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Nummer 30*

Freitag, 5. Februar 1932

22. Jahrgang

Wieder Gerüchte über Kabinettsumbildung

Oer Kanzler denkt nicht an freiwilligen Rücktritt / Gröners Gutachten zu den Frick-planen / Erfolglose japanische Angriffe

zur Präsidentenwahl

0N unserer Berliner Schristleitung).

Vorgefechte

(B

th Berlin, 5. Februar.

Die Erörterungen über eine evtl. Regierungs­umbildung im Zusammenhang mit der Neuwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg, nehmen in Berlin ihren Fortgang, und es treten dabei auffallende neue Momente hervor. Nachdem feststeht, daß der Reichspräsident nicht gesonnen ist, den Kanzler zum Rücktritt zu bewegen, um damit die Stimmen der Rechten für sich zu gewinnen, sind jetzt Bemühungen rechtsstehender oppositioneller Kreise im Gange, den Kanzler zum freiwilligen Rücktritt zu ver-

2Z7000 Eintragungen

Rach einer Mitteilung des Hindenburg-Ausschusses haben sich nach den bisherigen, allerdings sehr lücken­haften Feststellungen am Mittwoch und Donnerstag zusammen rund 277 000 Wähler für die Kandidatur Hindenburg eingetragen, davon in Berlin 63 000. Die Eintragungen vom Donnerstag waren erheblich größer als die vom Mittwoch.

*

Wer die Kandidatur Hindenburgs zur Reichsprä- si^entenwahl befürwortet, zeichne sich :d die Listen rin, die in der H a up t g c sch ä s t Sfte l lc derK ak se - lcrReue st en Nachrichte n" ausliegen. Die Ge­schäftsstelle ist von y2% Uhr vormittags bis y=7 Uhr abends geöffnet.

anlassen, um damit den Weg zu einem nach rechts orientierten Kabinett frei zu bekommen und somit den Deutschnationalen denjenigen Preis zu zahlen, den sie für eine Stimmenabgabe für Hindenburg verlangen. Bis jetzt liegen noch keine Anzeichen dafür vor, daß der Kanzler gesonnen sei, auf derartige Bemühungen ein- zugehen; immerüin ist es aber bezeichnend, daß in mnem Teile der Preffr in Erwägung gezogen wird, Dr. Brüning könnte evtl, derartigen Vorstellungen doch Ge­hör schenken. Allerdings wird das politische Ziel, das der Kanzler dabei im Auge haben könnte, nämlich die Sicherung einer Wiederwahl Hindenburgs, doch kaum erreicht werden können, weil eine Kabinettsumbildung nach rechts sofort die bisher hinter Brüning stehenden Kreise der Linken in die Opposition treiben würpe.

Von der Aufstellung eines deutschnationalen Ge­genkandidaten ist in der letzten Zeit nicht mehr die Rede gewesen, und die ursprüngliche Absicht, den frühe­ren deutschen Kronprinzen als Kandidaten für die Reichsprästdentenwahl aufzustellen, ist offenbar wieder fallen gelassen worden. Es wurde schon früher darauf hingewiesen, daß diese Absicht im wesentlichen von taktischen Motiven bestimmt war, und daß es nicht zu einer eigentlichen Wahl des Kronprinzen kommen sollte.

