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Sonnabend, 2O./Sonntag, 21. Februar 1932

Kasseler Neueste Nachrichten

Seite S

Die heutige Nummer umiatzt 22 Seiten

Verantwortlich für den volitischen Teil: Dr. Walter Peünt: für das Feuilleton: German M. Lonau: für ben lokalen Teil: Dr. Hans Joachim Glatze r: für den Heimatteil: Rudolf Gläier: für Handel: Dr. Hans Sangen berg: für den Sportteil: Her­bert Toeich: Photo-Redakteur: Eduard Schulz- Keffel: für Anzeigenteil: Konrad Wachsmann. Berttuer Zchriftleituna: Dr. Walter Tch u m. Ber­lin SW. 68. Druck und Verlag: Kasseler Neueste Nachrichten G. m. b. H.. Kaffel. Kölnische Strabc 10.

Apythelendienst

Folgende Aootbeken haben morgen,. Sonntag, gcössnel und in der darauffolgenden Woche Nachtdienst: Beethooen- Apotheke, Hohenzollernstratze 171: Etnhorn-Avotheke, Unt. Künigsstrahe -73; Sandarasen-Avotheke, Leipziger Str. 113: Lchwanen-Apotbeke, Grobe Rosenstrahe 2; Wcsertgr-Avo- theke.Weferftrabe 27J4. 4

Dr. Dralle's Rasiercreme

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Während Politiker der Mächte durch die Institution des Völkerbundes immer wieder Mah­nungen an China und Japan zur Wiederherstellung des Friedens richten, hat gleichfalls die Rü­stungsindustrie aller Lander große Schiffsladungen voll Waffen und Munition für die beiden krieg­führenden Länder abgehen lassen.

Die Rüstungsindustrie macht gute Geschäfte

Europäische Transporte für Japan und China

geht. Es ist deshalb verdienstvoll, daßDie Woche" eine SondertmminerChina" herausgibt, in 6er die Beobachtungen der besten China-Kenner, eine Fülle aufregender Bilser und reiches wi tt schäftspaltiisches Material zusarnmengestellt stnd.

Urfeil im Wetzlarer Prozeß

Selbstmordversuch im Gerichtssaal.

Wetzlar, 20. Februar. Unter großem Andrang des Publikums nahm vor dem erweiterten Schöffengericht Freitag vormittag der sogen. Wetzlarer Bürgermeister- Prozeß seinen Anfang. Der Angeklagte Bauinspektor Hepp unternahm plötzlich im Gerichtssaal einen Ver­giftungsversuch und mußte ins Krankenhaus über­führt werden, wo er für verhandlungsunfähig erklärt wurde.

In dem Prozeß sollte die Mißwirtschaft des in­zwischen durch Selbstmord geendeten Oberbürgermei­sters Dr. Kühn, die die Stadt Wetzlar mehr als 2 Mill. Mark kostete, geklärt werden. Rach siebenstün­diger Verhandlung wurde der Dircktior der Städti­schen Betriebswerke, Dipl.-Jng. Leo Ehlert, unter weitgehender Zubilligung mildernder Umstände wegen fortgesetzter Untreue zu vier Monaten Gefängnis ver­urteilt. Ehlert hatte vor einigen Jahren für den Bau eines Wohnhauses des Bürgermeisters von Wetzlar städtische Materialien und Arbeitskräfte zur Verfü­gung gestellt. Die Kosten hierfür wurden dann der Stadt zur Last gelegt.

Sven Hedin aus neuer Fahri

Bremen, 20. Februar.

