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Kasseler Treueste Tkachrichten

Mittwoch, 2. MSrz 1932

Volksernährung aus eigener Scholle!

int.

Oer Wahlaufruf der ASOAP

Ein Appell der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft Llm die Sicherung der Ernte 1932

Westfalen-Süd verläßt Die O.V.P.

Hembeck erklärt den Austritt der südwestfälischen Organisation / Hugo und Dingeldey reisen nach Dortmund

wlr^n können. Da sich aber die Reichsregierung durchaus bewußt sei, daß der Einsatz von Kapitalien für die Erstellung der Ernte in diesem Jahre be- sondere RisUen emschlietze, seien bereits Schritte eingeleitet, um eine gesunde Kalkulations­bas -s zu schaffen und diese Risiken so weit wie irgend angängig zu vermindern.

München, 2. März.

Die Reichsleitung der NSDAP, hat einen Aufruf zur Relchspräsidentenwahl erlassen, in dem es u. a. hetßt:

Deutsche Männer! Deutsche Frauen! Am 13. März wird über das Schicksal der deutschen Station entschieden, das Euer aller Schicksal ist. Nach 13 Jahren nationaler Demütigung, nach 13 Jahren un­erhörter Mißwirtschaft der schwarz-roten November- Parteien, nach 13 Jahren furchtbarer materieller und seelischer Not ist Euch durch Ablauf der Amtsdauer des Reichspräsidenten der letzten sieben Jahre die Möglichkeit gegeben, Euer Schicksal zu wenhen. Die Männer der Demokratie", die vorgehen, das Recht des Volkes zu wahren, haben Euren am 14. Septem­ber 1931 und seit dem immer wieder kundgegebenen Willen mißachtet und die deutsche Freiheitsbewegung daran gehindert, ihren Willen zu vollziehen.

Nun ist die Stunde der Abrechnung gekommen. Es gibt für die Notverordner kein Ausweichen und keinen Schlupfwinkel mehr. Das System des Zu­sammenbruches wird vor den Richterstuhl des Volkes gestellt.

Der Aufruf wendet sich weiter scharf gegen die Politik der Sozialdemokratie, derPseudodemokra­tie" und des Zentrums und fordert schließlich zur Wahl Hitlers auf.

Berlin, 2. März.

Der Preußische Landtag begann am Dienstag einen kurzen Plenarsitzungsabschnitt, der ^^^^ft^bigung kleiner Vorlagen gewidmet ist.

Präfident Wittmaack sagte den Deutschnationalen aut ihren Wunsch zu, daß er die Staatsregierung f9en_ wolle, ob sie entgegen ihren bisherigen Dispositionen nicht doch die Interpellation der Deutschnationalen schon jetzt beantworten wolle, die sich gegen die französische Stellungnahme für eine längere Besetzungsfrist des Saargebietes ausspricht.

Ein staatsparteilicher Antrag, sofort alle MZ- nahmen gegen die zunehmende parteipolitische Ver­hetzung der Schuljugend zu treffen, war zwar im Ausschuß angenommen worden, wurde jedoch im Plenum nach kurzer Aussprache deshalb abgelehnt, weil die Regierungsparteien, die ihn befürworteteil, sehr schwach vertreten waren. Ein kommunistischer Antrag auf sofortige Freilassung des im sog. Bom­benlegerprozeß in Altona zu Zuchthaus verurteilte» Bauernführers Claus Heim wurde abgelehi

Schließlich wurden kleinere Polizeibeamten-Vör- lagen angenommen. In der heutigen Sitzung wird vor allem über das neue Disziplinarrecht der Stu­denten verhandelt.

Oer Reichslandburid

zur Präsidentenwahl

Berlin, 2. März.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm m seiner Sitzung am Dienstag folgende Entschließung zur Reichspraiidentenwahl an:

. »Die nationale Opposition hat die Proklamation Hindenburgs durch die Parteien des Weimarer Systems mit der Herausstellung ihrer Vorkämpfer, Hitler und Duesterberg, beantwortet. Der Reichsland­bund steht im Lager der nationalen Opposition Er wird seine Stimme nicht für Hindenburg einzeichnen. Der Kampf für den einen der beiden Kandidaten der nationalen Opposition darf nicht zum Kampf gegen den andern werden. Unfer gemeinfamer Kampf rich tet sich gegen die Herrschaft der verderblichen Kräfte, die für die Irrwege unserer bisherigen gesamtstaat­lichen und Wirtschaftspolitik verantwortlich sind"

Das Genfer Arbeiisprogramm

Genf, 2. März.

