Einzelbild herunterladen
 

Nummer 23*

Donnerstag, 28. Ianuar 1932

22. Jahrgang

Hessische Abendzeitung

nitttaebetiäge inMh^gtSSi «,g^

Meta Ä* MWü

Kasseler Abendzeitung

endgültige Erklärung Hindenburgs ist aber dem Ver­nehmen nach noch nicht abgegeben worden.

Gerüchte um Brüning.

Leitern sind in -diesem Zusammenhänge auch wie- ver Gerüchte verbreitet worden, daß der Rücktritt

Kabinetts Brüning unmittelbar bevor­stunde. Diese Gerüchte entbehren jeder sachlichen Grundlage, vor allem aber der Aktualität. Es ist na­türlich durchaus möglich, daß der Kanzler nach der Rückkehr aus Genf im Reichstag parlamentarische Schwierigkeiten finden wird, die ihn eventuell zu ei­ner Krise führen können. Aber es gilt als vollkom­men ausgeschlossen, daß der Kanzler vor dem Beginn dieser außenpolitischen Verhandlungen demissioniert, und eben­so wird der Reichspräsident das jetzige Kabinett nicht opfern, um damit -die Stimmen der Rechten bei der Präsidentenwahl für sich zu gewinnen.

Die Prästdentschaftswahl liegt jedoch nach wie vor im unklaren; sie wird vor allein von der Haltung der Deutschnationalen stark beeinflußt werden, die ihrerseits noch keine Mitteilung von ihrem weite­ren Verhalten veröffentlicht haben, bei denen man aber auf eine Unterstützung der Kandidatur Hindenburgs anscheinend nicht rech­nen kann.

Oer bayerische Aufruf

Der oben erwähnte Aufruf den eine Reihe bekann­ter bayerischer Persönlichkeiten u. a. der frühere Präsident des Reichsfinanzhofes Jahn und der jetzige Präsident Dorn, Generaloberst Graf von Bothmer, Forstrat Tr. Escherich, Dr. Georg Heim, der frühere bayerische Landwirtschaftsminister Dr. Fehr, der Schriftsteller Dr. Max Halbe zur Reichspräsidenten­wahl erlassen hat, enthält u. a. folgende Sätze:Der außenpolitische Erfolg der kommenden entscheidungs­reichen internationalen Verhandlungen ist mit bedingt durch die Geschlossenheit, mit der das deutsche Volk hinter seinen Unterhändlern sieht. Auf den Einsatz des gewaltigen Ansehens, das der Name Hindenburg im In- und Auslande genießt, dürfen wir nicht ver­zichten. Sein Ausscheiden würde schwere Partei­kämpfe heraufbeschwören, deren Ausgang ungewiß ist. würde den Weg für Zufallsanwartschaften frei machen,

Strich durch die Paragraphen!"

Prof. E-ff-t über Me UnWarfe« »er fr«W,n $or»en,n9en / Berliner und Münchener Borbereünngen zur PrMenienwahl / Sein Wiri« Brüning-

.Diesem Ausschuß sollen Persönlichkeiten des offenllichen Lebens auf den verschiedensten Gebieten also-aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Industrie usw. angehören. '

Das charakteristische Moment dieser Vorarbeiten liegt also dann, daß politische Parteien nicht daran beteiligt sind, sondern daß Organisatio­nen anderer Art und Einzelpersonen die Wahl Hin­denburgs zu vertreten beabsichtigen. Diese Ausschal­tung der Parteien, die auf das Scheitern des parla- mentanichen Versuchs zurückzuführen ist, hat jedoch auch ihre Nachteile, denn darin liegt die Gefahr einer Verstärkung parteipolitischer Gegenwirkungen, besonders bei den Oppositi­onsparteien der Rechten. Bei den Deutschnationalen und Nationalsozialisten ist noch keine Neigung dafür zu erkennen, für eine neue Kandidatur Hindenburgs «inzutreten.

Di« Nationalsozialisten wolle« in der Mitte der nächsten Woche i« München eine FLhrertagnng abhatten.

um zu entscheiden, ob sie überhaupt eine eigene Kan­didatur aufstellen, für die neuerdings auch nicht mehr General von Epp, sondern der Abgeordnete Frick im Vordergrund steht. Eine andere Version, die jedoch stark bezweifelt wird, spricht davon, daß Adolf Hitler sich nun doch noch persönlich als Kan­didat für die Präsidentschaftswahl aufstellen laffen wolle.

