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Veite 4 — 1. Beilage

Kasseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, R./Sonntag, 21 Februar 1932 '

UM EIN WENIG TEE

zember 1799

Zum 200. Geburtstage von George Washington, -em Befreier Amerikas am 22. Februar 1932

Andreas Reichert. '

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Ltrieil im Volksbank-Prozeß

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Tagen beginnt der Dinge zu denken, er

die wenigen in der Stille

Amerikanischen Zeitungen zufolge, hat Sir Hubert Wilkins, dessen Unterseeboot-Expedition zum Nord­pol, wie erinnerlich, mit der Versenkung des „Nau­tilus" ihren Abschluß gefunden hat, auf seine kürzlich angekündigte Abficht verzichtet, im Jahre 1933 eine Flugzeug-Expedition nach dem Südpol zu unterneh-, men. Dagegen will Sir WUkins jetzt wieder einen neuen Versuch machen, den Nordpol an Bord eines Unterseebootes zu erreichen.

Der

Wolkenkratzer

end re-

Das CHrhslergebäude ist nicht nur mit 320 Meter Höhe eines der höchsten Bauwerke der Welt, sondern auch ein inter­essantes Wahrzeichen Neuyorks. Es ist nach >em „Zonengesetz- gebaut, Has für Wolken- ratzer Verjüngung nach oben vorschreibt, mmit Her Umgebung nicht zuviel Luft und icht entzogen wird. Der im Sonnenlicht leihende Turm ist mit Kruppschen Rirosta- atahtplatten belegt. Mus: Kollmann, Wun- erwerke der Technik, Unionverlag Stutt­gart, Phot. Gddowes Co., Jnc., Reuyork.

Fresko

reizende Farben

Kohn Adams, sein Nachfolger im Weißen Haus, hat recht behalten: „Sein Vorbild wird alle Men­schen Weisheit und Tugend lehren, nicht nur in die­sem Zeitalter, sondern auch in kommenden Genera­tionen, solange die Geschichte unserer Tage gelesen wird . . .**

Friedrich August gewissermaßen in Pantoffeln gierte."

verstanden fie nur, mit dem Schießeisen umzugeben. Trapper, die mit den Rothäuten ein wenig Krieg spielen gelernt hatten. Ein anderer als Washing­ton wäre bei diesem Anblick verzweifelt. Aber jetzt bewährt sich das wahre Genie des Führers. Er be­ginnt zu arbeiten, die Leute zu schulen, ihnen Dis­ziplin einzuhämmern. Er ist überall, trotz des schmählich versagenden Rachrichtendienstes ist er er­staunlich gut über alle Vorgänge informiert.

Lager, er nimmt die Ausbilduna der Truppen in die Hand, plötzlich weht ein anderer Wind. Zugleich stellt sich Frankreich auf die Seite der Freiheitskämp­fer, es schickt Motten, Soldaten, Geld. Spanien er­klärt England den Krieg, die Fronten erweitern sich. In West-Indien, in Menorca, in Gibraltar beginnt der Kampf. Der alte unerbittliche Pitt stirbt. Eng­land will seine Ruhe haben. 1783 wird im Frieden von Versailles die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkannt.

Der Aufbau beginnt. Aber Washington ist nicht dabei. Er hat genug von diesen 8% Fahren Krieg, er geht aus seine Güter zurück. In Mount Venron beginnt der Heros der Nation wieder Tabak zu bauen.

Doch das Idyll dauert nicht lange. Die Verfas­sung hat als Oberhaupt des neuen Staatswesens einen Präsidenten vorgesehen. Niemand außer Wa- shington kommt dafür in Frage. Er ist kein Poli­tiker, er weiß es' selbst, aber er kann sich dem Ruf der jungen, ungefestigten Ration wicht verschließen. Die Arbeit beginnt von neuem. Nach vier Jahren wicdergewählt, entschließt er sich erst 1797 eine dritte

Nürnberg, 20. Februar.

Im sogenannten Volksbank-Prozeß wurde gestern der Angeklagte Kurz unter Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf 5 Jahre und unter Einrech­nung einer früher erkannten Gefängnisstrafe zu einer Zuchthausstrafe von 3 Jahren 3 Monaten, sowie 500 RM. Geldstrafe verurteilt, der Angeklagte Bergner erhielt 6 Monate Gefängnis und 100 RM. Geldstrafe, der Angeklagte Dietmar 400 RM. Geldstrafe. Der Angeklagte Stendel wurde freigesprochen.

