7ir. 26
Zweiund wanzigsier Jahrgang
Raffelet Jkutfte Jlad)rttöten
Montag, 1. Ztbruar 1932 / 2 LeUagr
Ungarns Schönheitskönigin 4932
Zca Lampet,
die 17jährige Tochter eines Budapester Arztes, wurde zur „Miß Hungaria" für Vas Jahr 1932 erwählt. Die neue Schönheitskönigin wird ihr Land auf dem großen internationalen Wettbewerb in Paris vertreten.
handelt sich darum, daß Kamerad Frankenberg — dies Füchters bekannter Legionsname — heute zur Genietrnppe versetzt wurde. Er wird von jetzt ab keine Kasernenarbeit mehr haben und keinen Frontdienst, sondern, seinen Fähigkeiten entsprechend, als Verwaltungsbeamter verwendet werden. Und darüber will sich der zuständige Offizier gleich mit ihm unterhalten. Hohe Auszeichnung. Rasche Karriere gesichert.
Füchtcr geht mit. Die „Schwarze Burg" ist eine kleine Festung für Kolonialfranzosen, Senegalesen und Araber. Daß sie zugleich ein paar Schreckenskammern enthält, weiß Füchter nicht einmal.
Sie kommen.an. „Das ist Frankenberg!" stellt der Unterosfizier dem diensttuenden Offizier vor. Dieser pfeift. Vier riesenhafte Senegalsergcanten treten ein. „Ausziehen!" kommandiert einer.
„Was denn?" Füchter versteht nicht. „Sie sind mein Gefangener!" schrillt der Offizier.
Im gleichen Augenblick hat Füchter seine Mauserpistole aus der Tasche gezogen. „Hände hoch!"
Der Offizier und die Sergeanten parieren aufs Wort.
Ach, es ist die letzte Sekunde der Freiheit. Zwölf Senegalneger sind durch die Hintertür eingedrungen, stürzen sich auf den Füchter, entwaffnen ihn, zersetzen seine Kleider, umwickeln ihn mit eisernen Ketten. Dann wird er in eine der Schreckenskammern hineingestotzen, ein Loch, das ein Meter breit, zwei Meter lang und nicht einmal zwei Meter hoch ist. Zwei Tage lang, zwei Tage ohne Esten und Trinken, kann er sich üt diesem Loch kaum bewegen.
Am dritten Tag ist sein Kompagniekommandant mit einem fremden Major da.
„Erzählen Sie uns vor Fhrer Verschwörung!"
„Solange ich so unmenschlich behandelt werde, verweigere ich jede Aussage!" Da schlägt ihm der Herr Major mit der Reitpeitsche ins Gesicht. „Wissen Sie, wer Tärnnierschied ist?" „Wer ist das?" gibt Füchter die Frage zurück. „Unser Mann!" brüllt ihn der Major an. „Ihr braver luxemburgischer Kamerad, der unser Vertrauensmann war. Sie waren dumm genug, ihn in Ihre Verschwörung einzu- weihen!"
(Fortsetzung folgt.)
C-.. - '■
Doch noch Winier in Bayern
60 bis 100 Zentimeter Schnee.
München, 30. Januar.
Wie der Verkehrsverband München und Süd- bahern uns mitteilt, entsprechen die Schneeverhält- nisse in Südbayern zur Zeit denen eines nicht übermäßig schneereichen Durchschn'ittswinters. Während das Flachland bis an den Fuß der Berge schneefrei ist und unter einer ausgedehnten Hochnebeldecke liegt, herrscht im Gebirge klarer Sonnenschein, der über einer Schneedecke von durchschnittlich 60 bis 100 Zentimeter Mittagstemperaturen bis zu 30 Grad Wärme bringt. Der Nachtnebel sorgt stets für frische Kristallschneeauflagc. An den Nordseiten reicht der Schnee pulverig bis ins Tal, an den Südseiten endet die Schneedecke bei 990 Meter Höhe. Einige Talorte wie Reit im Winkl (700 Meter), die unter dieser Höhe liegen, haben auch noch auf der Talsohle 30 bis 40 Zentimeter Schnee.
