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Kasseler Sport-Zeitung

Kasseler Neueste Nachrichten / Dienstag, 15. März 1932

Eishockey-Europameisterschaften haben begonnen

irm Berliner «portpalait nahmen am Montag die Kampre ,unedle Europameisterschaft im Eishockey ihren Be- ginn. Dre «viele werden bis zum nächsten Sonntag dauern, ncsehen die Mannichattcn von neun Nationen im tkamvi. Berrrcten sind neben Deutschland uird dem Titclncr- tcrüiger Oeitcrreich noch England, Frankreich, Schweden. Tschechoilowakei, Schweiz, Rumänien und Lettland.

Tschechoslowakei — Frankreich Id.

Auch das letzte Spiel des Tages zwischen T s ch e ch o s I o- w a k e i und Frankreich endete unentschieden 1:1 (0:0,. 0:0, Itl). Beide Mannschaften zeigten keine überragenden Leistungen.

England — Rumänien 1:0.

Bei gutem Besuch wurde das Eröffnungssviel zwischen England ungd Rumänien ausgetragen. Die Rumä­nen, die tat Eishockey säst noch Neulinge und, leisteten einen erstaunlich harten Widerstand und wurden nur knavv mit 1:0 (0:0, 1:0, 0:0) geschlagen.

Deutschland — Schweiz 1:1.

Im zweiten Svicl des Abends standen sich Deutsch­land und die Schweiz gegenüber. Es gab einen recht auireacuden Kampf, in dem di« deittsche Mannschaft sich schneller mit den Berhältnissen in der Halle abfand. Das Seiet endete 1:1 (1:0, 0:1, 0:0) obwohl die Deutschen meist im Vorteil ivaren und einen Sieg verdient hätten. Rudi Ball brachte die deutschen Karben in Front, doch glich im zweiten Drittel Toriani für die Schweiz aus. Im Schiunabschiritt drückte Deutschland zeitweilig stark, jedoch Eberle im Schweizer Tor war unübcrwiltölich.

Weingärtner-Offenbach

leitet das Spiel CSC. 03 — Kurhesfen.

Wie wir von zuverlässtger Seite erfahren, wird der aus« gezeichnete süddeutsche Schiedsrichter Weinaärtuer- Osfenbach das am nächsten Sonntag ftattfindende Kuhball­spiel Sportclub 03 — Kurhefsen leiten.

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Sport in der Heimat

Handball im Kulda-Eder-Gau

ost.

20. 3.

10. 4.

17

4

4.

eingereiht werden, da jeweilig eine der bis jetzt gemeldeten Mannschaften spielfrei bleibt.

Finanziell haben die Spiele insofern Bedeutung, als die erzielten Einnahmen jeweilig, wie bei Prioatspielen, unter die beiden spielenden Mannschasten verteilt werden.

Vierländerkampf im Gingen

Deutschland auf dem zweiten Platz / Schweden Gesamtsieger

Bor ausgezeichnet besuchtem Haus begann in Stockholm, der Vierländerkamvs im Ringen, an dem die Auswahl­mannschaften von Deutschland, Schweden, Ungarn und Est­land beteiligt waren, mit den Begegnungen Deutsch­land — Schweden und Ungarn—Estland. Etwas überraschend gelang es den deutschen.Vertretern, ihren favo- rifierten Gegnern eine knappe Niederlage von 4:3 Punkten beizubringen. Alle sieben Kämpse wurden nach Punkten ent­schieden. Mit dem gleichen Ergebnis von 4:3 war Ungarn über Estland erfolgreich. O. Zombori, Tasunady, Tunyoghi und Bado verhalfen den ungarischen Karben zum Siege.

Ungarn schlägt Deutschland 4:3.

Melsungen Sagend — Felsberg Sagend 4:1 (2:01. Mi Meiern «teo hat sich die Melsunger Jugend zum »weiten Male die G a u m e r st e r i ch a f t erkämpft.

