L § W Einzelpreis 10 pfenni-
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
•rft6etnu.na?roeife: wSckcnilich 'echSmal nachminagr StbonnementSmeii: für ben Monat $.10 Jt rinschl. SO 4 Sraoerlobn bej freier .iuüellun« ins Haue in her SeitöriftSfteBe abgeholt 1.80 J!. Durch hie Post mon. 2.10 .Z ichl xfiUltellg l>ü!» In Jollen von näherer Gewalt begeht kein Anwrnch aus Lieferung der Zeitung oder auf Aitfiichlung des Beziigsvreieo Verlag. Schrniieilung und Druckerei: Kölnische Sirahe 10. — Telephon: «ammelnummer 8800 Iurisnickk Lprechitunden Dienstags und Sreitags 17—19 Uhr Kölnische Strohe 10. L
Hessische Abendzeitung
78 mm breite Seile 45 4. Dffcrteebubr 2o 4 (bet Zustellung 85 4). — Für daS Erscheinen von «n,eigen ht beftlmmten Ausgaben, an besonderen Platze» und für telephonisch erteilte Austräge keine SewäSr. Se* oungSbeträge innerhalb von 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Kassel. — Postscheckkonto Frankfurt a. M. 6380,
Turmer 33*
Montag, 15. Februar 1932
22. Jahrgan-
—-----L-P
Japaner bereiten Generaloffensive vor
HauptansrLss am Dienstag? / Hindenburg anscheinend zur Ltebernahme -er Wahlkandidatur entschlossen / politische Hochspannung in Paris
Neue japanische Truppenlandungen
Eigener Drahtbericht.
Moskau, 15. Februar.
Tie Telegraphen Agentur der Sowjetunion läßt sich aus Schanghai melden, daß die H a u p t o f f c n - sive dcr japanischen Truppen aus Schapci und Wusung am 16. Februar stattfindet. Sämtliche japanischen Kriegsschiffe und Luftstrcitkräftc sollen daran teilnchmen. Von chinesischer Seite find bereits G »Maßnahmen getroffen worden, u. a. sind ver- schicsenc Regimenter zur Verstärkung eingetroffrn.
*
Schanghai, 15. Februar. Die Japaner landeten gestern starke Streitkräfte mit Tanks, Haubitzen, leichten und schwerst Geschützen und Kavallerie und ließen sic in die internationale Niederlassung. marschieren. Aus maßgebenden japanischen Mitteilungen geht hervor, daß von den Transportschiffen, die Sonnabend eingetrofsen sind, 12 000 Many gelandet wurden. Die Truppen zogen durch Pangtsepu noch dem japanischen Teil der Niederlassung unter Hochrufen der an beiden Seiten der Straße aufgestllten japanischen Einwohnern. Es wird gemeldet, daß neue japanische Transporte flußabwärts fahren und heute weitere 10 000 Mann landen werden.
Der Kamps um die Wusungofris
Schanghai, 15. Februar.
, Ueber das Ergebnis der Kämpfe bei Wusung liegen widersprechende Frontberichtc von chinesischer und japanischer Seite vor. Während die Chinesen einen völligen Fehlschlag des japanischen Angriffs melden, behaupten die Japaner, das Norduser des Wusung- Tanals beinahe ohne Widerstand besetzt zu haben Sie geben ihre Verluste mit 16 Toten und 51 Verwundeten an, während die Verluste der Chinesen bisher noch nicht bekannt sind.
Meldungen, daß die Japaner die Wusung-Forts
tb., Berlin, 15. Februar.
Die Lage hat sich über das Wochenende hinweg kaum verändert. Der Abschluß der Stimmensammlung des vom Berliner Oberbürgermeister gegründeten Hindenburgausschusses ist zwar am Sonnabend erfolgt und hat weit über zwei Millionen Stimmen ergebe», aber die Erklärung des Reichspräsidenten von Hindenburg über die Annahme einer neuen Kandidatur liegt noch nicht vor. Ma» rechnet in Regiernngstreisen damit, daß dies« Erklärung nun unbedingt im Lause des heutigen Rachwittags erfolgen, und daß sie im positiven Sinne lauten wird.
