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Sonnabend. SL/«onntag, 84. Sawuet WK

Kasseler Neueste Nachrlchte«

Gelle V '

Eine schwierige Sache, wenn öffentlich, in »er Zei-

Eine lchwtcrige Lache, wenn öffentlich, in Oer Zei- I öonbringt. Wir sehen tuiig, cm Mathemaliker gefeiert werden soll! Der ihm erwählte Wtffensck Jubilar hat doch wohl das Recht, zu verlangen, daß | terlicher Boden ist, auf «esagt wird, warum man Ihn feiert, daß man sie aber erhebt, nmllmblk

Sklareks jubilieren

Goldenes Verhandlungsjubiläum

>>n Riga begann der Scheidungsprozeß des be« rannten Komponiften Eugen d'Albert gegen seine lungste Frau, Toni Fels. d'Albert bestreitet -ntschie. den, ein siebentes Mal heiraten zu wollen. Dessen ungeachtet meldet Die Presse, daß er die Baronin Lanetti, die ihn auch nach Riga begleitet hat, heiraten werde.

I dem er stecht, über den er sich aber erhebt, um Umblicke zu halten in andere Gebiete mtd Na bei alles zu ergrünoen, was einen Mann her Wissenschaft reizen kann.

Drch einen Ausbruch des Aeotennanao-Bulkans find Antiqua, Santa Lucia und andere Städte Guate­malas zerstört worden.

vorOringt Wir sehen einen Mann, für den eie von . ...-laft zwar ein sicherer, uncrschüt-

Vel Nervenschmerzen, Kopfschmerzen, rheumatisch, und gichtischen Schmerzen buben sich Togal-Tabletteu hervorragend bewährt. Laut notarieller Bestätigung anerkennett über 6000 Rente, oarunter viele bedeu­tend« Professoren die hervorragende Wirkuitg des Togal. Frag. Sie Ihr. Arzt. In all. Aplh.

12.6**/« n«h Chili., 74.3»/0 Acid. «,l. setfic.

Kleine Ebronik

Beim Einholen der Fahne vom Dach der Kaserne tn Oppeln stürzte der Obergesreit« Stock 20 Meter ttef ab. Er erlitt einen tödlichen Bruch der Wirbel­säule.

Gin Pferd wurde dieser Tage ausgesetzt, und von der tschechischen Gendarmerie aufaegrissen; e« trug an feinem Halfter einen Zettel mit der Mitteilung', rj® den armen Gaul nicht berfaufen, kann auch oai teure Futter nicht bezahlen und will nicht haß vaS arme Tier bei mir verhuttgert. Run wird es, da die Gendarmerie nicht« andere« mit ihm anfangen kann, im Wurstdarm enden.

wird. Da«, deutsche Volk aber kann stolz sein, die­sen Mann sein eigen zu nennen. Es vereinigt sich in den Glückwünschen für den nun ins biblische Al­ter tretenden Gelehrten und wünscht ihm einen geseg­neten Lebensabend.

offenbar nicht bekommen, wobei noch die Frage offenbleibt, was es für Alkohol war, den man ihm in die Zelle geschmtiggel, hat. Der Borsttzcnd- bemerkt allerdings, daß das Verfahren, Leo Sklarek nicht mehr in solchen Klengen Alkohol zu geben, ihm recht gut angeschlagen sei. Leider muß sich Leo nachher wieder über einen seiner Mitangeklagten ärgern, der hartnäckig leugnet, einmal als Gast in dem schönen Jagdhaus der »klarer« in Waren gewesen zu fein, tt« entwlk- telt stch ein kräftiges Duett, bei dem sever den anderen an Lttminstärke zu übertrumpfen versucht. E« bleibt aber unentschieden, wer von beiden nun Wirklich lügt.

