[Veitrauchsqüterindusfrien
Was geschehen ist, ist einfach, daß die Empfangsländer sich g e w e i g e r t haben, Zahlungen in der nor- inalen Form von Waren und Diensten enigegenzuneh- men, und statt dessen ganz abnorme Ansprüche an die Uebergabe von Zahlungsmitteln gestellt haben, die nur als mhc letzte Reserve für den Ausgleich von kleineren Restbeträgen der internationalen Zahlungsbilanz berechnet sind. Das Goldwährungssystem ist damit einem
5.7Mill. JAN.19ja
3,2MilL 1930j
2.21 nrd.
2,o Mill. 1929£
Reparationszahlungen , unmöglich I
GM
■ 5 2.9 29 <7^. n,d nid
Handel • Wirtschaft • Börse
Sonnabend, den 23. Januar 1932
Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Handelszeitung
Das starke Vorbringen des Einhtitspreisgesckäfles in
nicht erreichte niebrigc Preis-
Der Kasseler Getreidehandel
Starker Umsatzrückgang 1931.
Verlauf der Entwicklung der eine verhältnismäßige B e r »
Deutschlanö hat zu einatibersetzungen, Regelung geführt, sch u n g s ste l le:
weittragenden wirtschaftspolitischen Aus- felbst z« Vorschlägen rtichsgesetzlicker Eine neue Veröffentlichung der F o r - „Tas Einheitspreisgeschäft als neu.
langsamung der Expansion der Emheitsvreis- Großkonzern« gegenüber einer rascheren Entwicklung der mehr oder minder selbständigen Einheitspreisgeschäfte bedeutsam. Rach der Untersuchung sind von 337 sestgcstellten Einheitspreisgeschäften 113 in Städten mit weniger als 50 000 Einwohnern, 97 in Städten mit 50 000 bis 300 000 Einwohnern, 49 in Städten von 200 000 bis 500 000 und 78 in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern: allein in Hamburg und Berlin befinden sich 35 Geschäfte. Die Weiterentwicklung der Einheitspreisgeschäfte dürfte in Deutschland weitgehend von der Gestaltung der Massenkaufkraft bedingt sei».
brikationsserien in bisher stufen hineinwachsen.
Für den gegenwärtgcn Einheitspreisgeschäfte ist
Das Einheitspreisgeschäft
Ende 1931 bereits 400 Einhcitspreisläden mit 300 Mill. RM Umsatz.
Wie aus den Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer zu Kastel hcrvorgeht, haben im Getreidsbandei die Umsätze im Fabre 1931 einen starken Rückgang erlitten, der durch die Geldknappheit bedingt und durch die besonders ungünstige Vage der Landwirtschaft verschärft wurde. Nachdem in Rückwirkung der Ofthilfemannahmen der landwirtschaftliche Kredit im Westen einen weiteren Schlag erlitten hat, droht das Geschäft last ganz zum Erliegen zu kommen. Die Preise für Roggen haben sich gehoben, der Bezirk hat daraus aber nur wenig Vorteil ziehen können, da der Anbau von Roggen itark eingeschränkt wurde und der Ertrag hinter dem Durchlchnitt der lebten Fahre zurückblieb. Die W eize n ernt e ennvrach den Erwartungen, die Preise sind aber 10—la v. H. niedriger als im Vorjahre. Hafer ist ftellemvenr «»verkäuflich. Der Preisstand der Futtermittel bewegt uch zum Teil unter demjenigen der Vorkriegszeit. Der Absatz an Düngemitteln, deren Prene auch unter dteienigen von 1914 gesunken und. leidet unter der Kreditnot. Es ist zn befürchten, daß der Land- wirtichaft im Frühjahr nicht die eriorderlikben künstlichen Düngemittel zur Verfügung sichest »'erden und daß dadurch ein guter Ernteertrag im Fahre 1932 in Frage gestellt wer-"" den uure.
