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in seine Hand zu bringen: einerdieserTrümp- f e, und gewlß nicht der geringste, beißt Francois- -|s on c e t, und er wird gegenwärtig in Berlin mit erhöhtem Truck ausgespielt.

. Sn welcher Form man sich diese einseitigen Bin­dungen Deutschlands an Frankreich denkt, erscheint noch immer nicht ganz klar. Die nationalistische Rich- mna, die nicht mit dem „Comite des Forges" und Tardteu selber einig geht, weist daraus hin, daß der emztge sichere Weg dazu Frankreich versperrt ist: die Anwendung der militärischen Gewalt nach dem Muster von 1923. „Die moralische Verfassung der französischen Nation und der Widerstand der ehemalr gen Verbündeten erlauben dieses Mittel nicht", stellt ein Teil der Presse klagend fest. Bleibt die Taktik Loucheurs, die durch Verhandlungen berbeiqe-

-^-Interessengemeinschaft, die Politik der wirt­schaftlichen und der industriellen Kartelle. Man

Kasseler Neueste Nachrichten

Montag, 7. März 1932

fragt sich nach dem Verbleib des bekannten deutsch- französischen Ausschusses, und nach dem bisherigen Ergebnis seiner Arbeiten. Offiziös wird versichert: Der Ausschuß schafft zwar still, doch erfolgreich, und bietet auch heute noch die beste Gewähr für das Zustandekommen von starken wirtschaftlichen Bindungen. Augenblick­lich ist er damit beschäftigt, die Härten der beidersei­tigen Zollpolitik zu mildern; mit andern Wor­ten: er arbeitet Abkommen aus, wodurch die Kontin­gentierungen Frankreichs geregelt werden sollen. Auf diese Weise werden nach und nach für jede Zn- dustriegattung Rahmen geschaffen, die einer späteren Verbindung als Grundlage dienen können: denn es geht ihnen natürlich eine genaue Erkenntnis der bei­derseitigen Bedürfnisse voraus, so daß in absehbarer Zeit das technische Instrument der deutsch-französischen Wirtschaftsoerknüpfung fertig vorliegen wird.

Revolverfchüffe in Moskau

Attentat auf den deutschen Botschaftsrat von Twardowski / Keine politischen Motive?

Moskau, 7. März.

Auf den Botschaftsrat bei der Deutschen Botschaft von Twardowski wurde am Sonnabend ein Attentat verübt. Twardowski wurde zweimal am Halse und an der Hand verletzt. Der Täter, der ver­haftet werden konnte, hatte 4 Schüsse auf den Bot- schaftsrat abgegeben. Das Motiv der Tat ist noch un­bekannt.

Autzenkommiffar Litwinow hat dem deutschen Botschafter sein Bedauern über das Vorkommnis ausgesprochen und strengste Untersuchung der Ange­legenheit zugesichert.

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Der Mordanschlag auf den deutschen Botschaftsrat von Twardowski spielte sich folgendermaßen ab: Um 13,45 Uhr (Moskauer Zeit) verließ Twardowski das deutiche Botschaftsgebäude in der Leontjewski-Gasse, um nach Hause zu fahren und das Mittagessen einzu- uehmen, zudem er Gäste geladen hatte. An der Ecke Nlkltska-Gasse mutzte infolge einer vorbeifahrenden Straßenbahn und eines entgegenkommenden Militär­kraftwagens der schwere HorchwagenTwardowskis stark bremsen. In diesem Augenblick sprang ein junger unansehnlicher Mann hinzu und feuerte von hinten vier Schüsse auf den Wagen ab. Der erste Schuß ging durch das Verdeck hindurch und streifte Twardowski einen halben Zentimeter von der Hals­schlagader entfernt. Der Botschaftsrat fuhr mit der linken Hand an die Wunde und erhielt einen zwei­ten Schuß, der ihn in die Hand traf und drei Kno­chen zerschmetterte. Der dritte Schuß ging durch die Scheiben des Autos dicht am Chauffeur vorbei. Als Twardowski von seiner Hand Blut fließen sah, warf er sich sofort auf die Knie. Eine vierte Kugel blieb im Verdeck stecken. Der Attentäter erhob nochmals den Revolver, der nunmehr jedoch versagte. Hierauf warf er die Waffe fort. Es sammelte sich sofort eine große Menschenmenge au, und einPassantnahmden A t t e n t ä t e r f e st. Das Militärauto hielt sofort an Die Insassen sprangen heraus und nahmen den Attentäter mit zur GPU. Der Russe, der den Atten­täter verhaftet hatte, sprang in das Auto des Bot- Haftsrates und verband ihm die Hand. Er fuhr mit -hm zu. ttächstttegenden Apotheke und darauf zum Kreml-Krankenhaus. Der russische Chirurg Professor Otschkin erteilte die erste ärztliche Hilfe. Auch traf der berühmteste russische Chirurg Rosanow in weni­gen Minuten im Krankenhaus ein. Der verhaftete Attentäter ist ein 28-jähriger Student der Moskauer Universität, namens Juda Mironowitsch Stern, lieber die Gründe seiner Tat verweigert er jegliche Aussage.

