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Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Handelszeitung
Sonnabend, den 30. Januar 1932
.Arbeitslosigkeit und Verbrauch
Von Dr. Gerhard Kuntz
Bei bett Ber
ts Überwachung
Holzindustrie
Die Verteilung der Zinssenkung
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Die Wirtfchaft der Woche
Kassel, den 30. Januar.
Reichsregierung, die Selbstkosten
zu verringern.
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Automobilen und -Dchlevvern ttt mit neue» Arbeiter-Ei n- Itellungen bald zu rechnen.
2,0
2,3
7,1
12,7.
5,0
Die Zinsen von LchuldVerschreibungen und anderen Forderungen werden durch die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 herabgesetzt, soweit es sich nicht um Auslandskredite oder um Kredite handelt, die bisher nur zu 6 Prozent fürs Jahr oder darunter verzinslich waren. Das Institut für Konjunkturforschung hat nun den Versuch gemacht, zu schätzen, wie sich diese Zinsentlastung für die einzelnen Wirtschaftszweige auswirkt. Wir haben aus de« Bilde die Zinslast vor und nach der Zinssen- kuug dargestellt, wobei es sich natürlich um ganz rohe Schätzungen handelt, die nur ungefähr einen Hebert IM über die Größenordnung geben, in der sich die Zinssenkung auswirken wird. Am unsicher- sten ist die Schätzung bei den 500 Millionen RM bisheriger Zinslast für Hvootheken auf Gcschäfts- grundstücke, da man die Zinssätze für derartige Ho- votheken und Anleihen nicht kennt. Insgesamt ergibt sich so eine ZinSentlastung der deutschen Wirtschaft um ruiti> eine Viertel Milliarde, das dürfte rund y, Prozent des Volkseinkommens im Jähre 1931 fein.
14,3
18,5
25,8
27,2
24,7
13,6
18,5
Fleisch Seefische Eier Zucker Gewürze Tee Südfrüchte
Keine Wahxungsanderung
Dementi der Reichsregierung.
Es find gestern Nachrichten durch die Preise gegangen, als ob die Reichsregierung mit einer Umgestaltung der gesetzlichen Grundlagen der Währung befaßt sei. daß sogar beabsichtigt sei. eine künstliche Ausweitung der Krediimög- lichkefteu durch Notverordnung in die Wege zu leiten. Diese Nachrichten sind völlig aus der Luft gegriffen. Die Reichsregicrung steht mit der Reichsbank nach wie vor geschlossen auf dem Standpunkt, das; nichts geschehen darf, was eiltet inflatorischen Maßnahme auch nur ähnlich sieht. Es wird keinetlei Veränderung de« Ruch banfgesetzes er- w-i ••
Holz im Krisenjahr
Jahresversammlung des Nordwestdeutschen Verein-.
Der N o r d w e ft deutsche Verein für Holz» bandel und Holzindustrie e. V. in Kassel hielt am Freitag in Kastel unter Vorsitz des Faßfabrikanten Otto Gedratü aus Hann.-Mündeit feine Jahres-Hauptversammlung ab. Den Geschäftsbericht über das Jahr 1930/31 erstattete der am 1. Oktober v. I. nach Berlin übergesiedelte frühere Syndikus Dr. Segelt Die Tätigkeit des Vereins war vor allem darauf gerichtet, den Mitgliedsfirme» die Anpossu 'g an die veränderten wirtschaftlichen Berhältniste zu erleichtern. So habe man durchgesetzt, daß in den preußischen Staatssorste» und mehr oder weniger auch bei dem übrige» Waldbesitz der Einschlag dem verminderten Bedarf angepabt werde und daß der preußische Forstfiskus endlich zur Ber» mestung des Rundholzes ohne Rinde übergegangen sei. Die Bemühungen des Vereins aus dem Gebiete der Krachten und Steuern, Wegebauabgaben und Soziallasten, Zahlungs. und Lieferbedingungen u. a. m. wurden im einzelnen auf- geführt Die dem Verein angeschlostene Holzeinkaufsabteilung hat wesentlich dazu beigetragen, im Einkauf geordnete Verhältniste zu schaffen und Auswüchfe» im Wettbewerb entgegenzutreten. Durch die Arbeitsgemein, fchast der Bauholz fägewerke wurde eine ähnliche Organisation für den Schnitcholzabsab versucht, deren Wirksamkeit aber durch die heutigen Zeitverhältnisse gehemmt ist
inrMaai rMandadionl
mrtinqfiiäke
Lokomotiv auf trage?
