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Zweiund-wanzigffer Jahrgang

Kasseler Treueste Tkachrich»m

SsunaSeud, IZVSonniag, 14. Februar 1SZ2 / 2. Deilagr

DER KURIER ZWEIER KAISER

Odyssee eines deutschen Agenten in Abessinien / Von Renö Kraus

i.

25etm Whisky in Kairo

. Für SenKurier des Zaren- hat jeder deutsche r*^nat1 Vom Sutter zweier Stau

Irffft hi! J^en? ld,feV ^chts. llito «och über- JriLntoJa ^sEchkett der Abenteuer dieses deutschen ^au^tinn5, Diplomaten und schließlich ?,°"vrers die Ausgeburt Jules Vcrnescher Borstel- ungsgabe um io viel, Ivie das Loben selbst bunter, phantastischer, stürmischer ist als alle Literatur.

_ ~!e Geschichte des Arnold Holtz, Geflüchelzüch- !er.111 Grafenbrück am Finowkanal, Post Finowfurt Statt, Sie sich in diesen Tagen ihrem bitteren »uneigt, beginnt vor einein Menschenalter. Um v-e ^hrhundertwentde entdeckte man in Deutschlaird me Welt. Es war Vie Zeit der ausblühenden Kraft rind der erdumspannenden Expansion deutschen Un­ternehmungsgeistes und deutschen Wagemutes. Die furnieren Söhne guter alter Familien lasten sich ein wenig den Wind der weiten Welt um die Ohren wehen. Der eine kauft ein Schiffsbillett nach Sa­moa, muß ckuch eine schöne Gegend sein, und wieder einer gründet eine Exportgesellschast deutscher Indu­strieller für die Levante. Dieser sitzt eines abends auf der in allen Abenteurer-Romanen besungenen Ter­rasse von Dhephoards Hotel in Kairo. Beim dritten Glas Whisky fällt ihm ein, daß der Erdball unmög­lich hinter dieser Hotelterrasse zu Ende sein kann. Be­ginnt nicht dort hinten erst eine neue Welt? Tort, wo das sagenumsponnene Kaiserreich Aechiopien liegt, das, von ein paar Forschungsreisenden abgese­hen, noch kein Deutscher betreten durfte. Und doch ist das Märchenland Aethiopien schon langst ein wohl- geordneter Staat. Abessinien ist sein moderner Na­me unv der Negerkaiser, der Rcgus Menelik, regiert sein Land als. ein neuzeitlicher Dlonarch.

Der junge Deutsche aus der Hoteltcrrasse verliert ,ich in höchst praktische, man möchte beinahe sagen: preußische Träumereien. Beim fünften Glas Whisky weiß er, wo die Zukunft seiner Arbeit liegt: in jenem schwarzen Kaiserreich, das alle Großmächte schon lange umwerben und in dem Deutschland wieder einmal zu spät kommt, um festen Fuß zu fassen. Die Erschlie­ßung Abessiniens für deutschen Geist und deutsche Ar­beit wird eine Lebensaufgabe. Tas schwarze Mär­chenreich wind sein Schicksal und sein Verhängnis.

0.

einführen soll. Deutschland unterhielt noch keine Ge­sandtschaft. Den Weg über den italienischen Ge­sandten will Holtz, in richtiger Berechnung von Me- neliks Antipathie gegen die italienischen Eroberungs­versuche, nicht wählen. Monsieur Jlg, Staatsmini ster, Konzessionsschacherer und Kreatur des französi­schen Gesandten ist natürlich nicht zu sprechen. Da

Läßt sich den Fiuanzminister kommen. Unterschla­gung? Nein, nur ein kleiner Irrtum! Und der Wunsch, dem verhaßten deutschen Eindringling eine Falle zu stellen, in die dieser sich verwickeln soll. Falsche Rechnungslegung und so.

Nun weiß der Finanzminister, daß es um seinen Kopf geschehen ist. Aber Menelik ist ein aufgeklärter

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PAPST PIUS XL

Papst Pius XI. feierte gestern die zehnte Wiederkehr seines Krönungstages. Dieses Jubiläum ist bei den Päpsten, die meist erst im hohen Alter auf den Thron gelangen, selten genug. In der Peterskirche zu Rom las der Papst die Messe; die Zahl der Teil­nehmer wurde auf 40 0Ü0 geschätzt. Das ge­samte diplomatische Korps, alle Kurienkar- dinäle und die hohe Geistlichkeit waren an­wesend.