Twardowslis Zustand befriedigend

Moskau, 7. März.

lieber den Gesundheitszustand des bei dem Atten­tat am Sonnabend verletzten deutschen Botschaftsrates Dr. von Twardowski haben die behandelnden Aerzte folgenden Bericht ausgegeben: Die Halsver­letzung ist eine einfache, äußerliche, schmerzlose Haut­abschürfung. Der Verband am Halse ist bereits abge­nommen. Bei der am 5. März abends im Kreml- Hospital vorgenommenen Operation wurde die Ku­gel aus der linken Hand entfernt. Am 6. März hatte der Patient zeitweise Schmerzen. Die Temperatur ist

ohne Schwankungen 38 Grad. Der allgemeine Zu­stand ist befriedigend.

Keine diplomatischen Schritte

th. Berlin, 7. März.

Die Reichsregierung hat noch keinen Anlatz gehabt, wegen des am Sonnabend mittag gegen den deutschen Botschaftsrat von Twardowski verübten Attentates diplomatische Schritte zu unter­nehmen. da die russische Regierung bereits von sich aus mit aller Energie und aller Beschleunigung die notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet hat. Auch hat die russische Regierung in Moskau durch den russischen Botschafter in Berlin sofort das Bedauern über dieses Attentat ausgesprochen, und in Moskau sind alle Maßnahmen ergriffen, um dieses Attentat schleunigst aufzuklären.

Bisher sind die Motive des verhafteten Attentä­ters noch vollkommen ungeklärt. Man gewinnt je­doch in Berlin nach den aus Moskau vorliegenden Nachrichten den Eindruck, daß es sich nicht um einen politischen Anschlag int eigentlichen Sinne des Wortes gehandelt hat, sondern möglicher­weise wieder einmal um einen derjenigen Fälle, in denen ein mehr oder minder geistesgestörter Atten­täter eine derartige Untat lediglich verübte, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich selbst z u l e n k e n. Ob dieser Tatbestand im vor­liegenden Falle zutrifft, wird sich jedoch erst aus der weiteren Untersuchung ergeben.

Wieder Ruhe in Finnland

Stockholm, 7. März.

Sonntag früh besuchten die Lappomänner in Mantsälä den Gottesdienst. Danach stellten sie ge­wisse Bedingungen für ihren Abzug. Am Nachmit­tag wurden die Wachtposten der Lappoleute eingezogen und dann zogen sie ab. Damit dürfte der Aufruhr zu Ende sein. Ob Wallenius und Kosola, die nach einer Nachricht in Mäntsälä gesehen wurden, gefangen ge­nommen worden sind, war nicht zu erfahren. Die Zensur wird noch aufrecht erhalten.

Eine spätere Meldung aus Helsingfors besagt': Am Sonntag abend wurden die Lappoführer Walenius, Koslola, Koivito, Sario, Somersalo und Susitatval gefangen genommen und im Auw nach Helsingfors ge­bracht, wo sie von der Polizei in Empfang genommen wurden. Der Staatspräsident hat das militärische Oberwmmando wieder ntedergelegt. Zensur und Be­schränkung des Telefonverkehrs sind aufgehoben wor­den. Am heutigen Montag wird auch die Aufhebung des Belagerungszustandes erwartet.

