Mr. 10 z Zwekun-Mauzigster Jahrgang
Kasseler Skeuesse Aachrkchf«
Mittwoch, 13. Januar 1932 / 1. Beilage
Die Gastwirte kämpfen weiter
wirtschaftlichen Folgen fii Hessen und stellte diesen 3li
Wetter
an Ausgaben . .
. . 21,91 Mill. RM.
Weitere Heimatnachrichten siche 4. Seite dieser Beilage
ständigkeit. Die Ministerien in Berlin beschäftigten sich infolgedessen allzu oft mit Nichtigkeiten.
Treffend schilderte er die bedenklichen mr die Landkreise in
Der Verlust der Landesschulkaffe beträgt also........14,00 Mill. RM
Dieser Verlust der Landesschulkasse müstte durch
die Gesamtheit der Schulverbände gedeckt
Vom Roten Stollen wurde telephonisch mitgeteilt: Gestern morgen gegen 7 Uhr wurden vier Bergarbeitern durch einen Streckenbruch der Rückweg vorübergehend abgeschnitten. Durch sofort vorgenommene Umfahrung des Bruches konnten die Leute nach 7 Stunden Tätigkeit unversehrt und wohlbehalten befreit werden.
Die Rettungsarbeiten
Als Dienstag früh um 6 Uhr die Belegschaft der Zeche in den 68 Meter tiefen Schacht eingefahren war und sich an die Arbeit begeben hatte, ging etwa 30 Meter vor dem Ort (die Stelle, an der die Bergleute arbeiten) ein Streckenbruch nieder, der den Stollen versperrte und den vier Bergleuten Heinrich Krug und August Ledderhose aus Hoof und Heinrich Dötti-ng und Karl Volkwein aus Ehlen den Rückweg verlegte. Von der Stelle des Streckenbruchs bis zum Ort befand sich noch ein großer Zwischenraum, so daß die Eingeschlosfenen noch ziemliche Bewegungsfreiheit hatten. Sie benutzten diese Bewegungsfreiheit, um mittels ihrer Pretzluftwerk- zeuge sofort an die Freilegung der verschütteten Strecke zu gehen. Inzwischen war die Erubenleitung von dem Vorfall benachrichtigt worden, worauf zwei Bergmannskolonnen sofort einsuhren und von der anderen Seite mit den Aufräumungsarbeiten begannen. Nach einigen Stunden konnte man sich bereits mit den eingeschlossenen Bergleuten verständigen und nachmittags gegen 3 Uhr war der Stollen wieder freigelegt. Die Eingeschloffenen, die ihrerseits ebenfalls tatkräftig an der Ausräumungsarbeit geholfen hatten, konnten unversehrt geborgen werden.
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»Der »Hessische Kurier", das in Paderborn gedruckte Kopfblatt des »Westfälischen Volksbatts", gefällt sich zeitweilig darin, die eigentlichen Kasseler Tageszeitungen anzurempeln. Mr hätten wenig Ursache, davon im geringsten Kenntnis zu nehmen, wenn er nicht heute morgen die Freundlichkeit härte, unsere gestrige Meldung über den Bergunfall als „blinden Alarm" und „aufgebauscht" zu bezeichnen. Es habe sich nur um einen »harmlose« Streckenbruch" gehandelt.
Wir wünschen dem Schreiber jener Zeilen nicht, sieben Stunden lang in Hangen und Bangen Opfer eines so »harmlosen Streckenbruchs" zu sein. Wir haben lediglich, durch das anfängliche und hartnäckige Ableugueu jeden Unfalls mit Recht mißtrauisch gemacht, eine Nachricht einer Polizeistelle, des halbamtlichen Telcgraphenbüros und eine dürftige mit Mühe erzwungene Auskunft einer Aufsichtsperson wiedergegeben.
Harmlose Unfälle ereignen sich im Unterlagebau immer wieder einmal. Hier aber, wo man stunden- lang den Umfang des Einbruchs nicht übersahen konnte, lagen die Dinge doch nicht so harmlos, wie die »zuständigen Stellen" aus naheliegenden Gründen es der afS lästig empfundenen Presse nur zu gern vorreden. Sie werden sich ihres unerwarteten Erfolgs beim »H. K" sehr gefreut haben.