'ÄÄnwÄr in Großalmerode eine

Gaatnrnansschnbütznug des Salda-Eder-Ganes. Sn der Sitzung des Gauturnausschusses, die in Beisesörth stattfand, wurde der Jahreoplan des Gaues festgelegt. Am 10. Avril wird der Gaugeländelaus und am 11. September außerdem ettt Herbitgeländelauf ausgetragen. Am 11. September wird neben dem Geländelauf ein Kamvfrichterlehrgang für Ge­räteturnen und volkstümliche Ueüungen durchgetührt. um einen tüchtigen Kampfrichterstamm heranzubilden.

Herbstgelänöelauf und Kampfrichterlehrgang werden in y re nfa ftottftn&en. Die ursprünglich geplanten Gau- volksturnkampfe müssen wegen Terminschwierigkeiten auS- iallen. ,im Herkit wird der Rückkampf int Geräteturnen Vvrschen Kulda-Eder-Gau und Gan Waldeck in Wabern ausgetragen. m.

Sportplatzbau im Kreise Kritzlar

,, An diesem Jahre entstehen trotz der ungünstigen wirt- fchamrchen Verhaltnine wiederum mehrere neue Sportplatz­anlagen im Kreise Fritzlar.

^?ndt Niedenstein bat bereits tm vergangenen Jabre mit dem Bau einer Badeanstalt und eines Svort- Ratzes bemnnen. Die Badeanstalt liegt im Tale der Wteho-i. Tas «chunmmbecken wird 36 m lang und 10 m breit. Ter «vortplatz wird unterhalb des Niedensteiner ßcnaut, wodurch allerdings 3800 cbm Erdben>egungen notis werden, nm eine Spielfläche von 85X65 m Größe su v X- gl v II •

, . In H o lz h a u s^e n entsteht am „Hahn" durch den Ar- beiter-Tuern- und «vonverein. dem von der Gemeinde Ge­lände zur Beriugung geitellt wurde, ein Sportplatz, der von den arbeitsloien Mitgliedern des Vereins erbaut wird.

b? rg ist vor allem durch den Turnverein eilt w? M^„°^Eiet worden der allen Ansprüchen genügt. Er liegt in unmittelbarer )!ache des L-chrmmmbadeö.

^utzvallklub 1920 un-ö Arbeiter-Turn- und

Vereine führen

* * *

Die deutsche Mannschaft batte als nächsten Gegner U n - g a r n, das einen sehr knappen 4:3 Sieg landen konnte.

Schweden stellt den Endsieg sicher.

Eine überraschend hohe Niederlage mußten mit 6:1 die favorisierten Ungarn dann gegen Schweden einstecken. Mit diesem Erfolg fiel der Sieg im Gesamtklasiement Schweden zu.

Deutschland — Estland 7:0.

Die letzte Begegnung des Turniers fand zwischen Deutsch­land und Estland statt und endete mit dem haushohen Sieg der Deutschen von 7:0. Damit rangiert die deutsche Staffel an »weiter Stelle vor Ungarn und Estland. 1. Schwe­den, 15 Siege. 2. Deutschland» 14 Siege. 3. Ungarn 9 Siege, 4. Estland 4 Siege.

m*lcra l*62 — Uttershausen 2:2. Nach ausgeglichenem väv durch t>cn ausgewerchten Platz ungünstig b^ein- ?»u^tr#rotUril%..cr6*?Ite ItttcreOaufen nur ein unentschiedenes Remltat. erur dte.G tappen at ei ft erfAaft kommen letzt nur UUershauicn und Ostheim in Frage.

»». »t.i..»... < Ol 4.0 (0.0). Erst nach der Pauie kann sich Geismar durchsetzen und 4 Tore werfen. — Wolfersbauieu-Tcme 1:3 (0:1). Wolfers- ü-4te gegen die ichwache Mannschaft von Fritzlar vei- 0'ltd eilt Sieg gegen Körle im Endspiel um die Ganmenterichatt der A-Klasse am nächsten Sonn­tag nach den gezeigten Leistungen schwer fallen. m.

