Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 16. Mär;, 1932

rett' t

XVI.

dem bohi hohe Sh

aus denen er keinen Ausweg mehr wußte, so ist bei Eastman aller Wahrscheinlichkeit nach tiefe Mel

XV.

Abschied eines Ausgelöschten

,Lier stelle ich Ihnen einen Neuen vor, auch en Deutschen!" Mit weltmännischer Geste macht

einen Deutschen!

ii eine

Sie heutige Nummer umfaßt 12 Seiten

ag trflh eintreftend

RUckfi, SlcAc JkZßufr ML

w

kalter o n o u; laber; Sandel:

Ser-

...

onrad Sack f m an tt.

Das Wichtigste.

,F)b Sie es glauben oder nicht ich bin imstande Hundertmarkscheine so genau nachzumachen, daß der beste Fachmann sie nicht erkennen würde!"

Und warum tun Sie es nicht?"

Weil mir ein Modell fehlt!"

Sumonstische Elke

Endlich Ordnung.

Ein Mann aus Schottland

wollte in London Reklame-Ideen für fetn Kino sam­meln. In einer Seitenstraße entdeckte er an einem Kino dieses Plakat:

Personen über 80 Jahre haben ,reien Eintritt!"

Ohne stch weiter aufzubalten, fuhr er nach Hause und ließ über der Kaffe seines Kinos ein Schild an­dringen:

Personen über 80 Jahre in Begleitung ihrer Eltern haben freien Eintritt!"

Lob der Verkalkung

Aderverkalkung als Heilungsvorgang

Oh, jetzt habe ich aus Versehen meinen Kragen- knopf verschluckt!"

Na, dann weißt du ja endlich einmal, wo du ihn hast!" (Humorist")

Laboratorium, erfand selbst eine besondere Abart der Trockenplatte, zu deren eigener Fabrikation er schritt, betrat den Weg zum Erfolg von Riesenausmaßen aber erst mit seiner Erfindung des Zelluloid-Film­streifens. der eine Reihe von Aufnahmen hinterein-

Zwei Offiziere auf der Teufelsinsel

An einem tropischen Junitag des Jahres 1921 landen die Deportierten auf der Teufelsinsel. Sie werden in zwei Reihen aufgestellt, stillgestanden, Hände an der Hosennaht und ein feister Neger aus Martinique in bunter französischer Uniform pflanzt sich vor ihm auf. Es ist der Monsieur Mass-, der als Vizekommandant der Deportiertenkolonie eine Art halbmilitärischer Zwttterstellung einnimmt, teils Gendarmerieoffizier. tells Verwaltungsbeamter, vor allem aber Korruptionist uttb Menschenschinder. Die­ser Kolonialfranzose befiehlt nach einer kurzen An­sprache einen nach dem anderen der Deportierten in sein Bureau. Jedem einzelnen hält er eine Rede, in der es von den Worten: Reglement, Disziplin, Strafe nur so wimmelt. Jedes zweite Wort des feisten Negers aber heißt: Wir Franzosen!

Vicwrica hört sich mit verschränkten Armen und kaum unterdrückter Verachtung des uniformierten schwarzen Halbtiers das Gerede an. Der Vizekom-

AUF DIE TEUFELSINSEL, SPION!

DAS DOPPELLEBEN DES SENOR VICTORICA . VON RENI: KP.A"*-

ein 77°jahriges Leben se ohne tragische Größe sii Wozu noch warten?" Waren es bei Strenger wohl vor allem finanzielle Schwierigkeiten seines Wewrusts, . ... *t es

geheißen hat. Selbst den deutschen Mitgefangenen durfte er sich nie anvertrauen aus Angst vor Spitzeln und aus Sorge vor einem neuen Prozeß, der zum sicheren Todesurteil-geführt hätte. Jetzt ist es zu spät. Ihm bleibt wirllich nichts erspart.

