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Dienstag, 9. Februar 1932

Nummer 33*

22. Jahrgang

Deutschlands Abrüstungsanspruch angemeldet!

Oer Kanzler erläutert Deutschlands Abrüstungs-Standpunkt / Ablehnung des Konventionsentwurfes / Amerika auch für Landabrüstung

Brüning vor der Genfer Konferenz

(Eigener Drahtbericht.)

Keine Regierungsumbildung?

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Genf, 9. Februar.

Die große Rede des Reichskanzlers zur Abrüstungsfrage gab eine lückenlose Aufklärung über den deutschen Abrüstungsstandpunkt.

Die Rede behandelte im ersten Teil die moralische Verpflichtung der Welt, auf der Abrüstungskonferenz auf der Grundlage völliggleicher Rcchteund Pflichte,, durch freiwilligen Entschluß die allge­meine Abrüstung durchzuführen, die neben einer groß­zügige» und entschlossenen Liquidierung der finan­ziellen und wirtschaftlichen Restbestünde des Krieges als die große Aufgabe der Gegenwart bezeichnet wurde, die allein der Menschheit zu neuem Aufstieg verhelfen könne.

Der Reichskanzler stellte mit Nachdruck fest, daß die Kriegsgeneration aus dem persönlichen Erlebnis des Weltkrieges heraus besonders berufen sei, diese Aufgabe zu lösen. Brüning wies dann auf die Er­klärungen eines leitenden amerikanischen Staatsman­nes gemeint ist wohl Hoover hin. der erklärt hatte, daß das internationale Vertrauen nicht auf Furcht, sondern nur auf gutem Willen aufgebaut werden könne, und unterstrich mit großer Entschiedenheit die Bereitschaft Musso­linis, eine gänzliche Abrüstung auf der Grundlage der Gegenseitigkeit anzunehmen.

Der Reichskanzler schilderte sodann die kata­strophale Notlage der Welt, die sich in kei­nem Lande so furchtbar auswirke wie in Deutschland und die zweifellos vor allem auf den politischen Zahlungen und den übertriebenen ungleichen Rüstungen beruhe. Der Reichskanzler richtete einen Appell an alle Mächte, den Mm zur Verwirk­lichung der feierlich gegebenen Zusagen zu finden.

In dem zweiten Teil meldete der Reichskanzler feierlichst den deutschen Rechtsanspruch auf dieallgemeine Abrüstung und die Erfüllung der Deutschland im Versailler Vertrage gegebenen Zusagen durch die im Bölkerbundspakt geschaffenen Verpflichtungen zur allgemeinen Abrüstung an. Nichts könne die Abrüstungskonferenz von der Verantwor­tung freisprechen, wenn sie scheitern sollte. Die deut­sche Regierung und das deutsche Volk forderten nach der eigenen Entwaffnung die allgemeine Abrüstung,

auf die Deutschland einen rechtlichen und moralischen Anspruch habe.

Brüning lehnte dann den Abkommens­en t w u r f als Grundlage der Besprechungen a b, da er nicht den Erfordernissen einer wirklichen Abrüstung entspreche und kündigte deutsche Vorschläge an, die für eine allgemeine und wirksame Herabset­zung der Rüstungen praktische Wege öffnen sollen. Der Kanzler wandte.sich hierauf indirekt gegen die französischen B o r s ch l ä g e, die als eine Um­gehung des Konferenzzieles bezeichnet werden und die auf den Pflichtgeinäßen Widerstand aller Verant­wortlichen stoßen müßten.

Der Kanzler schloß Mit der feierlichen Erklärung, daß Deutschland als vollberechtigtes und vollverpflich­teles Mitglied des Völkerbundes mit allem Nachdruck für eine allgemeine Abrüstung unmißverständlicher Art aller Mitglieder des Völkerbundes eintrete und ein gleiches Maß von Sicherheit für alle Völker fordere.

BrüningsGenferTnbutbesprechungen

London, 9. Februar.

