Montag, 29. Februar 1932
Kasseler Treueste Nachrichten
Am Sonnabend fand im preußischen Znnenmini- .Hindenburg. Zu den Parteien, die unverhülll :ium eine Konferenz der preußischen ihren Vernichtungswillen dem heutigen Staat gegen*
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Kassel, 29. Februar.
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Kassel, 29. Februar.
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Zum Gedächtnis Zosef Haydns
2. Kowzert des Oratorienvereins.
Um den Preis für Roggenmehl zu senken und gleichzeitig die vorhandenen Brotgetreidemengen zu
„Das andere Deutschland" verboten. Die pazifistische Wochenschrift „Das andere Deutschland" ist am Sonnabend vom Polizeipräsidenten wegen eines Artikels über die Veröffentlichungen des „Echo de Paris" in der Angelegenheit Kreiser und von Osiietzki bis zum 26. Mai verboten worden.
Ob er Präsidenten und Regierungspräsidenten unter der Leitung des Innenministers Severing statt.
Die Beratungen wurden von Minister Severing mit einer längeren Ansprache eröffnet: in der er u. a. ausführte: Die Unterstützung und Versorgung der Erwerbslosen wird auch die brennende Frage der Zukunft sein. Wir können heute noch bis Ende
ner Rokoko-Meisterl,------,— .... „— , ,,
Bild gemacht, das man in Laufe eines Jahrhunderts gründlich berichtigen mutzte. Es war nicht roetter verwunderlich, vatz in den einmal festgelegten Rahmen der katholische Kirchenkomponist nicht /echt htn- einpassen wollte. Man hatte an der „Schöpfung" und ihrer künstlerischen Religiosität genug, im übrigen traute man der aufklärerischen Zeit keine inneren stärkeren Frömmigkeitsimpulse zu. So wurden
Die Reichsleitung des Christlich-Sozialen Volksdienstes hat einen längeren Ausruf veröffentlicht, in dem sie für die Wiederwahl Hindenburgs eintritt. Im Aufruf heitzt es u. a.:
Unser Wunsch ist es immer gewesen, die feldgraue Kameradschaft zu einer umfassenden Volksgemeinschaft werden zu läffen. Nur die Person Hindenburgs vermag diese umfasiende VoUsge- meinschaft zu sammeln, weil er in wahrhaft überparteilicher Größe nur den deutschen Menschen sieht. Was ein Freiherr vom Stein erlebte, was einem Bismarck widerfuhr, das muß heule auch ein Hindenburg tragen. Hindenburg ist uns der Ausdruck des Frelheitswillens des deutschen Volkes! Was er an Schwerem uns zu tragen auferlegt, mutz er von uns fordern, damit der Kampf um die Beseitigung der
bau in voller Freiheit erfolgen muß. Im allgemeinen dürfe der Verteilung der deutschen Mehrausgaben innerhalb des Haushalts keine Schranken entgegengesetzt werden, die nicht auch für sämtliche andern Staaten Geltung besitzen. Diese letzte Forderung stößt bis jetzt in Frankreich auf einen Widerstand, dessen Heftigkeit noch nicht nachgelassen । at Die französischen Sachverständigen verlangen hartnäckig die Internationalisierung der gesamten Zivilluftschiffahrt und werden darin von sämtlichen Parteien unterstützt; wahrscheinlich hat man es hier mit einem jener typischen Erpressungsmittel. zu tun, die in, Frankreich so beliebt sind.
Aus dent chaotischen Bild der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich läßt sich noch kein einheitlicher Gesamteindruck erzielen, und ebensowenig ist es möglich, über deren Aussichten irgendein Urteil zu fällen. Frankreich scheint trotz aller „Siege" in Genf und anderswo eingeseben zu haben, daß es eben verhandeln muß. Diese Tatsache ist an sich schon wichtig genug. Aber positiv für Deutschland gewonnen ist dadurch natürlich noch nichts. Es könnte sogar alles verloren sein, wenn man sich der berüchtigten schiefen Ebene überläßt, auf der die französischen Unterhändler so meisterhaft zu lavieren verstehen.