Schließlich wird Diese mit einem so angenehmen Thema begonnene JubiläumsverhanDlung toicDer et- tvas peinlich. Man kommt auf die Frage, wo denn nun eigentlich das Geld der Sklareks geblieben sei. Leo beteuert, keinen Pfennig mehr zu besitzen. Da geht es Max, dem kraut Max, viel bester: er hat am Kaiserdamm eine große Wohnung gemietet, für die er 400 Mark Miete im Monat zahlen kann.Er muß da irgendwie unterstützt werden... meint Leo, will aber nichts wissen, weil er feit feiner Verhaftung noch nicht wieder mit Max zusammengewefett fei. Der Vor­sitzende hat nur ein merkwürdig skeptische« und viel, sagende«Sok" auf diese Bekundung Leo Sklareks. Sollte er mehr wisten, als er jetzt erkennen läßt? Sollte er sich für die entscheidenden Fragen, die et nun demnächst an die Sklareks zu richten haben wird, lieberraschungen aufsparen? Leo ist nicht mehr so zu­versichtlich wie sonst. Schwant ihm etwas?

ginnen?

Glücklicherweise bat das freuwoüdie Gcburtstags- kiiiD hier schon etwas vorgesorgt. Denn das toino keinem Leser Pein machen, wenn ich ihm erzähle, daß Hilbert beim Eintritt in sein achtes Iahrzewtt wohl iiBtt ersten Mal ein KollegEinführung in die Philosophie auf Grunnd moderner Naturwissenschaft" lieft. Uns aus dieser knappen Meldung ist ein gut Teil de« Wesens dieses Mannes zu erkennen. Denn sofort sehen wir vor uns einen Gelehrten der sich nicht mit alwewordenen Hodankengängen begnügt, sondern wie Faust den Drang fühlt, stch an immer neue« Ausgaben zu versuchen, und der in seinem uw ermüdlichen Forschervrang nicht bei Einzel- und Fachfragen stehen bleibt, sondern zu ven allgemein­sten Fragen und den Grundlagen unseres Denkens

nenlxtr Weise Hilbert« Vorliebe für ungelöste Fragen zeigte, die er in weitem Gebiet ergriff u/oeren Lösung er nur anbeuten, nicht fertig entwickeln kottttte.

Diese Vorliebe für noch offene Fragen entzückt« auch immer wieder feine zahlreichen Schüler, denn so gab er ihnen nicht nur Kenntinffc und entwickelte nicht nur ihre Fähigkeiten, sondern verschaffte ihnen auch gleidt die Gelegenheit, Kenntnisse un »Fähigkei­ten in selbständigen Arbeiten zu erproben. In dieser anregenden, die Kräfte des jungen Forschers anspor- neitoeti Art liegt das Geheimnis der außerordentli­chen Erfolge Hilberts als Lehrer begründet. Von überall her, aus Japan. Rußland, Amerika, Skandi­navien und den Balkanlandern kommen feit Jahr­zehnten die jungen Mathematiker nach Göttingen, wo Hilbert feit nun bald 40 Jahren wirkt, um den Wor­ten des chochbersthmten Lehrers zu lauschen, denn Hil­bert Ist einer ibet Männer, auf denen der die ganze Welt 'durchdringende Rus der seurfchen Gelehrten beruht.

Daß Hilbert, der in Königsberg geboren ist und seine ostpreußische Art auch treu bewahrt hat, gerade in Göttingen wirken konnte, war für ihn von großer Bweutuug, denn er sand hier als FachgenosserH einen ganz außerordentlichen Mann, nämlich Felix Klein. Dieser war nicht nur wie Hilbert »in großer Denker, Gelehrter und Forscher, soiwern auch ein Organisator ganz großen Stils, ver in Göttingen eine in Dculsch- laitd nicht wieder erreichte Stätte mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht« schuf. Ex er­baute Bibliotheken und Institute, er rief ganz neue Zweige des Hochschulunterrichts ins Lebe» un» gab damit auch oem Wirken Hilberts einen Hintergrund, der i» Deutschland sonst nicht zu finden war. Das etwa drei Jahrzehnte dauernde Zusammenwirken der Beiden war ein seltener Gipftwunkt der deutschen Mathematik. Göttingen dankt seinen Ruf als her- vorragenöe Pflanzstätte mathematischer Wissenschaft dem großen Gauß, der zu Beginn »es vorigen Jahr- dunderts über ein halbes Jahrhundert in Göttingen lebte unD dessen Spuren noch heute auf Schritt une Tritt bemerkbar sind. Aber wenn auch der von ihm geftbaffene Manz derGeorgia Augusta" sei, m»hr als einem Jahrhundert ununterbrochen erstrahlt, eine solch- Blüte wie unter Klein un» Hilbert hat die alte Mathematiker-Hochburg feit Gauß nicht mehr erlebt.

