Einzelbild herunterladen
 
  

Tlr. 20 / Zweiund,wanzigster Jahrgang

Kasseler Neueste Rachrichten

Montag, 25. Januar 1932 / 1. Beilage

Helft helfen!

Or. Stadler am Mikrophon

Der Winter dieses Jahres steht im Zeichen nie ge­kannte n Massenelends. Die Weltwirtschasts- krifis, die in unserem Vaterland, nicht zuletzt infolge der Last der Tribute, in katastrophaler Weise sich aus­wirkt, findet auch bei uns in Kassel in einer unermeg- lichen Not für Tausende unserer Mitbürger erschüt- ternben Ausdruck. Die Mittel, die Reich, Länder und Gemeinden für Arbeitslosenunterstützung und öffent­liche Fürsorge heute zur Verfügung stellen können, reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Nah- £**9- Kleidung und Heizung auch nur einigermaßen sicherzustellen. Zu der seelischen Not der Arbeitslosig­keit tritt das Gespenst des Hungers

Manch einer wird vielleicht sagen: Wenn wir durch die Straßen Kassels wandern, bietet sich doch das ge­wohnte Bild dar. Ein starker Strom von Passanten flutet auf und ab, und es scheint, als wenn auch die reich gefüllten Schaufenster unserer Kaufleute ihre An­ziehungskraft nicht verloren Hütten. Reges Leben überall! Selten steht man Verwahrlosung in der Klei­dung. Wer nun aber meinen sollte: Also ist die Not gar nicht so schlimm, also haben wir die Entwicklung der Dinge zu schwarz gesehen, dem sei zugerufen: Diese Meinung ist ein verhängnisvoller Trugschluß!

Ier der Oberfläche lauert das Eckreckgespenst furcht­barster Not! 45 000 Menschen sind in Kassel auf öffentliche Unterstützung angewiesen. 45 000! Das bedeutet, daß jeder vierte Mensch in Kassel seine not­wendigsten Ansprüche auf Kleidung, Nahrung und Unterkunft nur mit Unterstützung berufener öffentlicher Institutionen zu befriedigen vermag, d. h. doch, daß ein Viertel der gesamten Bevölkerung unserer Stadt sich schmerzliche Einschränkungen auf allen Gebieten seines Daseins auferlegen und manche Lebensgüter, die das Leben wertvoll machen, entbehren muß.

Aber so denken viele, wofür ist denn die Ar­beitslosenversicherung, wofür ist unser städtisches Wohlfahrtsamt denn eigentlich da, sie haben doch für die Bedürftigen zu sorgen.

Und gerade dies ist es, was mich heute zu Ihnen allen sprechen läßt. Nein, Stadt und Reich können und dürfen nur das Allernotwendigste geben. Nachdem nun aber in den letzten Wochen durch die katastrophale Entwicklung der öffentlichen Finanzen das Niveau die­sesNötigsten" wiederum gesenkt werden mutzte, hat sich das Verhältnis der gesamten Bürgerschaft zu den 45 000 notleidenden Menschen in unserer Stadt grund­legend geändert. Die Auffassung, daß die Gemein­den ohne besondere Inanspruchnahme der gesamten Bürgerschaft von sich aus allein die Versorgung und Betreuung der Notleidenden durchführen könnten, mochte bislang eine gewisse Berechtigung haben. Nun aber, wo Reich und Gemeinden beim besten Willen der Not nicht allein Herr zu werden vermögen, mutz derEedankedesFüreinander-Einstehens alle Seelen erfassen und alle Hände öffnen. Ich weiß sehr wohl, daß heute jeder schwer zu kämpfen hat, daß kein Haus frei ist von Sorgen um die Existenz, daß jede Familie sich Einschränkungen auferlegen muß. Aber trotz alledem: wer noch über eine feste Ein­nahme verfügt, der muß helfen und geben für die, die in bitterer Not sind.