Man har ja gerade dem guten alten Papa Haydn icher Hinsicht Unrecht getan und sich von fei* oko-Meisterherrlichkeit ein ziemlich spielerisches
stärkeren Frömmigkeitsimpulse zu. So Haydns Kirchenkompositionen einfach für tionelle Eebrauchsmusik im katholischen Kulms erklärt und dementsprechend für seine künstlerrsche Eigenart als bedeutungslos angesehen, trotzdem .Hachdn nachweislich ein frommer Mensch war, der in der Jugend nach Maria Zell wallsahrtete und gern beim Rosenkranzbeten seine Gedanken sammelte. Unter den geistlichen Werken befinden sich mebr als ein Dutzend Messen, die zum größten Dell in den
Preußen und die Präsidentenwahl
Konferenz der preußischen Ober- und Regierungspräsidenten
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i^nzösischer Seite immer noch das unsinnige Ber- kangen nach einer Untersuchung des gegenwärtigen Rüstungsstandes in Deutschland erhoben wird. Na- tütlich hätte die mit ungeheuren Mitteln unternommene Kampagne gegen den „Kriegswillen" und die „KriegsvorbereiMngen" Deutschlands keinen Zweck gehabt, wenn die dadurch erzeugte Stimmung nicht wenigstens als Druck- und Erpreffungsmittel verwendet würde.
Die positiven Forderungen der deutschen Vertreter laufen nach der Ansicht unseres sranzösischen Gewährsmannes auf folgende Einzelpunkte hinaus: Sämtliche Waffen, die bis jetzt oder in Zukunft Deutschland nicht zugestanden werden, sind auch für die übrigen Staaten verboten, und keine internationale Armee, wenn deren Schaffung möglich wäre, darf sich solcher Waffen bedienen. Dazu gehören in erster Linie die „fliegenden Festungen", die sich neuerdings Frankreich anschafft, die U-Boote und die schweren Feldgeschütze, wie schon in der deutschen Abrüstungsnote dargelegt wurde. Was nun die kleinen Jagd- und Aufklärungsflugzeuge angeht, auf die heute kein Land verzichten will, so fordert Deutschland im Rahmen seiner feststehenden Wehrausgaben die Schaffung einer den Bedürfnissen entsprechenden Luftflotte, deren Aus-
Der Tenor -er Herzogin
Die neue Künneke-Operette im Kasseler Staatstheater.
Berlin, 29. Februar.
Die ^rage, welche Auswirkungen die Reichstagsabstimmungen über die k o m m u n i st i s ch e ii Anträge auf Aufhebung des Erlafles des ReichSwehr- ministc.s der den Nationalsozialisten den Zutritt zur Reichswehr eröffnet, und auf Einstellung der Zahlung von Polizeikostenzuschüffen an Braunschweig haben werden, wird nfrig erörtert. Formell laufen die Dinge so, daß Präsident Loebe die erfolgten Reichstagsveschlüsie nunmehr der Regierung zuleitet, die dann Stellung dazu nehmen mutz. Bisher hat sich deshalb auch die Regierung mit den Bel-Müffen des Reichstags nicht befaßt. Immerhin wird aus Kreisen der Regierung erklärt, daß es sich ähnlich wie bei der Panzerkreuzer-Abstimmung im vorigen Jahr bei den angenommenen Anträaen ihrer ganzen Formulierung nach nur um Entschlie- tzungen handelt, die einen Wun-sch des Reichstages zum Ausdruck bringen, der aber keine Verpflichtung der Regierung in sich schließt, daß diesem Wunsche nachgekommen wird.
Insbesondere wird dem Nachrichtenbüro der Vdz. aus dem Reichswehrministerium ’ erklärt, daß für das Reichswehrministerium zurzeit kein Anlaß bestehe, an dem Reichswehrerlaß etwaszuändern. Ob unmittelbare Schritte der Sozialdemokratie bet der Reichsregierung in der Richtung einer Aufhebung des Erlasses erfolgen werden, laßt sich im Augenblick noch nickt übersehen, wird aber Wohl im wesentlichen von der weiteren Entwicklung der politischen Lage abhängig sein.