Hilberts wissenschaftliche Arbeiten erstrecken sich auf alle Gebiete der «nathematischen Aistenschaft. Er ist unzweifelhaft einer der vielseitigsten Maihematiter, und gerade heut«, da selbst in einer so unerschütter­lich geltenden Wissenschaft wie der Mathmatik di« Grundmauern neugelcgt werden müssen, richten sich vic Augen »er Mathematiker in aller Welt auf »en tUMkigcn Hilden, ixßeji Meinung überall gehört

auf Aberkennuna der Fähigkeit, als Medizinalbe­amter tätig ,u fein, erkannt werden wüsten.

Dr. Frey erklärte er hätte von den Angeklagten ern offene« Geständnis erwartet. Dann hätte der Schuldspruch sie menschlich entlasten können, so aber muffe das Urteil lauten: Richt nur als Richter, son­dern auch als Mensch spreche ich sie schuldig. Mensch llche Schwächen feien es gewesen, die zur Kata- strophe geführt haben. Der Gcrjchtsfpruch werde Prof. Devcke feiner Stellung als medizinischer König entthronen. Pros. Klotz wird des Vertrauens, das man in Ibn setzte, verlustig gehen, Dr. Altstaedt wird seine Stellung als Modizlnalbcamtcr nickt mehr be- tteiben können. Allein in diesem Prozeß gehe es nickt nur nm die medizinische, sondern auch um die luristtfche Wssenichaft. Gin Freispruch her Ange­klagten Ware die Ver-.'ichmng des Ansehens der Justiz. Dr. Fred schloß: Ich erwarte eilten Spruch Jur Sühne ,ur die Toten, zum Nutzen für die Le­benden.

Don Oihetto bis zum Biberpelz Zu« verunglückten berliner Erstauf­führungen.

Berlin, 33. Januar.

Ma» 'nuß von dieke» beiden Neueinrichtungen auch außerhalb Berlins sprechen. Berlins Theater ?a«u sich bisher immer noch de» Ruf bewahrt, daß sie, wenn sie auck schon mäßige Stücke zeigen, so dock noch ausgezeichnete« künstlerisches Spiel, beste Regte aufzuwolsyt haben. Ja, Anbeter Berlins ha ?c" Berlin haste sich zur ersten Thca-

ter-, sprich. Schansplelerstadi Europas, der Welt er hoben! Ter von Vorurteilen unbeeinflußte Kew "" Lobpreisungen und Uebcrtrcibun-

nf * lkevtisch gelächelt. Nachgerade wird aber

auch dem voreingenommensten Anbeter Spree-Athens llat' ,daß Benins Thcatcrleistunaen nicht mir im Svielvilan, sondern auch in Spiel und Regie in Schmlerenkomik zu versinken drohen.