Tie Aburteilung der gefangenen Führer wird dem Zivilgericht überlassen. Die Anklage wird auf Hoch­verrat lauten. Es sollen auch noch weitere Führer festgenommen werden.

Anschwg aus den Präsidenten von Peru. Auf den Präsidenten von Peru Don Lui Sanchez Cer- ro, wurde, als er eine Kirche in einer Vorstadt von Lima betreten wollte, um an der Messe tellzunehmen, ein Anschlag verübt. Aus einer Gruppe von meh­reren jungen Leuten wurde eine Reihe von Schüssen abgefeuert. Cerro wurde nur leicht verletzt. Meh­rere Kirchenbesucherinnen wurden von den Kugeln getroffen und ebenfalls verwundet.

Groeners Antwort an Hitler

Bo» unserer Berliner Schristleitung.

Berlin, 5. März.

Reichsmiuister Dr. Sroener hat an den Führer der Rationalfoziickiften Adolf Hitler folgenden Brief gerichtet:

Sehr geehrter Herr Hitler! Sie haben am Sonn­tag, den 28. 2. 32, Vertreter der ausländischen Presse empfangen, um ihnen den Inhalt eines Briefes an den Herrn Reichspräsidenten mitzuteilen, der erst mehrere Stunden nach diesem Empfang in die Hände des Adressaten gelangt ist. Die Würde des deutschen Staats» oberhauptets gebietet, die persönliche Beant­wortung eines Schreibens zu verwei­gern, das nur formell an seine Adresse gerichtet war, praktisch aber einer an das Ausland gerichteten Propaganda dienen sollte.

Die Dinge, die Sie vorgebracht haben, erfordern aber eine öffentliche Antwort. Sie haben in dieser Kund­gebung gegenüber der ausländischen Presse einen Appell an den Reichspräsidenten gerichtet, in die Handhabung der Maßnahmen einzugreisen, die die Regierungen des Reichs und der Länder zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wäbrend des Wahlkampfes zu treffen haben.

Sie erwarten vom Generalfeldmarschall von Hin­denburg, daß er hierbei mit Rücksicht auf seine per­sönliche Kandidatur die ihm als Reichspräsideizten gegebenen Reckte zur Anwendung bringen solle. Ihr Appell an die „Prinzipien der Ritterlich­keit," den Sie damit verbinden, veranlaßt mich zu der öffentlichen Klarstellung, daß der Versuch, einen Mann, der 7 Jahre lang ein bewunderungswürdi­ges Zeugnis fernes Bemühens um eine objektive Amtsführung abgelegt hat, in Gewissenskonflikt zwi­schen Amtspflicht und persönlicher Loyalität zu brin­gen, meinem Empfinden für Ritterlichkeit wider­spricht.

Zu einzelnen Ihrer Beschwerden habe ich folgen-- des zu bemerken: Als Retchsinnenminister bin ich für die Sicherung der Wahlfreiheit verantwortlich. Wahlfreiheit bedeutet die Sicherung der freien Wahlentschließung des einzelnen Staatsbürgers ge­genüber Versuchen, durch Terror und Zwang eine

Wahlbeeinflussung auszuüben. Wahlfreiheit bedeu­tet aber nicht einen Freibrief für alle Ausschreitungen im politischen Kampfe. Ihr Hinweis auf eine angebliche Verfassungswidrigkeit der bestehenden Verordnur gen während des Wahl­kampfes geht an dem klaren Sinn des Artikels 125 der Reichsverfassung vorbei."

Hindenburg und der deutsche Osten

Hindenburg zu den polnischen Drohungen J

gegenüber Ostpreußen. 1

Moskau, 7. März.