Zusammenkunft Brünings

mit dem Kronprinzen

Inzwischen wird bekannt, daß am Dienstag eine Zusammenkunft des Reichskanz­lers Dr. Brüning mit deui früheren deut- scheu Kronprinz stattgefund-n hat und zwar bei einem Frühstück bei Herrn von Schleicher, bei dem der Kanzler und der Kronprinz zu Gaste waren. Bon amtlicher Seite wird die Tatsache dieser Zusam menkunft nicht in Abrede gestellt. Es wird daran le­diglich die Erklärung geknüpft, daß bei dieser Zusam­menkunft keine Politischen Verhandlungen geführt worden seien. Diese amtliche Feststellung dürfte wohl rein formalen Charakter tragen, denn die Ziele einer derartigen Zusammenkunft müssen sclbswerständlich politische gewesen sein. Etwas anderes ist es freilich, wenn dasBerliner Tageblatt" behauptet, das Ziel dieser Zusammenkunft sei gewesen, den Kronprinzen von der Annahme einer Kandidatur abzuhalten. Diese Auffassung ist zweifülos nicht richtig, denn am letzten Dienstag war die Kandidatur des Kronprinzen bereits nicht mehr aktuell. Bon deutschnatio- naler Seite scheint allerdings beabsichtigt zu sein, evtl, für die Kandidatur Hindenburgs einzutreten, allerdings in Verbindung mit dem Wunsche, daß das Rcichskabinett unter deutschnationalc Führung gestellt wird.

Anders ist «die Sachlage bei denRationalsozialisten, wo noch völlige Ungewißheit darüber besteht, ob eine Kandidatur Hitlers ausgestellt wird. Daß Hitler zum Awecke einer Kandidatur für die Reichspräsidemen- Wahl durchaus die Möglichkeit hätte, die deutsche Staatsangehörigkeit sofort zu erwerben, steht außer Zweifel. Es fragt sich nur, ob er von die­ser Möglichkeit Gebrauch machen will.

Der Kanzler wird von morgen Sonnabend bis Dienstag von Berlin abwesend sein, weil er an der Eröffnung der Generaldebatte auf der Abrüstungskonferenz in Genf teilnehmen will Aber am Mittwoch wird er bereits wieder in Berlin Eintreffen, und es ist anzunehmen, daß in der oben erwähnten Frage einer Umbildung des Kabinetts, fehr bald Klarheit gefckmffen wird.

Gröners Gutachten

Das R e i ch s i n n e n m i n i ft e r i u m hat die Prüfung der von der thüringischen Regierung einge­reichten Unterlagen über die seinerzeit vom thüringi­schen Minister Dr. Frick geplante Beamtenernen­nung und Einbürgerung Adolf Hitlers in­zwischen geprüft. Man ist dabei dem Vernehmen nach zu der Auffassung gelangt, daß ein Vertragsabschluß, wie er von Dr. Frick seinerzeit mit Hitler geplant war, wie er aber auf Grund der Absage Hitlers nicht zustande kam, rechtsungültig gewesen sein würde. Es würde sich, falls Minister Frick die Urkunde vollzogen

Neupork, 5. Februar.

Hcrald Tribüne" befaßt sich in ihrem Finanzteil mit der Prolongation des 10 0 - M i l l i o n e n- Dollar-Kredites an die Reichsbank. Das Blatt glaubt, daß die Art und Weise, in der der Kredit ver­längert wird, einen Rückschritt bedeute. Da die Ver­längerung nur auf 30 Tage erfolgt, so scheinen die Gläubigerbanken aus die Initiative der Bank von Frankreich hin zu der alten Methode desvon der Hand in den Mundlebens" zurückzukehren. Dadurch werde, so heißt es weiter, dieser Kredit zueinem politischen Instrument, das die Bank von Frankreich wie ein Damoklesschwert über der Reichs­bank schweben lassen könne. Inzwischen sei das Still­halteabkommen über die Privatkredite gefährdet, des­sen Bestand von dem des Zentralbankkredits abhänge, und die Ungewißheit in der Finanzwelt werde wei­terhin vermehrt.

In anderen Ländern werde der Wunsch immer stärker, daß die Reichsbank ein Arrangement treffe, um den Kredit der Bank von Frankreich im nächsten Monat a b d e ck e n zu können. In diesem Zusammenhänge wird hier darauf hingewiesen, daß die Mittel zur Uebernahme des Kreditanteils der Bank von Frankreich vorhanden seien, da ja das Kapital der BIZ. nur zu 25 Prozent eingezahlt wor­den sei.

Frankreich lügt weiter

Paris, 5. Februar.

