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In Frankreich wurde ein Automobilist von einem Wachtposten erschossen; der Automobilist hatte, um seinen Weg abzukürzen, eine für den öffentlichen Verkehr verbotene Straße benutzt, die am Artillerie- Arsenal vorbeiführte und hatte dabei offenbar in­folge des Motorengeräusches den Anruf des Wacht­postens überhört.

Aus Zeitschriften

Sport im Bitt" widmet fein neues Heft der FrühiaHrL- modc. Die Seitenatmen den Tust der Narzissen, (Sern- lauft) einen und Marguerite», die man in Sitte und jirogen. Stoff und Muster der herrlichen Frühlings- und Somrner- klelüer verwebt findet. Da gibt es Jackenkleider aus Waschseide. Wolle und Leinen, eine ,Mdavsoüie in Blau" mit interessanten Remchöpfungen für Mantel und Nachmit­tagskleider: folgen Hüte zur Auswahl: Canotiers, Sappen und Schäferhüte. Sieben Filmstars äußern sich über ihre Ntode. Aus der Menge der reizend illustrierten übrigen Beiträge feien noch genannt: Handarbeiten und weißer Schmuck, Svortkleider, Blusen und Westen und besonders zii bemerken die Kleidung des Herrn im Wechsel der Tageszeit.

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Atlantis" wird in feinem Marzheft dem Goethejahr in ganz besonderer Weise gerecht. Zm Mittelpunkt des Hefte- siebt ein Aussatz von Wilhelm v. ScholzGoethe in der Schweiz" (mit 20 Abbildungen). Den Hauptreiz des Heftes bilden viele, teils selten gesehene Zeichnungen Goethes, darunter solche, die man fast geneigt wäre, einem modernen Künstler zuz»schreiben. In einer ZusammenstellungAus Goethes Schriften und Gesprächen^ sind prägnante Aus­sprüche über die verschiedensten Länder und Völker unserer Erde gesammelt. Kleine Wiedergaben aas de" chinesischen, russischen, hebräischen und türkischen Ausgabe desFaust" zeigen dessen Verbreitung über die ganze Welt. Viele Photos und Abbildungen von Landschaften, Menschen und .Kunstwerkenum Goethe" füllen das Seit. Fm Romattteil steht eine wunderschöne Novelle von Hugo von Hofmanus- thalDas Erlebnis des Marfckalls von Baffompierre", die auf einer von Goethe erzählten Novelle fußt.

Sonnabend, 12./Sonntag, 13. März 1932

Kasseler Neueste Nachrichten

Braun dementiert

_ .... Berlin, 12. März.

Der preußische Ministerpräsident Dr Braun hat der Nationalsozialistischen Zeitung in Essen folgende amtliche Entgegnung zugestellt: Wie ich bereits in einem in meinem Namen ergangenen Schreiben der Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums an die beiden großen Beamtenverbände festgestellt habe, ist es eine Unwahrheit, daß die preußische Staats- regierung eine neue Kürzung der Beamtengehäl- 1er plane. Ich erkläre hiermit ausdrücklich noch ein­mal, daß die Preußische Staatsregierung nicht an eine neue Gehaltssenkung für die preußischen Beam­ten denkt. Darüber hinaus bin ich von der Reichs­regierung ermächtigt, gleichzeitig zu erklären, daß auch diese keine Bcamtengehaltskürzung beabsichtigt. Nach diesen Feststellungen wird sich jede erneute Aufstellung der Behauptung von geplanten Gehaltskürzungen nach den Präsidentenwahlen als eine bewußte und nnhen-ip,-e Unwahrheit ebarakterifieren, gegen die mit den erforderlichen gesetzlichen Mitteln eingeschritten werden wird.

Weitere Zunahme

der Wohlfahrtserwerbslosen

Berlin, 12. März.

Während in der Arbeitslosenversicherung die Ar­beitslosenziffer bereits zu sinken beginnt und auch in der Krtsenfürsorge der Stillstand bald erreicht sein dürste, ist die Zahl der Woülfahrtserwerbslosen im Februar unaufhaltsam weiter gestiegen. Nach Mittei­lung des Deutschen Städtetages nahm in den Städten mit über 25 000 Einwohnern die Zahl der Wohl­fahrtserwerbslosen im Februar um weitere 71 0 00 $ u. Sie betrug Ende Februar 1268 000 (1197000 Ende Januar). Das entspricht einer Steige­rung im Februar um 6 v. H.

Simmets neuester Streich

Memel, 12. März.

