/ Zweivn-zwanzigfier Jahrgang
Kasseler Renesse Kachrlchke«
Donnerstag, 3. März 1932 / 1 DeNage
Eine interessante Ausstellung
Deutsche, bevorzugt deutsche Hölzer!
„Deutsches Hol; im Deutschen Heim!" lautet der Name einer sehenswerten Londerausstellung zeitgemäßer Wohnräume aus deutschen Hölzern int Haus der Wohnungskunst Kassel Opernstraße 4—6. Veranstalter sind der Reichsforstwirtschaftsrat und Deutsche Forstverein und der Verband zur Förderung deutscher Wohnkultur, dem die führenden Möbelfirmen der größten Städte angehören.
Es war Mode, eine gedankenlos übernommene Anschauung in allen Kreisen der Bevölkerung, daß ein gutes Möbelstück aus ausländischen Hölzern hergestellt sein müsse. Hier will die kommende Ausstellung mir Wort, Bild und ausgesührten Zimmern aller Art beweisen, daß deutsches Holz genau so schön aussieht und genau so praktisch verwendbar ist. Was aber das Wichtigste ist: wenn viele von denen, die neue Möbel brauchen, mehr Möbel aus deutschen Hölzern für ihr Heim anschaffen, helfen sie ein tüchtiges Stück die große Not der deutschen Forstwirtschaft lindern. Viele tausend deutscher Waldarbeiter leben ohne jeglichen Verdienst in größter Armut, viele hundert einst blühender Betriebe liegen still, während für hunderte Millionen Reichsmark fremdes Holz in Deutschland eingeführt wird!
Künstler wurden beauftragt, neue sormenschöne Entwürfe zu schaffen, die leistungsfähigsten Fabrikanten mit der Ausführung betraut. Das Ergebnis vieler schaffender Hände und denkender Köpfe ist in dieser Vertrauenskundgebung für deutsche Werte vereinigt. In großer Auswahl findet man Zimmer jeder Art aus allen deutschen Holzarten, wie Eiche, Birke, Esche. Kirschbaum. Birnbaum, Nutzbaum. Platane usw.
Der Besuch dieser Ausstellung ist kostenlos.
Quer über -en Wochenmarki
Wenn der Morgen aufzieht, sitzt aus dem eisernen Gartengitter eine schwarze Vogelsrau. „Tschilp, ischilp" begrüßt sie eifrig die durch die Wolken gleitenden blanken Sonnenstrahlen. Sie schwänzelt kokett mit dem schwarzen Wippstert und perzelt mit Inbrunst bei ihrer Arie an die Märzsonne die kleine Federbrust. Der Winterlangschläfer im warmen Bett horcht auf: „Schau an, vor dem Fenster tut es sich schon wie Frübling! Die Piepmätze werden
mobil." Das Aufstehen erfordert fünfzig Prozent weniger Energie, das morgendliche Stimmungsbarometer zeigt eine Stunde früher gut Wetter. Und das hat mit seinem Sange ein Amseltier getan!
Trab, trab geht es im Sonnenschein zum Kö- nigsplatz. Das Fahrscheinheft tritt außer Kraft. Je länger seine Lebensdauer, desto stolzer das Gesühl seines Inhabers. Man rechnet haushälterisch: Die Ersparnis gibt zwei frische Hühnereier, zehne für 75, auch für 70 Pfennig. Oder ein dickes Entenei für 8 Pfennig oder ein Gänseei für 20 Pfg. Der Pfennig kommt wieder zu Ehren und spielt eine ausschlaggebende Rolle. Landbutter hält an ihrem Preise von 1,20 Mark fest, Gutsbutter und Molkereierzeugnis schwanken zwischen 1,40 und 1,50 Mark.
Am Donnerstag tritt man bereits der Frage des Sonntagsbratens näher. Wie steht es mit einem jungen hoffnungsvollen Kapaun zu 1,— Mark oder einem seiften Ziegenlämmchen zu 35 Psg. das Pfund? Junge Hähne zu 90 Psg., Suppenhühner zu 80 Psg. und Brathühner zu 75 Pfg. treten in Magenwettbewerb mit jungen Tauben von 70 bis 90 Vsg. das Stück. An ihren zarten Brüsten werd' ihr sie erkennen, ihre mit zehn Eiden beschworene Jugend.
