Einzelbild herunterladen
 

i

• 'm

/ Neue Reichswehr-Bestimmungen Groeners / Berlin zum Tode Briands

Aristide Briand f

Rom, 8. März.

Die Ersatzfrage bei der Reichswehr

(Eigene Drahlmeldung.)

Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bekannt ge-

Ende Februar zu einer Aussprache über die Frage der Einsichtnahme in den evangelischen Religions­unterricht eingeladen. Dieser Verhandlungstermin mußte verschoben werden, weil zunächst noch einige grundsätzliche Fragen zu klären waren. Nachdem diese Prüfung stattgefunden hat, hat Minister Grimme nunmehr auf Mitte März einen neuen Ter- m i n anberaumt. Er hat dabei erneut zum Ausdruck gebracht, daß er entgegen der Auslegung, die in der Oeffentlichkeit gegeben wurde, an dieser ursprüngli­chen Absicht festhält, die Angelegenheit in gemeinsa­mer Besprechung weiter zu verfolgen. Bei dieser Aussprache werden neben einer Reibe von Einzelfra- gen auch die in dem Schriftwechsel berührten Rechts­fragen zu erörtern sein.

Berlin, 8. März.

Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Wie aus einem Schriftwechsel zwischen dem Minister für

Er war der Advokat der armen Leute, er hatte eine furchtbare Waffe in der Hand: das freie, entzündbare Wort. Er war der gefürchtete Feind der Staatsord­nung, ein Umstürzler.

Italien und Tardieus Oonaubundplan

Die italienische Antwortnote / Donnerstag Rundfunkrede Hindenburg«

Oie letzten Tag« Briands

Paris, 8. März.

Kultusminister und Evangelischer Oberkirchenrat

Wie erst jetzt aus dem Freundeskreise Briands be­kannt wird, waren sich die Aerzte während "letzten Wochen der Hoffnungslo- J t klar bewußt und

rechneten täglich mit dem Tode des alten Ministers. Es bestand .edoch strenge Vorschrift, nichts über den Ernst des Gesundheitszustandes in die Oefsentlich- keit zu bringen, da Briand bis zun, letzten Tage per­sönlich die Zeitungen las und nicht auf diesem Wege erfahren sollte, wie schlimni cs um ihn stand. Rur s° erklärt es sich also, daß sein Hinscheiden für die Öffentlichkeit völlig überraschend kam.

Bei seiner Ankunft in Paris am Abend des 29. Februar konnte Briand die Treppe seiner im zweiten

Grundsätzliche Zustimmung

Eigener Drahtbericht.

m Berlin, 8. März. vtlulull

Reichswehrminister Groener hat nunmehr die worden ist, hatte der Minister den Oberkirchenrat für neue Fassung der Heeresergänzungs- bestimmungen veröffentlicht. In diesen Bestim­mungen heißt es u. a.:

„^nanos ^andsleute werden den gebückten, etwas nachlai-ig gekleideten Mann auf der Rednertribüne Nlchk mehr bewundern können. Briands Name steht olnem wichtigen Kapitel der europäischen Nach- s®1 ll3if ln uns Deutschen Widerspruchs Empslndungen aus. Briand beklagte sich in der letzten Zeit gern über die Enttäuschungen die ibm bsU‘!-l’C bereitet habe. Wir wollen heute frfinntocrs. I,,c6r Grund zu Enttäu­schungen gehabt hat: er oder wir

¥

Mit 20 Jahren war er Advokat in Nantes We­gen einer Liebesaffäre kam er mit den Behörden und der Oesfentlichkeit in Konflikt und wurde aus dem Anwaltsstand ausgestoßen. Völlig mittellos kam er nach Paris, mit rebellischem Geist geladen. Bald wurde er Rcdaktionsmitglied der radikalen sozialisti­schen Zeltschrrft „La Lanterne". Allmählich gelang es Tianb, die Advokatenlaufbahn wieder aufzunehmen

Das Geständnis des Moskauer Attentäters

Moskau, 8. März.

Laut Mitteilung der Untersuchungsbehörden ge­hört Stern, der den Revolveranschlag auf Botschafts­rat von Twardowfkt verübte, einer Terroristen- st ruppc an, die im Auftrage gewisier ausländischer Staatsbürger Terrorakte aussührte.

Rach dem Geständnis Sterns hatte das Attentat den Zweck, eine S P a n n u ng z w i s ch e n der S o to- jetunion und Deutschland hervorzuru­fen und dadurch die internationale Lage der Sow­jetunion zu verschlechtern. Die Untersuchungsbehör­den hoffen, daß die Untersuchung in den nächsten Tagen abgeschlossen werden tahn.