Eine Memeler national-litauische Zeitung meldet: Der Präsident des Direktoriums, Simmat, hat den Landesrat T o l t s ch u s zum Mitglied d e s D i- rektoriums des Memelgebietes er- uannt." Diese Ernennung bedeutet eine vollkom­mene Brüskierung der Mehrheitsparteien, deren Ver­treter noch Mittwoch und Donnerstag mit Simmat über die Bildung des Direktoriums verhandelten. Dabei verschwieg er ihnen die von ihm bereits vor­genommene Ernennung des Landesrats Tolischus. Auch der Gouverneur hat dem Präsidenten des Land­tags über die Ernennung von Tolischus nichts ver­lauten lassen. Die Führer der Mehrheitsparteien haben Donnerstag nachmittag den Präsidenten Sim­mat, als er bei lhnen zu tveiteren Verhandlungen erschien, erklärt, daß sie mit ihm nicht verhandeln könnten.

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Die Juristen der vier Unterzeichnerstaaten des Memelabkommens haben Freitag endgültig einen Vorschlag für das Verfahren zur Regelung der Me­melfrage ausgearbeitet. Der Vorschlag wird der eng­lischen, stanzösischen, italienischen und japanischen Regierung übermittelt werden. Ueber den Inhalt des Vorschlages, der vorläufig noch strenq geheim gehalten wird, verlautet, daß eine Regelung der Me­melfrage durch Entfcheidung eines Einzelrichters und nicht durch den Haager Gerichtshof empfohlen wird. Di« Person des Schiedsrichters soll durch die beteiligten Regierungen bestimmt werden. Man nimmt an, daß die Entscheidung der vier Regierun­gen noch einige Tage in Anspruch nimmt.

Die Regierungen haben versagt!"

Frowein über die Krisis.

Paris, 12. März.

Der Verwallungsrat der Internationalen Han­delskammer hat in seiner gestrigen Sitzung Franz von Mendelssohn zum Ehrenpräsidenten und Herrn Abraham Frowein, Vorsitzender der deutschen Grup­pe, zum Präsidenten der Kammer ernannt. Die Vor­schläge wurden einstimmig angenommen.

Im Anschluß an die Wahl erstattete Frowein in seiner Eigenschaft als Präsident ein Referat über die allgemeine Wirtschaftslage. Er erklärte u. a.: Mit Ihnen allen stimme ich sicherlich überein, wenn ich auf das Entschiedenste alle die Angriffe zurück­weise, die die Krisis der letzten Jahre einzig und allein unserem Wirtschaftssystem, dem sogenannten kapitalistischen System der Gütererzeugung und -Ver­teilung zuschreiben. Mit Ihnen halte ich auch heute

noch dieses individualistische System der Gütererzeu­gung und -Verteilung für das beste.

Es ist nach meiner Ueberzeugung, so fuhr er fort, nicht Schuld unserer Wirtschaftsform, wenn es nicht gelungen ist, nach dem Kriege das richtige Funktionie­ren der so schwer erschütterten Weltwirtschaft wieder- berzustellcn. Es ist auch nicht Schuld der unter dieser Wirtschaftsform lebenden Menschen, es ist, lassen Sie es mich offen aussprechen, ein Versagen der Regierungen. In der heutigen Wirtschaft, so betonte der Redner, seien Transferierungen von Kriegsschulden und Reparationen unmöglich, nicht nur deshalb, weil der Gläubiger tn der einzigen Form, in der dies möglich wäre, nämlich durch die Annahme von Waren, nicht annehmen kann. Die Erledigung dieser Frage laste sich nicht mehr länger aufschieben. Aber, so fuhr Präsident Frowein fort, selbst mit der völligen Beseitigung der Kriegsschul­den und Reparationen sei noch lange nicht alles das geschehen, was geschehen müffe, um die Welt aus der jetzigen Krisis herauszuführen. Frowein verwies nun auf die Notwendigkeit einer Abrüstung, die zu­sammen mit der endgültigen Regelung der zwischen­staatlichen Schulden, der Bildung großer, nicht durch Zollinien getrennter Wirt­schaftsgebiete, der Rückkehr zu den Grundla­gen der individualistischen Form der Gütererzeugung und -Verteilung, seiner Ansicht nach die Welt schnell wieder zurückfiihren werde zu dem Wohlstand, wie er vor dem Kriege bestand.

Genf zum Fernost-Konflikt

Genf, 12. März.