Hier ist die Sammelstelle von zwanzig Depor­tierten, die nach der Teufelsinsel abgehen sollen. Ein paar Deutsche darunter, Elsässer, Luxemburger, Schweizer. Es ist sehr viel erträglicher in Caen als es früher war. Man kann rauchen, Karten spielen, man trägt ZtvtMeider, hat täglich Kaffee, Fleisch, Wein. Auf den Weinkonsum kommt es sogar sehr an. Denn der Wärter ist zugleich Agent für

Weinfirmn und sieht zu, daß das Arbeitseinkommen

Bücher und Zeitschriften

Ei» Bach über Ivar »rtuatr. <jn dieser Lösche iiu<6 wird der Drell Küssli-Berlag, Zürich und Leipzig, das von Tr. Alfred Marcus feit langem voLoereitet« Wert .Lieuger und Toll, als Wirtfchaftsftaar und Äcllmacht" berausüringen. Es wird an erster Stelle mit berufen fein. Licht in die in- ternationale Auswirkung von stieugerä Tod »n bringen, hebern es Fundamente, Entwicklung und Moglichkelten des Weltkoneerns klar und von neuen Gesichtspunkten aus be­leuchtet.

wände und verkalken. Darum ist ganz ähnlich roie z. S. kranke Lungenpartien durch Kalkablagerung ausheilen auch die Verkalkung der Adern keine Krankheit, sondern deren Gegenteil: ein Hei­lungsvorgang. Damit hängt es vielleicht zu­sammen, daß die Schlängelung der Schläfenarterien durchaus nicht das bedrohliche Zeichen ist, als wel­ches sie so gefürchtet wird, und Mömkeberg und spä­ter auch Wenckebach haben tatsächlich festgestellt, daß die Besitzer dieses Schönheitsfehlers länger leben als jene Arteriosklerotiker, die keine Schlängelung

Die lieben Freunde.

Ja, es ist ein Jammer mit dem alten Heine­mann. Seit er sein Vermögen verloren hat, will ihn die Hälfte seiner Freunde nicht mehr kennen!"

Und die andere Hälfte?"

Die weiß es noch nicht!"

Oie Flucht der Millionäre

Zum Freitod des Photokönigs Eastman

Kabeljau-Filet .......Pfd. 32»

Schellfisch ohne Kopf . Pfd- 36»

Utanft nttb Künstler" Anher dem geftern von uns Meiden Aufsatz Mar L»oermanns gegen Sunftvolltck des Direktors der Nanoualgalerle Ludwig Justi tsi oas Marr- Heft, gemäß der neuen Aufgabe der Zeitschrift, retd) an Polemik und kunftvoltttfchen Meinungsäußerungen. Karl Scheffler definiert den Begriff derNationalen äunft", Efraim Krisch den Begriff des ..Irrationalen" in der Sunit. Albert Lamm ickre.bt in Erwiderung des im letzten Heft erschienenen Artikels von Haus Meid nochmals über dos Wesen der Kunsthochschulen und Ser Münchner Maler Ri­chard Secmald untersuch! sehr ernst dieMöglichkeit der religiösen Malerei". Interessant find Erinnerungen an dre zeitgenösfische Kritik, die Planets t>auomerk empfing. .Däe Grenzen der Jllusron" nennt Alfred Neumever einen Auf­satz über Max Reinbardts Inszenierung vonHoffmanns Erzählungen" im Großen Schausvielbaus ,u Berlin.

bei Eastman aller Wahrscheinlichkeit nach tiefe Melan­cholie gewesen, unter der der schwer Zuckerkranke seit Jahren litt die ihm die erlösende Waffe in die Hand drückte.

Für immer unzertrennlich ist mit dem Tahinge­schiedenen das WortKodak" verbunden, das ihm, dem Erfinder, Wellruhm eingetragen hat. Ursprüng­lich ein kleiner amerikanischer Bankbeamter, der sich in Mußestunden begeistert der Leidenschaft der Ama­teurphotographie hingab, quittierte Eastman kurzer- band seine Stellung, als der Engländer Medox die Trockenplatte erfand, baute sich ein eigenes kleines

Ich habe gestern einen Hundertmarkschein ver­loren!" Ist er vielleicht gefunden worden?"

Nein, aber ein Zehnmarkschein wurde abgegeben!"