zeitliche Betriebskonti rm deutschen Einzelhandel", Verfasser Dr. Mutz, ergänzt das bisher spärlich vorhandene Material und bietet die Grundlage für die Beurteilung der in Deutschland neuen Betriebsform. Wie die Untersuchung zeigt, ist di« Zahl der bestehenden Einheitspreisgeschäfte Ende 1931 bereits auf etiva 400 mit einem Umsatz von rund 300 Mill. RM zu schätzen, d. h. ihr Umsatz beträgt jetzt bereits etwa ein Viertel der Warenhausumsätze. 190 bis 200 Einheitspreisgeschäfte mit rund 80 Millivne» RA! Umsatz gehören selbständige» Einzelhändlern. Ein Stil dieser Betriebe ist in drei großen Eiukaussvereiuigun- gen zusamengeschlossen. Die übrigen Einheitspreisgeschäfte gehören drei in Deutschland arbeitenden Großkonzernen, die zusammen etwa 220 Millionen RM um- seden. Diese rasche Entwicklung, bei der dies Auftreten selbständiger Klein- und Diittelbetriebe später erfolgt, aber auch in stärkerer Ausbreitung begriffen ist (in einem Zeitraum von nur 6 Fahrens, wird zum Teil auf eine „L ücke" in der Warenverteilung zurückgesührt, die vom Einheitspreisgeschäft ausgefüllt wurde. Insbesondere erwies sich diese Vertriebsform als geeignet für die Verteilung gewiffer, durch zunehmende Mastenvroduktion in großen Mengen hergestellter Massenbedarssartikel. Aus der andere» Seite nwr die Entwicklung durch eine Aenderung der Kaufgewobnheiten (größere Vereinheitlichung des Bedarfs), vor allem aber durch den Konjunkturabschwung begünstigt. Er zwang große, vorher anspruchsvollere Käuferschichten, sich dem Kauf billiger und billigster Massen- produkte zuzuwenden.
Die Bruttoaufschläge dieser „Kleiust-Warenhäu- ser" liegen in Deutschland durchschnittlich bei etwa 25 Prozent des Umsatzes, damit etwas niedriger, als bei den amerikanischen Betrieben und bei der Mehrzahl der deutsche» Warenhäuser. Das liegt wieder an etwas günstigerer Kostengestaltung, insbesondere Ersparnis an Reklamekosten und an geringeren Personalkosten (7,3 Prozent vom Umsatz, während der Warenhausöurchschuitt im Fahre 1930 etwas über 12 Prozent war). Diese Ersparnis wird wieder möglich durch relativ hohe Umsatzleistung je Kops des Be- schästigte», nämlich zwischen 20 bis 30 000 RM, während im sonstigen Einzelhandel gleichartiger Waren die Zahl 20 000 meistens nicht erreicht wird. Kostenspareuö wirkt auch der rasche L a g e r u m s ch l a g der Einheitspreisgeschäfte, der bis zu lOmal im Fabre geht und damit weit schneller ist, als bei der großen Mehrzahl der Einzelbandcisgeschäfte außerhalb des Lebensmittelumsatzes.
Das Einheitspreisgeschäft bringt eine „Standardisierung des Preises". Diese führt zwangsläufig wieder vielfach zu einer Standardisierung der Qualitäten, die in diese Preislagen bineinwollen: dieses Bestreben wieder zur Massenherstellung solcher Einheitspreisartikel. Große Absatzmeugen ermöglichen Großeinkauf und damit billigsten Bezug. Der Hersteller kann mit seinem Ber- kausspreis vtelsach durch Auflage größerer und größter Fa-
Steuer-Eilberidite
Abschreibungen auf zweifelhafte Forderungen. Ob eine Forderung minderwertig ist, mutz vom subjektiven Standpunkt des ordentlichen, die Gesamtverbaltnissc verständig erwägenden, vorsichtigen Kaufmanns aus beurteilt werden. Auch wenn längere Zeit nach dem Bilanzstichtagc keine Verluste erscheinen, ist dies für di« Beurteilung nickt von entscheidender Bedeutung. Alle Forderungen, die am Bilanzsticktag« als „f«ststehende" Verlustvostcn anzuseben sind, dürfen als Verlust abgebucht werden. Außerdem dürfen aber auch noch für die „zweifelhafte n" Forderungen besondere Rückstellungen (Delkrederckonto) als Verlust verbucht werden. Beide Berlustpofitionen sind steuerfrei. (Ein Delkrederekonto in Sähe von 5 Prozent der Forderungen und des lausenden Wcchselobligos dürste von den Finanzämtern bei der heutigen unsicheren Wirtschaftslage nicht zu beanstanden sein.)