Reuter meldet aus Genf, daß man den Bespre­chungen, die der deutsche Reichskanzler mit dem englischen Außenminister, mit Tardieu und mit G r a n d i Hatte, die größte Bedeutung bei- messen müßte. Es bestände Grund zu der Annahme, daß die Tributsrage besprochen worden sei. Die Be­sprechungen seien so geheim gewesen, daß nicht ein­mal Sekretäre und Uebersetzer zugelaffen waren. Bisher sei jedoch noch kein Abkommen zwischen Frankreich und England über die Bedingungen zu­stande gekommen, die die Unterlage für eine Tribut­konferenz abgeben könnten.

Financial News" schreibt, daß die englische Re­gierung oen französischen Standpunkt in der Tribut­frage nicht annchmen werde. Auch die deutsche Re­gierung könne aus Politischen Gründen nicht nachge­ben. Schlimmstenfalls müßte London einen Teil der deutschen Wechsel auf Gis legen. Der. Betrag würde kaum ein Drittel so groß sein wie derjenige, der bei Kriegsbeginn stillgelegt werden mußte.

Gibsons neun Punkte

Dor Sem Reichskanzler hatte der stellvertretende Führer der amerikanischen Delegation, Botschafter G i b s o n tu der heutigen Versammlung der Abrü­stungskonferenz gesprochen. Er führte u. a. aus: Amerika werde nichts unversucht lassen, um tatsächlich einen Fortschritt in der Begrenzung und Herabseüung der Rüstungen zu erzielen. Man müsse kleinliche Sonderinterefscn vergessen und auf eine großzügige Zusammenarbeit hinstreben.

Amerika halte die gegenwärtige« Ausgaben der Welt für Rüstungszwecke für unnötig und unent­schuldbar. Niemand könne bestreiten, daß diese Rü­stungen nicht nur die Folge, sondern auch die Ursache der gegenwärtigen politischen Unsicherheit sind. Nie­mand könne bezweifeln, daß sie nicht nur zum wirt­schaftlichen Niedergang beitragen, sondern den W e l t- frieden ernstlich bedrohen.

Das amerikanische Volk betrachte die Fortdauer dieser Zustände als ein Versagen der S r a s- männer. Die Zeit fei vorbei, wo die Weltvölker dieses Versagen lange ruhig mitansähen. Das Wett­rüsten und die Militärbündnisse, seit Jahrhunderten in Europa üblich, seien nicht imstande gewesen, den Frieden zu erhalten, sondern hätten im Gegenteil Kriege hervorgerufen, unter deren Folgen Sieger und Besiegte leiden. Das System der Antikriegsverträge reduziere die Notwendigkeit nationaler Rüstung aus 1 die Wahrung der Ruhe und Ordnung im Innern und 2. die Verteidigung der Landesgrenzen.

Amerika habe von den Vorschlägen Tardieus und Sir John Simons mit Interesse Kenntnis genommen. Die amerikanische Regierung habe keinen neuen allum­fassenden Plan. Aber die amerikanische Regierung be­fürworte folgendePunkte:

1. Zugrundelegung des Konventions- e n t w u r f e s als praktische Diskusstonsbasis unter völliger Bereitschaft, zusätzliche Vorschläge zu disku­tiere«,

2. Verläns»"rung der Lebensdauer der bestehenden Mottenabkommen unter möglichstem Beitritt Frank­reichs und Italiens,

I. Proportionale Herabsetzung der Tonnagezisfern bt den Flottenabkommen, sobald alle Unterzeichner des Washingtoner Abkommens dem Londoner Flottenver­trag heigetreten fiüd,

s. Abschaffung des Unterseebootes.

5. Möglichst wirksame Maßnahmen zum Schutze der Zivilbevölkerung vor Fliegerangriffen.

6. AbschaffungvontödlichenGasen und bakteriologischer Kriegsführung.

7. Beschränkung der Landheere auf die notwendige Zahl für die Ordnung im Innern und den Grenzschutz.

8. Beschränkung der Verwendung von Tanks und schweren fahrbaren Geschützen.

9. Begrenzung der Ausgaben für Material, damit nicht in der Qualität um die Wette gerüstet werde, wenn in der Quantität Begrenzung vereinbart ist.