Stärkerer Neubau statt Reparaturen?
I» der G.-B. derBerlinerMaschtnenbaU-A.-G. vormals L. Schwartzkopsf, Berlin, die de» Verlust von 3 385 719 RM (1242 205 RM) wieder aus dem Reservefonds zu decken beschloß, der sich dadurch von 6,06 auf 2,67 Mill. RM ermäßigt, wies die Verwaltung darauf hin, daß die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft zurzeit Wirtschaftlich- ketts-Untersuchungen darüber anstelle, ob sie in ihren in starkem Umfange betriebenen Lokomotivrevaratu- r e n Nachlassen und statt besten zu stärkeren Lokomotiv- Neubeftellungen schreiten könne, die sich aus den dabei zu erzielenden Erfparnisten bezahlt machen würde». Unter den heutigen Berhältniffen scheine allerdings vorläufig nur geringe Aussicht auf eine praktische Auswirkung dieser Untersuchungen zugunsten der Lokomotiv-Jn- buftrie zu bestehen. Immerhin könne man hoffen, daß die Lokomotiv-Jndustrie aufgrund dieser Untersuchungen mit int Verhältnis höheren Bestellungen werde rechnen können, wenn in Zukunft der Verkehr sich wieder hebe und wieder mehr Lokomotiven in Betrieb gestellt würden.
Hanomag stellt Arbeiter ein. Die gute Entwicklung des Hanomag-Verkaussgeschästes ermöglicht die Neueinstellung von 275 Arbeitern, um durch diese die Vorarbeiten für die I Aufnahme ber vollen Kriihjabrsoroduktion zu treffen. Bei I wetterhln günstiger Haltung des Umsatzes in Hanomag- 1
Besonders aufschlußreich ist die Entwicklung des Karlo ff elverbrauchs Trotz des fraglos vorhandenen ungeheuren Elends weitester deutscher Volksschichten verbrauchen w r gegenwärtig noch immer weniger Speisekartoffeln als vor dem Kriege. Der Kartoffelwnsum hat noch'nicht in gleichem Umfang wie in Kriegs- und teilweise auch Inflationszeiten die hochwertigen Nahrungsmittel ersetzt. Merdings mutz betont werde», daß sich gerade in den letzten Monaten
Lebensmittel t-,0 Bekleidung 18,2 (ohne Schuhe)
In Kürzet
Der Umsatz bet Woolmortb-Einheitspreis, ö e i rfi ä f t e in Deutschland. Der .st» in dem nttr fünf Mo- nnte umfassenden ersten Bet-i-bstosr 1927 auf rn"!> 2 9” Mark 601^. ih auf Mill. RM. 1928. U Mill. RM 1930 und eiwa 50 Mlll. 1931 gestiegen, wovet st« o., Zahl der FUi-le» von 9 am Ende des ersten Betriebsiohres ans 26 Ende 1928 und 70 gegenwärtig erhöht bat.
, Die Möbelpreife sind nicht gebunden. 4 Handlungen des Reichskornmisiars für Bretz mit dem Wirttckrfisoerband der Deutschen _________.....
»nd der Vereinigung der Engrosmöbelsabrikanien Deutschlands e. V. wurde festgestellt, daß die Preisbildung für Möbel aller Art völlig frei ist und daß Preisfenkun- gen im Laufe des letzten Jahres eingelreten sind, die über die Sätze binausgeben, die in der Notverordnnung für vreisgebundene Waren vorgefchrieben wurden.
mit dem erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit eine nennenswerte Zunahme des Karwffelverbrauchs ergeben hat.
Bei allen Vergleichen muß man ferner die S t r u k- turwandlungen im Bevölkerungsaufbau, die Wandlungen in den Lebensgewohnheiten und die Erkenntnisse der Ernährun «swiffenschaft berücksichtigen. Wenn gegenwärtig der Fleischverbrauch je Kopf der Bevölkerung nicht wesentlich niedriger als 1913 ist, obwohl die Arbeitslosigkeit unerhört ist und die Einkommen stark rückgängig sind, so liegt dies daran, daß sich das Schwergewicht der Voltsmasse ja bekanntlich zu den Personen im fleischefsenden Aller verschoben hat, daß wir inzwischen fast ein Volk ohne Kinder geworden sind. Ferner muß man berücksichtigen, daß die Ernährungswissenschaft große Fortschritte gemacht hat und deren Erkenntnisse sich naturgemäß in der Bevorzugung gewiffer Nahrungsmittel äußern. Man kann nicht aus einem erhöhten Margarine- und Schokoladenkonsum auf einen Wohlstand des Volkes schließen. Dies wäre das Gleiche, wie wenn man infolge des starken Vordringens der Kunstseide und der Verdrängung anderer Webstoffe er- rechiten wollte, daß sich Deutschland in Kunstseide nur so einhülle, weil der Kunstseidenverbrauch der Vorkriegszeit gegenüber um viele Tausend Prozent gestiegen ist.