^Jit welcher Primitivität 'wurde Shakespeares -thello im Staatstheater am Gendarmenmarkt von Leopold Ießner auf den Generalnenner: hie Negertum mit braver, aber wilder llrnatur, dort SraDlzivilisation mit verschlagener Perbrecherkälte gebracht. Nicht nur daß der Tex, rücksichtslos zu- sammengestrichen, Desdemonas Weide, Weide-Lied kühl gesprochen Emilias Ermordung durch Ihgo entfach fortgelasten ivurdk, nein, es wurde die Grundidee des Stuckes einfach verfälscht: indem

_. , .. M Berlin, 23. Januar.

hcnnte^.hH*u l ^klarer feierten gestern da« gol-

20. Verhandlung,tage« und da ".'."»'Lubiläunt nun einmal Alkohol gehört, S wiederum im Gerichtssaal nicht ansge. fnhnV ^"den darf, unterhielt man sich eben über Al- ettBa ei" launiges Intermezzo, rcineswegs eine Ab,chweifung vom Thema, sondern vielmehr ei« höchst aufschlußreicher Beitrag zur Psv- chologtL der Sklareks und ihrer Atmosphäre.

Man kam, auf Antrag des Rechtsanwalts Dr cf^dar nämlich darauf zu sprechen, ob uno inwieweit tut) Leo Eklarek nach seiner Verhaftung wegen dxr un­gewohnten Alkoholentziehung in einem krankhaften E rregungszustände befunden habe. Dabei erfuhr man. vaß Leo Sklarek stch in der Zeit vor seiner Verhaftung fast Nacht für Nacht im Rausch, ja nahezu in einem dauernden Rauschzustand befunden habe. Dieser Rauschzustand muß unter Aufwendung erheblicher Quantitäten Alkohol erzeugt worden fein, denn von oem Alkohol, den Leo Sklarek auch noch im Unter­suchungsgefängnis teils legal, teils illegal genehmigen konnte, wird sehr abschätzig gesprochen.Er wurde ihm ta so bemerkt Rechtsanwalt Dr. Plndar in einem anderen Matze verabfolgt und hatte einen an­deren Charakter, als der Alkohol, den er vor seiner Verhaftung allabendlich in der Gesellschaft feiner yreunbe und in Lokalen zu sich zu nehmen pflegte "

Ha, wohin ist die schöne Zeit entschwunden. Mo Sekt und bessere Schnäpse hat Leo Sklarek in feiner

STREIFHCHTER^ (vta^enxuitxc/aeje

Es war einmal ein

Medizin auf der ~oftM Radwan. Ter ku- rierte die Leute auf seine Orannnaphanplatte Art. Nämlicher lud eines Abends eine große An­zahl Fachleute und auch Laien zu einem Erpertmentalvortrag «in Neben Dr Radwan stand auf dem Podium ein beliebter Gram­mophonapparat. Der Forscher erklärte, er könne durch das Auflegen einiger Grammopbonplatten mit sng- geftivrm Text alle Leute nach Belieben aufregen oder abtegen. Darauf begab sich ein Herr aus dem Pu­blikum zwecks Vorführung aufs Podium. Er bekam einen Kraftmesser in die Hand gedrückt und ein So- maphon um« Herz geschnallt. Dann stellte Dr. Rad­wan fein Grammophon an. Er ließ eine sogenannte Aktivicrungsplatte* laufen. Aus dem Bauch des Apparates ertönte eine tiefe, dämonifche, beunryhi- gcitDe Stimme, die dem Mann einredete, nun fühle er sich stärker, immer stärker, so stark, daß er sich vor Kraft kaum auf den Beinen halten könne... Und siebe da: der Kraftmesser zeigte eine heftige Belebung des Pulses, die Herzschläge, die aus dem Somaphon tn einen Lautsprecher geleitet wurden, ertönten laut und lauter im Raum der Manu hatte sich von der Sprechntafchine regelrecht hypnotisieren lassen.

Aber Dr. Radwan erklärte sofort, er könne die Men­schen nicht nur lebendig machen, sondern auch mit Hilfe desselben Experimentes Ruhe und Frieden in ihre Brust einkehren lassen. Und er bewies dies so­fort durch die Tat. Die folgende Platte nannte sich psychophones Nachtgebei*.Sei doch harmonisch, Mensch. werde fanft und schlafe ein so ungefähr tönte es aus dem Trichter. Worauf einer nach dem anderen in der ganzen Runde zu gähnen begann. Dr. Radwan lächelte siegeSsicher und sagte, die Zeiten, in denen man noch mit Hoffmannstropfcn und Schlaf Kindchen schlaf* operiert hätte, feie» doch wohl nun kraft feiner Erfindung endgültig vorüber

Im ganzen hat der gütige Onkel Seelendoktor drei Platten hergestellt, die von seinen Patienten morgens mittags und abends eingenommen werden sollen.