Der Landeshauptmann der Provinz Ost­preußen hat der Reichsregierung eine vom Provin- zialausschuß der Provinz Ostpreußen in feiner Sitzung vom 19. Februar gefaßte Entschließung mit- geteilt, in der es u. a. heißt: „Bei einer Feier pol­nischer Studenten in Danzig am 2. Februar haben Vertreter polnischer Zivil- und Militärbehörden Re­den gehalten, die unverhüllte Drohungen gegen Dan­zig und Ostpreußen enthalten und einen militärischen Ueberfall in nahe Aussicht stellen. Der Provinzial­ausschuß hält es für seine Pflicht, die Aufmerksamkeit der Reichsregierung hieraus zu lenken und zu for­dern. daß alle nur denkbaren Maßnahmen zum Schutz des bedrohten Ostens getroffen werden. Die Reichsregierung kann sich darauf verlassen, daß die Ostmärker, eingedenk ihrer Pflichten, die Heimat bis zum Aeußersten verteidigen werden."

Der Reichspräsident hat hierauf an den Landeshauptmann der Provinz Ojtpreutzen nach­stehende Antwort gerichtet:

„Der Herr Reichskanzler hat mir die Entschießung des Provinzialausschusses der Provinz Ostpreußen vom 19. Februar vorgelegt. Tie Sorgen des deutschen Ostens sind auch die meinen. Nie­mals kann es das deutsche Volk dulden, daß ihm weitere Stücke seines Vaterlandes entrissen werden! Ihr Gelöbnis, die Heimat bis zum Aeußersten ver­teidigen zu wollen, erwidere ich mit dem Versprechen, daß ich den deutschen Ostlanden in ihrem Kampf ge­gen jede nur möglich Drohung mit allen Kräf­ten bei stehen und im Verein mit der Reichsregie­rung und dem deutschen Volke alle Maßnahmen zu ihrer Sicherung treffen werde."

Polizei und Wahlkampf

Berlin, 7. März.

Wie der Amlliche Preußische Pressedienst mitteilt, fand am 5. März im preußischen Ministerium des Innern eine Konferenz der staatlichen Polizeiverwalter Preußens unter dem Vor­sitz des preußischen Ministers des Innern Seve­rin g statt. Severina führte in eine]; längeren An­sprache u. a. aus: Die bevorstehenden Wahltage ru­fen eine vermehrte politische Nervosität hervor. Wie immer in solchen Zeiten schwirren Gerüchte herum von bevorstehenden Ereignissen, von geplanten Ge- waltmatznahmen radikaler Gruppen. Wir bekämpfen am wirksamsten alle Drohungen und alarmierenden Gerüchte durch mvfere Bereitschaft und Entschlossen­heit, allen Störungsversuchen mit schärf­ster Rücksichtslosigkeit zu begegnen. Ich werde noch in den nächsten Tagen Vorkehrungen tref­fen, um die Polizei in ihrer Beweglichkeit und Aus- ftaitung auf einen Grad zu bringen, der allen Anfor­derungen gerecht wird.

Gegen Agitationsmethoden, die sich in gesetzlichen Schranken halten, wird selbstverständlich von der Po­lizei nichts getan und veranlaßt werden. Aber wo eine Partei die Mittel des Terrors und der Verge­waltigung im Wahlkampf gebraucht, wird und muß der Staat mit all seinen Machtmitteln auf dem Plan ein, um diefes zu verhindern. Wenn eine Partei ver­acht, für die letzten Wochen des Wahlkampfes ande­ren Parteien die vorhandenen Sälc dadurch zu ent­ziehen, daß sie schon wochenlang vorher mit den Ei­gentümern Mietverträge abschließt, dann ist die Po- lizei verpflichtet, einzuschreiten. Und ähnlich kann die Polizei Vorgehen, wenn sämtliche Anfchlagstellen von einer Partei monopolisiert werden würden.

Verbot der „Roten Fahne". Der Berliner Poli­zeipräsident hat die „Rote Fahne" erneut verboten.

Winter bleibt in Strafhast

Dresden, 7. März.

Der als Kandidat bei der Reichspräsidentenwahl auftretende Gustav Winter verbüßt zurzeit in Bautzen eine Gefängnisstrafe von einem Jahr drei Monaten wegen fortgesetzten Betruges. Das Justiz­ministerium hat die beantragte Beurlaubung für den Wahlkampf abgelehnt. Zu einer änderen Stellung­nahme lag umso weniger Grund vor, als hiergegen auch das Reichsministerium keine Bedenken aus wahlrechtlichen Gründen erhoben hat.