Ein Washingtoner Kommentar

Washington, 9. Februar.

Im Staatsdepartement bemerkte man zur Rede Gibsons, sie bedeute kein starkes Programm, sondern stelle im Gegensatz zu anderen Vorschlägen den Ver­such eines Beitrags zur praktischen Lösung der Be­grenzung der Weltrüstung dar. In der Flotten- f rage würde es Amerika begrüßen, wenn jetzt in Genf Gibsons Vorschläge verwirklicht werden könn­ten, so daß sich die Einberufung einer neuen Seekon­ferenz im Jahre 1934 oder 1935 erübrige. Sollten Frankreich und Italien dem Londoner Abkommen beitreten und die Abschaffung der Unterseeboote ver­einbart werden, so sei Amerika bereit, in den übrigen Kategorien Herabsetzungen zuzustimmen.

In der Frage der La n d h e e r e sei die amerika­nische Armee bereits unter dem Minimum für Grenzverteidigu..g; aber Amerika gebe zu, daß die Frage der Verteidigung der Landesgrenzen nur re­lativ, nicht absolut, entschieden werden könne. Ame­rikas Vorschlag über Tanks und fahrbare schwere weittragende Geschütze fasse den Angriffskrieg ins Auge, taste daher nicht Frankreichs System von Forts an der deutschen Grenze an, da die Festungs­geschütze kaum zum Angriffskrieg benutzt werden könnten.

Zusammenfassend wird rm Staatsdepartement be­merkt, Amerika sei für Abschaffung gewisser Kampf­mittel, für Herabsetzung anderer, Begrenzung des Rechtes, und zwar sowohl quantitativ, wie finan­ziell

th Berlin, 9. Februar.

Abwohl die Aufgaben des deutschen Reichskanzlers in Genf durch den deutschen Antrag auf Einberufung einxr Sondersitzung des Völkerbundsrates wegen der Vorkommnisse im Memelgebiei eine wesentliche Erwei­terung erfahren haben, wird Dr. Brüning dennoch heute nachmittag auf jeden Fall wieder nach Berlin zurückreisen. Falls es gelingt, die von uns beantragte Sondersitzung des Völkerbundes noch heute nachmittag abzuhalten, wird der Kanzler persön­lich in dieser Sitzung unsere Interessen vertreten; falls aber diese Sitzung erst zu einem späteren Termin in Betracht kommt, wird Staatssekretär von Bülow be­auftragt werden, die Klage gegen Litauen im Völker­bundsrat zu vertreten.

Der Kanzler legt besonderes Gewicht darauf, morgen wieder in Berlin einzutreffen, nicht nur weil für morgen eine Kabinettsitzung anberaumt ist, sondern weil in der zweiten Hälfte dieser Woche politische Auseinandersetzungen zu er­warten sind, die sich teils auf die Präsident- schaftsfrage, teil auf die Kabinettsfrage er­strecken und die die Anwesenheit des Kanzlers in Berlin dringend wünschenswert erscheinen lassen. Tas Kabinett wird sich morgen in erster Linie mit der Bankeyrefc.rm befassen, wobei es sich vor allem darum handelt, die Rejchsbeteiliguug an der Da- natbank und an der Dresdener Bank neu zu regeln bezw. abzubauen, die seinerzeit in der Julikrise über­nommen wurde. Im Zusammenhänge damit ist eine neue Durchführungsbestimmung zur Devisennot­verordnung geplant, die die Beanspruchung der Reichsbank neu regeln und die bestehenden Strafvor­schriften verschärfen soll. Ferner wird sich das Kabi­nett mit dem bekannten Projekt eines Abkommens zwischen Reich und Preußen über die ländlichen Siedlungsprobleme zu befassen haben, wobei für Preu­ßen insbesondere die Deckung des bestehenden Etats- Defizits eine Rolle spielt. Diese Arbeiten, zu denen noch eine Reihe anderer Beratungsgegenstände hinzu­

kommt, werden die Zeit bis zum Zusammentritt des Reichstages voraussichtlich vollkommen aussüllen.