Das Präsidium der Abrüstungskonferenz hat in einer mehrstündigen geschlossenen Sitzung das von Bene sch als Hauptberichlerstatter ausgearbeitete allgemeine A r b e i t s p r o g r a m m durchberaten. Ein Vorschlag von französisch-tschechoslowakischer Sei­le mit Unlerstützung der Kleinen Entente, das Ar­beitsprogramm in der vorliegenden Fassung anzu­nehmen, wurde abgelehnt. Das Präsidium beschloß zunächst, sämtlichen Abordnungen mit dem Ersuchen um Vorschläge und Anträge zugehen zu lasse» und odann von neuem zusammenzulreten. Die endgül­tige Entscheidung über die Annahme des Arbeitspro- zrammes der Konferenz soll sodann dem Hauptaus- chutz überlassen bleiben. Ferner ist grundsätzlich be- chloffen worden, daß das Aröeitsprogramm nicht eine feste Tagesordnung der Konferenz, sondern ledig­lich eine allgemeine Richtlinie darstellen soll und daß es den einzelne» Ausschüssen, insbesondere dem Hauptausschuß, freisteht, die Reihenfolge der iltr Verhandlung gelangenden Fragen zu be- tintmen.

Dem Arbeitsprogramm mutz nach allgemeiner Aus- äffung grundsätzliche Bedeutung beigemessen werden, da darin die auf der Konferenz zur Verhandlung, gelangende» Frage» der Abrüstung festgelegi werden. Die deutsche» Avrüstungsforderungen und -Anträge kommen in dem Entwurf des Arbeitsprogramms in I ölgender Weise zum Ausdruck: Im Artikel eins des I Abkommensentwurfes, der die Grundlage des gesam-

schutz waren die Agenten dieser Ideen in der Par­teiorganisation von Rheinland und Westfalen-Sud Sie haben feit Monaten durch Ultimaten und Aus­trittsdrohungen die Führung der Partei zu beein­flussen gesucht, aber ihre wahre Absicht, nämlich die Partei in ein feindliches Lager hinüberzuführen, auf alle Anfrage» hin immer wieder geleugnet Vor­teilhaft sticht davon das Verhalten des'früheren Reichstagsabgeordneten Hueck in Gelfenkirche» ab, der niemals ein Hehl aus feiner Hineigung zu deutsch- nationalen Auffassungen gemacht hat und, als er da­durch in Konflikte kam, fein Amt als Vorsitzender niederlegte und aus der Partei ausschied."

Abg. Kalle begrüßt es ferner, daß es jetzt in der Partei keine Ultimaten mehr und keine Pressionen mehr geben werde und schließt feine Ausführungen mit folgendem Appell für Hindenbürg:Die Parole für jeden Deutschen, dessen Herz für das Vaterland glüht, dessen Denken noch nicht vom Parteigeist be­engt ist, muß heute lauten: Unser Hindenburg muß Reichspräsident bleiben! Und dafür will die Deutsche Volkspartei innerlich gefestigt und geschloffen sich mit ganzer Kraft einfetzen."

Kleinarbeit im Landtag

aber er hat nachgegeben, weil Stahlberg und Relan- der es verstanden haben, ihm die Notwendigkeit die­ser Industrialisierung klarzumachen. I» den kommu- nisttschen Lehre» sieht er aber eine Gefahr für feinen Defttz, feinen Wald und seine Seen, an denen er mit starker Liebe hängt.

_ Ziese starke Heimatliebe ist Withori Kosolas stärk­ste Waffe. Er weiß sehr genau, aus welchem Grunde er sich der weiteren Ausdehnung der Papier- und Margarineindustrien so eifrig widersetzt. Wenn auch nur dank ihrem Bestehen Finnlands Außenhandels­bilanz mit 5,66 Millionen Finnmark auf der Einfuhr und 5,63 Millionen Finnmark auf der Ausfuhr- seUe ungefähr balanciert, wenn auch nur dank ihr die Ltaatsfinanzen wenigstens einigermaßen t» Ördnuna sind, steht der Mussolini in Bauernkleidern doch in ihr die größte Gefahr für eine Verproletarisieruna der Bevölkerung. Kosola willein freies Finnland in dem freie Bauern auf freier Scholle sitze»!" Ein Ziel das angesichts der komplizierte» außenpolitische» und wirtschaftliche» Verhältnisse Suomis nicht ganz leicht zu verwirkliche» sei» wird.