GoerdelerverbietetDrotpreiserhöhung
Berlin, 29. Februar.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung yat folgende Anordnung erlassen: „Angesichts der Getreidepreisentwicklung für Roggen und der sich daraus ergebenden rückläufigen Bewegung am Roggenmchl- markt und der weitergetrofsenen Maßnahmen zur Beeinflussung der Marktlage für Roggen und Roggenmehl ordne ich auf Grund der Paragraphen 1 Absatz 7 der Verordnung des Reichskommissars für Preisüberwachung vom 8. Dezenwer 1931 für Großberlm folgendes an:
Der Kleinverkaufspreis für Brot im Gewicht von mindestens 500 Gramm, zu dessen Herstellung mehr als 30 v. H. Mahlerzeugnisse des Roggens verwendet werden, darf nicht über den Stand der letztvergangenen Woche erhöht werden. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe geahndet.
Am Dienstag, den 1. März, 13 Uhr, beginnt ein neuer Vollfitzungsabschnitt des Preußischen Landtags, in dem zunächst neben kleinen Vorlagen der Gesetzentwurf über die Rechtsverhältnisse der Studenten und die Disziplin auf dem staatlichen wiisen- schastlicyen Hochschulen zur Beratung steht. Auch landwirtschaftliche Angelegenheiten stehen wieder auf der Tagesordnung.
Im Äeltestenrat, der am Dienstag vor dem Plenum zusammentritt, will man vor allem den Termin für den Beginn der Haushaltsberatungen festfetzen. Wollte der Landtag warten, bis der Staatsrat mit dem Etat fertig ist, dann würde er frühestens am 10. März den Haushalt m Arbeit nehmen können. Es wird jedoch, tote das Nachrichtenbüro des V. D. Z. bereits gemeldet hat, bestimmt damit gerechnet, daß der Landtag den Etat für 1932 so rechtzeitig bekommt, daß er bereits am 4. und 5. März die erste Lesung durchführen könnte. Der Haushalt ginge dann in die Ausschutz-Verhanb- lungen und könnte — wenigstens will der Präsident das dem Aeltestenrat Vorschlägen — vom Plenum in zweiter Lesung ohne allgemeine Aussprache lediglich mit einer Titelbesprechung, erledigt werden, wie dies nach der Geschäftsordnung eigentlich auch vorgesehen ist, nur in den letzten Jahren nicht beachtet wurde. Die abschließende allgemeine Aussprache würde bann bei der dritten Lesung erfolgen. Es ist allerdings fraglich, ob die Opposition nicht Hefe Pläne zu durchkreuzen versuchen wirb.
Llniragbare Lösung in Memel
Memel, 29. Februar.
Der Gouverneur des Memelgebietes hat den Rektor der litauischen Grundschule tjt Memel Stmmat wie deutsche Schreibweise für Simattis) zum Präsidenten des Direktoriums ernannt. Verhandlungen mit den Fraktionsführern der Bolkspartei und der Landwirtschaftspartei, die bekanntlich die Mehrheit des Memeler Landtages darstellen, find dieser Ernennung nicht voraufgegangen. Der neu ernannte Präsident Simmat hat sich auch nicht an die Fuhrn der Mehrheitsparteien gewandt, um mit ihnen Verhandlungen über die weitere Zusammensetzung der Regie- tung zu führen.
Hierzu erfahren wir noch von unserem Korrespondenten, daß Simmat zwar politisch nicht hervorge- treten ist, sich aber als Litauer bekennt. Wie.verlautet will man in das neue Direktorium Tol tschüs hineinnehmen, was für die Mehrheftsparteien völlig untragbar ist.
die Wahl des Reichspräsidenten.