In der Kabinettsfrage gewinnt man in maßgeben­den Kreisen in Berlin immer mehr den Eindruck, daß die von rechts her angestrebte Umbildung der Reichsregierung von Tag zu Tag u« wahrscheinlicher wird. Das ist vor allem dar­auf zurückzuführen, daß die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten voneinander abweichende

Ziele verfolgen.

Unter diesen Umständen vermindert sich der er­wähnte Druck selbstverständlich erheblich. Hitler trifft heute in Berlin ein, um neue Verhandlun­gen mit dem Stahlhelm und den Deutsch- nationalen zu führen. Ob dabei eine Einigung der gesamten Rechten auf eine Präsidentschastskan- didatur erfolgen wird, gilt nach wie vor als zweisel- baft, besonders da innerhalb der Deutschnationalen Partei die Strömung für Hindenburg einen beacht­lichen Umfang angenommen hat. Die Sozialde­mokraten werden in einigen Tagen die Entschei­dung in der Präsidentschaftsfrage ihrem Parteivor­stand überlassen. Am Donnerstag wird auch eine Be­sprechung des Reichstagspräsidenten Loebe mit dem Reichskanzler stattfinden, in der es sich um den Ter­min der Einberufung des Reichstages handeln fall. Man nimmt an, daß nunmehr kein anderes Datum als der 23. Februar mehr in Frage kommt und daß auch an dem Termin der Reichspräsiden­ten w a h l, dem 13. März, nichts mehr geändert wird

tfefcer 1 Million Eintragungen

I Berlin, 9. Februar.

Die bisher dem Hindenburgausschuß gemeldeten Einzeichnungev für die Volkskandidatur Hindenburgs haben am Montag abe«d die Zahl von einer Million überschritten.

Genfer Gespenfierwalzer

Don Rene Kraus.

Genf, Anfang Januar.

Die Welt ist schäbiger geworden. Am Platze Briands, der immerhin ein Leuchten war, präsidiert Herr Paul-Bonconr den etwas ratlosen Rat, unv auf öen Biisettischen knallt es nicht mehr von Ehampag- nerpfropfen. Kann sein, daß man akustische Anspie­lungen auf die mandschurische Begleitmusik der Ab­rüstungskonferenz vermeiden will. Landwein und Limonaden laden zu seliger Vergessenheit, und die Größe der Sandwiches steht in verkehrt propcrtiona- lem Verhältnis zu jener der Veranstaltung. Es ist nämlich die größte Feier, die Genf jemals erduldet hat: der Abrüstungs - Ball, zu dem zweitau­send Einladungen ergangen sind.

Danse macabre. Tanzen die Gasmasken mit im wiedererweckten Dreivierteltakt? Oh, Mm Ball er­scheint man in Frack mit korrekter weißer Binde und ebenso korrekter -blütenweißer pazifistischer Gesinnung. Keine einzige Uniform in all den Sälen. Die ver- fammeltien Offiziere von fünfundvierzig Generalstä­ben die sechsundvierzigste Konferenzmacht, darf ja versaillegemäß keinen Generalstab mehr unterhalten; die sechsundvierzigste Macht, das ist Deutschland -r- tragen auf taktvolles Ersuchen hin schlichtes Bürger- zivil. Allein ein gelegentlichesDonnerwetter", auf- rollend zwischen Gläserklang und Frauenlachen, ver­rät die heroische Note dieser Nacht. Nein, die Gas­masken haben sie diesmal zu Hause gelassen.

