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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste NMchien

Nummer Z*

Sonnabend / Sonntag, den 9/10. Januar 1932

22. Jahrgang

Oer englisch-französische Kuhhandel

Gemeinsam gegen Abschaffung des ssoungplanes? / Hitler nochmals beim Reichskanzler / Widerspruchsvolle Beurteilung der Verhandlungsaussichten

Mr einjähriges Moratorium?

Eigener Drahtbertcht.

Linier außenpolitischen Vorzeichen

Paris, 9. Januar.

Die englische Denkschrift, die Leiht Rotz am Freitag aus London mitgebracht hat, wird am Sonnabend den französischen Sachverständigen über­reicht werden.

Wie derFigaro" berichtet, macht die Denkschrift gewiffc Vorbehalte bezüglich eines Moratoriums. Sie stelle fest, daß England und Frankreich darüber einig seien, daß keinerlei Zahlungsnachlatz an Deutschland gewährt werden solle, wen» nicht auch Amerika auf die Zahlung der interalliierten Schulden verzichtet. Die Frage werde nun sein, ob Deutschland die A b - sch-ffungdesYoungplanes verlange. In die­sem Falle würde es dein Haager Schiedsgerichtshos zum Eingreifen zwingen. Der Bericht des Gerichts­hofes würde jedoch mit Bestimmtheit zu seinen U n - g u n st e n ausfallen.

*

London, 9. Januar.

Nach derFinanzial Times" drückt die Denkschrift die Ansicht aus, daß die T r i bu t e und a l l e S ch u l - d e n aus dem Kriege gestrichen werden sollten. Eng­land werde jedoch den Widerstand Frankreichs gegen die Dt reichung aller Uoungplanzahlungen unter« ftftNcn.

Sollte Frankreich, so meint der Pariser Korrespon­dent derFinanzial Times" nicht auf der Wiederauf­nahme der Geldzahlungen für die ungeschützten Tri­bute bestehen, sondern die Beträge wieder an Deutsch­land zurückleihen, so bestehe gute Aussicht auf eine englisch-französische Einigung. Aber im Augenblick sei es noch verfrüht, von einer Einigung zu sprechen.

Frankreichs Wunschzettel

Paris, 9. Januar.

Pertinax veröffentlicht imEcho de Paris" die französische Auffassung zu den bevorstehenden Tri- butverhandlungen. Danach soll mit der englischen Re­gierung folgende Vereinbarung gesucht werden:

1. Deutschland erhält ein Moratorium von der Dauer eines Jahres.

2. Während der Dauer des Moratoriums ist Deutschland von der Zahlung des geschützten Teiles der Reparationen befreit, während die Zahlung des ungeschützten Teiles weiter durch­geführt werden muß.

3. Die ungeschützten Zahlungen werden als ge­leistet angesehen, wenn es seinen Gläubigern in der gleichen Höhe Reichsbahnobligationen übergibt, die sofort verzinsbar sind.

4. Die auf diese Weise geleisteten Zahlungen sol­len unter den Gläubigern nach dem Schlüssel von Spa verteilt werden.

5. Die Frage des Garantiefonds tritt angesichts der effektiven Zahlungen des ungeschützten Teiles durch Deutschland nicht in die Erscheinung.

6. Mit dem Augenblick in dem Amerika auf die interalliierten Schulden verzichtet, wird Deutschland von der Zahlung des geschützten Teiles der Reparationen befreit, während die unge­schützten Zahlungen weitergeleistet werden müssen.

Pertinax macht kein Hehl daraus, daß die An- trcchme des französischen Vorschlages durch England insbesondere was die Dauer des Moratoriums an- betrifst, auf große Schwierigkeiten stoßen dürfte.

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A» diesem französischen Wunschzettel, wie ihn Pertinax sieht, ist von blonderem Interesse die For­derung, daß die ungeschützten Zahlungen durch Ueber- gabe von Reichsbahnobligationen gedeckt werden sollen Dieser Punkt spielt anscheinend in den eng­lisch-französischen Auseinandersetzungen eine weit größere Rolle, als der deutschen Oeffentlichkeit bis­her bekannt geworden ist. Wie groß die französische .Bescheidenheit" ist, illustriert ferner Punkt 6, der Deutschland selbst dann, wenn Amerika die Schulden streicht. Zur Weiterzahung der ungeschützten Zahlun­gen verpflichten möchte. Weiter kann der wirtschafts­politisch« Unfug wahrhaftig nicht getrieben werden!

Aach Briands Rücktritt

Paris, 9. Januar.

Briand hat gestern dem Ministerpräsidenten. Laval Kenntnis von seinem Rücktritt gegeben. Eine amtliche Bestätigung des Rücktrittsgesuches liegt srei- lich noch nicht vor. Das dürfte jedoch lediglich daran liegen, daß man damit bis «h der Beisetzung Maginots warten will.

