Einzelbild herunterladen
 

Cette 1

diien, die mehrere Morde aus dem Gewissen hatten, ist auf das Bestreben zurückzuführen im Interesse der Befriedung Korsikas keinen neuen Märtyrer des ro­mantischen Ränberkultes aus Korsika zu schaffen.

Kleine Chronik

Tas Gericht in Weiden (Oberpfalz, verurteilte den Bauernsohn Schiedet, der tm vorigen Sommer in Wendersreuth seinen Bruder, dessen Frau und Kind mit dem Beil ermordet hatte, dreimal zum Tode. Der Bruder hatte das väterliche Anwesen geerbt, weil er, obwohl jünger, tüchtiger war, daraufhin hatte Schie­ber aus Rache die Tat begangen.

*

Die Stadt Husum in Holstein, der. wie berichtet, vor einiger Zeit von nach Amerika ausgewanderten Einwohnern, der Familie Nissen, das gesamte Fansi- lien-Vermögen als Stiftung vermacht wurde, hat jetzt über 3 Millionen Mark ausgezahlt bekonimen.

Der wegen betrügerischen Bankrotts von den öster­reichischen Behörden gesuchte Bankier Ehrenfest, der in Lissabon verhaftet worden war, wurde auf Be­schluß des portugiesischen Jnnenministets nach 45tägi- ger Inhaftierung wieder freigelaffen.

*

Sämtliche Abteilungen der Prager uniformierten Sicherheitswache, und zwar sowohl bie Fußtruppen als auch die Berittenen, wurden mit Trompeten aus­gerüstet. Wenn bei Ansammlungen und Demonstratio­nen ein Einschreiten im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung erforderlich ist, wird die Sicher­heitswache durch Trompetensignale darauf aufmerk­sam machen, daß sie zum Gebrauch der äußersten Machtmittel der Hieb- und Schußwaffen ent­schlossen ist.

HEUTE

VOR HUNDERT JAHREN

5. Februar 1832.

. . . beginnt in Konton die erste Zeitschrift in chiwcsifcher Sprache zu erscheinen, die sich mit euro­päischen Angelegenheiten befaßt. Die erste Nummer enthält einen bemerkenswerten Artikel über die letz­ten Revolutionen in Frankreich und Belgien.

*

. . . wird der Plan zu einer Eisenbahn zwischen Antwerpen und Köln genehmigt.

*

. . . muß der Präsekt von Toulon anerkennen, daß die Arbeiter von dem dort üblichen Tagelohn von 75 Ernt, mit dem sie sich begnügen müssen, nicht leben können. Er. beschäftigt sich mit Verbesserungs­vorschlägen an die Fabrikbesitzer.

*

. . . findet der erste T'iertransport aus der Eisen­bahn statt. Der Eigentümer einer großen Menage­rie läßt seine ganze Tiersammiiung, bte aus 8 Tigern, 2 Löwen, 2 Leoparden und mehreren anderen gro­ßen Tieren besteht, ferner da- Mtusikkorps der Mena­gerie und zwei große hölzerne Säufer eins davon enthält drei Schlafzimmer und einen Eßsaal aus der Eisenbahn von Liverpool nach Manchester brin­gen. Alle diese Gegenstände wurden auf sechs un­geheure Wagen geladen. Die Kraft der Tampf- wagen, welch« diese zogen, war indes so groß, daß die ganze Menagerie den Weg von sechs deutschen Meilen in zwei Stunden glücklich zurücklegte . ..

r Freitag, 5. Februar 1932

Kasseler Neueste Nachrichten

Arbeiter dritter Klaffe

Leidenszeit einer deutschen Iran in Rußland Clend im Zeichen des Fünfjahresplanes

aus taub fiten

Snbee letzt«» bte Ucbetflebla laud, tu das fo sehr es rtm Gr-hutaL kau ter tidrtie J# ti für deussch« 8 liegt teilweife teilweife aber befottders @ti andern nichts , die aneeagen

, daß Bl _ intel zu suchen, in in besonders krasses

. Nremand mehr kannte die Frau, die mit ihren vier Kindern aus dem Zug stieg, der von Kaufbeuren nach Fussen im Mgäu fährt, muten in die stillen, zackigen Berge hinein, in die einst so gern die verhängte Kut- Iche des unseligen bayerischen Königs Ludwig II. fuhr, wenn er sein Märchenschlotz Hohenschwangau be­suchte.