Abschreibungen ans Prozetzfordernngen. Der Kaufmann ist berechtigt, in seiner Bilanz eine „Rückstellung für solcke Forderungen vorzunehm^n, die am Bilauzstichtag einem Rechtsstreit unterliegen. Dem Kaufmann kann nicht zu- gemutet werden, erst den Ablauf des Rechtsstreits abzuwarten: vielmehr bat er nach vflichtmätzigem Ermessen zu entscheiden und darnach seine Bilanz aufzuftellen.
Abschreitchug wegen Umsatzsteuer. Wird die Umsatzsteuer nach den eingehenden Beträgen berechnet, so kann in der Bilanz eine Abschreibung aus die Außenstände in Höh« der abzufübrenden Umsatzsteuer vorgenommen werden.
Lagerbewertnug. Vorräte, di« am Stichtag schon minderwertig waren, dürfe» nickt mehr mit dem Einkaufspreis angesetzt iverden, wenn der Pflichtig« gemußt Hai oder als vorsichtiger Kaufmann ohne grob« Fahrlässigkeit hätte feststellen müssen, daß die Vorräte zum Teil verdorben oder nickt mehr brauckbar waren und nickt hosfen konnte, sie trotzdem noch ohne Verlust im Betriebe verwenden zu können.
Bewertung der Halb- und Fertigerzeugnisie. Gemäß einer Entscheidung des Reicksfinanzministers braucht bei im eigenen Betriebe hergestellten Salb- und Fertiger,«ug- nisien bei der Bewertung für die Bilanz der anteilig auf sie entfallende Abschreibungsaufwand nickt berücksichtigt zu werden. Dies« vorsickligcre Beivcriung kann bei Vorhandensein erheblicher Vorräte den Gewinn und damit die Steuerpslickt des betreffenden Jahres in beachtlichem Ausmaße verringern.
Tributzahlungen unmöglich
Die Wirtfchaft der Woche
einer
des der
Die Wirtschaftsnot Deutschlands l°
die der ver-
ge- aus wir
* Kassel, den 23. Januar.
Die Lausanner Reparationskonferenz ist vorläufig gescheitert. Französischen Winkelzügen ist es wieder einmal gelungen, die endgültige Lösung des Reparationsproblems zu Hintertreiben. Frankreich kümmert sich nicht im geringsten um wirtschaftliche Notwendigkeiten, sondern erklärt rund heraus, daß es sich sein Recht auf Reparationen nicht nehmen lasse. Mit der Behauptung, daß nach einer Streichung der Tribute die innere Schuldenlast Deutschlands be-
Frankreich sucht um jeden Preis die These aufrechtzuerhalten, daß es sich jetzt nur um eine zufällige Krise handelt. Wenn dem so wäre, so gäbe es allerdings keine Veranlassung, jetzt andere Maßnahmen zu ergreifen als einen Zahlungsaufschub. Die These ist aber vonGrund auf falsch. Jede Wiederaufnahme von Reparations- und Kriegsschuldenzahlungen, solange nicht bewiesen wird, daß diese Zahlungen in Form von Waren und Diensten entgegengenommen werden, muß zu einer Wiederholung des jetzt Geschehenen führen. Darüber hinaus mutz das Ergehens das nächste Rial noch schlimmer werden. Jetzt ist die übrige Welt schon derart vom Gold entblötzt, daß es in Zukunft noch unmöglicher wird, ihren Goldvorrat für die Vollziehung der Zahlungen in Anspruch zu nehmen. Ferner kann jetzt keine Rede mehr davon fein, datz die Zahlungsbilanz durch Darlehen an Deutschland ausgeglichen wird, da Deutschland auf den internationalen Märkten keinen Kredit besitzt. Dazu kommt, daß augen- stehende Länder jetzt die Gefahr vollständig durchschauen, der sie ausgesetzt werden, wenn sie als Zwischenglieder rr die Zahlungen dienen muffen. Sie werden sich in der Folge weigern, dies zu tun, und sie haben schon durch erhöhte Zölle und andere protektionistische Maßnahmen ihren bestimmten Willen gezeigt, einen solchen groben Mißbrauch ihrer Märkte und ihrer Kauflraft zu verhindern. Wenn die nunmehr verschobene Konferenz in Lausanne überhaupt noch zu- sainmentritt, so muß ihr Leitgedanke sein, daß die Lander v o ll st ä n d i g und f ü r i m n e r ihre Forderungen streichen müssen, wenn sie, wie vorauszusehen, nicht gewillt sind, ihre Grenzen für eine freie Wareneinsuhr in einem Umfang zu öffnen, der den direkten Ausgleich der Zahlungsbilanz ermöglichen kann.
