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Nummer 43*
Sonnabend/Sonntag, 20./21. Februar 1932
22. Jahrgang
Hessische Abendzeitung
45 4. ^ertsebtrhr254 (bet Zustellung 85 4 K — Kür daß Erscheinen von Anzeigen in vefttmmten Ausgaben, an besonderen Platzen und für televdomsch erteilte 9htftr.SAf #»««<• (Bpmfifir nungsbelräg« innerbalb von 5 Tage« »ablbar. Gerichtsstand Kassel. — Postscheckkonw Frankfurt a. M. 63.^
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Mer Neueste Nachrichten
Oie große Schlacht um Schanghai
Oer japanische Generalangriff hat begonnen / Harter Widerstand der Chinesen / painleve gescheitert / politische Sorgen um die Vierpreisfrage
Mehrstündige Artiller ievorbereitung
Oie Not der Jugend
Eigener Drahlbrricht.
Schanghai, 20. Februar.
Am Sonnabend morgen, um 7,20 Uhr Ortszeit, flöb der japanische Oberbefehlshaber, General Uyeda, de» Befehl zum Angriff auf die chinesischen Stellungen, nachdem um 7 Uhr das japanische Ultimatum abgelaufen war. Um 7,30 Uhr wurde von den Japanern das Gewehrfeuer auf der ganzen Linie eröffnet. Zehn japanische Bombenflugzeuge stiegen auf und kreuzten über Nord-Tschapei, während andere startbereit waren. Um 8,50 Uhr Ortszeit begann das Feuer der japanischen Artillerie mit 60 Feldgeschütze« und kurz darauf antworteten aum die chinesische,, Geschütze.
Die Japaner beabsichtigen, erst nach mehrstündiger Artillericbeschießung den Sturm aus die chine- ssischen Schützengräben zu eröffnen. Die beiderseiti- Ren Frontlinien reichen von der internationalen Niederlassung bis nach Wufung. Die stärksten ■ ä,ut>fc werden sich zwischen Wusuna und Kiangwan entsplnneu. Die japanischen Fronttruppen sind etwa 30 000 Mann stark. In den rückwärtigen Stellungen sind Seesoldatcn bereit gestellt worden
Sn der Rächt vor Ablauf des Waffenstillstandes wurden auf beiden Seiten nur hin und wieder Schüsse abgegeben. Ein japanisches Schiff wurde durch eine chinesische Granate getroffen, wobei ein Mann der Besatzung getötet wurde. Mehrere chinesische Granaten explodierten in der Nähe des japa- nlschen Hauptquartiers. Der amerikanische und der englische, Generalkonsul haben ihre Staatsangehöri- 5,e.n ““fafforbert, die Bezirke der internationalen Niederlassung zu räumen.
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Schanghai, 20. Februar. Die große Schlacht um Schanghai ist in vollem Gange. Die Chinesen setzen den japanischen Angriffen stärksten Widerstand entgegen. Es gelang den Japanern, in K i a n g w a n ein- zudrrngen. Durch energischen Gegenstoß eroberten die Chinesen jrdoch diesen wichtige,, strategischen Platz zuruck. Die japanischen Linien wurden wieder zurückgedrängt. Versteckt aufgestellte 10,5 Zentimeter-Geschütze der Chinesen setzten die von den Japanern eingesetzten Tanks außer Gefecht oder zwangen sic zum Rückzug. Aber die Japaner setzten ihre Angriffe fort und gegen 11 Uhr vormittags (0.8.) war es ihnen gelungen, das Gebäude des Sportclubs wieder zu besetzen, das im äußeren Weichbild von Kingwai, liegt.
Völkerbunösversammlung am 3. März
Genf, 20. Februar.
Der Völkerbundsrai hat gestern abend nach über dreistündiger Sitzung beschlossen, entsprechend dem chinesischen Antrag die Völkerbunds Versammlung auf sen 3. März einzuberufen.
Die Delegierten aller in Schanghai vertretenen Ratsmitglieder einschließlich C-H.nas und Japans haben zugesagt, mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ablauf des japanischen Ultimatums sofort telegraphisch auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen an Ort und Stelle und die Vermeidung von Feind- !^8weiten hinzuwirken. (Wie die Ereignisse beweisen, ist die Genfer Mahnung wieder cin-nal zu spät gekommen. D. Reo.)