Arbeitslosen-Llnruhen in Detroit

Reuyork, 8. März.

In Detroit veraiistalteten Arbeitslose am Mon- mg einen „Hungermarsch" nach den Ford-Wer­ken. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die die Arbeitslosen mit Träiiengasbomben auseinander- trieb. Rach den bisherigen Feststellungen wurden drei Personen getötet, 10 schwer und 40 leicht verletzt.

Um weiteren Kundgebungen vorzubeugen, haben 300 Nationalgardisten der nächstliegenden Kaserne Befehl erhalten, sich mit ihren Maschinengewehrab­teilungen in ständiger Alarmbereitschaft zu halten.

fl^e Regierung hat heute das onau-Memorandum" der französischen Regierung beantwortet und gleichzeitig die Regierun­gen von Großbritannien und Deutschland über . crt *n. bieser Erwiderung eingenommenen Siand- "Enis gesetzt. Die Notwendigkeit, me wirtschaftliche Sanierung der Donauländer an.ru- J" ber Rote heißt, jetzt von allen europäischen Machten anerkannt worden, obzwar es noch nicht gelungen fei, sich auf eine organische Losung, die allen genehm ist, zu einigen.

I wünscht erscheinen läßt, nach einem Weg zu suchen, der zu einer engeren Wirtscha ftsverbin- d u n g führt und damit -zu einer Generalsanierung der Donaustaaten. Die italienische Regierung weist darauf hm, daß hierbei die Mitwirkung der franzö­sischen Regierung unumgänglich notwendig wäre Allerdings steht noch nicht fest, welcher Weg einge- schlagen werden soll, um zum Ziele zu führen: Ein Generalberetnigungsvlan oder einzelne Vereinbarun­gen. Es gelte jetzt, die ersten Schritte zu tun und dann sorgfältig alle Pläne über eine wirtschaftliche Organisierung des Donaubeckens zu studieren.

Zu den von Frankreich vorgeschlagenen Präfe­renzzöllen wird betont, daß es selbst Ansicht der französischen Regierung fei, es gebe darüber noch keine feststehende Doktrin: Die fünf daran in­teressierten Staaten sollten unter sich über die Ein­zelheilen und die Modalitäten in Verhandlungen treten. Die italienische Regierung meint aber, die Opportunität einer solchen Konferenz in Zweifel ziehen zu müssen, durch die die Lösung eher ver­zögert als beschleunigt werden könnte. Man dürfe den gewaltigen Umfang der Probleme nicht über­sehen, der Dritten gegenüber durch eine solche Lö­sung aufgeworfen werden würde.

Einfacher, so heißt es in der Rote weiter, wäre es man konnte sich jetzt schon einigen, und nicht abwar­ten, daß getroffene Vereinbarungen ganz von Dritten als unannehmbar angesehen werden. Aus diesem Grunde zieht es die italienische Regierung vor, wenn zu solchen Verhandlungen die Vertreter Frankreichs I ^.eutschlands, Englands und Italiens zugezogen wer- I den. Nochmals wird darauf hingewiesen, daß eine E n d l ü s u n g, und nur eine solche könne die finan zielle Wiederherstellung der Lage im Donaubecken bringen, Zeit kostet. Es gelte daher, so schließt die Note, schon vorher die unumgängliche finanzielle Un­terstützung zu erwägen, um mögliche Katastrophen zu vermeiden. '"■m

Stod gelegenen Wohnung noch allein hinaufgeben. ätzten Tagen habe der Kranke unter dem Rauchverbot gelitten. Am Montag vormittag sei das Bewußtiein geschwunden und nur für kürzere Seit zuruckgekehrt. Der Todeskampf habe gegen halb elf gedaiiert"''""gs eingesetzt und habe drei Stunden

Die sterblichen Ueberreste Briands werden am Donnerstag nach dem Quai d'Orsay übergesührt und “6enmini fterium auf gebahrt wer- öen. Am Sonnabend hält dann Ministerpräsident Tardien als Höhepunkt der Trauerzeremonie die Ge­dächtnisrede, worauf die provisorische Beisetzung auf dem ^riedhof von Paffy erfolgt. Auf Wunsch der Familie bezw. des Verstorbenen fällt der sonst übliche Trauergottesdienst in der Notre Dame-Kathe drale aus. Die gesamte Pariser Morgen.

v»n Jahre 1900 saß. Briand in der Redaktion der „Humamtö", des heutigen offiziellen- Organs der kom- aii“<t?t,tt*C^en P"riei Frankreichs. Um diese Zeit wurde Millerand zum Minister und zum Verräter der Sache des Sozialismus und der Revolution. Jean Jaures der große Führer, sandte Briand zum alten Kämpft genoffen,~um den Abtrünnigen zur Rückkehr zu be­wegen. Sechs Jahre später wurde Briand selbst zum Abtrünnigen. .