_ 11 — Felsberg I. 1:4 (0:2). Die Felsberger

waren gezwungen, mit Ersatz nach Melsungen zu fahren. Ausichlaggeüenü tut den Sieg war die größere Kamvilraft der FeWderger und das beffere Schußvermögen des Gäste- uurmes.

Malsfeld I. — Elfersbaaleu I. 6:1 (4:0). Die Malsfel- ?,ct zeigten trotz des hohen Sieges keine überragenden Lei- ituitgen. Lediglich die größere Erfahrung brachte ihnen den Steg.

Die L-viele sind wie folgt angefetzt worden:

'' • Tura — Bar-Kochba, Sportel. 03 — SE. Guxhagen. KE. Guxhagen — Kurhessen. Sportelnb 03 — Tura. 4.ura — SE. Guxhagen, Kurhessen — Bar-Kochba. L-porielub 03 — Kar-Kochba, Kurhessen — Tura. SC. Guxhagen — Bar-Kochba, Kurt). — Sportel. 09.

Ws.

Gruppe Südhannover.

(wnntags und wegen der schlechten Ber- tatiung der Platze sind die Spiele VfB. Wibenhauien — (>>erinan:a One rode und VfB. Holzminden — Sv. V. Pe- ^gefallen Tas Spiel FE. Weende — Blau- "mgen brachte eine Ueberraschnng. Man hatte "ls sichere Sieger erwartet, doch gelang es Weende, trotz> zeiin-eiser Feldüberlegenheit der Gäste, diese mit 2:1 zu ichlaaen. VfB. N o r t b e i m — SE. Esch - roege wurde aß tNesellschastsspiel ausgetvageu und von den Northeimern mit 3:1 (2:0) gewonnen. G. H.

Waldeck. BsUutarfen II. - Eorbach 09 II.

. Tie ztoeite Mannichatt des Sportvereins 09 Eor- 6aa>, hat ihre Schwächeperiode noch nicht überwunden. Am «onntag weilte die Elf zum fälligen Verbandsspiel in Volk- marien. Nachdem das Spiel bis zur Pause noch 1:1 stand, klappte die Manntchait nach dem Wechsel vollkommen znsam- meit und mußte sich eine erhebliche Niederlage gefallen lassen. mr.

W S D.-Handballmeisterschaft

Die nächsten Termine.

20. 3.: Hagen 05 — Aachen VfB in Hagen. Polizei Bochum — Kuvterhütic Duisburg in Bochum.

„ 25. 3 : (Karßeitag): Aachen VfB — Pol. Bochum im Walditation Aachen. Alemannia Aachen — Pol. Dortmund tm Waldstadion Aachen. Ausrichter dieser Doppelveranftal- tung Schwarz-Rot Aachen,

28. 3.: (Ostermontag): Aachen VfB — Kuvserhütte Duis­burg im Waldstadion Aachen.

Fußball im Fulda-Eder-Gau.

Blau-Weiß Wabern — Rot-Weiß Homberg 0:6 (0:4). Wabern hatte die Mannschaften der 1. Bezirksklasfe, Rot- Weiß Homberg, zu Gaste. Die Hornberger führten ein tech­nisch schönes Spiel vor und hatten in ihrem Torwart einen überragenden Spieler. Wabern hatte 1 oder 2 Tore ver­dient, doch verpatzten die Stürmer viele gute Gelegenheiten. Weitere Ergebnifie: Rot-Weiß Homberg II — Arnsbach I. 3:1 (1:1) Holzhauien I. — Neukirchen 1. 1:1 (0:0). Holzhansen II. Rovversheim I. 0:1 10:01. R ngs- Haufen/Beiierbaus — Allmuthshausen 5:1 (3:1). Rengshau- ien/Beiserhaus II. — Allmuthshausen 11. 5:1. Sv. B. Rengshausen — Ober/Niederbeisheim 5:2 (3:1) Lender­scheid II. — Sv. B. Rengshausen II. 4:0 (2:0). Hg.