Oie Geschichte des ORofen Stollens
Als eine der westlichen Zechen des Kasseler Reviers liegt eingeschloffen von den bewaldeten Basaltkuppen des ZiegenkopfeS, veS Hohen Grases und des großen Steinhaufens in einer Höbe von 562 Meter über R. N. die Zeche „Roter Stollen".
Trichterfelder und verfallene Stollenmundlöcher in der Umgebung des Grubengebäudes deuten an, daß der Bergbau in ältere Zeit zurückreichen muß. Nach Ueberlieferungen sius feine Anfänge auf die Zeit um 1570 zurückzuführen. .In 6er ersten Zeit versorgten sich die nächstliegenden Bauern mit Hausbrand. Tann fand ein planmäßiger Abbau der Kohle statt, nachdem das Interesse der Lanbesfürften auf das Vorkommen gerichtet war. Landgraf Wilhelm IV legte im Jahre 1580 das sogenannte „Erbstoller Bergwerk" an. Die Kohlen wurden gleichzeitig in einer Glashütte verbraucht. Von diesem Zeitpunkt an wurde der Bergbau hier ununterbrochen betrieben. Als Zeugen aus dieser Zeit kann man heute noch die Einganasstollen unter dem Gasthäuschen im „Firnsbachtal" sehen, ebenso etwas höher gelegen, Mr Entwässerung, den
Zwecklose Maßnahmen
Keine Ersparniffe durch den Schulstellenabbau auf dem Lande.
Im Rahmen der Sparutastnahmen werden an de„ Volksschulen 7000 Lehrerstellen abgebaut. Es hat den Anschein, als ob die Einsparungen überschätzt werden. Für die kleinen ländlichen Gemeinden ergeben sich überhaupt keineErsparnisse, wie die folgende Aufrechnung zeigt, die der „Reue Preußische Lehrerverein" feiner Aufklärungsarbeit bei den maßgebenden Stellen zugrunde gelegt hat. Die Staatskasse spart
an Beitrag in die Landesschulkaffe 0,81 Mill. RM. an staatlichem Beschulungsgeld. . . 0,85 Mill. RM.
Nach 7 Stunden gerettet
Die eingeschloffenen Bergleute geborgen
Alle unversehrt
Barometeranstieg über dem Festland läßt vor- Wergehend hohe« Druck unsere Wetterlage bestimmen und etwas aufheiterndes Wetter eintreten Jedoch rückt über dem Nordatlantik eine neue kräftige Störung heran. Lebhafte Südwinde an ihrer Vorderseite drängen sie ja zunächst ab, jedoch Hai auch bei uns die Zufuhr warmer Luft Temperaturanstieg zur Folge. Dabei wird das Barometer wieder fallende Tendenz erhalten, so daß erneut Eintrübung und später auch Niederschläge zu erwarten sind.
Aussichten für Donnerstag.
Nach vorübergehend aufheiterndem Wetter tmebet Eintrübung und Temperaturanstieg, später auch Niederschläge.
„Schlüsselstollen". Später gang man dazu über, Vie höher liegenden Flözteile, das heutige „Buffeslöz", nach dem Direktor der fiskalischen Grube genannt, abzubauen.