...Es muß anerkannt werden, datz diesmal für die Lösung des Reparationsproblems, die ja eigentlich in Lausanne erfolgen sollte, eine wichtige vorbereitende Arbeit durch die Untersuchung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands von Seiten der Baseler Expertenkommission geleistel worden ist. Wie gründlich diese Untersuchung auch war, so berührte sie aber nur die eine Seite des vorliegenden Problems, nämlich Deutschlands innere Zahlungskraft. Die andere, und unter gegenwärtigen Verhältnissen ungleich wichtigere Seite, die bisher von jeder eingehenden Prüfung ausgeschlossen war, ist die Frage der Willigkeit und der Fähigkeit der Gläubigerländer, Zahlungen entgegenzuneh- m e n. In einem wirklichen Programm für die Lösung der Reparations- und Kriegsschuldensrage mutz klipp und klar dargelegt werden, wie eigentlich die Zahlungen 'n werden sollen und wie die Weltwirt-
sck n soll, in der überhaupt für solche Zah-
lui .n ist.
Scyon von Anfang an haben vernünftige Wirt-
fchastler vor den gefährlichen Wirkungen gewarnt, die einseitige politische Zahlungen in diesem Umfang für die ganze Weltwirtfchaft haben mußten. Die macht- habenden Politiker haben aber diese Warnungen als theoretische Berechnungen ohne praktische Bedeutung zur Seite geschoben. Sie haben geglaubt, das Problem auf eigene Faust regeln zu können und sie haben sich vorgestellt, daß Machisprsiche die tiefgehenden wirt- fchaftlichen Mängel ihrer Konstruktion ausgleichen könnten. Der Youngplan suchte die Schwierigkeiten des Zahlungstransfers dadurch zu beheben, daß er die Lösung dieser Schwierigkeiten einer „Bank für internationalen Zahlungsausgleich" überließ. Hätte es sich hier nur um formale oder banktechnische Schwierigkeiten gehandelt, so wäre eine solche Lösung wahrscheinlich möglich gewesen. Den w i r k l i eh c n Transserschwierigkeiten aber, die alle bisherigen „Regelungen" der Reparationsfrage unberücksichtigt gelassen haben, muß aber eine rein technische Einrichtung wie die internationale Bank vollständig machtlos gegenüberstehen.
Diese Schwierigkeiten sind in der letzten Zeit so überwältigend in Erscheinung getreten und haben der Weltwirtschaft einen fo ernsten^Schaden zugefügt, daß diese für den Augenblick beinahe lahmge- s ch l a g c n ist.
Frankreich tut alles, um zu verhindern, datz dieser Zusammenhang dem Bewußtsein der Allgemeinheit klar wird.
Rach dieser egoistischen Anschauung darf die wirtschaftliche Katastrophe, die wir jetzt durchmachen, unter keinen Umständen in irgend einen Zusammenhang mit den Reparations- und Kriegsschuldenzahlungen gebracht werden und muß deshalb geschildert werden als eine rein wirtschaftliche Krise von demselben Charakter wie alle früheren, wenn auch vielleicht von uuge^ ivöhnlicher Stärke. Man hat sich auf das äußerste angestrengt, um alle denkbaren Faktoren herauszusinden, die eine störende Einwirkung aus den Gan-, der Welt- wirtschast haben könnten, und man hat diese also „gefundenen" Faktoren, die sich oft gegenseitig gröblich widersprechen, zu einem seltsamen Dogma zu- fammengeschweißt. Mit den Mitteln solcher Vernebelung hat man geglaubt, verhindern zu können, daß die Welt die wirkliche Ursache der gegenwärtigen Katastrophe erkennt.