Fußball im 4. Bezirk (Fulda-Eder-Gau).

Jin Süden des Kreises Fritzlar haben sich diejenigen Vereine, die das Fußballsviel pflegen, zu einer Gruppe »u- fammengeschloffen. Angeregt wurde dieser Zusammenschluß durch den Turn- und Svielverein Jesberg, da seitens des Bezirks bisher noch keine maßgebenden Schrsttc unter« nomnten wurden. Ädach einem feiten Spielplan werden Sonntag für Sonntag Kreundschaftsfpiele ansgetragen. Die­ier „Kellerwaldarnvpe" gehören folgende Vereine an:

Gilfa. Zimmresrode, Römersberg, Hundshausen, Jes­berg, Tberurfs, 'Niederurff. Todenhausen. Baddenhausen, Sebbeterode und Moischeid.

Ergebnisse: Jesberg I — Gilsa I 0:5. Gilfa II — Nie­derurff 1:0. Römersberg — Moischeid 0:2. m.

Tennis-Termine

Senioren Meisterschaften vom 17.—21. August in Kaffel.

Das amtliche Organ des Deutschen Tennis-Bundes gibt jetzt die erste vorläufige Terminlist« für 1932 bekannt. Trotz der wirtschaftlichen Notzeit hat das Programm leine wesent­lichen Einbußen erlitten, im Gegenteil, an Berbandsturnie- ren ist sogar ein Zuwachs gegenüber dem vergangenen Jasir zu verzeichnen. Die wichtigsten Bundestermine sind folgende:

M e d e n s v i e l e: 1. und 2. Runde am 21. und 22. Mai, Vorschluß- und Schlußrunde am 17. und 18. September.

Die internationalen Merfterfchaften von Deutsch­land auf Hartpläben gelangen wiederum in den entert August-Tagen, und zwar vom 7. bis 14. August ht H a m>- burg zur Durchführung. Für die Meisterfchaftskäawf« der Junioren und Juniorinnen wurde der 8. bis 10. Julr und als Austragungsort Weimar bestimmt, während sich die Senioren, die am 1. Januar 1932 mindestens das 44. Lebensjahr vollendet haben mtisien, sich vom 17. bis 21. August in Kassel treffen.

In Braunschweig gehen dann schließlich vom 1. bis 4. September die Spiele um die deutschen Meisterschaften vor sich. Den Auftakt der Turniere macht vom 5. bis 8. Mai Wiesbaden mit feinen Meisterschaftskämpfen von Wiesbaden.

Radsport

Der Radfahrer-Tourenclub Kaffel 1895 e. 8. 1 schreibt uns:

Die Wintermonate sind vorüberOtud die Zett rückt näher, wo die Radfahrer wieder zur Geltung konrmen. Jetzt, wo die Sonne ein wenig wärmer scheint, rüsten auch die Rad­fahrer ihr Stahlroß.

So rüstet auch der Radsahrer-Tourenklnb Kaffel 1895 zur Fahrsaison 1932, die in diesem Jahr am 3. April ihren Anfang nimmt.

Der Klub wird auch in diesem Jahr feine Radwau- dervorfchläge mit Hilfe der ..Kasseler Neuesten Rach- richien" allen Gönnern und Radsportfreunden all­wöchentlich wie int uergaugeuen Jahr unterbreiten.

Wir empfehlen allen Freunden des Radsportes, unsere Rad-Wanderoorschläge, welche zum 1. Male in der Boche »um 1. Avril erscheinen werden, aufmerksam zu verfolgen und diejenigen, welche Interesse an unseren Fahrten hohe«, laden wir hiermit ein, sich uns anzufchließen. All-Herls

Radsahrer-Toureuelub Kassel 1895 «. B.