Außenminister Briand bat den Ministerpräsiden­ten am Freitag vormittag von seiner Absicht unter­richtet, angesichts seines Gesundheitszustandes aus

die Weiterführung der gegenwärtigen Geschäfte zu verzichten. Ministerpräsident Laval soll hieraus ver­sucht haben, Briand von seinem Entschluß abzubrin­gen, was ihm aber nicht gelang. Schließlich habe Laval den Außenminister gebeten, auch in Zukunft das Kabinett als Minister ohne Geschäfts­bereich zu beraten. Briand habe dieses Angebot weder angenommen noch abgelehnt, sondern sich Be­denkzeit erbeten.

*

Paris, 9. Januar. Die Frage der Neubildung der französischen Regierung liegt heute bereits etwas kla­rer. Es scheint festzustehen, daß sowohl die So­zialisten als auch die Radikalsozialisten eine Beteiligung an einer neuen Regierung ab- lehnen, und daß sich Laval aus diesem Grunde nach der Wiederbetreuung mit der Kabinettsbildung ge­zwungen sieht, eine Umbesetzung der einzelnen Posten durch die bisherigen Mitglieder des Kabinetts vorzu­nehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird er selbst das Außenministerium übernehmen und Tardieu das Kriegsministerium anbieten. Das freiwerdende In­nenministerium dürfte dem augenblicklichen Unter­staatssekretär und Ministerialdirektor Cathala zu­fallen, «ährend da- Lanvwsrtsckiaftsminksterinm eine Persönlichkeit aus dem Senat besetzt werden soll. Diese Umbildung wird auch in der großen Pa­riser Presse als die wahrscheinlichste angesehen.

th. Berlin, 9. Januar.

Die Entscheidung über die Frage, ob eine große parlamentarische Front für die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg zustande kom­men wird, dürfte im Laufe des heutigen Abends zu erwarten sein, wen» sie nicht noch wei­ter verschoben wird. Hugenberg und Hitler treffen beide heute mittag wieder in Berlin ein und werden am Nachmittag ihre erste Unterredung haben. Für heute abend 9 Uhr hat Hitler dem Reichskanzler in Aussicht gestellt, daß er ihm dann Mitteilung über die Stellungnahme der beiden rechtsstehenden Oppo- tionsparteie» zu der vom Reichskanzler aufgeworfe­nen Frage der Wiederwahl Hindenburgs durch den Reichstag geben föitnc.

Hitler wird dabei einmal für seine eigene Partei und auch für die Teutschnationalen sprechen. Infolge­dessen ist ein Empfang Hugenbergs beim Reichs­kanzler nicht mehr vorgesehen. Angesichts der Tat­sache. daß die Entscheidung lediglich bei der Rechten liegt, hat der Kanzler auch darauf verzichtet, die Füh­rer der Mittelparteien zu empfangen, was gestern be­absichtigt war. Es steht jedoch fest, daß alle bürger­lichen Mittelparteien für den Plan des Kanzlers ein­treten und dieser Vorlage der Reichsregierung zu- sttmmen würden, falls es dazu kommt, daß diese Vor­lage überhaupt dem Reichstag zur Abstimmung vor­gelegt wird. Die Vorlage soll auch nicht eine einfache Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg um 1 oder 2 Jahre sein, sondern sie soll vielmehr die reguläre Neuwahl für die volle Amtszeit von sieben Jahren bringen, nur daß diese Neuwahl nicht durch das Volk, sondern durch den Reichstag vollzogen werden soll. Damit ist beabsichftgt, daß man dem Reichspräsidenten von Hin­denburg keine bestimmte Grenze von ein oder zwei Jahren für die Weiterführung seines Amtes setzt, son­dern daß man es ihm selbst überläßt, wenn er im Laufe der siebenjährigen Amtsperiode etwa die Ab­sicht haben sollte, von seinem Posten zurückzutreten.

Die Aussichten für die Möglichkeit diesen Plan durchzuführen, werden im Augenblick noch sehr w i- derspruchsvoll beurteilt. Während man in einigen Kreisen der Rechten bereits davon spricht, daß die Verhandlungen gescheitert seien, hält man in Regierungskreisen und bei den Parteien der Mitte noch an der optimistischen Auffassung fest, daß das ganze Projekt in der nächsten Woche im Reichs­tag zum Erfolg geführt werden könne,

In diesem Falle müßte der Aeltestenrat, der am Dienstag ohnehin zusammentritt, das Plenum des Reichstages für den übernächsten Montag, den 18. Ja­nuar zusammenrufen. Auf der Linken teilt man de» Pessimismus der Rechten gegenüber der zuver­sichtlichen Auffassung der Mitte und Regierungskreise. DerVorwärts" erklärt jedenfalls, die größte Wahr­scheinlichkeit spreche dafür, daß wir uns in wenigen Wochen in einem Wahlkampf befinden würden, d. h. daß der Präsident durch das Volk und nicht durch den Reichstag gewählt werden würde. Denn die Sozial­demokraten rechnen damft, daß die Antwort, die H i t-