Die preußische Verwaltung wirb und darf keine Wahlbeeinflussung treiben. Es muß auch alles vermieden werben, was nachher mit einem Schein von Berechtigung als ein Grund zur Anfechtung der Wahl angeführt werden könnte. Nichtsdestoweniger aber ist die Haltung der preußischen Staatsregierung gar klar und eindeutig und muß auch die Stellung der preußischen politischen Beamten bei der Reichsvräsidentenwahl klar und eindeutig sein. Den Kandidaten der staatsfeindlichen Parteien, der Nationalsozialisten und der Kommunisten darf kein Erfolg beschieden sein! Und neben den Kandidaten dieser Parteien gibt es nur einen ernsthaften Kandidaten für das höchste Amt, das das deutsche Volk zu vergeben hat, das ist der jetzige Reichspräsident von
darstellerisch überzeugend, stimmlich dürste er, besonders im ersten Aki, etwas mehr austragen. Daß Schürer sich gut emwickelt, beweist die vorbildlich schön gesungene Kammermusikszene. Sofie Brand- ftätter entfaltet wie in der „Pompadour" Sttmmglanz und strahlende Laune. Das Buffopaar hat keine dankbaren Aufgaben, drum bleiben Kurt Söhning und Heb'. Brozewsky diesmal stark im Hintergrund. Dafür darf Hintz-Fabrieius als Bonvivant gute Figur machen und in Schwipsstimmung seine kleinen Uebertreibungen rechtfertigen. Die Szene der „Legitimen" wird durch Trude Tandars übertoälttgenbe Komik in beste Luftspielsphäre gehoben, leider endet der Auftritt nach üblichem Operettenschema. Mana Barth spielt die Herzogin mit viel „Gefühl" und dezenter Ironie. Dem Orchester gelang — unter Reuß Leitung — eher der Ausgleich zwischen den bretteren und den beschwingten Partien der Operette als dem Regisseur. Dem Publikum schien die Geschichte von Akt zu Akt besser zu gefallen. G. M. V.
Seit dem „Dorf ohne Glocke", also feit Kriegsende, hat Künneke fast in jedem Jahr eine Operette geschrieben, im vergangenen Jahr sogar eine Oper „Nadja", die bekanntlich am Kasseler Staatstheater ihre Uraufführung erlebte. „Der Tenor der Herzogin" datiert ein Jahr früher als Nadja. Das Buch von Richard Keßler lehnt sich eng an Jsgensteins Lustspiel „Kammermusik" an, das von der heimlichen Ehe eines Tenors in einer kleinen Residenz handelt: Um ein Engagement am Hoftheater zu erhalten, mutz der Tenor seine Frau als Schwester einführen. An einem Kammermusikabend entdeckt des Sängers Söhnchen, der in die Hofgesellschaft hineinplatzt, den ganzen Schwindel auf. Etwas kompliziert wird die Geschichte durch den ernsthaften Flirt des Hoftheaterintendanten mit der „Schwester" und durch die Kunsts, sprich: der Herzog inwitwe. Wirksames eiwerk schafft der Sittlichkeitsverein „Die Legitimen" mit Jungfrauenchor und pompös aufgetakelten alten Damen.
Da Künneke seiner alten Neigung zur Veroperung seiner Libretti auch in diesem Fall nicht ganz widerstehen konnte, sind die drei Akte streckenweise etwas schwer und breit geraten. Der erste Akt erhalt Farbe erst durch eine Jazzparodie und den grotesken Auftritt der legitimen", der musikalisch köstlich ausge- sührt ist. Der zweite Akt hat eine geradezu klassische Einleitung durch das witzig komponierte Gesangsstundenduett. Der originelle Aktschluß dagegen beruht ganz auf Lnftspteltoirkung. Für den letzen Akt bleibt musikalisch wenig übrig, das Beste ist Wiederholung. Künnekes Musik verrät auch tm ,,/enor der Herzogin" sowohl durch die saubere und> zorgsalttge Faktur wie durch Vermeidung aller Plattheiten den echten geschmackvollen Künstler. Obwohl dte Operette nicht bewußt auf Schlager angelegt ist, gibt es doch manche unmittelbar einprägsame Melodie.
Hanschmanns Inszenierung glänzt in den humorvollen Szenen, besonders in dem Auftritt der legitimen. Das Opernhafte hätte der Regisseur straffer nehmen müssen, es fehlt an Exaktheit und Konzentration. Der erste Akt mützte vor allem mit etwas mehr Operettengeist angelassen werden babet bart aber nicht, was leider geschah, schnelles Sprechen mit Temperament verwechselt werden.