Was geschehen ist, ist länder sich geweigert malen Form von Waren und men. und statt
es zusammenge- genau wie ein Lasttier unter der Bürde sälinismäßig großen Last.
deutend niedriger sein werde als di« Englands und Frankreichs, hat es auch in England Widerhall gefunden. Dabei vergißt man aber völlig, daß Deutschlands Schuldenlast nur deswegen so niedrig ist, weil durch die Inflation etwa 100 „Milliarden innere Kriegsschulden fast vollkommen beseitigt wurden und deutsche Kapitalarmut als Folge der Inflation deutschen Wirtschaft den inneren Kapitalmarkt sperrte, so daß sie gezwungen war, im Auslande wattige Kredite aufzunehmen. Die Zinszahlung den Kriegsanleihen hätte der Wirtschaft, wenn feine Inflation gehabt hätten, die Kapitalbeschaffung im Inland ermöglicht, und die Kapitalnot der deutschen Wirtschaft ist gerade auf diese Zerstörung des größten Teils der. inneren Schuld zurückzuführen. Auch
Zirka 25 Millionen Arbeitslose werden zur Seit' in ücn Staaten gezählt .die am Weltkrieg« aktiv beteiligt wären, bezw. in Europa Neutralität wahrten. Datz dieses schleickende Gesvensi der Arbeitslosigkeit die Menschheit so heirnsucken konnte, daran war vor allem das Mißtrauen schuld, das durch den Weltkrieg und das ihn abschließende Diktat von Versailles genährt wurde, scrner der Zwang der Reparationszahlungen. So wurde die ganze Welt ins Unglück gestürzt, und in deut unterlegenen Deutschland steht beute säst jeder dritte Industriearbeiter aus der Straße, und selbst die Fabriken, die die Gegenstände des täglichen BedarsS erzeugen, können mir noch mit der Hälft« ihrer Masckincn arbeiten. Das Mißtrauen aber, das jede wirksame Bekämpfung der Wirtschaftskrise in Deutschland und den anderen Staaten unmöglich macht und das die Kredstkrisc des Jahres 1931 heraus beschwor, wird nicht mehr schwinden, solange Siegerstaaten die Forderungen auf Reparationszahlungen als Faustpfand gegen die Unterlegenen des Weltkrieges geltend macken. Ein« Gesundung der internationalen Wirtschaft ist nicht möglich, solange die politischen Schulden nur gestundet sind und solange man nicht den iOlut gesunden hat, eine endgültige Lösung zu sinden, die der Wirtschaftsnot Deutschlands gerecht wird und das Vertrauen in der internationalen Wirtschaft wieder berstellt.
Da die Gesetzgebung eine Minimalreserve als Deckung für die Verbindlichkeiten der Zentralbanken fordert, wird diese Reserve immobilisiert, das heißt, jeder Verwendung entzogen, und eine Verminderung des Goldvorrates fällt mit vermehrtem Druck auf die freie Goldreserve. Die Folge ist eine Zusammenpres- sung der Zahlungsmittelversorgung der betreffenden Länder und ein starker Druck auf die Warenpreise.
Alles Gerede von einer Wirtschaftskrise als Folge eines zufälligen Zusammentreffens einer Unmenge kleinerer Störungen erscheint im Lichte dieser Analyse als vollständiger Unsinn. Wenn ein starker großer Kerl seinen Finger beschädigt, so bricht er deshalb nicht zusammen.
Wenn man ihn aber eines Drittels seiner Blut- menge beraubt, so entsteht Gefahr für sein Leben.
Jeder verständige Arzt würde augenblicklich sehen, daß ein außerordentlicher Blutverlust vorliegt, und er würde keinen Augenblick mit der Betrachtung der kleineren Schrammen und Unpäßlichkeiten verlieren, denen der Mann sonst ausgesetzt sein mag. So ist es jetzt mit der Weltwirtschaft. Es müssen wirklich sehr schlechte Aerzte sein, die nicht einsehen können, was dem Kranken zurzeit fehlt.
Staatsmännische Führung muß verstehen, daß die bisherige Behandlung der Reparationen und Kriegsschulden zu einem unerträglichen Blutverlust für die Weltwirtfchaft geführt hat. Sie muß daraus den Schluß ziehen, datz es nicht nur unmöglich ist, jetzt den alten Weg weiterzngehen,
sondern daß es auch ebenso unmöglich ist, jemals in der Zukunft ähnliche Wege zu beschreiten.
