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Nummer 40*
Mittwoch, 17. Februar 4932
22. Jahrgang
paul-Boncour Nachfolger Lavals?
Oer Senat hat das Kabinett Laval gestürzt / Entscheidung der Harzburger Front nicht vor Ende der Woche / Breitscheid über die Haltung der S.P.O.
Genf und die Kabinettskrise
Eigener Drahtbericht.
Paris, 17. Februar.
Das Kabinett Laval ist gestern vom Senat gestürzt worden. Der Staatspräsident hat das Rück- trittsgesuch des Kabinetts angenommen, lieber die Zusammensetzung der künftigen Regierung sind nur Gerüchte im Umlauf. In fast allen Organen, ganz unabhängig von der politischen Richtung, spricht man von einem kommenden Kabinett Paul-Boncour, das geeignet sei, sowohl im Senat wie auch in der Kammer eine Mehrheit zu finden. Voraussetzung ist allerdings, datz er Tardieu als Kriegs- Minister beibehalten wird. Tardieu soll Paul- Boncour bereits seine volle Unterstützung zugesagt haben. Tardieu, Kolonialminister Rehnaud und Paul- Boncour werden bereits in den Abendstunden des heutigen Mittwochs in Paris erwartet.
Pertinax glaubt allerdings zu wissen, daß von Paris aus der Versuch unternommen werden soll, den Kriegsminister zu veranlassen, sein Genfer Mandat trotz des Rücktritts der Regierung beizubehalten. Mau will diesen Versuch mit den deutschen Vorschläge» in Genf begründen, die am Donnerstag vom deutschen Botschafter Nadolny unterbreitet werden sollen.
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Paris, 17. Februar. Der Sturz des Kabinetts Laval steht am Mittwochmorgen im Vordergrund des Interesses der großen Pariser Blatter. Die Rechtsblätter sprechen von einem meuchlerischen Dolchstoß der Opposition und unterstreichen besonders die Gefährdung der französischen Stellung aus der Genfer Abrüstungskonferenz. Die Linkspresse begrüßt dagegen die Ereignisse und macht den Abgeordneten Mandel und seine Wahlreform dafür verantwortlich. Laval und sein Kabinett werden als die ersten Opfer dieses Re- sormvorschlages bezeichnet.
Das .Echo de Paris" und das .Journal" machen dem Senat die bittersten Vorwürfe, in einem Augenblick, wo so viele Interessen Frankreichs auf dem Spiel stünden, innenpolitischen Fragen den Vorrang vor den viel wichtigeren außenpolitischen Ereignissen gegeben zu haben. Das .Petit Journal" hebt hervor, datz die Abstimnmna wieder einmal beweise, wie stark die Einstellung des Senats für eine Konzentrationsregierung sei, die aber leider in der Kammer nicht verwirklicht werden könne. Das .Oeuvre" verwirft die These der Rechtskreise, von der Gefährdung der Genfer Konferenz und anderer im Vordergrund des Interesses stehenden Fragen. Das Ausscheiden Bviands habe zur Genüge bewiesen, daß die Kontinuität der französt- f*en Politik nicht von der Dauerhaftigkeit eines Kabinetts abhänge. Die radikalsozialiftische .Ere Nouvelle" macht schon jetzt Front gegen den etwaigen Versuch einer nationalen Einigung, der nach dem .Skandal" der Wahlreform von vornherein zum Scheitern verurteilt werden müsse.
Die „Republique" begrüßt den Ausgang der Ereignisse und erklärt, datz das ganze Land dem Senat dafür dankbar sein müsse, endlich einmal Klarheit geschaffen zu haben. Auch Leon Blum gibt im .Populaire" seiner Freude über den Sturz der Regierung Ausdruck, mit dem gleichfalls die Wahlre- sorm der Kammer gefallen sei.
Wie Laval gestürzt wurde
Paris, 17. Februar.
Der Sturz der Regierung Laval erfolgte am Dienstag nachmittag im Senat bei der Abstimmung über den Anrrag des Ministerpräsioenrcn, die allgemeine politische Aussprache vis zum •19. Februar zu vertagen. Dabei wurde dem Kabinett mit 157 gegen 134 Stimmen das Verträum entzogen. Ter Abstimmung ging lediglich eine kurze Geschäftsordnungsaussprache voraus.
