittel zur Klärung der Gegensätze und zur Vorbereitung der Wiedervereinigung der gegeneinanderstehenden Kräfte sein darf. Und noch etwas anderes muß als Zeichen wachsender Einsicht erkannt werden: Die Klarstellung der Ziele, die der nationale Wille zu erreichen hat. Wenn heute die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes in allen grasen Lebensfragen der Nation nach außen hin eine Einheitsfront bildet, so ist diese Entwicklung die erfreuliche Kehrseite all der Vorgänge, die aus die Nachkriegszeit eine Schule des Leidens und des Opferns gemacht haben.
Zwecke, den sogenannten Dualismus zwischen dem Reiche und Preußen zu beseitigen, al,o ein Aufgehen Preußens in dem Reiche zu ermöglichen. Davon werden zahlreiche Ersparnisse erwartet. Süddeutschland würde davon unberührt bleiben.
Andere finanzielle Maßnahmen liegen auf dem S‘ ™ber ®110 ä 10 f £ “ fü r f ■0 r 9 « - *«» man
nadj Ostern erneut Verhandlungen zu einer organi- satorischen Reform b, anders int Sinne der Vereinheitlichung bzw. Zusammenlegung der Arbeitslosenversicherung mit der Krisenfürsorge einleiten wird. Was die Wünsche der Gemeinden nach einem Reichs- Zuschuß für die Wohlfahrtsfürsorge angeht, so ist zu erwarten, daß eine neue Reichsbeihilfe allerdings in geringerem Umfange, als sie von den Gemeinden gefordert wird, geleistet werden wird.
Nur kurze Osterferien
Von unserer Berliner Schriftleitung.
W. P. „Die Jahre des Wiederaufrichtens nach ungeheurem Einsturz, das find die guten Wachstums- jahre der Völker." So schreibt Hans Carosia in einem Buche, das herausgewachsen ist aus dem Erleben des letzten schweren Jahrzehnts. Der Mann, der diesen Satz geprägt hat, gehört zu jener kleinen, erlesenen Schar von Dichtern, die jenseits jeder billigen Aktualität stehen, und die doch in ihren Merken der Zeit auf den Grund fühlen, weil es ihnen gegeben ist, hinter die Erscheinungen zu blicken und das Geschehen auf das Wesentliche zu ver-dichten. Es ist kein Wort voll trunkenem Optimismus, das Carosia da niedergeschrieben hat. Von dem ungeheueren Niederbruch, von dem großen Leid unserer Zeit und von der bitteren Notwendigkeit des Wiederaufbauen- Müsiens wird hart und klar gesprochen. Aber aus diesen Erkenntnisien findet der Dichter den Weg zu neuem und starkem Trost: Zu dem Glauben, daß Opfer, Leid und harte Arbeit die beste Schule der Völker sind, und zu der Mahnung, daß es heute darauf ankommt, die Jahre unserer Not in die große, in Jahrzehnten und Jahrhunderten sich vollziehende Entwicklung einzuordnen. Und das gerade ist es, was dieses Dichterwort so nahe an die Osterbotschaft vom „Stirb und werde" heranrückt, was ihm die Berechtigung gibt, unserem Denken in dieser Stunde stiller SelbftbesinnMg das Leitmotiv zu geben?
Unendlich viel zu tun bleibt uns allen Führern und Geführten, aber noch zu tun übrig wenn das deutsche Volk in diesen schweren Jahren, die hinter uns liegen und die noch kommen werden nicht vergeblich gekämpft, gelitten und geopfert haben soll. Wir brauchen Manner als Führer wie sie Carosia charakterisiert hat: Männer, die ,',schon den Untergang gefühlt" haben und „nun dem Bestehenden gegenüber lehr frei“ find deren Stirn „der Eewilter- wind der Weltgerichte erfrischend gestreift" hat; Män-
nicht mit roher Gewalt zu einem Staat minderen Rechts herabgedrückt? Soll in dieser Stunde vergessen fein, was sich noch in diesen Tagen im nahen Osten vollzog, straft dieses frevle Spiel, das sich der litauische Gernegroß im Memellande erlaubt, den Gedanken vom neuen Wachstum unseres Volkes nicht Lügen? Niemand wird sich dem Ernst dieser Fragen entziehen, und niemand wird leugnen dürfen, daß es verbrecherischer Optimismus wäre, wollte man heute irgendetwas in und um Deutschland als Zeichen äußeren Wachstums deuten. Die Bemühungen, den Schutt, den der Einsturz des deutschen Hauses hinterlasien hat, wegzuräumen und für den neuen Bau die Grundlagen zu schaffen, stehen immer noch in ihren Anfängen, und der Kampf um die deutsche Gleichberechtigung, mag er nun auf finanziellem, rechtlichem, wehrpolitischem oder moralischem Gebiete geführt werden, trägt überall noch den Charakter erbitterter Vorfeldgefechte.