Kaum war der Experimentalvortrag Dr. Radwans bekannt geworden, da setzte von allen Seiten ein Sturm gegen den unerfchrockenen Psychyiechniker ein. Man warf ihm vor, was er triebe, wäre Quacksalbe­rei, finsterster mittelalterlicher Aberglaube. Tas gäbe es überhaupt nicht, daß ein Mensch sich von einer Maschine in hypnotischen Bann zwingen ließe. Jede Sugaestivkraft setze die unmittelbare Einwirkung einer Persönlichkeit Voraus. Jede Dazwischen geschaltete Maschinerie schwäche die Wirkung empfindlich ab. Tie einfachsten Erfahrungen bei Radtovorträgen unD durch Lautsprecher übertragenen Schanspielvorstellun- gen hätten diese Tatsache bestätigt. Und Überhaupt, 'ie feien gegen ein derartiges unwissenschaftliches Vor­gehen.

Dr. Radwan ist die Antwort nicht schuldig ge­blieben. Er sagt, e« gäbe gewisse Stimmen, deren Suggestionskrast gerade bet technischer Uebermittlung besonders stark fei. Er nennt dies« Stimmenphono- uggestiv. Weitere kleine technische Raffinessen, wie ein Sprechen in ständig gleicher Tonstärke, würden Den Vorgang der Hypnose noch weiter günstig beein küssen. Zu den Radiobeispielen möchte er noch er- vahneii, daß schließlich viele Tausende von Plcnschcn eben Morgen zum Kommando eines unfvbtbarcn Turnlehrers Gymnastik trieben, und zwar mix genau demselben Eifer, genau derselben Präzision, ate stän de» sie in einer Turnhalle.

Das Schlußwort der Aerzte ist nicht sehr freund­lich ausgefallen. Sie erklären Dr. Radwan und einen französischen Wissenschaftler, der ähnlichc Gedanken- gange geäußert hatte, kurzerband alskeinen heru- etten Vertreter der Psychotherapie. Wir find ge- panitt wie Herr Radwan seine Lehre verteidigen wird.

Allianz-Zeugen im KavagProzeß

Generaldirektor Schmitt befreitet die Borwürfe.

Frankfurt a. M., 28. Januar.

Unter großem Andrang des Publikums sand in der heutigen Verhandlung des Favag-Prozeffes die Zeu- getivernehmung des Generaldirektors Schmitt vom Allianz-Konzern statt.

Mit Nachdruck betonte Generaldirektor Schmitt, daß der Vorwurf, die Allianz habe das Ansehen der ,zavag ständig untergraben, aus keinen Fall gerecht­fertigt sei. Niemals habe die Allianz auch nur irgend etwas in dieser Richtung unternommen. Die Allianz habe niemals Aktien der Favag angekanft oder Ver­kauft und niemals mit einem Auffichtsralsmltglied der Favag solche Verhandlunge» gepflogen, Daß Loeb den Direktor Becker seinerzeit unter eine» gewesen Druck zu setzen versucht habe, könne er verstehen; denn wo kein Druck sei, gebe es teilte Fusion. Aber dieser Druck habe nicht in bestimmten Drohungen bestanden.

U^r eitle eventuelle Fusion zwischen der Favag und der Miänz sprach der nächste Zeuge, da«'Vor­standsmitglied der Allianz, Dr. Heß. Die Wirtschafts­lage Deutschlands, so habe Frankl erklärt, dränge zu Riesenfusionen; dazu kotinne, daß Dumckc ein alter Mann sei und durch eine Fusion seines Unternehinens mit der Allianz der Sorge enthoben würde, wie er das ,xavag-Schlff in einen guten Hafen bringen konnte.