Die gesamte Lage in der Präfideutschastsfrage ist durch die Uneinheitlichkeit ber Gruppen, welche für Hindenburg eintreten, und durch die Erwartung par- siipolitis^r Schwierigkeiten gekennzeichnet. Auf Grund dieser Sachlage besteht in politischen Ä r etfen der Mitte eine wenig optirni- K i i d; c Beurteilung für den Ausgang des ersten Wahlganges. Einmal muß man damit rechnen, daß bei der Aufstellung eines ernsthaften Gegenkandida­ten die notwendigen 50 Prozent aller Stimmen für Hindenburg nicht zusammenkommeu werden. Vor allem aber ist zu befürchten, daß Hindenburg bei einer derartigen Entwicklung der Dinge es überhaupt ablehnen wird, zu kandidatieren, weil er nicht von den Wählern der Linken und der Mitte allein gegen die Stimmen der Rechtsparteien gewählt fein will. Vorläufig hat er noch keine Erklärung po­sitiver oder negativer Art abgegeben.

Es ist sestzustellen, daß den pessimistischen Anschau­ungen der oben erwähnten Kreise eine sehr opti­mistische Anschauung in Regierungs­kreisen gegenüberstsht.

Besprechungen beim Reichspräsidenten.

Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß gestern zwei Besprechungen stattgesunden haben, ein­mal zwischen Sem Reichsprä äs identen und dem Reichswohrminlster Groener, die andere zwi­schen Reichspräsident und Kanzler. In diesen Untenebungen soll von der Abrüstungskonferenz und von der außenpolitischen Lage gesprochen worden sein, aber man muß es als selbstverständlich voraus- setzen, daß auch die Innenpolitik und vor allem Die Präsioentschastsfragc dabei zur Debatte stand. Eine

td. Berlin, 28. Januar.

Die: Verhandlungen über die Ausstellung der ®?6 , »r Hi«denburgs für die Reichs-

Prastdentenwahl sind nach dem Scheitern der parla- memansst^n Aktion des Kanzlers bekanntlich in aller Stille geführt worden, aber jetzt sind diese Dinge un- vermittelt an die Oeffentlichkeit getreten, obwohl die . ... zu einem ein-

^itliche« Ergebnis geführt haben. In München »st gestern ein Aufruf erschienen, in dem sich füh­rende bayerische Persönlichkeiten für die Volkswahl Hindenburgs aussprachen. Dieser bayerische Aufruf rft eine völlig isolierte Aktion, die in keinem Zn- sammenhange mit de» Berliner Be° fprechungen steht. Diese Berliner Verhandlungen flud zunächst tro« einigen Politikern der rnittelpartei- lichen Kreise in Gang gebracht worden, die sich aber darauf beschränkt haben, die Personen auszuwählen welche ihrerseits den eigentlichen Wahlausschuß bil­den sollen. An der Spitze dieses A u s s ch n s s c s, der noch garnicht perfekt geworden ist, steht der Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm, welcher gestern abend unmittelbar nach Erscheinen des baye­rischen Ausrufes die Mitteilung veröffentlichte, daß er nun seinerseits die Aufforderung zur Bildung des Ausschusses an die in Betracht kommeilden Persön- lichkeilen ergehen läßt, sodaß für Mitte nächster xvödK auch mit einem Aufruf des Berliner Ausschusses zu rechnen ist.

wÄSSlv,m'a ber

Die Reichsverfassung sieht die Volkswahl vor und damit die Kundgebung des Volkswtllens jenseits der 9«rtVt£an£nr£en' bayerische Volk hat 1925 die S3af)I be§ Feldmarschalls entscheidend mit beeinflußt Wir hallen uns daher befugt, den ersten Schritt zu tun.Wir rufen aus zur Wi e r> e r w a h l des Man­nes, der wie fein zweiter Denticyland verkörpert. Wir wollen den Herrn Reichspräsidenten bitten, sich zur Wahl erneut, zur Verfügung zu stellen."Unser Ruf ergeht °n alle, ohne Unterschied des Alters, des Stan! beides Geschlechtes, des Bekenntnisses und der Par-

Stockholm, 28. Januar.