Die Bölkerbundsversammlung, die nach der Sit­zung des Hauptausschustes zusammentrat, hat die

Aus aller Well

Attentat auf Bankdütttor von Giauß

Im letzten Augenblick vereitelt.

Berlin, 12. März.

Die Berliner Kriminalpolizei hat einen Mordan- schlag, der gegen den bisherigen Direktor der Deutschen Bank, von S t a u tz, in seiner Dahlemer Villa geplant war, im letzten Augenblick verhindert. Ein 38 Jahre alter Arbeitsloser wollte mit Komplizen den Bank­direktor in seiner Villa überfallen, ausplündern und ums Leben bringen.

Vor einigen Monaten hatte sich an den Schofför des Bankiers ein Mann herangemacht, der sich nach Einzelheiten der Lebensgcwohnheiten der Familie von Stauß erkundigte. Der Schofför, der sofort merkte, daß er ausgefragt werden sollte, war im Begriff, den Mann fcstnehmen zu lassen, als der Unbekannte die Slucht ergriff und entkam. Kurz nach diesem Vorfall urde Direktor von Stauß in seiner Dahlemer Villa mit Droh- und Erpresserbriefen überschüttet, denen er jedoch keinen besonderen Wert beimaß. Er begnügte sich damit, die Briefe den Bankdetektiven zu übergeben. Diesen gelang es bereits nach kurzer Zeit dem geheim­nisvollen Schreiber auf die Spur zu kommen. Jetzt würde der Mann dauernd beobachtet. In diesen Ta­gen jedoch erhielt das Raubdezernat des Berliner Po­lizeipräsidiums die Nachricht, daß auf Bankdirektor von Stauß ein Mordanschlag geplant war. Schon nach kurzer Zeit ermittelte die Polizei, daß der Organisator des geplanten Ueberfalls mit dem Schreiber der Er­presserbriefe identisch war. Er wurde aus dem Bett heraus verhaftet.

Aus Eisschollen abgeirieben

Fischerdrama in der Ostsee.

Helflngfokrs, 12. März.

Zur Zeit spielt sich an der finnischen Küste eine grausige Tragödie ab. Mehr als 700 finnische Fischer wurden mitsamt ihren Pferden und Schlitten, als sie sich beim Fischfang draußen auf dem Eise befanden, auf einer riesigen Eisscholle, die sich loslöste, ins offene Meer abgetrieben. Die große Scholle brach in der Nacht in mehrere Teile. Eine von diesen kleineren Schollen wurde an die Ostseeküste abgetrieben, wobei 49 Mann gerettet werden konnten.

Vorgestern stiegen zwei Flugzeuge von Helsingsors auf, um die Fischer mit Lebensmitteln zu versehen.

Entschließung über den chinesisch-ja­panischen K o n f l i k 1 mit 45 Stimmen bei zwei Enthaltungen, nämlich des Chinesen und des Japa­ners, angenommen.

Die Entschließung besagt im einzelnen: Es wird die Einsetzung eines Ausschusses von 19 Mitgliedern beschlossen, der die Regelung des chinesisch-japani­schen Konfliktes, weiter behandeln wird. Tiefer Aus­schuß hat der Bundesversammlung so bald wie mög­lich Bericht zu erstatten, daß die Feindseligkeiten ein­gestellt und die japanischen Truppen zurückgezogen worden sind. Die Zurückziehung der japanischen Truppen hat sich auch auf die Mandschurei zu erstrek- ken. Im Eventualfälle soll der Haager Gerichtshof um ein Gutachten angegangen werden.

Anerkennung der Mandschurei verschoben.

Der japanische Generalkonsul in Tschanlschun (Mandschurei) hat die Regierung Puji benachrichtigt, daß die Anerkennung des»mand­schurischen Staates auf unbestimmte Zett verscho- b e n worden fei. Der Sonderzug, in dem der japa­nische Oberbefehlshaber in der Mandschurei, General Honjo, von Tschangtschun, wo er an der Gründungs­feier der mandschurischen Republik teilgenommen hatte, nach Mulden zurückfuhr, wurde unterwegs von Chinesen angegriffen. Die Fahrgäste des Zuges be­fanden sich in äußerst gefährlicher Sage, bis eine Truppenabteilung eintraf. Nach heftigem Kampf wurden die Angreifer in die Flucht geschlagen.

Eine Batterie Feldgeschütze nebst Munitions- und Bagagewagen wurden in der Talsperre Maner bei Hirschberg in Schlesien gefunden, die gegenwärtig ab- gelasten wird. Man nimmt an, daß sie zu einer For­mation des oberschlesischen Grenzschutzes gehört hat.