Am Fiichmarkt gab es Großumsatz in grünen Heringen 3 Pfd. zu 40 Pfg., Schellfisch zu 30 bis 40 Pfg., Goldbarsch zu 25 bis 30 Psg.. Kabeljau zu 20 bis 25 Pfg., Seelachs zu 22 Psg., Schollen zu 30 bis 50 Psg., Rotzungen zu 50 Psg. und Filets zu 30 bis 50 Pfg. Aus den bisher vereisten Flüffen krabbeln Fuldafische zu 30 bis 35 Pfg., dicke Barben zu 50 bis 60 Psg. und hier und da ein schlanker Hecht ans Licht der Sonnen.
Gcmüsefreunde effen noch preiswert Grünkohl zu 15 Pfg., Sprossenkohl zu 20 Pfg., von den Kraut- sorten Wirsing und Rotkohl zu 10 bis 12 Psg.. Weißkohl zu 7 bis 9 Pfg , Wurzeln zu 10 Pfg., Unterkohlraben zu 8 Pfennig. Schwarzwurzeln zu 25 bis 35 Pfg., Lauchgemüse zu 20 bis 25 Pfg., die Meerrettichsauce zur Rinderbrust kostet 25 Psg. im Pfund. Einen tieferen Griff in den Beutel erfordern Spinat zu 30 bis 40 Pfg., Blumenkohlbäupter klein und noch kleiner zu 70 bis 45 Pfg., Rosenkobl- knospen zu 35 bis 40 Pfg., eine Handvoll Saucengrün als erste Frühlingsdelikatesse 50 Pfg. das Vier
tel, eine Handvoll Nüßchen 30 bis 40 Pfg. im Viertel, Kopfsalat und Endivien zu 30 bis 35 Psg.
Als Ergänzung der Salatherrlichkeiten: Sellerie von 18—25 Pfg., tote Rüben zu 10 Pfg., Tomaten von der weichherzigen zu 20 Pfg. über die härtere zu 35 Pfg. zur ganz hartherzigen zu 50 Psg., Brun nenkresse-Sträutzchen 3 Stück zu 20 Psg.
Als letzten Einkaus für das Magenprogramm eine wehende grüne Frühlingstrophäe: ein Schnittlauch bündelchen für einen Groschen zur „Illustrierung" des Butterbrotes oder als Reibekuchen-Jngredienzie.
prosit, Herr preiskommiffar!
Zur Mitteilung über das Unterbleiben der Vielpreissenkung in Kassel erfährt Wolffs Provinzdienst noch:
Der Regierungspräsident in Kassel hat aus begründeten Antrag der zuständigen Berufsoertretung und im Hinblick aus die schwebenden Verhandlungen über die Senkung der Biersteuer sich vorläufig, vorbehaltlich jederzeitiaen Widerrufs, damit einverstanden erkläit, daß von der Durchführung der Anordnungen des Reichskommissars für Preisüberwachung und seines Beaus- tragten in Frankfurt a. M. über die B i e r Preissenkung im Schankgewerbe vom 29. 1. und 6. 2. d. I. im Regierungsbezirk Kassel, mit Ausnahme des Kreises Grafschaft Schaumburg, Abstand genommen wird. Die Anordnungen über die Senkung der Brauerei- und Fiaschenbierpreife werden hierdurch nicht berührt.
Wetter«
Das Tief über der Biskaya hat bereits weitere Milderung und hohe Bewölkung gebracht. Durch den nur langsamen Abbau des östlichen Hochs kommt sein durchgreifender Einfluß noch nicht voll zur Geltung, so daß vorerst auch leine Niederschläge, sondern nur Bewölkung zu erwarten sind.
Aussichten für Freitag.
Temperaturen nachktz noch um Null unb"-oud> etwas darunter, tagsüber mild, zeitweise sich stärker verdichtende Bewölkung, noch trocken.
(Weitere Lokalnachrichten siehe Handelsseite.)