Professor Gustav Cassel erbringt am Don- nerstaa imSvenska Dagbladet" den Beweis dafür daß Frankreich und seine Verbündete« das Recht verwirkt haben, von Deutschland irgend- welche Tribute zu fordern.

. Die Versuche Frankreichs, die deutsche Tribut­frage und die amerikanische Schuldenfrage zusam- menzukoppeln, seien, so schreibt Cassel u. a., unbe­rechtigt.Dadurch, daß Frankreich die deutschen Tributzahlungenitr Voraussetzung ber Zahlungen an Amerika macht, versetzt Frankreich die Vereinig­ten Staaten in die unangenehme Lage, die Repara­tionen eintreiben zu müssen, mit denen Amerika Nichts zu tun haben will. Amerika hat hierbei zweifellos das Recht auf seiner Seite."

Cassel setzt dann auseinander, daß die Tribusior- derungen und die Unwillwkeit ber Forderungslän- b". die deutscherseits notwendigen Ausfuhrüber­schüsse aufzunehmen Deutschland ungeheuren Scha­de« Mgefügt hätten, so daß die Forderungsländer das Recht zum Empfang 6er Zahlungen verwirkt hatten.Wenn die Gläubiger sich eines so groben Mißbrauches ihrer Stellung schuldig machen" daß sie dein « ch u l d n e r «>cht nur die Z a h l u n g u n - möglich machen, sondern ihm darüber hinaus unermeßliche« Schaden zufügen, so wird alles Gerede über die Heiligkeit eingegangener Ver­pflichtungen nichtig, formelles Recht wird dann von materiellem Unrecht zerbra­ch e n, und es bleibt nichts anderes übrig als einen Strich durch die Paragraphen zu machen, die fente moralische Berechtigung haben. F« per jehiqen Lage ist es unmöglich, die Tributfrage anders zu sehen. Deutschland kann mit vollem Recht erklären daß die Forderungsländer durch die Art ihres Vor­gehens Deutschland so große Verlust,, zugefügt ha­ben, daß weitere Zahlungen deutscherseits unmöglich sind und das Recht zu solche« Zahlungen verwirkt

Kein einziger Soldat weniger!

Paris, 28. Januar.

Der ehemalige Präsident der Ravrtatistischen Par­tei, D a l a d i e r, wendet sich in octRepubligue" gegen die von französischen amtlichen Stellen ver-

Kür Volkswahl Hindenburgs!

lvon unserer Berliner Schriftleitung).

tretene Behauptung einer angeblichen Rustungseinschränkung Frankreichs. Benn Vergleich mit 1913 zeige sich, daß

Frankreich seine» Heeresbestand nicht um einen einzigen Soldaten herabgesetzt

habe. Poineare habe 1922 in einer Denkschrift an den be,u Truppenbedarf Frankreichs auf

693 090 Mann beziffert. Damals hätten sich aber 200 000 Mark in den Kolonien befunden und 160 000 Mann int Rheinland, in der Türkei und in Ober- schlefieu. Nach der Denkschrift hätte die französische Armee im Jahre 1931 im Vergleich znm Jahre 1922 also höchstens 690 000 weniger 160 000 Mann, b h 530 000 Mann siihlen dürfen Am 1. Januar 1931 Habe aber die französische Armee im Mntterlande und den Kolonien sich ans 660 000 Soldaten znsammenge- j<frt. Es fei also keinerlei Herabsetzung vorgenom­men worden. In Frankreich selbst habe man zwar 80 Ml Soldaten weniger, doch werde dieser Ausfall durch sie '

Verstärkung ber Kolonialarmee

Wieser ausgeglichen, deren Einsetzung in Eu­ropa geplant und auch organisiert sei. Außeioem müsse man in Betracht ziehen, daß der französische Generalstab die Möglichkeit habe, in weniger als ei­ner Stunde 700 000 Mann ausgebildete Soldaten einzubernsen.