Zack Oempsey ausgepfiffen

weil er seine Sparring-Partner nicht k. o. schlug.

Im seinen Schaukämpfen in Cincinnati konnte Jack De m vse y nicht überzeugend genug schlagen und er wunde deshalb von oer Menge, die einen k. o. ihres Helden sehen wollte, ausgepfiffen. Tempsey schlug zwar seinen Svar- rtng-Partner groggy. doch konnten sie die Runden öurch- Itehen.

Fußball-Nachlese

Wallau ist Meister der Gruppe Lahn der

1. Bczirksklasse.

, Nun ist es endlich Tatsache geworden, der große Wurf tsi gelungen und 6er Wunsch aller Wallauer Fußball- anhänger ist in Erfüllung gegangen: W a l l a u i st M e i - U c r! Der Abschluß der Meisterschaftsspiele vollzog sich zwar weniger fchvn, denn B u tz 1> a ch I., das am Sonntag »um.letzten Meisterschaftskampf in Wallau antreten sollte, l'etz tetne (»attgeber und eine überaus zahlreiche Ziischauer- inenge im Stiche. So kamen die Punkte kampflos an Wal­lau, das uch nun trotz mannigfacher Enttäuschungen mit — »ortaufm - d Punkten Vorsprung vor dem Tabellenzweiten die Wurde eines Meisters erkämpit hat.

Der neugebackene fOteifter wartet übrigens für die Fol- aesett mit einem recht interessanten Programm auf. Er imelt am 20. 3. m Wallau gegen Germania Marburg I.

28-3. in Wallau gegen V. f. B. G i e ß c n I., am 3. 4. tn Wallau gegen die istadtmannschaft Marburg und am

Die freiwillige ^unde

der Handballspieler beginnt am 20. März.

Um die Zeit nach Abwicklung der Verbandsspiele einiger­maßen zu nutzen, sind freiwillige Spielrunden durch den W. T. B. angefetzt worden, an denen sich sämtliche I. Biannichaften beteiligen können. Damit die Spiele den nötigen Reiz für die Teilnehmer bekommen, ist vorgesehen, daß die Bczirkssieger aus diesen Runden als Pokal- meister im kommenden Jahre an den Spielen um die Meisterschait teilnehmen können. Allerdings muß die Wahl- veriammlung erst die Genehmigung hierzu geben.

Die Durchführung der Spiele erfolgt in Gruppen, genau wie bei den Meisterschaftsspielen: die Sieger der ein­zelnen Gritppen werden gegebenenfalls in einer Einrutiden- lerie den Pokalmeister ausspielen.

Siir die Gruppe Kassel des WSV. Koben sich bisher die Vereine Tvortelub 03, Kurbessen, Tura, Svortelub Gux­hagen und Tura gemeldet: voraussichtlich werden noch einige Meldungen folgen, die in die nachstehende Terminliste

Oer letzte Frühling

ROMAN VON GERTRUD VON BROCKDORF

?6' Fortsetzung Copyright by Carl Dundrer Verlag, Berlin

Auf einmal begreift Söderberg, was geschehen ist. Er läßt den Körper los, daß er zu Boden gleitet; er steht aufrecht mitten im Raum, von einem unaufhör­lichen Zittern geschüttelt.

„Ich habe es nicht gewollt — ich habe es nicht ge­wollt, murmelt er wieder. „Ich wollte die Briese — nur die Briefe."