Das alles gilt es zu erkennen und offen und ehrlich auszusprechen. Denn nichts würde die Hoffnung, daß sich diese Jahre nach dem Zusammenbruch doch einmal als gute Wachstumsjahre unseres Volkes erweisen werden, mehr gefährden als die Selbsttäuschung und als die Selbstbeweihräucherung, zu der leider auch bei uns mancherlei Neigung besteht. Aber wer sich darüber'klar ist, wo wir stehesi.' uub " wc' nicht vergißt, daß unser gegenwärtiger Standort noch
Vorbereitungen für Lausanne
Auf außenpolififchem Gebiet werden zunächst die Verhandlungen über die Reparationslösung Weiter» geführt werden, da vor Mai mit Rücksicht auf die auf diesen Monat verschobenen französischen Kammerwahlen eine Rücksprache des Kanzlers/ytti dem französischen Ministerpräsidenten nicht in Betracht kommt. Wie groß die Schwierigkeiten auf diesem Gebiete sind, ergibt sich erst jetzt wieder aus den an anderer Stelle wiedergegebenen Aeußerungen des ftanzösischen Ministerpräsidenten. Es wird also noch einerd intensiven diplomatischen Vorarbeit bedürfen, um die Basis für die Reparationskonferenz von Lausanne ausreichend vorzubereiten.
Das diplomatische Revirement wird übrigens nur etappenweise im Lause des Sommers durchgeführt werden. Ebenso hat man mit den viel besprochenen politischen Rückwirkungen der Preußenmahl auf das Reichskabinebt wohl noch nicht so schnell zu rechnen. Vor Klärung der Reparationsfragen dürfte an einen Wechsel im Reichskanzleramt oder an die Bildung eines sogenannten Konzentrationskabinetts noch nicht zu denken sein.
th. Berlin, 26. März.
®ie politischen Osterferien werden nur von kurzer Dauer sein, und schon eine Woche nach dem Feste wird die Arbeit i« besonders lebhaftem Xempo wieder einsetzen, da die letzten Vorbereitungen für dle endgültige Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg getroffen »erben sollen. Der Kanzler, der sich gegenwärtig in Badenweiler aufhält, und mehrere Kabinettsmitglieder werden sich auch diesmal wieder am Wahlkampfe beteiligen. Ma« erwartet mit aller Bestimmtheit baß das Ergebnis des 10. April das gleiche Resultat wie am 13. März bringen wird.
Was wirb in Preußen?
Wesentlich problematischer sind hie Aussichten für bie Neuwahl des Preußischen Landtages, die aller Voraussicht nach bas Enbe ber jetzigen Mehrheit der Weimarer Koalition in Preußen bringen wirb. Die Oppositionsparteien der Rechten und ber Linken rechnen mit einem starken Stimmenzuwachs. Sie werben bann, wenn ber ßanbtag einige Wochen nach bet Wahl zusammentritt, in ber Lage jein, bas Kabinett Braun durch ein Mißtrauens- aoium zum Rücktritt zu zwingen. Wenn es sich aber bann um bie Neuwahl eines Ministerpräsidenten handelt, werben bie Oppositionsparteien wahrscheinlich ohne bie Kommunisten einen gemeinsamen Ministerpräsibenten nicht aufstellen können, so baß ber erste Wahlgang wohl ergebnislos verlaufen wirb, weil bafür ähnlich wie bei ber Wahl bes Reichspräsibenten bie absolute Majorität erforberlich ist. Im zweiten Wahlgang wirb bann mit relativer Mehrheit ein Kompromißkanbibat zum Mi-- nisterpräsibenten gewählt werben. Dieser Minister- präsibent muß aHerbings bannt rechnen, baß er von der oppositionellen Mehrheit sofort «lieber ein Mißtrauensvotum erhält, aber es ist bann anzunehmen, daß er doch als „geschästsfiihrender Ministerpräsident" im Amte bleibt.