Dies ist der Sinn der Kasseler Winter­hilfe! Nicht eine städtische Maßnahme ist fte,- sondern sie wird, wie überall in Deutschland, getragen von den Organisationen der freien Wohlfahrt ohne jede politische oder sonstige Absicht.Dem Notleiden­den zu dienen" das ist der einfache, schlichte, rein menschliche Gedanke, aus dem heraus unter Führung unseres Hindenburg die Winterhilfe entstanden ist, und der ihrem Wirken Impuls und Richtung gibt. Man­ches ist schon getan. Zahlreiche Männer und Frauen haben sich selbstlos in den Dienst der Kasseler Winter­hilfe gestellt, haben Zeit und Kraft geopfert, um alle die Sammlungen von Geld, Lebensmitteln, Kleidern, Wäsche und Schuhen zu organisieren und durchzufüh- ren. Und viel ist schon von einsichtigen und opferfreu­digen Menschen gegeben worden, nicht nur in Kassel

selbst, sondern, dank der eifrigen Mitarbeit verständ­nisvoller Persönlichkeiten, auch auf dem Lande als Ausdruck der Schicksalsverbundenheit zwischen Stadt und Land. Erfreulich ist es, daß durch Versorgung mit Kartoffeln und Geldmitteln die Massenspeisung mit rund 1600 Portionen täglich für den Winter sicher- gestellt werden konnte. 2800 bedürftige und unterer­nährte Kinder werden mit Unterstützung durch städti­sche Mittel von der Winterhilfe bereits regelmäßig mit guter Milch versorgt: ein erheblicher Teil der Be­völkerung wurde mit Kleidungsstücken, Wäsche und Schuhen ausgestattet. In einzelnen, besonderen Not­fällen wurden auch Lebensmittel und Brennstoffe ge­geben. Und das alles neben der etwa vom Wohl­fahrtsamt gewährten Unterstützungsmaßnahme.

Gewiß: ein erfreuliches Zeichen, für das man dank­bar fein muß. Und doch angesichts der Größe der Not nur ein Anfang, nur ein erstes Lindern allzu in1 die Augen fallenden Elends. Die Winterhilfe wird sich trotz der bisherigen außergewöhnlichen In­anspruchnahme der Bürgerschaft durch Sammlung von allen möglichen Seiten mit aller Aktivität in den nächsten Wochen durch erneute Eeldsammlungen an den Opsersinn der Kasseler Bevölkerung wenden.

Auch die geringste Gabe hilft mit am Werk. Und so richte ich denn in meiner Eigenschaft als Oberbürger­meister die herzliche Bitte an jeden meiner Mitbürger und Mitbürgerinnen: helfen Sie uns! Ts ist dafür gesorgt, daß Ihre noch so geringe Gabe dazu beiträgt, Elend zu mildern, hungernde Kinder froh zu machen, Krankheit, Hunger und Kälte von ihnen fernzuhalten. Ich bitte auch darum, daß Sie die zahlreichen Ver­anstaltungen, deren Erlös der Winter­hilfe dienen wird, besuchen. Auch damit helfen Sie uns wesentlich. Die Kapelle des Staatstheaters, die Reichswehrkapelle, der Siidwestdeutsche Rundfunk und verschiedene Vereine und Verbände haben sich dankenswerterweise unentgeltlich in den Dienst der Sache gestellt. Dr. Stadler, Oberbürgermeister.

Unverschämter Wucher

Kirche und Leben

Oie evangelische Woche in Kassel

rgr. Am Freitag und Samstag abend sprach Professor Staehlin in der Karlskirche über die Frage .Lobensordnung und Chaos". Er streifte die äußerliche Bedeutung des Wortes Chaos, mit dem meist eine rein äußere Verwirrung der Ordnung gekennzeichnet wird. Wir können uns denken, daß in einem äußerlichen Chaos einzelne heldische Men­schen durch das Beispiel ihrer Sicherheit einen ge­ordneten Kreis um sich sammeln, während ringsum Leidenschaften und dämonische Triebe entfesselt werden.

Es bedarf nicht der Zerstörung der äußeren Ord­nung, um Chaos hervorzurufen. Das Chaos von heute ist

nichts als die Auswirkung des ungeordneten Zustandes der menschlichen Seele.

Wenn wir in das Leben der scheinbar primitiven Völker Indiens oder Afrikas oder Südamerikas blicken, und diese Einblicke werden heute tiefer ge­tan denn je, so entdecken wir eine viel größere in­nere Ordnung des Lebens als wir sie bei uns fin­den.