Sparpolitik, wie man sie in Berlin versteht
Preußen-Etat und Hessen-Kassel / Ausschnitte aus dem großen Zahlenwerk
Neues aus Kassel
Der,<mf den Hund gekommene^ Stadteta^
Die hohe Hundesteuer und ihre Folgen.
Im Anschluß an die früheren Gesuche um Ermäßigung der Hundesteuer erklären die Hundebesitzer- vereine:
Die Hundesteuer in Höhe von RM 70.— für den eriten Hund ist eine im Verhältnis zu anderen Städten ungerechtfertigt Hohe Sondersteuer, die für die übergroße Mehyahl der Tierhalter wirtschaftlich nicht länger tragbar ist.
Begründung: Obwohl die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung von Kassel eine unverhältnismäßig schlechte ist, steht Kassel in bezug aus die Höbe der Hundesteuer mit an höchster Stelle, nicht etwa in Preußen, sondern im ganzen Deutschen Reiche. Es ist unbegreiflich, wie Kassel mit den höchsten Steuersatz im ganzen Deutschen Reiche festsetzen konnte. Etwa um den Haushaltetat auszubalancic reu oder Kassel „hunderein" zu machen? —
Wir unterstellen nicht die Absicht, aber Tatsache ist, daß gerade die Aermsten unserer Stadt ihren treuen Freund und Beschützer dem Moloch der Steuer opsern mußten und müssen werden. Die hierorts bestehenden kvnologischen Vereine würden bei Herabminderung der Steuer bestrebt sein, der deutschen Hundezucht, die früher in Kassel in hoher Blüte stand, wieder Geltung und dadurch der Stadt Einnahmen zu verschasfen. Den Hundesteuerertrag bei sinkender Hundezahl infolge Steuerüberspanuung auf gleicher Höhe zu halten, ist eine einfache Unmöglichkeit. Weil erweislich die Ueberschraubung der Hundesteuer nicht, wie anscheinend erwartet wurde, erhöhte, sondern erheblich verminderte Einnahmen zur Folge hatte, sollte mit dem bisherigen Prinzip gebrochen werden, selbst auf die Gefahr bin, daß im ersten Jahr nur noch der Bestand erhalten bleibt und eine wesentliche Zunahme nicht sofort eintritt.
Eine üble, weil demoralisierende Folgeerscheinung der Sieuerüberschraubung ist die Steuerhinterziehung, deren Umsang mit der Untragbarkeit und häufigen Uneinbringlichkeit wächst. Stundungen, Entgegennahmen von Abschlagszahlungen, pfändungsweise Eintreibung oder Wegnahme bedeuten unproduktive Mehrarbeit für die meist ohnehin überlasteten Amts- stellen. Wir sind ehrlich genug, darauf hinzuweisen, daß unserer Meinung nach durch die höbe steuerliche Belastung viele Hunde zur Steuer nicht angemeldet oder nach auswärts in Verwahrung und Pflege gegeben werden. Dadurch wandert Geld von Kassel weg. Dem Hundebesitzer kann in dem Falle nur der Vorwurf gemacht werden, daß er aus Siebe zu seinem Tier eben alles versucht, um sich von ihm nicht trennen zu müssen, und das ist sein größter Stolz.
Bitter ist es für die Hundebesitzer von Kassel, die sich als Vollbürger und nicht etwa als lästiges Stiefkind ober nur als Milchkuh für Steuerzwecke betrachten, wenn beim Studium der kynologischen Zeitschriften immer wieder Kassel als eine Stadt genannt wird, die durch die erdrückend hohe Steuer die deutsche Hundezucht schädigt. Beweismaterial kann zur Verfügung gestellt werden. Geradezu vernichtend trifft es Vertreter, wenn auf Tagungen erklärt wird, daß Kassel als Fremdenstadt für Kartelltagungen, für Ausstellungen, Schauen, Prüfungen pp. geeignet fei, aber infolge der ungerecht hohen Steuer als Tagungsort solange gemieden werden müsse, bis die Stadtväter zur Einsicht kämen und die Steuer ermäßigten.