, Eü? dem putschen Volke siblecht
lenben Von Uns Übelwvl.
lenden ausländischen BeurteUern trotz schärfster Prü- ftUetoe^^^rrhoib,a?rrte,n toerben- Das gewaltige An- Arbeuöloftgkeli vor allem hat zu einem be- a Jutipnro V "kSchwund geführt. Die stark
kraft^m^,dreise haben nicht vermocht, diesen Kauf- innh <^3?0'Ieu$en' Vielmehr ist in Deursch- flarf mengenmäßige Abnahme des Kon- 9erabe des Konsums der breiten Mas- jeu zu verzeichnen.
horMuJ s”1 ivar der Lebensstandard noch
^ch. Der Fleischverbrauch war zwar c^as geringer als 1929, auch der Butterkonsum ging bcr Bierabfatz lag bereits um 10 Prozent der Taballonsum war rückgängig, im we- seimichen beschrankte sich aber der Verbrauchsrückgang tH t e l, während der Nahrungsmittelabsatz lm allgememen noch aut gehalten war und in einigen Erzeugnisten, die besonders preiswürdig waren, wte z. B. Seefischen oder Eiern, sogar noch jtteg. 1931 ist nun aber auch der Verbrauch lebens- ?„°J^.end j ger Nahrungsmittel, und gerade ernährungsphysiologisch hochwertiger, stärker zurückgegan- gen. ^Die folgende Uebersicht vermittelt ein Bild über der VerbrauchsrLckgang in wichtigen Nahrungs- und Genutzmitteln. D-.r Berechnung wurden 'ne verbrauchen Mengen, nicht etwa die verausgabten Werte zu Grunde gelegt. 0
Rückgang
v-) der verbrauchten Mengen von 1930 auf 1931.
51,5 49,5
' 45,4 50,0 52P 50,5 48,0
1911
1913
1926
1927
1928
1930
1931
Ist der Tiefpunkt erreicht?
Aus Kreisen der Industrie wird uns geschrieben:
Das neue Jahr steht am Ende des ersten Monats und damit an dem Zeitpunkt, an dem im normalen Jahresverbrauch der Tiefstand der Wi/lschaflskurve erreicht wird. Im F e b r u a r pflegt der Beschäftigungsgrad am niedrigsten zu sein, um dann, zugleich mit dem Ende des Winters, wieder anzusteigen. Zweifellos wirken sich diese Saisoneinflüsse auch jetzt wieder aus, aber sie treten gegenüber anderen Faktoren zurück.
Unter diesen stehen die po l it i s ch e n Ursachen an der ersten Stelle. An sich hat die enorme Preissenkung auf den wichtigsten Weltmärkten ebenso wie die neuerdings bei den meiften Warengattungen zu beobachtende Einschränkung der Erzeugung und der Vorrat« die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung des wirtschaftlichen Lebens geschaffen. Und es ist anzunehmen, daß ohne die politischen Hemmungen eine neue Weltkonjunktur auch auf Deutschland übergreifen würde, obwohl hier die Bereinigung der Gesamtlage durch übermäßige künstliche Stützungsmaßnahmen und durch das Ausbleiben einer Senkung der öffentlichen Stiften und der zahlreichen behördlich gebundenen Preise wesentlich geringer fortgeschritten ist als z. B. in den Vereinigten Staaten. Doch die Tr ibut- und Schul-' denfrage, um das wichtigste der politischen Hemm- niste für einen wirtschaftlichen Aufschwung zu nennen, würde auch nach einer einfachen Verlängerung des Hoover-Feierjahres wie ein Damoklesschwert über den Anfängen einer neuen Konjunktur hängen. Solange diese Probleme nicht gelöst sind, können die Kaufleute nicht auf längere Frist disponieren. Aber von diesen neuen langfristigen Kapitalinvestierungen geht stets der erste Impuls zur Wiederbelebung aus.