Die Frau war sehr alt. Nicht an Jahren sie zählt erst 35 Jahre, aber ihr Gesicht war das einer Greisin. Die Haare kurz nach MSnnerart geschnit­ten, die Augen unruhig tief in den Höhlen liegend. Die Furchen in dem blassen, knochigen Gesicht erzählen mehr, als ein Mund erzählen kann. Still und scheu kleben bie vier zerlumpten Kinder an ihrem Rock. Ta­tst Frau Bharia Besuch, geboren in Füssen im Mgäu als Tochter eines Arbeiters, die vor sieben Jahren ausgezogen war, daS Glück zu suchen. Sie wollte nicht znrückkehren, nie hat sie daran gedacht, denn die Leute in ihrer bayerischen Heimat sind sehr arm, haben kaum zu essen und kein überflüssiges Bett. Warum sollte sie da zurückfahren?

*

bekamen wir keinen Platz, sie ist flT'-'rfüEt, Tausende, die früher Bauern waren, deren -a~jen jetzt dem Staat gehört, kommen herein um Arbeit, wen» sie nicht als Knecht und Magd ohne Bezahlung auf ihren ehemals eigenen Grundstücken schaffen wollen.

Mes ist in den letzten Jahren so schlimm ge­worben. besonders die Wohnungsnot. Unser Haus bestand aus einem mittelgroßen Zimmer mit Lehm­wänden. Da wohnten und schliefen wir fünfzehn Personen. Mein Mann, ich, die vier Kinder und bie, ganzen Verwandten meines Mannes, ebenfalls Schuh, macher von Beruf. Wir hatten nur ein einziges Bett, mein Mann und ich schliefen darin, die anderen schlie- fen auf Strohsäcken und auf den Bänken. Das hätte aber nicht viel ausgemacht, wenn es sonst gut gegan­gen wäre. Ich wollte doch so gerne zufrieden sein, Sie dürfen mirs glauben, ich habe nichts gegen Ruß­land, es ist doch die Heimat meines Mannes, und ich habe meinen Mann lieb, die Trennung hat so weh getan. Aber es ging nicht und hier ist es wie im Himmels

Ach, man hätte diesenHimmel" in der Stube in Füssen sehen sollen! Es war der ärmste Himmel, den ich betreten habe. Auch hier gab es nur ein Bett mit roten Matratzen, und der kalte Bergwind pfiff durch die wackligen Fenster. Die Kinder holten barfuß das Essen von der nebenan liegenden Volksküche; und als ich die Mutier fragie, ob sie nicht essen wolle, sagte sie mit einer fast glücklichen Selbstverstänblichkeit:Nein, wir haben nicht genug Löffel, ich muß noch warten". Wie im Himmel! Gibt es ein erschütternberes aufrich­tigeres Bekenntnis zur Bereitwilligkeit bet Armut als bieser Vergleich?

*

Und bann erzählt Frau Besuch rührenv einfach von einem kleinen Grab, in dem ihr fünftes Kind

liegt So nett und hübsch war es, aber es hat nicht leben können von dem dünnen Kaffee. Typhus wie so viele andere. Die schlechte Ernährung. Heimlich hatte sie es beim Pfarrer taufen lassen, sie ist doch eine katholische Frau aus Füssen im Allgäu. Zweimal hat sie ein Holzkreuz auf das kleine Grab gesteckt wir hätten das Holz gern selbst gehabt", sagt sie, zweimal ist es gestohlen worden, die Leute brauchen das Holz zum Einheizen. Der neue Friedhof ist nicht umzäunt, die Gräber habest keine Einfassung, das Vieh trampelt darauf herum, man findet das Grab nach ein paar Tagen kaum wieder.

Niemand schenkt einem was, bie Nachbarn haben ja selbst nichts. Wie schön ist das in Deutschland, wo mitleidige Menschen gleich den Kindern Höschen und Kleidchen und Socken brachten."