W. Hoeppener=Platow.

fen Arbeitsprogrammes bildet, ist der deutsche Antrag aitfgenommcn:Die in den Friedensvertragen auf­erlegte Abrüstung muß als Richtlinie für die Herab­setzung der Rüstungen aller Mitgliedstaaten des Völ­kerbundes angesehen werden, Schaffung eines einheit­lichen, für alle Staaten in gleicher Weife anwend­bare» Systems gleichen Rechtes und gleicher Sicher­heit, Vorschlag Deutschland, Oesterreich, Bulgarien und Ungarn, In der gleiche» Abteilung steht sodann die Forderung der italienischen Regierung: Gleich­heit des Rechts für sämtliche Staaten und Festsetzung der Rüstungen aus ein Mindestmaß."

Der berüchtigte ArtUel 53 des Abkommensent­wurfes wird in dem Arbeitsprogramm in der fol­genden Weise dargestellt: Erste Abteilung die Be­stimmungen des Abkommensentwurfes:Aufrechter­haltung der bestehenden Verträge". Zwei Abteilung: Antrag Deutschland:Die Bestimmungen der Frie­densverträge über die Abrüstung sind durch neue Ab- rüstungsablommeA zu ersetzen." Dritte Abteilung: Grundfätzltche von Deutschland aufgeworfene Fragen: Uniformierung der Methoden der Abrüstung nach dem Grundsatz des Rechtes der Staaten." Viertens: Bemerkung des Berichterstatters:Diese Frage wird im Hauptausschuß bei Durchberatung des Artikels eins erörtert werden."

Das Präsidium hat Henderson, Politis, Benesch und Motta ermächtigt, eine Tagesordnung für die Verhandlungen des Hauptausschusses und der vier technischen Ausschüsse auszuarbeiten. Diese Tages­ordnung wird in der nächste» Sitzung des Prä­sidiums durchberaten werden.

th. Berlin, 2. März.

Die Vorgänge in der Deutschen Volkspartei haben jetzt dazu geführt, daß außer dem Wahlkreis Berlin auch der Wahlkreis Westfalen-Süd offen zu de» Deutfchnationalen übergegan- (j_en ist. Dabei wird allerdings von volksparteilicher sette darauf hingewiefen, daß es sich lediglich um den fogenannten Parteiapparat bezw. die Vorstands- mitglieder der beiden Wahlkreife handelt, während die Wirtschaftler bezw. die Parteimitglieder auch in Ber­lin und in Westfalen-Süd zum sehr großen Teile bei der Deutschen Volkspartei geblieben sind.

Der Parteivorstand hat gestern eine Sitzung ab gehalten, in der er vor allem feststellt, daß ähnliche Erscheinungen wie in Berlin und Westfalen-Sub aus keinem anderen Wahlkreise berichtet werden. Der Ab­geordnete Dr. Hugo ist int Auftrage des Parteivor- standes nach Dortmund abgereift, um im Wahlkreise Westfalen-Süd Verhandlungen über die Aufrecht- erhaltnng bezw. Neuorganisation des dortigen Parteiapparates zu führen. Der Parteivorsitzende Dingeldey wird sich in wenige» Tagen ebenfalls dorthin begeben.

Kein Zerfall, sondern Klärung"

Von volksparteilicher Seite werden wir um Ver­öffentlichung eines Artikels gebeten, in dem stch der in unferem Wahlkreis gewählte Abg. Kalle unter dem TitelKein Zerfall, fondern Klärung" mit den Vorgängen in der Volkspartei beschäftigt. Wir ent­nehmen diefem Artikel u. a. folgendes:

Es ist schon einöffentliches Geheimnis", daß seit einiger Zeit in den rheinisch-westfälischen Wahl­kreisen Bestrebungen umlaufen, die Politik der Deut- fchen Volkspartei immer mehr auf die Hilgenberg sche Liüie umzustellen. Diese Bestrebungen haben stch schließlich dahin verdichtet, daß man de» Verzicht auf das Eigenleben und die Unterwerfung unter Hugen­berg verlangte Einem Manne wie mir. der selbst der Wirtschaft angehört, war es ein besonderer Schmerz, Zu sehen, daß es in erster Linie in Westfalen gerade Vertreter der Industrie waren, die solche Gedanken gefördert und maßgebend beeinflußt haben. Ich be­klage diese Vorgänge deshalb so sehr, weil es nach meiner Ansicht niemals Aufgabe in­dustrieller Unternehmungen und Ver­bände fein follte, in so aktiver Weise in das par­teipolitische Getriebe einzugreifen.

