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22. Jahrgang
Dienstag, 1. März 1932
Nummer 51 *
MiteetaettereHc: ®eto8P3. and Kkimilien-Anzris-n di« 30 mm - Zeile 11 «fennta. Meine Ameise« an» KaSel da? Wort 7 A. AuSwärtise Kleine Anzeigen die ?0 mm breite Zeile 11 ^-Anzeigen im Reklameteil dm TSmmbrdte Zeile 45 A Oiiertgebühr 25 A «bei Zustellung 85 At. - Siir da« Erscheinen von Anzeigen in bestwlmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für televbonis» erteilte Austrrge keine Gewahr, ^cch. nungSbeträre innerhalb von 5 Tagen zahlbar. GerichlSiland Kassel. — Postscheckkonto Srankiurt a. M. 83M.
W Neueste Nachrichten
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Deutschlands Kampf um Gleichberechtigung
Die vertraulichen Besprechungen in Genf / Schlechte Aussichten für die Schanghaier Dermittlungsaktion / Oie Krise in Finnland
Teuerungswelle über Rußland
(Son unserem Korrespondenten.)
Tardieus Verhandlungen nn'Madolny
(Eigene Drahlmeldung.)
Genf, 1. März.
Ministerpräsident Tardieu weilte am gestrigen Tage in Genf. Er hat tagsüber zahlreiche Besprechungen geführt und ist am Abend bereits wieder nach Paris zurückgekehrt. Besondere Bedeutung wird der Unterredung, die Tardieu mit Botsägifter N a d 0 l - n y hatte, beigemeffcn. An der Unterredung, die sehr lange dauerte, nahm auch Paul-Boncour teil.
Kurz vor seiner Abreise nach Paris machte Tardieu der Presse einige Mitteilungen über seine letzten Verhandlungen. Er betonte, daß er sich mit dem Botschafter Nadolny offen über die schwebenden Fragen unterhalten habe. Die Unterredung sei in durchaus freundlichem Geiste verlaufen. Die grundsätzliche» Schwierigkeiten beständen jedoch weiter. Auf keiner Seite bestehe die Absicht, die Lage weiter zu verschärfen.
Die großen grundsätzlichen Fragen der A b r ü st u n g, die mit der deutschen Gleichberechti gütig zusammcnhingen, würden gleich zu Beginn der jetzt einsetzenden sachlickze» Verhandlungen auf den Abschluß der Konferenz verschöbe» werden. Man wolle die mit diesem Artikel zusammen- hängende» Schwierigkeiten erst am Ende der Konferenz beraten. Die fachlichen Verhandlungen würden daher zunächst mit dem Kapitel zwei des Abkom mcnsentwurfcs über die Herabsetzung der effektiven Truppenbestände beginnen. Dieses Kapitel berühre di« internationalen Fragen, so daß hierbei die Sicher- hcitsfrage und die französischen Vorschläge behandelt werde» würden.
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Von Interesse ist ferner, was die Pariser Presse zu Tardieus Genfer Verhandlungen zu sagen hat Es ergänzt und bestätigt die Ausführungen, die unser Pariser Vertreter gestern über die französische Haltung gemacht hat:
Paris, 1. März. Der Unterredung, die Tardieu am Montag mit dem Botschafter Nadolny hatte, mißt man in den Pariser Morgenblättern größte Bedeutung bei. Es wird allgemein erklärt, daß die deutsche Forderung aus Gleichberechtigung der Gegenstand des gegenseitigen Meinungsaustausches gewesen sei. Pertinax betont im „Echo de Paris", daß es sehr zweifelhaft sei, ob man gerade in der Gleichberechtigungsfrage zu einer Verständigung gelange, Tardieu habe im Verlaufe der Unterredung auch nicht versäumt, Nadolny darauf aufmerksam zu machen, daß
die französische Regierung gerade i» dieser Frage der Gleichberechtigung unnachgiebig bleiben würde.