Und zum Schluß hat Frau Bssuch noch selbst Ty» phus bekommen. Mußte ins Krankenhaus. Dort, wo der gute Arzt ist, im Roten Kreuz, kostet es Geld. Wo es umsonst ist, liegt man auf Strohsäcken und wird schlecht verköstigt und behandelt. Der Saal ist kalt und überfüllt, ein Kind stirbt, draußen steht jammernd die Mutter, man läßt sie nicht herein. Man hat Frau Besuch gebadet und ihr die Haare abgeschnitten. Das war alles.

Und dann ging es eben nicht mehr, es war nicht mehr auszuhalten. Der Mann sah es ein, daß sie mit den Kindern nach Deutschland fahren wollte. Er wäre so gerne mitgekommen man erlaubte es nicht. Er ist russischer Staatsbürger, darf nicht über die Grenze Aber er will e- doch versuchen, sie wartet still und er­geben in Füßen in der armen Kammer. Ein jam­mervoller Abschied war es, inmitten verwahrloster Menschen, bie auf den Bahnhöfen liegen und auf den Zug warten, der nur einmal am Tag kommt.

Ganze acht Tage dauerte die schreckliche Fahrt. Nun ist sie da, entronnen einer Hölle, in der sie ihr Glück suchen wollte. ,Hch wollte so gern in Rußland glücklich sein", sagt Frau Besuch schwermütig. ,Lch habe ja nichts hier, meine Eltern sind selbst arm, ich weiß nicht, wie ich mit den Kindern leben soll, mein Mann darf mir kein Geld schicken. Aber ich kann nicht mehr zurück--!"

Das ist der Bericht der Frau Maria Besuch aus Füssen im Mgäu. Ich habe ihn Wort für Wort auf­geschrieben und ihn so wiedergegeben, wie er mir er­zählt wurde. Werner Friedrich.

In der kleinen, ärmlichen dunklen Stube der Mietskaserne in der Marienstraße erzählt mir Frau Maria Besuch ihre Geschichte, leise, stockend, mit ein­fachen, ungekünstelten Worten.

So fing es an: Michael Besuch (Betonung auf der ersten Silbe) war tm Krieg als russischer Soldat in deuilche Gefangenschaft geraten. Und das bayerische Mädel In Füssen hatte ei ihm angetan. Er blieb, bis sie 1824 heirateten. Dann trieb es ihn zurück in die Heimat, zu Eltern und Geschwistern, zu den schwer­mütigen Liedern und dem summenden Teekessel, und er nahm seine junge Frau und fuhr nach Rußland wo indessen eine neue Welt gebaut worden war, voll großer Verheißungen. Von Beruf Schuhmacher, woll­te er feine Werkstatt wieder aufmachen in Großmichai- lowka. Aber damit warS vorbei, es gab keine selb­ständigen Schuhmacher mehr, er wurde in einem Schusterartel", wie der FachauSdruck heißt, in einer Werkstätte in Konstantinowka in der Ukraine unter- -ebracht, die für die Arbeiter einer großen Flaschen­fabrik zu arbeiten hat.

Zu Anfang ging es garnicht zu schlecht", erzählt Fran Besuch,es gab zu essen, und wir lebten ganz erträglich. BiS' 1928 der FÜnfjahresplan kam und die Bücher. DieBücher" das sind die Marken für LebenSmittel. Wir bekamen als Handwerker nur daS 3. Buch", das ist das schlechteste. Da kriegt man nur Brot, Zucker und Milch itu Arbeiterlonium. Kein Fleisch, kein Brennholz, keinen Kleiderstoff. DaS Irle. gen nur die, die das erste und zweite Buch haben, die Sowjet-Funktionäre, die Stoßtrupps und hochwer­tigen Fabrikarbeiter das sind die sogenanntenhei­ßen Arbeiter". Wir aber gehören zusammen mit allen Büroarbeitern, Kontoristinnen usw. zu den kalten Arbeitern. Wir müssen unseren Speck am Markt kau­fen, da kostet er das Fünffache, wenn es überhaupt welchen gibt, die Bauern habeil ja selbst nichts mehr. Es wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Wir bekamen für je zwei Kinder täglich einen halben Liter Milch von neun Monaten ab bis zu fünf Jahren. Bis zu neun Mona on gibt es keinen Tropfen Milch. Die Mütter sollen ihre Kinder selbst nähren."