Wenn spätere Generationen auf das heutige Ge­schlecht zurückschauen, werden sie es als das Ge­schlecht bezeichnen, daß die Stille nicht kennt.

Mose Furcht vor der Stille ist die Furcht vor dem Anblick der Auflösung unseres seelischen Lebens.

Uebemll erschallt der Ruf nach Diktatur, Autorität und Selbstbeherrschung, als ein Rus der Hoffnung, das Chaos bändigen zu können. Gin Einzelner kann

im letzten Jahrhundert darstellte und die Formwaud- lnngen der Frömnügkeit seit der Zeit der Aufklärung darstellte.

Die Geschichte der Frömmigkeit weist der Kirche das Ziel, die Reformation wieder lebendig werden zu lassen mit allen ihren Kräften durch eine der Zeit entsprechende lebensstarke Form der Frömmigkeit. Die Geschichte weist auf die Rolle der Kirche im politischen Leben der Gegenwart hin, ebenso wie die verfassungsmäßige Entwicklung der Kirche die Not­wendigkeit eines neuen Verständnisses für das kirch­liche Amt dartut.

¥

Führertagung der Evangelischen Frauenhilfe. Dom 18.20. Januar fand in Kassel eine Führerin- nentaaung der Kurhefsischen Frauen­hilfe statt, die 66 Leiter und Vorsitzende der Evang. Frauenhilfen aus Kurhessen vereinte. Als Rednerin der Tagung war Frau Dora Hasselblatt, Dolks- missionarin der Wichernvereinigung, gewonnen. Sie zeigte in drei Vorträgen die Aufgabe der evange­lischen Frau gegenüber den heutigen Zeitströmungen und stellte den Versammelten vor Augen, was die Evangelische Kirche dem einzelnen Christen geben kann.' Die Bibelstunden führten an den Kernpunkt und die Kraftquelle des Christentums, während an einem Abend Generalsuperintendent D. Dettmering das Bild einer christlichen Mutter, der Herzogin Do­rothea. Sibylla von Liegnitz und Brieg, den Zuhörern lebendig vor Augen stellte. Die Tage des Lehrgangs gaben allen Beteiligten neuen Mut für die Aufgaben, die von der heutigen Zeit jeder evangelischen Frau nabegebracht werden.

Ein krasser Fall von Kreditwucher wurde^ durch die Anklage gegen den früheren Werkmeister Johann K- aus Kassel an das Licht des Tages befördert. In der Maske des Biedermannes hatte sich K. eines Tages an eine alleinstehende Geschäftsfrau herange- macht, die ihm ihre finanziellen Nöte schilderte und ihn um ein Darlehen von 100 Mark anging. K. ge­währte das Darlehen auch und ließ sich eine Ver­gütung von 20 Mark dafür versprechen. Es wurde ein Wechsel über ven Betrag von 120 Mark ausge­stellt, den K. an sich nahm. In der Zwischenzeit zahlte die Schuldnerin auf den Wechsel kleinere Be­träge ab. Aber wenn das Akzept verlängert wurde, füßte K. es immer wieder über den Betrag von 120 Mark aus. Selbst dann noch, als er längst sein Darlehen zurückerhalten hatte. Und als die Frau sich weigerte, weitere Zahlungen zu leisten, hatte er noch die Stirn, den Wechsel vrnzuklagen und aus Grund eines Versäumnisurteils die Zwangsvoll­streckung zu betreiben. Auf diese skrupellose Weise hat er in ganz kurzer Zeit für feine 1'00 Mark rund 250 Mark zurückbekommen.

Der Staatsnwalt nannte ein solches Vorgehen mit Recht unverschämten Wucher. Das Gericht war der gleichen Meinung und verurteilte K zu drei Monaten Gefängnis und zu 250 Mark Geldstrafe.

Oie Bedeutung

der Reichsbahndirekü'on Kaffe

Wie bereits gemeldet, dementierte die Pressestelle der Reichsbahndirektion Kassel das in der Presse ausgetauchte Gerücht, daß die Reichsbahndirektion Kassel demnächst aufgehoben wird.

