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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 72*

Gonna-end/Sonntag, 26/22. März 4932

22. Jahrgang

Frankreich kennt keine Nachgiebigkeit

Taröieu über -ie Ireparaiionsfrage / Oer französische Ministerpräsident fährt nach London / Reiches Arveitsprogramm nach der Osterpaufe

Oie Schute des Leids

Ehequers mit anderem Vorzeichen

Eigener Drahtbericht.

Tardieu fahrt nach London

Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wur­den mit langanhaltendem Beifall ausgenommen.

Am Donnerstag hatte sich bereits Finanzminister F l a n d i n im Senat mit der Repa.rationssrage be­schäftigt. Von seinen Ausführungen verdienen vor allem folgende Gedanken Beachtung: Alle Welt er­kenne an, daß sogar eine Streichung der Reparationen und Kriegsschulden die Wirtschaftskrise nicht lösen würde. Allgemeinere Lösungen seien notwendig. Zu­nächst muffe man den langfristigen Kredit wieder Herstellen und zu diesem Zweck erreichen, daß die eingegangenen Verpflichtungen respektiert würden Diese Politik fei von Frankreich in den beiden letzten Jahren vertreten worden. Frankreich stehe in der Welt als unerbittlicher Gläubiger da, vielmehr stamme jede konstrukttve Initiative von Frankreich. (?)

Wer über das Aeugere nicht Hinwegzukommen, wer nicht in die Tiefe zu schauen vermag, wird es vielleicht für Vermessenheit, ja, er wird es sogar für Hohn und Spott halten, wenn man heute vom Wachstum und von neuem Werden unseres Volkes spricht. Stehen wir nicht gerade jetzt mitten in der Krise, die von jenen Diktaten und Verträgen herauf­beschworen worden ist, deren alleiniger Zweck es war, unser Wachsen und Werden als Nation zu behindern und zu unterbinden? Hat man nicht deutsches Land von deutschem Lande und deutsche Menschen von deutschen Menschen getrennt, hat man nicht Tausenden und aber Tausenden Heimat, Hab und Gut, hat man nicht darüber hinaus Millionen ogar das einfachste Recht, das der Mensch hat, das Recht auf Arbeit, genommen? Wurde Deutschland

London, 26. März.

Zu der geplanten Zusammenkunft Tardieu- Macdonald meldet der diplomatische Korrespon­dent der »Daily Mail", daß die Zusammenkunft schon in den nächsten Tagen ftattfinden wird, falls die Lage in Irland nicht plötzlich sich so verschlechtere, daß sie die volle Aufmerksamkeit Macdonalds in Anspruch nehme. Beide Minister feien sich über die Notwen­digkeit einer Verständigung zwischen Eng- lang und Frankreich völlig im klaren, und es würden olle Anstrengungen gemacht werden, um die­ses Ziel zu erreichen.

London, 36. März. Die Zusammenkunft zwi­schen Tardieu und Macdonald wird, wie man in politischen Kreisen annimmt, voraussichtlich in London bzw. Chequers stattfinden. Eine der­artige Vereinbarung würde dem Wunsche Macdonalds eiusprechen, den er seinerzeit Laval gegenüber aus­sprach. Es verlautet, daß er auch diesesmai Tardieu eine entsprechende Einladung hat übermitteln lassen, und daß Tardieu einverstanden sein soll.

weit von dem Ziel, das erreicht werden muß, entfernt ist. hat auch das Recht, als Verheißung zu begrüßen, was sich selbst in unserer ernsten gegenwärtigen Lage an neuem Willen zum Wachsen und Aufbauen zeigt. Nicht jene Vorgänge sollen in diesem Zusammen­hänge des Langen und Breiten erörtert werden, die von den Zünftigen als Auflockerung der außenpoliti­schen Situation bezeichnet werden. Das äußere Bild unserer Lage trägt, wir sagten es schon, heute noch zuviel dunkele Farben, als daß ihm ein paar kleine Glanz! ich ter ein anderes Aussehen geben könnten. Ge­sprochen werden muß aber von der inneren Ent­wicklung unseres Volkes, von dem inneren Wachs­tum und Reifen der Millionen deutscher Menschen, die innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen wohnen.