Der frühere Abgeordnete von Gilfa, der Wahl­kreisvorsitzende Hembeck und fein Generalsekretär

Berlin, 2. März.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesell- schaft (D.L.G.) hatte gestern Vertreter der Presse zu einer Aussprache eingeladen über die noch be­stehenden dringenden Notwendigkeiten zur Siche- rung der Ernte 193 2. Die Grundlage der Diskussion bildete eine von der D.L.G. herausge- aebene Denkschrift von Rittergutsbesitzer Dr. h. c. Schurig-Zeestow.

Der Verfasser der Denkschrift wies darauf hin, daß Deutschland in Anbetracht der Devisenlage die Rahrungsmitteleinfuhr aus dem Aus­lande soweit wie irgend angängig einschränken müsse, der deutschen Landwirtschaft falle deshalb die wichtige volkswirtschaftliche Aufgabe zu, einen mög­lichst großen Teil des deutschen Nahrüngsmittelbe- darfes aus eigener Erzeugung zu decke». Der Red­ner betonte den wertmäßigen Rückgang der Ein­fuhr landwirtfchaftlicher Erzeugnisse feit 1927. Wäh­rend 1927 noch Auslandsprodukte im Werte von 4 Milliarden Mark importiert werden mußten, betrug der Einfuhrbedarf 1931 nur 1,6 Milliarden Mark. Das große, seit Jahrzehnten erstrebte Ziel, das deutsche Volk aus eigener Scholle zu versorgen, fei damit annähernd erreicht.

In diesem Augenblick drohe aber die ungeheure Gefahr, daß die Landwirtschaft durch die Not der Verhältnisse gezwungen fei, auf dem erfolgreich be- fchrittenen Wege umzukehren. Wir stünden heute vor einer ähnlichen Lage wie in der Kriegszeit. Was damals durch die Blockade der Feinde verur-. facht wurde, könne heute durch den Mangel an Kapital heraufbeschworeu werde», eine Lebens­mittelknappheit durch Verminderung der deutschen Ernte, denn der Landwirtschaft fei durch die er­zwungene Einfchränkung der Düngung die Möglichkeit zur Wiederherstellung einer Renta­bilität genommen.

Die D.L.G. richte in letzter Stunde einen Appell an die Landwirtschaft, tunlichst alle für die Errei­chung einer guten Ernte unerläßlichen Betriebs­mittel voll einzufetzen und fo Ernte und Volkser­nährung zu sichern.

In der Aussprache ergriff u. a.

Rcichsminister Dr. Schlange-Schöningen

das Wort. Auch er wies auf die außerordentlichen Gefahren hin, die fowohl für die deutsche Landwirt­schaft als auch für die gesamte deutsche Volkswirt­schaft daraus erwachse» könnte», wenn nicht alle zur Verfügung stehenden Betriebsmittel eingesetzt wer­den würden, um eine möglichst große Ernte zu er­zielen. Der Minister ging sodann noch auf gewisse Forderungen landwirtschaftlicher Steife ein, die im Zusammenhang mit dem erforderlichen Düngerauf- wand hinsichtlich einer Preisgarantie der Reichsregierung aufgestellt worde» sind. Er wies darauf hin, daß sich derartige Garantien bet einer nach oben gerichteten Preisgestaltung des Weltmark­tes, die immerhin im Bereich des Möglichen liege, auch schwer zu Ungunsten der Landwirtschaft aus-

Sette 1

führte am 13. Oktober 1930 den Führer der Liberalen de» ehemaligen Staatspräsidenten Stahlberg um fei» nen ®innuB auf die Regierung zu brechen.

Staatsregierung trat zurück, alle konimunisti- 1!* veitungen wurden verboten, alle bolfchewisti- fchen Verbände aufgelöst, die übrige» Forderungen ber Lappos, die sich in erster Linie aus dem mittlere» Bauerntum rekrutieren, weitgehendst erfüllt. Die Hundertschaften fluteten zurück in ihre Dörfer, aber öte Organisation blieb als festgefügtes Ganzes be­stehen, auch weiterhin geleitet von Withori Kosola und dem ehrgeizigen General a. D. Wallenius.