Es ist nicht abzuleugnen, daß Hundezucht und -Haltung außer dem wirtschaftlichen Umsatz auch noch einer großen Menge von Erwerbsständen Einnahmen verschafften, als Kassel noch nicht „bundeseindlich" eingestellt war. Dieser an sich natürliche Wirtschafts- Prozeß hätte der Stadt genügen müssen und mit den daraus entstandenen indirekten Einnahmen hätten die Stadwäter zufrieden sein können. Wir empfehlen dringendst, bei den Geschäften, die früher Artikel für Hundehaltung führten, nachzufragen, ob un- fere folgenden Angaben zutreffend sind. Wenn man einen Beißkorb kaufen will, ist keiner vorrätig, Hundeleinen müssen angefertigt werden. Sind Restbe- ftände an Hundebedarfsartikeln ausnahmsweise noch vorrätig, kann man dieselben zu einem Spottpreis erstehen.
Tierärzte sind erstaunt über Besuche mit kranken Hunden. Apotheken führen kaum ein Mittel gegen Würmer, Staupe, Räude oder zur Haarpflege. Vor Erlaß dieser wahnsinnig hohen Steuer soll es in Kassel wesentlich anders gewesen fein.
In der Hundehaltung und -pflege liegen tiefe, ideelle Gemüts werte. Neben den vielen sonstigen Eigenschaften des Hundes sind es nicht zuletzt ausgeprägte Anhänglichkeit, Treue ohne Falschheit, deutlich erkennbare Dankbarkeit, Unterordnung, Wachsamkeit, Mut und Draufgängertum, die ihn über andere Haustiere erheben.
Wir weisen aus Ueberzeugung noch darauf hin, daß Dienst am Hunde Dienst am Vaterland ist. Beweis:
20 000 Hunde wurden dem Heere während dos Weltkrieges freiwillig und kostenlos zur Verfügung gestellt.
Ein edles fchönes Zeichen für die Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft deutschen Hundliebbabertums. Wir neigen weiterhin zu der Auffassung, daß es keinen Menschen gibt, der sich nicht in Achtung vor den ganz enormen Leistungen des Kriegsblindenhundes beugt. Mit dem Ausruf „Lassen Sie uns Stadtmen scheu unseren Hund, das fast einzige, unverfälschte Stück Natur", fördern wir von den von uns gewählten Vertretern im Stadtparlament und dem Stadtoberhaupt eine tragbare Höhe der Hundesteuer!
Datz Gold„fieber". Tie Goldgewinnung bei Al lendorf hat nach den letzten Grabungen ein recht er freuliches Ergebnis gezeitigt. Die Massen sollen recht ergiebig sein, va man 37 Prozent Metallgehalt bei denselben sestgestellt hat. .
Oberpräfident Dr. Schwander verläßt Frankfurt. Oberpräsident Dr. Schwander verläßt Frankfurt und fiedelt nach Oberursel über.
Durch die Ausführungen des preußischen Innenministers aus der Berliner Konferenz der Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten, daß die Durchführung der in der preußischen Sparverordnung vom Dezember 1931 vorgesehenen Verwaltungsreform „zu günstigerer Zeit" erfolgen soll, hat für den Regierungsbezirk Kassel sehr viele Fragen geklärt, die sonst jetzt im Zusammenhang mit der Beratung des preußischen Etats für 1932 im Landtag akut geworden wären.
Die Vereinigung der Stellen des Oberpräsidenten und des Regierungspräsidenten in einer Hand, die Auflösung und Zusammenlegung von Landkreisen und die sich daraus ergebenden Fragen der großen Gebietsneugliederung sind wie viele andere Probleme zunächst vertagt worden.
Umso betrüblicher bleibt indes die Tatsache, daß die Sparverordnung hinsichtlich des
Kulturabbaus in Kassel und im Regierungsbezirk
anscheinend unbedingt durchgesübrl werden soll. Soweit die bestehenden Institute nicht unmittelbar durch Auflösung. Schließung ober Zusammenlegung betroffen werden, lautet das Diktat des Finanzministers auf rigorose Sparsamkeit. Es Wäre an sich vielleicht ganz gut, daß einmal ein preußischer Etat mit dieser rigorosen Sparsamkeit aufgestellt und durchgeführt Wird, aber ein grundlegender Fehler bleibt es, die Sparsamkeit jedesmal nur an der Stelle des schwächsten Widerstandes — und als solche muß trotz des Goethe-Jahres die offizielle Kulturpolitik angesehen werden — durchzuführen.