Innenminister C a t h a l a hakte dem Senat den Wahlgesetzentwurf (Frauenwahlrecht usw.) vorgelegt, den die Kammer angenommen Hai. Tie Verhandlungen wurden von der Linken, namentlich den l-urg.r- lichcn Radikalen mit ironischen Zwischenrufen begleitet. Unmittelbar daraus stellte der Scnatspräsioent an den Ministerpräsidenten die Frage, wann er ote Interpellation des Senators Peyronnet über die allgemeine Politik der Regierung zu beantworten gedenke. Ministerpräsident Laval erklärte, der Senat werde zweifellos der Ansicht sein, datz die Debatte über diese Interpellation vielleicht vertagt werden könnte. In Genf sei eine allgemeine Diskussion über die Abrüstung im Gange. Die Regierung müsse während dieser Verhandlungen intakt bleiben und ihre ganze Autorität bebalten. Die französischen Delegierten werden gegenüber dem Standpunkt einer auswärtigen Delegation den französischen Standpunkt zu
präzisieren haben. Er schlage deshalb als Verhandlungstag Freitag, den 26. Februar, vor.
Bei der namentlichen Abstimmung wurde der Antrag Lavals mit 155 gegen 134 Stimmen abgelehnt. Darauf erklärte Ministerpräsident Laval: Ich bin bereit, den Tag der Diskussion eher anzusetzen, als vorgesehen. Ich verlange aber, datz die Diskussion der Interpellation Peyronnet wegen der angeführten Gründe heute nicht stattfindet; denn vielleicht schon morgen wird eine auswärtige Delegation in Genf Vorschläge unterbreiten, zu denen die französische Delegation Stellung nehmen muß. Es handelt sich hier um eine internationale Frage, während es sich bei der Interpellation nur um innenpolitische Zwischenfälle handelt. Ich apelliere an das Gewissen des Senats (starker Widerspruch bei den Radikalen und Sozialisten) und fordere die Senatoren auf, die politische Leidenschaft in diesem ernsten Augenblick zurückzustellen. Um zu beweisen, mit welchem Ernst ich diesen Appell an das hohe Haus richte, stelle ich die Vertrauensfrage.
Diese Erklärung Lavals rief eine ungeheure Aufregung bei der Mehrheit des Senats hervor da es etwas ganz neues ist, nach einer Abstimmung nochmals einen Antrag zu stellen, der bezweckt, dir erste Abstimmung zu korrigieren. Darauf folgte dann die Abstimmung, die das oben wiedergegebene Resultat hotte.
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Die Tätigkeit des zweiten Kabinetts Laval war nicht sehr glücklich, einmal wegen der Wahl- re f o r m, dann wegen der Unmöglichkeit, die Budgetberatung so zu fördern, daß Aussicht bestanden hätte, das Budget bis zum 31. März zu verabschieden. Dazu kam, daß Laval sich der Marin-Gruppe
th. Berlin, 17. Februar.
Nachdem gestern die Nominierung des Reichspräsidenten von Hindenburg zum Kandidaten für die neue Prästdentschaftswahl in aller Form erfolgt ist wendet sich jetzt das politische Interesse vor allem den Vorgängen innerhalb der Harzburg^er Front zu, wo man bis jetzt noch keine Entscheidung über die Aufstellung von Gegenkandidaten für die Präsidentschaftswahl getroffen hat. Man nimmt an, daß das Ende der Woche darüber herankommen wird, ehe greifbare Resultate vorliegen. Vorläufig steht jedenfalls noch nicht fest, ob es zu einer Einheitskandidatur der Rechten oder zur Aufstellung mehrerer Gegenkandidaten kommen wird.