Die französische Regieruitg verteidige sich immer mit der Einführung der einjährigen Dienst- pslicht, die oenVerlust eines halben Jahrganges zur Folge gehabt habe. Dieser Verlust werde aber durch die Einstellung einer gleichen Zahl von Beruss- soloaten wieder wettgemacht. Auch die .Heeresansga- ben seien seit Loearno um 400 Millionen Franken gestiegen, ^ ie feien dreimal so hoch wie diejenigen Deutfchlands uns zweimal höher als sie ttaiieni- schen.

der Landstreitkräfte. Hierüber verlangen bie Anfra­gen bes Völkerbunbes entfprechenb bem Konventions- Entwurf überhaupt keine Angaben, weber über bas bei ben aktiven Truppen, noch über bas in ben Ar,enalen lagernde Material! Um welch unge­heure Mengen es sich dabei in ben ausgerüsteten Vanbern handelt, war im vorigen Artikel aüsqeführt. All das schlachtentscheidende Material, das Deutsch- land verboten ist, Tanks, schwere und schwerste Ge­schütze, Militärflugzeuge, wird einfach mit Still« Zweigen übergangen, und das soll eine gerechte Ab­rüstung sein!

. Um wenigstens ben Schein zu wahren, als ob für bie Materialbeschränkung etwas gesckmhe, wird von ber Beschränkung der Rüstungsansgaben gesprochen. Das ist nur ein Scheinmanöver: Dann werden eben die Angaben bei anderen Etats erhöht werden, wie es Frankreich schon längst tut. Dort werden nämlich Ausgaben für Rüstungszwecke nachweisbar bei neun anderen Ressorts verrechnet. Ein anderes Um« gchungsmittel wäre die Subventionierung der Rü­stungsindustrien. Daß dsi ans dem Kriege noch vor­handenen sowie die seit 12 Jahren neu geschaffenen Kncgsmatenalmagcn in Frankreich und seinen Va­sallenstaaten noch aus Jahrzehnte hinaus ausreichen wurden felb,t ohne neue Beschaffungen, sei nur nebenbei erwähnt. Militärisch besonders bedenklich lft es, day in der als Grundlage für die Festsitzung l'er Bubgeihohe bienenben Rechnungslegung nur bie Barzahlungen zu erfcheinen brauchen

31 des Konventions-Entwurfes betrifft die in anoeren Vanöern bis ins Genaueste durchgeführte mlUiartfche zzugendansbildung. Von ihm würde auch nur -reutichland betroffen. Ebenso von § 53, der an uns die unerhörte Zumutung stellt, daß wir die Versailler Diktat von uns erpreßte Abrüstungs- verpfllchkung nochmals und zwar freiwillig überney- men, wahrend durch dicsin gleichen Entwurf bie go

Widerlegte französische Thesen

Eigener Drahtbertcht.

Oer Konventionseniwurf brauchbar?

Nein! Sein völliges Versagen hat sich schon im vergangenen Sommer erwiesen!

Der Völkerbunb hatte im Juni 1931 alle Staaten aufgefordert, Angaben über ihre Rüstungsstärke zu machen und zwar an Hand der von ihm aufgestellten Tabellen und Bestimmungen. Diese entsprachen denen des Konventions-Entwurfes sowohl hinsichtlich ber ausgebildeten Reserven, als auch betreffs bes lagerns den Kriegsmaterials.

Die ausgebildeten Reserve«

w«en also errechnet nach dem Schlussel des Konven­tions-Entwurfs, der, wenn er auf der Abrüstungs- Konferenz durchgeht, für volle 10 Jahre laut Völker­bundsstatut Gültigkeit hat. Die dabei herausgekom­menen Zahlen sind im Verhältnis zur Wirklichkeit geradezu verheerend. Es erscheinen z. V. in den amerikanischen Tabellen die 22 393 Reserveoffiziere, b'e 1830 geübt haben, in einer Stärke von 1075 Hopfen, die übrigen 100 000 die Vereinigten Staa« teil haben 123 000 Reserve-Offiziere, die in 1930 ntmt geübt haben, überhaupt nicht. Dabei hat Ame­rika nicht irgendetwas zu verschleiern versucht und aus den wirklichen Stärken kein Hehl gemacht. Aber nach den Bestimmungen des Völkerbundes über die Art, Angaben 3U machen waren, ergab sich eben die Zahl lOro. Ein anderes Beispiel: Die Schweizer betrugen .nach dem Konventions-Entwms- Schlusiel 66- Offiziere, 12 290 Mann; die Schweiz war gleichzeitig mitzuteilen, daß aber jährlich /o00 Offiziere und 163 000 Mann Dienst getan hatten!

