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Kasseler Neueste Nachrichten
Mittwoch, 3. Februar 1932
XIV.
Karikatur des Tages
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(Ende.)
Die heutige Ammer umW 10 Seite»
er es,
sen aefährlil
Eine Folge des milden Winters: in der Pfalz, am Rand der Haardt, blühen schon die Mandelbäume.
Die Familie Vanderbilt soll infolge der Kursstürze an der Wertpapierbörse im vergangenen Jahr an ihren Eisenbahnaltien allein rund 175 Millionen RM. verloren haben. Schön, wenn man so viel zu verlieren hat, ohne arm zu werden.
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Der berühmte Sänger Feodor Schaljapin hat nach beinahe fünfjähriger Verbannung seinen Frieden mit der Sowjetregierung gemacht und die Erlaubnis erhalten, zurückzukehren; auch hat man ihm erlaubt,
. . . finden in Paris Unruhen statt. Eine Verschwörung gegen die bestehende Regierung wird Während der Nacht im letzten Augenblick aufgedeckt und unterdrückt.
wieder seinen früheren Titel „Sänger d-s Volkes" zu führen. *
Aus der Insel Java in Niederländisch-Jnpien ist die Pest ausaebrochen In einer Ortschaft in Rord- west-Java sind 18 Menschen daran gestorben, auch m der Umgebung der Stadt Surabaja sind Pestfälle zu verzeichnen.
*
Beim nächtlichen Brand eines Kaffeehauses im Haag kamen drei Hausbewohner um, darunter das 16jährige Dienstmädchen Lina Holtmann aus Ober Hausen. Man fand ihre Leiche mit dem zweijährigen Töchterchen dos Hauseigentümers, das sie fest um- tlammert hielt und hatte retten wollen.
3 Februar 1832.
. . . soll in England, Wo es schon lang« Gesetze gibt, die es verbieten, die Diere zu quälen, nun auch ein gleiches für die Menschen geschehen. Im Parlament wird ein Antrag eingebracht, die Arbeitszeit von Erwachsenen, vor allem aber auch von Kindern zu beschränken. Kircher müssen oft 16 Stunden des Tages arbeiten.
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. . . schätzt eine amtliche Gesamtstatistik die Zahl der an der Cholera in Preußen Verstorbenen auf etwa 31OOO.
ABR.ÜSTU/V6S
Nach zehn Jahren Llnierwelt Freiheit!
. . . bemerkt «m Berliner Blatt in einer Theaterkritik: „Diese Oper wird als Spectacelstück schon ihr Publikum finden, zumal da jetzt Räuber-, Geister- und Teufels-Spuk an der Tagesordnung auf der Bühne sind.
HEUTE
VOR HUNDERT JAHREN
Klein- Nachrichten
Eine Luftpanne erlitt Professor Junkers mit seinem Schwiegersohn aus einem Flug von Dessau nach Berlin infolge plötzlich auftretenden dichten Bodennebels; sie mußten sich entschließen, bei einem Vorort Berlins eine Notlandung vorzunehmen, wobei sich die Maschine, ohne daß den Insassen etwas geschah, auf den Kopf stellte.
Tyeorl« und Praxis.
Generalstabs. Dort hat er die Spionageleitung auf Mata Hari aufmerksam gemacht und so die Tragödie der Tänzerin ins Rollen gebracht. Bon seinem eigenen Opfer aber seltsam gefesselt, beschloß er nach deren Erschießung, sein Leben der Sühne dieses Verbrechens zu weihen. Er schlug sich nach Antwerpen durch und arbeitete dort bei Mademoiselle Docteur, der legendären deutschen Meisterspionin. Nach Kriegsende verhafteten ihn die Franzosen und steckten ihn ins Zuchtbaus von Lille. Dort ist er ausgebrochen und hielt sich als Schiffskpch in fremden Meeren und fremhen Erdteilen verborgen. Nach der großen Amnestie wagte nach Frankreich zurückzukehren. Ihn aber, die- fährlichsten aller deutschen Agenten,' haben sie
Der Boche macht Karriere
Der Boche macht Karriere. Soweit man in Clairvaux Karriere machen kann. Das Leben bleibt das gleiche, Tag für Tag, achteinhalb Jahre lang, achteinhalb Jahre im sozusagen tiefsten Frieden. Vom Schlassaal gehl es in die Fabrik, dann zum Spaziergang in den Hof, wieder in die Fabrik und wieder in den Ichlafsaal. Fällt ihm einmal eine Zeitung in die Hand, so ist das schon ein großer Glückssall. Im übrigen bedeulet den Inbegriff des Lebensgenusses das heimliche Rauchen. Das Zuchthaus hat seine eigene Binnenwährung: den Tabak. Für eine Zigarette gibt es zwei Viertel Wein und für einen so ausgezelchneten Buchhalter wie den Legionär Henrv Frankeilberg, zu deutsch Heinrich Füchter, zwei Bäckchen Tabak in der Woche, die der menschenfreundliche Herr Jauffre in eine Ecke legt, wo Füchter sie bestimmt finden muß. Auch von den Aufsehern kann man Tabak haben, wenn auch nicht aus ähnlichen menschenfreundlichen Motiven, sondern gegen entsprechende Bestechungssummen.