Nichtsdestoweniger so betont der außenpolitische Berichterstatter des Blattes, werde man wohl oder übel in absehbarer Zeit vor der Alternative stehen, entweder die deutsche Zustimmung zu den Spezialklauseln der Abrüstung mit einer Schwächung der französischen Armee zu bezahlen oder aber die Stärkung des französischen Heeres zu betreiben und auf der anderen Seite Deutschland gewisse militärische Zugeständnisse zu machen. „Petit Pariflen" betont, daß der deutsche Vertreter von der Offenheit, mit der Tardieu zu ihm gesprochen habe, sehr beeindruckt gewesen sei und den Wunsch ausgedrückt habe... rasch zu einer Verständigung zu gelangen. „Figaro" glaubt zu wissen, daß Tardieu darauf hingewiesen habe, Frankreich sei bereit das Abkommen von 1930 in gewissen Punkten einer Aenderung zu unterziehen, könne aber niemals zugeben, daß an den Grundlinien dieses Abkommens irgend etwas geändert werde.
Francois-poncet bleibt Botschafter
Paris, 1. März.
Der französische Botschafter in Berlin Fran- e 0 i s - P 0 n c e t ist bekanntlich nur auf sechs Monate mit der „besondern Mission" der Vertretung der französischen Interessen in Deutschland beauftragt gewesen, weil er nach der französischen Verfassung nicht gleichzeitig Abgeordneter und Diplomat sein kann. Da die sechs Monate nunmehr abgelaufen sind, vird er zwischen seinem Abgeordnetenmandat und dem Botschafterposten in Berlin wählen müssen In gutunterrichteten Kreisen verlautet, daß er noch im Lause Vieser Woche sein Mandat als Abgeordneter niedcrlegen wird.
Vom guten Willen nichts zu spüren...
Warschau, 1. März.
Am Montag beginn im Senat .die allgemente Aussprache über den Haushaltsplan iui 1932 33- -.et deutsche Senator Pant wies darauf hm, daß der Haushalt angesichts der wachienden eine Fiktion sei. Anstalt die Wirtschaftsnot Zu be- kämpfen, werde sie durch unzureichende Mittel noch gcsteigert. Steuersystem und Methode der ^tcuel-
eintreibung hätten viel zu dem Zusammenbruch der polnischen Wirtschaft beigetragen.
Ueber die Minderheitenpolitik der Regierung erklärte Senator Payt, daß trotz der letzten fei-, erlichen Erklärungen des Außenministers Zaleski die deutsche Minderheit von einem guten Willen, von Toleranz und Verständnis für ihre Rechte bisher nichts gemerkt habe. Es habe noch keine Regierung gegeben, die auch nur den Versuch gewagt hätte, mit einem klaren Programm und mit aufrichtiger Gesinnung an die Lösung dieser an sich schwierigen, aber nicht unlösbaren Fragen heranzugehen; es sei denn, daß der rücksicytslose Kampf gegen die elementarsten Rechte der Minderheiten ein solches Programm bedeuten sollte.
Es wäre ein bedeutender Schritt nach vorwärts auf dem Wege zum inneren Frieden, wenn den Minderheiten die in der Verfassung gewährleistete kulturelle Selbstverwaltung gegeben würde. Mit aller Schärfe wandte sich der Redner gegen die W ü h l - und Zersetzungsarbeit der Regierung bei den Minderheiten, wie beispielsweise durch die Schaffung des sogenannten deutschen Kultur- und Wirtschaftsbundes. Mit den verwerflichsten Mitteln suche man die Minderheiten zu demoralisieren und so an ihrem Unteraang zu arbeiten. Die Regierung habe in Genf einen Vorschlag für moralische Abrüstung eingebracht. Es wäre gut, wenn sie zuerst im eigenen Lande mit der moralischen Abrüstung beginnen würde. ' '
Moskau, Ende Februar.