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Herrscher, so ein abessinischer Fridericus Rex unge­fähr. Er hat keine besondere Vorliebe für Rav und Galgen. Der betrügerische Finanzminister bekommt eine Tracht Prügel und kann sich trollen.

Zopf und Zunft in der Wilhelmstraße

Niemals ist ein glänzender Whisky-Einfall energi­scher in die Tat umgesetzt worden. Niemals waren die Schwierigkeiten größer. Zwischen Deutschland und Abessinien bestanden noch keine diplomatischen Bezie­hungen. Kenner der afrikanischen Geschichte wissen, saß 1896 die Schlacht bei Adua geschlagen wunde, itt welcher Negus Menelik sich italienischer Kolonisie­rungsversuche erwehrte. Die Souveränität Abessi­niens war damals praktisch besiegelt. Die deutsche Diplomatie allein meinte an der Bundestreue Ita­liens so weit festhalten zu müssen, daß das Reich als einzige Großmacht das Abessinische Kaiserreich noch i-mmer nicht anerkannte. Die Wilhelmstraße, viel- ichcht unvertraut mit der wirklichen Lage, lehnte je- >en Verkehr mit Abessinien ab und als der Negerkai- fcr Menelik durch Vermittlung des deutschen Wahl- »onsuls in Aden sich einmal in einem orientalischen höflichen Schreiben an Wilhelm II. mit der Bitte wandle, der Deutsche Kaiser möge seinen bundesbrü- ^erlichen Einfluß auf Italien geltend nrachen, lehnte eine erleuchtete diplomatische Zunft diese schmeichel- Mfte Bitte um freundschaftliche Intervention mit ei- 'rom verletzenden Brief ab, in dem sie den Negus auf- sorderte, alle Korrespondenz mit dem Kaiser zu un­terlassen und sich umgekehrt der italienischen Bermitt- lung zu bedienen, wenn er wieder einmal Wünsche in Berlin vorzubringen hätte. Menelik, damals schon ein alter Mann, war tief verletzt und leistete einen Eid, niemals einen Deutschen in sein Laus zu lassen und liiemals irgend einen Verkehr mit Deutschland zu dulden.

So war die Sachlage, als Arnold Holtz im Jahre 1901 den Entschluß faßte, Abessinien für sie deutsche Wirtschaft zu erschließen. Er fuhr nach Zürich und wandte sich an den dort weilenden Herrn Jlg. Dieser Mann, Schweizer von Geburt, und Ingenieur von Beruf, war zu einem Bahnbau nach Addis Abbeba, der abessinischen Hauptstadt, gekommen. Dort gelang es ihm, das Vertrauen des Negerkaisers in solchem Maße zu erwerben, daß er zum Staatsminister der schwarzen Monarchie berufen wurde. Er übte sein Amt in französischem Solde und itatürlich auch in französischem Sinn aus. Kein Wunder, daß er den Besuch des unternehmenden jungen Deutschen höflich, aber uumißversiändlich abwies. Wenig Aussicht, mein Lieber, in Meneliks Land Fuß zu' fassen . . . Arnolo Holtz ließ sich nicht so leicht abschrecken. Er bat, zwanzig Jahre nachher, seine außerordentliche Zähigkeit, die ihm damals schon eignete, noch in fran­zösischen Kolonialzuchthäuscrn zu beweisen Gelegen­heit gehabt. Er war entschlossen, auch ohne die Un­terstützung des allmächtigen deutschfeindlichen Staats- Ministers seine Entdeckung Aethiopiens zu wagen.

Daß das Auswärtige Amt dem zwar gut empfoh­lenen aber unbeamteten und völlig inoffiziellen jun­gen Deutschen auch keinen rechten Rückhalt bot, ver­steht sich bei seiner Tradition von selbst. Exzellenz von Mühlberg, der damalige Unterstaatssekretar, sor- verte ihn in seiner Audienz auf, sich zunächst einmal ein paar Jahre zu bewerben. Dann erst würde die Wilhelmstraße ihm den gewünschte» Paß ausstellen, ohne den es freilich im schwarzen Kaiserreich keine Sicherheit für einen weißen Mann geben konnte. Beinahe wäre der große Plan an solchen bureaukra- tischen Bedenken der diplomatischen Zunst gescheitert. Schließlich legte sich Herr von Lucauus t»s Mittel, des Kaisers Kabinetisches, dessen Schatten heute noch durch die gesamte Memoirenliteratur geistert. Seinem Einsluß gelang es, dem jungen Holtz die erbetenen großen diplomatischen Papiere zu verschaffen.