London in Spannung
London, 20. Februar.
London brachten die Zeitungen Sondersausga- "8 heraus mit den neuesten Ereignissen aus der Schlacht m Schanghai. Im Auswärtigen Amt waren dre ganze Nacht über Beamte geblieben, um den Ereignissen zu folgen. Auch im Kriegsministerium und -in der Admiralität haben Offiziere der Operationsabteilungen Nachtwache gehabt. Die englischen Schiffe vor Schanghai haben Anweisung erhalten, sich für den Fall einer Räumung von Schanghai zur Anbord- nahme von Frauen und Kindern und nötigenfalls auch von Männern sofort zur Verfügung zu stellen.
Der Schanghai-Ausschutz des englischen Kabinetts hat beschlossen, an der strengsten Neutralität Englands festzuhalten, aber alle Maßnahmen zu treffen, um den Schutz der englischen Staatsbürger und des englischen Eigentums in Schanghai zu sichern. Der Ausschuß steht unter der Leitung von Baldwin. Ihm gehören außer dem Kriegsminister und den maßgebenden Persönlichkeiten der Admiralität auch der Schatzkanzler, sowie der Staatssekretär für die Dominien an.
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Paris, 20. Februar. Haoas nimmt an, daß der Präsident der Republik nunmehr Paul-Voneour
oder Louis Barthou, jedenfalls aber einen Senator. mit der Kabinettsbildung betrauen werde.
painleve verzichtet!
Paris, 20. Februar.
Heute früh hat Painleve auf die Kabinettsbildung verzichtet, da die Verteilung der Portefeuilles die größten Schwierigkeiten machte. Er sagt in einer Erklärung an die Presse, die Linksparteien hätten ihn, bei seiner Aufgabe, ein Ministerium der republikanischen Versöhnung zu bilden, ihre volle, Mitwirkung zugesagt. Unterstützung von anderer Seite, auf die er glaubte rechne» zu können, sei ihm aber shstcrnatisch verweigert worden. Er werde daher de,» Präsidenten der Republik den Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgcbcn
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Painleves Verzicht auf die KabinettsbUdunq hat die Lage verschärft. Will Doumer beruhigend wirken, so müßte er eigentlich einen jener Senatoren mit der Kabinettsbildung beauftragen, die an der Abstimmung, die den Sturz des Kabinetts Laval zur Folge hatte, nicht teilgeuomuum Haven, und' dem daher weder von links noch von rechts mit Voreingenommenheit begegnet wird.
Ueber die tieferen Gründe für den Verzicht Painleves herrscht noch Unklarheit.
W. P. Jugend in Not — das ist eins jener Probleme, tote nach tastenden Lösungsversuchen immer wieder zurückgestellt wurden, obwohl oder gerade weil sie an die letzten Dinge, an die Grundlagen des des staatlichen und sozialen Lebens rühren. Wird das jetzt anders fein, wird toer Vorstoß, den der Reichsinnenminister auf diesem Gebiete eingeleitet hat, über die Hindernisse, die gar bald auftauchen werden, hin- wegsühren an den Kern, an .das Wesentliche des Pro- blemes? Gewiß, die Oefsentlichkcit ist aufgeschreckt durch die Revolverschüsse, tote junge Menschen, die Sechzehnjährige zu Opfern der politischen Leidenschaften gemacht haben; die Sprache der Zahlen, in denen sich die materielle Not der jungen Generation ausdrückt, hat einen zu harten Klang, als daß sie einfach überhört werden könnte, und es bedeutet zweifellos auch schon etwas, daß jetzt endlich überhaupt einmal erörtert wird, was Jahre hindurch totgeschwiegen wurde. Aber wie lange wird die Triebkraft stark genug fein, um die Diskussion weiter und vorwärts zu sichren? Und vor allem: Wird sie ausreichen, um toen Worten Taten folgen zu lassen? In einer Zeit, tote von Spannungen und Kämpfen erfüllt ist, in der sich tote Ereignisse in schneller Folge ablösen, ist es ohnedies schwer, ein Thema—mag ihm auch, an großen Maßstäben gemessen, keine geringere Bedeutung zulommm, als den äußeren Entscheidungen, um tote in oer Außen- und Innenpolitik gerade gerungen wird — im Vordergründe des Interesses zu halten. Der Versuch muß aber um so hoffnungsloser erscheinen, je länger mit toer Einleitung toer Aktion gewartet wurde und je unvollkommener ihre Methoden sind,
Bis jetzt fünf Mißtrauensanträge
Von unserer Berliner Schriftleitung.