*

Finnland trotz seiner noch sehr jungen, aber zielbewußt aufgebauten Industrie ein ausgespro- coener Agrarstaat. 60,3 Prozent feiner Boden- stache sind mit Waldungen bestanden, 6,1 Prozent sind Ackerland. 1,7 Prozent Wiesen, 44 850 'Quadratmeter find Seen, der Rest Sümpfe und Moore.

Der feit Jahrhunderten mit feiner Scholle ver­wachsene Dauer, der Fischer und Jäger hat sich ener­gisch gewehrt gegen die Industrialisierung im Westen;

Neuzeitliche Astrologie

Eine Entgegnung von Dr. Walter Grothe-Kassel

Oie Weltanschauung von Morgen ?

Geburtsaugenblick, der nun einmal der bekannteste Registrierpunkt für die Astrologie geworden ist, über den die meisten Erfahrungen vorliegen. Ganz fo be­deutungslos ist auch der Geburtsaugenblick nicht für den Menschen; hier tritt er zum ersten Mal ohne Schutzhülle, ohne die Zwischenschicht eines andern organischen Wesens unmittelbar den Straften der Um­welt entgegen. Er wird in diesem Augenblick zum ersten Mal als selbständiges Wese» für den astrolo­gischen Erfahrungszusammenhang faßbar.

Eine reine Angelegenheit der Erfahrung sind die verschiedenen, fo viel belächelte» Arbeitsmethode» der Astrologen. Der eine berechnet das Horoskop nach der ungleichen, der andere nach der äquaten Manier. Der eine schwört auf die Hamburger Astrologen­schule, wieoer ein anderer auf Glapn ober Mrsic. Was tut das schon? Wenn nur das Endergebnis in den Hauptpunkten überetnstimmt! Die gangbarste, einfachste und zuverlässigste Berechnungsmeihode wird sich erst im Laufe langer systematischer Forscherarbeit herausschälen lassen. Diese systematische Arbeit aber hat erst feit etwa zwei Jahrzehnten eingesetzt und lei­det ungemein unter dem Existenzkampf, den die un­mäßig angefeindeten Astrologen zu führe» habe». Um zur richtigen Einschätzung des Verhältnisses zwischen Methode und Ziel zu gelangen, vergegenwärtigen wir uns als Beispiel die Bezwingung eines hohen noch unbekannten Berggipfels. Viele Wege führe» hinauf. Der gangbarste und sicherste aber wird sich erst herausfinden lassen, wenn Erfahrungen über alle möglichen Wege vorliegen. Wenn sich die Astrologen um ihre Methoden streiten, so verfallen sie hier ge­nau wie andere einem deutfchen Erbübel. Anscheinend ist dem Deutschen der Streit um Methoden oft wich- tigcr als die Erreichung des Zieles an und für sich.

Und nun zum Angriff auf das schwerste Geschütz der Gegner. Kan» es zum Schweigen gebracht wer­den? Wenn schon die astrowgifchen Daten auf Tat- Ken beruhen, wenn alles dem, was wir Menschen hrheit nennen können, entgegenreift, bau» muß diese Wahrheit bem Mensche» verhüllt bleiben, wie bas verschleierte Bild von Sais! Besonbers der christ­liche Mensch wird diese Bedenken vorbringen. Die Bibel warnt ausdrücklich vor den Wahrsagekünsten. Hier bestehen schwere seelische und ethische Gefahren, das ist nicht zu leugnen. In ber Hand gewissenloser Astrologe» kann ein Horoskop schwache», von Willens­kraft »»behüteten Menschen verhängnisvoll werben. Wir stehen hier tatsächlich im Brennpunkt ber Fragen, Anhängern wie Gegnern gleich bedeutungsvoll Wir sinh verpflichtet zur genauen Prüfung ber Echtheit dieses Problems. Vielleicht entpuppt es sich boch c!s Scheinproblem. bas uns unnötige Sorgen bereitet hat? (6in zweiter Artikel folgt).

zu fein, bas gegen die Astrologie in's Feld geführt werden kann. Diese Befürchtung ist meines Erachteils überhaupt der Grund, warum sonst so gewissenhafte, vor keiner Nachprüfung zurückscheuende Forfcher sich weigern, auch nur die 'Voraussetzungen tastrologischen Denkens unvoreingenommen zu untersuchen.