Aeußerste Sparsamkeit auf der ganzen Linie — gut, aber einseitig auf gewissen Gebieten — nein!
Wenn man sich einmal die Mühe gibt, in das verzweigte Zahlenwerk des preußischen Etatsentwurfs hineinzusteigen, wird man fehr schnell die dringende Notwendigkeit einer Reform der Etatstechnik erkennen. Wir glauben, daß selbst die gewiegtesten Etattechniker der preußischen Verwaltung ihre liebe Mühe und Not haben, sich durch das Zahlengewirr so hindurchzufinden, daß sie alsbald feftftetten können, Wie sich diese oder jene Position zusammenfetzt und Wie sie sich auswirkt.
Wie steht Hessen-Kassel im Etat?
Da die Reform der inneren Verwaltung ausge- fchoben ist, weift der Voranschlag lediglich die Aende- rungen aus, die durch Sparmaßnahmen eingetreten sind. Sonst bleibt hier einstweilen alles beim Wien. Selbst
die Stelle des Kasseler Regierungsvizepräsidenten, die vor einigen Tagen als Einsparstelle bezeichnet worden ist, befindet sich noch im Entwurf.
Im Bereich des Finanzministeriums sind im Kasseler Bezirk einige Personalveränderungen zu verzeichnen,
die zumeist durch die Vereinfachung des öffentlichen Kaffenwesens entstanden sind.
Im Etat des Ministeriums für Landwirtschaft zeigen sich die fast katastrophalen Rückwirkuiiaen der Wirtschaftskrise. Die Domänenverwaltung leidet auch im Kasseler Bezirk an
erheblichem Einnahmeausfall, da die Pachten gatnidit ober nur zu einem Teil eingehen.
Mehr als schlimm sind die Verhältnisse bei der Forst- verwaltung, deren Erträgnisse für ganz Preußen gegenüber dem Vorjahr (über 35 Millionen Mark) auf rund 780 000 Mark im Jahre 1932 berechnet werden! Als wohl her waldreichste Bezirk der preußischen Verwaltung ist unser Regierungsbezirk an diesem Rückgang ganz erheblich beteiligt, Wenn sich ans der dem Etat beigefügten liebersicht über die Erträge des abgelegenen Jahres ergibt, daß oie hiesige Forstverwaltung noch verhältnismäßig günstig Wirtschaften konnte. Mit wieviel Obersörsterstellen Hessen-Kassel an dem beabsichtigten Abbau beteiligt ist, läßt sich ans dem Etat noch nicht feststellen.
Der Umfang des Kulturabbaues
ergibt sich aus dem Etat des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Man stößt in diesem Etat auf merkwürdig viel Widersprüche mit früheren Angaben, die sich wohl nur erklären lassen, Wenn man annimmt, baß sich das Kultusministerium in zahlreichen Fragen noch nicht mit bem Finanzminister geeinigt hat.
Vorneweg möchten wir ein besonderes Kurio fum nehmen: Die Kunstakademie in Kassel, deren Schließung unvermeidlich erscheint, erforderte im Jahre 1931 einen staatlichen Zuschuß von rund 125 000 Mark, während für das Jahr 1932, also nach Schließung der Akademie und nach Fortfall der bisherigen Einnahmen, rund 148 500 Mark angefordert werden! Soll das die letzte ministerielle Weisheit fein, daß ein Institut nach feiner genraltfamen Schließung einen höheren Zuschuß erfordert, als während feines Bestehens? Die Volksboten werden den Herrn Minister hier sehr eindringlich um Auftlärung angehen müssen.
Ein auch im Etat noch ungeklärter Komplex sind die Verhältnisse des
Kasseler StaatstlMaters.
Die in der öffentlichen Diskussion mehrfach genannten „Leerlaufausgaben" sind im Voranschlag mit 543 320 Mark enthalten. Diese 543 000 Mark müßte die preußische Staatsregierung auch dann bezahlen, wenn sie das Theater schließen würbe. Für Wiesbaden betragen diese laufenden Ausgaben 1,101 Mill. Mark, also ein beträchtliches mehr.