- Der Gegensatz zwischen der Forderung auf Zahlungen und dem Widerwillen gegen die Inempfangnahme von Zahlungen in normaler Form konnte während der ersten Jahre des Dawesplanes notdürftig durch u m - fassende Darlehen an Deutschland überbrückt werden. Deutschlands Kredit war aber praktisch sehr bald verbraucht. Von dieser Zeit an wurde die Hauptlast der Reparatwnszahlnngen auf das Gold gelegt.
Zn dieser Zeit — Mitte 1928 — übernahm auch Frankreich das Goldwährungssystem.
Bis dahin hatte dieses System in ziemlich befriedigender Weise fungiert, und eine gewisse Stabilität in der Kaufkraft des Goldes konnte aufrechterhalten werden. Frantteich hatte den Ueberschuß feiner Zahlungsbilanz in der Form von fchwebenden Auslandsguthaben gesammelt. Nach Mitte 1928 begann Frankreich diese Guthaben in Gold einzuziehen und verlangte auch den jährlichen Saldo seiner politischen Zahlungen in Gold. Die einseitige Eoldanhäufung, die von dieser Zeit an stattfindet, nimmt nicht nur alles neue Gold in Anspruch, sondern bewirkt auch eine direkte Verminderung der monetären Geldvorräte der übrigen Welt. Die Bedeutung dieser.Verminderung darf nicht nur nach ihrer prozentualen Größe gemessen werden.
der Hinweis auf die „großartige industrielle Ausrüstung Deutschlands", den sogar der Genfer Sachverständige Sagten ausspricht, bildet kein Argument für eine weitere Reparationsfähigkeit Deutschlands. Er vergißt dabei den von ihm selbst aufgestellten Grundsatz, daß auch die industrielle Ausrüstung nichts nützt, wenn die Gläubiger die Waren zurückweisen, mit denen allein internationale Zahlungen geleistet werden können. Der Ansatz zu einer Besserung der Wirtschaftslage ist wieder einmal in weite Ferne gerückt.
Verständiger als die Diplomaten, scheinen sich die Bankiers zu zeigen. Heute soll nach langen Verhandlungen endlich das Stillhalteabkommen unterzeichnet werden. Man hat sich bemüht, die Frage der kurzfristigen privaten Auslandskredite grundlegend uns für lange Zeit zu regeln. Die Barkredite sollen in halbjährigen Quoten von je 5 Prozent in Devisen unter einem gewissen Transferschutz für die Reichsbank getilgt werden, während die Rembourskredite unter Sicherung durch Warenverpfändung um ein Jahr verlängert werden sollen.
Die Sensation der Woche bildete die Veröffentlichung eines Plans zur Währung-.-und Kre- d i t r e f o r nt, den Prof. Wagemann, der Präsident des Statistischen Reichsamts, in Gemeinschaft mit anderen Sachverständigen ausgearbeitet hat, bei dem es sich aber um eine reine Prioatarbeit handelt. Reichsregierung und Reichsbank sind sehr energisch von diesem Plan abgerückt. Wagemami will durch seinen Plcm die deutsche Geld- und Kreditdecke erroeitern und
Die Basalt A.-G., Li», oMu wird kitt das schaktsjahr 1931 ohne Dividende bleiben (l B. 908 RM Reingewinn, der vorgetrag«»^ wurde).
Bei der R d o l f B l e i ck e r t n. 6e. A -G. in LtipEg iollcit aui Grund eines Liauidatiousverglercks die imauvi- ger mit Forderungen bis ,u 300 RM l-wie alle Einleger der Werksivarlasie xwU befriedigt werde».
In Kürzer
lieber die Bad Mergentheim A.-G. foroie die Kurauttalj Hohenlohe G. m. b. H. in Bad Mergentheim 'iit nunmehr das Konkursverfahren eröffnet worden. Der Kurbetrieb erfahrt {einerlei Beeinträchtigung.
mir von der Verwaltung der Leonhard Tietz A -G. Köln, erfahren, isi der Umiatz der Gefellfchaft wahrend der erften elf Monate des am I. Januar 1932 icklictzcudcu Gelckäftsiahres wertmäßig um etwa 10—15 Prozent zurückgegangen: mengenuiauig wurde der, Umsatz des Vorjahres miudeüeus erreicht, roenn nicht überickritieu.
