Sonnabend, M/Sonntag 21. Februar 1932
Kasseler Neueste Nachrichten
Sette 3 — 2. Beilage
DIE SELTSAME INSEL
Querschnitt durch die Negerrepublik Haiti / Von W. B. Seabrook
200 Mark
ist der erste Preis im Preisausschreiben der
Kasseler Neuesten Nachrichten
Wir beginnen heute mit dem Abdruck des dritten Teils unserer Hatti-Serie, in dem Seabrook einen Querschnitt durch Leben und Sitten dieser seltsamen Insel siebt.
Erstes Kapitel.
Oer König von La Gonave
Unbeschränkter Herrscher auf einer entlegenen tropischen Insel zu sein, die unter einem fernen blauen Himmel, von Korallen eingefaßt, wie ei» grünes Juwel irgendwo im Weltmeer liegt — das ist ein Traum, den nicht nur romantisch veranlagte Knaben, sondern auch Erwachsene zuweilen träumen, wenn sie unserer abendländischen Kultur müde werden. Es ist ein Wunschtraum von seltsamem Reiz, der jedem Temperament das Seine verheißt. Für den einen bildet die traumhafte Insel den Jnbegrifs des Abenteuerlichen, für den anderen eine Zuflucht, eine Stätte der Einsamleit und des Friedens, für den dritten den Tummelplatz eines despotische» Machtbedürfnisses
Es ist ein Traum, der für die meisten von uns niemals seine Erfüllung findet.
Aber in Haiti, wo das Unmögliche so oft Ereignis wird — genauer gesagt, auf einer der zum haitianischen Hoheitsgebiet gehörige» Inseln, die der Küste vorgelagert sind —, lebt ei» Mann, der diesen Traum tatsächlich verwirklicht hat und zwar in seinen kühnsten Ausmaßen verwirklicht hat. Er ist von den Bewohnern der Insel sogar buchstäblich zum König gekrönt worden.
Es klingt wie ein Roman, aber es ist greifbare Wirklichkeit.
An klaren Tagen kann man von Port-au-Prince aus in weiter, dunstiger Ferne die Berggipfel einer Insel sehen, die draußen am nordwestliche» Horizont in der Luftlinie etwa fünfzig Kilometer vom Festland entfernt, aus dem Meer emporragen. Die Insel heißt La Gonave und ist größer als Martinique oder Barbados. Sie hat eine langgestreckte Form, und ihre größte Ausdehnung beträgt nahezu siebzig Kilometer. Trotzdem sie nicht nur nahe der Küste, sondern in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt von Haiti liegt und zu dem Territorium gehört, über das die Vereinigten Staaten nach dem Wortlaut des Aertrages von 1915 eine „wohlwollende Schutzherr- schaft" ausüben, ist diese Insel doch so primitiv und unberührt von jeder Zivilisation geblieben wie keine andere in Westindien. Das war immer so. Zur Kolonialzeit wurde sie nicht besiedelt, während der spanischen Herrschaft bildete sie einen der Schlupfwinkel der Flibustier, die die westindischen Seewege unsicher machten, und während des französischen Regimes war sie eine Zufluchtsstätte für entlaufene Negersklaven. Während des vergangenen Jahrhunderts bat die Regierung der schwarzen Republik Haiti von Zeit zu Zett mit durchaus unbefriedigendem Erfolg versucht, von de» Nachkommen dieser entlaufenen Sklaven Steuern einzutreiben.
Bor einigen Jahren brachten die amerikanischen Behörden in Port-au-Prince einen Sergeanten des Marinekorps natnens Wirkus mit einem Flugzeug itach La Gonave uni> setzten ihn dort ab. Man hatte ibn vorher zum Leutnant der Genvarmerie ernannt und seine Aufgabe sollte darin bestehsn, auf der Insel für Ruhe und Ordnung und et» angemessenes Steueraufkommen zu sorge». Wirkus hatte sich frei» willig für diese Mission gemeldet. „Wir werden jeden Monat ein Flugzeug hinüberschicken, um nachzusehen, wie es Ihnen geht-, sagte man ihm zum Abfchied. „In sechs Monaten lösen wir Sie natürlich ab." Aber Wirkus, der nte vorher in Sa Gonave gewesen war und nur die fernen Berge der Insel am Horizont geheimnisvoll und verheißend hatte ragen sehen, sagte: „Wenn ich nicht wenigstens drei Jahre bleiben kann, will ich gar nicht erst hingehen".