Mit dieser Stellungnahme des Reichspräsidenten, also mit der Annahme einer neuen Kandidatur, rechnet man trotz des Umstandes, daß der Kyffhiiu- s e r b u n d und der Stahlhelm sich bisher nicht entschließen konnten, mit den ursprünglich in Aussicht genommenen Ausrufen für Hindenburg an die Oeffentlichkeit zu treten. Die Besprechungen, die am gestrigen Sonntag mit diesen Verbänden stattgefunden haben, konnten lediglich dazu führen, daß diese beiden Verbände keinesfalls irgendwie gegen Hindenburg Stellung nehmen und ihren Mitgliedern die Stimmenabgabe im wesentlichen freigeben. General von Horn, der Führer des Kyffhäuserbun- des, wird sich heute noch einmal zum Reichspräsidenten von Hindenburg begeben und wird ihm von der Stellungnahme feines Verbandes Mitteilung machen. Es scheint, daß der Reichspräsident, der ursprünglich auf die aktiv« Mitwirkung des Stahlhelms und des Kyffhäuserbundes großen Wert legte, diese Mitwirkung nicht unbedingt zur Voraussetzung der Aufstellung einer Kandidatur machte, so daß er auch dann, wenn die Mitglieder der beiden Verbände ohne offiziellen Aufruf der Bundesleitungen bei der Wahl selbst zum großen Teil für ihn eintreten, zur Annahme der Kandidatur entschlossen ist.
Aus dem Lager der Harzburger Front ist im Lause des gestrigen Tages ebenfalls kein weiterer Fortschritt gemeldet worden. Allerdings ist bei den Deutschnationalen ohnehin beabsichtigt, zunächst die Parteivorstandssitzung vom Mittwoch abzuwarten, und darüber hinaus scheint man zu planen, erst den Zusammentritt des Reichstags und die dabei sich ergebenden Chancen für eine eventuelle parlamentarische Aktion gegen das Kabinett Brüning auszunützen, ehe man sich über die Aufstellung einer eigene« Kandidatur jchluUs wird. Ob Hugenbeig
am Sonntag besetzt hätten, haben sich einwandfrei atz unrichtig hcrausgestellt. Von japanischer Seite verlautet, daß die lapanischen. Truppen keinen Wert mehr aus die Eroberung der Forts legten.
*
Schanghai, 15.. Februar. Der amerikanische Vizekonsul Ringwalt und eine Amerikanerin in seiner Begleitung wurden von Japanern angegriffen und mißhandelt. Der Konsul wurde mehrfach verletzt. Das amerikanische Staatsdepartement betrachtet den Fall als ernst und hat Bericht cingcsordert. Auch ein englischer Lehrer wurde von japanischen Soldaten mißhandelt.
Politische Hochspannung in Paris
Paris, 15. Februar.
Die französischen Minister treten am heutigen Vormittag unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten zusammen, um über den Generalangriff zu beraten, der im S e n a t auf das Kabinett Laval vorbereitet wird. Es herrscht politische Hochspannung. Gemäßigte Elemente halten eine Uebergangsrcgie- rung für möglich, die bescheunigt Wahlen ausschreiben soll, damit das Land selbst entscheiden kann.
Um was es sich bei dem Vorstoß des Senats handelt, geht aus Pariser Preffeäutzcrungen hervor, in denen daran erinnert wird, daß sich der Senat seit Monaten 'm seiner Mehrheit ans innerpolitischem Gebiet nicht mit der Kammer in Uebereinstimmung besindet. Die Hauptursachen der Unzufriedenheit betreffen die Frage ber Wahlreform und das Fehlen einer klaren Initiative gegenüber der internationalen Wirtschaftslage und der Frankreichs. Es könnte sein, daß sich eine außenpolitische Debatte gegen den Wunsch der Kreise, die der Regierung nahestehen, nicht verhindern ließe.