Wenn der Gesamtzuschuß Preußens zu den Staatstheatern 7,117 Mill. Mark und nur rund 1,6 Mill. Mark auf Kassel und Wiesbaden entfallen, bann kann man sich ausrechnen, was in
den Berliner Theatern „hängen" bleibt — und wie leicht es wäre, die für Kassel immer noch strittigen 100—200 000 Mart irgendwo hcrauszu fchlagen, ohne daß ein fo großes Unglück passiert, wie es die Schließung des Kasseler Staatstheaters ist!
Die übrigen Kasseler Kunstinstitute erscheinen mit normalen, aber ebenfalls gekürzten Zuschüssen nn Etat: das Hessische Landesmuseum und bic Staatliche Gemäldegalerie erhalten einen Zuschuß von 105 000 Mark gegen 125 000 Mark int Vorjahr.
Recht beträchtlich sind die Leistungen des Staates auf dem Gebiet des Schulwesens. Die
Universitäten Marburg und Göttingen
haben zwar auch eine Kürzung des Staaiszuschusses erfahren, 'Marburg von 3,114' Mill. Mark int Vorjahre auf 2,740 Mill. Mark und Göttingen von 3,590 Mill. Mark im Vorjahr auf 3,080 Mill. Mark. Außerdem sind bet beiden Hochschulen noch eine ganze Reihe von Sonderleistungen vorgesehen.
Für
die höheren Schulen des Bezirks
hat Preußen auch in dem neuen Etat erhebliche Zuschüsse übernommen, und zwar werden in Kassel folgende Zuschüsse geleistet: Wilhelms-Gymnasium 128 000 RM, Friedrichs-Gymnasium 63 600 RM. Darüber hinaus werben staatliche Schulen unterhalten in Arolsen (Zuschuß 45 600 RM), Corbach (72 000 RM), Hanau (70 600 RM), Fulba (105 600 RM.), Hersfelb (115 300 RM), Marburg (76 350 RM), Rinteln (59 200 RM), Schmalkalben (41 000 RM), Dazu kommen bie Ausbauschulen in Frankenberg (42 600 RM), Fulba (43 600 RM), Homberg (35 550 RM), Rotenburg (39 800 RM). — An nichtstaat - liche Schulen werden solgende Zuschüsse geleistet: in Eschwege (21 000 RM), Fulda O.-R. (14 000 RM), Hofgeismar (25 000 RM), Marburg O.-R. (9000 RM), Melsungen (10 000 RM), Bad Wildungen (10 000 RM). In Kassel erhält die Oberrealschule I einen Zuschuß von 3150 RM.
An staatlichen Mädchenschulen erhält die Malvida von Meysenbugschule in Kassel an Staatsmitteln 95 760 RM, die Elisabethschule in Marburg 74 700 RM, das Lyzeum in Eschwege 20 600 RM). Tie nicht- staatliche Luisenschule in Hersfeld steht mit 5000 RM im Etat. Die Aufbauschule in Schlüchtern wird weiter ausgebaut, sie erfordert 1932 aus Staatsmitteln 20900 RM.
Wie gesagt, das ist aus dem verwirrenden Zahlen- Werk „herausgeklaubt", ohne daß es einen sicheren Ueberblick über die wirklichen Leistungen des Staates gibt. Die endgültige Feststellung des Etats im preußischen Landtag wird in erster Linie die noch unklar gebliebenen Fragen — siehe Staatstheater! — endgültig klären müssen! Hier ist ein geeignetes Betätigungsfeld der hessischen Abgeordneten, nicht nur der Regierungsparteien, die nun zeigen können, ob sie chrc Fraktionen mobil zu machen verstehen. g.
Wut lOctut, noch 2 neue Marken erscheinen: Man darf1 eine 3$ Pfg Zigarette nicht größer herstellen als CLUB ist, und vor allem - man kann sie nicht besser herstellen H bestimmt als obere Gewichtsgrenze für J^Pfg. frrnwn _