III.

Bitte recht freundlich, M n'ettäi

Ein paar lausens Mark waren das Grundkapital Mit dieser bescheidenen Summe lauste Arnolo Holtz der sich mit den orientalischen Hofsitten wohlvertraut gemacht hatte, die üblichen Einführungsgeschenke für das schwarze Monarchenpaar. Spitzenerzeugnisse «er deutschen Industrie aus der damaligen Zeit: ein paar besondere Jagdflinten für den Negus uns ei nett Photoapparat für Ihre Majestät, die Neger- laiferin.

Diese Schätze sollen die erste Reklame für die deut­sche Wirtschaft sein Im Vertrauen auf ihre Wirkung langt Arnolo Holtz nach miihseliaer Reise in Addis Abbeba ein. Die große Frage ist, wer ihn am Hoj

lernt Holtz einen schwarzen Hochwürbenträger ken­nen, den Dedjasmatsch, Gouverneur Abbate. Dieser alte Mann hat immer Sympathie für Deutschland gehabt. Er widerstrebt dem Spiel des Weißen Staatsministers, den er durchschaut und von dem er Weiß, daß dieser provisionsbeteiligt, am liebsten das ganze Geld ans Pariser Kolonialkapital verschieben möchte.

Abbate, der auch im Kriege ein treuer Freund Deutschlands geblieben, und. dessen Einsluß es zu danken ist, daß Abessinien seine Neutralität bewahrte, erwirkte dem deutschen Neuankömmling eine Privat­audienz bei seiner Majestät. Auf hohem Thron emp­fängt Menelik von Fremden. Orientalisches Hofzere­moniell, Würdenträger, Krieger, Sänger und Pagen drängen um den Kaiser. Dieser spricht keine europäi­sche Sprache. Aber er hat schon lange europäisch Sen­ken gelernt. Er ist ein Frtcdensmonarch, der den Fortschritt seiner schwarzen Untertanen will, weiter gar nichts. Von den Deutschen fühlt er sich tief ver­letzt, aber wenn einer, von ihnen sich ins Land wagt, so will er sich von ihm doch unterrichten lassen.

Zn Füßen des Thrones sieht der junge Arnold Holtz.Majestät!- sagt er, indem der Dolmetscher jedes Wort übersetzt. 'Ich bin im Vertrauen auf Ihre Gnade ins Laus gekommen. Meine Regierung erklärt, sie könne mich nicht schützen. Unter den Schutz Ihrer alten Gegner will ich mich nicht stellen. Als freier Mensch will ich Ihnen zeigen, was wir Deut­sche leisten können, um neue Beziehungen zwischen unseren Völkern zu schaffen.- Dann führt er mit re­spektvoller Gebärde seine Gastgeschenke vor, die Flinten und den Photoapparat.

Der alte Mann aus dem Kaiserthrone hört ihm aufmerksam zu. Er hat Interesse für alles Reue, das aus Deutschland kommt, aus jenem Deutschland, daß er trotz persönlicher Kränkung dem Ruhm und Ruf nach schätzen gelernt hat.Du kannst das ruhig ver­suchen!- sagt er und weist auf den Photoapparat.

Arnold Holtz erfaßt seine Chance. Bitte recht freundlich, Majestät. Er knipst. ' Die Bilder gelin­gen. Die Schlacht ist gewonnen. Der schwarze Kai­ser neigt sich huldvoll dem jungen Weißen zu. ,Jch danke Dir für Dein Vertrauen, mein deutscher Freund. Du stehst unter meinem unmittelbaren Schutz"-

IV.