Mus der Regentschaft der Kurfürsten sind leider keine Angaben Über den Betrieb bekannt. Erft in preußischer Zeit ging man dazu über, die kleinen Stollcnbetriebe aufzugeben. Am Südabhange des großen Steinhaufens an der Ehlener Landstraße teufte man einen Färber- und Wetterschacht. Erhebliche Schwierigkeiten beim Abbau wie Flözbrände und Schwimmsanddurchbrüche waren zu ■ überwinden. Am 22. Februar 1903 zerstörte ein Brand die fiskalischen Grubengebäude, der den Schacht völlig zerstörte. Nun wurde der Betrieb eingestellt und blieb jahrelang liegen. Die Gebäude des Beamtenerholungsheimes und die nebenanliegenden kleinen Häuschen sind Zeugen aus dieser Zeit. In biefen wohnte der Direktor, der Obersteiger ustv. Manches schöne Bergmannsfest ist auch h'er oben gefeiert worden. Der durch den Weltkrieg hervorgerufene Kohlenmangel veranlaßte die Firma Piepmever und Co„ Kommanditgesellschaft Kassel-W., nachdem sie pachtweise die fiskalischen Refervatselder übernommen hatte, im Jahre 1917 an der jetzigen Stelle einen Wetter- und Förderschacht zu teufen. Seit 1918 wurde eine moderne Bunkeranlage mit elektrisch angetriebener Sieberei erbaut. Bei einer Tagesförderung von 250—300 Tonnen wurde eine Belegschaft bis zu 140 Mann beschäftigt, die aus den nahegelegenen Dörfern entstammen. Die geförderte Kohle gehört zu den besten des Reviers. Die Grube baut auf den beiden Flözen „Busse" und „Erbstollen". Saugventilatoren von je 500 obm Leistung/Min. versorgen die Reviere mit frischen Wettern. Ebenso sorgen drei elektrisch angetriebene Zentrifugalpumpen, zu denen in der letzten Zeit eine neue hinzugekommen ist, für die Entwässerung der Grube. Die Schichtenfolge zwischen den beiden dem Miozän zuzählenden Flözen besteht aus einer sich ändernden Wechsellagerung von Sanden, Tonen und Letten. Basaltschlote, mit Tuffen, Basaltbomben, Tonen und Sanden, später wieder ausgefüllte und oft bis ins liegende beider Flöze hin- abreichende Erosionstäler, Verwerfungen, starke und "häufig wechsende Gefälle uns dergleichen störten die Ablagerung wiederholt. Geophysikalische Messungen ergaben ein von Störungen freies Gebiet. Bohrungen am Erbstollenflö; stellten eine größer« Ausdehnung mit normaler Mächtigkeit fest. Zwei kurze, elektrisch angetriebene Kettenbahnen bringen die reslliche Förderung ans dem Bufleflöz zum Schacht. Zum Erbstollen führt eine etwa einen Kilometer lange Kettenbahn an die im Jahre 1903 vom Königlichen Bergwerk verlaffenen Baue. Ebenso findet auch der Abbau mit Preßlufthammern statt. Die Abfuhr der Kohlen geschieht, soweit sie nicht mit Fuhrwerk abgeholt wird, aus eigener elektrischer Bahn zum Lagerplatz auf dem Staatsbahnhof Wilhelms- Höhe.
Durch Neuaufschlüsse in jüngster Zeit ist ein guter Vorrat hochwertiger Kohlen nachgewiesen, und der Bergbau im Habichtswald scheint noch lange Jahre hinaus gesichert. " w.
mehr in der Lage, ihren steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen.
Der Bierverbrauch ist erheblich zurückgegangen und beträgt kaum 60 % des vorjährigen Umsatzes.
Auch die Belastung durch die Hauszinssteuer war kaum noch erträglich. Der Provinzial-Eastwirte-Verband hat sich dieserhalb an den Minister des Innern gewandt. Die Beseitigung der Polizeistunde bleibt eine Hauptforderung des Gastwirtsgewerbes.
Bezüglich des Meldewesens der Hotelbesitzer, konnte mit dem Polizeipräsidenten eine Vereinbarung getroffen werden, nach der die Meldungen bis 2 Uhr nachts in Meldekästen eingeworfen von der Polizei abgeholt werden.
Verbands-Vorsitzender Döhne stellte die Arbeit des Kaffeler Wirtevereins als vorbildlich hin. Eine starke Kampffront müsse geschaffen werden, damit für das Gewerbe wieder Existenzmöglichkeiten geschaffen werden können.
Gegen die Uebersetzung der Vergnügungssteuersätze ist bei den städtischen Körperschaften Vorstellung erhoben worden. Beim Landesfinanzamt wurde die Neubewertung der bebauten Grundstücke beantragt.