Dann wird es wieder sehr still int Zimmer. Ein Auto näbert sich dem Hause; es fährt ganz langsam und scheint zu stoppen. Swppt es wirklich? — Ja — aber nicht hier, sondern vor dem Hanse gegenüber. Eine männliche und eine weibliche Stimme unter­halten sich laut und rücksichtslos. Die Frau wirft dem Manne vor, daß er falsch gefahren wäre. Sie belehrt ihn über allerlei Finessen in der Technik des Wagenlenkens, und Söderberg steht hinter dem Vor­hang und lauscht, als hinge sein Leben davon ab, je­des Wort zu verstehen.

Endlich sind die Stimmen verstummt. Der Wagen fährt weiter. Söderberg kehrt ins Zimmer zurück, das kleine Erlebnis hat ihm die innere «ammlung gegeben, deren er in diesem Augenblick bedarf. Es hat ihm die Größe der Gefahr gezeigt, hat ihm bewiesen, daß Handeln nötig ist.

Von nun an benimmt er sich wie ein Mensch, den Feueralarm aus dem Schlaf geschreckt hat und in dem angesichts der Katastrophe alle Energien auf einen einziges Punkt zusammenströmen.

Er nimnit Sabatzkvs Körper vom Boden aus und bettet ihn auf den Diwan, so daß man auf den ersten Blick meinen könnte, einen Schlafenden vor sich zu haben. Er zieht den Vorleger vor dem Schreibtisch fort und wirft ihn über die Leiche. Dann holt er eine Decke, um Sabatzkv einzuhüllen und zuletzt greift er nach der Kassette und schlägt sie langsam und umständ­lich wieder in das braune Papier.

Er tut dies alles, obne völlig zum Bewußtsein zu kommen. Er ist zum Beispiel später völlig außer­stande, sich darauf zu besinnen, ob er das Licht ge­löscht und das Haus verschlosien hat.

Aber die Kassette ist da. Sie steht neben ihm in dem gelben Wagen, der in rasendem Tempo den Weo zurückfährt, den er vor einer Stunde gekommen ist. Der Mond ist über den Schrebergärten aufgegangen, aber jetzt brennt kein Licht mehr in der Laube.

Södcrberg erreicht die Stadt und bringt den Wa­gen in der Garage unter.

Das Paket mit der Kassette nimmt er an sich.

Er denkt daran, nach Hause zu gehen, aber es ist undenkbar, jetzt Marthas großen tragenden Augen ;u begegnen.

Er taucht in das nächtliche Leben der Straße und

läßt sich treiben. Er findet sich später auf einer Sta­tion der Untergrundbahn und steigt in einen Zug der nach dem Osten fährt. Roch später wiederum sitzt er aus einer Bank im Tiergarten. Es fängt schon an hell zu werden, die Zweige schaukeln bläulich umrissen und mit schweren Tropfen behängt gegen den blaffen Dunst.

Söderberg sröstelt. Er sitzt zusammengekauert da, die Hände um das Knie gefaltet, und starrt mit bren­nenden Augen in das werdende Licht.

Es müßte eine Erlösung sein, wenn man jetzt weinen könnte!

Aber er kann nicht weinen!

20.

Martha liegt um diese Stunde auf dem Diwan des großen fremden Zimmers und wartet in steigen­der Angst auf Söderbergs Rückkehr. Sie hat eine Zeitlang geschlafen; sie ist von der Müdigkeit über­wältigt worden, aber jetzt ist es nicht mehr möglich, Schlaf zu finden. Die Straße draußen ist still, und so oft auf dem Pflaster das Geräusch eines sich nä­hernden Wagens lebendig wird, fängt Marthas Herz an zu klopfen. Aber alle Wagen fahren vorüber. Keiner hält vor dem Hause. Söderberg kehrt nicht zurück.

Marcha steht schließlich auf. Sie zieht die schweren Samtvorhänge zurück und sängt an, ihr Aeußeres vor dem Spiegel notdürftig herzurichten. Draußen be­ginnt der Werktag der Großstadt. Die Straße belebt sich mit Menschen, die sich an ihre Arbeit begeben. In der Wohnung find Schritte und von der Küche her riecht es nach Kaffee.