selbst eine Kandidatur für die Deutschnationalen übernimmt, steht noch nicht fest, dagegen rechnet man mit großer Wahrscheinlichkeit damit, daß eine Kandidatur Hitler von den Nationalsozialisten aufgestellt wird. In diesem Falle müßte allerdings die Frage der
Staatszugehörigkett Hitlers beschleunigt geklärt werden. Die in den letzten Tagen verbreitete Nachricht, daß die braunschweigische Regierung die Ernennung Hitlers zum Reichsratsb«vollmächtigten plane, hat noch keine Bestätigung gefunden. Inzwischen werden aus Braunschweig neue Mitteilungen verbreitet, die dahin gehen, Hitler solle zum außer- ordentlichen Professor für angewandte P ä d a g o g i e an der Technischen Hochschule in Braunschweig ernannt werden. Linksstehende Blätter verbreiten Meldungen, wonach der braunschweigische Innenminister Klagges das entsprechende Dekret bereits am Freitag unterschrieben habe, und daß der deutschnationale Minister Küchenthal dieser Ernennung seine Zustimmung gegeben habe.
Eine Bestätigung dieser Nachrichten bleibt abzuwarten, und auch dann würde sich abermals die Frage ergeben, ob es sich bei der Ernennung zum Profesior nicht wiederum, wie seinerzeit in Hildburghausen, nur um eine Scheinernennung handelt, die rechtlich ungültig sein würde, während es sich bei der Ernennung zum Reichsratsbevollmächtigten höchstwahrscheinlich um eine reguläre Ernennung gehandelt hätte, gegen die rechtliche Einwendungen schwerlich erhoben worden wären.
Eine andere Frage aber wäre es, ob es für die Reichsregierung zweckmäßig erscheint, gegen eine solche Ernennung Einspruch zu erheben, denn man weift darauf hin, daß die Einbürgerung Hitlers zu einer Selbstverständlichkeit wird, und daß eine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl für Hitler keinesfalls an der Formalität der Staatsangehörigkeit scheitern darf.
$ür Hindenburg!
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat am Sonnabend eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: „Die Deutsche Dolksparici setzt sich mit aller Kraft für 6te Wahl
ein. Der Generalfeldmarschall von Hindenburg,' sein Name und seine Persönlichkeit sind die stärkste Bürgschaft zur Sicherung des inneren Friedens und der erfolgreichen Durchführung der nationalen Freiihoits- ziele des Vaterlandes. Angesichts der bedauerlichen Entwicklung, die die Kandidatur Hindenburgs in der öffentlichen Erörterung genommen hat, richtet die Deutsche Volkspartei an alle verantwortlichen politischen Persönlichkeiten die Aufforderung, unter B e r- zicht auf macht- und parteipolitische Ansprüche die Wahl Hindenburgs zu einer Ge- meinschasissache des Deutschen Volkes zu machen."
Für Hindenburg hat sich gestern ferner die Volkskonservative Vereinigung ausgesprochen, Deren Vertreter ein Telegramm an Hindenburg richteten in welchem sie ihn bitten, in diesem Jahre schwerster Entscheidungen noch einmal sie deutsche Präsidentschaft zu übernehmen.
„ Genf, Mitte Februar.
Henderson
Dieser Englä.^-r, Oppositionsführer und beinahe Rebell int Vaterland, ist der englischste von allen. Wenn er, hochaujgerichrci auf der Präsidentenestrade, von Ministerpräsidenten und Exzellenzen umgeben, die alle ein paar Stufen tiefer sitzen als er,, in die brodelnde Versammlung von vierundfünfzig Nationen die inhaltsschweren Worte ruft „Es folgt die Uebersetzung..." — dann ist es doch die Würde des Imperiums, die er verkörpert und Großbritanniens gottgewollte Autorität. Andere müssen Säbel rasseln, Feuerwerk abbrennen, Funken sprühen und in Kaskaden rauschen, um sich im Sprachengewirr von Babel — von Genf, wollt' ich sagen, durchzusetzen. Dieser eine hat das Ohr der Welt, wenn er ein Paar Worte durch die Zähne murmelt: „Uebersetzung... Auf morgen vertagt... In unser aller Namen..." Die Bedeutung, man merkt es, liegt am Redner, nicht an der Rede. Ein Antrag zur Geschäftsordnung, den der Gentleman aus den Vereinigten Königreichen stellt, ist schicksalhafter als ein neues Weltbild, das Hirn und Herz der namenlosen Millionen bewegt. Das zum Kapitel von der VöUerdemokratie.