Auch hier wird der oberflächliche Betrachter zu­nächst das Negative sehen: Der Lärm der schweren innerpolitischen Kämpfe, die wir jetzt erleben, drängt sich vor; schroff stehen sich die Fronten gegenüber, und dieses ganze parteipolitische Getriebe erinnert in der Tat an den Geist, dessen Künste sich im Verneinen erschöpfen. Und doch: Wer tiefer hineinhorcht in das Geschehen, vermag gerade in dieser Entwicklung, die zunächst nur ins Negative abzuzielen scheint, An­sätze zum Positiven zu erkennen; ihm wird an diesem Beispiele klar werden, was das Dichter­wort von denguten Wachstumsjahren" sagen will und wie es in die Wirklichkeit übertragen werden kann. Die große Umschichtung innerhalb unserer Volksgemeinschaft, bereit chaotischen Höhepunkt wir jetzt erleben, erweist sich als Notwendigkeit, weil nur eine wirkliche Neu ordnung fähig sein wird, die Ele­mente der Ueberlieferung und die neuen vorwärts­drängenden sozialen Kräfte, das Wollen der Jugend und die Erfahrung des Alters, kurzum, all diese ver­schiedenen Lebens- und Denkarten zu einer Einheit zu- sammenzuschließen. Heute mag diese Notwendigkeit bei den meisten aus dem Unterbewußtsein noch nicht in das helle Licht der Erkenntnis vorgedrungen sein; daß sie aber doch schon schafft und wirkt, hat der letzte Wahltag bewiesen, an dem viele Wähler zweifellos deshalb für Hindenburg ihre Stimme abgegeben ha­ben, weil sie in dem greifen Reichspräsidenten den Hüter des überparteilichen Staatsge­dankens sahen, und weil sie sich von der Ueber- zeugung leiten ließen, daß im innenpolitischen Leben der Kampf nicht Selbstzweck sein darf, sondern, daß er nur Mittel zur Klärung der Gegensätze und zur Vorbereitung der Wiedervereinigung der gegenein­anderstehenden Kräfte sein darf. Und noch etwas an­deres muß als Zeichen wachsender Einsicht erkannt werden: Die Klarstellung der Ziele, die der nationale Wille zu erreichen hat. Wenn heute die überwäl­tigende Mehrheit des deutschen Volkes in allen gra­sen Lebensfragen der Nation nach außen hin eine Einheitsfront bildet, so ist diese Ent­wicklung die erfreuliche Kehrseite all der Vorgänge, die aus die Nachkriegszeit eine Schule des Leidens und des Opferns gemacht haben.

Zwecke, den sogenannten Dualismus zwischen dem Reiche und Preußen zu beseitigen, al,o ein Aufgehen Preußens in dem Reiche zu er­möglichen. Davon werden zahlreiche Ersparnisse er­wartet. Süddeutschland würde davon unberührt bleiben.

Andere finanzielle Maßnahmen liegen auf dem Sber ®110 ä 10 f £ r f0 r 9 « - *«» man

nadj Ostern erneut Verhandlungen zu einer organi- satorischen Reform b, anders int Sinne der Verein­heitlichung bzw. Zusammenlegung der Arbeitslosen­versicherung mit der Krisenfürsorge einleiten wird. Was die Wünsche der Gemeinden nach einem Reichs- Zuschuß für die Wohlfahrtsfürsorge angeht, so ist zu erwarten, daß eine neue Reichsbeihilfe aller­dings in geringerem Umfange, als sie von den Ge­meinden gefordert wird, geleistet werden wird.

Nur kurze Osterferien

Von unserer Berliner Schriftleitung.