In der Verhandlung des Calnlette-Prozestes hatten am Sonnabend die Verteidiger das Wort. Rechtsanwalt Tr. Jhde sprach für Dr. Deycke: Professor Tevcke sei auf Grund seiner eigenen Studien von der Harmlosigkeit des Calmetteversahrens überzeugt gewesen und zu dem Glauben an den Virus fix gelangt. Die Verhandlung wurde aus Montag vertagt. Dann werden die Angeklagten das letzte Wort erhalten.
*
Der Leopard, der in der Wohnung des Berliner Kunstmalers Othcgraven ein zweijähriges Mädchen zerfleischt und dessen Mutter schwer verletzt hatte, wurde auf Anordnung des Polizeipräsidenten im Laufe des gestrigen Tages unter Znriebuna eines Tierarztes erschossen
HEUTE
VOR HUNDERT JAHREN
Rene Kraus
£e.gion d’ßorre.ur von Clairoaux
V.
,/Betrug!... Fremdenlegion!...
Freiheit!.. ."
Siebzig Deutsche sind in die Falle gegangen. Antreten in zwei Gliedern zum Appell. Der Kavallerie- kapiiän, der eben noch am Eingang stand, tritt vor. In fließendem Deutsch hält er eine kleine Ansprache: „Ihr seid jetzt alle im französischen Sold! Ihr habt alle einen Revers unterschrieben, daß Ihr in die französische Armee eintreten wollt. Ihr habt Euch alle diszipliniert zu benehmen, wie Ihr es vom preußischen Kommis her gewohnt seid. Dem französischen Soldaten, den ihr als Stubenältesten zugetcilt bekommt, habt ihr blind zu gehorchen!"
Aus der Reihe tritt ein älterer Mann vor, der Maurerpolier Brauer aus Mannheim, ehemaliger Vizefeldwcbel der Badischen Landwehr. Er will etwas fragen, etwas verlangen. Aber es verschlägt ihm die Rede. Plötzlich schreit esmus ihm heraus: Betrug!.. Fremdenlegion!... Freiheit!...
Der Kavalleriekapitän winkt mit der Reitpeitsche. Drei Mann stürzen sich auf den Maurerpolier Brauer führen ihn ab.
Es ist, als würden Blinde plötzlich sehend. Murren, Flüstern, Verzweiflung in den deutschen Doppelreihen. Da springt der Füchter vor. Zieht den Hut sehr höflich. „Herr Offizier!" sagt er, „das muß ein Irrtum sein. Ich habe mich nicht als Soldat verpflichtet. Ich bitte mich gehen zu lasten. Ein fürchterlicher Irrtum..." wiederholt er ein bißchen ratlos.
„Na, der Irrtum wird sich bald erklären!" grinst der Kapitän. „Sie werden mit dem Irrtum bald einverstanden sein!... Abtreten!"... Er schlendert ins Ofsizierskasino.
Französische Negcrsoldaton treiben die Deutschen mit Kommando und Kolben in empfangsbereite Stuben. Füchter will immer noch an den Irrtum glauben. Er schleicht sich aus seiner Stube, irrt im ungeheuren Komplex der Kaserne umher. „Kanik!" ruft er. Und fragt jeden Posten: „Haben Sie nicht Kanik gesehen?" Die Posten kennen' diese Verzweiflung der ersten Stunden. „Nix compris!" ist ihre vorschriftsmäßige Antwort.
VI.
Heinrich Füchter?
Nein, Henry Frankenberg
Vier Wochen lang hungern sie in der Kaserne, fünfhundert Deutsche. Die große Mehrzahl ist schon mit früheren Transporten eingetroffen. Sie sind alle, genau rote Füchter, für Wiederaufbauarbeiten angeworben und hierher gelockt worden. Viele haben sich mit ihrem Schicksal schon abgefunden. Auch in der Legion wird Brot gebacken, meinen sie. Andere versuchen noch zu trotzen. Aber gegen solchen Trotz gibt es bewährte Rezepte.