Und wenn sie es nicht können?"

Dann müssen sie ei, wie ich bei meiner Jüngsten, eben mit Kaffee aufztehen ober zusehen, wie sie auf dem Markt für teures Geld etwas Milch kriegen. Im Arbeiterkonsum kostet die Milch 30 Kopeken (öo Pfg.) auf dem Mark 1 Rubel 30 Kopeken. Und mein Mann hatte 60 Rubel Monatsgehalt eigentlich waren es ja 90 Rubel, aber 30 Rubel werden abgezogen für Steuern, Abgaben unv dergleichen. Wir haben das ganz« letzte Jahr kein Fleisch gesehen, nur ein ein­ziges Mal gab es Fleisch auch für kalte Arbeiter. 15 Rubel mußten wir Miete bezahlen für ein Haus, zwei Stunden von Konstantinowka entfernt In der Stadt

Oer Bandit als Friedensrichter

Des korsischen Bandttenkriegs letzter Akt

Lyon, 5. Februar.

Die letzten drei Mitglieder der berüchtigten korsi- kanischen Verbrecherbanve der Bandilenhäuptlings Joseph Bartoki stehen seit dem 1. Januar vor Ge­richt. Man hat dte Gerichtsverhandlung gegen sie nicht aus Korsika anberaumt, obwohl korstkanische Ge­richte zuständig gewesen wären. Man weiß zu gut, daß die Bevölkerung der Insel noch immer eine un­beschreibliche Angst vor den Banditen und eine eigen­artige Hochachtung vor ihren ungeschriebenen Gesetzen hat, fo daß karsika «tische Geschworene kaum einen un­befangenen Spruch über Banditen fällen würden. An­geklagt sind drei Banditen: der 26-jährige Dominique Santoni, der 21-jährige Jean-Baptiste Gabrielli und her Z0-jährig« Francois Fratini. Sie teuren die eng­sten Helfer des erschossenen tzanditenhäuptlings Bor­toli'und haben eine lange Liste von Verbrechern auf dem Schuldkonto. Bei ihrem letzten Erpressungsver- such, bei dem zwei von ihnen verwundet wurden, sind sie dann verhaftet worden.

Diesem Erpressungsversuch mit fatalem Ausgang ging eine komplizierte Geschichte voran. Der Bandit Bartoll hatte sich die letzten 20 Jahre die Rolle eines übrigens sehr gut bezahlten Friedensrichters aus Korsika angemaßt. So wurde er vor einigen

AUSTRALIEN

-NEU­GUINEA

Zm Sportflugzeug nach Neu-Guinea

Karte des 15 000 Kilometer langen Flu­ges, den der bekannte Segel- und Mvtor- flieger Wolf Hirth (Porträt im Kreis) in den nächsten Tagen von Berlin über Indien und Australien nach der ehemaligen deut­schen Kolonie Neu-Euinea unternehmen will. Das von ihm dabei benutzte Klemm- Sport-Flugzeug (60 P. S.) ist dasselbe, mit dem Hirth den zweiten Preis im Deutsch­landslug 1931 gewann.