und gegen tote Methoden, mit denen Groener deck Problemen Jugend in Not, Jugend und Politik oder wie man sie sonst formulieren mag, zu Leibe rückt, ist in der Tat manches Wort der Kritik vorzubringen. Insbesondere das eine stimmt bedenklich: Daß nämlich nur an den Symptomen herum- godoktert werden soll, wo doch nur eine Radikalkur, eine Kur, die das Uobel an seiner Wurzel angreift, retten kann.
Aus drei Quellen fließen toic Nöte, denen tote heutige Jugend ausgesetzt ist: Aus toen Sorgen um die materielle Sicherung ihres Lebens, aus der Unzufriedenheit und toer Enttäuschung, die durch die Hemmung ihres Willens, sich selbst darznstellen und die vorhandenen Kräfte zu entfalten, geweckt wird, und aus dem Gefühl der Leere, das in ihr entsteht, weil toer heutige Staat in ihre Dasein keine großen, begeisternden Ideen hineinzutragen weiß. Jugend muß sich betätigen und sich bewähren, sie hungert nach Arbeit, sie sehnt sich nach großen Aufgaben, sie will glauben und sie brauchte Ideale. Und sic findet? Verschlossene Türen: Keine Werkstatt, kein Büro und keine Amtsstube wird ihr geöffnet. Sie steht draußen; in der Wirtschaft ist kein Platz für sie. Aber auch der Staat läßt sich die junge Generation entgleiten, obwohl er sehen müßte, wie stark dieses Geschlecht zur Politik hindrängt, mit welcher Leidenschaft es.noch großen politischen Ideen sucht. Er ist selbst noch viel zu wenig „absoluter, neutraler" Staat» viel zu wenig Verkörperung des Willens der Gesamtnation, als daß er eine begeisternde, zum Dienen und Opfern zwingende Staatsidee herausbilden könnte. Ein Spielball der P a r t e i c n mußte er es geschehen lassen, daß diese Parteien schließlich immer stärkeren Einfluß auf die Jugend gewannen, und erst die zunehmende Radikalisierung toer jungen Generation zeigt den Einsichtigen unter toen verantwortlichen Männern die Gefahren, die heraufbeschworen werden, wenn zwischen dem Staat und den Heranwachsenden Staatsbürgern der Kontakt fehlt, wenn toer Staat manches in seinem Namen auftreten läßt, was besser
th. Berlin, 20. Februar.
Während die Besprechungen der Harzburger Front über die Aufstellung von Gegenkandidaten jetzt etwas in toen Hintergrund getreten sind, da weitere Verhandlungen zwischen Deutschnationalen und dem Stahlhelm erst am Montag stattfinden können, Ivcntoet sich das politische Interesse vor allem dem Konflikt zu, der aus Anlaß der Bierpreissenkung entstanden ist, und der weit über den Rahmen der sachlichen Bedeutung der Angelegenheit hinaus politische Rückwirkungen größeren Stils haben könnte.
Oer Konflikt um die Bierpreissenkung
Die Gastwirte-Organisation hat sich bekamitlich gegen tote Bierpreissenkung ausgesprochen und hat eine Senkung toer Biersteuer bezw. der Gemeindegetränkesteuer zum Ausgleich gefordert. Die R c- gierung hielt■ es aus allgemein-politischen Gründen für unmöglich, eine nennenswerte Senkung der Biersteuer herbeizuführen, Dagegen sprechen sowohl Etatgründe wie auch außenpolitische Erwägungen, und infolgedessen ist eine Lösung der obwaltenden Schwierigkeiten nur sehr schwer zu finden.