Aus einer kleinen Residenz

Mein deutscher Freund, hat der Negus vor dem versammelten Host gesagt. Apokalyptische Worte, so klingen sie dem französischen Gesandten ins Ohr. Tie englische Exzellenz bannt um die Golzkonzessionen, auf die seine Landsleute ein Monopol haben möch leit. Der italienische Minister matt sich auch nicht gerade mit Begeisterung ein Zukunstsbild deutscher Wirtschaftsexpansion in seinem ureigenen schwarzen Kaiserreich aus. Der freundliche Empfang, een Me­nelik dem ersten Deutschen in Abessinien bereitet, ver­setzt das diplomatische Korps in hellen Aufruhr. Nach außen hin müssen ja die Weißen zusammenhalten und es laßt sich nicht umgehen, auch den Deutschen zum Frühstück und zur Jagd einzuladen, aber Himer den Kulissen setzt ein wahres Kesseltreiben gegen Holtz ein, dem freilich erst im Weltkrieg sein trauriger Er­folg beschienen war. Menelik nämlich läßt sich von allen Künsten oes französischen Gesandten, dessen eu­ropäische Kabinettsdiplomane der Negerkaiser längst durchschaut Hai, nicht verhetzen. Selbst sein allniäch- tiger Staatsminister Jlg. ©er Schweizer, der in sran zösischem Solde stcbt, ist nicht imstande, die Sympathie seines Herrn für den unternehmenden jungen Deut­sche» zu zerstören. Im Gegenteil, mit wachem In­teresse läßt sich Menelik, allzeit Erneuerer seines Lan des, von den unglaublichen Leistungen der deutschen Maschinenindustrie erzählen. Eines Tages beordert er Holtz als seinen persönlichen Kurier nach Deutsch­land, um dort gewisse für den Straßenbau notwen Dige Spezialmaschinen einzukansen.

Der ebenhol,schwarze Finanzminister ytblt Hol- persönlich das Reisegeld von tausendsünfhundert ba ren Maria Dberesientalern aus, ©er beute noch in Abessinien gelteniDcn Lmweswährung. Holtz quittiert den Betrag. Dan» verabschiedet er sich in Privat- audien; vöm Negus.Du HM Deine zweitausend Taler mit auf den Weg bekommen?- fragt dieser.

Verzeihung. Majestät, es waren nur fünfzehn­hundert!"

Ach!" pfeift ©er Negerkaiser durch die Zähne.

V.

Ein deutscherWageu häliwas aus

Nun ist Holtz als Kurier des Schwarzen Kaisers wieder in Berlin. Daß diezuständigen Stellen-, also jene, die ein gut Teil Schuld an den Zuständen ha­ben, noch immer nichts wissen wollen von dem Mann, der da ohne bureaukratische» Auftrag in der Weltgeschichte herumdilettiert, versteht sich von selbst. Sie verweigern ihm auch die Unterstützung bei der Beschaffung der Maschinen, Sie er zu besorgen hat. Die einzige Fabrik aber, die triefe besonderen Apparate herstellt, bedauert nicht liefern zu können. Sie habe eben einen Abschluß gemacht, der ihre Produktion auf längere Zeit voll in Anspruch nimmt. Ein französi­scher Auftrag. Sehr freundlich. Später erst stellt sich heraus, daß Monsieur Jlg die Sache mit dieser Be­stellung gedreht hat, um dem deutschen Kurier die prompte Aussührung seines kaiserlichen Auftrages itnmöglich zu machen.

Holtz aber holt jetzt zum großen Schlag aus. Er stellt ein deutsches Konsortium zusammen, dem er abessinische Goldkonzessionen zu verschassen sich anhei­schig macht. Nun mutz es gelingen, deutschem Kapital und deutscher Arbeit Eingang ins schwarze Kaiser­reich zu verschaffen. Mit ein paar Hervorragensen Männern der deutschen Wirtschaft im Rücken, fährt er nach Addis Abbeba zurück. Zwar kann er seinem kaiserlichen Auftraggeber nicht die gewünschten Ma­schinen herschassen, aber er hat sich wieder erlaubt, ein kleines Geschenk mitzubringen: diesmal eine Staatskaroffe,. eine prunkvolle Viktoria, seidenbe­spannt und mit Meneliks Wappen in den Kissen. Er weiß, daß der Negerkaiser noch nie in einem Wagen gesessen ist. Dieses Verkehrsmittel war unbekannt, so lange Abessinien noch keine fahrbaren Dtratzen hatte. Es ist ein Experiment. Auch die Pferde, die er, heimgekehrt nach der schwarzen Residenz, dort kaust, haben noch nie einen Wagen gezogen. Geht die Vorführung des neuen Vehikels aber schief, so kann der überaus empfindliche Negus leicht den Ein­druck gewinnen, er sollte verhöhnt werden und dann wäre das ganze große Unternehmen mißglückt.