Und doch bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich: derkleine - Widerspruch zwischen den Begriffen von Ba11se 1 igkeit und R ü st u n g s p l a g e. Man muß unseren freundlichen Genfer Hausherren freilich zubilligen, daß sie, über das diskrete Uniforumverbot Hinaus, alles daran setzen, diesen Widerspruch und ein paar andere auch, die zwischen Jammer uns Jazz liegen, mit menschlichem Takt zu überbrücken. Daher auch der Landwein und die Limonade. Das Sekt- bufett prunkvollerer Genfer Jahre wird sich die Kon­ferenz erst verdienen müssen. Schließlich nähren auch sie kleinen Sandwiches ihren Mann. Und außerdem: Ehampagner muß man im Blut haben! Keine Bat­terie von Flaschen, bitte kann das ersetzen.

Nun, Gens ist eigentlich keine Ehampagnerstadt, ui® auch der Erzbischof von Jork konnte sich auf dieser wohltemperierten Veranstaltung ganz wie zu Hause sichle«. Nur, daß «um de« Hohen Sir-

chenfürsten ein bißchen gar zu sehr umdrängt hat. Er ist seit feiner prachtvollen Predigt in der St. Peters- Kirche der Prominenteste von allen. Gelangen die Dinge hier zu gutem Ende, fo hat er es wahrlich ver­dient, zum Ortspatron der Mrüstungsstätte zu avan­cieren. Inzwischen läßt er die Freuden der Promi­nenz lächelnd über sich ergehen: das Blitzlicht der Photographen, den peinlich nahen Atem der entfessel­ten Neugier, das unvermeidliche shake-hands der Grä­fin Treuberg, die feit einem Menschenalter berühmte Bekanntschaften sammelt. Mal was Neues für eine Gesellschaft, die schon fo ziemlich alle wandelnden Großaufnahmen von Aga Khan bis Zalefki konsu­miert hat.

Nein, Berüymcheit steht hier nicht mehr hoch im Kurs. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text, wir kennen die Herren Verfasser. Die vor allem. Und es spricht gewiß nicht gegen Gens, daß das blonde Mädchen Lucy, ein Traum aus blaßblauem Crepe-de-Chine und ebensolchen Sehnsuchtsaugrn, weit mehr Ballsensation ist als achtundvierzig außerordentliche und bevollmächtigte Minister zusammen. Diese Ziffer ist übrigens un­genau. Sie dürfte zu niedrig liegen. Der Exzellenz­titel ist hier ein internationaler Rufname. Man sollte ihn aber doch nur mit einiger Vorsicht anwenden. Die alten Kavaliere, feie am sinnfälligsten danach aus- sehen, entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Oberkellner. Indes Seine bolschewistische Exzellenz, der Volkskommissar Litwinow, feer um einen Whisky, aber etwas schleunig, gebeten wurde. Na ja, wenn man als einziger zum Frack schwarze Krawatte trägt!

Spät nach Mitternacht rast noch einer durch den Saal, den man nicht erst lange erkennen muß. Dieses Tempo hat ein einziger um paraaoxerweise sich behäbig rundenden Leib: der berlitteriischste aller Franzosen Andre Tardieu. Er kommt geradewegs von einem Bierabend, den die englischen Journalisten ihm zu Ehren veranstaltet haben, an un­gedeckten Tischen natürlich, in einer Brasserie, in der Schweiz, liebe Schweiz! die Ehausseure und die Patrizier und die Universitätsprofessoren und die Ge­müsehändlerin Dom Eckhaus in 'löblicher Selbstver­ständlichkeit feurcheinandergewürselt sitzen, und weil die Sache Bierabend hieß, bat »er herb-süße Weiß­wein zwei Franken die Flasche gekostet. Uufe Seine Exzellenz feer Herr Minister hat wohlig geseufzt: Man ist doch selbst einmal Zeitungsmann gewesen, nicht wahr! Wahrhaftig. wenn Monsieur Tardieu nicht ge­rade die englische Presse ein wenig um den Finger wickeln müßte er wäre um feer Freude dieses Kol­legenabends selbst willen in die Brasserie gekommen.