Der HaupLerichterstatter des Heeresausschusses der Kammer, Bouilloux-Lafont, hat im Büro der Kammer seinen Bericht abgeLefert DerMalin" veröffen bicht aus dem Bericht u. a. folgendes über die angeblichen deutschen Eeheimrüstungen:

Deutschland habe niemals aufgehört, die Verträge auf alle mögliche Art zu umgehen. Deutschland ver­füge über geheime Rüstungen, die größtenteils aus den allen Kriegslagern stammten. Außerdem sei die Herstellung von Waffen in einer ganzen Zahl von Fabriken wieder ausgenommen worden. Die chemi­schen Industrie bereite sich auf einen chemi'chn Krieg vor. Die Firma Hoinkel baue regelrechte Typen von Jagd- und Aufklärungsflugzeugen. Junkers und Dornier bauten im Auslände Militärflugzeuge. Die Dornier-Wale und -Superwale, wieR 35",K 47" feien dafür der überzeugendste Beweis.

Ter Heereshaushalt gebe dem Reich die Möglich­keit, eine halbe Million Gewehre oder Schnellfeuer­gewehre, 1250 Kanonen, 15 000 Maschinengewehre und 1300 Flammenwerfer zu bauen (??). Das Reich sei außerdem an verschiedenen Bankunternehmungen beteiligt und habe sich so G e h e i m g u e l l e n ge­schaffen.

Das gleiche Ziel verfolge Deutschland durch seine Beteiligung an gewissen Jndustrieunternehmungen auch im Auslande. Builloux-Lafont meint zwar, daß die Beteiligung deutscher Firmenn ausländischen nicht im Widerspruch zum Wortlaut der Verträge stehe, wohl aber zu ihrem Geist. Wenn man dieser materiellen Rüstung die moralische zur Seite stelle, so komme man zu der Schlußfolgerung, daß, wenn man

hätte, um eine Scheinernennung gehandelt haben, da weder der Ernennende, noch der Ernannte die Absicht gehabt hätten, die Beamteneigenschaft herzustellen.

Attentat auf den norwegischen Kriegsminister

Oslo, 5. Februar.

Auf den norwegischen Kriegsaninister Q u i f f i n g ist ein Anschlag verübt worden, der glücklicherweise ohne ernstere Folgen blieb. Wie erst jetzt bekannt wird, wurde der Minister, als er am Dienstag gegen Abend einen dunklen Raum im Ministerium betrat, von zwei Männern überfallen. Einer der Angreifer ver­suchte dem Minister ein Messer in die Brust zu stoßen, währens der andere ihm Pfeffer in die Augen warf. Dem Minister gelang es jedoch, die Angreifer abzn- wehren, die darauf die Flucht ergriffen. Ernstere Verletzungen hat der Minister nicht davongetragen. Für die Ergreifung der Täter hat die Polizei etne Belohnung von 5000 Kronen ausgesetzt. Man ver­mutet, daß es sich um einen politischen Anschlag han­delt. Der Minister war früher als Gehilfe Nansens mehrere Jahre in Rußland tätig und soll damals den Kommunisten nahegestanden haben. Als er sich dann später entschieden von den Kommunisten trennte, soll er sich deren Hatz zugezogen haben.

in Genf einem Staate die Ab r ü st u n g a u f z w i n - gen wolle, dies nur Deutschland sein dürfe (!).

Trotz Flugzeug­

bomben und 15 mm Granaten

Erfolglose Angriffe der Japaner.

Schanghai, 5. Februar.

Der japanische Angriff, der bis in die frühen Mor­genstunden des Freitag dauerte, ist erfolglos geblieben obwohl die Japaner die chinesischen Stellungen unauf­hörlich mit Flugzeugbomben und 15 Zentimeter-Ge­schützen bombardierten. Es gelang den Japanern le­diglich an einer Stelle die Eisenbahnlinie nach Wu- funfl zu überschreiten. Die beiden japanischen Kom­pagnien, die von den Chnesen umzingelt worden waren, tonnten durch japanisches Artilleriefeuer, das die Chinesen vertrieb, wieder befreit werden.