Verdienste zchildert, die er sich i» einten langen Leben voll ver angestrengtesten und erfolgreichsten Arbeit erworben hat. Es wird ihm nicht genügen zu hören, «hiß er der berühmteste feiner deutschen Fachgenossen und wahrscheinlich ver Erste unter een Fachgenoffen der ganzen Welt ist, denn wenn es überhaupt einen Dank für eine solche, Den höchsten Zwecken der Menschheit iDienen.de Lebensarbeit gibt, so voch nur den, daß seine Volksgenossen sich bemühen, die Eigcn- Mmlichkeit gerade feiiw» Schaffens, eie Feinheit und die Kraft gerade feines Geistes zu verstehen, denn nur auf Verständnis kann wahre Wertschätzung und Würviguiig aufgebaut fein.

Mer der Zeitungslefer, der nach des Tages Mühe oder in einer kurze» Arbeitspause zu feiner Zeitung greift, hat schließlich auch feine Rechte. Uno eeren allerelemcntarsteS besteht varln, daß man ihn mit allem, was Mefhematir heißt, ungeschoren läßt. Tenn gegen die geheime» Zauberkünste der Alathematlker- zunft hat er ein unüberwindliche« Mißtrauen, das sich übrigens gleiche »naßen gegen die bösen Mathe- jnatitcr wie gegen ihn selbst richtet, sofern man ihm zumutet, auch nur einen Deut lener Geheimlehre» zu verstehen. Wie ist dem nun abzuhelfen c Wie kann der Ehrentag eines fe hervorragenden Mannes gefei­ert werden, ohne gleich mit einein Miß!lang zu be-

Ga»; ähnlich wie nun der Abend feiner Forscher- tatigfeit war schon gleich ihr Beginn! Die erste grö­ßere Arbeit, die Hilbert Weltruhm eintrug, hatte den TitelGrundlagen »er .Geometrie. Alle di- Dinge, mit denen hergebrachter Weise der Lehrgang der Geo­metrie beginnt, also z. B. »ie berühmten Kongrnenz- fätze uno andere schöne oder meinetwegen auck minder schöne Dinge, die dem tifä^rigen Schüler bei feiner ersten Bekanntschaft mit »er Geometrie vorge­setzt ;n werden pflegen, »ie werde» auck hier -behan­delt. .Aber offenbar wurde die Art und Weif«, wie das geschah, als neu und unerhört empsunoen, denn sonst hätte die Arbeit nicht Weltruhm erlangen kön­nen. Es müssen also doch wohl die Sätze, die wir in den Schulen als die Grundlagen alles mathematischen Wissens ansohen, doch nickt so abgeschlossen und fertig fein, wie uns da« unsere Lehrer tat Anfangsunterricht acfagi haben, »no wir es uns gern eittreoen ließen 2» ver Tat steckt in diesen Dingen so manche Schwierigkeit, über die der Anfänger liebevoll hinweggeführt werden muß, well er sie unmöglick verdauen könnt«. Denn was soll er beispielsweise damit anfangen, wenn ihm auseinandergesetzt würde, wie unbeimlid) viele Arten es gibt, nach denen Geo- metric betrieben werden kann, unD Oaß es nur auf Oie selbstgewahlten Grün«lagen, die sog.Aseiome, ankommt, für welche von den vielen möglichen Geo­metrie» wir uns entscheiden. Oder gar,' wenn ihm «diese öeridncDencn Geometrien ausemandergesetzt und ihre Unterschiede klirgclegt werden sollen!

Roch merkwürdiger womöglich war die nächste Ar­beit, mit der Hilbert seinen noch jungen Ruhm beft» tagte. Es war ein in Paris gehaltener Vortrag ÜberMachemansche Probleme. Er brachte einen Ueberblick über »ie wichtigsten ungelösten Fragen fei­ner Wissenfchaft, von denen ja manche schon viele Jahrhunderte lang die größten Denker beschäftigt ha­ben. Es war toicoerimn eine ans philosophischem (Mitt herausgeborcue Arbeit, hie in schr bezeich.