In diesem Zusammenhang wird von der T. U. von angeblich unterrichteter Seite mitgeteitt, daß d'.e Reichsbahndirektion Kassel als Werkstätten-Direk- tion, der die großen Ausbesserungswerke in Darm­stadt, Frankfurt, Fulda, Limburg, Göttingen, Nied uird Parderborn unterstellt sind, besondere Be­deutung hat, während sie als reine Strecken­direktion verhältnismäßig zurücktritt. Es bestände daher vielleicht die Möglichkeit, daß Kassel als Zen-

Helfer melden sich

durch Selbstbeherrschung gewiß in engen Grenzen das Chaos feiner Seele bändigen, doch nie vollkom­men klären, wenn der Wille, der das Chaos bän­digt, nicht Bringer neuer sinnvoller Ordnung des Lebens ist. Nur wer sein eigenes Wesen geordnet hat, kann Führer zur Ordnung sein. Denn die Kraft der Ordnung kommt nur aus der geordneten, nicht aus der gebändigten Seele. Die Bändigung des Chaos, das keine Ordnung erfahren hat, führt zum Fanatismus, den man leicht als zur Einseitig­keit gebändigte Unordnung erkennt.

Gibt es eine Heilung des Chaos durch Organi- sation? Es ist vermessen und unchristlich. ein ge­dachtes prdnungsbild in der Welt durchsetzen zu wollen. Ordnung ist etwas anderes als Organisa- tion. Ordnung erwächst nicht als organisierter, son­dern als organischer Vorgang, in dem sich das Geheimnis der Schöpfung wiederholt: Das Geheim­nis der Scheidung und der Gestatt. Nur durch Scheidung nach Gleich und Ungleich kommt man zur Ordnung. Der Wahn der Weichheit ist Element des Chaos. Alles Leben ist verschieden, Gleichheit ist Tod. Das Scheiden ist notwendig, damit Gestalt werden kann, und in diesem Sinne ist auch Kamps notwendig.

Gott gibt nun das Maß der Scheidung zur Ord- nnng des Lebens.

Tie K. N. N. hatten schon oft Gelegenheit, die Hilfsbereitschaft der Kaffer Bevölkerung festzustellen, wenn sich aus eine Schilderung irgend einer Notlage sofort auch Menschen meldeten, die helfen wollten. Meist waren es Leute, die selbst nicht zu den Be­güterten zählten, die aber für die Not ein Herz haben und von dem Wenigen gern milteilien an die, die noch weniger haben. Auch jetzt erhalten wir wieder zwei Zuschriften, die wir im Folgenden veröffent­lichen:

Durch Ihren gestrigen Artikel über dieverges­senen Arbeitslofen" veranlaßt, möchte ich Sie bitten, wenn möglich mir die Anschrift der betreffenden stel­lenlosen Büroangestellten, die eine 75-jährige Mutter nebenbei zu pflegen hat, anzugeben, vielleicht könnte ich ihr mit Kleidern nsw. meiner verstorbenen Frau etwas Helsen. Auch die Adresse der Jüdin wäre mir erwünscht zu erfahren. Da ich felbst ein 74-jähriger alleinstehender Kleinrentner bin, kann ich mich in die Lage dieser Armen sehr gut hineindenken.

Ihnen im voraus bestens dankend, zeichne ich

G. R."

Erschütternd ist der Aussatz:Die vergessenen al­leinstehenden Arbeitslosen", den ich soeben gelesen. Ich bin selbst Kleinrentnern! und bin arm geworden, würde ober gern von dem Wenigen, was ich habe, den Aermsten, wenigstens einer alleinstehenden Ar­beitslosen eine kleine Freude mackfen, und so wird es wohl noch mehr Menschen geben, denen die Rot zu Herzen geht. Warum steht nicht in den Neuesten Nachrichten, wo man eine Adresse erfahren kann.

Durch die Heilsarmee bekam ich auch eine Familie angegeben.

Wo erfährt man die Wohnung?

Dein Schreiber dieser Zeilen wollen wir gleich ant­worten: Die Adressen der Notleidenden sind durch die K. N. N. zu erfahren. Eine Veröffentlichung ist aus Gründen der Takts nicht geboten. Wir bitten den Einsender, uns seine Adresse anzugeben, damit wir ihm die gewünschte Auskunft erteilen können.