Martha wartet und wartet. Sie sitzt in dem gro­ßen Seffel und dämmert endlich trotz der blanken Sonne tm Zimmer noch einmal ein.

Ein Klingeln an der Korridortür schreckt sie in die Höhe. Kann das Söderberg fein? Rein, Söderberg hat gewiß einen Schlüssel.

Schlürfende Schritte im Korridor. Eine Frauen­stimme.

„Es tut mir leid, aber Herr Söderberg ist noch nicht aufgestanden."

Dann die Antwort. Knapp, herrisch und in einem Tonfalle, den Martha zu kennen meint, und der ihr Blut^stocken läßt:

„So wecken Sie ihn! Die Sache ist wichtig! Wir haben keine Zeit zu verlieren."

Klopfen an der Zimmertür.

„Herr Söderberg! Es ist jemand da, der Sie sprechen möchte, Herr Söderberg!"

Martba ist aufgesprungen und will ins Schlaf­zimmer stürzen, um sich dort zu verbergen, aber cs ist schon zu spät. Denn die Tür vom Korridor wird bereits langsam und vorsichtig ins Innere geschoben.

Eine Frau steht in ihrem Rahmen. Eine noch junge Frau in einem Schlafrock aus hellblauem Flausch, der am Halse offensteht und zahlreiche Flecke aufweist.

Die Frau ist blond und üppig. Die blinzelt aus

vörstehendeit bellen Augen mit einem Ausdruck von Verwirrung in den Sonnenstreifen, als wüßte sie sich Marthas Erscheinung nicht zu erklären.

„Herr Söderberg ist noch nicht zurück," beginnt Martha eine unsichere Erklärung. „Er hat mir ge­sagt, daß ich hier warten sollte. Er ist gestern abend mit dem Auto sortgefahren."

Die Frau hat den Kopf in den Rücken gelegt und mustert Martha mit einem seltsamen Blick von oben bis unten.

„Das ist eine komische Geschichte," sagt sie langsam. „Kommen Sie doch bitte mit nach draußen und geben Sie dem Herrn selbst Bescheid."

Sie öffnet die Tür und Martha weicht mit einem kleinen Laut der Ueberraschnng zurück. Denn der Herr, der da draußen steht und nach Söderberg ge­fragt hat, ist kein anderer als der Chausfeur Akunin.

Mehrere Sekunden lang stehen sie sich schweigend gegenüber. Dann sagt Akunin langsam:

„Es genügt mir auch so! Es genügt mir auch, daß ich Sie allein treffe, Fräulein Petroff —*

Akunin legt einen gewissen hämischen Nachdruck auf den Namen, der Martha erröten macht.

„Vielleicht sind Sie bereit, mir mitzuteilen, was aus Frau Hallanders Kaffette geworden ist, fährt Akunin fort. „Ich bin nämlich in der üblen Lage, Nachforschungen anzustellen und ich hoffe sehr, daß Sie mir dabei behilflich sein werden."

Martha steht im Koridor der fremden Mielswoh­nung, blendende Helligkeit flammt um sie in die Hohe, wächst und wächst, wird zu einer unerträglich sengen­den Glut.

„Frau — Hallanders — Kaffette?"

„Die Kaffette, in der Frau Hallanders Schmuck auf bewahrt wurde. Sie kennen sie doch, nicht wahr? Sie wissen auch, daß sie in dem eingelegten Schränk­chen aufbewabrt zu werden pflegte. Nun, dieses Schränkchen ist heute nacht erbrochen worden, und die Kassette ist verschwunden."

