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Kummer 5g*

Donnerstag, 10. März 1932

22. Jahrgang

Oer Wahlkampf auf seinem Höhepunkt

Seuie abend spricht Reichspräsident non Hindenburg im Rundfunk / zlugblätterregen über »er Reichshauptstadt / Kleine Entente und Tardieuplan

Alle Propagandamittel eingesetzt!

Von unserer Berliner Schriftleitung.

- tl>. Berlin, io. März.

Der Wahlkampf ist jetzt auch in Berlin ent­schieden auf seinem Höhepunkt angelangt. Alle Propagaudamittel werde» sowohl von de» Bereinig tcn Hindenburgausschüssen, als auch von den Vertre­tern der anderen Kandidaturen in stärkstei» Ausmaße angewendet.

Auch die Flugzeugpropaganda hat in Ber­lin eingesetzt. (Siehe auch den ArtikelBerlin im Wahlfieber!") Der Reichsverkehrsminister hat der Deutschen Lufthansa die Genehmigung erteilt, ihre Maschinen, soweit sie nicht zum Streckendienst gebraucht werden, auf Anordnung in den Dienst der Wahlpropaganda zu stellen und zwar zum Zwecke des Abwurfes von Flugblättern. Diese Erlaubnis ist auf die Zeit vom gestrigen M i t t w o ch bis zum S o n n- a b e n d begrenzt; die Hindenburgansschüsse haben be­reits gestern von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und haben gestern nachmittag mehrere Flugzeuge über Berlin kreuzen lassen, die Millionen von Flugblätter» abgeworfen haben.

Selbstverständlich werden auch die sonst üblichen Methoden der Wahlpropaganda in stärkstem Maße an- »ctoendet. So sind vor allem die Rationatfo- z i a l i st e n außerordentlich rührig in der Verteilung von Flugblättern und Handzetteln, die von ihnen in alle Häuser und Wohnungen gebracht werden. Auch Versammlungen unter freiem Himmel sind jetzt wieder zugelaffen und nachdem bereits am Dienstag die Kommunisten einen Aufmarsch im Lust­garten vollzogen hatten, sind gestern die National­sozialisten zu einer gleichen Versammlung an der­selben Stelle zusammengekommen. Auch diese Riesen­versammlung verlief vollkommen ruhig und ohne Störungen und dann formierten sich drei große Züge der Demonstranten, die nach verschiedenen Richtungen der Stadt auseinandermarschierten und sich dann ohne weitere Zwischenfälle auflösten.

Heute abend wird der Kommunist Thälmann im Sportpalast sprechen und für F r e i t a g abend ist derselbe Raum für den Reichskanzler reserviert, der dann gemeinsam mit dem Grafen Westarp und dem Abgeordneten Gereke namens der Hindenburg- ausschüffe sprechen wird. Der Kanzler beabsichtigt da­bei, in seiner Propagandarede für Hindenburg auch daran zu erinnern, daß das von der Verfaffung ge­gebene Wahlrecht zugleich eine moralischeWa hl- pflicht in sich schließt.

Heute abend 7,30 Uhr findet die wiederholt angekün­digte Rundfunkrede Hindenburgs statt.

Die Gerüchte, daß der Termin verlegt werden könnte, haben sich als unzutreffend herausgestellt. Damit die­jenigen Rundfunkhörer, die heute abend 7,3g Uhr nicht in der Lage sind, die Rede des Reichspräsiden­

ten mit anzuhören, trotzdem die Möglichkeit dazu er­halten, wird die Rede a u f S ch a l l P l a t t e n auf­genommen werden und von dieser Schallplatten- übertragung wird am Freitag und Sonnabend noch einmal eine Rundfunkwiedergabe zu anderer Zeit veranstaltet. Der genaue Termin der beiden Wieder­holungen der Hindenburgansprache wird noch bekannt gegeben.

Der Reichspräsident beabsichtigt, in dieser Ansprache eine Art Rechenschaftsbericht über die sieben Jahre seiner Amtstätigkeit zu geben. Selbst­verständlich wird er sich von jeder Parteipolitik dabei vollkommen fernhallen.

