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Kummer 62*
Montag, 14. März 1932
22. Jahrgang
Erster Wahlgang ohne Entscheidung!
Hindenburg fehlen nur 170000 Stimmen an der absoluten Mehrheit / Hitler steht an zweiter Stelle / Kein weiterer Wahlgang erforderlich?
Das amtliche Ergebnis
Berlin, 14. März, 2 Llhr vormittags
. Oer Reichswahlleiter gibt um 2 Llhr nachts folgendes Resultat der gestrigen Reichspräsidentenwahl bekannt:
Ouesterberg: 2557876 (1930: 2,437 Millionen)
Hindenburg: 18661736 (1925:14,655 Millionen) Hitler: 11338 571 (1930: 6,406 Millionen)
Thälmann: 4982079 (1930: 4,590 Millionen)
Winter: 111470
Zersplittert waren 8645 Stimmen. Insgesamt wurden 37660377 Stimmen abgegeben. Hindenburg fehlten also an der absoluten Mehrheit von 18830189 Stimmen nur noch rund 170000 Stimmen.
Wahlkreis Heffen-Raffau
3m Wahlkreis 19 Hessen-Nassaus wurden bei der gestrigen Reichspräsidentenwahl an Stimmen abgegeben:
Ouesterberg: 63011 (1930: 44451)
Hindenburg: 737225 (1925: 546580)
Hitler: 510686 (1930: 284810)
Thälmann: 167171 (1930: 137178)
Winter: 2713
Wahlberechtigt: 1696 807. (gültig: 1481 060. Zersplittert 254.
Paris zur Reichspräsidentenwahl (Eigene Drahtmeldung.)
Gibt es eine« Ausweg?
) th Berlin, 14. März.
Bei der Bewertung des Ergebnisses der Präsiden- ienwahl muß man zwischen den Wirkungen dieses ersten Wahlganges auf die weitere Entwicklung der Präsidentschaftsfrage und den sonstigen politischen Folgen unterscheiden. . Sollte es »och zu einem zweiten Wahlgang kommen, der eventuell vermieden werden kann, so würde die endgültige Wahl Hindenburgs feststehen, nicht nur wegen des starken zahlenmäßigen Vorsprungs, den Hindenburg gewonnen hat, sondern auch im Hinblick auf gewisse psychologische Rückwirkungen, die ein derartiges Wahlergebnis auf die Wählerschaft zu haben pflegt. Bei einer großen Ueberlegenheit wenden sich erfahrungsgemäß zahlreiche Wähler dem erfolgreichen Kandidaten zu, und es wäre infolgedessen durchaus möglich, daß (insbesondere aus Beamtenkreisen) viele Wähler, die gestern noch nicht für Hindenburg gestimmt haben, im zweiten Wahlgang sicher für ihn stimmen würden.
Eine weitere Folge des gestrigen Wahlergebnisses liegt darin, daß
die Möglichkeit einer Entscheidung durch Hugenberg und feine GefolgsHast ausgeschaltet worden ist.
Die 2% Millionen Stimmen Duesterbergs können die Minderheit Hitlers nicht ausreichend vergrößern, um mit Hindenburg in Konkurrenz treten zu können, und Hindenburg braucht wiederum diese 2)4 Millionen nicht mehr, um seine Mehrheit sicher zu stellen. Man hatte bekanntlich vorher bereits mit großer Wahrscheinlichkeit darauf gerechnet, daß die politische Entscheidung nach dem ersten Wahlgang in die Hand Hugenbergs übergehen werde. Es wird sich nun um zweierlei handeln. Entweder einen zweiten Wahlgang noch formell durchzu führen, obwohl sein Ergebnis schon heute absolut feststeht, oder gerade wegen dieses Umstandes einen Ausweg zu suchen, auf dem man unter Vermeidung der überflüssigen Kosten dieses zweiten Wahlganges die Präsidentschaft Hindenburgs schon jetzt aus andere Weise endgültig erneuert. Dabei wird natürlich vor allem an eine
parlamentarische Erneuerung
der Amtsperiode Hindenburgs gedacht.