Eugen Schürer ist als „Xcnor der Herzogin
neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden sind. Wie gelegentlich bei Haydns Symphonie tragen auch die wichtigsten Hochämter-Musiken besondere Beziehungen: so die „Heilig"-, „Pauken"- „Schöpfungsund „Harmonie"-Messe, ferner die „Theresia"- und „Nelson"-Messe. Das wichtigste über biefe letztere ist bereits in einer kurzen Vornotiz angedeutet. Ihre Neubelebung ist zweifellos ein interessanter Versuch, sie wurde von Wilhelm Weisman» im Verlage Peters auf Grund der alten Breitkopfschen Partiturausgabe in einer pietätvollen Einrichtung und Neuausgabe ausgeführt. Die Messe kann in gewisser Weife wohl als typisch für diese Gattung angesehen werden. Seit Mendelssohns Zeiten spottete man, daß Haydns Messen sehr luftig seien. Selbst ein so kluger Kopf wie Hermann Kretzschmar beurteilte sie sehr zurückhaltend und zweifelnd. Demgegenüber kämpfte Alfred Tchnerich-Wien feit Jahrzehnten für eine stärkere Beachtung und intensivere Beschäftigung mit Haydns Kirchenkompositionen, ja er behauptet geradezu, was Bach für den protestantischen Norddeutschen ist, das sei Haydn für die Katholiken des südlichen Deutschland. Der herannahende Gedenktag des 200. Geburtstags bietet die beste Gelegenheit dies zu überprüfen.
Die Aufführung der Nelson-Messe in D-Moll, bet sich der Kasseler Oratorienverein als einer der ersten mit Begeisterung angenommen hat, zeigte ein Werk von charakteristischer Knappheit und ichwunavoller Diktion, von melodischer Frische und eleganter Poly- phonie. Auch in der Verwendung kleiner Soli und ihrer Verbindung mit den Chorsätzen erkennt man die kluge Disposition des erfahrenen Meisters. Hebet» raschend ist zweifellos die Verknüpfung der Messe mit dem Heroischen und der heldischen Führernatur des Siegers von Trafalgar. Sie zwang unausbleiblich zu einem Abweichen von der üblichen Konvention der einzelnen Messesätze. Die Wiedergabe durch den Cbor des Oratorienvereins war sorgfältig vorbereitet. Tie vermittelte unter Karl Hallwachs präziser Leitung in rhythmischer und klanglicher Hinsicht einen lebendigen, reich nuancierten Eindruck von der Beweglichkeit und Mannigfaltigkeit dieses klassischen Vokalwerkes Dte Soli wurden von Elisadel Pennrich, Maria Schäfer- Reinhold, Max Hafer und Heinz Dietrich stimmflcher und schlicht-ver- ständntsvoll im Ausdruck bargeboten. Den Jnstru- mentalpart hatte das Philharmonische Orchester übernommen, das seine Ausgabe in straffem Zusammenhalt und in energischem Einsatz seines Könnens musizierfreudig und elastisch detrchführte. Vorangeheno fang Maria Schäfer-Reinhold mit ihrer schönen satten Altstimme die gefühlvolle Klage des »Stabat mater" in edler ruhiger dohei svoller Ueber- legenheit. Einleitend spielte Kilchenmusikdirektor
ihren Vernichtungswillen dem heutigen Staat gegenüber zur Schau tragen, kann es keine andere Einstellung für die preußische Staatsregierung und preußische Beamte geben, als die bisherige ablehnende. Vor allem aber wird es Aufgabe der preußischen Verwaltungsbehörden sein, in den kommenden Wochen erhöhter politischer Tätigkeit mit allen Mitteln den Versuchen terroristischer Beein-
März einigermaßen klar sehen, welche Mittel uns zur Verfügung stehen, darüber hinaus ober tappen wir vorläufig noch im Ungewissen. Es ist der preußischen Staatsregierung bekannt, daß die Reichsregierung sich mit der Frage beschäftigt, die Arbeitslosenversicherung und -Unterstützung zu vereinfachen. Ich fürchte, daß das nicht ohne neue Lasten für Länder und Gemeinden gehen wird. Die Gemeinden aber können nicht nur keine neuen Lasten mehr ertragen sondern sind schon heute außerstande^ ihren Verpflichtungen gerecht zu werden. Ein Eingriff in die Höhe der Unterstützungen aber würde unsere Aufgabe, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, außerordentlich erschweren.