Und unseren hilssbereiten Lesern sagen wir öffent­lich unseren herzlichen Tank.

tralleitüna für die genannten Werkstätten, die zweck­mäßig zentral verwaltet würden, bestehen bliebe, da­gegen als Streckendirektion einmal verschwindet. ,sm Augenblick, so wird auch von dieser Weite betont, komme eine solche Maßnahme aber nicht i n Frage. Tas Gerücht fei wahr,t^nttch veranlaßt durch gewisse innere organisatorische Aenderungen bei der Reichsbahndirektion Kassel.

*

Amtlich nichts bekannt

In einem Teil der Presse wird im Anschluß an die amtliche Nachricht, wonach die Gerüchte von einer etwa beabsichtigten Auflösung der R. P. D. Kassel gänzlich unzutreffend sind, eine Mitteilung vonkon­sistenter Seite" gebracht, daß die Reichsbahndirektwn Kassel doch als Streckendirektion verschwindet und nur als Werkstättendirektion bestehen bleibt. Wie W.T.B. von amtlicher Seite (Pressestelle der Reichsbahndirektion Kassel) dazu erfährt, ist von ir­gendwelchen organischen Aenderungen solcher oder ähnlicher Art bei der Reichsbahndirektion Kassel selbst nicht das geringste bekannt.

Fast 350000 Arbeitslose

im Landesarbeitsamtsbezirk Heffen

Heber die Arbeitsmarkttage in Hessen-Nassau und Hessen berichtet das Landesarbeiisamt Hessen m Frankfurt am Main: Die Arbeitslosigkeit hat auch in der ersten Iannarhälfte noch ganz beträchtlich zu­genommen. Die Zahl der Arbeitsuchenden erhöhte sich um rund 16400 oder 5 Prozent auf 346275 (m der Vorberichtszeit um 18500 oder 6 Prozent). Diesesmal sind die Saisonaußenberuft an der Zu­nahme weniger stark beteiligt als die übrigen Be­rufe, und zwar mit nur rund 5000 oder 30,4 Pro­zent gegen 8 700 oder 47 Prozent im vorigen Be­richtsabschnitt, was darauf zurückzuführen sein dürfte, daß der Zustroni aus den Autzenbermen all­mählich aufhören muß, weil überhaupt nur noch wenige unbedingt nötwendige Arbeitskräfte beschäf­tigt werden. Von den üfrigen Berufen werden durch die weitere Verschlechterung der Wrtschasts- lage immer mehr Kräfte entbehrlich und entlassen. Tie Zunahme von Arbeitsuchenden war am größ­te,l in der Metallindustrie (2804 mehr), im Beklei­dungsgewerbe (1228 mehr), im Holzgewerbe (1'003 mehr), in der Lederindustrie (928 mehr) und im Nahrungs- und Genutzmittelgewerbe (855 mehr). In den Angestelltenberufen ist die Arbeitslosigkeit gleichfalls stärker gestiegen. Die Hauptunterstützungs­empfänger in Arbeitslosenunterstützung und Krisen­fürsorge sind insgesamt um 11222 aus 174699 ge­stiegen. Von den Arbeitssuchenden erhielten 90 514 oder 26,1 Prozent Arbeitslosenunterstützung, 84185 oder 24,3 Prozent Krisenunterstützung: 93380 oder 27 Prozent waren von den Arbeitsämtern aner­kannte Wohlfahrtserwerbslose. Kurzarbeiterunter­stützung wurde Mitte Dezember an 11615 Personen gezahlt, im November an 10806.

Ferienordnung für das Schuljahr 1932/33.

Osterferien (14 Tage): a) Schluß des Unterrichts Dienstag, den 22. März; b) Wiederbeginn des Un­terrichts Mittwoch, den 6. April. Pfingstferien (11 Tage): a) Donnerstag, den 12. Mai, b) Dienstag, den 24. Mai. Sommerferien (30 Tage): a) Sonn­abend, den 9. Juli, b) Diestag, den 9. August. Herbstferien (12 Tage): a) Freitag, den 30. Septem­ber, b) Donnerstag, den 13. Oktober. Weihnachts­ferien (18 Tage): a) Donnerstag, den 22. Dezember, b) Dienstag, den 10. Januar 1933. Schluß des Schuljahrs ist Donnerstag, den 6. April 1933. Für die israelitischen Volksschulen wird eine beson­dere Ferienordnung erlassen.