Für eine Etnheitskandidatur werden wieder verschiedene Namen genannt, ohne daß bestimmte Anhaltspunkte für die Wahrscheinlichkeit derartiger Nominierungen vorliegen. Das gilt sowohl für die Besprechungen über eine Kandidatur Schacht als auch über eine Kandidatur Hitler. Mit Hitler, der sich gegenwärtig in Bayern aushält, aber in den nächsten Tagen wieder nach Berlin kommt, soll hier weiter verhandelt werden. Für die Nationalsozialisten ist natürlich zu beachten, daß sie ihren Parteiführer Adolf Hitler nicht gern für den ersten Wahlgang exponieren möchten. Bei dieser Sachlage ist es begreiflich. daß die Verhandlungen sich noch einige Zeit hinziehen werden. Der letzte Termin für die Aufstellung von Kandidaten ist der 3. März, 10 Tage vor dem Wahltage.
Tie Wahrscheinlichkeit, bis dahin das Kabinett Brüning auf parlamentarischem Wege zu Fall zu bringen, wird auch in den Kreisen der Rechten immer geringer eingeschätzt, und die Erwägungen gehen daher zum Teil schon in der Richtung, die Möglichkeiten einer politischen Neuordnung zu Prüfen, die sich nach einer Wiederwahl Hindenburgs ergeben könnten, obwohl man sich darüber klar ist, daß eine derartige Wiederwahl zunächst natürlich eine erhebliche Festigung des jetzigen Reichskabinetts mit sich bringen würde. Die deutschnationale Fraktion des Reichstages hat gestern eine lang andauernde Sitzung abgehalten, in der »eben einer Reihe sachlicher Fragen auch die Präsidentschaftsfrage besprochen wurde. Dieses Problem bleibt jedoch dem Parteivorstand Vorbehalten, der heute in Berlin zusammentritt. Die Nationalsozialisten haben angekündigt, daß sie am 23. Februar wieder im Reichstag erscheinen werden, und daß sie an den Be- ratungen teilnebmen wollen, solange es ihnen für die Durchführung der parlamentarischen Verhandlungen erforderlich erscheint.
zu sehr genähert hatte, was nicht nur die Mißstimmung der Radikalen, sondern auch die Mißstimmung der Grupepn auslöste, die den linken Flügel seiner Mehrheit in der Kammer bildeten.
Verzögerung
-er Genfer Verhandlungen?
London, 17. Februar.
Die Blätter sind der Meinung, daß die französische Ministerkrise die französische Abrüstungspolitik nicht berühren, wohl aber die Genfer Verhandlungen wahrscheinlich verzögern wird. Der Genfer Korrespondent des „Daily Telegraph" glaubt, daß möglicherweise 10—14 Tage vergehen könnten, bis die französische Delegation neu gebildet sei.
Der Pariser Korrespondent der „Times" betont, daß Laval noch dringender als auf die Genfer Konferenz aus Lausanne hätte Hinweisen sollen. Man beginne in Frankreich jetzt erst, die entscheidende Wichtigkeit der dort zu fassenden Beschlüsse richtig zu schätzen, und es fei notwendig, das französischeVolkdiewah- renTatsachen sehen zu lassen. Die bis zur Konferenz verfügbare Zeit fei aber sowieso schon viel zu kurz.
In einem Leitartikel sagt „Times" ferner, die französische Opposition scheine zu hoffen, eine Auflösung des Parlaments und Neuwahlen zu erzwingen, obwohl dieses Verfahren in Frankreich nicht üblich fei; denn sie glaube, unter dem jetzigen Wahlsystem würde sie eine Mehrheit erhalten, während die Regierungsparteien die Wahlen so spät wie möglich wünschten, um das Wahlsystem zu ihrem Vorteil zu ändern, und auch in der Hoffnung, daß ihre Aussicht auf einen Wahlsieg sich bessern würde, wenn die preußischen Landtagswahlen bereits stattgefunden hätten. Der erwartete Ruck zum Nationalsozialismus in Deutschland würde nach ihrer Meinung einen entsprechenden Ruck nach rechts in Frankreich zur Folge haben.