Nach Mitternacht begannen die Japaner einen neuen erbitterten Angriff auf den Nordbahnhof, der jedoch fehl schlug. Es kam zu verschiedenen Nah­kämpfen in den Straßen, bei denen jedoch die Japa­ner den kürzeren zogen.

An den Kämpfen beteiligten sich auf chinesischer Seite auch Frauen,

die aus den Häusern stürzten und die Gewehre der gefallenen Soldaten aufnahmen. Die Japaner geben die Verluste auf 8 Tote und 27 Verwundete an, wäh­rend die Chinesen insgesamt auf 1000 Tote und Ver­wundete verloren haben.

Durch Flugzeugbomben wurden am Donnerstag verschiedene Telephonkabel nach auswärts zerstört uno Schanghai ist zurzeit nur noch durch die Funk­station und ein Kabel mit der Außenwelt verbunden. Auch die Kraftstatton und die Wasserwerke von Tscha- pei wurden durch die Beschießung stark beschädigt.

Die Wusung-Forts sind von den Japanern bis jetzt noch nicht besetu worden.

Durch japanische Brandbomben kamen auch innerhalb der internationalen Niederlassung verschiedene Brän­de zum Ausbruch, die jedoch durch die Feuerwehr wie­der gelöscht werden konnten.

Am Donnerstag haben die meisten chinesischen Banken ihreTorewiedergöfsnet,

*

Der erste chinesisch-japanische Luftkampf.

London, 5. Februar. Zwischen zwei chinesischen Flugzeugen und sechs japanischen Bombenfliegern ist es zu einem Kampf gekommen, in dessen Verlauf eine japanische Maschine abstürzte. Da­zu meldet Reuter, daß die Chinesen bisher den japa­nischen Luftangrifsen beinahe wehrlos gegenüberge- standen hatten. Dieser erste Zusammenstoß in der Luft werde sich vielleicht als Einleitung großer Luft­gefechte über der Niederlassung berausstellen. Denn es verlaute, daß heute vormittag aus Nanking 18 chinesische Flugzeuge «ingeckroffen sind, deren Besatzung äußerst kampflustig sei.

Ernste Entscheidungen

VonunscrerBerlinerSchriftleitung.

Die Zeit drängt, aber die Unklarheit der politi­schen Lage will sich noch nicht entwirren. Die Neu­wahl des Reichspräsidenten, der innerpolitische Kurs in seiner Gesamtheit und schwerwiegende außenpoliti­sche Entschlüsse stehen zur Debatte, und noch weiß man auch in gutunterrichteten Kreisen in der Reichs- Hauptstadt nicht, wie diese überragend wichtigen Pro­bleme gelöst h)t-ben sollen. Die Eintragungen für die Wiederwahl des Reichspräsi­denten von Hindenburg sind int ganzen Reiche im Gange. Die ersten Ergebnisse entsprechen durchaus der Erwartung, daß die notwendige Stim- menzahl sofort um ein Vielfaches überschritten wer­den würde. Wenn diese Aktion in den nächsten Tagen einen vollen Erfolg hat, so besteht begründete Aus­sicht, daß der Reichspräsident die Bitte erfüllt, die dann im Sinne der Annahme einer neuen Kandidatur an ihn gerichtet werden wird.