Hornrus im Schloßhof von Addis Abbeba. Der deutsche Kurier ist wieder da. Er bittet um die Gnade, vor das AnUitz Seiner Majestät treten zu dürfen. Wispern und Raunen durch Höfe und Säle: Ein merkwürdiges Ungetüm hat der Deutsche aus seiner Heimat mitgebracht. Pferde sind davor gespannt, so Saß es kein Eisenbahnwagen sein dürste. Aber ein Pflug ist es doch auch wieder nicht. Großes Rätsel­raten.

Neugierig wie ein Jüngling tritt der weißhaarige Negerkaiser in den Hos, sein neues GMgeschenk zu besichtigen. Er besteigt den Wagen und achtzehn Höf­linge aus seinem Gefolge drängen sich, eng um ihren Kaiser gepreßt, aus der lackierten Karosse zusammen. Noch nie bat ein Wagen solche Belastung aushalten müssen. (siar, wen» nicht eingefabrene Rösser ihn ziehen. Dieser aber hält die Ueberlastung aus. Die erste Wagenfahrt durch die Straßen von Addis Ab­beba verläuft zu Meneliks vollster Zusriedeuheit. Der Monarch ist stolz aus sein neues Spielzeug.

Es ist nur noch eine Frage von wenigen Tagen, bis Holtz die erbetenen Golokonzessionen erhalten hat. Ihr Territorium liegt gegen die englische Grenze zu, wieder ein Anlaß für die in Abessinien akkreditierte Ententesiplomatie auf Beseitigung des unbequemen deutschen Eindringlings zu sinnen. Mit der Bcsciti- gintg hat es aber noch gute Wege. Jnstvischcn erhält Holtz den großen Ster» von Aethiopien, den böchsten Orden des Landes, den ihm der Negus persönlich an die Brust heftet und dazu die Worte svricht:Dieser Stern möge Dir leuchten zum Lohne dafür, Saß Du in Europa geschildert hast, wie Ordnung und Recht in Abessinien herrtchen.-

A (Fortsetzung folgt.)

Der Einnahmerückgang der 25 größten Eisenbabn- gesellschasten in den USA. beträgt für das verflossene Jahr nicht weniger als 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr; der Rückgang der Betriebsüberschüsse wird sogar auf 56A Vrozeut beziffert.

Oie freundlichen Sklareks

Tie wollten das Dienftzimmrr eines Stadtamtmanns hübfdxr machen".

Berlin, 13. Februar.

Im Sklarekprozeß trat man in die zweite Be­weisaufnahme ein. die sich auf den Stadtbankkom- Plex bezieht. Als erster Zeuge wurde hierzu der Stadtamtmann Willy Hoge, zunächst unter Ausset­zung der Beeidigung, vernommen. Er sagte aus, daß er lediglich gelegentlich bei Revisionen das Geschäfts­haus der Sklareks aufgesucht, ober keine privaten Be­ziehungen zu ihnen gehabt habe.

Vorsitzender: Haben Sie Anzüge dort machen lassen?

Zeuge: Ich habe nicht einen Hosenknopf von den Sklareks bekommen. Ich batte allerdings den Ein­druck, daß sie mich gern als Kunden haben wollten. Bei der Knndenwerbung war mir Leo Sklarek aber zu ausdringlich, und ich dachte, daß er möglicherweise Gefälligkeiten wegen des Kontos haben wollte.

Als man dann auf einen anderen Punkt entging, fragte der Vorsitzende plötzlich den-Zeugen, warum er nichts davon erwähnt habe, daß die Sklareks ihm ein Schreibzeug, eine Tischdecke und eine Radierung für sein Dienstzimtner geschenkt hätten. Zeuge: Ich wollte das auch sagen, ich habe das aber vergessen. Das war für das Kundenbesuchsziniiner, und ich habe nie da­ran gedacht, die Sachen als mein Eigentum zu be­trachten

Leo Sklarek: Das Dienstzimrner war so dürftig ausgestattet, da wollte ich es etwas hübscher machen.

Vorsitzender (sehr ernst»: Leo Sklarek, es gibt nicht wenige Leute, die sich über die dürftige Ausstattung der Gerichtssäle und der Richterzimmer aufhalten. Es- ist aber noch keiner Menschenseele eingefallen, da­für auch nur einen Aschbecher zu stiften.

Salaban geisteskrank?

Berlin, 13. Februar.