„Kreuz-Zeitung" offizielles Stahlhelmorgan. Die „Kreuz-Zeitung" erschien Sonnabend abend mit ei­nem veränderten Kopf. Er trägt in der Mitte eine Vignette, die das alte Eiserne Kreuz der Zeitung mit der Unterschrift „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" auf der Silhouette eines Stahl­helms zeigt. Wie wir dazu erfahren, ist die Kreuz- Zeitung seit einigen Tagen in ein engeres Verhält­nis zum Stahlhelm getreten und wird künftig als offiziöses Organ der Stahlhelmführung betrachtet werden können. In politischen Streifen sieht man darin ein Zeichen dafür, daß der Stahlhelm seine politische Unabhängigkeit auch publizistisch zu sichern wünscht.

Sir Erie Drummond Botschafter in Paris? Wie in sonst gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll der englische Botschafter in Paris, Lord Tyrell, die Ab­sicht haben, recht bald seinen Pariser Posten aufzuge­ben und nach London zurückzukehren. Als mutmaß­licher Nachfolger wird der bisherige Generalsekretär des Völkerbundes Sir Erie Drummond genannt.

Goeche-Feker im Giaaisiheaier

Kassel, 7. März.

Rudols Huch hat einmal ein beherzigenswertes Buch geschrieben, das heute noch gelesen zu werden verdtent; es heißt: „Mehr Goethe!" Gelegentlich der Goeihe-Feier, die gestern vormittag vonseiten der „Kulturellen Arbeitsgemeinschaft" und der „Vereini­gung der Musik- und Theaterfreunde" im Staatsthea­ter veranstaltet wurde, dürfte mancher geseufzt haben: weniger Goethe wäre in diesem Falle faktisch mehr gewesen. Denn die Ueberlastung des Programm, mit der vielleicht die Veranstalter selbst nicht gerechnet haben, stellte die Geduld des Publikums auf eine Probe, die dem Sinn des Ganzen, einer volkstüm­lichen Werbung für den Dichter der Deutschen, schwer­lich entsprach.

Diese Ueberlastung trug Friedrich Kahtzler in die Folge der Darbietungen hinein, gewiß nicht, um fein eigenes Licht besonders leuchten zu lassen, sondern weil er glaubte, seinen Hörern Goethe von der geistigsten Sette, in seinem Ringe» um eine mythische Welt-Erkenntnis, nahebringen zu sollen. Nach einem durchaus entsprechenden Vortrag, in dem er, aus dem eigenen Erleben Goethes heraus, Goethe, den Geistesmenschen, sichtbar und das Wort des Dichters als einen Weg zum Unsagbaren, die Kunst als eine Kraft zur Not-Wende deutlich werden ließ, las er, leider mit verteilten Stimmen des eige­nen Organs, was immer peinlich wirkt, dramatische Fragmente, die, aus dem ursprünglichen Zusammen­hang gerissen, nie geeignet sind, aufhellend zu wirken.

Die Vorlesung aus „Prometheus", aus dem „Ur- Faust" und aus dem zweiten Teil des „Faust" zog sich überdies so lange hin, daß eine gewisse Unruhe entstand und, als er damit zu Ende war, nicht Wenige das Theater verließen. Es war mittlerweile ein Uhr geworden und eine Folge musikalischer Aufführungen stand noch bevor.

Indessen forderte nicht bloß der literarische Teil der Veranstaltung zu gewissen Einwänden heraus. Es hätte sich denken lasten, datz der musikalische Teil aus kongenialen Vertonungen zusammengesetzt worden wäre, zumal b;e in das Programm aufgenom­menen Texte la tatsächlich von Beethoven, Schubert, Brahms, Liszt und anderen komponiert worden sind: Außer dem von Brahms übrigens im Original für Orchester komponierten Fragment aus der „Harz­reise". das vom Kasseler Lehreraefangver­ein unter der Leitung von Dr. Robert Langs mit schöner Disziplin und von Frau SvphieHoh- mann-Graßhoff in einem angenehmen Alt ge-

Sen und von Ludwig Kaiser am Flügel be­et wurde, gab es Werke von Kasseler Kompo­nisten — Wilhelm Knöchel, Wilhelm Neebe, Otto Scheuch, Bruno Stürmer, Fritz Zschiegner — die na­türlich nicht mit den Großmeistern der deutschen Ton­kunst in die Schranke treten wollten.