Ach, dann geben Sie mir doch den einstweilen als

Abzahlung!" s,,Pages Gaies")

der Auffe er in Caen den Ankömmling mit den alten Insassen bekannt.

Ja, ist das möglich? Da hört er ja deutsche Worte wieder! Hände strecken stch ihm entgegen. Er rührt stch nicht, er kann nicht antworten. Er ist durch neunundzwanzig Monate Einzelhaft fast ver­blödet. Langsam, ganz langsam, von den Schick­salsgefährten, die er hier trifft, geleitet, findet er zu den Menschen zurück.

Daß unsere moderne Zeit den gekrönten Häuptern nicht günstig ist, haben totrjett dem Jahre 1918 zahl­lose Riale erfahren. Seit Neuestem aber scheint auch für die ungekrönten Könige dieser Welt, die Trust­magnaten und Multimillionäre, das Leben von be­trächtlichen Bitterkeiten durchsetzt zu sein Bitter­keiten, denen sich in diesen Tagen gleich zwei dieser aen- und neidumspoilnenen Kaste durch die radi- fte Flucht, die dem Menschen offensteht, durch die Flucht in ein besseres Jenseits entzogen haben. Auch hier hat wieder die ost zitterte Duplizität der Ereig- niffe ihre Hand im Spiel gehabt. Noch deckte der kühle Rasen nicht die sterblichen Reste des Zundholzkönigs Ivar Kreuger, dessen selbstgewähltes Ende vor weni­gen Tagen Weltsensation erregte, als zu Rochester, im Staate Neuyork, ein andererKönig , der Photo­könig wie man ihn genannt hat George East­man zum Revolver griff und den Schlußpunkt hinter ein 77°jähriges Leben setzte mit den Worten, die nicht - -- L.nb;Meine Arbeit ist getan.

Zosef Löbel.

Leiden sind Lehren, sagt der Dichter: fe verbreite­ter die Leiden waren umso falscher muffen die Leh­ren, wenigstens in unserem Falle, gewesen sein. Denn kann man angesichts dieser Zahlen noch aufrecht er­halten, daß die Arterienverkalkung eine unbedingt fortschreitende und unheilbare Krankheit ist? Man kann es nicht, sagt Plesch: sie kommt zum Stillstand, ist im Frühstadium heilbar und später günstig zu be- einfluffen, sie kann eine Krankheit der jungen Leute, selbst der Kinder sein und braucht, wenn sie Greise befällt, überhaupt keine Krankheit zu sein. Sondern bloß eine Abnutzung. Und wie wir uns mit zuneh­menden Jahren an eine solche der Augen gewöhnen und uns mit ihr ohne Sorge abfinden, während wir eine aus anderen Ursachen entstandene Weitsichtigkeit als richtiges Leiden betrachten: so muffen wir auch unterscheiden zwischen, echter Arteriosklerose-Krankheit und harmlosem Nachlassen der Arterien durch den Ge­brauch. Ist doch dieser Gebrauch nicht immer der beste! So oft wir uns über einen Kollegen, über eine Frau, über die Börse aufregen und ärgern, steigt, wenn auch nur vorübergehend, der Blutdruck und dehnt und erweitert unsere Gefäße; und wenn wir fünfzig geworden und roenns köstlich gewesen, so ha­ben wir uns so oft aufgeregt und geärgert, daß un­sere Arterien dauernd erschlafft^ unelastisch, rissig ge­worden sind. In dieser Schwäche und Erschlaffung erblickt Plesch die eigentliche Schädigung und nennt sie Arterioatonie; lediglich um diese auszugleichen, um sie wieder gutzumachen, verdicken stch die Eesäß-

Berantwortlich für den politischen Teil: Dr. I y e 6h t: für das Feuilleton: German M. S für den lokalen Teil: Dr, Hani ffoachim E tür den öeimatteil: Rudolf ® IS f e r: für Dr. San» La nie aber g: für den Zvortteis b e r t v ei ch: Photo-Redakteur: (Ebuarb - Kessel: für Anzeigenteil: 8 c 2) £ ,.....