Von den zahlreichen neuen Kundgebungen, die im Rahmen des Wahlkampfes Tag für Tag erlassen wer­den, ist heute ein Aufruf des preußischen Minister­präsidenten Otto Braun von Jntereffe, der imVor­wärts" mit der UeberschriftIch wähle Hindenburg" veröffentlicht wird. Braun geht von der Auffassung aus, daß bei den Landtagswahlen Gelegenheit sein wird, für die sozialdemokratische Politik einzu­treten. Die Wahl eines Sozialdemokraten zum Prä­sidenten sei angesichts der Politik der Kommunisten unmöglich.

Die Schatzungen oes vorausstchtlickzen Wuqiergevnisses gehen in parteipolitischen Kreisen außerordent­lich weit a u se i na n d e r. Man geht im allge­meinen übereinstimmend von der Auffassung aus, daß von den etwa 43T/2 Millionen Stimmberechtigten, die man am 13. März zählen dürfte, rund 36 Millionen sich an der Wahl beteiligen werden, was schon einem Ziemlich hohen Prozentsatz der Wahlbeteiligung ent­spricht. Wie sich aber diese 36 Millionen Stimmen auf die vier in Betracht kommenden Kandidaten (Hin­denburg, Hitler, Thälmann und Dnesterberg verteile» werde», darüber geben die Auffassungen, wie gesagt, sehr weit auseinander.

Or. Vogler dementiert

Berlin, 10. März.

In einer vertraulichen Pressebesprechung des Kampfblocks Schwarz-Weiß-Rot erörterte der deutsch- nationale Reichstagsabgeordnete Schmidt-Hanno­ver die Möglichkeit eines zweiten Wahlgangs bei der Reichspräsidentenwahl. Hierfür käme eventuell eme Einheitskandidatur in Frage. Schon bei den Verhandlungen über den ersten Wahlgang seien Ge­neraldirektor V ö g l e r vom Stahlverein und P r i n z Oskar von Preußen Kandidaten gewesen.

Hierzu erhält ein Berliner Nachrichtenbüro von einer Herrn Dr. Vögler nahestehenden Seite die Aus­kunft, daß diesen Nachrichten nichts Substantiiertes zugrunde liege. Dr. Vogler sei weder befragt, noch sei ihm eine Kandidatur je angetragen worden.

Berlin im:

ahlfieber /

Von Rens Kraus

Das nachfolgenSe Stimmungsbild, bas uitfer Mit­arbeiter Ren« Kraus entwirft, ergänzt bie Meldung unterer Berliner -chnftlettung in interessanter Weife: Es ist das erste Mal. daß Berlin eine ernste Sache ernst nimmt Die glücklicheren Zeiten sind vorbei, da man sich den höchst unpreußischen Luxus leisten konn­te. die Begriffe von Wichtig und Unwichtig in ihr Gegenteil zu verkehren. Daß Schmelings triumphale Heimkehr bedeutsamer war als die Schicksalsfragen der Nation wielange ist das her? Eine Ewigkeit liegt dazwischen: die Bankenkrise und was wir seit dem letzten Sommer sonst noch an Annehmlichkeiten erlitten haben. Seitdem ist von Berlin, dem wandel­baren, der Stadt mit den tausend Gesichtern, manch irdischer Tand abgefallen. Es geht um letzte Entscheidungen. Jeder spürt es und jeder stellt sich. Und während der Sportpalast bei den Punkt­kämpfen um die Bormeisterschaft sehr mäßig besucht ist, muß diese Arena der Zwanzigtausend schon Stun­den vor Beginn jeder großen politischen Kundgebung Wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen werden.

Musik im Sportpalast.