Bei aller Anerkennung des guten Willens der Be­teiligten und der Leistung im Einzelnen muß ehr­licherweise festgestellt werden, daß diese Goethe-Feier, gelinde gesagt, manchen Wunsch offen ließ und nicht recht dem entsprach, was in Ansehung der zahlreichen Möglichkeiten für ein solches Unternehmen hätte er­wartet werden können. —er.

Lenny und Jonny

Eine amerikanische Komödie im Kleinen Theater.

Kassel, 7. März.

Als Verfasser zeichnet der Oesterreicher Felix Salten, während man die Amerikaner Barnes und Shelton schamhaft in Klammern für die Idee des Stückes verantwortlich macht. Eine Unsitte, die feit einigen Jahren eingeriffen ist: Es sieht besser aus, wenn ein Landsmann das Stück gemacht bat, der Vorwurf der Ausländerei entfällt bei dieser Methode, aber man möchte auch wieder nicht so weit gehen — aus Gründen des Urheberschutzes ober aus Selbst­achtung — die ursprünglichen Autoren ganz zu ver­schweigen. Im Falle Salten liegt es wohl jo, daß man diesem geschmackvollen Schriftsteller den Auftrag der Bearbeitung einer erfolgreichen amerikanischen Komödie gab, daß aber bei noch so mühsamer „Ver­edelung" die Dürftigkeit der Idee nicht zu vertuschen war.

Worum es geht? Wie in Maughams „Brotver- dioner" steht ein Mann, der Zeit seines Lebens ge­schuftet hat und es zu Geld und Ansehen gebracht hat, in seinem Hause vor einer heillosen Situation: Tie Kinder sind ihm völlig entglitten, ihre Zärtlich­keiten muß er teuer bezahlen, mit Pelzmänteln. Autos und Motorbooten, die eigene Frau ist in den Jahren, in denen viele Frauen aus Angst vor dem Alter und aus geistiger Leere sich hemmungslos zu amüsieren versuchen. An der Lebenslust seiner Frau nimmt Jonny, der gute Daddy, nur durch Ausfallen von Scheckformularen teil. Trotzdem ist Jonny ein so herzensguter Kerl (in Oesterreich sagt man Trottel), datz er auch nach 26jähriger Ehe noch an eine Besse­

rung feiner Familienverhältnisse glaubt. Jedenfalls hätte er dis an fein Lebensende für Fran und Kin­der geschuftet und als Dank sich mit ein paar förm­lichen Zärtlichkeiten begnügt — wenn nicht in einer schönen Mondnacht sich eine wunderschöne Frau, eine ganz berühmte Schauspielerin, in Daddy verliebt hätte. Es ist das reine Märchen: Jenny und Jonny unterhalten sich wie die Kinder, ste schwärmen von Briefmarken und Wunfchinfeln und von einem Block­baus in Kanada, wo Jonny herrlich angeln könnte. In dieses Blockhaus entführt Jenny ihren Jonny mit List und Tücke. Sechs Wochen Glück, dann muß der atme Jonny wieder zurück. Er platzt zu Hause in die Vorbereitungen zu einem Maskenball, wird wie ein Schuhputzer behandelt und hätte trotzdem resigniert die Rolle des Browerdieners weiter ge­spielt, wenn nicht Jenny der versammelten Famttie eine Standpauke gehalten, sich als Jonnys Geliebte bekannt hätte und — vor Jonnys Ratlosigkeit — großmütig auf ihn verzichtet hätte. Da erst erwacht Jonny und stürmt mit einem Schrei hinter der Ge­liebten her.