Neben der Vorbereitung füt die verschiedenen Wahlen wird nach Ostern voraussichtlich die Arbeit auf finanzpolitischem Gebiete wieder intensiv einsetzen. Zunächst handelt es sich um die Ueberwindung des Ultimos, der noch jn die Osterwoche fällt. Die Vorarbeiten dafür find zwar zum größten Teile erledigt, und man hat den Eindruck, daß die wegen dieser Angelegenheit wiederholt geäußerte» Befürchtungen sich nicht bestätigen werden. Jedenfalls dürfte der Ultimo im wesentlichen glatt überwunden werden, während die Steueteiitgnnge nach wie vor sehr zu wünsche« übrig lasten. Es fdjeint auch, daß das Reichssiuaazmiaisterium ohne größere Ope- ratioue« aus dem Gebiete der sogenannten Ueber- brückungskredfte ausgekommen ist, da man schon seit längerer Zeit zu sehr strengen Sparmethode« übergegangen ist.
Oer neue Reichseiat
Nach dem 10. April wirb bas Reichskabinett zunächst ben Reichshaushaltsplan für 1931 verabschieden unb ihn ben parlamentarischen Körperschaften zuleiten. Eine Behanblung bes Etats im Reichstag kommt jeboch für ben von anberer Seite genannten Termin bes 12. Aprils natürlich noch nicht in Frage. Der Etat ist, wie dieser Tage gemelbet wurde, im Finanzministerium bereits ganz wesentlich, und zwar auf 8,5 Milliarden Mark herabgesetzt worben. Sein hervorstechenbstes Merkmal bürste barin liegen, baß keinerlei Summen mehr für Reparationszahlungen barin enthalten sein werben, obwohl bie Reparationsfrage noch ber onbermeitigen Regelung bebarf. Trotz bes Wegfalles biefer Belastung ist es selbstverständlich notroenbig, auch auf anberen Gebieten bie Reichsausgaben in Zukunft auf das Aeußerste einzuschränken. Was an Zinsen für dounganleihe, Dawesanleihe, sowie langfristige Aus- landskredite, für die sogenannte Mixeb Claimes, für bas belgische Markabkommen usw. zu zahlen ist, beläuft sich außerhalb aller Reparationszahlungen ebenfalls auf eine runbe Poung-Annuität. So ist es kein Wunber, baß auch bie Belastungen aus bem Stillhalteabkommen zu größerer Sorge Anlaß geben, unb baß man mit möglichst baldigen zwangsläufigen Einschränkungen auf zahlreichen Gebieten rechnet.
Zu den Einschränkungsmaßnahmen auf innerpolitischem Gebiet werden seit langem besonders auch bie Bestrebungen nach einer sogenannten
Reichsreform
gezählt. Man forbert jetzt tn manchen politischen i Äreiien »achbrückl ich, baß im Laufe bes Sommers ( ernste Anstrengungen gemacht werben, zu bem j
Paris, 26. März. | Äm Verlause ber Aussprache im Senat am Freitag über den Haushalt des Außenministeriums sprach Ministerprästdent Tardieu über die Außenpolitik Frankreichs.
Tardieu ging dabei insbesondere aus die Repa- r a t i o n s p o l i t i k der französischen Regierung ein unb erklärte, baß ber jetzige Haushalt unter anderem 1173 Millionen Franken als Einnahme post en aufweifen müsse, ber die Reparationen darstelle, die Deutschland im Juli zu leisten habe. Wenn man diese Eintragung nicht gemacht hätte, so würde das einen Verzicht Frankreichs aus die deutschen Reparationen bedeutet haben.
Tardieu fuhr dann fort: „Niemand hätte uns das verziehen. Möge der Himmel geben, daß die 1173 Millionen sich eines Tages in unserer Kaffe be- inben.
3” der Reparationsfrage ist Frankreich bereit, die freiwillig unterzeichneten Verträge den Verhältnissen anzupaffen. Es verweigert aber eine Mißachtung der Unterschrift. Das bedeutet, daß wir im kommenden Juni zur Lausanner Konferenz gehen, nachdem wir unseren Standpunkt dem der anderen Mächte, mit denen wir uns treffen werden, genähert haben. Wir werden aber entschloffen an unterer Auffaffung festhalten, weil dies unfer Recht ist, und weil wir die Sicherheit von morgen auf die Unterschriften der Abkommen aufbauen wollen, die gestern getroffen worden sind und die wir deshalb nicht zerstören können.
Tardieu erklärte dann, baß die Verhandlungen über bie Schaffung der Donauföderation einen befriedigenden Verlauf nähmen. Mit England habe Frankreich die Gewohnheit angenommen, auf reundschafttiche Weise zu verhandeln. Es fei notwendig zwischen Frankreich und Italien, die letzten noch bestehenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Was die innerpolittsche Lage Frankreich angehe, so seien die Schwierigkeiten nicht so groß, daß sie nicht überwunden werden könnten.