Monaten von einem gewissen Amabeo Nierie nm Hilfe angegangen. Nierie hatte für billiges Gelb auf mehrere Jahre ein Haus gepachtet. Plötzlich sand sich aber für das Grundstück, auf dem daS gepachtete Haus steht, ein Käufer, und bas Haus würbe über Nieries Kopf verkauft, wobei man ihm anbeutete, baß er das Haus zu räumen hätte. Nierie bat Bartoli um Hilfe. Tiefer nahm sich der Sache an und schrieb zwei Briese; einen an den Verkäufer des Grundstücks, den anderen an bcn Käufer. Der Verkäufer gab sich auf seine Auf­forderung gleich geschlagen und erklärte sich bereit, vom Verkauf zurückzutreten. Anders der Käufer. Bartolis Sendboten, die Angeklagten Santoni, Gabriell« und Fratini, befanden sich gerade im Haus des Käufers, um ihn durch Drohungen gleichfalls zum Rücktritt zu bewegen, als dieser vor seinem eigenen Hause ankam und die drei Banditen durch ein Fenster erblickte. Er nahm fein Gewehr zur Hand, schoß durch das Fenster und verwundet« zwei der Banditen. Er konnte aber nicht verhindern, daß der dritte aus Rach« seine Frau seinen Sohn unb feine Töchter auf der Stelle erschoß. Dem unverwunbeten Banditen gelang es bann auch noch, feine Komplicen aus dem Hause zu retten. Die Polizei verfolgte bte Spuren unb konnte die Drei ver­haften.

Mildes Urteil.

Der Prozeß gegen die drei korsischen Räuber hat zu ihrer Verurteilung zu je 5 Iahten Zwangsarbeit geführt; die Milde diese« Urteils gegen die drei Ban-

Die heutige Nummer umiaht 16 Seiten

Fung- Dr. Walte r T S u m Ber-

Verantwortlich für den politischen Teil: Dr. Walter Behüt: für das Feuilleton: German M. B o n a u: für den totalen Teil: Dr, Hans Joachim G l a tz e r: für den Heimatteil: Rudolf Gläser: für Handel: Dr. Haus Pa it aenber=g: für den Soortten: $et = bert SveiS:^Bholo-Redakteur: Eduard Schulz- Se ffel: für Anzeigenteil: Konrad Aach Swann. Berliner Schriftleikung- Dr. Walter T Su m. Ber-

«.

Dr. H. Sckulze'S Fregalin führt dem Blm hochwertige Nährstoffe zu und bewirkt dadurch eine Blutreinigung und eine hervorragende Nervenstär­kung. Wir verweisen aus die Anzeige in dieser Nurn mer, lesen Sie diese Anzeige in Ihrem Interesse ge­nauestens, da Sie auf Wunsch von Dr. meb. H. Schulze GmbH., Berlin-Charlottenburg 2 umsonst und porto­frei eine ausklärendo Broschüre und eine Probe- schachtel dieses ausgezeichneten Mittels erhalten.

Dresdener Thraker

Ein Stück wird gerichtet. DreSden gegen Berlin:Gasparone", die große

Ue betraf 4 ung.

Das weitaus interessanteste Ereignis der letzten Zeit war die deutsche Uraufführung des russischen DramaZ

Der Mann mit der Mappe" von Alexey Fajko in der DresdenerKomödie". Das Stück stand lange Zeit im Spielplan des Moskauer KünstlenhcaterL, war also zur Genüge als Sowjet- russisch cbarakteristeri und erlebte infolgedessen nur eine Aufführung. Abgesehen von Lor Tatsache, üatz diese Ausführung eine außerordentlich gute war und Latz die schanspiAerifche Stiftung des Hauptdarstellers Dolf Kersten allein genügte, um das Absetzen ses f rüdes zu bedauern, war es schade, daß man dieses rama so elttjelttg ansah.

Da« Drama Fajkos behandelt das Schicksal eines eHraeijigen Menschen, des Professors Gtanatoff, der feine Vergangenheit ab tun will, um unbehindert von ihr in einer neuen Gesellschaftsordnung zu einer Stel­lung zu kommen, die zwar seinen Fädigkeiten ent­spricht, aber auch seinen starken persönlichen Ehrgeiz befriedigt. Zu dieser Vergangenheit gehört die Frau und der Sohn Granatofss, die während der Revolu­tion flohen, gehört der Lehrer Granaioffs, dessen Na­men noch immer den des Schülers überdeckt uns ihn nicht Mein zur Geltung kommen läßt und gehört der Mitwisser einer längst vergesscneti Verschwörung im ölten Rußland. Sie alle taucken jetzt, wo Granaiofs an eine hohe Stelle des ftunurluftituies berufen wird auf unv hindern ihn daran, sich gänzlich durchzuseyen