In der Berliner Assäre des Falschmünzers Dr. Salaban ist jetzt eine überraschende Wendung ein» getreten. Da Dr. Salaban bereits früher in Ham­burg, wo er wegen Betrugs angeklaqt worden war, auf Grund des § 51 außer Verfolgung gesetzt wor­den war, hat sein Verteidiger jetzt erneut den An­trag gestellt, ihn auf seinen Geisteszustand unter­suchen zu lassen. Die Staatsaitwallschaft hat den Antrag gestellt, ein psychiatrisches Gutachten einzn- holen und Dr. Salaban zu diesem Zweck längere Zeit in einer öffentlichen Irrenanstalt zu internieren und beobachten zu lassen. Falls auch dort von den Psy­chiatern die Geisteskrankheit Dr. Salabans bsschetnigt wird, so dürfte sich die interessante Streitsrage er­geben, ob Fran Salaban der Beihilfe zur rxalsch- münzerei angeklagt werden kann, wenn der Hanpt- täter selbst außer Verfolgung gesetzt werden muß.

Kaffeehaus-Brand

. Paris, 13. Februar.

In einem der größten Kaffees von Lille, der soge­nannten Kaverne-, brach in den Nachmittagsstunden des Donnerstag ein Feuer aus, das sich nicht nur auf das ganze Gebäude ausdehnte, und es in Asche setzte, sondern auch zwei Personen das Leben kostete. Die starke Rauchentwicklung machte es den Insassen des Hauses zum Teil unmöglich, sich über den Trep­penflur zu retten, und nur mit Hilfe von Sprung­tüchern gelang es einer Reihe von Personen, das Freie zu erreichen. Die Frau eines Kapellmeisters, die erst am Mittwoch aus dem Krankenhaus gekom­men war, kam in den Flammen um. Ebenso erging es einer andere» Frau, die noch einmal auf ihr Zim­mer zurückgekehrt war, um einen dort liegengelaffe- nen Betrag von 5000 Franke» zu retten. Einige Gäste erlitte» mehr oder weniger schwere Brandwunden. Es wurde erheblicher Sachschaden angerichtet, der sich auf mehrere Millionen Franken beläuft.

Freitag abend drangen drei maskierte Burschen in den Kassenraum der Rheinischen Energie-A.-G. in Köln-Deutz ein, bedrohten den allein anwesenden Kassierer mit Pistolen, knebelten ihn, banden ihm die Augen zu und zwangen ihn, sich in eine Ecke zu legen. Daun raubten sie aus dem Kassenschrank etwa 15 000 Mark, lieber die Täter ist bisher nichts bekannt.

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In Opladen wurde ein Kassensekrriär von der Stadthauptkasse an der Stadtgrenze von mehreren Vermummten überfallen. Tie schlugen ihn nieder und raubten ihm eine Aktentasche mit 2000 Mark Silber- gelb, die an Erwerbslose zur Auszahlung kommen sollten.

HEUTE

VOR HUNDERT JAHREN

1-3. Februar.

... kommt Paaanini in Aachen an, um eilte Kon­zertreise durch Mitteleuropa zu beginnen. DieEar- nevalszeitung" behauptet allerdings, es sei schlechter­dings unmöglich, daß dieser Pagamni ei» Konzert geben könne, weil er tmmisich ein Pferdehändler fei...

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... wird in per Sitzung des englischen Unterhau­ses als bestes Mittel gegen die Cholera vorgeschlagen für Reinlichkeit und gute Nahrung der ärmere» Klasse zu Sorgen

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... wird das .größte Dampfichiss der Weit- in Montreal vollendet. Es soll auf dem St. Lorenz­strom verwandt werde» und hat 189 Fuß Länge. 70 Fuß Breite, 12 Fuß Diese über dem Wasser, 8 Fuß unter dem Wasser. Seine Tampfmaschiite sind die größten, die man bisher kennt und haben 300 Pferde kräfte. die bis 450 gesteigert werden können. Das Schiff enthält Betten für 90 Passagiere.

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... werden an der OKüste Grönlands die Nach- fommen einer norwegische» Kolonie gesunden, die sich vor 800 Jahre» dort niedergelassen hat und seit­dem von aller Verbindung mit der Welt abgeschnitten geblieben ist. Sie sprechen gerade so wie ihre Vor- fabren im 10. Jahrhundert und haben sich auch ihre alten Sitten uitd Gebräuche erhalten.

... ein ehemaliger französischer Offizier von de» Behörden, bett Namen seiner Tochter Hortense in Adrian umzuandern, da es sich erwiesen hat, daß Hortense fein Mädchen, sondern ein Jüngling ist. Sie ist 20 Jahre alt und wird in diesem Jahre mili- fiirpfiich.ig.

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