In Deutschland spielt sodann die Frage eine Rolle, welche Haltung eine kommende Regierung zum Privateigentum und zu der freien Verfügungsgewalt der Inhaber besonders des mobilen Kapitals einneh- men wird. Solange diese Klarheit nicht gegeben ist, werden sich die in- und ausländischen Kreise, deren Mitwirkung bei neuen wirtschaftlichen Vorhaben unentbehrlich ist, nicht zur Finanzierung solcher Pläne zur Verfügung stellen. Die Ungewißheit der Haltung einer kommenden wie auch schon b.r gegenwärtigen deutschen Regierung gegenüber dem Finanzkapital hat bereits bei den Stillhaltevekhandlungen eine bestimmte Rolle gespielt. Wahrscheinlich wäre, bei den an sich günstigen Aussichten für ausländisches Kapital in einem wirtschaftlich wiedererstarkenden Deutschland, das Entgegenkommen der Gläubiger viel größer gewesen, wenn nicht schon die letzte Notverordnung eine so weitgehende Kapitalfeindschaft offenbart hätte.
Der dritte politisch bedingte Komplex, dessen Beseitigung Voraussetzung für eine neue Konjunktur ist, läßt sich in dem Begriff Zerstörung des internationalen Kreditverkehrs zusammenfassen. Verursacht durch die gegenwertslosen politischen Zahlungen (Tribute und Knegsschuldenzahlungen), hat diese Störung die sinnlose Anhäufung des Goldes in den empfangenden Ländern und die Beseitigung der Grundlagen für den internationalen Güteraustausch zur Folge gehabt. Hier ist wegen des internationalen Charakters dieses Problems die Lösung überaus, schwierig und wahr-, scheinllch erst zugleich mrk der Endlösung der Tribut- und Kriegsschuldenfrage zu erwarten. Vielleicht spurt Amerika, spürt vor allem Frankreich den Ernst dieses Kreditproblems erst, wenn erneute Zusammenbrüche international verflochtener Kreditinstitute und Produk- tiönsunternehmungen in wichtigen Schuldnerländern die eigne Wirtschaft stärker als bisher in Mitleidenschaft ziehen sollten.
Tie vorstehende kurze Betrachtung zeigt bereits, daß der Tiefpunkt der Weltkrise solange nicht als erreicht gelten kann, als nicht die Beseitigung der wichtigsten politischen He mm nisse — Tributfrage, Kapi- talfeindsihaft, internationales Kreüilverkchrspryblem in naher Aussicht steht. Die scheinbare Anpassung des internationalen Wirtschaftssvstems an den heutigen Krisenzustand darf nicht darüber Hinwegtäuschen, daß bei längerer Dauer b.r gegenwärtigen Stagnation ber Druck zu groß wird und eine neue Welle d sZusammenbruchs von Land zu Land gehen muß.
Di- Preis- für M - r k e n arti k e l » n d M a r k e »- matt t tu «anbei von Schreibmaterialien und Büroartikeln sind metit nm 10 Prozent Herabgesetzt morden. Wegen einer Herabsetzung der Handelsspanne für häuft» gebrauchte Beoarfsarttkel schweben 8er- banilnngen.
*
Gestern nachmittag ist in dem Bergleichsverfabren der Brenuabor-Werke, Brandenbnrg/Havel, die Abstim- mnng vorg-nommen worden. Der Nergle'chsvorfchla« ist mit 93,7 Prozent ber ®län6igerttimmcn angenommen werten. *
$>k Siemens-Schnckertwerke A.-G. schließt das G.'sckäftslabr 1980/31 ohne Gcw'nn und Verlust ab ii. 9,8 Still. RM Reingewinn«. Bei der S i e m e u s u. saloke A.-G. ioU aus einem Reingewinn von 11.1 (i. 8. 16,4) Mill. RM eine Dividende von 9 <i. 8. 14) Prozent verteilt werden #
fthte der größ'en deutschen BüromasMnen-Sabriken. tu gleich isie^oßtt SveziaUabrik für Büromaichinen des Kon- Kenf8/Me M ereeb es 8 ll r o m o schi n e n - We rfe 2?ÄW«s ! '!'!>>,m Tt- ‘-M-’-tt bettagt ,nr
Zeit trotz der Krise »och über 120'1 Personen.