W. P.Die Jahre des Wiederaufrichtens nach ungeheurem Einsturz, das find die guten Wachstums- jahre der Völker." So schreibt Hans Carosia in einem Buche, das herausgewachsen ist aus dem Erleben des letzten schweren Jahrzehnts. Der Mann, der die­sen Satz geprägt hat, gehört zu jener kleinen, erlese­nen Schar von Dichtern, die jenseits jeder billigen Aktualität stehen, und die doch in ihren Merken der Zeit auf den Grund fühlen, weil es ihnen gegeben ist, hinter die Erscheinungen zu blicken und das Geschehen auf das Wesentliche zu ver-dichten. Es ist kein Wort voll trunkenem Optimismus, das Carosia da niedergeschrieben hat. Von dem ungeheueren Nie­derbruch, von dem großen Leid unserer Zeit und von der bitteren Notwendigkeit des Wiederaufbauen- Müsiens wird hart und klar gesprochen. Aber aus diesen Erkenntnisien findet der Dichter den Weg zu neuem und starkem Trost: Zu dem Glauben, daß Opfer, Leid und harte Arbeit die beste Schule der Völker sind, und zu der Mahnung, daß es heute darauf ankommt, die Jahre unserer Not in die große, in Jahrzehnten und Jahrhunderten sich vollziehende Entwicklung einzuordnen. Und das gerade ist es, was dieses Dichterwort so nahe an die Osterbotschaft vomStirb und werde" heranrückt, was ihm die Be­rechtigung gibt, unserem Denken in dieser Stunde stiller SelbftbesinnMg das Leitmotiv zu geben?

Unendlich viel zu tun bleibt uns allen Führern und Geführten, aber noch zu tun übrig wenn das deutsche Volk in diesen schweren Jahren, die hinter uns liegen und die noch kommen werden nicht ver­geblich gekämpft, gelitten und geopfert haben soll. Wir brauchen Manner als Führer wie sie Ca­rosia charakterisiert hat: Männer, die ,',schon den Un­tergang gefühlt" haben undnun dem Bestehenden gegenüber lehr frei find deren Stirnder Eewilter- wind der Weltgerichte erfrischend gestreift" hat; Män-

nicht mit roher Gewalt zu einem Staat minderen Rechts herabgedrückt? Soll in dieser Stunde ver­gessen fein, was sich noch in diesen Tagen im nahen Osten vollzog, straft dieses frevle Spiel, das sich der litauische Gernegroß im Memellande erlaubt, den Gedanken vom neuen Wachstum unseres Volkes nicht Lügen? Niemand wird sich dem Ernst dieser Fragen entziehen, und niemand wird leugnen dürfen, daß es verbrecherischer Optimismus wäre, wollte man heute irgendetwas in und um Deutschland als Zeichen äußeren Wachstums deuten. Die Bemühungen, den Schutt, den der Einsturz des deutschen Hauses hinterlasien hat, wegzuräumen und für den neuen Bau die Grundlagen zu schaffen, stehen immer noch in ihren Anfängen, und der Kampf um die deutsche Gleichberechtigung, mag er nun auf finanziellem, rechtlichem, wehrpolitischem oder moralischem Gebiete geführt werden, trägt überall noch den Charakter er­bitterter Vorfeldgefechte.

Das alles gilt es zu erkennen und offen und ehr­lich auszusprechen. Denn nichts würde die Hoffnung, daß sich diese Jahre nach dem Zusammenbruch doch einmal als gute Wachstumsjahre unseres Volkes er­weisen werden, mehr gefährden als die Selbst­täuschung und als die Selbstbeweihräucherung, zu der leider auch bei uns mancherlei Neigung besteht. Aber wer sich darüber'klar ist, wo wir stehesi.' uub " wc' nicht vergißt, daß unser gegenwärtiger Standort noch

Vorbereitungen für Lausanne

Auf außenpolififchem Gebiet werden zunächst die Verhandlungen über die Reparationslösung Weiter» geführt werden, da vor Mai mit Rücksicht auf die auf diesen Monat verschobenen französischen Kammerwah­len eine Rücksprache des Kanzlers/ytti dem französi­schen Ministerpräsidenten nicht in Betracht kommt. Wie groß die Schwierigkeiten auf diesem Gebiete sind, ergibt sich erst jetzt wieder aus den an anderer Stelle wiedergegebenen Aeußerungen des ftanzösischen Mi­nisterpräsidenten. Es wird also noch einerd intensi­ven diplomatischen Vorarbeit bedürfen, um die Basis für die Reparationskonferenz von Lausanne ausrei­chend vorzubereiten.