Der Verein legt
große Aufmerksamkeit auf die Hebung des Fremdenverkehrs in Kassel
und betonte, daß das Verpflegungs- und Unterkunftsgewerbe in jeder Hinsicht auch den verwöhntesten Ansprüchen des reisenden Publikums gerecht wird. Die Gründung einer aus Hausbesitzern und Pächtern paritätisch zusammengesetzten Pachtberatungsstelle, sowie einer Rechtsberatungsstelle ist vom Verein vorgenommen worden und erfreuen sich reger Beteiligung.
1 Uhr-Polizeistunde etwas merkwürdig, weil er jederzeit nachweifen kann, daß in anderen Tellen d^s Reiches eine andere Regelung der Polizeistunde durchgefnhrt ist. Selbst in benachbarten preußischen Provinzen hat man für bestimmte Lokale die durchgehende 3-Uhr-Polizeiftunde. Hannover, Braun- schwetg, Halle a. S., Detmold, Bielefeld. Göttingen. Frankfurt a. M.. Wiesbaden, ja selbft die »Groß- stadi 3toh) in Pommern haben für sogenannte ÄbenMofale, d. h für Unternehmen, bei denen das Geschäft dank der Eigenart des Betriebes erst in den Abendstunden beginnt, durchgehend und ohne behördliche Bevormundung eine verlängert« Polizeistunde.
Warum Kassel nicht? Soweit wir unterrichtet lind, geht die Frage in erster Linie den Oberpräsi- denten an, der vom Minister ermächtigt ist, von der generell vorgeschriebenen Polizeiftunde Ausnahmen zu gewähren. Die Berufsorganisationen des Gast- wirtSgewerbes kämpfen für eine generelle Verlängerung der Polizeistunde. Das städtische Steueramt tst zudem der »stille Teilhaber" der unnötigen Mindereinnahmen. Ob diese Forderung auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen erfüllt werden kann, wollen wir hier nicht entscheiden, aber wir möchten mit allem Nachdruck die Forderung aufltellen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse in Betracht gezogen werden und daß man daran denkt, daß
Kassel eine „Kongreß- und Fremdenftadt"
ist, in der man erwachsenen Menschen nicht mit Vor- fchvlsten, wie »Marsch, ins Bettchen", imponieren kann.
..Herr Oberpräsident! Was soll jetzt in der Polizeistundenfrage geschehen? Daß etwas geschehen muß, ist doch auch die Ueberzeugung Ihrer Behörde, aber: Wann wird es geschehen?
Hessen und stellte diesen Notmaßnahmen die viel notwendigeren Veränderungen im Frankfurter Wirtschaftsbezirk gegenüber. Man müsse unbedingt daran festhaltem daß — gemäß dem Versprechen der preußischen Notverordnung — die berechtigten Interessen der Bevölkerung ju berücksichtigen sind, um die gröbsten Härten zu vermeiden. Eine fristmäßige Durchführung der Einschränkungen sei kaum wahrscheinlich. Zum Schluß deutete Dr. Friedensburg an, daß das, was heute als unbillige Härte erscheine, vielleicht sticht einmal genügen werde, um die notwendigen Einsparungen im Staatshaushalt zu sichern, und daß möglicherweise noch weitaus schärfere Abstriche und Einschränkungen diktiert werden müßten. B.
Ist Kassel ein Dors?
Die ^Kongreß- und Zremdenstad^ und die Polizeistunde
1.66 Mill. RM.
Die preußische Landesschnlkasse, aus der die Besoldung der Bolksschullehrer bestritten wird, verliert an Einnahmen als Beitrag der Schulverbände für
7000 Stellen....... 34,25 Mill. RM
als Staatszufchuß.......1,66 Mill. RM.
35,91 Mill. RM.