Der bekannte Asienforscher Sven Hedin hat sich auf derEuropa" eingeschifft, um eine neue Erpe- ditionsreise nach Jnnerasien über Amerika anzutre­ten. An Bord derEuropa" fand kurz vor Abgang des Schnelldampfers eine eindrucksvolle Abschieds­feier in engstem Rahmen statt. Die Stunde war schon deshalb besonders herzlich gehalten, als der Beginn

Ihre Bekannten

wollen auch über Ihre

Jnmilteneteignisse unterrichtet sein. Benutzen Sie für Ihre JamUien-Anzeigen die Kasseler Neuesten Nachrichten, die infolge ihrer weiten Verbreitung in steigendem Mafje hierfür ver­wendet werden

Bll

der Forschungsreise mit Sven Hcdins 67. Geburts­tag zusanimenfällt. Von allen Seiten wurden ihm die herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Gerhardt Haitpimann, der sich gleichfalls an Bord befindet, so­wie ein Vertreter des Norddeutschen Lloud, verban­den ihre Glückwünsche mit dem Wunsch für weitere Erfolge des Forschers. In einer Unterredung sprach sich Sven Hedin über seine nächsten Pläne und Ab­sichten aus. Er äußerte u. a. den Wunsch, daß die nächste Zeit dem deutschen Volke endlich Erleichterun­gen seines schweren Loses bringen möge, wobei er be­tonte, daß es endlich an der Zeit sei, das Fricdens- diktat von Versailles sowie die deutschen Kriegstribute endgültig abzuschasfen.

Bei Nieder-Jeutz in Lothringen erlitt ein franzö­sisches Jagdflugzeug einen Motordefekt. Der eine der Insassen, Unteroffizier Sorbin, sprang mit einem Fallschirm ab, der sich aber nicht öffnete. Ser, Flieger stürzte in einen Hochofen und verbrannte. Sein Be­gleiter fand unter den Trümmern des Flugzeuges den Tod.

Dre Rustungs-Jn'duftrien der ganzen Welt lagen nach Waffon-Austrägen aus dem fernen -ften. Millionen sind zu gewinnen. Die ge­waltigsten Abschlüsse hat Schneider-Crcuzot in Frankreich getätigt. Er liefert nur nach Ja­bair und stellt alles her, was für eine moderne Kriegsführunq benötigt wird. Aus Bordcaur laufen Tag für Tag die großen Dampfer aus, die das angekaufte Heeresmaterial verschiffen. Aber erst in der letzten Zeit sind die ersten Tanks verladen worden, auf die man in Ja­pan sehnsüchtig wartet, um den Kamps mit den Chinesen ohne viel Mannschaf.svcrluste zu gewinnen. Zwanzig Stück dieser schweren Kriegsmaschinen schwimmen jetzt aus dem Meer.

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Nur in Frankreich baut man diese Tanks, die in der Fachsprache Chai 2 C oderChar de Rupture" heißen. In Goidmark gerechnet kostet ein solcher Tank 635000 Mark. Sein Erfinder ist der französi­sche General Estienne. der während des großes Welt­krieges gegen den Widerstand maßgebender Kreise des französischen Generalstabes die Tankwaffe in die französische Armee einführte. Im Jahre 1921 ist die­serChar de Rupture" zum erstenmal hergestellt worden. Der Tank ist 10,28 Meter lang, 3 Meter breit und 4% Meter hoch. Das Wichtigste an die­sem Tank ist. 'eine Panzerung. die, zwar im Durch­schnitt nicht dicker ist als 4 Zentimeter, bie aber so elastisch konstruiert ist, daß ein durchschnittliches Feldartilleriegeschotz an ihr abprallt uitb sie nicht durchschlägt.

Um diese Panzerung hat es manche Spionage­affäre gegeben; aber keiner Macht der Welt ist es bisher gelungen, ihre Zusammensetzung zu erfahren. Zwei Motoren mit insgesamt 600 PS. bewegen den Tank in einer Höchstgeschwindigkeit von 10 Kilome­tern in flachem Gelände vorwärts. Diese 600 PS. wirken nicht sofort auf die Achsen Der Raupen, son­dern erzeugen erst elektrischen Strom, der über einen Elek.romotor den Tank verblüfftnd gleichmäßig vor- wärtstreibt. Eine senkrechte Steigung von zwei Me­tern und einen Graben, der 5 Meter breit ist, nimmt der Dank spielend, er knickt dicke Bäume glatt um und erklettert Steigungen bis zu 45 Grad. Zwölf Maschinengewehre und ein 15-Zentimeter-Geschütz loder zwei 7,5-Zentimeter-Geschütze) bilden feine Armierung. Zwanzig Mann stark ist die Besatzung. Ein Veniebluiigs-Mparat hüllt den Tank beim An- rennen so vollkommen ein, daß er nicht ,zn crtcniwii ist.