Es klang ein bißchen sonderbar, aber sie brachten ihn hinüber und überließen ihn seinem Schicksal. Jeden Monat schickten sie ein Flugzeug hin, das seine Berichte abholte, und wenn er wollte, konnte er in jedem Monat auch ein paar Tage Urlaub in Port- au-Prince verbringe». Er verließ die Insel jedoch höchst selten. Nach zwei, drei Monaten hörte man Gerüchte, daß die zehntausend Einwohner von Sa Gonave sich versammelt und Wirkus zum König gekrönt hätten. Man hielt es allgemein für einen harmlose» Scherz. Niemand in der Hauptstadt »ahm das Gerücht ernst, und Wirlus selbst lachte nur etwas verlegen, als man ihn danach fragte. Er war ein außerordentlich tüchtiger, verläßlicher, vierschrötiger Gendarmerieleutnant, feine Berichte waren stets in bester Ordnung, und unter seiner Verwaltung hatten sich die Steuereinkünfie auf der Insel mehr als bei. doppelt. Wenn die Schwarzen draußen in La Gonave ihren kindlichen Spaß darin fanden, ihn statt Leutnant „König" zu titulieren, nun, dann hatten seine Vorgesetzten nichts dagegen einzuwenden. Er war ein guter Beamter und leistete ausgezeichnete Dienste, mehr brauchte matt nickt zu wissen.
Wer zum Mystizismus neigt, der wird vielleicht den Umstand bedeutungsvoll finden, daß Wirkus mit Vorname» Fanstin heißt, ein Name, der in der Weltgeschichte nur einmal vorkommt und zwar als der Name jenes schwarzen Kaisers, der von 1849 bis 1859 als Fanstin I. über Haiti herrschte In Bois Noir, inmitten der Berge von Sa Gonave. lebt ein alter, blinder Wahrsager, der mehr als hundert Jahre alt sei» soll. Die Leute erzählen sich, daß er vor vielen Jahren auf dem haitianischen Festland lebte und als junger Mann den Kaiser Fanstin auf einem weißen Roß in den Krieg gegen Santo Domingo ziehen sah Der alte Wahrsager soll seit vielen Jahren prophezeit haben, daß Kaiser Faustin eines Tages aus irgendeine wunderbare Weise zurückkebren werde. Wenn die Neger von Sa Gonave von Wirkus sprechen, dann nennen sie ihn häufig .,8t te pö vini". das heißt fo- btef wie „Er, der kommen follte".
Wirkus selbst hat jedenfalls nichts Mystisches an sich Kameraden vom Marinekorps finden es ein bißchen unverständlich, daß ein rechter Soldat es jahrelang ganz allein auf einem solch gottverlassenen Poften aushalten kann: aber Wirkus betrachtet es ftfg nichts Ungewöhnliches, und er sagte mir einmal. er bofke. nock mindestens weitere drei Jahre dort zu bleiben. Wirkus stammt ans Pennfylvanien, aus der Gegend von Wilkesbarre. Sein Vater war ein ans Deutschland eingewanderten Bergmann, der nebenher auch eine Farm bewirtschaftete. Ms ich ihn später besuchte, erzählte mir Wirkus, daß er nie von Sa Gonave oder auch nur von Haiti gehört hatte, ehe er mit seinem Regiment dorthin kam. Es war ja auch, wie er meinte, ganz gleichgültig, wo man seinen Dienst tat ob in Haiti ober in den Philippinen ober i» Philadelphia. Er war ein Tatmensch unb ein geborener Organisator, dessen Schicksal sich bis zu einem gewissen Grad in Haiti erfüllte.
Ich hatte schon mehrere Monate in Haitt zugebracht. als ich zum erstenmal von Wirkus horte, Einer der Mitglieder der amerikanische» Kommission erzählte mir von ihm und meinte, wen» ick einen Einblick in das primitive Beben der haitianischen Bauern gewinnen wolle, dann dürfe ich nicht versäumen,
GoNave zu besuchen. Als et merkte, wie lebhaft mich das interessierte, »ahm er sich die Mühe, bei Wirkus anzufragen, ob er mich eine Zeitlang bei sich unterbringen könne. Wirkus ließ ihn wisse», daß ich jeder- zeit willkommen fei und ganz »ach Wunsch eine Woche oder auch einen Monat bleiben könne.
Ich vereinbarte mit den Militärbehörden, daß ich an einem bestimmten Tag mit dem Flugzeug nach Sa Gonave gebracht werden sollte. Am Vorabend des festgefetzten Tages saß ich mit Major Davis und Hauptmann Preßleh in der Bar von De Rett. Im Saufe der Unterhaltung fragte ich. was ich Wirrus mitbringen könne, um ihm eine kleine Freude zu madjen.