Berliner SLriftleiiuna- Dr Walter Tb u * . Ser.

MUX -i. H. "L»8"'W.K,'Ä-L"'K

XIV.

Höllenfahrt

durch Frankreichs Zuchthäuser

Deportation auf einen befestigten Platz bedeutet natürlich Teufelsinsel. Zum Unterfchicd von der einfachen Deportation, deren Opfer in Neu-Kaledo- nien, nordöstlich von Australien, in einem erträg­licheren Klima und etwas menschenwürdigerer Um­gebung ihrer Begnadigung entgegenhoffen dürfen. Wenn einer aber auf die Teufelsinsel verschickt wird, man weiß es, hat er verflucht wenig Aussich­ten, in diesem Leben noch frei zu kommen.

Für die Heimat ist er verschollen. Korrespon-> denz wird ihm verboten. Verbindungen irgendwel­cher Art gibt es in der Kriegszeit nicht. Mann über Bord.

Mit Untersuchungshaft ist nun Schluß. Er ist ein rechtskräftig aus der Menschheit Ausgestoßener. Das Haar ist gestutzt, er trägt Anstaltskleider, er darf keinerlei Besuch empfangen. Diese Behand­lung widerspräche in allen Punkten den Vorschriften. Denn die Vorschriften geben dem politisch Verur- teüten besondere Rechte. Insbesondere das Recht auf eigene Haartracht, auf Zivilkleidung, auf Kor­respondenz und auf Verkehr mit ihren Angehörigen. Schöne Gesetze, humane Gesetze, auf dem Briefbogen der Strafanstalt sind sogar die drei Worte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit aufgedruckt. Aber daß sich kein Mensch um diesen ganzen Humanitätsplunder kümmert, versteht sich von selbst.

Die Verurtellung erreicht Victorica im Kerker von Besancon. Nun wird er im Juni ins Zucht­haus von Fontefreault überführt. Es geht eben ein Verbrechertransport ab. Sie sind zu fünft aneinan­dergefesselt. Vicwrica links an einen Muttermör­der, rechts an einen Raubmörder. Die Fesseln schnei­den ins Fleisch, die ©lieber sind verrenkt, in der Stickluft der Transportwagen, da sie wie das Vieh in Käfige gestopft werden, kann keine Menschenlunge atmen. Im Zentralzuchthaus Fontefreault, das ein historisches Kloster ist, bädekergestirnt, ist er aus dem Kreis der Menschen völlig ausgelöscht. Er trägt eine Nummer auf dem Zwilchrock und diese Num­mer allein unterscheidet ihn von den anderen Be­stien im Käfig.

Es wird Herbst, es wird Winter. Den Gefange­nen frieren bte Glieder ab. Na, eine tüchtige Tracht Prügel wärmt sie wieder. Im November feiert das Zentralzuchthaus fein Freudenfest. Deutschland ist vernichtet, der Waffenstillstand ist geschloffen, höh­nen die Wärter dem Vicwrica ins Gesicht.

Er schwebt zwischen Himmel und Hölle. Die Ver­nichtung der Heimat ist für den, dem sie in fremden Zuchthäusern zum n. bischen Begriff wurde, ärger noch als Hölle. Aber Waffenstillstand das muß ja Freiheit heißen!

Freilassung? Herr Vicwrica belieben zu scher­zen! Jetzt soll die Marterfahrt ja erst beginnen. Es wird wieder Sommer. Im Juni transportieren sie ihn nach dem Zuchthaus Caen in der Norman­die.

ander ohne Plattenwechsel ermöglichte und darüber hinaus mit dem Aufstieg der Kinemawgraphie zu einer weltbeherrschenden Macht auf das Engste ver­knüpft ist.

In allen Tellen der Welt entstanden Untergesell­schaften der Eastman-Kodak-Gesellschast, die heute 25 000 Arbeiter beschäftigt und auch in Deutschland ihre Ableger hat.

Ans dem Höhepunkt seines Lebens soll Eastman ein Vermögen befeffen haben, das auf vierhundert bis fünfhundert Millionen Dollar eingeschätzt wurde.