soS ein Rechenkunststück überhaupt mög- ~ Der Trick, den sich Frankreich ausgedacht hat, ist silgender: Die Stärken der Truppen sind als durchschnittliche Tagesstärken anzugeben. Diese erraff« nen sich aus der Zahl der Eingezogenen, multipliziert mrt der Zahl der Uebungstage, geteilt durch die Tage b^^?Hrr (b65). Das bedeutet in der Praxis, daß P" ^>700 Resirvisten, die je 18 Tage geübt haben, in ber Starketabelle nur mit 10 Mann berechnet werben, ober, um eine größere Zahl zu nennen: bie 4 Millio­nenausgebildeten französischen Reserven brauchten, selbst wenn sie alle in einem Jahre eingezogen wären, tn ber Starketabelle nur als 200 000 Mann aufge« fuhrt zu werden. Da jährlich nur etwa 200 000 Mann (immerhin noch zweimal so viel wie die Reichswehr) einberufen werden, so ergibt die errechnete Zahl na­türlich em völlig falsches Bild. Dabei sind bie aus - 0ebtldeten Reserven nach Ansicht bei Militärs unb Politiker aller Länder in einem zukünftigen Krieg mm ausschlaggebender Bedeutung. Hat doch der verstorbene französische Kricgsminister Magrnot einmal selbst bekannt:Wie wir sehen, sind dre Reserven dazu berufen, in unserer neuen Militär­organisation eine sehr große, ja, eine überragende Rolle zu spielen. Gerade über die ausgebildeten Reserven werden aber in den Anfragen nur Schein­angaben verlangt! Trotz allem wird nicht nur von Frankreich und seinen Vasallenstaaten, sondern auch von Lord Cecil, im Gegensatz zu seiner früheren Hal- tung, m dieser Frage behauptet, der Konventions- Entwurf diene einer ernsthaften Erfassung der ausge­bildeten Personalbestände.

Der zweite wichtige Punkt betrifft

das Kriegsmaterial

Offener Brief Hiiler« an Brüning

München, 28. Januar.

DerVölkische Beobachter" veröffentlicht am Don­nerstag einen umfangreichen offenen Brief Adolf Hitlers an den Reichskanzler als Ant­wort auf dessen Brief an Hitler. Hitler widerspricht der Darstellung des Kanzlers, es sei beabsichtigt ge­wesen, die Amtsdauer des Reichpräsidcnten im Wege der Gesetzgebungum eine gewisse Zeit" zu verlän­gern. Richtig sei, daß der Reichstag die Amtsdauer des Reichspräsidenten auf sieben Jahre, also auf die gesitzlich vorgeschriebene Amtsperiode, habe verlän­gern sollen. Es sei unverständlich, wie der Kanzler der Ansicht sein könne, daß damit der verfassungsmäßia bestimmte Hergang der Wahl des Reichsoberhauptes nicht verlassen werde. Die unausbleibliche Folge einer parlamentarischen Amtszeitverlängerung wäre eine unabsehbare Herabminderung des An- sehens und des Einflusses eines vom Parlament abhängig gewordenen Reichspräsidenten

Hsisir geht dann auf die politischen Ausführungen des Kanzlers ein unb sagt, es sei richtig, baß ber Verfailler Vertrag bie Not bes beutschen Volkes ver­ursache, aber zu bem Versailler Vertrag wäre es nie gekommen, wenn nicht bas Zentrum, bie Sozialdemo- kratie unb bie Demokratie bas alte Reich ausgehöhlt hatten. Am «Schlüsse seines Briefes verweist Hitler de« Verfolgnngsfelbzng gegen ben Nationalsozialismus förbere unb sagt weiter: aßenn ber Reichskanzler als sein gutes Recht ben G anben tn Anspruch nehme, baß es kein anberer batte besser machen können als er, bann dürfe er auch ben Nationalsozialisten das Recht nicht versagen überzeugt zu sein, daß es keine Regierung hätte schlechter machen könne,, als die seine.