„Na", meinte Major Davis, „Sie könnten ihm eine große Schachtel Schokolade und Pralinen schenken."
„Das soll wohl ein Witz sein?" sagte ich „Schokolade und Pralinen für einen altgedienten Sergeanten des Marinekorps?"
„Jawohl", erwiderte der Major. „Wirkus ist zwar ein ziemlich abgebrühter Junge, aber er trinkt nicht, und wenn ich mich recht erinnere, raucht er auch nicht aber er ißt für sein Leben gern Süßigkeiten. Das ist wohl sein Ersatz für Alkohol. Man sagt ja, daß sich Zucker in Alkohol verwandelt Sie könnten ihm auch Ma ""«"'ade mitbringen, aber ich glaube, davon hat er einen ganze» Schrank voll. Es ist ja auch sein Glück, daß er nicht trinkt: denn dort draußen aus einer Insel, wo es massenhaft Rum, Niggerweiber und Palmenhaine gibt, wäre er sonst wohl längst vor die Hunde gegangen. Wirkus ist für so was nicht zu haben und hält sich in glänzender physischer Verfassung. Er hat sich einen Sckießstand gebaut, reitet, geht auf die Jagd und fischt „barracubas", wenn er sonst nichts zu tun hat. Er rasiert sich jeden Morgen und hat sich ein Brausebad eingerichtet, das eleganter ist als das im Klub." m „
Am nächsten Tag flog ich mit Hauptmann Preßley über die Bai in der Richtung auf die dunstig-blaue» Beo-- von La Gonave, deren Serbe lickt, als wir näher tarnen, in ein leuchtendes Grün verwandelte. Wir landeten auf einem gut geebneten Salinenfeld i» der Nähe der Küste. Als das Flugzeug im Auslauf über den Boden rollte, sprangen plötzlich vier.
fünf Kühe aus dem Mangrovegebüsch unb rannten quer über unser Landungsfeld. Ein paar Neger kamen schreiend unb gestikulierend hinter ihnen her gelaufen und gaben sich die größte Mühe, den Tieren den Weg zu verlegen. Preßley mußte die Maschine herumretßen, um einen Zusammenstoß zu vermeidest:
Als das Flugzeug schließlich glücklich Mm Stehen gebracht war und wir hinauskletterten, die Schutzbrille auf die Stirne hinaufschoben. unfere Leder- Helme lockerten und den zufammengerollten Fall- schiru, loSschnallten, sahen wir Wirkus mit langen Schritten auf uns zukommen. Er trug einen schmierigen Arbeitsanzug aus Khaki, seine Hände waren schwarz von Oel und Wagenschmiere und auch seine entblößten, sonnenverbrannten Arme hatten ein paar Spritzer abgehiegt Aber seine Auge» leuchteten so graublau und klar, sein Haar war so strohblond, und fein glattrasiertes Gesicht hatte eine fo gesunde unb rosige Farbe, daß er einen blitzsauberen Eindruck machte. Cs roch ordentlich nach Seife, wenn man ihn bloß ansah. Er war etwas unter sechs Fuß groß und hatte die durchtrainierte Figur eines Halbschwer- gcWichteborers. Sein Kin» war eckig, energisch und seine Miene in diesem Augenblick reckt stark um- büftert unb uttheildrohend. Er schaute gar nicht nach uns hin, während er herankam, sondern musterte prüfend den einen Flügel des Flugzeuges, der bei der plötzlichen Wendung den Boden berührt hatte. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, daß kein ernster Schade» angerichtet war, tarn er zu uns und begrüßte uns mit einem Händedruck.
Ei» paar Sträflinge erschienen, nahmen mein Gepäck auf ihre Köpfe unb verschwanden im Gänsemarsch im Dickicht der Mangroven. Wirkus lud Preßley ein. dazubleibe» und mit uns fischen zu gehen. Er hatte schon in aller Herrgottsfrühe an seinem einzylindrigen Motorboot berumgebaftelt und der Motor lief ausgezeichnet. Aber Preßley hatte keine Zeit unb mußte sofort zum Rückflug starten.
Ich schritt mit Wirkus den Pfad entlang, der durch den Mangrovenhain hinauf zu den strohgedeckte» Häuser» einer Ortschaft führte, die auf einer kleinen Anhöhe lag und von der aus man einen herrlichen Blick auf die Bai unb das gewaltige Gebirgs
massiv des haitianischen Festlandes hatte. Die Ortschaft hieß Anse-ä-Galets und war die Hauptstadt dieses Jnselkönigreichs. Die einzige» Gebäude, die nicht aus Lehmwänden und einem Strohdach bestanden, Waren das Hauptquartier der Gendarmerie uns das Haus, in dem Wirkus Wohnte. Das Hauptquartier sah aus wie ein kleines Fort.