Zwei Tage nach der Einlieferung untersucht ein französifcher Militärarzt das Menschenmaterial. Er ist nicht sehr heikel. Nur zwei aus dem ganzen Zug sind untauglich. Die werden sofort im Einzelarrest abgesondert. Sie bleiben verschollen auf ewig. Die anderen werden einzeln ins Büro gebracht. Ein Offizier wiederholt die stereotype Formel: „Sie haben sich für fünf Jahre der französischen Ehrenlegion verpflichtet Sie wurden tauglich befunden. In den nächsten Tagen werden Sie abtransportiert!"
Manchmal geschieht es, daß einer protestiert. So der Heinrich Füchter. Er weigert sich, eine neue Unterschrift zu leisten, wie man sie von ihm fordert. Er protestiert. Er will zurückgebracht werden. Da bringen sie ihn in eine Isolierzelle. Einzelhaft bei Wasser und Brot. Täglich besucht ihn der Offizier. Gütig, väterlich fast spricht er ihm ins Gewissen. Als Mensch zum Menschen/so redet er. „Warum wollen Sie eigentlich nicht zur Legion?" fragt er den verstockten Sünder. „Sie schlagen damit ein glänzendes Los ab. In der Legion gibt cs keine brutale Behandlung wie beim preußischen Kommis. Es ist eine reine Polizeitruppe. Und Sie als gebildeter Mann werden bald Offizier sein . . . Was wellen Sie eigentlich in Deutschland? Arbeit werden Sie ja doch nicht finden. Es geht alles drunter und drüber in Ihrer Heimat. Ich glaube, wir werden noch cinmarschieren müssen, um Ordnung zu machen!"
Ebenso stereotyp erwidert der Füchter: „Als Deutscher in eine französische Truppe? Diese Schande soll ich aus mich nehmen? Nein, ich will zurück!"
„Schön, meint der Offizier, Sie wissen doch, daß Sie uns nach dem Gesetz hundertzwanzig Francs für die Hin- und Herreise und für die Verpflegung in der Kaserne schulden? Haben Sie das Geld bei der Hand? Nein? Mit der Außenwelt dürfen Sie sich natürlich nicht in Verbindung setzen!" Weiter hungert und friert der Füchter in seiner Jsolierhaft.
Eines Tages sagt ihm der Offizier: „Sie wissen doch so gut wie ich, daß Sie keine vier Woch:n mehr in diesem Zustand aushalten. Sie haben die Wahl zwischen dem Soldatcnfriedhof und dem angenehmen Leben der Legion!"
„Und die Schande für meinen Namen?" fragt F achter.
,Fzhr Name," lacht der Offizier. „Keiner schändet seinen guten deutschen Namen bei uns," meint er ironisch. „Sie wählen sich irgendeinen schönen Legionärsnamen aus, sagen wir Frankenbcrg, ja Henry Frankenberg, das klingt scbr gut und den Namen haben wir schon lange nicht vergeben. Als Henry Frankenberg machen Tie Ihren Dienst. Als' H nry Frankenberg kehren Sie nach fünf Jahren mit Ihren Ersparnissen nach Frankreich zur, ck Ich werde Ih -en einen Empfehlungsbrief an den Oberst mitgeben. Abgemacht? Und abends trinken wir in der K nttne eine Flasche Wein miteinander"
Als Henry Frankenberg sich abends in der Kantine einfand, vielleicht wirklich besser, als die und- zwanzigjährig zu sterben, damit aui dem Erabkreuz Heinrich Füchter steht, ist der Herr Offizier natürlich nicht dagewcsen.
VII.