. Rpril 1902, im Alter von genau 40 Jahren, roinbe Briand zum erstenmal in die französische frommer gewählt, ber er feitbem ununterbrochen an- ge^orte Mit Erbitterung kämpfte er gegen die Kirche, beren Trennung vorn Staat er vier Jahre später als frihaftHA bf=I*r"Ü^le' Seine Reden waren hochgesell-

Ereignisse, seine wunderbare Stimme, die nicht ihresgleichen kannte, bezauberte jedes auch noch Endliche Ohr. Die Macht, die das rednerische Ta- unterffüet1106 auSubtC' $at fcincn wetteren Aufstieg

Jahrzehnte lang herrschte Aristide wch- Mn»^'"^E!i icdes zweite Jahr durchschnittlich ^r ist durch alle Ministerien geqangetr Er. raunte alle Gefilde der Macht. Zehnmal war er -."uisterpraiibent, sechsunddreißigmal verwaltete er aen MS ®r hat die wichtigsten Vcrhanblnn- fn Jpnt ^ Jx aemhrt. Er war in Washington, U6° ^ararno Er war innerpolitisch nicht der J"lunft von übermorgen, sondern mit

P^j^/alen von morgen verbündet. Er war gegen "Z^x ' dJ? Pamears an der Macht war, und ging trotzdem nicht gleich mit Herriot. Er wgr immer der kommende Mann unter der Bedingung, daß ihn die Kommenden einluden. ö v

I Berlin, 8. März. Aristide Briand ist

Montag 13.30 Uhr in feiner Wohnung in der Avenue Kleber gestorben.

Eine Woche, nachdem er aus feinem ruhigen ^.iisrulum Cocherel nach dem lärmenden Paris zu­rückgekehrt war, setzte Briands Atem aus. Er fühle sich wohler als sonst und rüste sich schon für die Par­forcejagden des kommenden Wahlkampfes — so sagte uoch vor wenigen Tagen Aristide Briand den Zei­tungsleuten, die ihn an der Seine bewillkommneten. Leine schwächliche Brust, der „wenig leistungsfähige Motor" (wie Briand scherzte) arbeitete besser als sonst Niemand schöpfte Argwohn. Man hielt es für selbst­verständlich, daß sich der 70-jährige Mann aus den etwas zugigen Räumen seines Landgutes in die durchwärmte Wohnung in Paris zurückziehen wollte I Die Uebersiedlung nach Paris war Briands letzter (K,n*jg. Eine Woche erst war es her, daß ihn sein Wahlkreis wieder als Kammerkandidaten aufstellte. Er selbst hat wohl immer noch gehofft, daß er nach einem Siege der Linken bei den Kammerwahlen noch einmal an den Platz zurückkehren könne, von dem er vor einigen Monaten hinwegintrigiert und verdrängt worden war. Der Tod hat einen Strich durch feine Berechnungen gemacht und sicherlich ist es doch Wohl so, daß Aristide Briands Zeit als Poli- tiker und als Staatsmann erfüllt toar ®r selbst mochte noch an sich und feine Sendung glauben, die Welt hatte diesen Glauben verloren...

Bnands Wesen auf eine Formel zu bringen ist «n ichwieriges Beginnen. Er war der Minister des Wortes, dem die Genfer Gemeinde bewundernd zu irüßen lag, er war der große Diplomat, der alle Tech­niken der diplomatischen Verhandlungen beherrschte ohne daß der Verhandlungspartner dieses Technische- Allzutechnische gemerkte, er war der Mann ber gro- feen Improvisationen, ber geistreiche Grfinber dem die Erfindung wichtiger war als ihre Durchführung. Und vor allem und in erster Linie: er war Fran- Z o s e, mochte er sich auch noch so gefn als guter Europäer feiern lassen. Das hat man in Deutschland lange Jahre hindurch verkannt; viele Enttäuschungeii die sich für uns mit dem Namen Briand verknüpfen' haben uns hellhörig gemacht; insbesondere die Nie­derlage des Zollunionsgedankens, an deren Herbei­führung Frankreichs damaliger Außenminister in stärkstem Maße beteiligt toar, hat auch die letzten Illusionen beseitigt. Briand toar ebenso wie Poin earö ein Anwalt Frankreichs; feine Stimme hatte bezaubernderen Klang als die des Lothringers in feinen Plädoyers wurde schwungvoll und oft vom Frieden und vom Sieg des Friedensgedankens ge­sprochen, aber auch dieser Briand-Frieden war auf dem Boden von Versailles gewachsen. Er hat uns Deutsche manchen Umweg gekostet, und doch wird bie @e|d)icbte spater einmal erweisen, baß auch diese Um­wege notwendiges Entwicklungsstadium waren Not­wendig vor allem deshalb, weil gerade sie schließlich doch jene Klarheit geschaffen haben, die Briands ■obeal gewiß niemals gewesen ist.