Der zweite Fünsjahresplan sieht eine Besserung der Lebenshaltung des russischen Volkes um Zweidrittel des heutigen Standards vor — aber das erste Jahr des zweiten Fünfjahresplanes ist erst das Jahr 1933 (das letzte 1937) — vorläufig befindet man sich in der letzten Periode des ersten Planes mit seinen bekannten Entbehrungen für die Bevölkerung. Aus der Parteikonferenz im Januar kündigte man diese zweihundertprozentige Besserung der Lebenshaltung an, am 1. Februar sind sämtliche Waren um fünfzig Prozent, einzelne bis zu dreihundert Prozent teurer geworden, ohne daß die Löhne gestiegen wären, ohne daß es mehr Ware gäbe, ohne daß man den Massen eine Begründung für diese Jnflations- maßnahmen mitteilte. Soll das Versprechen schon jetzt kompensiert werden? Zahlenmäßig bedeutet das folgendes:
Lebensmittel und Hausstand.
Die Januarration eines Arbeiters im Kooperativ, übrigens die doppelte Ration von der des „dienenden Volkes" — Büro- und Hausangestellte, Frauen usw. — betrug neben der Fabrikmittagskost etwa 2400 Gramm Fleisch, 3 Kilogramm Zucker, 25 " -•-«* Gramm Fe"ware (Mangels Butter
meist Oel) sowie ein Dutzend Heringe pro Monat,' dazu 400 Gramm Brot pro Tag. Kinder erhielten 500 Gramm Reis, 1 Kilogr. Gries, 750 Gr. Buchweizen extra. Milch wurde nur stillenden Müttern verab-
Neue Schwierigkeiten in Schanghai
Eigener Drahtbericht
Schanghai, 1. März.
Die Meldungen, daß Versuche zum Abschluß eines Waffenstillstandes in Schanghai stattfinden sollten, haben sich bestätigt. Gestern sanden an Bord des vor Schanghai liegenden englischen Kreuzers „Kent" japanisch - chinesische Verhandlungen statt, die auf die Anregung des englischen Admirals Kelly zurückzusühren find. Bei den Verhandlungen waren anwesend der japanische Admiral Namura, der frühere chinefische Außenminister Dr. Wellington Koo und der Stabschef der 19. chinesischen Division.
Die Stimmung in den amtlichen japanischen Kreisen in Schanghai ist jedoch trotz der Vermitt- lungsverhandlungen nicht sehr optimistisch. Japanische militärische Kreise wollen von keinerlei Verhandlungen über eine Truppenzusammenziehung wissen. General Uyeda ließ am Spätabend des Montags erklären, daß er über Vermittlungsoerhandlungen nicht unterrichtet sei.
Ein japanisches Ultimatum, das die Zerstörung der chinesischen Eisenbahnlinien androht, hat bei den chinesischen Militärbehörden außerordentlich: Bestürzung hervorgerufen. Sie erklären, daß durch diese Drohungen alle Hoffnungen aus eine allgemeine Vermittlungskonserenz vernichtet worden seien.
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Der Völkerbundsrat wurde gestern überraschenderweise ejnberufen, um von dem englischen Außenminister Sir John Simon über die Schanghaier Waffe »still st andsverhandlungen unterrichtet zu werden. Sir John Simon teilte mit, daß die Verhandlungen zu einer grundsätzlichen Einigung geführt hätten. Beide Parteien seien zur Einstellung der Feindseligkeiten bereit.
Der Vorsitzende erklärte darauf, daß der Völkerbundsrat mit großer Genugtuung von den Mitteilungen des britische» Vertreters Kenntnis genommen habe. Es sei nunmehr Aufgabe des Rates, seinerseits dazu beizutragen, daß den im Gange befindlichen Besprechungen zur Wiederherstellung des Friedens ein Enderfolg gesichert werde. Der Völkerbundsrat schlage deshalb vor, daß in Schanghai sofort eine Konferenz einbernfen werde, an der China und Japan sowie die Vertreter der anderen interessierten Mächte teilzunehmen hätten. Das Ziel dieser Konferenz solle die Einstellung der Feindseligkeiten und die Wiederherstellung des Friedens in Schanghai sein.
Ungeklärte Lage in Finnland
Beilegung der Krise.
Reval, 1. März.