Ob sich aber die parlamentarische» Voraussetzungen dazu schaffe» lassen, ist im Augenblick noch nicht zu übersehen. Anders liegen die Dinge, wenn man die parlamentarischen Auswirkungen des Wahlergebnisses betrachtet. I» dieser Hinsicht muß vor allem berücksichtigt werden, daß die N a t i o n a l s o z i a l i- sten rund 80 Prozent Stimmen gegenüber dem 14. September 1930 gewonnen haben, und daß auch die «ommuntsten einen Zuwachs von rund 9 Proz. Lu verzeichnen haben. Tie Deutschnationalen sind in ihrem Bestände annähernd gleich geblieben. Aber aus dem Stimmenzuwachs der beide» großen Oppositionsparteien ergibt sich ganz von selbst ein entsprechender Stimmenrückgang der anderen Parteien. Für Hindenburg haben rund 18 660 000 Wähler gestimmt. Diese Zahl ist aber nicht etwa mit den Brüning- Parteien gleichzusetzen, denn in diese Zahl sind Landvolk und Deutsche Volkspartei eingeschlossen, die bekanntlich nicht zur Brüninggruppe gehören Die Oppositwn gegen Hindenburg hat gemeinsam 18850000 Stimmen aufgebracht. Dabei sind aber die Kommunisten eingerechnet, und wenn man deren Stimmen abzieht, so bleibt für die Opposition der Rechten die Zahl von 13,8 Millionen übrig Die Hin- denburggrupe ist als solche in der Minderheit aber die Mehrheit der Oppositwn ist nicht imstande,'einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen oder eine gemeinsame Regierung zu bilden, weil zu dem einen wie zu dem anderen Zwecke eine Zusammenarbeit mit dem Kommunisten schlechterdings unmöglich ist.
Daraus ergeben sich wichtige Schlüsse für die weitere
parlamentarische Entwicklung
mag es sich dabei nun um die Neuwahl des preußischen Landtages oder um eine eventuelle Neuwahl des Reichstags handeln. In einem solchen Parlament würden die bisherigen Regierungsmehrheiten nicht mehr vorhanden sein, aber auch die Opposition würde keine geschlossene Mehrheit darstellen; wenn sich das Zentrum nicht zur Mitwirkung an einer neuen, rechts gerichteten Regierung entschließt, werden lediglich Minderheitsregierungen in Frage kommen können. Das gilt sowohl für die bisherigen Re- Eierungstruppen im Reich und in Preußen, wie auch Mr die Oppositwn der Rechten, falls sie hier oder da zur Regierung gelangen sollte.
Paris, 14. März.
Die Präsidentenwahlen in Deutschland sind in Frankreich mit größter Aufmerksamkeit verfolgt worden. Der französische Rundfunk gab in bestimmten Abständen das jeweilige Teilergebnis, und auch die großen Blätter, wie „Excelsior" und „Petit Parisien" hatte ihre öffentlichen Jnforma- twnsbüros ausnahmsweise bis drei Uhr morgens geöffnet.
Die Pariser Frühpreffe ist allgemein in der Lage, in längeren Ausführungen zu dem Ergebnis Stellung zu nehmen. Der außenpolitische Berichterstatter des „Echo de Paris" erklärt, daß das Hauptmerkmal des Wahlsonntags darin bestehe, daß es dem Reichspräsidenten nur mit größter Mühe gelungen sei, den erste» Platz zu behaupten. Die Garantie gegenüber den revolutionären Parteien der äußersten Rechten und Linken sei demnach nur gering. Hitler bedeute die sofortige Gefahr, während das augenblickliche Regime für die Zukunft eine mindestens ebenso großeUnsgicherheitdar- stelle. Das Journal" erklärt, das Wahlergebnis beweise, daß sich kaum die Hälfte des deutschen Volkes bereit gefunden habe, um die augenblickliche Verfassung gutzuheißen und die Verträge anzuerken- nen, die in Europa Gesetzeskraft hätten. Wenn auch die Gewißheit bestehe, daß Hindenburg im zweiten Wahlgang Sieger sei, so ändere das nichts an Der Tatsache, daß mehr als 19 Millionen Menschen in Deutschland sich für eine Politik der Zerstörung der Verträge ausgesprochen hätten. Frankreich werde natürlich nicht die Naivität haben, von der Wiederwahl Hindenburgs eine Aenderung der deutschen Politik zu erwarten. Das Ziel, das der Sieger von Tannenberg verfolge, sei das gleiche wie dasjenige Hitlers.