Das diplomatische Revirement wird übrigens nur etappenweise im Lause des Sommers durchgeführt werden. Ebenso hat man mit den viel besprochenen politischen Rückwirkungen der Preußen­mahl auf das Reichskabinebt wohl noch nicht so schnell zu rechnen. Vor Klärung der Reparations­fragen dürfte an einen Wechsel im Reichskanzleramt oder an die Bildung eines sogenannten Konzentra­tionskabinetts noch nicht zu denken sein.

th. Berlin, 26. März.

®ie politischen Osterferien werden nur von kurzer Dauer sein, und schon eine Woche nach dem Feste wird die Arbeit i« besonders lebhaftem Xempo wieder einsetzen, da die letzten Vorbereitungen für dle endgültige Wiederwahl des Reichs­präsidenten von Hindenburg getroffen »erben sollen. Der Kanzler, der sich gegenwärtig in Badenweiler aufhält, und mehrere Kabinettsmitglie­der werden sich auch diesmal wieder am Wahlkampfe beteiligen. Ma« erwartet mit aller Bestimmtheit baß das Ergebnis des 10. April das gleiche Resul­tat wie am 13. März bringen wird.

Was wirb in Preußen?

Wesentlich problematischer sind hie Aussichten für bie Neuwahl des Preußischen Landtages, die aller Voraussicht nach bas Enbe ber jetzigen Mehr­heit der Weimarer Koalition in Preußen bringen wirb. Die Oppositionsparteien der Rechten und ber Linken rechnen mit einem starken Stimmen­zuwachs. Sie werben bann, wenn ber ßanbtag einige Wochen nach bet Wahl zusammentritt, in ber Lage jein, bas Kabinett Braun durch ein Mißtrauens- aoium zum Rücktritt zu zwingen. Wenn es sich aber bann um bie Neuwahl eines Ministerprä­sidenten handelt, werben bie Oppositionsparteien wahrscheinlich ohne bie Kommunisten einen gemein­samen Ministerpräsibenten nicht aufstellen können, so baß ber erste Wahlgang wohl ergebnislos verlaufen wirb, weil bafür ähnlich wie bei ber Wahl bes Reichspräsibenten bie absolute Majorität erforberlich ist. Im zweiten Wahlgang wirb bann mit relativer Mehrheit ein Kompromißkanbibat zum Mi-- nisterpräsibenten gewählt werben. Dieser Minister- präsibent muß aHerbings bannt rechnen, baß er von der oppositionellen Mehrheit sofort «lieber ein Miß­trauensvotum erhält, aber es ist bann anzunehmen, daß er doch alsgeschästsfiihrender Ministerpräsident" im Amte bleibt.

Neben der Vorbereitung füt die verschiedenen Wahlen wird nach Ostern voraussichtlich die Arbeit auf finanzpolitischem Gebiete wieder intensiv einsetzen. Zunächst handelt es sich um die Ueberwindung des Ultimos, der noch jn die Osterwoche fällt. Die Vorarbeiten dafür find zwar zum größten Teile erledigt, und man hat den Eindruck, daß die wegen dieser Angelegenheit wiederholt geäußerte» Befürch­tungen sich nicht bestätigen werden. Jedenfalls dürfte der Ultimo im wesentlichen glatt überwunden wer­den, während die Steueteiitgnnge nach wie vor sehr zu wünsche« übrig lasten. Es fdjeint auch, daß das Reichssiuaazmiaisterium ohne größere Ope- ratioue« aus dem Gebiete der sogenannten Ueber- brückungskredfte ausgekommen ist, da man schon seit längerer Zeit zu sehr strengen Sparmethode« über­gegangen ist.