Was behauptet "denn die Astrologie im Grunde ge­nommen? Muß sie, um ein Menschenschicksal im Horoskop graphisch zu bestimmen, unbedingt voraus­setzen, daß Gestirne Menschenschicksale beeinflussen? Der Astrologe, der solche Annahme als unumstößliche Tatsache hinstellen wollte, verdiente allerdings^ wissen­schaftlich nicht ernst genommen zu werden. Bewiesen ist bislang ein solcher Einfluß nicht. Ebensowenig, wie um ein Beispiel zu nennen die Existenz von Atomkern und Elektronen bewiesen ist. Hier be­rechtigt eine klug gefcymitete Folge von Experimenten den Forscher zu der Annahme, daß Atomkern und kreisende Elektronen ein Sonnensystem im Kleinsten sind.

Diese wissenschaftliche Arbeitsmethode bezeichnet man als Arbeitshypothefe, die es ermöglicht, einzelne Tatsachen überhaupt erst in einem Erfcheinungszu- sammenhang emzuordnen. Nun, der Astrologe kommt auf Grund einer jahrhundertelangen Beobach.ungs- reihe, auf Grund einer Fülle von Erfahrungstatsachen zu der Feststellung von Entfprechungen zwischen Ge- ftirnkonstellation und Menschenfchickfal. Lediglich als Arbeitshypothefe wäre es zu werten, wenn er darüber hinaus annehmen wollte, diese Entsprechungen be­ruhten auf Einflüssen der Sterne, bezw. von Him- melätraftfelbern, die aus mnemotechnifchen Gründen mit den Namen ber zwölf Tierkreisräume belegt wer­den. Und kein gerecht denkender Mensch bürfte daraus einem Astrologen, vorausgesetzt, daß er sich des Hypo- thetifchen seiner Arbeitsweise bewußt bleibt, einen Vorwurf machen.

Im übrigen ist es für die praktischen Ergebnisse der Astrologie nicht nur völlig belanglos, ob die Sterne einwirken ober nur Uhrzeiger des Schicksals sind, nein, belanglos auch ist es, wie und warum es fo ist. Das interessiert erst den philosophischen Men-

Gut. Nun aber den Augenblick ber Geburt her­auszugreifen, zu ihm das ganze Himmelssystem in Beziehung zu setzen, ist willkürlich. Richtig, das ist willkürlich. Ebenso willkürlich ist es, wenn der Astro­nom alle Berechnungen auf den winzigen Punkt un­serer Erde hin vornimmt. In einem System unend­licher Beziehungen ist eh belanglos, welchen Punkt wir herausgreifen, wenn er nur für un# genau fi­xierbar ist. Der Astrologe könnte auch den Augenblick ,ver Empfängnis wählen, der vielleicht wichtiger ist!

sehen, daß sich jemand der Mühe unterzogen hätte, das Tatsachenmaterial der astrologischen Entsprechun­gen darauf hin zu sichten, was daran der Suggestion, was dem Zufall zuzuschreiben ist, jenem berühmten Zufall, den wir so gern als Pflaster auf unsere wis­senschaftlichen Verlegenheiten kleben. Erst wenn diefe Arbeit und das ist eine Lebensarbeit geleistet ist, und der Nachweis gelungen wäre, daß es sich tn der Mehrzahl der Fälle um Suggestion und Zufall (bei wissenschaftlichen lleberlcgungen ein Willkürlich­keitsfaktor größten Ausmaßes!) gehandelt hat, erst bann haben bie Gegner jene Gewissenhaftigkeit ber Arbeit bewiesen, bie sie in oft recht gehässiger Weise den Astrologen absprechen. Es fei gleich hier bemerkt, daß es eine große Zahl von Fällen gibt, wo Suggestion als Erklärung auszuscheidon hat. bei­spielsweise bei Tierhoroskopen oder bei Vorausbestim­mungen, bie nicht den Horoskopklienten selbst, sondern dessen Angehörige betreffen; selbstverständlich auch bei alle» Horoskopen, die ohne Wissen des Klienten aus­gestellt sind.