Von Mister Henderson aber ist zu sagen, daß er zu den bravsten Fahnenträgern der namenlosen Millionen gehört. Interessant, eigenartig, aufrüttelnd — er will es garnicht sein. Interessant ist der graue Künstlerkopf Macdonalds, eigenartig Mister Brüning der weltgeschliffene Asket, aufrüttelnd dcr Dämon, der mit seinem bürgerlichen Namen Mussolini heißt. Henderson ist der brave Mann aus jenem Durchschnitt, den man Menschheit nennt. Der Würdigste, der es zu hohen Würden gebracht hat, gerechter- maßcn und verdienterweise, der Lohn der Treue, die er, nüchtern und gut britisch, dieser Menschheit hält.
Paul Boncour
Nein, die Abrüstungskonferenz hat keinen „interessanten" Präsidenten. Der Hohe Rat dagegen, der hat seinen Paul-Boncour. Im Fauteuil des Ratsvorsitzenden saßen immerhin schon Briand und Strese- mann und noch ein paar Männer von Profil. So wichtig war aber dieser Lehnstuhl noch niemals. Noch keiner hat so ausgiebig präsidiert und unentwegt präsidiert und pausenlos präsidiert und mitbeteiligt und sachverständig und eifervoll und in der vordersten Reihe allewege, wie Paul-Boncour. Ein großer Advokat, der endlich einmal an des Präsidenten Statt sitzt. Sitzt? Er springt aus, er dreht sich um die eigene Achse, jedem Redner ausdrucksvoll in die Augen zu sehen, den goldenen Präsidentenhammer hat er aus zwölfjährigem Schlaf gerissen, immer wieder donnert der auf di« Tischplatte. Klage steht gegen Klage, Volk gegen Volk, Kontinent gegen Kontinent. Ach, es geht ja gar nicht um Klagen, Völker und Kon- tinente! Um den Präsidenten handelt es sich, um Paul-Boncour ganz allein! Vierhundert Millionen Chinesen geraten in gigantische Bewegung, seit viertausend Jahren zum ersten Mal. Gibt es eine schönere Folie für den schönsten Kopf, den wir in Genf je gesehen haben? Den chat Paul-Chöri, der „süße Paul", wie Paris ihn nennt, ganz zweifellos. Ein zärtlicher Beiname übrigens, den so bald kein zweiter Völkerbundsratspräsident sich erringen dürfte. Aber wir werden auch nicht so bald einen zweiten erleben, dessen rosiger Teint genau so geschmackvoll auf die stahlgraue, gutgcschninene Mähne abgestimmt ist, wie Seidenhemd, Krawatte und Strümpfe aufeinander. Er trägt sogar die passenden Augen zum dunkelblauen Sakko. Ein Bild, das alle Register der Orgel spielt, wenn es zu reden sich anschickt. Es rauscht und braust — und die Berichterstatter der WeltPreSc, die solchesSvhärcmkovzerr «tt jtogi Druck-
2370000 Eintragungen
Berlin, 15. Februar.
Die bisher dem Hindenburg-Ausschuß gemeldete« Einzeichnungen beliefen fich am Sonntag abend auf etwa 2 370 000. Es handelt fich hierbei noch nicht um ein abschließendes Zählungsergebnis.
*
Die Aktiv» des Hindenburg-Ausschusses ist be- kanntlicti so vonstatten gegangen, daß lediglich eine große Anzahl von Zeitungen Einzcichnungsliften aufgelegt hatten. Diese Einfachheit der Organisattou wird man selbstverständlich berücksichtigen müssen, wenn man dem Gesamtergebnis gerecht werden will.
In Kassel dürfte die Zahl dcr Eintragungen etwa 10800 betragen.
Jetten abtun, sind unverbesserliche alle Skeptiker, Sie mehr Sinn fürs Wesentliche haben als für das wahrhaft Schöne.«. , ,
Tardieu
Wie sie Zett vergeht, tote Sie Zett vergebt! ,, , Sie alt ist der Houng-Plan? Zwei Jahre, eine Ewigkeit. Damals, im Haag, empfing mich Monsieur Tar» dien, aktiver Ministerpräsident, Briand zür rechten sitzend. Und damals sagte er mir, ziemlich ungeniert vor seinem Nachbarn: „Die ältere Generation hat uns den Weg bereitet. Wir Jungen wollen ihn nun gehen . . ." Das stille Lächeln des derart abgetane« Briand, der zu seiner eigenen Pensionierung wohlgefällig schmunzelte, werde ich nie vergessen.