Zwei Jahre lang arbeitet Füchter als Magazinbuchhalter. Er hat Buchhaltung und inneren Betrieb der Fabrik ganz nach deutschem Muster umgestellt. Sein Einkommen steigt von fünf Francs täglich auf zwölf Francs, die Hälfte allerdings nimmt der französische Staat den Gefangenen weg. Es ist eine unmenschliche Steuer. 1925 macht sich Herr Jauffrs selbständig. Er gründet, auch auf dem Terrain des Zuchthauses, eine eigene Möbelfabrik. Den Boche Heinrich Füchter nimmt er als Geschäftsleiter nut Die Fabrik wird vollständig neu eingerichtet und zwar mit lauter deutschen Maschinen. So kann ein Zuchthäusler für die Hebung des deutschen Jndustrie- exportes wirken. Es ist übrigens das letzte Jahr seines privaten Wirkens. 1926 fordert die Gefängnis- direktion den Derentionär Füchter, von dessen kaufmännischem Genie allmählich ganz Clairvaux spricht, für ihre eigene Verwendung an. So wird er unter dem Titel Hauptbuchhalter der Maison Centrale der eigentliche Leiter der Verwaltung. Dreißig Verwaltungsbeamte sind ihm untergeordnet. Man schneidert ihm eine bunt gallonierte Uniform, halb Sträflingskleid, halb pomphafte Montur des Militärbeamten. Die Bezahlung in diesem seltsamen Staatsdienst ist schlechter als bei Herrn Jauffre, dafür erhält er einen Liter Wei» täglich und kein Aufseher wird es mehr wagen, ihn anzuschnauzen.
9hm kann er endlich für seine deutschen Schicksalsgefährten etwas tun. Alle Strafakten sind ihm zugänglich. Manchmal kann er sie sogar ergänzen, ost ist es seine Aufgabe, dem Direktor Vorschläge zu erstatten und immer wieder erfüllt er seine Pflicht, für das Los der Leidensgenossen sich einzusetzen. Zu ihm kommt jeder mit seinen Klagen und so weit hat er es gebracht, daß er sich tyrannische Aufseher und Unterbeamte mal vornehmen kann und mit einem Donnerwetter dreinfahren, wenn einem ehemaligen Legionär oder eine anderen deutschen Gefangenen Unrecht geschieht. Das Los der Deutschen in Clairvaux ist etwas menschenwürdiger geworden.
XVI.
gingen.
Der Freundchen- und Cliquenwirtschaft in den Vorzimmern der Pariser Aintsräume gelingt indes, was allen diplomatischen Versuchen während zehn Jahren deutsch-französischer Verhandlungen versagt geblieben war. Das Kriegsministerium fordert die Leitung von Clairvaux auf, ein Gnadengesuch für den Häftling Füchter unter Bezugnahme aus dessen ausgezeichnete Führung in der Haft einzureichen. Das geschieht. Am 12. September i929 teilt der Direktor dem Füchter mit, daß die letzt?» sechs«',,.halb Jahre Strafe ihm erlassen seien. Zugleich beschwört er ihn händeringend. Clairvaux doch mcht za verlassen. Hier hätte er doch nun eine neue Heimat gesunden. Ob er nicht als Zivilangestellter weiter die Geschäfte der Verwaltung leiten möchte. In französischen Diensten würde es ihm ja viel besser gehen, als in der Unsicherheit der deutschen Heimat.