Auch das Verlangen nach Wiedereröffnung der Börsen wird nach der Verlängerung des Stillhalteabkommens immer dringender. Allmählich scheint nun auch die Reichsbank d,e Bedenken, die sie im Hinblick auf ihre Deoisenlage gehabt hat, aufzugeben, wenn auch die ungelöste Reparationsfrage noch ein starkes Unstcherheitsmoment bildet. Da ober ausländische Verkaufe nur auf Reichsmark-Sperrkonto gutgeschrieben werden können, ist die Gefahr umfangreicher Auslandsabaaben nicht so groß. Die Wiedereröffnung ber Börsen würbe bessere Beleihungsmöglichkeiten. für das mobile Kapital bringen. Man rechnet damit, daß zunächst ber Freiverk^r in ben Börsenräumen wieder zugelassen wird. In breiter die Basis für die Geschäfte ist, desto normaler wird sich die Kursentwicklung gestalten. Mit der Zulasiung des Börsenfreiverkehrs müßte aber auch das Verbot der Kursveröffentlichung fallen, damit dem Publikum nicht die Kontrolle üoer feine Geschäfte genommen wird. Wann die Börsenräume wieder geöffnet werden, steht noch nicht fest, cs dürften noch einige Wochen mit den vorbereitenden Verhandlungen vergehen.
In der Handelspolitik brachte die letzte Woche den Abschluß des deutsch-französischen Elektro- Vertrages, der ber deutschen Elektroausfuhr nach Frankreich ben prozentualen Anteil von 1931 sichert, allerdings unter Berücksichtigung des Beschäftigungsgrades der französischen Industrie; das bedeutet eine Kürzung der deutschen Elektroartikel-Ausfuhr nach Frankreich für das nächste Vierteljahr um fast ein Drittel. Auch abgesehen von dieser Kürzung, ist das Kontingentierungswstem eine schwere Be.inderung der Weltwirtschaft. Das deutsche Zollermächtigungs- gesetz ist vom Ausland ziemlich ruhig ausgenommen, trotzdem hat der Reichsverband des Deutschen Eroß- und Ueberseehandels nochmals energisch auf die Gefahr einer handelspolitischen Isolierung Deutschlands aufmerksam gemacht. Man scheint aber im Ausland überall eingefehen zu haben, daß Deutschland nur unter äußerstem Zwange gehandelt hat. Dr. H. L
Die Konferenz von Lausanne, die bet deutschen Wirtschaft die Regelung ber Reparations- frage unb bamit den Ansatz zur Wiederbelebung bringen sollte, ist ausgefallen. England und Frankreich haben sich nicht rechtzeitig einigen können, und die Ausfichten auf eine endgültige Regelung sind un- ichcrer denn je. Ende Juni läuft das Hoover-Moratorium ab. Bis dahin muß unbedingt etwas ge- chehen. Die Ungewißheit über bas Schicksal ber Tribute lähmt ble Unternehmungslust unb verschärft bie Wirtschaft^rise immer mehr. Alle Bemühungen bes deutschen Volkes, sich auf ein niedrigeres Wirtschaftsniveau einzustellen, sind vergeblich, wenn es nicht gelingt, Deutschland von ber brückenben Last der Tribute zu befreien. Eher wird auch in ber Weltwirt- chaft keine Aenderung eintreten. Die Verluste, die die Wektwirtsibaft durch die Reparationszahlungen infolge der Stockung des Handelsverkehrs erleidet, tnb bedeutend größer als bie deutschen Zahlungen. Eine Lösung bet Tributfrage muß aber noch vor Ablauf des Moratoriums gefunden werden; wenn, wie Frankreich beabsichtigt, bie Konferenz erst im Juni stattfinden soll, so wurden die Verhandlungen unter dem Druck des ablaufenben Moratoriums für Deutschland nur ungünstig auslaufen. Eine rechtzeitig erfolgende provisorische Regelung würde für uns vorzuziehen sein, der aber möglichst bald bie enbgüHige Lösung des gesamten Tributproblems folgen müßte. Unhaltbar ist auch bie französische Forderung, daß bie Reichsbahn ober bas Saargebiet weiter als Psanb für bie Reparationen bienen sollen. Die Reichsbahn in diesem Jahre nicht einmal ihre Ausgaben aus Verkehrseinnahmen decken können, nachdem sie 1931 ihre Unterbilanz nur mit Hilfe ihrer Rücklagen ausgleichen konnte. Dich sie außerdem noch Reparationszahlungen leisten soll, ist ein Ding ber Unmöglichkeit.