Es kommt nicht so sehr darauf an, welche Par­tei es gerade ist, die in den Sportpalast lädt. Dieses Raumungeheuer aus Eisenbeton ist heute der Brenn­punkt der deutschen Zeitgeschichte. Hier sprechen fried­lich hintereinander gereiht, Hitler. Thälmann, Tue- sterberg, Brüning, Dietrich, Hugenberg, Loebe, Goeb­bels und noch ein paar Dutzend Prominenter Kann man bei Berliner Sportpalast-Versammlungen über­haupt noch von Politik reden? Eigentlich sind es ja dramatische Vorführungen, di» sich hier abrollen. Ge­nauer gesagt: melodramatische. Die Wirkung der Musik auf das Gemüt der Deutschen kommt wieder hoch zu Ehren. Ueber die Sprechchöre, mit denen zu-

I erst die Kommunisten i» die Weltgeschichte einbrachen, sind wir schon längst hinaus. Die atonale Mode ist nun einmal vorbei. Zurück zu den Bläsern, den Po­saunen, dem Schlagwerk. Regimentskapellen oder viel­mehr Gruppen erwerbsloser Musiker, die sich als solche bezeichnen, ersetze» spielend, wahrhaft spielend hun­dert politische Argumente. Von flotten Melodien um­rahmt.mit Musike", wie der Berliner sagt, geht alles noch einmal so leicht! Heute haben nicht mehr allein die Nationalsozialisten, sondern auch all die andern, die SPD., die Kommunisten, Reichsbanner und Eiserne Front, ihre Spielscharen, ihre Chöre und Ka­pellen. Seltsam: die Lieder sind die gleichen Manch­mal hat ein Parteidichter sich irgendeinen unterlegten Tert einfallen lassen. Im allgemeinen aber sind es ganz genau dieselben programmatischen Märsche und Kampflieder, unter deren Klängen die Deutschen ein­ander bekämpfen...

Brüning . . .

Ein einziger macht nicht mit: das ist Brüning In 'feinen Versammlungen duldet der Reichskanzler kei­nen gefälligere» Ton und keinen helleren Klang. Seine Zuhörer sollen sich nicht unterhalten aushalten sollen sie! Das einzige Zugeständnis das Brumng dem technischen Zeitalter macht, das ist der Lautsprecher, diese überaus wohltätige Erfindung die es ermöglicht, Fanfarenwirkungen mit leise gesenkter Stimme zu erzielen. Wahrhaftig, eilte Erfindung nach Heinrich Brünings Herzen! Es läßt sich freilich nicht leugnen daß das Herz der Massen und der Millionen nicht in dem gleichen vorschriftsmäßige» Rhythmus (fitotngt Und so kommt es, daß des Deutschen Rei­ches Kanzler epi bezwingender Bersammlungsrebncr ist, aber kein erregender. Die Menge aber will hinge­

rissen und nicht belehrt werden. Einsam steht der Kanzler, blaß, schmal und hochaufgerichtet untersei­nem" Volke...

Made in Germany.

Selbstverständlich, wenn der Reichskanzler spricht ist alles versammelt, was zum weltpolitischen Betrieb gehört. Vor allem der Schwarm der ausländi- schen Beobachter, der über Berlin nieberge- gangen ist. Ihnen ist die Entscheidung über Deutsch lands Schicksal ein spannendes finish: nicht allein de» Journalisten, die selbst aus Australien und Japan ge­zogen kamen, sondern auch den politischen Abge­sandten, die jedx bessere Partei aus Europa uno Amerika mit der Aufgabe betraut hat, den einfalls­reichen Deutschen die wirkungsvollsten Plakate, die knalligsten Texte, die gerissensten Werbemethoden und Überhaupt einige Erfahrung im geistigen Ringen um die Volksseele abzulernen. Wollte Gott, daß die Leip­ziger Messe so erfreuliche Exportergebnisse zeitigt, wie der Berliner Wahlkampf. Henry de Merillis, der bekannte Einpeitscher der französischen Rechten, hat sich ein paar Stahlhelm-Plakate besorgt, die er, Lieder ohne Worte, an den wichtigsten Pariser Stra­ßenecken reproduzieren will, ein russischer Zeitungs- man beschäftigt sich ausführlich mit der, tote er her­vorhebt, vorbildlichen Technik des Strafenaufmarsches in Berlin, ein Senator aus dem amerikanischen Mit­telwesten ist von der deutschen Fliegerpropaganda so begeistert, daß er die Piloten gleich hinübernehmen möchte; drüben stehe» ja auch Präsidentenwahlen bevor.