Die Landesfchulkaffe spart aber nur
werden, wenn er durch die allgemeine Gehaltskürzung nicht ausgeglichen würde. Da sich die Beiträge der Schulverbände nach der Zahl der Schulstellen berechnen, sind also nur dort Ersparnisse zu erzielen, wo ein Abbau von Stellen erfolgen tarnt. Auf dem platten Lande mit seinen weniggegliederten Schulen und in vielen Kleinstädten ist ein Abbau unmöglich, wie das preußische Unterrichtsministerium selbst fest- gestellt hat. Die Folge ist, daß hier trotz der Kürzung der Lehrergehälter Ersparnisse im Gemeindehaushalt nicht erzielt werden. Rur die Kaufkraft einer ausschließlich auf den Verbrauch eingestellten Bevölkerungsschicht ist herabgesetzt worden.
^,7 Millionen Steuerrückgang
beklagt der Landesausschuß.
Gestern trat im Ständehaus der Landesausschutz zu einer Sitzung zusammen.
Die Verpflegungsgebühren in der allge- meinen Klasse der drei Landesheilanstalten werden ab 1. Februar von 3,70 auf 3,20 RM. für den Tag herabgesetzt. Wegen Senkung der Verpflegungsgebühren in den einzelnen Landeskrankenhäusern wird der Landeshauptmann ermächtigt, die Maßnahmen ju treffen, die unter tunlichster Wahrung der Belange sowohl der Krankenhäuser als auch der zahlpflichtigen Personen und Verbände geboten und möglich erscheinen.
Die Zinsen für Fan st Pfanddarlehen beim Landesleihhaus in Kassel werden ab 1. Januar 1932 um 25 v. H. gesenkt, die Schätzer- und Umschreibegebühr um 33% Prozent. Die Zinsen für Faustpfanddarlehen bei der Landesleihbank in Hanau, die zur Zeit bereits erheblich niedriger sind als beim Landesleihhaus in Kassel, werden ab 1. Januar um 15 Prozent gesenkt, die Schätzer- und Umschreibegebühr um 40 Prozent. Die Debetzinsen bei den Landesleihbanken in Hanau und Fulda werden entsprechend den Richtlinien des Sparkassenverbandes für Hessen-Nassau gesenkt.
Wenngleich gegen diese Maßnahmen erhebliche Bedenken hauspolitischer Natur bestehen, weil der Vezirksverband infolge eines Cteuerausfalles von mindestens 1,7 Millonen Reichsmark im laufenden Haushaltsjahr (und mindestens 2,5 Millionen Reichsmark in 1932) mit größten Haushaltsschwierigkeiten zu kämpfen hat, so glaubt der Landesausschuß, die vor- tehenden Maßnahmen doch in der Erwartung verantworten zu können, daß die hierdurch geförderte Preis- enkungsaktion sich auf der Ausgabeseite des Etats mindestens entsprechend auswirkt.
An Stelle des verstorbenen Kommunallandtagsabge-
Nicht jede „Einsparung"
ist eine wirkliche Einsparung
Bedenklicher Auftakt einer für Hessen höchst bedenklichen „Neform"
d«. v>n der Jahreshauptversammlung des Wirte- vereins, die von dem Vorsitzenden Grenzebach eröffnet wurde, konnte hinsichtlich der Preissenkungen kur Bier und Mineralwasser noch kein Beschluß gefaßt werden, da der Verein erst die in Berlin stattfindenden Verhandlungen mit dem Preiskommissar abwartet. Diese Verhandlungen sind schwierig, da die Gemeinden durch die Aufhebung der Biersteuer keinen Steuerausfall erleiden wollen.
Bezüglich der Verlängerung der Polizeistunde in Kassel wahrend der Karnevalszeit wurde beschlossen, wie in den letzten Jahren einen Antrag ein- zubrrngen, der den Wünschen der Gastwirte Rechnung trägt.
Im Hinblick auf den Ernst der Zeit hat der Verein auf sein Winteroergnügen verzichtet. Bei der Erörterung der Tarifverträge konnte infolge Meinungsverschiedenheiten kein Ergebnis gezeitigt werden, so daß es bei den bisherigen Tarifen bleibt.