Die Regierung entsandte den großen Staatseisbrecher Tarmo" zur Hilfe. Der Eisbrecher hatte gegen schwere Packeisbarrieren anzukämpfen. Dazu herrscht auf dem Meere Sturm und 20 Grad Frost, wodurch das Packeis sich stündlich verstärkt. Von den einzelnen treibenden Eisschollen konnten sich vier Gruppen von 29, 7, 20 und 50 Fischern auf verschiedene kleinere Fel- feninfeln retten. Ueber das Schicksal der übrigen 550 Fischer ist man in größter Besorgnis.

Lmdbergh verzweifeli

Seine Spur des entführten Kindes.

Hopewell, RI., 12. März.

Die Verzweiflung des Ehepaares Lindbergh wächst in dem Maße wie die Hilflosigkeit der Behörden. Augenblicklich scheint keine Spur vorhanden zu fein, die irgendwelche Aussicht bietet, zum Erfolg zu füh­ren. Dabei fehlt es keineswegs an Alarmnachrich­ten, die die Polizei immer von neuem in Bewegung setzen. So erklärt eine Frau aus Winnipeg in einem Brief an mehrere Zeitungen, daß das Baby in einer Hütte nahe der Farm Lindberghs verborgen gehalten werde.. Ob die Meldung, daß sich das Kind an Bord eines nach Bergen in Norwegen bestimmten Damp fers befinde, mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, muß abgewartet werden. Al Capone, der eine Gefängnis­strafe von elf Jahren wegen Nichtbezahlung feiner Einkommensteuer zu verbüßen hat, hat ein Ersuchen an die Bundesregierung gerichtet, freigelassen zu werden, damit er 'bei der-Suche nach dem Baby hel­fen- kann. - ;--t- 5 - - K

Kleine Chronik

Eine weise Entscheidung hat das Prager Oberste Verwaltungsgericht gefällt. Die überwiegend deutsche Stadt Neu-Titschein in Mähren darf dieGasse des 28. Oktober" (des Gedenktages der Republik) künftig­hin Schillerstraße nennen. Die Vorinstanzen hatten es ihr verboten. Das Oberste Gericht erklärte, ver­boten seien nur Namen von Personen, die eine der Tschechoslowakei feindliche Gesinnung gezeigt hätten. Das treffe bei Schiller nicht zu.

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Die volkstümliche Riesenschlange des Londoner Zoo wurde von einer Augenkrankheit befallen. Man mußte ihr ein Auge entfernen und ein Glasauge ein- setzen. Man befürchtet nur, daß das Kunstauge wie­der herausfällt, da Schlangen keine Augenlider ha­ben. Die Schlange ließ die Operation ruhig über sich ergehen.

Die heutige Nummer umW 26 Seiten

Verantwortlich für den polititoen Teil: Dr. Waller Pehnt: für das Feuilleton: German M. Vonan: für den lokalen Teil: Dr, Hans Joachim Glatze r: für den Seimatteil: Rudolf G l ä i e r: für Handel: Dr. Hans Lanaenberg: für den Sportteil: Her. b c rt Sveich: Photo-Redakteur: Eduard Schulz- Kef fel: für Anzeigenteil: Konrad Wachsman». Berliner Schriftleituna- Dr Walter Thum. Ber- lin SW. 68, Truck und Verlag: Kaifeler Neueste Nachrichten G. m. b. H.. Saffet Kölnische Straße 10.

Apothekendienst

Folgende Apotheken bähen morgen, Sonntag, geöffnet und in der darauffolgenden Woche Nachtdienst: Eugel-Aov- theke. Ob. Königirratze 21; Germania-Apotheke, Rothendit­mold, Wolfhagerstraßc 154; Greif-Avotheke. Orleausstr. 12; Herkules-Avotbeke, Wilb. Allee 278; Hirfch-Aooiheke. Markt- gasse 33; Sonnen-Apotheke. Hohenzollernstraße 8t 3

ich nicht irre, so war es gerade i und deshalb als überflüssig angesehen werden darf ästen über die Länge Wagner'- | und daß ihr die seit^mehr als einem Jahrhundert bc-

Stunden. Wenn ich mii

zeugte Staatliche Fürsorge unter allen Umständen erhalten bleiben mutz. Es wird in dem Brief darauf hiugewiesen, daß die deutlich wahrnehmbare Staats­verdrossenheit der an den Dingen der Kunst beteilig«