Die Senoaltungsrtform
mit der darin geforderten Zusammenlegung von Kreisen und der Einsparung von Regierungsbezirken ist ein Programm, das in nicht allzu ferner Zeit in die Tat umgesetzt werden muß. Der Verwaltungsapparat muß jo sparsam und billig wie möglich eingerichtet werden. Die Schwierigkeiten jeder Verwaltungsvereinfachung sind uns bekannt. Wir haben ja bei den Ein- und llmgemeindungen gesehen, daß es beinahe leichter ist, ein Paneuropa aufzubauen, als größere Zusammenlegungen und llmgemeindungen vorzunehmen. Es wäre töricht, in einer polj- so gespannten Atmosphäre noch durch Auflösung einer größeren Anzahl von Landkreisen die Beunruhigung in der Bevölkerung zu vermehren. Deshalb wird das Programm der Verwaltungsreform zu gegebener, günstigerer Zeit ausgeführt und erfüllt werden.
Das unmittelbar vor uns liegende wichtigste politische Ereignis ist
Tribute zum Siege gebracht werden kann. Der Präsident des Deutschen Reiches gehört allen, er gehört keiner Partei. Dehalb fort mit allen Parteigrößen bei der Entscheidung des 13. März.
*
Der Deutsche Reichskriegerbund „Kysshäufer" teilt mit: Die am Tage der Präsidentschaftserklärung Hindenburgs veröffentlichte Kundgebung des 1. Präsidenten des Kvffhäuserbunbes, General d. Art. a D. von Horn ist durch den einsetzenden Parteikampf um machtpolitische Fragen in wesentlichen Punkten für agitatorische Zwecke ausgenutzt worden. Ttes war vorauszufehen. Selbst aber auf die Gefahr hin, daß der über de» Parteien stehende Kvffhäuserbund durch den Tageskampf um politische Meinungen in Mitleidenschaft gezogen werden würde, durste die Bundesführung dieser größten Organisa- tion altgebienter Soldaten in gerechtem Streben für das Wohl des Vaterlandes sich nicht davon abhalten lassen, die Gewiffensfrage des Reichspräsidenten, der bekanntlich Ehrenpräsident des Kysshäuserbundes ist, mit reinem soldatischem und vaterländischem Treuempfinden zu beantworten. Diese freie Antwort, nicht diktiert von Parteien, Ausschüssen oder politischen Machtschichtungen, steht für die Organisation unverrückbar fest. Dies hindert aber nicht, auch das besonders zu betonen, was aus Parteitaktik gern in der Oesfentlichkeit übersehen wird, daß nämlich die Kundgebung neben der Mahnung, dem Ehrenpräsidenten Vertrauen und Treue zu bewahren, ausdrücklich festlegt, daß jedes einzelne Mitglied sich selbst bei der Reichsprästdentenwahl zu entscheiden hat.
Groener-Crlaß bleibt vorläufig!
Noch keine Beschlüsse der Reichsregierung zu den Abstimmungen im Reichstag
strecken hat ferner der Reichskommissar für Preisüberwachung mit Wirkung vom 1 Marz 1932 verordne R o gg enmeb l nur noch nut einem Aus- mahlgrad von 0 bis mindestens. 70 vH. hergestellt werden darf. Unter Berücksichtigung der gegen- toärtiaen Preise für die Nebenprodukte stellt sichl der Preis für ein derartiges Mehl je dz. um £tto“ ■H Ic. niedriger als der Preis von 60-prozentigem Roggen- mchs wl- i»r
wendet wird. Die Verordnung gilt für sämtliche Mühlen, also einschließlich der Lohnmullerei und Selbstversorgung.
Eine Verschlechterung der Beschaffenheit des Roggenbrotes wird durch diese Verordnung nicht herbel- geführt. Man wird im Gegenteil sagen können daß ein 70-Prozentiges Mehl viel besser den besonders kräftigen Wohlgeschmack des Roggens zur Geltung bringt als niedriger gezogene Mehle.
Morgen wieder Landtag
Berlin, 29. Februar.
slussung der Wähler entgegenzutreten. Dabei muß das Interesse des Staates in allen Zweifelsfragen richtig- und ausschlaggebend [ein. Selbstverständlich soll besonders in der Zeit des Wahlkampfes eine kleinliche Handhabung der polizeilichen Befugnisse gegenüber Versammlungen und Pressepolemiken unterbleiben. Das heißt jedoch nicht, Verleumdern in Presse und Versammlungen Freibriefe ausstellen. Ich bitte Sie daher, von der Möglichkeit, Verleumdungen der Reichs- und Staatsregierung in der Presse durch Auflage von Berichtigungen entgegenzutreten, weitgehenden Gebrauch zu machen. Ich werbe durch einen Runderlatz den Ausschank von Branntwein usw. für den 12. und 13. März verbieten.