wehrt sich Grana.off. Er stürzt een früheren M werich«orenen aus dem Zug, er denunziert semen Lehrer, er wehrt auch feine Frau ab und treibt sie, ohne ti zu wollen, in den Selbstmord. Das ist mit einer so zwingenden Logik, in einer sich notwendig so unb nur so ergebenden Blbdfclge gezeigt, daß man diesen Streber ©raiatoff gänzlich begreift, daß man Über dl« äußer« Spannung hinweg gevackr w.ird und spürt wie et Mischen seinem Entgelt unh fernem SefüM zerrieben wird, wie et sich mehr MD titrfir verirrt und schon nichts mehr aushaften kann. Als

ihm der höchste Posten des Institutes angeboten wird, bricht alles zusammen. In einer Vorlesung, hie er halten soll, bekennt er vor allen Studenten seine Schuld und seine Unwürdigkeit und erschießt sich.

Die Tendenz ist klar: (Sranatoff, der Renegat, der Bourgeois, der in das sowjeristische Lager wechselte, erweist sieb als unwürdig und seine ganze Konstruk­tion bricht an der Idee des Sowjetstaates zusammen. Wie sollte er auch vom Sowjetstandpunlt anders an­gesehen werden können! Klar ist aber zugleich auch, daß dieser Fall des Professors Granatoff' rein menschlich gesehen werden kann, daß er seine Gültig­keit behält, ivenn es sich nicht um das Sowietsvstem handelt, aber vas zu seden sträubte man sich. In aller Stille, ohne einen einzigen lauten Protest während der Vorstellung, wnr^e das Stück gerichtet.

*

DaS Opernhaus brachte den

Gasparone" von Millöcker,

eine klassisch« Operette oder Vesser ein« Spiele per im spät-lortzingschen Sttl. Im Herbst schon wu.de di« gleiche Operette von Berlin ausgegraben: Man ar­beitete sie gründlich um, man nuotrnlfierte sie, man strichetnen großen Teil der Walzer unb breitangeteg« len Märsche, man verzotete den Dialog, man ließ der Operette kaum noch das Gerippe. Uno das alles, weil man es für unmöglich hielt, daß eine fast fünf­zig Jahre alte Operette noch zu ertragen wäre. Von Slezat geführt hielt sieb die Inszenierung; daß sie nicht zu einem großen Erfolg wurde, ft ob inan aus die restliche Musik Millöckers, die doch nicht mehr yt zünden vermochte.

Aber nun kommt das Wunder: Die Dresdener Oper wagie es, die gleiche Operette in der Originalsassung von 1884 auszusühtt», unb siehe auf einmal war die Operette »ich: nur sehr gut zu ertragen, zündete nicht nur dre Musik Millöckers wieder, kam nicht nur eine Stimmung auf, wie man sie so gut von alten Operetten her «nnt. sondern diese alte Operette wur- de in der Originalfassung zu einem Erfolg, wie man ihn sich gar nicht besser wünschen kann.

E« ist kaum anzunehmen, daß allein die größere Ralviiät des Drecdener Opernpubllkums den Erfolg criHrt, es ist vielmehr anzunchmen. daß er eine ganz unn gar irrig: Meinung Ist, zu glauben, klassische Ope­rette» könnten nicht mehr' ^bearbeitet ausgeführt

werden, zu glauben, die behaglich bicdermeierfche Mu­sik Millöckers wäre ohne Reize für uns. Die Dres­dener Äuffichrungen desPrinz Methusalem" von Strauß und letzt desGasparone" von Millöcker be­weisen Has Gegenteil. Mair empfand eine schmun- zrlnide Freude bei der Musik mit ihren groß aufge» bauten Ensembles und Finales, man ließ sich gern von den formschönen Duetten blenden und man be» hielt immer Respekt vor der funkelnden Instrumen­tierung dieser sauberen, gediegenen, ganz und gar an­spruchslosen Musik. Die ganz auf das Farbige ein­gestellten Bühnenbilder und Trachten, die netten, wenn auch sehr einiallsarmen Ballette hielten sich unter der spritzigen Spielleitung StäsgemannS ganz im Rahmen der klassischen Operette, so daß eine schö­ne, in sich geschlossene Aufsührnna zustanoe kam. Das einzige, was Man sich noch wünschte, war eine tem­peramentvoll« Stabführung, denn »le Rutzschbach« war viel zu nüchtern, so vatz ein guter Teil des Eharms der Musik verloren ging. A. A. Kuhnert.