In den letzten Jahren hat Eastman, einer der größ­ten Philantrophen der Neuen Welt, dieses Riesen­vermögen fast restlos an wohltätige und andere Stif­tungen verteilt: vor zwei Jahren hat er auch den Posten des Ausstchtsratsvorsttzenden der von ihm be­gründeten und nach ihm benannten Kodak-Gesellschaft niedergelegt.

Die stille Liebe feines Alters galt der Musik. Wohl kein europäischer Musiker von Namen ist nach den Vereinigten Staaten gekommen, der nicht eine Ein­ladung in (Safttitans stadtüberragendes Haus zu Ro­chester erhielt. Er selbst hielt sich die einzige kost­spielige Passion seines Lebens ein eigenes vor­treffliches Orchester. Den Tag schön und würdig zu beginnen, hatte er sich eine eigene Methode des Ge­wecktwerdens erfunden: sanfte Orgelhymnen scheuchten allmorgendlich den Schlaf von den Augen, die sich nun freiwillig zu einem Schlummer geschlos­sen haben, in den fortan selbst die seligsten Klänge nicht mehr weckend einzudringen vermögen...

Nach einem Hastprüfungstermin am Dienstag nachmittag wurde der Student Psleghaar, der im Verdacht des Diebstahls an dem Königsmantel von Hawai verhaftet wurde, aus der Hast wieder entlassen Psleghaar bleibt weiter des Diebstahls, zumindestens der Teilnahme am Diebstahl stark verdächtigt. Es ließen sich bis jetzt aber positive Tatbeweise gegen ihn nicht erbringen.

mandan Masse bat ihm diese Haltung später nicht vergessen. Er wird ihn feine Macht noch suhlen lassen.

Fünfzehn alte Freunde aus Caen, der erste Transport, der ein Jahr früher abgegangen ist, empfangen den Trupp, in dem auch Vicwrica an- tommt, in kameradschaftlicher Freude. Kaffee, Früchte, Tabak sind als Liebesgaben aufgebaut. Dtc Neuankömmlinge werden auf die einzelnen Häuser verteilt, Vicwrica zieht mit dem Kameraden Gilet zusammen einem Franzosen, der als Sprachlehrer in Basel für den deutschen Dienst gearbeitet hat. Daß dieser gute Kamerad ihn später wegen gering­fügiger Disziplinarvergehen verriet, ist nicht mehr als tropenüblich. Unter den alten eingesessenen Be­wohnern der Deportierten-Kolonie stammen drei aus der Vorkriegszeit. Ein grauhaariger Mann unter diesen, der ehemalige Marineleutnant Ulmo, ist jahrelang der einzige Bewohner der Teufelsinsel gewesen. In diesen Robinson-Erusoe-Jahren ist Ulmo vollwmmen vertiert. Als das Gespenst, zu dessen Wahnideen es gehört, sich immer noch Herr Leutnant titulieren zu lassen, ihm mit affenhaften Bewegungen und idiotischem Grinsen die Hand zum Willkommen schüttelt, schaudert Vicwrica, ein ner­venstarker Mann, der in fangen Zuchthausjahren seinen Verstand und seine Kraft behielt, vor diesem Schatten seiner eigenen Zukunft zurück.

(.Schluß folgt.)

der Gefangenen sich möglichst rafch in billigen Bpr- deaur und Burgunder umsetzt. Der vierte Atnwr, den «icwrtca m französischen Gefängnissen ver- brtogt vergeht etwas erträglicher als die Jahre vor­her. Im Mai teilt der Direktor der Herren poli­tischen Gefangenen mit: nun geht also endlich der Transport nach Cayennc ab. Victorica ist eine kleine Spur hoffnungsvoller. Er ist mit feinem Schwie­gervater in Spanien in Korrespondenz getreten. Er weiß, daß sein Sohn das deutsche Ghmnastum in Madrid besucht. Er bekommt Geld von seiner Fa- mUie, soviel er eben braucht, um Wärter zu be­stechen und Lebensmittel in der Kantine zu kaufen.