Die Angeklagten Kurz und Diemar gründeten aus der 1924 in Konkurs gerytenen Volksbank die Nürnberger Kreditgenossenschaft, die im Jahre 1927 ebenfalls Konkurs anmelden mußte. Im ganzen hat­ten die Angeklagten bei diesen Manipulationen fast 50 000 RM. — meist Gelder kleiner Leute — verun­treut.

Washingtons leben alle wicht lange, Jahre, die ihm noch bleiben, will er

Washington blickt sich mit seinen Hellen blauen Augen um: Was sind das für Truppen? Sie sahen aus wie Buschklepper und waren es auch zum größ­ten Teil. Zerlumpt, bestensalls mit einer Phantasie- uniform oder einer Indianer-Ausrüstung drapiert, ohne Disziplin, von unfähigen Offiziere ngcleitct,

Ajourette

für aparte Blusen . .

Der durch seinen Ozeanflug bekannt gewordene Finanzmann Charles Levine ist von der Polizei ver­haftet und im Zusammenhang mit dem Verschwinden von hundert amerikanischen Telefon-Aktien des Dieb­stahls beschuldigt worden. Die fraglichen Papiere waren im Jahre 1930 einem Kassenboten übergeben worden, und in Wallstreet soll Levine sich auf uner­laubtem Wege in ihren Besitz gebracht haben. Die Polizei hat ihm gestattet, vorläufig in einer Klinik zu bleiben, wo er sich gegenwärtig von einem Bein­bruch erholt. Levine war bekanntlich 1927 zusammen mit Clarence Chamberlain von Neuyork nach Kottbus geflogen.

George Washington, geb. 22. Sehr. 1732, gelt. 14. D«. 1799. (Rach einer zettgeuölsticheu Darstellung.!

Währenddessen sitzt aus feinem Gut Mount Ver­non in Virginia ein Mann, in dessen Händen sich das Geschick des Landes entscheiden wird. Er ist nicht mehr ganz jung, 42 schon, ein wenig zur Be­häbigkeit neigend. 17 Jahre lang sühn er dieses Le­ben, das ihm der Inbegriff alles Erreichbaren zu sein scheint. Ein Gutsbesitzer besten Schlages, wahr­scheinlich einer der Reichsten Virginias, vielleicht der ganzen amerikanischen Provinzen. Am Tage Hai der Mann nicht viel Zeit, sich um diese politischen Dinge zu kümmern, da muß man überall nach dem Rechten sehen, sich voin Verwalter Bericht erstatten lassen, seine 350 Negersklaven inspizieren, über die Felder reiten, kaufen, verkaufen — er ist eilt gerissener Ge­schäftsmann, dieser Gutsherr. Wenn er sich am ? -d an seinen Schreibtisch setzt, kann er immer neu. Zahlen zu den alten in sein Büchlein schreiben

Leder-Ausschnitt bestens bet: Morlka. Sollen*. ®tr. 55.

Mr Lind hustet

Lin hkiimittrl aus dem fidjtrnmalir.

Mütter erkennen nicht immer die Gefahr für die Gesundheit ihres Kindes, welche ein gewöhnlicher Hu­sten oder eine einfache Erkältung mit sich bringen kann. Bei Vernachlässigung können sich diese kleinen Unpäßlichkeiten zu schweren Bronchialleiden und selbst zur Schwindsucht entwickeln. Und Husten und Erkäl­tungen sind so leicht zu heilen, wenn man gleich zu Anfang Ansy einnimmt, den man in jeder Apotheke erhalten kann. Ansy enthält neben anderen wertvol­len Bestandteilen Teer und Fichtennadelöl, von wel­chen heilkräftige Dämpfe in die Lunge und das Bron- chialsysteen eindringen, so liitdernd auf die Entzün­dung wirken, und Erleichterung und Heilung der Erkältung bringen. Wenn Sie Ihrem Kinde Ansy eingeben, geben sie ihm damit die segnende Heilkraft der norwegischen Fichtenwälder ein, mit ganz gerin­gem Kostenaufwand. Eine Flasche Ansy kostet RM2.— und genügt zur Zubereitung von 'A Liter köstlichen Hustensirups.

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Mann des Abends an andere fcorr*1! in die Welt hinaus, er Stunde ist gekommen Dieser Wa'bingion.