Wirkus hatte sich sehr nett eingerichtet. Das einstöckige Haus bestand ganz aus Stein und Zement. Die Veranda, die es an zwei Seiten umgab, war von einem feinmaschigen Drahtnetz eingefaßt, das Sckuy gegen Moskitos. Fliegen und sonstige Insekten bot. Tie Möbel stammten zum Teil aus den Vereintg- ten Staaten, so ein schöner Eßtisch, zwei eiserne Bettstellen und das emaillierte Waschgeschirr, das jedes der beide» Schlafzimmer zierte. Die aus Weise» geflochtene» bequemen Stühle und Schaukelstühle waren haitianisches Erzeugnis. An den Wänden des Wohnzimmers Waren Satteltaschen, eine Flinte und allerhand Angelgerät aufgehängt, von der Mitte der Decke hing eine Benzinlampe herab. In den Schlafzimmern gab es nur Kerzen Der Fußboden war zementiert und nur hier und dort mit Matten belegt. In einem Vorratsraum standen auf Regale» ganze Reihe» von Konservenbüchsen. Das Gesinde bestand aus einem Jungen namens Mauvais. der alle Hausarbeit besorgte und auch in der etwas abseits gelegenen Küche den Koch spielte. Das Brausebad, von dem ich bereits gehört hatte, war im Hof angebracht unb bestand aus einer Regentonne, die auf vier hohen Stangen angebracht unb von einer Schutzwand von verflochtenen Zweigen umgeben War.
Wirkus erwies sich vom erste» Tag an als sehr gastfreundlich, aber er war von Natur aus zurückhaltend und einsilbig, und es dauerte einige Zeit, bis Wir uns einander näherkamcn. Als er hörte, daß ich kreolifch sprechen konnte, mich ziemlich viel in den Gebirgsgegenden von Haiti berumgetrieben hatte, mit Vorliebe alte Kleider trug und gern fischte, fühlte er sich offenbar erleichtert. Ich erwähnte feine KönigS- Würbe mit keinem Wort in der sicheren Erwartung, daß er mir über kurz ober lang schon davon erzählen werde.
(Fortsetzung folgt.)
Die Frau, die Caruso einen Korb gab
Das Ende einer großen Sängerin
Grundstücksvertrag abzuschließen, hier vor Gericht kommen sollten?
Leo SUarek: Dann Werben sie sagen, daß sie sich in der Person geirrt haben. Es hat vielleicht jemand meinen Namen benutzt.
Vorsitzender: Den Mann möchte ich sehen, der Ihren Name» benutzt (große Heiterkeit).
Ein Kino in Chicago. Vor dem Hauptfilm läuft eine möglichst üppige Büchnenschau. Außer Clowns, Akrobaten und dressierten Seelöwen gibt es auch eine sogenannte seriöse Nummer:
Die Farbe der Scheinwerferbeleuchtung wechselt. Vor den Vorhang tritt eine umfängliche alte Dame. Das Orchester spielt einen Dusch. Keine Hand rührt sich. Seife erklingen die Einteitungsakte einer Arte aus „Rigoletto". Die alte Dame öffnet den Mund itttb singt. Der Beifall am Schluß ist höflich, aber matt.
Die nächste Nummer sind Cowboys auf Pferden, die sich da oben außerordentlich wild gebärden. Kein Mensch in dem großen Kino fragt mehr nach der alten Dame.
Wer sie war? Das steht ans dem Programm zu lesen. Sie heißt Signorina Tetrazzini. ehemalige erste Koloratursängerin der Metropolitan Opera in Ncuyork, ehemaliger Liebling zweier Kontinente. Wem sagt dieser Name heute itoch etwas? Signorina Tetrazzini ist etwas über 60 Jahre alt. Ihr Auftreten in der Bühnenschau dieses Kinos ist zur Zeit ihre einzige Einnahme.
Diese Frau hat vor noch nickt einmal 20 Jahren eine anze Welt in Staunen und Begeisterung versetzt.
Wenn in den großen Opern Enrico Caruso als ihr Partner auftrat, so war das gerade gut genug für sie. Wenn sie eine Tournee unternahm, bann reisten viele Leute Hunderte von Kilometern, um sie einen Abend lang zu hören. Ms sie einmal bei einer Denkmalsweihe auf offener Straße fang, vermieteten die Bewohner der Stabt die benachbarte» Fensterplätze für teure Dollars. Trotzdem kam es zu Straßenaufläusen. Unruhen. Schlägereien.