Zn -en Fangen der £ g on
Noch zwei Wochen exerzieren. Die Unsauberkeit in der französischen Kaserne spo rer jeder Beschreibung. Das Esten ist weniger und schiech er als es in den letzten Kriegsmonaten an der From war
Unter schwer bewa'fnet.r Es'o . wc Sen st im Extrazug über Lyon nach Marseille vcilaocu. Fori
Saint Jean bei Marseille ist die letzte europäische Station. Hier lernt Füchter den Legionär Emil Becht aus Wiesbaden kennen, mit dem er sich freundschaftlich zusammenfchließt und der sein engster Gesährte in der Leidenszeit wird, die ihnen nun bevorsteht. Vierzehn Tage auf dem Fort, in dessen vergitterten Löchern, gefangenen Raubtieren gleich, arabische Deserteure' gehalten werden, sind eine Qual. Schon hier entschließen sie sich, bei der ersten Ge'egenheit zu fliehen. Inzwischen werden sic eines Morgens aus den Quai abtransportiert. Von einer johlenden Menge umlobt, die „Salles Loches!" und „Vive la Legion!" gröhlt, in den Bauch des Transportdampfcrs „Siddi Braun" verladen. Zwei Tage Schiffsreise In Oran, auf afrikanischem Boden, lädt man sie wieder aus und dann geht es mit der Bahn nach Siddi bei Abbes, dem Hauptquartier der Legion Hier werden sie cingekleidet. Jeder Mann erhält fe tte zwcihun- dertfünfzig Francs Handgeld. Die meisten versaufen dieses Kapitel in wenigen Tagen. In diesen wenigen Tagen können sie sich satt esten, später nicht mehr.
Zn je zwanzig kommen sie auf eine Stube. Hier ist der Stubenälteste ein alter deutscher Legionär. „Wie ist's in der Legion?" fragen ihn die Neuankömmlinge. Wortlos spuckt der alte Fachmann aus. Von morgens sechs bis abends sieben haben sie Kasernendienst. Zwischen sieben und neun dürfen sie sich in den Straßen und, wenn einer noch ein paar Centimes hat, in den Kneipen von Siddi bei Abbes herumtreiben. Diese zwei Stunden Freiheit wollen die ersten Ausreißer benutzen. Es sind ihrer zehn, durchweg Deutsche. Sie haben ihr Handgeld gespart.
Nach zweimonatlicher Ausbildung marschiert >;uch- ter's Bataillon nach dem am weitesten vorgeschobenen französischen Posten Ajn-Lieu, hundertzwanzig Kilometer südlich von Meknes, nach dem Atlas zu. Dieser Posten liegt mitten im ständigen marokkanischen Unruhegebiet. Kaum eine Nacht vergeht ohne Heberjatte durch die Araber, die alles niedermachen, was ihnen an französischer Uniform in die Hände fällt. Hier kommt die Legion beim Dorfe El-Haman ins Gefecht mit den Kabylen. Es ist eine blutige Metzelei. Gefangene werden nicht gemacht. Die alten deutschen Frontsoldaten in der Legion verstehen die Bestialität der Befehle, die sie erhalten, nicht recht. Warum soll man abgesprengte Arabertrupps nicht in die Gefangenschaft abführen? Das französische Kommando treibt den Legionären solche Sentimentlität bald aus. Nachdem die Legion das Dorf im opferreichen Sturmangriff genommen hat, ziehen fran^fische Truppen auf, die Ehrenkompagnie des Hauptquartiers, übernehmen die Gefangenen, verprügeln sie unmeufchlich — und dann erst werden sie niedergemacht.
Freilich mutz man feststellen, daß die Araber ihren Krieg nicht weniger bestialisch führen. Lchwerverwun- dete Legionäre, die die Kommandanten der Truppe ruhig unterwegs liegen lassen, werden mit unbeschreiblicher Grausamkeit zu Tode gequält, wenn ,ie den Rifkabylen in die Hände fallen. Füchter mußte zusehen, wie drei seiner engeren Kameraden, die Legionäre Kaufmann aus Mainz, Steiner ans Wien und Popper aus Prag, schwer verwundet alle drei, vom kommandierenden Offizier zurückgelassen wurden, den Hyänen und Arabern zur Beute.