Nein. Füchter hat den französischen Dienst länger als zehn unendlich lange Jahre hindurch von innen kennen gelernt. Er hat nur noch eine Sehnsucht und ein Ziel im Leben. Deutsch!uw heißt die Sehnsucht, Deutschland heißt das Ziel. Allgemeines Abschiedneb- men, Händeschütteln, große Szene der Rührung. Begleitet von einem Haufen von Freunden und Kameraden tritt Füchter zum Zuchtyanstor hinaus, oas sich knarrend vor ihm öffnet.
9118 er zum ersten Male über eine belebt: Straße geht, stockt er, gelähmt fast und wie geblendet. Zehn Jahre Unterwelt haben ihn nicht erschreckt. Aber nun schreckt er vor jedem Auto zurück und vor jeder klin- gelnden Straßenbahn. Auch die Freiheit ist eine Kunst, die erlernt fein will.
Eines Tages teilen sie ihm einen neuen Hilfsbuchhalter zu. Einen Franzosen, Mathematikprosessor seines Zeichens, der Jean Baptiste Chambrial heißt. Dieser Mann hat ent seltsames Schicksal. 1916 als Leutnant eingezogen, weigert er sich, gegen Deutschland, das er als Gelehrter tief zu achten und zu schätzen erklärte, hie Waffen zu erheben. I» Zivil reift er über die spanische Grenze nach San «ebastia», ließ Frau und Kind nachkommen und lebte auf neutra» lern Boden als Hühnerzüchter und Philosoph. Professor Chambrial entstammt einer einflußreichen Pari-
Abrnieuer im Gefängnishof
Füchter wird dem Betrieb her Holzfabrik Sociste Anonyme Krug fils & Co. zugeteilt die auf dem Ge- fängnisgelände eine eigene große Werkstatt unterhielt. Dort empfängt ibn der Fabriksdirektor Jauffrs, der später Bürgermeister von Clairvaux wird und heute als Fabrikant in Paris lebt. „Sie sind Deutscher?" begrüßt er ihn. „Wie lange dauert Ihre Strafe?"
„Roch fünfzehn Jahre!" erwidert Füchter. „Ausge- zeichnet! Einen Deutschen kann ich fünfzehn Jahre lang gebrauchen!"
Er wird Magazinbuchhalter. Mit der Arbeit soll er sofort beginnen. Monsieur Pierre Durant, der Pri- vatfekretär des Firmenleiters, führt ihn in feinen neuen Aufgabenkreis ein. Auch dieser Pierre Durant ist Gefangener. Zwanzig Jahre Detention, weil er während 6er Kriegszeit als Kaufmann in Lille deutsche Kriegsanleihe gezeichnet hat und angeblich sogar den deutschen Spitälern Wein lieferte. Solche „unerlaubte Beziehungen" aber reichten durchaus für eine lebenslängliche Verurteilung wegen „intelligence avec l'ennemie", Einverständnis mit dem Feind. Damals — man muß immer bedenken, daß der Krieg schon jahrelang vorbei war — saßen ein großer Teil der Gefangenen von Clairvaux wegen des Verbrechens, im Einverständnis mit dem Feind gewesen zu sein. Zahlreiche Dorfbürgermeister aus den ehemals besetzten französischen Gebieten waren darunter, die sich dienstlich den Anordnungen der deutschen Truppen hatten fügen müssen. Außerordentlich groß war die Zahl der auf anonyme Denunziation hin Verurteilten, sei es auch bloß, weil sic während der Kriegsjahre mit dm Angehörigen der deutschen Okkupationsarmee gesprochen hatten.