Duell der Lüfte.

Es war voränszusehen, daß in den Kampf um Berlin auch die Wolken, die Atmosphären, die Him­

mel einbezogen werden würden. Das bißchen Erde genügte schon lange nicht mehr. Und niemand war verwundert, als Sonntag vormittag dröhnend und surrend zwei Flugzeuge die Gedächtniskirche um­kreiste», deren Tragflächen mit Kolossalbuchstaben aus schwarzer Tusche verziert waren: Parole Hit­ler! Kaum waren jedoch die Hitlerflieger hinter den Dächern verschwunden, als eine neue Flugstafsel zwischen de» Silberwolken auftauchte: Hinden­burg! steht in steiler Schrift auf ihren Flügeln ge­schrieben. Im Himmel aber, zumindest soweit er über Berlin sich wölbt, herrscht in diesen Tagen stän­diger Bereitschaftsdienst. Das Auftauchen der Hin- benburgftaffel ruft sofort die Hitlerflieger zurück. Duell der Lüfte: Sie überbieten einander in Schlei­fen und Loopings und Saltos.

Nie wieder Bürgerkrieg!"

Und einen festen Entschluß verdankt man dem Wahlkampf: Nie wieder Bürgerkrieg! ... Es muß ausgesprochen werden, daß wir in einigen Berli­ner Vorstädten schon hart daran sind. In der Schöneberger Hauptstraße z. B., einem Boulevard von durchaus bürgerlichem, beinahe weltstädtischem Aussehen übrigens, herrschen auf der einen Straßen­seite die Kommunisten, auf der anderen die National­sozialisten und zwischen den Klebekolonnen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen. Die Schöne­berger Hauptstraße ist eine der blutigsten Straßen von Berlin. Nicht die einzige! Ganze Bezirke sind in diesen Tagen, ärger noch ht diesen Nächten vor der Präsidentenwahl lebensgefährlich. Abendliches Kino­publikum, Straßenpassanten tun gut daran, die zwei­tausend Jahre alte Warnung zu befolgen: Nimm vor des Märzes Iden, dich in acht!"*'

Die Wachi an der Saar

3um letzten Mal Wahlen unter der Fremdherrschaft

Berlin, 10. März.

Der kommende 13. März dürfte ein Wahltag al­lererster Ordnung sein. Gleichzeitig mit den Reichs­präsidentenwahlen und mit den Landtagswahlen für Mecklenburg-Strelitz finden nämlich die Neuwah­len zum saarländischen Landesrat statt. Zum letzten Male vor der Rückgliederung des Saargebietes nach Deutschland ist die Saarbevölke- rung an die Wahlurne gerufen. Dem Parlament des Saargebietes kommt bei den hochpolitischen Ent­scheidungen der nächsten Jahre eine ziemliche Bedeu­tung zu. Spätestens im Januar 1935 muß ja im Saargebiet die Volksabstimmung abge­halten werden, die über die staatliche Zugehörigkeit des Saargebietes zu entscheiden haben wird. Es ist erfreulich, daß sich die deutsche Bevölkerung an der Saar durch alle Einschüchterungsversuche seitens Frankreich nicht hat beeinflussen lassen.

Das Parlament des Saargebietes eben der Lanöesrat setzt sich aus 30 nach dem deutschen Wahlsystem gewählten Abgeordneten zusammen. Die politische Führung des Saargebietes liegt allerdings nicht im Landesrat. Bei der Schaffung des Saar­statuts hat man wohlweislich dem Landesrat nur eine beratende Stimme gegeben. Bindende Beschlüsse darf das Saarparlament nicht fassen. Die eigentliche Führung des Saargebietes liegt in der Hand der vom Völkerbundsrat ernannten Regierungs- kommission. Die Regierungskommission arbeitet alle Gesetzentwürfe aus und leitet sie an den Landes­rat weiter. Selbstverständlich darf sich der Landes­rat, zu den Gesetzen äußern und Abänderungsvor­schläge einreichen. Ebenso selbstverständlich ist es aber, daß weitergebende Wünsche des Saarparla­ments nicht berücksichtigt werden. Man hält die Saarbevölkerung einstweilen in politischer Unmün­digkeit.