Als Abgeordneter Virginias

wieder stößt er vor. Diese Taktik macht auf die Dauer mürbe. Jahrelang geht es hin und her. Eine Zeitlang schaut es für die jungen, eben von Jefferson proklamierten Vereinigten Staaten sehr böse aus. In diesem Moment erscheint der frideri- zianifche Offizier von Steuben im amerikanischen

Wahl abzulehnen. Sein Werk steht auf eigenen Fü­ßen, Amerika braucht ihn nicht mehr. Er ist all ge­worden, die Washingtons leben alle nicht lange,

®te Geschichte geht mitunter sonderbare Pfade. Cber ist es etwa nicht sonderbar, daß eines der be­deutendsten Geschehnisse der Neuzeit auf einen Jun­genstreich zurückzuführen ist, bei dem ein paar Bal­te» Tee die Hauptrolle spielten?

Mau schreibt den 18. Dezember 1773. Draußen, im Hafen von Boston, dem wichtigsten der englischen Kolonien im neuen Kontinents liegen einige eng- , lrsche Frachtschiffe, bis unters Deck vollgeladen. Tie I Tezembentacht ist dunkel, nur ganz schwach heben sich die Silhouetten der Segler vorn bewölkten Nacht Himmel ab. Da — leichte Ruderschläqe, ganz leise kaum hörbar. Seltsame Burschen sitzen in den Boo ten, die sich heinilich heranpirschen, wilde Kriegsbe malung im Gesicht und auf den Händen, am Gürtel schimmert der Tomahawk, am Kopf prangen bunte Adlerfedern. Und es ist auch ein regelrechtes In­dianergeheul, das plötzlich die Stille der Nacht durchschneidet. Tie Schiffe sind geentert, die spär­liche Besatzung schnell übermannt. Und kräftige Hände fassen Ballen auf Ballen, Kiste nach Kiste, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird unter , Deck hervorgeholt und über Bord geworfen. Melan­cholisch treiben die Güter mit der Ebbe ins Meer.

In den Kisten befindet sich Tee. Und dieser Handstreich auf den Tee, ausqeführt von den aben­teuerlustigen Söhnen der vornehmsten Familien Bo­stons, ist der Beginn des Krieges, der die Unabhän­gigkeit Amerikas vom englischen Mutterlande erwir- len soll. Ein Krieg um ein wenig Tee ■ . .

»yreilich^ wir wissen es heute besser: ebensowenig wie das Salz Gandhis, ist der Tee Jung-Bostons der wahre Grund des Konflikts. Tie Ursachen lie­gen tiefer. Es hätten ebensogut Stoffe oder Werk­zeuge sein können. Die Explosion lag in der Lust. England,» im Siegestaumel einer ungeheuerlichen Erfolgsserie, fast über Nacht zum mächtigsten Welt­reich, dem ersten Imperium der Neuzeit geworden — dies selbe England stand unter den drohenden Auspizien einer schweren Krise. Schiffe, Eroberun­gen, Kolonien — das kostet Geld, viel mehr Geld, als die etwas sparsamen Alt-Engländer herausrücken wollen. Die Staatskassen werden leer, man mutz schnell Rat schaffen.

In diesem Augenblick erinnert man sich in Lon­don an die Stiefkinder jenseits des großen Wassers, man hat sich dort erst vor kaum 15 Jahren ihret­wegen mit Rothäuten und Franzosen herumgeschla­gen — nun sollen sie dafür zahlen. Es folgt ein wahrer Hagel von Steuergesetzen über die amerika­nischen Provinzen. Rur eines hatte man vergessen: die Parlamente der 13 Kolonialstaaten zu befragen. Das ist eine Verletzung des heiligsten Rechts der amerikanischen Kolonisten. Sie protestieren heftig.

In London schüttelt man den Kopf. Was bilden sich diese Provinzialen eigentlich ein? Man wird ihnen schon zeigen, wer Herr im Hause ist. Ein i haar Regimenter rolröckiger Truppen werden hin- Übergeschickt. Aber die drüben wehren sich, sie er­klären den englischen Waren einfach den Boykott. Man sieht sich zu Kompromissen gezwungen. Schließ­lich bleibt nur noch der Teezoll übrig. Doch jetzt : haben die Amerikaner Blut geleckt, auch das ist ihnen noch zuviel. Der 18. Dezember 1773 gibt den Aus- i schlag. Das bedeutet Krieg. Man weiß es in Eng- land ebensogut wie in der neuen Welt.

Sein Besitz unaufhörlich jeder Penny, de.r Here -kommt, wird wieder investiert. Er kauft

Land, er bat den richtigen Instinkt für die richtige Spekulation! Aber in diesen

. verbringen. George Washington wird noch einmal Farmer, zum letzten Male. Im De­zember 1799 erkältet er sich bei einem stundenlan­gen Ritt durch Hagel und Schneeregen. Zwei Tage später ist er tot.