15 Grad Kälie auf den mandschurischen Schlachtfeldern
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Eine Abteilung chinesischer Infanterie in ihrer neuen Winterausrüstung an der mandschurischen Front.
um bei einem Trödler Weiße Schlosserblusen und Zivilmützen zu kaufen. Aber sie kommen nicht weit. Auf jeden desertierten Legionär ist eine Kopfprämie von fünfundzwanzig Francs für die arabische Bevölkerung ausgesetzt, einerlei, ob man ihn tot oder lebendig zurückbringt. Die Araber ziehen es vor, den Flüchtling, dessen sie habhaft werden, zu erschlagen, weil sie ihn bei dieser Gelegenheit gleich ausrauben können. Sogar die Goldplomben werden aus dem Munde herausgebrochen. So wurde eines Tages die Leiche des Legionärs Pfleiderer aus Ludwigshafen in unbeschreiblich verstümmeltem Zustand auf den Kasernenhof geschafft. Selbstverständlich erhielten die Araber von der französischen Kommandantur ihre fünfundzwanzig Francs für den verstümmelten Manu, also ihre Raubmordprämie von vier Mark fünfzig. Korrektsein ist alles!
lieber lebend zurückgebrachtc Deserteure werden ein paar Jahre Zuchthaus verhängt: tagsüber müssen sic zwölf Stunden lano int glühenden Sonnenbrand mit schweren Tandsäcken auf dem Rücken im Kasernenhof im Kreise herumlaufen. Auch das ist eine Methode der Hinrichtung, aber eine durchaus gesetzmäßige und korrekte.
VIII.
Bestien im Kamps
Der Füchter kommt nach Meknes zur dritten Fremdenlegion. Hier erfolgt die Ausbildung nach dem Exerzierreglement der alten deutschen Armee. Die Kommandosprache ist zwar französisch, die Umgangs spräche aber durchweg deutsch Fünfundachtzig Prozent der Legionäre sind Deutsche aus dem Reich oder aus dem Auslandsdeutschtum; ein paar Schweizer und Elsässer darunter. Dem oder jenem sagt man nach, datz er in der Heimat einen großen Namen und eine große Stellung gehabt.haben soll. So dem Leutnant Baron de Cbornev, der angeblich Offizier im Großen Generalstab gewesen fein soll. Im allgemeinen aber steigen die deutschen Legionäre niemals in den Offiziersrang auf, schon deshalb nicht, weil kaum je ein Deutscher, der die ersten fünf Jahre Zwangskontrakt überlebt, sich ein zweitesmal der legton d'horrcur verschreibt. Diese länger dienenden Legionäre sind vielmehr fast ausschließlich französische Berufsverbrecher, die vor den Gerichten in der Legion Zuflucht gefunden haben. Unbeschreiblich verkommene und berliiberte Männer. Trunkenbolde und Syphilitiker.
Erst bis einer, von allen Krankheiten ausgezehrt, sich wahrbastig nicht mehr wciterschleppeu kann, wird er abgeschoben Solch ein „Reform-'" erhält natürlich kein Geld zur Heimreise. Er lungert unter Dutzen- ven, unter Hunderten seinesgleichen in den Hafenstädten herum und diese reformierten bilden die Unterwelt der afrikanischen Küste. Meldet sich aber einer wegen angeblich geringfügiger Leiden, wegen innerer Schmerzen oder physischer Erschöpfung, zur ärztlichen Visite, wird er, weil für Wehleidige fein Platz ist in der ruhmreichen Legion, zunächst einmal zum abschr ckenden Beisp-el zu vierzehn Tagen Ein- zclvlle lei Zwangsarbeit, Wasser und Brot verui teilt.
IX.