Vor einigen Jahrzehnten machte ihr Caruso einen Heiratsantrag. Sie lohnte ab — sie wollte sich nicht binde» lassen. Sie war eine sehr stolze Frau. Tas War kein Wunder. Denn alle Kritiker schrieben sich die Finger wund — sie schriebe» Hymnen nannten sie gottbegnadet, nannten sie eine direkte Nachfolgerin der großen Adelina Patti. her größten Koloratursängerin der letzten Jahrhunderte. Ihre ganz große Glanzpartie war die Gilda in Verdis „Rigoletto", Gildas große Arie eine Weltsensation.
Diese gleiche Arie singt sie heute in dem Kino.
Ihr Privatvermögen wurde vor noch nicht langer Zeit aus 20 Millionen Dollar geschätzt. Durch mehrere Fehlspekulationen bat sie Schlag auf Schlag, allez verloren. Wer sollte ihr Helsen? Caruso wat tot. Ihre anderen Kollegen hatten sie schnell vergessen Eine ganze Generation junger Kolorantt- fängerinen bevölkerte die Bühnen froh über den Abstieg ihrer großen Vorgängerin Kein Mensch half ihr. Sie war eine alte Frau und stand ganz allein. Sie ging zu einem Bariete-Agenten und bot sich an — als seriöse Nummer.
Signorina Tetrazzini singt! Sie singt im Kino. Dies erscheint heute in den Uetierfdjrtften aller großen amerikanischen Zeitungen. Man nennt es eine „Tragödie des Verfalls". Ihre alten Verehrer hüten sich, sie heute anzuhören, um sich den herrlichen Eindruck von vorgestern nicht zu verderben. Die jungen Leute zeigen wenig Interesse.
Jedes Cowboypferb bat mehr Erfolg als diese alte Sängerin, die da auf der Bühne steht und früher der ganz große Star der internationalen Qpern- wclt war
200 gefälschte Ltnierschnfien
Die Sklareks begutachteten ihre eigenen Unregelmäßigkeiten.
Berlin. 20. Februar.
Im Sklarek-Prozeß wurde die Vernehmung des Stabtbantbttetwrs Schröder fortgesetzt. Auf die Bor« 6al -ten des Vorsitzende», daß die Sklareks im Laufe von vier Jahren etwa 200 Unterschriften auf oen Bestellscheinen der Bezirksämter gefälscht hätten, und daß diese Fälschungen nicht entdeckt worden sind, erklärte Schröder, eines Tages fei der Verdacht entstanden. daß die SNareks fingierte Postscheckeinzahlungen geleistet hätte». Schröder und Hoge wollten nun an diesem Tage bei den Sklareks revidieren. Der Buchhalter Lehman» hätte sich aber verleugnen lasse».
ba die gefälschten Bücher noch nicht auf dem laufenden Ware». Wetter schilderte Schröder, daß am nächste» Tage der Stabtverordnete Rosenthal ihn gewarnt habe, unter keinen Umständen bei de» Bezirksämtern wegen der Unstimmigkeiten nachzufragen, weil dadurch der Firma Sklarek Schade» erwachsen könnte. Wie aus den Schilderungen des Vorsitzenden bervorging, Waren die Sklareks angewiesen worden, sich von den Bezirksämtern die beanstandeten Zahlungen beftättgen zu lassen, sodaß also die Firma, bet der Unregelmäßigkeiten vermutet Wurden, die Richtigkeit der Angelegenheit selbst nachweisen sollte.
Zum Schluß kam es zu einem sensationellen Zwischen fall. Willy Sklarek wies darauf hin. baß in den letzten Monaten nach Angaben bes Buchhalters Lehmann Beträge von einer Million Mark für private Zwecke entnommen worden sind, die aber Weber er »och Leo bekommen hat. Willy Sklarek fragt, ob er die Schecks vorgelegt erhalten könne, um vielleicht sest- stcllen zu können, Wo bas Gelb hinkam. Wir wollen beweise», so rief Willy Sklarek, daß wir nichts beiseite geschafft haben und können bann vielleicht fest- stellen, wer es bat.
Ganz überraschend stellte daraus der Vorsitzende Leo Sklarek die Frage: Wenn Sie kein Geld beiseite geschafft haben, Wovon Wollten Sie sich eigentlich eine Villa von 175000 Mark kürzlich kaufen?
Leo: Das ist ein Märchen.
Vorsitzender: Wenn nun die Villeneigentümer, die es nickt für richtig hielten, mit Leo Sklarek einen
Deutschland, Frankreich und die Abrüstung
„Vor allen Singen Sicherheit!"
(Aus der neuesten Nummer des ..SimvlstiifimuS'tt.