Akunin steht Martha fest an, aber Martha bricht unter diesem Blicke nicht zusammen, wie er es er­wartet hat. Marcha beißt die Zähne auseinander, daß sie knirschen und gibt nicht nach; denn Martha weiß, daß in diesem Augenblicke alles darauf ankommt, tapfer zu fein. Die brennende und sengende Hellig­keit ist noch um sie und mitten in ihrem Scheine steht Söderberg, die halbgeöffnete Kassette in der Hand, Söderberg, der sich für Frau Holländers Schmuck interessierte. Söderberg, der eine Spekulation vor­hatte, die um jeden Preis gelingen mußte. Söderberg der nach Amerika wollte, Söderberg, in dessen bluten­der Hand ein Holzsplitter steckte.

Die Bilder stürzen mit der Gewalt eines betäu­benden Schmerzens auf sie nieder. Dazwischen flat­tern andere: ein Waldweg, rostrote Stämme und ein schmaler Mond über schwarzen Baumkronen. Dann Morgensonne über blühenden Roggenfeldern und Lerchen in blauer Luft.

Nein, Marcha darf Söderberg nicht verraten. Viel­

leicht ist Söderberg bereits geflohen, und es handelt sich jetzt für ihn darum, Zeit zu gewinnen.

„Wissen Sie, was aus der Kassette geworden ist, Wera?"

Martha schweigt.

„Sie wissen es also!" sagt Akunin. „Ich muß Sie daher leider bitten, mich sofort zu Frau Holländer zu begleiten. Der Wagen wartet unten."

lieber Martha kommt plötzlich der Trotz der Ver­zweiflung.

„Warum zu Frau Hallander, Akunin? Warn» nicht lieber gleich zur Polizei?"

Hierauf weiß Akunin nicht gleich eine Antwort. Erst später int Wagen kommt er noch einmal auf Marthas Frage zurück.

„Frau Hollander wünscht ein Eingreifen der Poli­zei nach Möglichkeit zu vermeiden, Wera. Frau Hol­länder mochte Sie nicht unglücklich machen."

„Sie kann mich nicht unglücklicher machen, als ich jetzt schon bin. Ich fürchte mich nicht vor der Polizei, Akunin."

„Sie find sehr hartnäckig, Wera. Seien Sie doch vernünftig! Geben Sie die Kassette zurück und alles ist in Ordnung."

„Ich kann die Kassette nicht zurückgeben. Ich habe — ich habe den Schmuck nicht mehr in meinem Besttz."

„Es handelt sich nicht um den Schmuck," sagt Aku­nin mit schmalen Lippen. „Es handelt sich um ge- wiffe Papiere."

„Um was für Papiere?"

„Frau Hallander hat mir nichts Näheres anver­traut."

Daraufhin verstummt Akunin, und auch Martha bricht das Schweigen nicht mehr. Der Wagen fährt schon durch bekannte Straßen; dann kommt der Garten der Hallanderscheu Viva. Er erscheint sonderbar fremd mit seinen noch immer breit geöffneten Toren und den ausgebrannten farbigen Lampions an den Zweigen. Auch die Diele ist fremd — auch das Zim­mer.

Es ist nicht das Zimmer von Herrn Hallander, wie Martha vermutet bat. Es ist ein kleiner schmaler Raum mit grünen Möbeln und einem antiken Spinett, der sonst eigentlich niemals benutzt wird. Er hat den Vorzug, daß er nur eine emzige Tür besitzt und daß man hier so gut wie völlig ungestört ist. Marcha wird mehrere Minuten lang in diesem Raum alleingelassen. Sie hätte Zeit genug, sich auf ein Verhör vorzube­reiten, aber sie bereitet sich nicht vor. Sie ist ent- schloffen, die Schuld auf sich zu nehmen und Söder- berg zu retten. Mehr weiß ste nicht. Mehr hat auch nicht Raum in ihrem armen Kopfe. Sie wird Frau Holländer gegenübertreten uotd sich durch keine Dro­hung erschrecken kaffen. Sie wird nicht einmal durch die Gegenwart von Herrn HcAlonder in ihrem Vor­sätze wankend gemacht werden.

(Fortsetzung folgte