Die Verhandlungen über tote Beilegung dieses Konfliktes sind gestern in erster Linie vom Reichsfinanzminister Dr. Dietrich geführt worden, der eine lange Unterredung mit dem Abgeordneten Köster von der Wirtschaftspartei, dem Vorsitzenden des Gastwirteverbandes, gehabt hat. Es hat sich dabei ergeben, daß der Reichsfinanzminister eine gewisse Bereitwilligkeit erkennen ließ, toen Wünschen der Gastwirte entgegenzukommen, aber eine stärkere Senkung ist wie oben erwähnt, ausgeschlossen, und deshalb wird man sich wahrscheinlich auf die Einführung eines sogenannten Härte-Paragraphen bcschräicken.
Ma» ist sich darüber klar, daß cs sich hier nicht nur um ein finanzielles, sondern auch um ein p o- litisches Problem handelt, denn die Wir1- schaft spart ei ist an der Lösung des Bierpreis- konsliktes stark interessiert, und die Regierung weiß, daß die Wirtfchastsparwi ein unentbehrlicher Faktor für die Bildung 6Cr parlamentarischen Regierung ist, vie in der nächsten Woche die Mißtrauensanträgc gegen das Kabinett ablehncn soll.
Von der Opposition der Rechten werden verschiedentlich Versuche unternommen, diese Mehrheit zu unterhöhlen und damit das Kabinett Brüning zu Fall zu bringen Einesteils kommen hier die oben erwähnten Schwierigkeiten mit der Wirtschaftspartei in Betracht, andererseits wird versucht, die Verstimmungen auszunützen, die gegenwärtig zwischen Sozialdemokraten und Reichswehrminister Groener bestehen. Der bdannte Erlaß über die Zulassung zur Reichswehr und die Vorgänge auf dem Döbe-
ritzer Truppenübungsplatz haben bei den Soziailtoe- mokraten eine gewisse Oppositionsstellung gegen den Reichswehrminister hervorgerufen, und wenn von rechts her jetzt ein Mißtrauensantrag gegen Groener eingebracht wurde, so ist das vor allem zu dem Zwecke geschehen, die Sozialdemokraten zu zwingen, ihrerseits gegen diesen Mißtrauensantrag für Groener zu stimmen, obwohl bei der KPD zur Zeit alles andere als Neigung zur Verteidigung des Reich swehrministers besteht. Trotzdem ist es nicht wahrscheinlich, daß die SPD sich im Reichstag gegen Groener wenden werde, und daß damit das Kabinen Brüning zu Fall kommen könnte.
Im übrigen jedoch hegt das Kabinett keine Befürchtungen wegen der bevorstehenden Reichstags- session, denn, wenn auch bereits fünf Miß- trauensanträge vorliegen, die sich teils gegen das Gesamtkabinett, teils gegen einzelne Minister richten, und wenn auch die Zahl dieser Mißtrauensanträge sich bis zum kommenden Dienstag auf ein Dutzend erhöhen wird, so gilt es doch schon jetzt als sehr wahrscheinlich, daß am nächsten Sonnabend nach viertägiger Debatte, alle diese Mißtrauens- anträge abgelehnt werden, und daß ein neuer Vertagungebeschluß des Reichstages angenommen wird.
• Wirtfchastsnot und Kreditnot
Berlin, 20. Februar.