Der „Petit Parisien" erklärt, daß das Wahlergebnis vom moralischen Swndpunkt aus für den Reichspräsidenten äußerst günstig gewesen fei und nicht verfehlen werde, die Wähler für den zweiten Wahlgang zu beeinflussen. Das „Oeuvre" stellt
fest, daß die Nationalsozialisten niemals bis zur augenblicklichen Macht gelangt wären, wenn eine Reichsregierung sie von vornherein energisch bekämpft hätte, anstatt sich mit ihnen einzulassen. Immerhin bleibe die Macht einer Partei, die mehr als 10 Millionen Wähler auf sich vereine, unvermindert bestehen. Leon Blum schreibt im sozialistischen „Po- pulaire", daß der republikanische Wahlerfolg in Deutschland einzig und allein den Sozialisten zu verdanken sei, die als die wahren Sieger des gestrigen Tages anzusehen seien. Die Niederlage Hitlers werde bei dem zweiten Wahlgang endgültig werden und der Alpdruck endlich verschwinden. Die radikalsozialistische „R e p u b l i q u e" ist der Auffassung, daß kein Grund für Frankreich vorhanden sei, zu sagen: „Alles ist verloren", wenn Hitler aus dem Wahlkampf als Sieger hervorgegangen wäre. Man habe lediglich das Recht, sich über das Wahlergebnis zu freuen, weil es die Hoffnung auf eine allgemeine Beruhigung offen lasse.
Schwerer politischer Zusammenstoß
Brauusberg (Ostpreußen), 14. März.
In den frühen Morgenstunden des Sonntags kam es zwischen neun Nationalsozialisten, die in Braunsberg mit dem Zuge ankamen, und Mitgliedern der Eisernen Front zu Zusammenstößen. Auf ein Signal erschienen etwa 120 bis 150 Eiserne Front-Leute, die auf die Nationalsozialisten mit Latten und Messern eindrangen. Der SS-Führer Frey erhielt drei schwere Messerstiche in Niere und Lunge. Der SA-Führer Saznick erhielt Messerstiche in einen Arm, wurde zu Boden geworfen und mit Füßen bearbeitet Durch einen Fußtritt gegen den Kopf wurde chm ein Ange so schwer verletzt, daß es entfernt werden muß. Die übrigen Natioiialsozialisten wurden gleichfalls durch Messerstiche verletzt.
Llm 170000 Stimmen
W. P. Optimisten hat es vor der Wahl überall gegeben, im Lager Hindenburgs ebenso gut tote in nationalsozialistischen Kreisen; auf beiden Seiten hat man gehofft, daß die Entscheidung über die Präsidentschaftswahl schon im ersten Wahlgang fallen würde. Aber auch wer sich nicht diesem Optimismus von vornherein verschrieben hatte, konnte auf Grund der gemeldete» Wahlresultate eine Zeitlang glauben, daß Hindenburg bereits diesmal das Rennen machen würde. Die Wahlkreise aus dem Westen und aus dem Süden meldeten mehrfach absolute Mehrheiten für Hindenburg, aber dann kamen Ergebnisse aus anderen Teilen des Reiches, die das Bild veränderten und die schließlich den Schlußstand herbeiführten: Mit rund 170 000 Stimmen ist Hindenburg hinter der absoluten Mehrheit zurückgeblieben, und wenn er auch immer noch einen Vorsprung von rund 7 Millionen Stimmen vor seinem schärfste» Widersacher Hitler hat, so ändert das doch nichts an der Tatsache, daß formell ein zweiter Wahlgang erforderlich ist. Denn bekanntlich ist ein Kandidat im erste» Wahlgang nur dann gewählt, wenn er mehr als die Hälfte aller (Stimmen auf sich vereint.