Polizeistundenverlängerung! Aus Anlaß der be­vorstehenden karnevalistischen Veranstaltungen hat der Polizeipräsident auf Antrag des Wirtevereins in Staffel unter dem Vorbehalte des iebenehren Wider­rufs und der Bedin ung, daß den Arbeitnehmern die damit verbundenen Ueberftun>'<-n befonbera be­zahlt werden, vom 30. Januar bis einfchließlich 10. Februar die Polizeistunde für Gast- und Schank- wirtschaften allgemein auf 2 Uhr festgesetzt. Soweit dies für einzelne Betriebe dem Bedürfnis nicht Rech­nung tragen sollte, kann darüber hinaus aus beson­deren, schriftlichen Antrag der Betriebsinhaber die Polizeistunde für die betreffenden Mrtfchaftsbe- tiiebe auf 3 Uhr festgesetzt werden. Einer weiteren Verlängerung der Polizeistunde konnte jedoch aus grundsätzlichen Erwägungen nicht ftattgegeben wer­den.

Wetter

Aussicht

Das kontinentale Hoch hat sich erneut gefestigt, so daß die Islandstörung keinen Einfluß gewinnt. Während der Nach« kommt es infolgedessen weiter zu Strahlungsfrösten und von Nebel- und Tunstbil- dungen abgesehen, wird es sich anfheitern.

Aussichten für Dienstag:

Fortdauer der herrschenden Wetterlage.

Es ist Beruf und Dienst der Kirche, 'Zelle der Lebensordnuna zu fein,

denn sie hat die heilige Stiftung Gottes zu befol­gen, in der Gott Ordnung in der Welt gestiftet hat. Der Kirche ist das Zeugnis zwiefacher Ordnung Got­tes anvertraut: Gesetz und Evangelium. Aber heute bemessen wir alle Ordnung nach dem was ist, an­statt es nach göttticher Ordnung zu korrigieren. Nicht das vernunftgemäße Vergleichen der Ordnung mit dem Gegebenen ist dieser göttlichen Ordnung gemäß, denn die Begründung jedes Gebotes ist seine Aus­lösung.

Das Evangelium, das Geschenk der Vergebung und der Gnade, setzt sich nur scheinbar über die Ord­nung des Gesetzes hinweg, denn es ist ja doch die Ankündigung jener anderen Welt der Güte, die Verheißung, daß auf der zerbrechenden Ordnung die­ser Welt fick eine neue verwandelte Gestalt des Le­bens aufbaut

Die Kirche vertritt nun die Ordnung Gottes in der Welt, vertritt sie gegen die Welt und ihr Chaos und schließlich für die Welt zu deren Heil. Sie fetzt die Aufgabe in die Wirklichkeit um, indem sie das Leben ihrer Glieder in das Ganze einer Gemein­schaft einstigt, in die von Christus gestiftete Gemein- fchaft. Diesen Zusammenhang mit dem Ganzen macht jede kirchliche Handlung fühlbar. Auch in ihrer Verfassung und Arbeit soll die Kirche als Künder der Ordnung in der Welt dastehen. Privat­dozent Sic. Maurer ging den praktischen Wegen kirchlicher Gestaltung nach. Er folgte in fesselnden Ausführungen den historischen Stationen und suchte $it einem Bild der gegenwärtigen Lage zu gelangen, wobei er besonders die hessische Landeskirche berück­sichtigte. Er verfolgte fein Ziel auf zwei Wegen, indem er äußere geschichtliche Emwtckluna Hessens

Alle

Gelchästs-Jnhaber. die das Beftrebev haben, in den weitesten schich­ten des Publikums tu wrechen werden dieieS Ziel leicht durch Ber- mtttluno der Kasseler Neuesten Nachrichten erreichen können Die Kaifeler Neuesten Nach­richten kind tn allen Schichte» der Bevölke­rung beliebt und we­gen ihres tntereffanten. von keiner Partei be­einflußten Inhaltes ge» schätzt Untere Ge­schäftsfreunde find da­her auch mit den durch untere Zeitung erziel­ten Erfolge» allgemein zufrieden Ma» ver­säume nicht bei feder sich bietende» Gelegen- beit tich der Kasseler 3leucften Nachrichten tu beiunen

Zum Schluß

Beachten