In der halben Stunde gemeinsamen Spazier- tzangs lernten die Gefangene» einander kennen. Da war der weißhaarige Gaston Cuien, der Miß Edith Covell, die englische Krankenpflegerin und Spionin, dem deutsche» Generalkommando in Brüssel angezeigt hat. Er ist auf lebenslänglich verurteilt und weiß, daß er niemals begnadigt wird. Dan» der Doppelspion Raymond Corbeau, der zugleich im französischen und dmtschen Dienst gearbeitet hat. Dann der deutsche Legionär Michael Hohlfelder aus Bamberg, der bei Kriegsbeginn schon zehn Jahre in der Legion gedient hatte und'vom französischen Gesetz darum als französischer Staatsbürger behandelt wurde. 1917 wurde er einem Regiment in Saloniki zugeteilt. Er aber verweigerte den Kriegsdienst gegen das deutsche Vaterland. Im Zuchthaus von Clairvaux verfiel er in Trübsinn und starb, ein hinfälliger Greis von sechsunddreißig Jahren. Joseph Francois Hofmann, Bildhauer aus Mülhausen im Elsaß, hatte zwanzig Jahre Zuchthaus, weil er angeblich während der Kriegszeit in Bern in Beziehungen zur dortigen deutschen Gesandtschaft gestanden haben soll. Von ihm stammt das Wort: „Was den Deutschen in fünfunddreißig Jahren nicht gelungen ist, nämlich das Elsaß zu germanisieren, habm di« Franzosen schon im ersten halben Jahr ihrer Herrschaft fertig gebracht." Der interessantesten einer war der Belgier Coutsteur. Groß gewachsen, bwnd, der richtige flämische Typ. Der alte Familienname Kutscher war von dem chauvinistischen Vater des Zuchthäuslers französiert worden. Dieser selbst arbeitete z» Kriegsbeginn, kaum zwanzig Jahre alt, im berüchtigten Zweiten Büro des Pariser
ser Familie: seine nächsten Verwandten sind Generäle, hohe Staatsbeamte und Senatoren Einer von diesen, fein Vetter Chaffaing, Mitglied des Senats, bewog ihn 1926 zur Rückkehr, da längst eine Amnestie ergangen und das Verbrechen der Waffenverweigerung gesühnt war. Dennoch wurde Professor Chambrial schon auf der französischen Grenzstation verhaktet und zu dreijährigem Slrasdienst als Soldat zweiter Klasse verurteilt. Nach dieser Rekrutenzeit des Gelehrten steckte man ihn noch nach Clairvaux. Ter Krieg war damals seit elf Jahren beendet, aber die Verfolgung unbequemer Elemente als „Kriegsverbrecher" geht in Frankreich, wie man sieht, heute noch weiter. Rack einem Jahr leichter Büroarbeit ist Chambrial übrigens auf Betreiben seiner einflußreichen Verwandten begnadigt worden. Dieses Jahr der Zusammenarbeit mit Füchter aber hat genügt, um zwischen den beiden Männern, dem Franzosen und dem Deutschen, enge Kameradschaft zu schassen. Mit allem Einfluß setzi Chambrial sich für feinen deutschen Freund ein. Er bewegt seinen Vetter, den Senator, zu wiederholten Interventionen im Pariser Kriegsministerium. Die Sache ist nicht einfach, da die Franzosen im Falle Füchter tin Exempel statuieren wollen und schon zahlreiche Gnadengesuche abgelehnt haben, die von der deutschen Botschaft in Paris aus-
Rene Kraus
Ceylon d'ßorreur uon Clairuaux
widerrechtlich von der Amnestie ausgenommen. Der Rest heißt Clairvaux.
xv.
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Trotz allem: München tanzt!
Grauer Fasching
Von
Werner Richter (München)
Unter dem unverändert grauen Himmel, der nur dann uns wann ein unerfreuliches Gemisch regennassen Schnees herabschickt, ist nun doch trotz allem der Münchener Fasching toiäber in Gang ' getonnten. Zwar der dicke deutsche Sorgennebel dieser Zeit erfüllt allabendlich auch hier die Straßen, verhüllt die heiteren Kirchtürme und die nobel klassizistischen Fas- faoen ces Stadtkerns ebenso wie die glimmenden Dachfenster der Schwabinger Ateliers. Durch ihn hin- durchschlagen also muß sich zunächst, wer der Versuchung nicht widerstehen kann, bei Tanz, Radau und Firlefanz ein paar Nachtstunden hindurch sich und fcie Umwelt zu vergessen, — ganz gleich, ob es ihm vielleicht noch möKich ist, im eigenen Auto daher zu flitzen oder ob er gehaltsgekürzt oder abgebaut mit hochgeschlagenem Mantelkrtmen zu Fuß heranstapst, —. ganz gleich, ob er den Bällen der Besseren und Pikseinen im Cherubin oder im Parkhotel zustrebt »der den volkstümlichen Redouten im Löwenbräu öfter im Matchäser. Und auch am Ziele feiert er meistens zuerst ein unfrohes Wiedersehen mit den inzwischen stark verstaubten Saaldekorationen vom vorigen Jahr, fca neu« den Wirten zu teuer waren, findet er überrascht, daß ja alle Bekannten ihre vorjäbrigen Kostüme Wieser anhaben — genau wie er selbst
Trotz allem aber: Der Fasching ist wieder da und Wird, es läßt sich nicht leugnen, in breiter Front gefeiert. Von ften Wohltätigkeitsbällen freilich, sauersüßen Vergnügungen, aut denen erscheinen mußte, wer bei hohen Protektoren wohlgelitten bleiben wollte. ist nichts mehr übrig gebliebe». Doch Cer Fasching des Dkünchener Volkes war das ja nie. Ihn triffst du auch heute ganz wo anders: in feinen allen Schicksalsräumen, den Riesensälen der Bräukeller. Da Weitz es die Redouten, denen sein Her; gehört. Vor allem aber feiert ja jeder ft er schlechthin zahllosen Vereine dieser Kleinbürger-Großstadt fein FaschingS- sesi, — Liederkränzler und Alpenvereinler ehemalige Schwere Reiter und Hartschiere, aber auch der ,Lurz- schrifwerein der Poltzeibeacnten" öfter der „Verein 6er Musiker mit nachwnisbarer Berufsausbildung". Freilich ist die Konkurrenz scharf, uno mancher Ver- cinsball verunglückt eindeutig, inftes die Herren des
Komitees einander galgenhumorig zuraunen: ,Foan Stund bist sicher, daß net aaner fttnmt“ und bie braven breiten Hände tröstlichen Schnupftabak tauschen.