Kurt Weill, der am mei; _____ _ . _ _

scher Opernwerke entrüstet war. Aber was bedeu­tet Richard Wagner selbstverständlich gegenüber der Größe" eines Kurt Weill, dessen künstlerische Stürn- perhastigkeit von der Mode auf den Thron der Zeit

Im Hinblick ans die drohende Schließung des Ber­liner StaaUichen Schauspielhauses, wendet sich jetzt de- Vorstand des Verbandes der Berliner Theater- Kritiker an den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun mtt einem öffentlichen Schreiben, das eine Kundgebung für die Erhaltung des Staatstheaters enthält. In der Ausschaltung der Staats-Bühne, ge­rade in einer Zeit der Gefährdung künstlerischer Kul- .tur, weist der Verband Berliner Theater-Krittker dar­auf hin, daß die dramatische Kunst nicht als Luxus

ten Kreise eine wettere Steigerung erfahren würde, wenn ein Zentralpunkt, wie ihn das Staats-Theater noch immer darstellt, aus dem öffenttichen Leben ver­schwindet. Die Zahl der ernst zu nehmenden Sckmn- gielbühnen in Berlin ist zusammengeschmolzen. Viele ühnen im Reich werden geschlossen. Es steht außer Frage, daß die Schlleßung des Staatlichen Schauspiel- - Hauses ' von vielen Landes- und Stadtverwaltungen

als ein Signal ausgefaßt werden würde, auch ihre Bühnen abzustoßen oder zuzusperren.

Berlin, 12. März.

Ein Bauer findet in einem gekauften Sack voll Spreu einen Schatz. Gehört ihm nun das gefundene Geld? Ober bletvt es oas Eigentum des Mannes, der ihm die Spreu verkauft Hal? Richterliche Groß­mut entscheidet: Verheiratet eure Kinder miteinander und gebt ihnen den gefundenen Schatz zur Hochzeits­gabe. Aber die machthaberische Gewalt fällt folgen­den grausamen Richlerjpruch: Ihr seid beide im Un­recht und verdient eine Strafe, während das Geld dem Staate verfällt. Das ist der Inhalt einer klei­nen Parabel von Herder, die Caspar Reher feinem Libretw zu WeillsBürgschaft" zugrundelegt. Aber Kurt Weill begnügt sich nicht mit den Anregungen, die Herders Vorlage bietet. Er entstellt den Sinn der Parabel, indem er die Macht des Besitzes in den Vordergrund rückt, den Gegensatz zwischen Kapital und Armut verschärft und den Menschen zu einem willen­losen Spielzeug der Verhältnisse erniedrigt, getreu dem Motto:Es ändert sich nicht der Mensch. Es sind die Verhältnisse, die seine Haltung verändern". Und so sehen wir, wie die beiden Bauern unter dem Einfluß des Geldes ihren Charakter wechseln, wie sie aus Freunden zu erbitterten Feinden werden, die sich gegenseitig verraten. Aus kleinen Händlern werden sie zu Kriegsgewinnlern, die das Volk aussaugen und berauben, richterliche Güte weicht der brutalen Ge­walt ans der sie beide ihren Nutzen ziehen, um schließlich der rächenden Macht des Volkes zu versallen In durchsichtig einseitiger Tendenz spielt das Libretto auf jünafte Zeitbegebenheiten an und gipfelt in einer Darstellung des Klassenkampfes, tn der sich Reichtum und Armut unversönlich gegenüberstehen. In den vier Stationen: Krieg, Teuerung. Hunger und Krank­heit werden verbrecherische Jnitinkte wach, und die Machtäußerungen des Proletariats erringen den Sieg über den Kapitalismus

Eine derartige Tendenz blieb der Herderschen Pa­rabel fern, und die ungeschickte, unlogische, dramatisch

erhoben wird!

In dem Intendanten Carl Ebert hat Kurt Weill den verständnisvollen Bundesgenossen gefunden, der es sich nicht nehmen ließ, diese Dreigroschen-Bürg­schaft mit simpelsten Mitteln und namentlich mit kindlichen Projektionen auszustatten. Schade um den Einsatz guter Kräfte wie Hans Reinmar. Charlotte Müller, Wilhelm Rode und Joses Burgwinkel um nur die wichtigsten hervorzuheben. Die Bühnenbilder stellte der Textdichter Caspar Reher, die musikalische Leitung hatte Fritz Stiedry , am besten waren die von Hermann Lüddecke einstudierten Chöre. Es war ein verlorener Abend, lieber den Mißerfolg konnten auch die krampfhaften Beifallsdemonstrationen der Unentwegten nicht Hinwegtäuschen. Die Städtische Oper hat einen Kurs genommen, der zu schweren Bedenken Anlaß gibt. Es zeugt von organisatorischer Verantwormngslosigkeit, wenn ein für die Allgemein­heit bestimmtes Institut zu einer Experimentierbühne für eine Clique degradiert wird.