Kritische Weisheit aus zwei Jahrhunderten

Gesammelt von Dr. Fritz Stege.

Wer stark und richtig denkt und lebt, der schreibt auch stark und ttchsigi (Mattheson, 1750).

Wir sind fest Versichert, eine billige und gegrün­dete Kvftik lst ein unentbehrliches Amt in der ge­lehrten Welt. (Haller, 1787).

Eine vernünftige Kritik übet Wette des Geistes Ist immer viel Dantes wert, weil sie de» Künstler bessert und 6le Kunst vollkommener macht. (Anony- mnS 1779)

Der Zustand der schönen Wissenschaften bei uns maa nun sein, wi« er wolle, so ist es gewiß, daß die genaueste Kritik uns unentbehrlich ist wenn man von deutschen Genies Werke erwarten soll, Me der Achtung der NachwÄt würdig sind. (Ft. Nicolai, 1755).

Es ist wahr, bte Kritik tut ber Eigenliebe vcs Verfassers wehe. AVer sie ist wie ein aufrichtiger sircund, dessen Tadel viel nützlicher als das Heu­cheln eines Schmeichler« Ist. Der emsige Weg. feine

Fehler zu verbessern, ist, sie kennen zu lernen. (Hal­ler, 1787). ;

Gin Mit Recht getadelter Komponist follte sich nie- nnKS bie Entscheidung anmaßen, ob der Tadel recht abgsfaßt fei oder nicht. Er follte allemal glauben, daß man ihm nod) eine Menge Fehler übersehen hab«. (Fr. Wilh, Marpurg, 1757).

Man muß ein« gewiss« Art von Verdienst an sich baden, wenn man der Kritik ernsthafter Kunstlichter würvia fern soll. (Bodmer, 1740).

Ueberdem ist nur derjenige Kunst richtet rechter Art, der ohne Ansehen der Personen lobet, was gut ist, es mag hersein, wo cs will, unb seine bescheidene Meinung über Unvollkomntenbeftsn wicht ver­schweigt, wenn er st« gleich auch bei großen Leuten gesunden hätte. (Marpurg. 1750).

(An Thealerkritiker.) Wollt Ihr Gewinn für die Kunst, dürft Ayr nicht witzeln, nicht höhnen, niemals hat Bitterkeit noch niemals der Spo.'t noch bekehrt! Aber wir machen'« pikant, uns lachen werden die Leser!" Ei, wer bte Peitsche gebrauch:, ist auch der Peitsche nur wen! (Eingesandt an die Bossische Zeitung, 28. 1. ISIS).

Eher soll man nicht urteilen, ehe man eilt Stück nicht in feiner vollkommensten Ausführung sich den­ken kann, oder es so gehört hat. (Roben Schumann).

Eine Stritt!, welche nur Bewunderung für das Alte hat und nicht auch den Mut der Anerkennung für das Neue, untergräbi die Produkrion. (Eduard Hanslick). ,

Die Kritik foll den Schatten zum Höheren Glanze der Lichtpartien der Kunst geben. Sie soll der srucht- anbahnende Pslng fein, der bte Furchen bes Geistes lodert, um die Saaten bineinftreuen zu können aus denen sich goldene Ernten erheben. (Frz. Lifzt).

Ministerpräsident Mussolini richtete an den Genc rallnteNdan.en bc8 Teu'schen National.Heaters in 23c.mat, Dr. Fran; Ulbrich, anläßlich der Uraussüh- rung feines SchauspielesCampo di Maggio" (Hun­dert Tage) folgendes Telegramm:Wir empfingen aufs herzlichste Ihren Gruß unb sind zu Dank ver­pflichtet über den Erfolg von(Sampo bi Maggio" i» der Stadt der Dichter.