Oer beschämte Kalif

Maamun, der Kalif, ging eines Tages an Subai- dah, der verwitweten Gemahlin des Kalifen Harnn-al- Rafchid, feines Vaters, vorbei. Sie murmelte etwas Zwischen den Zähnen.Wie? fluchst du mir vielleicht "och, 0 Fürstin," fragte der Kalif,dieweil ich deinen Sohn, Mohamed-al-Amin hinrichten ließ?" Nein, wahrhaftig nicht, 0 Fürst der Rechtgläubigen!" Nun, was war es denn, was dn murmeltest?" Subaidah weigerte stch lange, endlich sprach fie:Ich wiederholte nur mein gewöhnliches Sprichwort: Allah verdamme die Zudringlichen!Unb warum das?" forschte der Kalif weiter.Dringe nicht in Mich, 0 Fürst der Rechtgläubigen, du möchtest Horen, was dir mißfiel." Aber je mehr sich Subaidah zu sprechen sträubte, desto zudringlicher ward der Kalif.

Ich spielte," fing Subaidah endlich an,eines Tages mit deinem Vater, dem Kalifen, Schach wir stritten, wer es besser spiele. Er schlug mir vor, daß, wer die erste Partie verlöre, sich zu allem was ihm der Sieger aufetlcgen würde, bequemen füllte. Ich ging darauf ein. Der Kalif, dein Vater, gewann. Er befahl mit, mich nackt auszuziehen und dreimal die Runde des inneren Palasthofes zu machen. Ich mußte mir'» gefallen lassen, so hart die Buße auch war. Wir erneuerten dieselbe Verabredung für die äroeiteJBartie. Dein Vater verlor. Ich befahl ihm, der häßlichsten Küchenmagd für eine Nacht meinen Platz auf feinem Lager einzuräumen. Er sträubte sich aus a$en Kräften und bot mir den Tribut von Syrien und Aegypten an, um sich von der Strafe los- zukanfen. Es half nichts, ich blieb taub gegen alle feine Vorstellungen, und je mehr er sich mehrte, um jo zudringlicher ward ich. Er mußte mir in die Küche folgen, und ich selbst wählte di, letzt« und verworfenste Kuchenmagd aus, um fie zu ihm ins Schlafgemach zu führen. Bald hernach wurde sie Mutter und du o Fürst der Rechtgläubigen, bist die Frucht dieser Ürn- armungen. Wäre ich minder zudringlich gewesen so hätte dein Vater nicht Schach gespielt und du wärst nicht zur Welt gekommen und hättest deine» Bruder und rechtmäßigen Thronerben nicht au, dem Wege geräumt. Don der Zudringlichkeit alle, Unglück! Allah verdamme die Zudringlichen!" -Allah ver­damme Die Zudringlichen," rief der Kalif und begab stch fluchend und mit Schande bedeckt von hinnen.

Gegen Professor Deycke

Plädoyer be« Rechtsanwalt, Dr, Frey.

Lübeck, 28. Januar.

In dc-r Frcilagssitzung des Calmctte Prozeffes er­klärte als ziveiter Vertreter der Nebenkläger Rechts­anwalt Dr. Freh-Bcrlin in seinem Plädover, man müsse fcststellen, wo die Schuld -des einzelnen Ange­klagten beginne. Er wandte sich besonders schars gegen das Verhalten von Profeffor Detzcke. Seine Fahrlässigkeit sei außerordentlich groß gewesen. Die Zustande im Laboratorium feien völlig unzureichend gewesen, auch habe eine Täuschung der Eltern Vor­gelegen, denen man die Gefährlickkeft dcS Mittels verschwiegen habe. Auch das fei schon eine fahr­lässige Körperverletzung. Prof. Tetieie un» Prof. Klotz hätten im Prozeß eine ganze Reihe unwahrer Antworten gegeben. Prof. Devcke versuchte sich da­mit heranszurede», daß es sich um einen wissen­schaftlichen Irrtum, also nicht um einen ärztlichen Fehler, handele. Boi Dr. Altslacdt würde zu be­rücksichtigen fein, daß er wohl ei» guter Tbcorctikcr, aber noch lange kein guter Praktiker 'sei, E« werde P ----