Das empirische Tatsachenmaterial ber Entsprechun­gen zwischen Stern und Schicksal macht gleichzeitig den Einwanb hinfällig, ber sich auf bas Verhältnis von der Größe des Alls zur Nichtigkeit einzelner j Menschenschicksale, zur Belanglosigkeit einzelner Men- schenhandlungen gründet. Einwände dieser Art er­wecken den Anschein großer Bescheidenheit. Genau betrachtet sind sie das Gegenteil. Denn sie verlange» für den Menfchen eine Ausnahmestellung im All, das doch aufgefaßt werben muß als ein ungeheures, unserm Verstand immer noch unfaßliches Be- ziehungsspstem, ein System von Geben und Empfan­gen, Kamps, Hilfe, Bereitschaft und Entsprechungen. Das ist allerdings eine Voraussetzung, bie aber not« toenbig gemacht werben muß, wenn wir überhaupt von einem Weltall sinngemäß sprechen wollen. Unb bann: wer sagt uns, was sub specie etetni groß unb wichtig, was klein unb unwichtig ist?Ein Tag kann eine Perle sein, unb ein Jahrhundert nichts!" Von Atomenergien hängt das Dasein ber Riesensonnen ab, von einer Menschenhanblung sei sie anscheinend noch fo unbedeutend, oft das Schicksal eines Lebens, ja eines ganzen Volkes.

In dankenswert zurückhaltender Form hat kürz­lich Herr Studienra: t R. Dr. Paul Kirchberger zu der FrageSternglaube Aberglaube?" in den K. N. N. Stellung genommen. K. ist von Hause aus Naturwissenschaftler, Mathematiker und Astronom, der sich um die Popularisierung der Naturwissen­schaften Verdienste erworben hat.

Für den Astronomen steht es von vornherein fest, daß Astrologie Aberglaube ist. Läßt er doch bei feinen Beobachtungen bie Beziehungen der Sterne zum Men­schen außer Betracht, weil sie ihm ganz unmöglich er­scheinen. So besagt den» auch der erste von K. er­hobene Einwand: derart unwichtig seien die Men- schendinge tm großen Weltgeschehen, daß die An­nahme, bie Sterne übten irgenbeinen Einfluß auf sie aus, anmaßend fei. Unb wenn schon Einflüsse, etwa Strahlen, notgebrungen angenommen werden, find sie infolge ungeheurer Entfernung so schrrach wirksam, daß sie von näherliegenden stärkeren Kräften ausge­schaltet werden. Und gesetzt auch, daß diese Ausschal­tung nicht erfolge, so sei es immerhin willkürlich, bem für bie Entwicftung bes Menschen an sich unwesent­lichen Augenblick der Geburt entscheidende Bedeutung für das ganze Leben beizumessen, wie es im Geburts­horoskop geichehe; ebenso willkürlich auch die Fest­legung ber Tierkreiswirkungen und deren Beziehung zu Ort und Stunde ber Geburt.

So etwa bie drei Haupteinwände Kirchbergers. Sie lassen sich noch um viele, zum Teil schwerschwie- genbere, vermehren. Ich erwähne nur bie wichtigsten: die zahlreichen Berechnungsarten der Astrologen sollen beweisen, daß sie selbst ihrer Sache ungewiß feien. Jeder hält seine Methode für bie beste unb zweifelt die bes Anberen an. Wer aber von ben Gegnern fo weit vorgebrungen ist, baß er auf Grund von Tat­sachenmaterial Uebereinfttmmungen zwischen Stern- konstellation und Menschenschicksal zugeben mutz, ber behauptet bann, baß es sich in solche» Fällen um Suggestion oder zufälliges Zusammentreffen gehan­delt habe.

Es wäre auch entsetzlich, verhielte es sich so, wie die Astrologen wollen. Unentrinnbar wäre der Mensch vorgefchriebenem Schicksal verfallen und einem Fata­lismus preisgegehen, der stch lähmend auf unser« Kulturentwicklung auswirken, letzten Endes jede Mo­ral, jedes Rechtsempfinben sBerantwortlichkeft bes Verbrechers für seine Tat!) untergraben mässe! Unb dieses scheint mir allerdings das schwerste Geschütz

fchengeist, der aus all den verschiedenen «Segebenbei» ten zu einer geschlossene» Weltanschauung vorstoßen will. Für ben Praktiker genügt es vollauf, auf Grund vpn Erfahrungstatsachen z» wissen, Paß Entsprech»«, gen da sind. .

Noch aus keiner gegnerischen Schrift habe ich er-1 Leider läßt er sich nicht fo genau bestimmen wie der