Für die Haltung der Sozialdemokraten ist eine Rede von Wichtigkeit, die der Fraktionsführer Dr. Breitscheid gestern in Nürnberg gehalten hat, und in der er erklärte, er hoffe in der heutigen Fraktionssitzung der SPD. die allgemeine Zustimmung für seine Anschauung zu stnden, wonach für die SPD. ein Zwang bestehe, für Hindenburg einzutreten
Or. Gördeler gegen -en Zehnsiun-entag
Berlin, 17. Februar.
Ein Berliner Vormittagsblatt berichtet über einen angeblichen Plan des Preiskommissars Dr. Gördeler, die Ankurbelung der Wirtschaft durch Einführung des Zehnstundentages zu erreichen. Wie wir auf Anfrage von Dr. Gördeler erfahren, kann aber gar nicht die Rede davon fein, daß er ein folches oder ähnliches Projekt propagiert hat. Derartige Pläne wären nach feiner Ansicht auch nur geeignet, die innerpoli- tifchen Spannungen noch zu vermehren. Tie Möglichkeiten der Wirtfchastsankurbelung, die er für ausnutzbar hält, hat Dr. Gördeler schon mehrfach vor der Oefsentlichkeit erörtert.
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Berlin, 17. Februar. Die Bundesausschutzsitzung des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundes bcsaßte sich mit dem Problem der Arbeitsbeschaffung. In einer einstimmig angenommenen Entschließung heißt cs u. a.: „Die Reichsregierung hat erklärt, daß die letzte Notverordnung den Schlußstrich unter die Deflationsperiode Ziehe. Der offensichtliche Mißerfolg ihrer Wirtschaftspolitik muß sie zu der Erkenntnis zwingen, daß sie nunmehr vor der Ausgabe steht, endlich wirksame Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft zu treffen.
Tie allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit, die Beseitigung der Ueberarbeit und. die ernsthafte Bekämpfung des Toppelverdienertums erfordern nur den entschlossenen Willen der Reichsregierung zur Durchführung dieser Maßnahmen. Tie Gewerkschaften erkennen nach wie vor die Rolwendigkeit an, der allgemeinen Weltwirtschaftskrise durch eine aktive Außenpolitik entgegenzuwirken. Jnnerpolitische Maßnahmen allein können nicht dauernd Helsen. Aber möglich als ein Anfang und entscheidend in der 'heutigen Situation im eigenen Lande ist eine Arbeitsbeschaffung großen Ausmaßes. Tie unDcrtenntarcn Schwierigkeiten dieser Ausgabe entheben ine Reichsregierung nicht der Notwendigkeit, sie unverzüglich in Angriff zu nehmen".
Oer Stein des Anstoßes
Von unserem Pariser Korrespondenten.
Paris, 16. Februar.
,. De« euticheideabea Anftoh rot französische« »a- hwettskrisc habe« die Wadlresormvlane gegeben. Der Artikel unseres Pariser Mitarbeiters gibt über die Einzelsraaeu, dir bei dieser Reform zur Debatte flehen, ratereffante Auskünfte.
Die Frage des gerechten, den Volkswillen unbedingt ausdrückenden Wahlsystems hat die französische Republik seit jeher beunruhigt. Sowohl tu der ersten wie in der der zweiten und in der dritten Republik haben die Wahlsysteme fortwährend gewechselt. Bald hat man dem Einmann-Vomm, bald der giften« Wahl den Vorzug gegeben. Man hat vermittelnde Systeme eingeführt, um wenigstens ein anscheinendes Verhältniswahlrecht herzustellen. Man hat damit niemals ein Ergebnis erzielt, welches die Oefsenk- lichkeit ganz befriedigt.