Cotele

apartes Modegewebe

Die Engländer landen Truppen, prächtig ge­drillte, europäisch geschliffene Soldaten unter ihnen Tausende von Deutschen, die von ihren Landesher­ren zum Kriegsdienst nach Amerika verkauft worden sind. Ein deutscher Leutnant ist dabei, der mit offe­nen Augen das fremdartige Schauspiel betrachtet: Neithardt von Gtteisenau. Siegessicher gehen sie an Land, man muß sich diese Rebellenhaufen nur ein­mal ansehen, um zu wissen, wie schnell man mit ihnen fertig wird.

Aber es kommt anders. Im Anfang gleich holen sie sich blutige Köpfe. Dann freilich gibt es einen Umschwung. Washington muß weichen. Er zieht sich zurück, aber fein Mut ist ungebrochen. Immer

„Oer König"

Hans Reimann erzählt Anekdoten.

Der letzte König von Sachsen, der dieser Tage auf seinem Gut Sibyllenort starb, ist wegen seines echt sächsischen Humors populärer geworden als irgendein anderer deutscher Fürst. Literarisch hat sich am inten­sivsten Hans Reimann mit Friedrich August beschäf­tigt. Seine Anekdoten vom „König" sind zum Teil schon „mündliche Ueberlieferung“ geworden. Reimann schreibt zu Friedrich Augusts Tode:

„Manche Anekdote über ihn ist frei erfunden. Die unpointierten find die echtesten. Ich liebe die eine als besonders charakteristisch. Ein neugebackener Professor meldet sich bei ihm im Schmuck diverser Or­den. Friedrich August hört sich die steifleinene An­sprache eine Weile an, dann tritt er ganz dicht an den mählich verstummenden Mann, kratzt ihm am Frack herum und brabbelt: „Das ist wohl Bratensoße?" (Es war Bratensoße.)

Er liebte die Behaglichkeit und das Zivile, er liebte das Grammophon und die Jagd. Aber er han­tierte nicht mit dem Maschinengewehr und legte kein Gewicht darauf, Rekordzahlen zu erreichen. Die Uni­form stand ihm nicht wohl zu Gesichte. Er wirkte im­mer ein wenig wie verkleidet. Kaiser Wilhelm war ihm ganz und gar nicht grün, zumal Friedrich August seinerzeit nach der ominösen Depesche anläßlich des Burenaufstands und des Krawalls, den die „Times" erhoben hatten, dem Kaiser statt jeglicher Begrüßung mit weithin schallender Stimme entgegengeschmettert hatte: „Na, Wilhelm, wann schreibste denn widdr mal nach England?"

Es gehörte schon allerhand Unbekümmertheit da­zu, sich als Monarch so aufzuführen, als sei man ein schlichter Privatmann. Friedrich August hat das Kunststück fertig gebracht. Er ist niemals aus Der Rolle gefallen, weil er feine Rolle spielte. Er blieb ständig im Hintergrund und dachte sich seines, ober ließ seinem gesunden Mutterwitz die Zügel schießen. Er redete frei von der Leb»r weg; und gerieten seine Aussprüche auch hie und da ins Unfeine und Unkönig­liche, so verdienen Pe kaum minder eine Aufzeichnung fürs Lesebuch, wie diese oder jene angeblich verbürgte Anekdote vom Fridericus Rex, mit dem ich ihn tm übrigen beileibe nicht verglichen haben möchte. Denn

zum erben gemeinsamen Kongreß der 13 amerika­nisch"» Provinzen. Von Natur aus, konservativ, loyal, königetreu, nicht nur durch geschäftliche Be­zieh" »gen mit England verbunden, geht er doch zu den Rebellierenden. Er hat eine unbewußte, aber klar' Ahmmg: jetzt wird die Et.tschcidung fallen. (5s ist keine Frage, wohin man sich stellen muß.

Als er jnni war hat er das Soldatenspiel ge­liebt Mit 21 Jahren Major der virginischen Miliz, m':t -2 Oberst hatte er sich mit Franzosen und In­dianern hertw!geschlagen, nicht immer glücklich, aber sei lie^sich doch vorn Erfolg gekrönt. Mit 25 zieht er bie Uniform wieder aus, j-n» will er richtig arbei­ten als Farmer, wie fein Vater Heute liegen die D'nge anders. Er weiß, das kann ein Krieg werden ohne Ende, er wird Opfer kosten, viel Opfer. Aber e M - in wie George Washington bleibt _feine s ;t -.weite ' o> s.rcß ern-nn: ibn tttm ■*'r er kon,..: i wiere. den all r amerikanischen Truppen. Der ^ttieg ist unvermeidlich.

fühlt: seine große Mann Reifet George

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