Nach den am Dienstag früh in Reval vorliegenden Meldungen ist die die Lage in Finnland noch immer ungeklärt. Die Regierung hat erst am Mon
tag abend drei Tage nach dem Beginn der Zusammenziehung der Lappo-Anhänger bei Mäntsälä den verstärkten Schutzzustand verhängt. In den späten Abendstunden liefen Nachrichten ein, wonach die Mobilisierung der Lappo-Truppen nicht so glatt vor sich gehe, wie erwartet wurde. Auch sollen einzelne bewafsnete Lappo-Trupps den Heimweg angetreten haben, nachdem bekannt wurde, daß die Regierung einen bewaffneten Widerstand plane.
Starke Truppenmafsen sind bei H e l s i n g f 0 r s zufammengezogen, um jeden Vormarfch ans die Hauptstadt unmöglich zu machen. Vor der Stadt finoet eine scharfe Waffenkontrolle statt. Die Regierung will auf keinen Fall den Forderungen der Lap- poleute nachgeben, die letzten Codes auf den Rücktritt der Regierung hinauslaufen. Es besteht noch immer die Hofnung, daß die Schwierigkeiten ohne Blutvergießen auf dem Wege von Verhandlungen gelöst werden können.
Auch der Führer der Lappoleute General Walle- nius erklärte einem Revaler Pressevertreter, er hoffe, daß die Krise friedlich beigelegt werden könne. Das ganze Land sympathisiere mit der Bewegung zur Beseitigung des Marxismus. Ganz Finnland sei von dem dringenden Wunsch beseelt, an der Spitze des Staates eine wirklich vaterländische Regierung zu sehen.
Das Gegenstück zu Westfalen-Süö
th. Berlin, 1. März.
Die Austrittsbewegung aus der Deutschen V 0 l k sp a r t e i, die in dem Wahlkreis Westfalen-Süd im Gange ist, hat jetzt ihr Gegenstück in Berlin aesnnden. Der Vorsitzende des volksparteilichen Wahltreisverbaudes Berlin ist jetzt zu den Deutschnationalen übergetreten und hat einen Ausruf veröffentlicht, den eine Reihe feiner politischen Freunde mitunterschrieben haben, und in welchem er erklärt, er könne nicht in der Volkspartei bleiben, weil die Partei ihren früheren Grundsatz verlassen und sich zu spät von der Sozialdemokratie getrennt habe.
Die Pressestelle der Deutschen Volkspartei hat zu dieser Austrittserklärung und zu dem Ausruf eine Mitteilung veröffentlicht, in der sie daraus hinweist, daß der Wahlkreisvorsitzende in der Sonntagssitzung des Reichsausschusses der Partei unter dem Unwillen der anderen Teilnehmer die Sitzung verlassen mußte, weil er die Hindenburg-Parole ablehnte. Im übrigen sei bereits ein provisorischer Vorstand an Stelle der bisherigen Berliner Vorstandsmitglieder, soweit diese ztt »en Deutschnationalen übergegangen seien, geschahen worde».
folgt. Sonst gab es gegen Karten nur 500 Gramm Waschseife, 1 Stück Toilettenseife zur Deckung des Haushaltbedarfs.
Die Preise sür Markenware waren relativ billig, Fleisch z. B. 1 Kilogr. 1,45 Rubel, (1 Rubel = 2,16 M. Zwangskurs), Zucker 1 Rubel, Butter 5 Rubel, Brot 15 bis 25 Kopeken, Tee 100 Gr. 3 Rubel. Diese Preise wären an und für sich tragbar, wenn man genügend Ware erhalten könnte; im Durchschnitt kann man jedoch gegen Kar 1 enhöch- stens sür 20 Rubel im Monat eintaufen, Arbeiter für den doppelten Betrag.
Die gewaltige Preissteigerung wirkt sich darum in der Hauptsache im freien Handel aus, wo das Kilogr. Fleisch 8 Rubel, das Kilogr. Butter 20 Rubel, 10 Eier 7 Rubel usw. kosten. Da selbst Kohl, Möhren, Kartoffeln oder Obst nur im freien Handel zu haben sind, ist fast jeder auf diesen angewiesen. Das Seltsame dabei ist, daß abgesehen von den wenigen, noch nicht kollektivierten Bauern, die hier kleine Geschäfte machen, der Staat sein eigener Schleichhändler ist, da auch die „freien Geschäfte" staatlich sind.