Von den neuesten Reformvorschlägen, welche die Kammer — gegen den Widerspruch ihrer linken Seite — angenommen hat, interessieren am meisten zwei: ein Rückgriff auf das englische System der relativen Mehrheit und die Einführung des Frauenwahlrechts. In beiden Fragen stand der Senat im Gegensatz zur Kammermehrheit. Das englische System der relativen Mehrheit, das scheinbar so ungerecht ist, bewährt sich dennoch in England, weil cs in inniger Verbindung mit der Handhabung der Parlamentsauflösung steht. Die Gerechtigkeit, die den Wahlen durch Nnterdrückung der Minderheit zu fehlen scheint, stellt sich von selbst im Laufe der Zeit her, weil immer die eine Partei die andere ablöst und weil die englischen Parteien nicht so fest unterbaut sind wie etwa die Parteien in Deutschland, sondern weil der Engländer von Wahl zu Wahl je nach seinen Interessen einer Partet^die ihm abgewirtschaftet zu haben scheint, den Laufpaß gibt und sich einer anderen zuwendet, von der er sich mehr verspricht. In. Frankreich wurde das System der relativen Mehrheit viel eher zu wirklichen Un- gerechttgkeiten führen, weil dort die Parlamentsauf- lösung feit mehr als einem halben Jahrhundert als eine Art von Staatsstreich verpönt ist. Infolgedessen sitzt jede Kammer ihre vier Jahre ab, auch dann, wenn infolge Veränderung der Stimmung die deutliche Abwendung der Wählermassen von den Gewählten zu spüren ist.
Was das Frauenwahlrecht anbetrifft, so ist Frankreich eigentlich das anormalste Land in Europa. Von Frankreich ist die Idee des „Suffrage universelle", des allgemeinen Stimmrechts, welches logischerweise auch die Frauen umschließen mußte, ausgegangen. Trotzdem ist Frankreich gerade in diesem Punkte namentlich gegenüber Deutschland und England rückständig geblieben. Das liegt zum grüßtet Teil daran, daß die Französinnen selbst kein großes Interesse für ihre politischen Rechte an den Tag legen. Es ist nur eine ganz kleine Elite von weiblichen Politikerinnen, die diese Frage studiert hat und der es durch ihren Einfluß gelungen ist, namentlich die sozialistische Partei zu zwingen, das weibliche Wahlrecht in ihr Programm aufzunehmen. Wenn jetzt die Rechte der Kammer — allerdings fast ohne Beratung und sozusagen im Sturmschritt — das Frauenwahlrecht in ihren Rksormgefetzent- tourf ausgenommen hat, so hat das zwei Gründe: erstens will man dadurch die Linke moralisch in Verlegenheit setzen, denn sie kann ja nicht gut verleugnen, was sie in ihrem Programm immer gefordert hat. Ferner glaubte aber die Rechte auch wohl nach den praktischen Erfahrungen, die mit dem Frauenwahlrecht in Deutschland und in England aemadjt worden sind, daß sie felbst aus diesem Wahlrecht politische Vorteile ziehen werde. Auch im Senat spielte natürlich die politische Frage eine größere Rolle als die grundsätzliche. Man muß bedenken, daß der heutige französische Senat stärker als die Kammer auf links eingestellt ist, und daß er schwerlich einer Verbreiterung der Wählermasien zustimmen wird, welche die Rechtspolitik begünstigen könnte. (Ueber die außenpolitische Haltung des Senats darf man sich jedoch keine Illusionen machen. In Fragen der Tridute und der Abriistttng hält auch das „Parlament der Greise" durchaus die offizielle Linie inne!).
Frankreich sieht hierbei wohl sehr auf das belgische Vorbild. In Belgien verweigern die Sozialisten den Frauen das Wahlrecht, weil sie fürchten, daß dasselbe hauptsächlich der katholischen Partei zugute kommen würde. Der belgische Sozialist Huvsmans hat für diese Verweigerung folgende Motivierung ausgestellt. Eine mit Hilfe der Frauen gewählte Kammer wird doch niemals den wahren Interessen der Frauen nachkommen. Die notwendige Konseguenz wird fein, daß die Frauen sich einmal zum Sckmtze ihrer eigensten Interessen als Frauenpartei konstituieren werden. Dann baden sie aber unbedingt die Mehrheit in der Kammer, was die Männer ihrerseits dazu veranlassen würde, aeoen das Frauenstimmrecht zu rebellieren Was dann? fragt Hnysmans. Und er sieht als vernunftsgemäßc Folgerung nur dies: eine Männerkammer und eine Frauenkammer nebeneinander die die Gesetzgebung nur in Ueberoinstimmung Hand!
Wieviel Gegenkan-i-aten?
Von unserer Berliner Schriftleitung.