*

.. ®tia[nb verdankt feinen Aufstieg natürlich zuerst sich selbst und in zweiter Linie erst der demokratischen Verfassung seines Landes. Als ein Kind de- Volkes wuchs er in Lt. Nazaire, an der Meeresküste auf Ter Hang zum Meer ha, eigentlich Briand bis zum etzten Tage nicht verlassen. In den Stunden seiner freiwilligen und unfreiwilligen Muße liebte er es zu flfchen.

Die italienische Regierung, so fährt das Dokument fort, begrüßt voll und ganz die in dem Manifest der franzo,ischen Regierung erörterten Absichten. Die ita­lienische Regierung kann allerdings weder von den besonderen Bedingungen der geographischen Lage und der toirtschaftlichen Situation dieser Länder, ver­glichen mit der Italiens, noch von der Tatsache, daß sie an der Aufteilung der ehemaligen österreichisch- ungarischen Monarchie beteiligt toar, absehen.

Sie muß vor allem auch das Gefahrenmoment hervorheben, das in der schwierigen Lage Oester­reichs und Ungarns begründet ist, und das eine Endlüsung so lange oiisfch'iefet, ,Js nicht das finanzielle und wirtschaftliche Gleichgewicht biefer beiden Staaten wieder hergestellt ist.

Die italienische Regierung hat beschlossen, mit Oesterreich und Ungarn Spezialabkommen abzuschließen, deren Ziel es ist, mit Hilfe von Kre­diterleichterungen und anderen unter dem Zwange ber Devisensituation dieser Länder entstan­denen Maßnahmen die Devisenausfuhr zu erleichtern.

Im weiteren Verlauf der Antwortnote wird dar­auf hingewiesen, daß bie Wirtschaft Italiens unb ber beiden erwähnten Staaten viele gemeinfame An­knüpfungspunkte aufweist, die es allen Beteiligten er-

„Die Kompagniechefs, Truppenteile und deren vor­gesetzte Stellen dürfen, um Freiwillige zu ermitteln, sich an nichtpolitische Vereine und gemeinnützige Ein­richtungen wenden, an Arbeitsnachweise und Arbeits- Vermittlungsstellen erst, wenn der Bedarf anders nicht gedeckt werden kann. Die Versorgungsämter dürfen für das Werben oder Einstellen von Freiwil­ligen nicht in Anspruch genommen werden.

Ausgeschlossen von der Werbung und Ein­stellung ist u. a., wer wegen Vergehens oder Ver­brechens mit einer Freiheitsstrafe bestraft ist ohne Rücksicht daraus, ob die Strafe verbüßt wurde ober nicht. Ausgeschlossen ist ferner, wer sich verfaft sungsfeindlich betätigt hat, d. h. erwiese­nermaßen an Bestrebungen teilgenommen hat, die auf eine Aenderung der verfassungsmäßigen Zu­stände mit unerlaubten Mitteln gerichtet war. Von Personen, die verfassungsfeindlichen Organisationen angehören, dürfen Auskünfte nicht eingeholt werden. Auch Personen, die in sonstigen politischen Vereinen führend tätig sind, sollten, außer, wenn sich ein Be­werber ausdrücklich auf sie berufen hat, nicht um Auskunft angegangen werden."

Hindenburg spricht im Rundfunk

Berlin, 8. März.

Wie die Telegraphen Union erfährt, wirb Reichs- präsibent von Hinbenburg am Donnerstag um 19,30 Uhr von seinem Arbeitszimmer aus eine etwa vierielstünbige Runbfunkanfprache halten, bie auf alle beutschen Senber unb möglicherweise auch auf bie englifchen unb amerikanischen Sender übertragen wirb.

Nummer 57*

Dienstag, s. März 1932

22. Jahrgang

monat 9 10 .Z elnf»l. 80 *

«usichl. Zustellgebühr nn Fällen von höherer Gewalt bettet» fein A Pott mon. 2.10 Jt

Rückzahlung des Bemgsvreises, «erlag, Schrisileuung und Druckerei- Leitung oder auf

feammelnantmer 8800 Sunitrsche Sprechstunden Dienstags UZ WagS 17-Ä Ub^^ölrüsche Strafee ia°L

Mer Neueste NachMen

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

7®”H6b?e®°3d^ Smdeilto