In der Rächt.,«« Freitag isi Dbernuamrat Dr. Julius Pr ticket gesiorbeu. Ter Vrrnorbene war der «euwrckek des Vaukbauies Petfckek n. E-. in Prag das einen maßgebliche» Einfluß in der deutickeu und bohmiicke» Braun- kohleuwirtjchatt besitzt.
Ueber die Buhring Sll-G. 'Maschinenfabrik. Kesselschmiede und Apparatebau). Landsberg b. Hall«, Nt das Vergleichsverfahren eröffnet worden. $8te »erhnttet. toll eine Quote von 30 Prozent vorgcicklageu werden.
Die im Jahre 1870 gegründete. S tri ck w a re», fabrik Max Müller. L ° b a u/sa., bat l-»t „Konfektionär" die Zahlungen eingestellt und beabsichtigt. ,n liauidiereu.
die Deflation mildern. Tatsächlich läuft der Plan auf die Schaffung einer Binnenwährung neben der durch Gold gedeckten Reichsmark heraus und bedeutet eine Vermehrung des gesamten Notenumlaufs, zum mindesten aber eine Kreditausweitung, die unter Umständen inflationistische Wirkungen haben kann. In Bank- und Jndustriekreisen wird der Plan Wagemanns säst durchweg abgelehnt. Immerhin bedarf dieser ernstgemeinte Vorschlag genauer Prüfung durch die verantwortlichen Stellen. Das letzte Wort in dieser Frage ist noch nicht gesprochen.
Der außerordentlich große Ausfuhrüberschuß, den der deutsche Außenhandel für das Jahr 1931 zeigt und der sich unter Einrechnung der Reparations-Sachlieferungen auf fast drei Milliarden Reichsmark beläuft, kann leicht ein falsches Bild von der deutschen Wirtschaft geben. Er zeigt, in welchem Maße der deutsche Binnenmarkt verödet ist und Industrie und Handel auf den Auslandsmarkt angewiesen sind. Die Ausfuhr ist gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent zurückgegangen, die Einfuhr sogar um 35 Prozent. Diese Aktivität unserer Handelsbilanz wird nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Heber, all schließen sich die Länder durch zollpolitische Maßnahmen ab. Zur Abwehr gegen den Valutavorsprung der Länder, die ihren Goldstandard aufgegeben haben, hat sich die Reichsregierung gezwungen gesehen, sich vom Reichspräsidenten die Ermächtigung zu Zollzuschlägen geben zu lassen. Zunächst ist diese neue Notverordnung auf den Butzterzoll angewandt worden, dessen Erhöhung heute in Kraft tritt; der zweite Teil der Notverordnung ermöglicht aber auch Kampfzölle gegenüber solchen Ländern, die ganz allgemein den deutschen Außenhandel durch handelspolitische Maßnahmen schädigen. Deutschland will damit nicht einen allgemeinen Zollkrieg vom Zaune brechen, denn erhöhte Zollsätze sollen sechs Monate lang nicht erhoben werden, roenn mit einem Lande Handelsvertragsverhandlungen im Gange sind. Es handelt sich lediglich um eine Notmaßnahme, die nur als Abwehr benutzt werden darf.
Schluß mit den Reparationen!
Von Professor Gustav Cassel-Schweden
Die Frage, was aus den vom Reich seinerzeit gestützten Banken, insbesondere mit den eingefrorenen Bankkrediten werden soll, bedarf immer noch der Klärung. Im Haushaltsausschuß des Reichstags erfuhr man einiges über die Pläne des Reiches. Danach denkt man nicht mehr an eine Zusammenlegung mehrerer Institute und auch nicht daran, die eingefrorenen Bankkredite auf eine besondere Bank zu übertragen. Der Reichsfinanzminister hat angekündigt, daß im Hintergrund noch eine ganz neuartige Lösung Bankenproblems stehe. Auch soll der Einfluß ... Reichsregierung auf die Banken wieder abgebaut werden. Ein Unterausschuß des Reichstags wird sich weiter mit der Frage beschäftigen. Dr. H. L.
4,7Mill.
1951
)1 9 3 1
1 I. I H. ff