Kleidung.
Noch schlechter steht es -ifriauig tat».' “
Wenn matt Glück hüt, rann man einmal im Jahr gegen Bescheinigung seines Arbeitgebers eine neue Kleider- und Schuhkarte erhalten. Hat man diese, so erhält man aber noch lange keinen Äftjug oder Schuh, sondern muß wochenlange Dornenwege von Geschäft zu Geschäft machen, um das Gewünschte zu erhalten. Für einen großen Teil der Bevölkerung wurde Kleider- oder Wäscheswff zum letzten Mal im Mai (3 bis 5 Meter), Schuhe int Juni verteilt; auch hier war der Stofs billig, 1 bis 2 Rubel der Meter. 16 Rubel die Schuhe. Wer aber darauf nicht warten kann, mutz in die staatlichen freien Läden oder die staatlichen Antiquariate gehen, wo er einen getragenen Anzug für 3 bis 400 Rubel, getragene Schuhe für 150 Rubel und mehr kaufen kann.
Wohnung.
Weil man in einem 6 Monate langen Winter mit etwa 20 Grad Durchschnittskälte nicht frieren kann, man also für dicke Kleidung sparen mutz, nützen einem auch die verhältnismäßig billigen Mieten nichts Im Durchschnitt bezahlt man zwanzig Prozent Lohn inklusive Strom und Heizung, allerdings aus die 9 Quadratmeter Wohnraum, die man pro Kopf beanspruchen kann. Aber auch hier hat die Sache ihren Haken, da bei weitem nicht alle Häuser gemeinschaftlich geheizt werden und man z. B. für 2y2 Meter Holz 22 Rubel, noch mehr, für dessen Antransport 40 Rubel bezahlen muß, (eine Garagenheizung kostet z. B. 300 Rubel bei 100 Rubel monatlicher Miete). Was macht der Mensch sonst mit seinem Geld?
Wenn er Parteimitglied oder Arbeiter ist, damit also wesentliche Vorteil vor den anderen in Lebens- mittelbezug, Kleidung und Wohnung hat, dann kauft er sich vom Lohnüberfchuß, der bet Löhnen und Gehältern von 300 dis zu 800 Rubeln Dann nicht unerheblich ist, vor allem wertbeständige Ware, Pelzzeug. Wäsche, Geschirr, oft merkwürdigster Art. Tas feltfame Bild der Städte mit seinem Massenverkehr in Straften und Geschäften ist dieser Jnslations- surcht zuzuschreiben.
Noch mehr: man sieht die Eisenbahn überfüllt, die Hotels überfüllt, die Theater und Kinos überfüllt. Während die einen, die es nicht verstehen, vier bis fünf Stunden bei 20 Grad Kälte um 200 Gramm Monatsbutter anstehen und sich, um ihren Rang in der Schlange nicht zu verlieren, ihre Zahl (bis zu 1000 und mehr) in die Hand schreiben lassen müssen, stehen die anderen Schlange am Bahnhos, am Hotel, am Kino, am Theater.
Abgesehen davon, daß es sich hier um die soziale Erscheinung der M a s s e n e r h e b n n g handelt, indem sich jetzt der, der sich früher nichts leisten konnte, alles leisten will, kommt eben das M 0 m e tu der Inflation dazu, das ebensowenig zum Sparen anreizt, wie das Stiftent der Verdächtigung jeden Besitzes. Wer kann, gibt alles aus. wer nicht kann, wird vom Dornenwege müde. Wird sich diese Moral einmal rächen?
Was sagen die Zeitungen dazu?
Kein Mensch, auch kein Volkskommissar leugnet, daß diese Zustände dem Neuaufbau des Landes zuzuschreiben sind, darum verspricht man auch im zweiten Fünsjahresplan die Besserung. Dennoch kann man es nicht lassen, den Unwissenden, die chr Land nicht verlasse» können, die heutigen Sorgen der kapitalistischen Länder als Höllenqualen vorzumalen, gegen die die eigenen nur Lavpalie» seien Ein Beispiel hierfür gibt eine Gegenüberstellung auf Der Kopfseite