Der Vorsitzende wies in seinem Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr darauf hin, daß
das Jahr 1931 für das Gastwirtegewerbe als eines der schtversten der letzten Jahrzehnte
bezeichnet werden müsse. Alle Warnungen des Vereins haben sich als berechtigt erwiesen. Die Not der Zeit spüre das Gewerbe zuerst, da der Mensch zuerst am Glase Bier zu sparen geneigt sei. Das habe bewirkt, daß eine große Anzahl Wirte bereits Wohlfahrtsempfänger der Stadt Kassel geworden feien.
Die Notverordnung biete die Möglichkeit, daß zwischen Verpächter und Pächter eine Verständigung über hohe Pachten herbeigeführt wird.
Viele Gastwirte sind infolge Umsatzrückganges nicht
ordneten Mink tritt nach dem Wahlvorschlag der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für den Wahlbezirk Kreise Marburg-Land, Marburg-Stadt und Kirchhain der Buchhändler August Sonnenschein. Aus Mitteln der Hessischen Brandversicherungsanstalt wurden an 33 Gemeinden Beihilfen zur Förderung des Feuerlöschwesens im Gesamtbetrag von 37 922 Reichsmark bewilligt. — Die nächste Sitzung des Landesausschusses ist für den 16. Fehruar vorgesehen.
Das der Schupo notiert
Zeugen gesucht. In der Silvesternacht kurz nach 24 Uhr ist die berufslose O. H. im oder kurz vor dem Hauseingang des Restaurants „Oberbayern" durch Schrotschüfle, die aus der Richtung der Torlette gekommen fein 1'offen, an der Wade verletzt worden. Siie wurde ftt einem Mietsauto in das Landeskrankenhaus gebracht. In ihrer Begleitung befand sich zur Zeit der Abgabe der Schüsse eine Bekannte. Diese sowie Personen, die Angaben über den Vorfall, namentlich auch über die Person, die die Schüsse abgegeben hat, machen können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Polizeipräsidium, Zimmer 80, zu melden-
Gesunden. Am 4. 1. in den Nachmittagsstunden ist in der Unteren Königsstraße eine kleine tulasil- berne Damenarmbanduhr gefunden worden. Der Verlierer wolle sich im Polizeipräsidium, Königstor 31, Zimmer 78, melden.
Sturz mit dem Fahrrad. In der Frankfurter Straße blieb ein Radfahrer in den Straßenbahn- schienen hängen. Er kam zu Fall und erlitt einen doppelten Bruch des rechten Unterarmes, der seine Ueberführung durch die Arbeitersamariter in das Landeskrankenhaus notwendig machte.
Sandershausen. Elf Hühner gestohlen. Der Invalide Heinrich Moog wurde zum zweiten Male von Dieben schwer geschädigt. Montag nacht wurden ihm elf Hühner im Stall abgeschlachtet, nachdem ihm im November neun Kaninchen gestohlen worden waren,
Haaa.-Müude«. Die ReichsfleisLkarie« «»6 Reickskob- lenkarte« für die Empfänger öffentlicher Untcritüsung werden im Rathaus Zimmer 8 ausgegeben am Donnerstag, 14. Januar von 9—10 Uhr an Sozialrentner, von 10—10% Uhr an Kleinrentner, von 10%—11 Uhr an Allgemeine Hilfsbedürftige und am Freitag, 15. Jan. von 8—10 Uhr an Wohlfahrtserwerbslose.
Perkoualperänderunge« des Reichsheeres. Oberstleutnant Hahn, Kommandeur des 13. Jnf.-Regt. wurde zum Oberst befördert. — Das Abschiedsgesuch des Kraftfahrin- ivizienten beim Reichswehrtt^ruvvenkommando II, Oberst Frhr. von Frentz, ist genehmigt worden, so dah Oberst von Frentz demnächst aus den Dienst scheidet.
Dr. Friedensburg am Mikrophon.
Dienstag abend sprach Regierungspräsident Dr. Friedensburg im Südwestfunk über „Verwaltungsvereinfachung und Verwaltungsreform in Hessen-Nassau". Wie sich die preußische Notverordnung auswirken werde, stehe in vielen Teilen durchaus noch nicht fest, weil für die diesbezüglichen
Entschlüsse den zuständigen Ministerien weitester Spielraum
geraffen sei. Manche Einzelheiten der Sparmaßnahmen bedeuteten zweifellos eine empfindliche Härte.