Ministerpräsident Braun führte zur Frage der
Pressenotverordnung
u. a. aus: Die Bevölkerung ist heute durch die lastende Wirtschaftsnot politisch krank und jeder vollen Lüge leicht zugänglich. Ich stehe deshalb auf dem Standpunkt, daß es weniger auf Zeitungsverbote an- kommt, als darauf, auch in der Presse bet radikalen Parteien der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Deshalb müssen meines Erachtens die Verwaltungsbehörden vom Recht der Notverordnung, in den gegnerischen Zeitungen Erwiderungen und Richtigstellungen gegenüber verleumderischen Angriffen zu bringen. ausgiebig Gebrauch machen. Ich bin der Mei- nung, daß die Gesetze Handhaben genug biHen, um Verleumdung und Verhetzung zu unterbinden, sie müssen nur pflichtgemäß von den Berwaltimgs- und Justizbehörden angewandt und ausgelegt werden.
Christlich-Soziale für Hindenburg
Berlin, 29. Februar.
Heinrich Möller ein eigenartig schweres besinnliches Präludium Buxtehudes mit der Fuge in narer plastischer Gestaltung und eindringlicher Dnrcharbet- tung. Die Garnisonkirche wies einen erfreulich regen Besuch des interessanten Konzertes auf. Dr. G. St.
Mozari-Konzeri im OHV.
Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verbanb hatte dieses Mal das Hauskonzert in seinem neuen Heim der Muse Mozart's geweiht. Der gut besetzte Saal zeigte, wie schnell diese Veranstaltungen unter den Verbandsmitgliedern beliebt geworden sind und der lebhafte Beifall, den die Darbietungen fanden, ist Beweis genug dafür, mit wieviel Freude alle diese musikalischen Gaben entgegengenommen werden. Wenn auch die einzelnen Leistungen sehr unterschieb- lich ausfielen, so merkte man boch bei allen Beteiligten bie große Freude am Musizieren, und das ist wohl in diesem Falle das Ausschlaggebende. Es kommt hier garnicht auf künstlerische Spitzenleistungen an, sondern man will lediglich gute Munk pflegen und sie den Berufskollegen und deren Angehörigen in zwangloser Weise vermitteln.
Musikdirektor K n e i s e I, der Leiter des D. H. V.- Otchestets hatte für eine geschmackvolle und abwechselung-reiche Vortragsfolge gesorgt. Zunächst spielte das Orchester die Ouvertüre zu der Oper „Die Entführung ans dem Serail" sehr ansprechend, wenn auch der Tonkörper im einzelnen noch besser der Stabführung des Dirigenten folgen mutz. Ein kurzer Vortrag über Mozarts Leben und bie Bedeutung feines Schaffens war ganz dazu angetan, das Interesse und bessere Verständnis für die aufgefübrten Werke bei den Zuhörern zu wecken und zu fördern. Rach dem Priestermarsch aus der „Zauberflöte", den das Orchester eindrucksvoll totebergab, fang Walter $aume bie Sarasto-Arie „In diesen heiligen Hallen". Saume verfügt über einen nicht allzu voluminösen, aber wohlklingenden Bariton, dem allerdings, trotz der guten Tiefe, der echte Baßcharakter fehlt, so daß es vielleicht angebrachter gewesen wäre, aus der Fülle von Mozart-Arien etwas zu wählen, was dem Charakter der Stimme besser entsprochen hätte. Ernst S ch u g spielte das Flötenkonzert Nr. 1, G-Dur mit beachtenswerter Technik. Er mutz nur noch auf größere Präzision im Rhythmischen Wert legen. Im Allegro-Satz störte stellenweise die etwas willkürliche Behandlung der Tempi den einheitlichen Eindruck. Im zweiten Teil sang Elsa Kneifet zwei Lieder von Mozart mit warmem schmiegsamem Merz:- sopran, dem bei der guten Veranlagung nur noch eine bessere Ausnützung der Resonanzen durch eine vfse-