Oer Ausstand der Deutschen wider die Legion
Solche Bestialität der Behandlung ist auf die Dauer nicht zu ertragen. Arn wenigsten erträgt sie der Füchter. Er sammelt einen Kreis von gleichgesinnten Freunden, den Breuer aus Leipzig, den Becht aus Wiesbaden, den Emil Rosenbaum aus Bochum, den Horvath aus Wien und den Karl Marx, der übrigens trotz verdächtiger Namensgleichheit ein vaterländischer Deutscher, ehemaliger Militärflieger aus Hamburg ist. Sie beschließen eine Aktion. Daß Fluchtversuche einzelner nichts Helsen, wissen sie nachgerade. Und so haben sie den Königsgedanken: die Legion zu zersprengen. In ihrer Gesamtheit sollen die deutschen Legionäre ausbrechcu und sich, wenn nötig, mit Waffengewalt, den Weg auf neutrales spanisches Hoheitsgebiet erzwingen. Sie wissen, datz ihr nächsten Bestimmungsort Fez ist, die Hauptstadt von Marokko. Von dort bis zur spanischen Grenze sind nur noch sechzig Kilometer.
Ende Februar rücken sie ins Lager von Fez ein. Fieberhafte Wochen der abenteuerlichsten aller Ver- fchwörungen. Der Freundeskreis sucht vertrauenswürdige Deutsche in allen wichtigen Formationen. So haben sic füni-chn Vertrauensmänner beisammen. Ter Plan gehl dahin, in der Nacht auf den 19. März falschen Alarm zu schlagen, als würde das Lager von Aradern angegriffen. Unter der Parole „Hclmspitz" wollen sie die Legion versammeln, die Offiziere sollen urimittelbar vorher durch die Ordoiiuanzeu so entwaffnet werden, datz man aus ihren Dienstpistolen die Munition nimmt. Alle Deutschen stürmen dann zum Wagenpark, besetzen die Lastautos, verläßliche Ehauffeurc, ehemalige deutsche Wagenführer und Flieger sind schon vorbereitet, die minderjährigen Kameraden werden notfalls mit Gewalt mitgenommen — und hinaus auf die Wüstenstraßc im löetz- tcmpo die Legion auf ihren Lastwagen, der schützenden spanischen Grenze zu.
Verrann
Am 12. März, genau eine Wollte vor der vereinbarten Nacht des Aufruhrs, gebt Füchter in den dienstfreien Abendstunden ins Araberviertel von Fe;. Unter den Eingeborenen befinden sich viele, die mit den Deutscher, sympathisieren. Wenn ein Legionär sich offen als Den-scher betennt und den Mut aufbringt, in seinem bißchen Privatleben, die französische Zwangsuniform zu berleugnen, nndet er manchen Freund hn Araberviertel. Der Füchter ist bei einem solchen Freund, einem wohlhabenden Gaid, zum Abendbrot eingeladen.
Sin französischer Unteroffizier stellt sich ihm in Den Weg. „Guten Abend Kamerad. Froh, Sie getroffen zu haben. Sie sollen sofort auf die „Schwarze Burg" mit mir kommen. Unser Genie-Offizier möchte sic sprechen." Füch-cr versteht nicht. Er ist doch jetzt nicht im Dienst. Er ist verabredet.
Der Unteroffizier vermag alles aufzuklaren. Es
1. Februar 1832.
• - . wird endlich auch Hamburg für cholcrasrei erklärt
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• . • kommen aus Irland sehr beunruhigende Nachrichten: ,In allen Grafschaften lodert die Flamme des Aufruhrs empor, und Greueltateu ohne Zahl werden verübt. Ueberall weigert man sich, die Zehnten, an vielen Orten sogar die Grundmieten zu entrichten, und die Gerichtsdiener, welche diese ein- treiben wollen, werden ermordet oder mißhandelt..'"
. . . berichtet ein Herr Bennett aus Neu-Seeland an die Geographische Gesellschaft: „Wenn sich auf Neuseeland Freunde Wiedersehen ober Abschied nehmen, so haben sie die Gewohnheit, sich mit Muscheln zu zerfleischen, bis das Blut in Strömen herabfließt. So bleiben sie zuweilen ein? lange Zeit umarmt und jammern, ohne daß einer von ihnen ein Won re« vete. Wenn diese Feierlichkeit eine Zeit lang gebauert hat, treten sie auseinander, als ob nichts geschehen wäre, lachen, reben miteinander und erzählen sich was sic tirtter der Zeit ihrer Trcnnuitg erlebt und erfahren haben."