Eine erfreuliche Unterstützung erfährt bie beutidje Reparationspolitik durch bas Gutachten ber Stillhalt e - Gläubiger ; biefes stellt fest, daß deutsche Zahlungen überhaupt nur aus einem Exportiiber- Auß möglich find, und bestätigt im allgemeinen bas ©utattiten ber Baseler Sachverständigen. Das neue Stillhalteabkommen stellt zwar ein Kompromiß dar, den mannigfachen Mängeln aber, die es aufweist, steht der für uns besonders wertvolle Erfolg gegenüber, baß eine Rückzahlung von Krediten nicht stattzufinden braucht. Rur bei ben nicht benutzten Krebiten ist zum 1. März eine zehnprozentige Kürzung gestattet. Weitvoll ist auch die Einschaltung eines Transferver- fabrens in die Rückzahlungen; wenn die Reichsbank erklärt ^daß ihr Devisenstatus gefährdet werde, braucht sie die Transferierung irgendwelcher Zahlungen nicht jujulaiien. Endlich schafft das Abkommen auch die Möglichkeit zur Umwandlung ber kurzfristigen Schulden in zehnjährige Zertifikate. Bebenklich ist allerbings bas von etwaigen politischen Ereigniffen abhängtge Kündtgungsrecht der Gläubiger. Inzwischen hat das Stillhalteabkommen schon insofern Erfolge gezeitigt, als Verhandlungen über die Umwandlungen eines Tei.es ber Auslandsguthaben in Hypotheken in Gang gekommen sind, durch bie bie Ärebite dem deutschen Kapitalmarkt erhalten bleiben.
Die Zinszahlungen für Auslandsschulden haben in bet britten Januarwoche zwar bie Gold- unb Devisenvorräte ber Reichs b a n k weitet vermindert, Pt 11 Muh asm" ttef umlauf ist aber n-r niedrigste ie l
Die Zinslast vor 0 und nach W dem tiJanudr 1932 905 870 540
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lungsmitteln ist zurückgegangen, da das Wirtschaftsvolumen sich infolge der Kaufkraftschwächung verringert hat. Nachdem die Stillhalteverhanblungen nunmehr abgeschlossen flnb, sollte für die Reichsbank endlich die Zeit für eine Diskontsenkung reif erscheinen. Ein höherer Diskontsatz kann Auslandsgelder doch nicht im Lande feffeln, das hat bie Erfahrung bewiesen. Ein Diskontsatz von 7 Prozent wiberspricht ben Bestrebungen her R '------- ------ ~
ber deutschen Wirtschaft
Bier Zigaretten Zigarren Rauchtabak Branntwein
Den stärksten Rückgang 1931 gegen 1930 zeigte ber Verbrauch von-Tabakwaren, Bier unb Südfrüchten, alAden Ge nuß m itteln, deren Konsum auch schon 1930 erheblich geschrumpft war. UeberbieS sinb dem Werte nach die Ausgaben für diese Genußmittel noch weit stärker gesunken, als der mengenmäßige Ver- br?u$’bS b“r$i»eg ein Uebergang zu billigeren Qua- lttaten sich vollzogen hat. Es fei hier nur an den Zt- garettentonfum erinnert, bei dem per Durchschnittspreis der abgcfetzttzn Zigarette 1930 noch auf über 5 M. lag, gegenwärtig aber auf 3% Pfg. liegt. Die Ausgaben des deutschen Volkes für Tabakwaren sind 1931 nur etwa halb so groß wie 1930 gewesen. Aber auch bei Lebensmitteln unb bei Bekleidung ist ber Rückgang des Verbrauchs sehr erheblich.
Neuerdings geht besonders der Fleischver- " ' brau ch stark zurück.