Der Reichsverband toer Deutschen Industrie hielt gestern unter Vorsitz von Dr. Krupp von Bohlen-Halbach Sitzungen des Vorstandes und Hauptausschusses ab, in deren Verlauf u. a. Geheimrat Kastl über vas Thema „Wirtschaftsnot und Kreditnot referierte. Die weltwirtschaftliche Zerrüttung, erklärte er, könne nur auf toer Gundlage einer internationalen Regelung gebessert werden; allerdings müsse vorher noch in der Reparationsfrage die notwendige Klärung herbeigeführt werden. Auf diese speziellen Verhältnisse in Deutschland übergehend, glaubte der Redner, an die Regierung die Mahnung richten zu müssen, daß sie sich künftig vor Eingriffen in tote private Rechtssphäre grundsätzlich freihalte. Geheimrat Kastl betonte ferner erneut toic Notwendigkeit freier Vereinbarungen über den Arbeitslohn. Die Erfüllung dieser Forderung bedeute keinen Angriff auf das Tarifvcrtrags- systcm, sondern nur eine Auflockerung der Erstarrung, toic Dem Arbeitnehmer nur den Verlust toer Arbeitsstätte bringe. Auf dem Gebiete toer Währungspolitik müßten die Auswirkungen toer Deflation durch geeignete Maßnahmen umgehend gemildert werden, jedoch müsse man sich dabei vor kreditpolitischen Experimenten hüten, die tote Währung bedrohen könnten.
unter parteipolitischer Flagge segeln würde, und wenn eine ganze Generation toer wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit ausgeliefert wird.
Und wie will man die Fehler beseitigen, die bisher gemacht worden sind? Endlich erkennt man, daß es nötig ist, toen Zustrom der jungen Kräfte, die sich wirtschaftlich betätigen wollen, in geregelte Bahnen zu lenken. Sie kommt spät, diese Erkenntnis, das ist der eine Kardinalfehler, der festzu- stellen ist, und der andere Mangel ist toariu zu scheu, daß nur ein Teilgebiet reguliert werden soll. 140 000 Studenten waren im letzten Sommer an den deutschen Hochschulen immatrikuliert, und mehr als 30 000 Abiturienten werden zu Ostern als Rekruten in dieses Heer neu eintreten. Das sind Zahlen, die eine ernste Sprache sprechen, Zahlen, die den Versuch einer Entlastung des akademischen Arbeitsmarktes ohne weiteres rechtfertigen. Ausschüsse sind gar zu oft die Beerdigungsinstitute guter Gedanken, aber elbft wenn man dieses nicht unberechtigte Daucrmiß- trauen auf toen Ausschuß der Wirtschaftsverbäntoe, der unter Hamms Vorsitz versuchen will, die neuen Abiturienten botn aussichtslosen Studium fernzuhalten und in toer Wirtschaft unterzubringen, nicht anwcn- toet, so bleibt doch immer noch die Tatsache bestehen, daß hier nur ein kleiner Sektor aus dem großen Gebiet „Erwerbslosigkeit toer Jugendlichen" bestellt wird. Gelöst werden können diese ganzen Fragen überdies nur vom Mittelpunkte her, und wie wenig von dort ans die Behandlung des Arbeitsloscnproblems wei- tergetrieben worden ist, lehrt toie Geschichte der Arbeitsbeschaffungspläne deutlich genug.
Noch deutlicher werden toie Mängel toer Methoden, mit denen toer Not der Jugend gesteuert werden soll, wenn man die Rezepte Durchsicht, die auf der Konferenz toer Länderminister beraten und vom Reichsinnenminister dann gegen toie Politisierung Der Jugend verordnet worden sind. Es ist gewiß bedenklich, daß selbst die Schule, von toer man mit Recht gesagt hat, daß sie ebenso wie toie Wehrmacht eine „überparteiliche Verkörperung des Staatsgedankens" sein solle, vor den politischen — lies parteipolitischen — Einflüssen nicht bewahrt werden konnte, aber was da als Abwehrmaßnahmen empfohlen wird, ist doch bestenfalls nur geeignet, die Kraniheitssymptomc zu beseitigen, ohne aber den Krankheitsherd auszuräumen. Es wäre erfreulich, wenn die Schüler von par- teipolitifchen Versammlungen und von verhetzenden politischen Druckschriften ferngehalten toeroen könnten, aber neben dieses Negative, neben diese Abwehr muß das Positive, muß das Aufbauen- d e gestellt werden. Die Jugend läßt sich heute vom Politischen nicht mehr loslösen. Woraus es antommt, ist das eine: ihr zu beweisen, daß Politik mehr als Parteipolitik ist, oder — wie man es einmal formuliert hat — saß Politik erst dort an- fängt, wo die Parteipolink aufhört. Hier setzt die Auf-