Dr. Fritz Stege.

Ausgrabung der ältesten Landkarte der Well. Bei den amerikanischen Ausgrabungen für die Harvard-Uni­versität, die die Freilegung des alten Ruzi in Irak, 200 Meilen nördlich von Babylon, zum Ziel haben, wurde die älteste Landkarte der Welt gesunden, deren Alter auf 4000 Jahre geschätzt wird. Durch einen Zufall wurde die Karte 200 Fuß unter der Erdober­fläche entdeckt und konnte erst nach fünfwöchigem Trocknen entziffert werden. Wie der Leiter der Aus­grabungen mitteilt, ist die Karte so klein, daß man sie in einer Hand hatten kann und gibt eine Darstellung der Gartenanlagen eines offenbar sehr reichen Mannes.

Die Preisverteilung im Wettbewerb für den Sowjet» Palast. Für den Wettbewerb des neu zu errichten­den Sowiet-Palastes in Moskau, hat über die einge­laufenen 272 Projekte nunmehr eine Preisverteilung stattgefunden. Die Preise wurden ausschließlich rus­sischen Architekten zuerkannt. Die Arbeiten der deut­schen Architekten Mendelssohn, Poelzig, Gropius, Ur­ban und der Entwurf des französischen Architekten Le Corbusier, sind auf die Liste der für die Erwer­bung nicht prämiierten Projekte gesetzt worden. Der endgültige Entwurf für Den Palast der Sowjets soll nun von einzelnen hervorragenden Architekten aus­gearbeitet werden.

schwache Anlage des Textbuches verrät den deutlichen Willen Der Autoren einer ungeeigneten dichterischen Idee Die Einseitigkeit einer sozialistischen Tendenz gewaltsam aufzuzwingen. Die verwerfliche Moral vom Menschen, der lediglich ein Produkt feiner Ver­hältnisse ist, entspricht dem Wettanschauungskreis, dem dieDreigroschen-Oper" undMahagonity" ent­wachsen sind, und ganz besonders abstoßend ist die Szene, in der die Frau des Bauern stirbt, während sich ihre Tochter zu Tangoklängen im Tanze dreht. Ein derart'moralischer Tiefstand wie in dieserBürg­schaft" ist in der bisherigen Opernprodüktion kaum je erreicht worden. Bedauerlich genug, daß deutsche Opernbühnen sich zur Verbreitung derartiger tenden­ziös politischer Machwerke hergeben.

In dieserBürgschaft" kehrte Weill zur Opern­form zurück, ohne aber mit dem Songstil restlos zu brechen. Er verschmilzt ihn mit vorwiegend rezt- tativisch gehaltenen Ensembles, Arien und Chören. Weill, der sich von der Kunstoper bewußt abwendet, verschmäht es doch nicht, den reflektierenden Chor nach antikem Vorbild dem Sttawinsky'schenOedi- Pns Rex" und dem Milhaud'schenColumbus" zu entlehnen. Er verzichtet auch nicht darauf, Anleihen bei I. S. Bach (in der Szene auf dem Flusse) zu machen, wenn es ihm notwendig erscheint. Was aber an eigenen Erfindungen übrig bleibt, ist so kläglich, daß sich vom zweiten Att an eine gähnende Lange­weile einstellt. Um sich die Opernform dienstbar zu machen, dafür fehlen dem Komponisten alle schöpferi­schen Voraussetzungen. Die Primitive Art seines Stils mit rezitattvisch einförmigen Melodiefloskeln und eintönig hämmernden öden Rhythmen wirkt auf die Tauer einschläfernd. Die unnötigerweise durch Lautsprecher verstärkte Lärmentfattung bleibt ein Ge­räusch dem jeder gehaltvolle Sinn fehlt. Sind int ersten Akt noch einige dramatisch wirksame Monwnte zu erkennen, so fällt der zweite Teil vollständig ab. L Die Aufführuna beansprucht einen Zeitraum von vier I

Gegen Theater- und Kulturabbau

Kundgebung der Berliner Theater- Arktik e r.

Kurl Weills neue OperOie Bürgschaft"

Uraufführung in der Berliner Städtischen Oper.

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