Ueberall jedoch auch in diesen Sphären geht es freitWid) zu und tolerant, bei geringsten Formalitäten. Ein kleiner Ruck der Halswirbel gilt als Verbeugung und Aussonderung zum Tanz. Der Tanz selbst ist arglos, ohne Finessen, «her schon sakral, — der ursprüngliche Zusammenhang Mischen Fasching und Kirchenjahr mrittet sich. Und wenn 6as Paradoxon „freufttge Pflichterfüllung" überhaupt einen Sinn hat, so hier, — wenn man etwa Grünzeughändler- mattonen einen Francaise tanzen sieht (hierzulande „Frassäh" genannt und äußerster Höhepunkt jeder Sustbarkeit) — Matronen also, alterskrumm, astma- iisch, aber flammens von Aufopferung.
Seit der Erfindung der Kinematographie hat man sich bemüht, das Problem des plastischen Kinos zu lösen — aber immer ohne praktisch wirklich brauchbare» Erf^g. Man projizierte zum Beispiel aus mehreren im bestimmt«» Winkel zueinander angeordneten Apparaten gleichzeitig dieselbe Szene auf eine Rauchwand, aber das erzeugte Bild gab nicht die gewünschte Körperlichkeit; «s blieb darüber hinaus verschleiert wie im Nebel und ließ alle feineren Details völlig vermissen.
Jetzt ist es Dr. R. T. H. Junes, einem früheren Astronomen der Südafrikanischen Union, gelungen, ein völlig neues System stereoskopischer Kinoprojek- lion zu schaffen, durch das es erstmalig möglich fein wird, bai Laufbild in der gleichen räumlichen Wirkung zu sehen wie in der Natur. Die Erfindung, die inzwischen bereits durch Patente in allen Kullurstaa- ten geschützt worden ist, beruht auf einer besonderen Anordnung optischer Spiegel, die in der Nähe der Leinwand angebracht wird.
Besonders originell ist die Art, wie der Erfinder aus seine Idee kam (trotzdem er sich niemals vorher in irgenbeiner Weise mit der Kiuema'ogravhic bc= schästigi hatte). Dr. Jnnes saß nämlich eines Tages
Die Lust dabei, das ist wahr, ist ungut, die Hitze höllisch, -der Wortschatz liegt nur zwischen „fad" und „zünftig", — die Harmonie mit dem Diesseits aber ist vollendet. Die einzig« Frage ist noch die, ob es mitternachts genug Weißwürste geben wird, jene weichen Kalbfleischproisukte, die sich so hellsam den alkoholgequälten Magen einzufügen vermöge»; man fchlingt siu aus den Fingern und der Fremdling, der etwa um ein Besteck ersucht, riskiert, daß ihm ein Witzbold statt dessen die Kneifzange vom Gasmesser überreicht. Aber die Lust zu solchen und anderen Witzen und aller Faschingslustbarkeit überhaupt vergeht einem im heutigen München doch wieder sehr rasch. Denn S)on in der Stunde des Heimwegs, um vier, fünf hr morgend, es braucht nachts nur ein wenig geschneit zu haben, ja, dann ordnen sich schon die grauen Reihen der ArbeitÄosen, die darauf hoffen, Schnee schaufeln zu dürfen; und immer sind es viel mehr als man brauchen kann.