Dw Erde hat ihn wieder. Aber eben, da er wie­der allmählich in die Welt hineinwächst, geht er in die Verbannung.

Der Dampfer geht von der Insel St. Martin de Re ab. Dort, aus der Zitadelle, finbet sich, o holdes Gotteswunder, eine deutsche Kommission ein. Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher vom Ro­ten Kreuz sind damit betraut, in den französischen Zuchthäusern nach vergessenen deutschen Kriegsge­fangenen zu suchen.

Zwei Mann werden auf gerufen: der alte Spion Theissen und der junge Gerdum. Es gelingt den deutschen Geistlichen, diese zwei vom Dampfer der Deportierten herunterzubekommen. Freigelasfen werden sie jedoch noch lange nicht, aber die Teufelsinsel bleibt ihnen erspart.

Vicwrica wird nicht aufgerufen. Weiß ja nie- mand, daß auch er Deutfcher ist und einmal Bwtfch

zeigen.

Schon deshalb find alle Mittel zweckwidrig, die ben Kalk in der Arterie lösen sollen" und nur Un­vernunft kann auf den Gedanken kommen, b;n Kör­per von dieser seiner Schutzeinrichtung befreien zu wollen, die gleiche Unvernunft, der wir den Druck vor dem hoben Blutdruck verdanken. Ist doch auch der hohe Blutdruck eine notwendige Folgeerscheinung, eine Kompensationsvorrichtung für verloren gegangene Kräfte, ja das Leben des Arteriosklerotischen kann unter den veränderten zirkulatorischen Verhältnissen oft überhaupt nur durch die Vlutdrucksteigerung er­halten werden.Wer sie mit aller Gewalt herunter« zufttzen bestrebt ist, ohne vorerst ihre Ursachen zu be­kämpfen, begeht einen Kun st fehler genau so als wolle er bet einer Infektionskrankheit oas heilsame Fieber heruntersetzen."

Also keine Kunstfehler, bitte! Begnügen wir uns mit den Naturfehlern und seien wir froh, daß die Natur selbst aus ihren Fehlern Tugenden macht, daß ihr sogar die Verkalkung nicht zum Unheil dient, son­dern zum Teil, zum Hetlen!

Von Dr. Med.

Die Wahrheit ist ewig. Aber die Wahrheiten sind nichts weniger als ewig, und gerade in der Medien kann, was gestern galt, morgen wieder falsch sein. Deshalb ist es gut, von Zeit zu Zeit unsere Anschau­ungen zu revidieren, wie es für die Fragen der Ver­kalkung Professor Plesch in der Berliner medizinischen Gesellschaft tat; und es ist doppelt gut, daß dabei et­was herauskam, was erfreulich ist nicht nur für die Gesellschaft der Aerzte, sondern erst recht für die noch größere Gesellschaft der Patienten.

Denn zu lange schon, seit Virchow, herrschte die Lehre, daß das Altern von der Verkalkung herrührt und die Verkalkung vom Altern, daß jeder Mensch mit dem vierzigsten Jahre zu verkalken beginnt und damit nicht eher aufhört, als bis er . . . selber auf- hört. Aber seit Virchow hat sich manches ereignet, unter anderem ein Weltkrieg und mit ihm leider auch die Gelegenheit, ungezählte Gefallene zu untersuchen und bei ihnen überraschenderweise und als Sieben» befunb festzustellen, daß fast Zweidrittel dieser an­scheinend gesunden, kräftigen Soldaten arteriosklero- tlicke Veränderungen aufwiesen. So das geschieht am grünen Holze, was will am bürten werden? Wenn schon so zahlreiche junge Leute kranke Blutgefäße ha­ben, wie unendlich viele alte Menschen müssen oa an Verkalkung mit ihren Komplikationen und Folge- krankheiten sterben? Wie viele? Nach der sorgfältig­sten Statistik höchstens 5 bis 6 Prozent! Und all bte anderen? Es bleibt nichts übrig, als anzunehmen, daß die Arteriosklerose bei ihnen ausgeheUt sei.