An der echt amerikanischen Charakterzeichnung dieser Menschen kann auch eine Fehlbesetzung nichts verderben. So braucht Ilse Straaten als „retten­der Engel" sich keine Vorwürfe zu machen, daß sie für die Rolle einer Frau, die für amerikanische Be­griffe wahre Rekorde an seelischer Größe und Edel­mut schlägt, nicht die genügende „Reife" mitbrngr. Freilich liegt ihr das weiche Säuseln und naive Ge­tue keineswegs, aber sie wirkt gegenüber der herz­losen Familie Jonnys so engelhaft, daß das Pulssr- knm restlos für sie eingenommen ist, und ihr und Hans von Zedlitz begeistert zuklatscht. Zedlitz, der geborene Darsteller für solche Typen wie der gute gonny, trägt schauspielerisch die ganze Ausführung, hue seine tief ins Menschliche vörstoßende Charak­terisierungskunst wäre die Komödie in ihrer Ober­flächlichkeit und inneren Verlogenheit unerträglich gewesen. Um Jonny Zedlitz herum wird — von Rose Kipper, Maria Jöries, Annemarie Olbis, Kurt Dom- misch, Kühlewein, Moog und Fuchs — viel und nicht immer das beste Theater gemacht. G. M. V.

Kasseler Konzerte

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Paff ionsmusik der Kaff. Singgemeinde

Wir haben uns allmählich so sehr daran gewöhnt, daß der Passionsgedanke musikalisch in den großen Oratorien verkörpert wird, daß demgegenüber bte ein­fachen drei- und vierstimmigen Sätze der frühen Zeit eigentlich erst wieder entdeckt werden müssen. Wie lebendig, eindringlich und schlicht gerade in den ruhi­gen lyrisch gehaltenen Gesängen der Schütz-Zeit sich ei» naives mnerliches unkompliziertes Empfinden ausprägen tonn, das zeigte die sinn- und stilvoll zu- sammengestellte Vortraasfolge der Singgemelnde in der Schule „Lied und Volk", die unter Leitung von Walter Blankenburg klar und eindrucksvoll vor einer zahlreichen, andächtig lauschenden Zuhörerschar in der Brüderkirche zu Gehör gebracht wurde. Die drei- nnd vierstimigen Chorsätze wechselten mit einem kleinen geistlichen Konzert und einer Bach-Arie wir­kungsvoll ab, die von einer fttmmbegabten Sopra­nisten mit großer Wärme und edler Tongebung ge­sungen wurde. Reben den drei Kompositwnen von Hans Leo Haßler waren außer Scküy noch Gumpelz- batmer und Lechner mit Oangfeinen Sähen vertreten. Die Wiedergabe verriet ein sorgsames Studium und

ein freudiges Mift'chwingen, jene freie Beweglichkeit des 17. Jahrhunderts mit leichter dynamischer Auf­lockerung, die noch ganz unkonzertmäßig sich vorzüg­lich in den Rahmen einer musikalisch-liturgischen An­dacht, wie sie hier geboten wurde, einfügte. Den Auf­takt gab ein schöner alter Sanctus-Satz in nieder­ländischer Manier von Clemens von Paper. Umrahmt wurden die Darbietungen durch zwei Gemeindege- sänge Der Ertrag der Veranstaltung ist für die Ge­meindehilfe der Altstädter Gemeinde, insbesondere für bedürftige Konfirmanden bestimmt. St.

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Chorabend der Bürgerschule 24.

Georg Otto Kahse, der Leiter des Chors der Bür­gerschule 24, führte am Sonntag in recht interessanter Welse ein Bild von der Musikerziehung an der Ro- thenditmolder Bürgerschule vor. Die Vortragsfolge umfaßte außer Werken Joseph Haydns, als Erinne­rung an seinen 100. Todestag lediglich Kompositionen und Bearbeitungen zeitgenössischer Tonsetzer.

Ein Streichquartett, bestehend aus den Herren F ö r st, K l e i n d i e n st, Bode und graft spielte mit klarem musikalischem Aufbau und sehr ausge­glichen die Variationen ans dem Kaiser-Quartett von Haydn, denen später ein Largo aus Op. 76 von dem­selben Komponisten und „Variationen über ein eige.