Da möge fein faschingsfreudiges, lebenshungriges Herz bewahren, wer es noch vermag.
in Johannesburg in einem der dort üblichen Kino- kaffees, und während er der Vorführung folgte,
bemerkt« er plötzlich eine merkwürdige plastische Wirkung des Laufbildes,
das sich in einer an der Seitenwand befindlichen Scheibe spiegelt« und dort vollkommen lebendig wirkte. Er bemühte sich, dies« Erscheinung auf dem Wege des Experiuientes nicht nur nachzuahmen, sondern in ihrer frappierenden Wirkung noch zu verstärken. Da er die ungeheuren Möglichkeiten der plastischen Kinoprojektton erkannt«, stellte er nach den ersten gelungenen Versuchen mit Standbild-Diapositive» weitere Experimente mit Hilfe eines oewöhnlichen Schmalfilmprojektors an, die ihm bald einen volle» Erfolg brachten. Es soll ihm mit Hilf« führender optischer Firme» bereits gelungen fein, eine Apparatur zu fchafsen, die auch für de» rauhen Betrieb der Kinotheater geeignet ist.
Di« neuen Mode-Farben. Di« Pariser Modeindustrie gibt jetzt die neuen Farben für den Sommer und Herbst 1932 bekannt. Danach bleibt nach wie vor braun und ro.c Farbentönung besonder- beliebt. Den
rötlichen Tönungen, di« als Karotte, Hagebutte und Ziegelrot in Erscheinung treten, stehen all« gelblichen Farbtöne, die unter der Bezeichnung Pirol, Or und Stroh bekannt werden, in der hauptsächlichsten Be- liehthett zur Seite. Ferner werden auch wieder hellgrün, pastellartige Schattierungen und blaue Farben, sowie lila Farbtöne, die als „Clematis" und „Krokos" bezeichnet werden, bevorzugt.
„Madame hat Ausgang"
Usa-Theater.
Soffet, 3. Februar.
Man kann Wilhelm Thiele als den geschmackvollste» und feinsten Lustspielregisseur des Tonfilms ansprechen. Seine Film« — vom Liebeswalzer bis zur Privatsekretärin, vom Ball bis zu- »Madame hat AuSgang" — sind Quellen ungetrübter Freude und bester Unterhaltung. Thiele hat viel von der leichten, spieleMchen Art Rene Clatrs, aus dessen FLm »Unter den Dächern von Paris" er diesmal sogar etwas Milieu entlehnt, etwas Bohemestimmung, nämlich da, wo der brave Buchbinder Marcel Touzet seiner Geliebten auf dem Dach eines Hofateliers ein „festliches" Souper gibt und die »Hof"-Bewohner aus alle» Fenstern heraus die Festmusik dazu liefern.
Wir kennen das verliebte Abenteuer der Aiadame Vernrer bereits aus der Komödie »Madame hat Ausgang", die seinerzeit das Kasseler sMetne Thea ter mit Erfolg aufführte. Es dattdelt sich um die Liebe oder Verliebtheit einer schönen Frau, die auf e-nem Dienstmädchenball — wo sie mit ihrer Freundin »Studien" machen wollte — einen Verehrer findet, der die Sache blutig ernst nimmt, sein Mädchen in Rechtschreibung unterrichtet und sie bei seinen Elter» als Braut einführt. Wir kennen den Schluß: ein wehmüttges »happy end", mit dem uns ei» weiser Aphorismus versöhnt.
Thiel« setzt uns diese Geschichte so heiter be- schwtngt vor, daß wir uns plötzlich in der „gehobenen" Ztimmuna finden, in die uns einst die Privatsekretärin versetzte. Liane Haid überrascht durch ferne taktvolle Darstellung, Brausewetter ist der treuherzige Buchbinder, Albevt Prejean gibt eine »Eiw- lage" t» französisch und deutsch.
Im Beiprogramm läuft ein phantastischer Tvich tonsilm ,ein Kulturft»m, der einen Fluß von der Quelle bis zum Meer verfolgt, und der hier schon besprochene, »gehorchende Fflm", dessen Darsteller sich mit einem lebendigen Conferencier unterhalten.
plastisches Kino erfunden
Zvfallsentdeckung eines südafrikanischen Astronomen