Arn 10. April wird also des deutsche Volk, wen» kein anderer Weg gesunden wird, »och einmal an die Wahlurne treten müssen. Man würde chm diesen Gang gern ersparen. Ihm sowohl als auch bet Negierung, auf die auf außen- und innenpolitischem Gebiete ein großes Quantum von dringenden Arbeiten wartet. Noch einmal würde die ganze Propagandamaschine In Gang gesetzt werden, noch einmal würde über ein Volk, dessen politische Leidenschaften schon ohnedies genug angefacht worden sind, eine Welle von Unruhe und Erregung niedergehen. Es hat keinen Zweck, jetzt über diese Entwicklung zu klagen. Aber mit aller Deutlichkeit muß doch festgestellt werden, daß die Kandidatur Winter über hunderttausend kostbare Stimmen gekostet hat; und zweifellos ist es ein betrübliches Zeichen, daß sich überhaupt soviel Wähler bereit gesunden haben, ihre Stimme für eine aussichtslose Sache abzugeben. Auch die Taktik der Kreise um Duesterberg, die schon vor der Wahl mancher Kritik ausgesetzt war, ist durch das Ergebnis gewiß nicht gerechtfertigt worden. Ueberraschend groß war jedoch, um ein Aktivnm dieser Wahl festzustellen, die Wahlbeteiligung. In gutunterrichteten Kreisen hatte man die Zahl der Wähler auf 36 Millionen geschätzt; die Schätzung ist durch die Wirklichkeit noch übertroffen worden, die Zahl von fast 38 Millionen beweist, daß das Gefühl von der entscheidenden Bedeutung dieser Wahl der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes aufgegangen war.
Kann man heute von Siegern und Besiegten reden? Paul von Hindenburg hatte bei der Aprilwahl des Jahres 1925 rund 14,650 Millionen (Stimmen erhalten, diesmal bekannten sich trotz mancher unpopulärer Maßnahmen, die der Reichspräsident während seiner Amtszeit treffen mußte, 18,6 Millionen Wähler zu ihm. Das bedeutet zweifellos einen starken moralischen Erfolg. Hitler hat seinen Wählerkreis gegenüber der Reichspräsidentenwahl um fast 5 Mill. Stimmen vergrößern können. Aber bei all diesen Ergebnissen muß man die stärkere Wahlbeteiligung gebührend berücksichtigen, und man wird dann zum Schluß kommen, daß in diesem Lager längst nicht alle Hoffnungen in Erfüllung gegangen sind. Wie sehr man sich auch im nationalsozialistischen Lager verschätzt hat, zeigt ein Interview, das Adolf Hitler vor der Wahl einem Vertreter der englischen Zeitung „Daily Expreß" gegeben hatte. Er hatte darin als seinen Tip angegeben, daß er selbst mehr als 12 Millionen erhalten werde, während Hindenburg unter der 12 Millio- nen-Grenze bleiben würde. Eine Ueberraschung des Wahlkampfes ist aber auch das Abschneiden der Kommunisten. Auch in bürgerliche» Kreisen hatte man nicht ohne Sorgen ein starkes Anschwellen der linksradikalen Wählermassen vorausgesagt; mit einem Plus von rund 840 000 Stimmen ist diese Steigerung jedoch in verhältnismäßig engen Grenzen geblieben. Und die Kandidatur Duesterberg? Sie hatte bekanntlich den taktischen Sinn, die Deutschnationale» und den Stahlhelm für etwaige zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang stattfindende Besprechungen verhandlungsfähig zu machen. Von Regierungsseite waren bereits vor der Wahl politische Geschäfte, die zur ^Übertragung der Duesterberg-Stimmen auf Hindenburg führen fottten, energisch abgelehnt worden. Tas Wahlresultat gibt ihr die Möglichkeit, ihre Ablehnung zu verwirklichen. Darüber hinaus sind bereits jetzt auf Grund des Wahlergebnisses Erwägungen im Gange, ob es nicht möglich sein wird, den zweiten Wahlgang, dessen Endergebnis unbedingt zu Gunsten Hindenburgs ausfallen wird, überhaupt zu vermeiden Die Frage einer parlamentarischen Erneuerung der Amtszeit Hindenburgs, die schon einmal diskutiert wurde, tritt erneut in den Vorder- I gründ. Ob freilich dieser Weg, der das deutsche Volk