Bis jetzt ist von ernsthaften Gegenkandidaten noch nicht die Rede, aber es ist sehr fraglich, ob dieser Zustand anhält, und ob Hindenburg daraufhin mit gewaltiger Mehrheit wieder zum Reichspräsidenten gewählt wird. Vor allem wartet man auf die Ent­schließung der nationalsozialistischen Par­teileitung; die Frage einer Kandidatur Hitlers muß selbstverständlich aufgrund rein politischer Er­wägungen beurteilt werden. Mit dem Intermezzo von Hildburghausen soll mau sich nicht ungebührlich lange aushalten. Die deutsche Smatsbürgerschajt kanv. Hitler, wenn er will, binnen kürzester Frist auf regw lärent Wege erwerben. Er braucht dazu keine Umwege von der Art, wie sie fein Parteifreund Dr. Frick ein- geschlagen hat. Gerade daraus, ob Hitler jetzt noch einen Einbürgerungsantrag stellen wird, wird man entnehmen können, ob es ihm mit der Bewerbung um die Präsidentschaft ernst ist. Ebensowenig wie man ihn mit dem Vorwand der mangelnden deutschen Staatsangehörigkeit von einer Kandidatur fernhalteü darf, ebensowenig darf sich der Führer der zweitgröß­ten deutschen. Partei hinter diesen formalen Einwand zurückziehen. Es mutz vermieden werden, daß die Nationalsozialisten nach einer Wiederwahl Hinden­burgs behaupten können, daß eigentlich Hitler Reichs- präsidnt sein müßte, wenn man ihn nicht mit bureau- kratischen Mitteln von der Kandidatur serngehalten hätte. Wenn sich Hitler auf dem allein möglichen Wege über eine reguläre Einbürgerung zur Kandida­tur für die Reichspräsidentschaft meldet, weiß er, daß er mit großen Schwierigkeiten zu rechnen hat. Aus die Harzburger Front kann er sich nicht verlassen, denn die Deutschnationalen verfolgen andere Ziele als ej, und mit dem Stahlhelm besteht ebenfalls kein sonder­lich freundschaftliches Verhältnis. Natürlich würde aber bei einer Kandidatur Hitler zum mindesten der Ausgang des ersten Wahlganges unsicher sein, denn dabei ist es notwendig, die absolute Majorität aller Stimmen zu gewinnen, und ebenso ist es zweifelhaft, ob Hindenburg gesonnen ist, sich int zweiten Wahl­gang auf eine Stichwahl einzülassen.

Ein neues Moment in den Erörterungen über die Präsidentenwahl ist durch die Verknüpfung dieses Problems mit der Kabinettsfrage gegeben. Diese Ver- ndung, die einen taktischen Schachzug erster Ord­nung darstellt, wird vor allem von den Deutsch- nationalen angestrebt. Ihnen geht es offenbar darum, eine entfcheidende Auseinanderfetzung zwi- fchen rechts und links in Deutschland bcrbeizusühren, und sie glauben anscheinend, daß die Präsidentenwahl den richtigen Ausgangspunkt für einen innerpoliti- chen Umschwung abgeben könne. Auch hier liegt noch sehr vieles im Dunkeln, und die Entscheidung ist noch nicht für die nächsten Tage zu erwarten, obwohl man in einer derartigen Situation immer auf Ueber- raschungen gefaßt sein muß. Noch wird der Kanzler am Sonnabend nach Genf fahren, aber er wird nach wenigen Tagen bereits wieder in Berlin eintreffen, denn er weiß, daß gegenwärtig recht beachtliche Kräfte am Werke sind, die seine Position in zäher zielbe­wußter Arbeit angreifen. Man erinnert sich, daß aus der Harzburger Tagung sowohl von Hugenberg wie von Hitler jeder Gedanke eines Kompromisses zwi­schen rechts und links abgelehnt wurde, und daß mau dort eine klare Entscheidung zwischen diesen beiden Gruppen als die nächste innerpolitische Aufgabe an­sprach, selbstverständlich mit dem Ziele, nunmehr die Macht selbst zu ergreifen. Hugenberg hat früher ein­mal andere Pläne verfolgt und das Ziel seiner Wünsche war in erster Linie in Preußen zu suchen. Das scheint sich gegenwärtig geändert zu haben, und im Zusammenhang mit der Reichspräsidentenwahl ist auf deutschnationaler Seite eine gewisse Neigung fest­zustellen, für Hindenburg und nicht für Hitler einzu­treten, falls den Deutschnationalen bei einer Umbil- dung des Kabinetts entscheidender Einfluß auf die Rcichsregierung eingeräumt wird.

Der Kampf gegen das Kabinett Brü- ist bei den Oppositionsparteien der Rechte«

Kredite als politische Kampfmittel

Eigener Drahtbericht.