D«r amerikanische Polarforscher Burd har angc- kündigt, » er im Jahre 1933 eine neue Expcoftion »UM Südpol unternehmen will. Von einem Gönner fei ihm bereit« ein Schiff und »ie Ausrüstung zur Verfügung gestellt worden, die fetzt in Boston in­stand gesetzt werde. Boi seiner neuen Erpodftion leite ihn die Idee, einen Wasserweg zwischen »em Roß- Meer uno dem Webdcll-Meer zu finden, «ine solche Perbinidung müsse ziemlich nahe beim Südpol vor- heifübren. TaS Wsddell-Mecr, bas mit Packeis be­deckt ist, ist von Filchner im Jahre 1912 erforscht worden. Byrd menntt für feine Expedition eine Dauer von zwei Jahren in Aussicht.

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Ein Neuyorker Maler, der bet der gegenwärtigen Wirtschaftskrise wenige Käufer für seine Bilder fin­det, hat den geschmacklosen Einfall gehabt, seinem erstgeborenen Kind, einem Mädchen, den Vornamen Depression" anzuhangen,

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Im westlichen Teil des amerikanischen Staates Neu-Mcxtko sind 20 000 Indianer durch schwere Schneestürme von der Außenwelt abgeschnitten. Hceresflngzeuge haben 20 Dörfer durch Abwurf von Lebensmittelpaketen im Gesamtgewicht von 5000 Kilo versorgt.

Othello wie Jago ins Rohe und Harlekinhafte ge­senkt wurden. Othello, vorn schwitzenden Heinrich George äußerst abstoßend als fetter arabischer S choich hi rigestellt, wurde zu einem in Negertänze ansbrcchenden Togo- oder Kamernnhäuptlina, De^» Dcmona wurde in Elisabeth Lcmtartz' modischer Wie­dergabe zu einer Kurfurstcndammgöbre. Jago, von Werner Krauß wenigstens sprachlich gemeiftert. würbe zu jenem Halblumpen, Der aus Freude am Verbreche» falt und frech Das Böse tut und feige sich rettet.

Nicht anders liegt per Fall bei Barnowskvv Wie­deraufnahme der piellcicht beste» Komödie Gerhart Hauptmann«. Diese wirkliches, echtes Voltskum, wirkliche echte Menschenart gestaltende Diebeskomö- dir vom ^Biberpelz, in deren Mitte Mutter Wolfen ein ganzes Dorf hlnters Licht führt und sich trotz ihrer Unehrlichkeft unser Herz erobert, wurde nichts als ein Schwank, in dem Rosa Valetti zwar das Schlaue und Derbe packte, nicht aber das Volkstum- Hafte, das Seellfch-BluterMte und in dem Felix Bressart als Gegenspieler in der Rolle de« Amts- Vorsteher« Wehrha» eine so äußerliche Karikatur er­zeugte, paß jede Lebenswahrheit hinschwand. Auch Otto Wallbura als Rentier Krüger konnte stch als ti'abarettfiigur nicht genug tun, die volle Menschlich­keit Dieser Gestalt zu töten, nur um sich privatim austoben zu können. Auch hier muß man bekennest: Berlins Schanfpie 1 kUnst i st in einem Tiefstand angclangt, vaß man fast den Glauben an eine Befferuna verlieren könnte.

Hanne Martin Elster.

rofessor Dr. Paul Kirchberger«

Der größte lebende Mathematiker

Zum 70. Geburtstag Von David Hilbert am 23. Januar.