Die ganze Kriegsmaschine ift luftdicht abschließ­bar, auch Sauerstoff-Flaschen sind eingebaut. Dies

ermöglicht demChar de Rupture" ins Wasser zu klettern und auf dem Boden eines Flusses oder eines Sees zu rollen. Er hat ein Periskop wie ein Unter­seeboot, das er bei feiner Fahrt unter Wasser aus der Kuppel heraussteckt.

Der Führer des Tanks, der seinen Platz in der Panzerkugel hat, die weit über den Tank hinausrayl, fehaut durch einen Schlitz. Damit er aber nicht von einer Gewehrkugel getroffen werden kann, rotieren in diesem ununterbrochen zwei Stahlscheiben ssegen- . einander und geben nur für Bruchteile von mtn- den die Sicht frei, sodaß das Risiko, daß eine Kugel in den Führet stand schlägt, unendlich gering ist Der Tank kamt sich außerdem abdichten und aus vier, für diesen Zweck angebrachten Auspufß-Rdhren giftige Gase ausströmen.

Diese furchtbaren Maschinen hat sich Japan von Schneider-Creuzot vcr'chrieben. China verordnete sich von anderen Finnen nur Mörser und vor allen Dingen Maschinengewehre und Gasgranaten. Für Tanks langte vielleicht das Geld dort nicht das auch heute noch die Kriege entscheiden kann.

H. R. Berndorff.

Auch England liefert Kriegsmaterial

DieChicago Tribüne" berichtet über einen ge= heimnisvosien Transports von Kriegsmaterial, der dieser'Tage. Irland verlassen haben soll. Nicht we­niger als'neun Dampfer soll Vieser Transport um­fassen/ der von Belfast mit der Bestimmung Korea in See gegangen ist. Ter Gcsaintwert der zur Vernich­tung von Menschenleben bestimmten Ladung wird von dem genannten Blatt auf 25 Millionen Dollar be­ziffert. Diese Riesensendung soll u. a. aus Tanks, Kanonen, Maschinengewehren, Gewehren nebst dazu­gehöriger Munition, Gasen und chemischen Kriegs­stoffen. bestehen. Expediert wird die Sendung von britischen Waffen- und MunitioUsfirmen. die sich da­zu eines in Belfast errichteten Büros bedient haben. Wie dieChicago Tribüne" weiter wissen will, ver­meidet der Transport den Suez-Kanal; er geht viel­mehr rund um Afrika um das Kap der Guten Hoff­nung und soll' beim Erreichen des Chinesischen Mee­res von japanischen Kriegsschiffen erwartet werden. Es soll sich um den größten Transport von Kriegs­material handeln, der jemals England verlassen hat.

Kleine Chronik

Das Gericht in Flensburg verurteilte den me£ita= Nischen Staatsangehörigen Daniel Strauß, der in Flensburg eine Spielhölle unterhielt, zu der er in der Saison eine Filiale in Westerland anlegte, wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels zu 2000 Mark Geld­strafe.

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Von feinem Jagdhund getötet wurde ein Landwirt bei Hohensalza; beim Abstellen seiner Flinte sprang sein Hund an ihm empor und geriet dabei mit der Pfote an den gespannten Hahn des Gewehres; der Schuß drang dem Landwirt in den Kopf und tötete ihn auf der Stelle.

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Am Kopfhörer ereilte der Tod einen Eisenbahnbe­amten in Harburg, der sich beim Versuch, das elek­trische Licht durch Losschrauben der Birne auszuschal­ten, während er den Kopfhörer aufhatte, in den elek­trischen Lichtstromkreis eingeschaltet hatte. Der da­durch zustande kommende Erdschluß verursachte seinen sofortigen Tod.

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Bei Kottbus brannte der Schafstall des Rittergüts- besitzers Koschendorf vollständig nieder. In den Flammen kamen 130 Mutterschafe und 149 Lämmer um. Es wird Brandstiftung vermutet.