Heute? Heute schließt Andre Tardieu feine große Rede in flammender Verzichtbereitschaft: „Die Jungen werden den Frieden erleben. Wir Alten wollen beginnen, ihn vorzubereiten!" Er hat, wie man steht, in zwei Jahren die Generation gewechselt, Geschwindigkeit ist keine Hexerei und auch ben. Ucbergang ins ältere Fach, zur Verzichtbereitschaft und zum abendlichen Wort: Wir Alten! hat er mit der größten Fixigkeit gefunden. Wie, andere scheitern am Fluch des Aelterwerdens? Ach nein, wir nicht! Es gibt kein Problem, im menschlichen Leben nicht und nicht im Leben der Völker, das Tardieu nicht spielend mit der linken Hand löste. Man muß immer nur sachlich bleiben und dis Augen offen hatten. Hinter seinem historischen Kneifer blinzelt Herr Tardieu ins llare Licht. Klar oder sachlich oder knapp, deutlich, präzis, unmißverständlich — das sind so seine Licblingsaus- drücke. Er trägt sie mit einigem Pathos vor, das in seltsamem Gegensatz zum Sinn dieser Ausdrücke steht. Aber das ist noch die alte Schule, der dieser Mann der neuen Sachlichkeit entstammt, die Rhetorenschulc, die dort Pausen einlegt, wo man rasche Uebergängc erwartet und die die Worte wirbeln läßt, wenn man einen Herzschlag lang sich besinnen möchte. Tricks von vorgestern, gewiß. Aber hinter dieser virtuosen Technik, man fühlt es, verbirgt sich eine lleberzeugung: Die Ueberzeugung des sichtlich arrivierten und schon recht rundlich gewordenen Herrn, daß, ganz nach seinen eigenen Erfahrungen, die Welt schon arrivieren wird und sich wohlig runden, wenn man ihn nur cm bißchen machen läßt.
Six John Simon
Alte Schule? Warum denn nicht? Hier steht einer, der sich zur ihr bekennt. Hier steht er, aufrecht vor allem Volk, glattrasiert das faltenlose Antlitz, rosig scheinend selbst die Glatze, die vom letzten, wohlgepflegten Silberpaar stilvoll umrahmt ist, leuchtend die Hellen Augen und die unverwüsttichen Schneidezähnc, buschige Augenbrauen, schmal und scharf das Profil mit der Adlernase, zuin Cutaway trägt man Zylinder mit hellgelben Handschuhen — ein Erfolgreicher, Siegverwöhnter, Ruhmgekrönter. Wie, und der wollte umlernen? Sollte auf die große Geste verzichten, einmal die Rechte in die Brustfalte, einmal beide Hände hoch emporgerissen, dort oben wird irgendwo der Himmel sein, und wieder mit segnender Gebärde über die andächtig Lauschenden dabinstreichen? Und vielleicht auch keine eingestreuten lateinischen Zitate mehr, die selbst den Ungebildeten mit allen humanistischen Schauern von Cambridge umwittern? Oder keine ciceronischen Phrasen, rückübersetzt ins allernasalste Englisch, das cs gibt?
Der Zeitgeschmack? Es gibt Worte, die Sir John ganz einfach nicht versteht. Gerade dieser Zeit hat er bewiesen, daß die Menschen ihre Ehrfurcht vor dem Höheren nicht verloren hoben. Wicviele Millionen er verdient hat als der erste Rechtsanwalt von London und dem bißchcn Umwelt, ist belanglos. Richt auf das Geld kommt es an auf den Cicero, bat emer im
Heute Entscheidung Hindenburgs
Von unserer Berliner Schrifileiiung.
Am Lautsprecher der Zeitgeschichte
Eindrücke von der Genfer Abrüstungsdebatte. / Von Rene Kraus.