Oer neue Reichseiat

Nach dem 10. April wirb bas Reichskabinett zu­nächst ben Reichshaushaltsplan für 1931 verabschie­den unb ihn ben parlamentarischen Körperschaften zu­leiten. Eine Behanblung bes Etats im Reichstag kommt jeboch für ben von anberer Seite genannten Termin bes 12. Aprils natürlich noch nicht in Frage. Der Etat ist, wie dieser Tage gemelbet wurde, im Finanzministerium bereits ganz wesentlich, und zwar auf 8,5 Milliarden Mark herabgesetzt worben. Sein hervorstechenbstes Merkmal bürste barin liegen, baß keinerlei Summen mehr für Repara­tionszahlungen barin enthalten sein werben, obwohl bie Reparationsfrage noch ber onbermeitigen Regelung bebarf. Trotz bes Wegfalles biefer Be­lastung ist es selbstverständlich notroenbig, auch auf anberen Gebieten bie Reichsausgaben in Zukunft auf das Aeußerste einzuschränken. Was an Zinsen für dounganleihe, Dawesanleihe, sowie langfristige Aus- landskredite, für die sogenannte Mixeb Claimes, für bas belgische Markabkommen usw. zu zahlen ist, be­läuft sich außerhalb aller Reparationszahlungen ebenfalls auf eine runbe Poung-Annuität. So ist es kein Wunber, baß auch bie Belastungen aus bem Stillhalteabkommen zu größerer Sorge Anlaß geben, unb baß man mit möglichst baldigen zwangsläufigen Einschränkungen auf zahlreichen Gebieten rechnet.

Zu den Einschränkungsmaßnahmen auf innerpoli­tischem Gebiet werden seit langem besonders auch bie Bestrebungen nach einer sogenannten

Reichsreform

gezählt. Man forbert jetzt tn manchen politischen i Äreiien »achbrückl ich, baß im Laufe bes Sommers ( ernste Anstrengungen gemacht werben, zu bem j

Paris, 26. März. | Äm Verlause ber Aussprache im Senat am Freitag über den Haushalt des Außenministeriums sprach Ministerprästdent Tardieu über die Außenpolitik Frankreichs.

Tardieu ging dabei insbesondere aus die Repa- r a t i o n s p o l i t i k der französischen Regierung ein unb erklärte, baß ber jetzige Haushalt unter an­derem 1173 Millionen Franken als Ein­nahme post en aufweifen müsse, ber die Reparatio­nen darstelle, die Deutschland im Juli zu leisten habe. Wenn man diese Eintragung nicht gemacht hätte, so würde das einen Verzicht Frankreichs aus die deutschen Reparationen bedeutet haben.

Tardieu fuhr dann fort:Niemand hätte uns das verziehen. Möge der Himmel geben, daß die 1173 Millionen sich eines Tages in unserer Kaffe be- inben.

3 der Reparationsfrage ist Frankreich bereit, die freiwillig unterzeichneten Ver­träge den Verhältnissen anzupaffen. Es verweigert aber eine Mißachtung der Unterschrift. Das bedeutet, daß wir im kom­menden Juni zur Lausanner Konferenz gehen, nach­dem wir unseren Standpunkt dem der anderen Mächte, mit denen wir uns treffen werden, genä­hert haben. Wir werden aber entschloffen an un­terer Auffaffung festhalten, weil dies unfer Recht ist, und weil wir die Sicherheit von morgen auf die Unterschriften der Abkommen aufbauen wollen, die gestern getroffen worden sind und die wir deshalb nicht zerstören können.

Tardieu erklärte dann, baß die Verhandlungen über bie Schaffung der Donauföderation ei­nen befriedigenden Verlauf nähmen. Mit England habe Frankreich die Gewohnheit angenommen, auf reundschafttiche Weise zu verhandeln. Es fei not­wendig zwischen Frankreich und Italien, die letzten noch bestehenden Hindernisse aus dem Wege zu räu­men. Was die innerpolittsche Lage Frankreich an­gehe, so seien die Schwierigkeiten nicht so groß, daß sie nicht überwunden werden könnten.