Im Saarparlament sind, wie es nach der Bevölke­rungsgliederung selbstverständlich ist, n n r d e u t s ch e Parteien vertreten. Der letzte saarländische Lan­desrat, der am 25. März 1928 gewählt wurde, setzte sich aus 14 Zentrumsleuten, 5 Sozialdemokraten, 5 Kommunisten, 3 Mitgliedern der deutsch-saarländischen Volkspartei, 1 Deutschnationalem, 1 Christlich-Sozia­len und 1 Wirtschaftsparteiler zusammen. Alle Par­teien machen keinen Hehl daraus, daß sie eine möglichst sofortige Rückgliederung des Saargebietes nach Deutschland wünschen. Auch die Kominunisten setze» sich für die Heimkehr ins Reich ein. Im jetzigen Wahl kämpf machen sich auch an der Saar die Anhänger Hil­lers stark bemerkbar. Es wäre zu wünschen, daß über den inneren Parteienzwist der große nationale Ge danke nicht vergessen würde. Der Parteienzwist muß da eine Grenze finden, wo es um höhere Ziele als nur um die Stärke einer politischen Gruppe geht. Die

letzten Wahlen unter der Fremdherrschaft" werden das deutsche Volk an der Saar auf dem Posten sehen.

Um Taröieus Oonaubundplan

Paris, 10. März.

Der Genfer Sonderberichterstatter desPetit Pa- rifien" berichtet feinem Blatte über den Eindruck, den die Denkschrift T a r d t e u s über den Zusammenschluß öer Donaustaaten in de» Kreisen der Kleinen En­tente in Genf gemacht hat. Man betont, daß der Vorstoß Tardieus über den Zusammenschluß der Do­naustaaten lediglich dem Zwecke diene, eine Verständi­gung der fünf Donauländer, nämlich der Tschechoslo­wakei, Rumänien, Südslavien, Oesterreich und Un­garn zu erleichtern. Ganz besonderen Nachdruck lege man dabei auf die Feststellung, daß die Einmischung eines Großstaates der Verwirklichung des Gedankens hinderlich sei, da die gewünschte Verständigung nur auf dem Wege freundschaftlicher Uebereintünfte unter öen interessierten Staaten selbst erreicht werden könne.

Der Berichterstatter des Blattes betont ferner, daß bie Vorverhandlungen über die Schaffung einer Do- nauföberation nicht in Genf beginnen würden, sondern auf diplomatischem Wege geführt werden müßten. Erst wenn eine vorherige Verständigung zwischen den verschiedenen Ländern erreicht sei, werde man eine Sonderkonferenz einberufen. In diesem Zu­sammenhänge messe man in Genf der Reise des unga­rischen Außenministers W a l k o besondere Bedeutung bei, der sich zunächst nach Rom und von dort nach Pa­ris und London begibt, um auf dem Rückwege auch in Genf Aufenthalt zu nehmen.

DerBund des Todes"

Aufdeckung einer politischen Geheimorganisation.

London, 10. März.

TieTimes" bringt Enthüllungen ihres Bericht- erftatters in Tokio über die Hintergründe der jüngsten politischen Morde in Japan. Sie berichtet, baß die lapauischen Behörden auf die Spuren einer geheim­nisvollen Organisation gekommen seien, die sich Bund des Todes" nennt. Die beiden Mörder des ehemaligen Finanzministers Jnouye unb des Barons Takuma Da» gehörten diesem politischen Geheimbund an, in dem, wie die japanische Polizei erklärt, unerfahrene junge Leute dazu überredet wor­den seien, für die Sache der Religion und der Vater­landsliebe politische Attentate zu begehen Das Trei­ben der Bande ist jetzt durch die Aussagen eines ihrer Angehörigen namens Kurosawa, der sich freiwillig bei der Polizei meldete, ausgedeckt worden.