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Mit einer Handgranate wehrte sich gegen eine Pfändung ein Prager Tischlermeister; et warf nach dem Gerichtsvollzieher eine Handgranate, vor der der Beamte noch mit Mühe und Not flüchten konnte, dann brachte der Attentäter eine zweite Handgranate zur Explosion, die ihn selbst in Stucke zerriß.

Eine englische Anhängerin Gandhis, die 39jährige Miß Slade, ist in Bombay verhaftet und zu drei Mo­naten Gefängnis verurteilt worden. Sie ist die erste Europäerin, die als Anhängerin der indischen Frei-

wie jetzt festgestellt werden konnte, in den letzten drei Jahren weit über 2000 Zentner Butter und große 9Jiengen anderer Lebensmittel unverzollt über die Grenze gebracht worden. Das Reich hat einen Scha­den von mehreren hunderttausend Mark erlitten.

Aus Bandung (Java) wird ein neuer großer Aus­bruch des Vulkans Krakatau gemeldet. Die Lava­massen werden bis in eine Höhe von 400 Jetern emporgeschleudert.

Eine China-Mmmcr derWoche". Gebannt verfolgt die Welt das große Völkerringen tat Osten. Gebannt und nicht ganz verstehend. Wendig« können sich ein Bild machen vom neuen China, um das der Kampf

heitsbewegung ins Gefängnis gekommen ist.

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Bei dem großen Erenzschmuggel, der im Kreis

Flatow in der Grenzmark aufgedeckt worden ist, sind,

Professor Dr. Paul Kirchberger:

Ein Bahnbrecher der Chemie

Zum 35. Todestage von Henry Moiffan am 20. Februar.

Der Mann, der vor einem Vierteljahrhundert allzufrüh der Wissenschaft entrissen wurde, verdient es wohl, daß man ihm heute einen Augenblick der Erinnerung widmet und dabei vor allem einer Eigenschaft gedenkt, der er seine großen Erfolge zu danken hat: feiner Kühnheit, die man beinahe ver­sucht wäre, Verwegenheit zu nennen, und die man eher einem Nordpolfahrer oder einem Himalavabe- stciger zutrauen möchte, als einem Chemiker. Diesen merkwürdigen Mut ha. Moiffan durch nichts ande­res bewiesen als durch Versuche, die er in seinem Laboratorium angestellt hat:

Der erste dieser Versuche war die Gewinnung des Fluor. Tas ist ein Gas, das dem ja auch schon reichlich unangenehmen Chlor ähnlich ist, aber noch viel unbehaglicher als dieses. Es ist ungemein gif­tig und dabei chemisch so energisch, daß es Wasser mit großer Heftigkeit zersetzt, Glas angreist und den Verbindungen, die es einmal eiiigegangen ist, nur sehr schwer entrissen werden kann. Ter Versuch, es chemisch rein darzustellen, hatte schon mehreren Che­mikern das Leben gekostet. Moiffan gelang die Trennuna durch Elektrolyse; die Elektrizität war also die Kraft, die die rein chemisch unzerlegbaren Vcrbindungeit treiuit Als Gesäß wurde dabei ein Platinrohr mit einem Stöpsel aus Flußspat benutzt. Während der Zerlegung mußte der Lfpparat dau­ernd gckühl werden. Schließlich wurde das schon lange gesuchte Fluor als blaß gelbliches Gas erhal­ten. und der damals, im Jähre 1886 erst 33jährige Moiffan war mit einem Schlage ein berühmter Mann.

Noch kühner womöglich ist die zweite größere Ar­beit MoissanS, die der Gewinnung von künstlichen Diamanten gewidmet war und damit den endgülti­gen Beweis für die an sich schon bekannte Tatsache erbrachte, daß der von Alters her hochgeschätzte Dia­mant nichts anderes ist als kristallisierter Kohlen-