WS in das erste Hälbiähr 1931 hinein war die mengenmäßige Abnahme des Fleischverbrauchs nicht derart, wie infolge des Rückgangs der Einkommen hätte erwartet werden können, da das dauernde Sinken der Preise dem Mengenabsatz eine Stütze bot Der Grund hierfür ist bäritt zu suchen, baß die im landwirtschaftlichen Betrieb schlachtreif gewordenen Tiere verkauft werden muffen. Das sich dadurch zwangsläufig ergebende Angebot war mit Zunahme der Bestände von 1924 bis zum ersten Halbjahr 1931 dauernd gestiegen. Es läßt sich aber eine wichtige Umschichtung im Verbrauch feststellen. Ta Schweinefleisch besonders billig geworden ist, hat sein Absatz stark zugenom- tneu, Der Verbrauch von Schweinefleisch ist gegenwärtig weit starker als 1928, 1929 und auch als 1913. Insgesamt zeigt sich beim Fleischverbrauch der Vorkriegszeit gegenüber nur ein T ückgang um 3 Prozent Bemerkenswert ist dabei, daß in letzter Zeit der Verbrauch an Pferdefleifch wieder anfieigt. 1912 wurden 0,63 Kg Pferdefleisch je Kopf der Bevölkerung verbraucht, 1913 0.59 Kg. Nach einem sehr starken Rückgang des- Pferdefleifchverbrauchs in den Jahren 1926 bis 1928 war der pro Kopf-Verbrauch 1930 bereits wieder auf 0,59 Kg angelangt unb dürfte 1931 nach vorläufigen Berechnupgen auf über 0,61 Kg gestiegen sein
Fleischverbrauch (Kg) je Kopf der Bevölkerung.
Altbau Neubau Landwirtschaft Industrie
-Hausbesita -Handel u.G?weri>
juiei Monaten. Der Bedarf Der WiÜphüst an Zah-
roa). Hannover, beruft unntneür auf ben 17. Jebrrrar eine 06. G -8. ei», ber Anzeige nach « 240 HGB. erftatte! wer- be» fall. Die Berfammlnng ,'oll ferner. Befchlub faden über -'.t Anflöiung bet Gesellschaft.
Der neue Vetbanbs-Sondikus Günther Behrenz sprach einseheno über den Einftuh der allg-meinen Witt- fchaftsktise aut das Holzgewerbe. Als Pro. durttonsgüterrndusiri« ici die Ho^wirrtwatl dem Aus und Slb der Konjunrturbewegung am itärfften ausgesetzt. Im- mer betrieben aut Sem Holzmarrt entweder Hauste oder Baisse, niemals aber tür einen längeren Zettraum einiger, maßen beständige Berhältnitse. Sie auf affen Warenmärkten, io besteht auch beim Holz ein ungesundes Berhältnis zwilchen dem Angebot uni den ständig verringerten Abiab- mdgltmfeifen. Im Einka u f sei eine konstante Preisbildung das Haupterfordernis der Lage. Diesem Ziele seien regetmätzige Berganotunge» mit den tvonfvermaüungen gewidmet, die eine Stabilisierung des Bnchenrandhslzpreiies bereite gebracht haben und die demnächst auch auf 2? adel» rundbolz ausgedehnt werden sollen. Ter Preisabba» in der Holzwirrichait fei in den vergangenen Jahren weit über das tragbare Matz hinaueaegangen und die Hottpreife lägen heute gröhrenreils.unter dem Vorkriegsstände Neue Unsicherheit werde durch die drohende Gefahr einer stärkeren Ginfiihr russischen Holzes und der 6rri*tung von Konsignationslagern tür^bae russische Holz geschaksen Jedoch nno alle möglichen »»ritte ort oer Sietaj.-tigi rung Bereits unternommen, «odatz Gegenmaßnahmen wohl au et« warten sind.
Der Präsident der Industrie- und Handelskammer K»siel, Bankdirektor Dr h c. Karl L P f e i s s e r, hielt einen Vorrag über aktuelle Bank- und K r e d i t f r a ge n, inssteiondere beoandelte er.dte Frage: Wie kann eine -en- r£cJ- dronisionsiätz- berbefs führt werden?
Grande n Tr. P etffer wtes darauf hin, daß er sich bereis, iruinr in wöiruttKn ^criamimnnaen für Die Ermätziauna x Prozent stark eingesetzt hatte, denn so mL? fett dem 21. tsevtember 1931 einen Prozent bat, könne sich atlch Teuttchland i,.rCtü^’a?n5Sa«6 auT 6 Prozent leisten. Im allgemeinen k aSin e'-“? erhebliche Lenkung der Zinien nötig.
Gitte Sjwße Uolle tvtele noch Sie Frage der Proviss o - !'.e n. num Iticrfiir ntvffe eine F, "'öü! ntu' ct"tr,,?n. att r I attta.. ritnnr ^> > 'Zoi • ,'stattnicht erreicht tveroe», denn • bä,» ict das bttnto noch zu grotz.