Man könne auch nicht ohne weiteres behaupten, daß der Fortfall einer Anzahl von Behörden durchweg wahre Ersparnisse mit sich bringe. Es handle sich vielmehr häufig um unechte Einfpa- rnngen, da die Kosten an anderer Stelle auftauchen würden. So käme die Aufhebung der Kulturämter nicht einer Löschung dieser sehr notwendigen Institutionen gleich, sondern sie bedeute eine llebernahme in den Aufgabenkreis der Staats- bzw. Kommunalverwaltung.
Immerhin dürfe man erhoffen, daß derartige Vereinfachungen rationellere Ausnützung der Kräfte und Mittel zur Folge haben werden. Die vorgeschriebene
Einsparung von Amtsgerichten
— man spricht allein von 15 im Oberlandesgerichtsbezirk Kassel — bringe ebenfalls vielfach nur unechte Ersparnisse. Man müsse nämlich bedenken, daß die Bevölkerung zu weiteren Reisen genötigt fei, daß die Auflösung eines Amtsgerichts schwere wirtschaftliche Schäden für die betroffene Stadt mit sich bringe. Die Aufhebung von Bergrevieren bringe für die verbleibenden Aemter einen größeren Aktionsradius und damit aber auch höhere Ausgaben und eine Erweiterung des Personalstandes.
Man dürfe ferner nicht übersehen, daß die „abgebauten" Beamten mit einem Wartegeld in Höhe von 80 Prozent der bisherigen Bezüge den Etat weiterbelasten würden. Damit ergebe sich die Gefahr, daß ein Teil der Beamten spazieren gehen müsse, während der andere Teil durch die Neuregelung überlastet werde. Man müsse dabei insbesondere bedenken, datz eine gewaltsame Umstellung gefährlich ist und nur eine organische von Vorteil fein kann. Berechtigt sei der Einwand, daß
di« Dezentralisation unzureichend durchgeführt »erbe. Die unteren Organe hätten zu wenig Selb-
Jn einer schätzungswerten Akademie-Vorlesung über modernes Polizeirecht hörten mir unlängst vortragen, daß die moderne Polizei dazu da fei, um die Rechtssicherungen des Staates durchzufühven. Im übrigen habe sie darauf zu achten, daß dem „allgemeinen Wohl" kein Schaden geschehe Die Kaffeler Behörden, soweit sie mit polizeilichen Dingen zu tun haben, sind selbstverständlich der Ueberzeugung, Behörden im Sinne des modernen freiheitlichen und volksstaatlichen Polizeirechts zu fein. Dielen guten Glauben wollen wir den' Behörden- Zefs denn schließlich find es ja doch Menschen, die das Glicht einer Behörde bestimmen — nicht abftreiten, aber nach der objektiven Seite hin gibt eS eine ganze Menge von Bemerkungen zu ma- chen.
Me ist es z. B. möglich, daß eine bielgelefcne, teenn auch nicht gerade seriöse Berliner Wochenzei- tung folgendes veröffentlichen kann:
Wissen Sie schon, daß in der Fremdenftadt fc, Kassel mit dem Luftkurort Wilhelmshöhe die
er Varietes und Kabaretts um 1 Uhr schließen
M müssen und die Behörde mit dieser unver-
H stündlichen Maßnahme die Abwanderung der
I" Fremden nach Hannover und Frankfurt a M.
' erreicht hat?
An dem tatsächlichen Inhalt dieser Notiz ist aus- zusetzen, daß es in Kassel doch einige Lokale giibt, denen ausnahmsweise und jedesmal auf besonderen nnd gebührenpflichtigen' Antrag eine Verlängerung über 1 Uhr hinaus bewilligt wird, und zwar für einige Abende in der Woche. Im ganzen ist die Ironie der Notiz indes nicht ganz unberechtigt. Denn jeder Fremde, der nach Kassel kommt und nach seines Tages Geschäften einmal „ausgeben“ will, empfindet die amtliche Bevormundung durch die I