Moissan ging von der aus der Eisenbearbeitung bekannten Tatsache aus, daß flüffiges Eisen, Kohlen­stoss löst Die verschiedenen A'ten des Eilens wie Gußeisen, Schmiedeeijen, Stahl uu-eescheweil sich jg voneinander-in erster Linie -durch- die. gelösten Koh-

lenstofftnengeu. Moiffan brachte das Eisen in einem elektrischen Ofen zum Schmelzen und löste in ihm bei sehr hoher Temperatur möglichst viel Kohlen- ftoff; nun kühlte er möglichst schnell ab, um durch die hierbei eintretende Zusammenziehung des Eisens einen gewaltigen Druck zu erzeugen. Das war der Kristallisation günstig denn der Diamant ist dich­ter als gewöhnlicher Kohlenstoff, dieser muß also zur Bildmig des Diantanten sozusagen zusammenge- drückt werden. Als Moiffan nach beendeter Abküh­lung das Eisen durch Säuren löste, fand er in der Tat kleine Diamanten, die freilich nur die beschei­dene Größe von eiwa einem halben Millimeter er­reichten.

Eine größere technische oder wirtfchafMche Bc- dcutuna erlangten diekünstlichen Diaman- t c n" allerdings nicht, was vielleicht ganz gut ist. denn mancher großen. Weltdame wäre die Freude an ihrem Diamantschmuck doch nur verdorben worden, wenn man ihn für wenig Geld künstlich Herstellen könnte. Die sehr große Bedeutung des Versuchs lag auf anderem Gebiet, nämlich in der Tatsache, daß er die außerordentliche Leistungsfähigkeit des elektrischen Flammenofens sinnsällia gemacht hatte. Mit ihm können wir die höchsten Temperaturen Her­stellen, die sich auf der Erde erreichen lassen, und dencu eine Grenze eigentlich nur dadurch gesetzt ist daß natürlich das Ofenmaterial, gewöhnlich Scha­motte oder dergleichen, nicht schmelzen darf.

Die hohen, hierdurch ermöglichten Hitzegrade konnten nun auch zur Herstellung anderer chemischer Verbindungen benutzt werden, und auch an diesen Arbeiten kommt Moiffan ein Hauptverdienst zu, wenn auch nicht gerade das alleinige Verdienst. Die Versuche, um die es sich hier in erster Linie handelt, sind Verbindungen des Kohlenstoffs mit Metallen zu den sogenannten Karbiden Das bekannteste von ihnen ist das Calziumkarbid, das ja zur Gewin- nuna des Azetylens dient, dieses besonders hell- brennenden, das vor dem großen Aufschwuna der elektrischen Glühlamve als »Gas der Zukunft" galt iefct aber doch schon im ganzen der Vergangen­heit augehöri. Moisian kann, alw auch in gewissem Siyn als geistiger. Vater des Azetylens gelten.

Moiffan erreichte alle Ehren, die einem Gelehr­ten zugänglich sind: Er ward Professor der Pariser Universität, Mitglied der französischen Akademie und kurz vor seinem Tod, Träger des Nobelpreises. Noch nicht ganz 55 Jahre alt, mußte er sich einer Opera­tion unterziehen, an deren Folgen er starb. Der bekannte Philosoph Eduard von Hartmann meint einmal, daß sich Taten dem Gedächtnis der Menschen vi»i wirksamer einprägen, als bloße Werke, mögen diese nun auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiete liegen. Der Satz mag Wohl richtig fein, aber mir scheint, daß man Arbeiten wie die Moif- fans getrost als .Taten" bezeichnen kann.

Em Künstler-Protest

Gegen die deutsche Ausstellung in Norwegen.

Gegen die von der Berliner Nationalgalerie her- gerichtete Ausstellung neuerer deutscher Kunst in Skan­dinavien tritt soeben eine Reihe von Künstlervereini­gungen, an ihrer Spitze die Akademie der Künste, die Berliner, die Münchener, die Rheinische Sezession hervor, um gegen diese Ausstellungschärfsten Pro­test" zu erheben. Die Künstlerverbände legen beson­dere Verwahrung dagegen ein,daß der leitende Di­rektor der Natioitalgalerie, Geheimrat Justi. die Ver­antwortung ablehnt und sie Herrn Dr. Thormaehlen zuschiebt, der wiederum seinerseits die volle Verant­wortung nicht tragen will. Bei einer so wichtigen Veranstaltung, wie dem erstmaligen Erscheinen deut­scher Kunst in Oslo, war es aber unbedingt notwen­dig, daß die Verantwortung von Persönlichkeiten ge­tragen wird, die sich auch tatsächlich in vollem Um­fange zu ihr bekennen." Es folgen sachliche Einwen­dungen:Neben den bedeutenden Werken führender deutscher Künstler zeigt die Kollektion das, was uns das allerschlimmste Hebel bei der Zusammenstellung von Ausstellungen zu fein scheint, Einseitigkeit und Willkür. Auf keinen Fall durfte unter den ausgestell­ten Werken der verstorbenen Künstler einer der be­deutendsten deutschen Maler, Corinch, fehlen, während andere verstorbene Persönlichkeiten, wie Marc und Paula Modersohn, vertreten sind."

Es ist unstatthaft, daß man bedeutende Künstler, die seit langem Namhaftes für die deutsche Kunst leisten, übergeht, während völlig unbekannte, junge Schüler gezeigt werden." ,

Die Voss. Zeitung bemerkt hierzu, daß die Znsam- mettstellung der Kunstwerke durch Thormaehlen auf der einen Seite zwar eine ganz ausgezeichnete Vor­

stellung vom Wirken nachimpressionistischer Künstler vermittelte die man in Oslo vor allem sehen woll­te, daß aber daneben auch Fehler begangen wur­den und manche Einseitigkeit, namentlich in der Auf­reihung von einzelnen Werken jüngerer Maler, Kri­tik herausforderte. Darüber gilt es sich auseinander­zusetzen, kein Zweifel. Aber dieser heftige Angriff der Künstlervereine mit dem großen Apparat, den er in Bewegung setzt, schießt weit übers Ziel hinaus. Warum man in diesem Zeitpunkt zur Veröffentli­chung schritt, die unter den waltenden Umständen eine schwerwiegende Schädigung deutscher Interessen mit sich bringen kann, ist völlig unbegreiflich. Welchen Eindruck muß so etwas int Ausland machen!

Warnung vorbilligen" Doktortiteln. Die belgischen Behörden warnen neuervings vor einem Institut, das sichAcademie Eommerciale" nennt, seinen Sitz in Lüttich, 54 Omai d'Amercoeur, hat und von einem gewissen Alias geleitet wird. Dieses Institut erbietet sich, wissenschaftliche Kurse auf dem Korrespowdenz- weac zu geben und das Daktor-Diplom in Handels- Wissenschaften zu verleihen. Es wird darauf hingc- wiesen, daß der Unterricht, den diese Schule gibt, rein privaten Charakters ist, uno daß die von ihr ausgestellten Diplome in Belgien keinerlei gesetzlichen Wert Haden. Es ist daher durchaus abzuraten, auf die Anpreisungen dieses Institutes, oder des genann­ten Alias oder feiner Agenten einzugehen. Aus­ländern, welche die Absicht haben, mit eineen belgi­schen höheren Lehrinstitut in Verbindung zu treten, wird vielmehr dringens empfohlen, vorher bei dem Ministerium für Wissenschaften und Kunst (Aftnist- re des Sciences et des Akts), Brüssel, 10 tue de la Loi, zwecks Auskunftserteilung anzufragen.

Der Deutsche Aerztetaq 1932 fällt aus. Der Ge- schästsau-schuß des Deutschen Aerz.evereiitsbundes hak wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage be­schlossen, aus Ersparnisgründett den diesjährigen Aerztetag ausfallen zu lassen. Für den Fall, daß besondere unvorhergesehene Ereignisse eintreten, wür­de eine kurze außerordentliche Tagung in Betracht kommen. Die alljährliche Haup Versammlung des Hartmannibundes, der Wirtschaftsorganisation der Äerzteschaft, findet jedoch auf jeden Fall im Juni in Hannover oder Leipzig statt

Goethe pflegte zu erzählen, wie ihm Tieck in Jena einst seine Genovesa vorgelesen und bemerkte da­bei:Als er anfing, schlug es acht Uhr. als er auf- hörte, elf Uhr, neun und zehn habe ich 9ar -i'cht schlagen hören."