W. P. Die politische Weihnachtspause ist zu Ende; an allen Fronten hat der Kampf von neuem begonnen. Die parteipolitische Agitation wittert nach dem Ab­lauf des ihr notoerordneten Waffenstillstandes wie­der Morgenluft, die großen Probleme der Innenpoli­tik sind mit überraschender Schnelligkeit diskussions­reif geworden, und die Diplomatie hat ihren ganzen umfangreichen Apparat in Bewegung gesetzt, um für die bevorstehenden außenpolitischen Auseinander­setzungen die eigenen Linien verteidigungssähig und die Stellungen der anderen sturmreif zu machen. Die Konferenzen von Lausanne und Genf werfen ihre Schatten voraus. Die Welt ist voll Ungewißheit, und diese Ungewißheit erzeugt in den Menschen, die zwi­schen Furcht und Hoffnung leben, Nervosität. Sie hält das Leben der Völker unter einer Spannung, die durch die grundverschiedene Beurteilung der kommenden Dinge noch verstärkt wird, und es hat gewiß seine Berechtigung, wenn man heute wieder an die alte Weisheit erinnert, die Erfolge und starke Nerven in ursächlichen Zusammenhang bringt.

*

Niemals ist dem deutschen Volke die enge Ver­bundenheit von Innen- und Außenpo­litik so deutlich vor Augen geführt worden, wie in diesen Tagen, in denen sich die Entscheidungen in der und in. der AbrWunasirage längs« : rsrfcctexten. Denn die Verhandlungen über die Reichspräsidentenwahl, die der Kanzler jetzt mit Adolf Hitler auf der einen und mit den Sozialdemo-

l e r heute abend dem Reichskanzler geben wird, ver­neinend lauten wird. Zu dieser Auffassung gibt vor allem der Umstand Veranlassung, daß Hitler ge­stern, bevor er nach Detmold fuhr, noch eine Bespre­chung mit dem Reichsinnenminister Grüner hatte, und daß Hitler in dieser Besprechung neue Forderun­gen aufgestellt habe, die schwerlich zu erfüllen sind. Es handele sich darum, daß die Reichsregierung auf die Länderregierungen in dem Sinne einwirken soll, daß die nationalsozialistischen Organisationen und Zeitungen im ganzen Reich nicht mehr durch Polizei­verbote betroffen werden sollen. Im übrigen

steht nunmehr nach den Berichten von verschiedenen Seiten fest, daß auch der Reichspräsident von Hin­denburg seine Zusage, weiter im Amte zu bleiben, zurückziehen würde, wenn an die Einigung über eine derartige Lösung der Präsidentenfrage von irgendeiner Seite Bedingungen geknüpft werden sollten.

Nun wird zwar aus Regierungskreisen versichert, daß Hitler bei der gestrigen Unterredung mit dem Reichskanzler keine formellenBedingungen" gestellt habe, daß aber eine Reihe von Wünschen und Forde­rungen vorliegen. Es fragt sich nun, wie man aus dem Streit über das WortBedingungen" heraus­kommt, und ob es möglich ist, eine Vereinbarung mit den Parteien der Rechten zu treffen. Das wird vor allem von der Unterredung zwischen Hitler und Hu- genberg abhängig sein.

Mau nimmt an, daß der Einfluß Hugen­berg s im wesentlichen im negativenSinuesich geltend machen werde, sodaß die Aussichten für eine positive Antwort, die Hitler heute abend dem Reichs- kanzler geben wollte, im Augenblick tatsächlich nicht allzugroß sind. Jedoch ist es durchaus unratsam, im Augenblick eine beftimmte Voraussage für das für heute abend zu erwartende Ergebnis zu machen.

Oesterreich stellt Gtillhalte-Zahlungen ein

Wien. 9. Januar.

Nach demReuen Wiener Tagblatt" soll die Oesterreichische Nationalbank die an dem Stilhalte- abkommen beteiligten österreichischen Banken ver­ständigt haben, daß sie für die nach dem 10. Januar fälligen Kapita Irückzahlnngen keine Devisen zu- teile'n werde. Ob die Banken aus ihrem eigenen Devisenvorrat diese Rückzahlungen leisten dürfen, steht noch nicht fest.

Ferner sollen Besprechungen mit den im Still­halteausschuß vertretenen ausländischen Gläubigern der Banken zum Abschluß eines neuen Abkommens eingeleitet worden sein.

Sie erinnerlich, waren im August Vereinbarun­gen zwischen Banken und Gläubigern wegen raten« weiser Rückzahlungen der Auslandsverpflichtungen getroffen worden, die damals etwa 32 Millionen Dollar betrugen. Die Banken dürften bisher etwa 8 Millionen Dollar zurückgezahlt haben. Die Ver­handlungen erstrecke« sich nicht auf Die L^di^Au- M

traten auf der anderen Seite führt, erhalten erst ihre volle Bedeutung, wenn man sie in die großen Zusam­menhänge einordnet, und wenn man erkennt-, daß alles, was da beraten und beschlossen wird, auch un­ter außenpolitischen Vorzeichen steht. Die Hoffnungen auf eine schnelle Erledigung der Reparationsfrage in unserem Sinne sind auch von denen aufgegeben wor­den, die sich sonst auf ihre Nase gern eine Brille mit rosafarbenen Gläsern setzen. Die französische Regie, die ihre Regiöanweisungen immer noch aus den mehr oder minder chauvinistischen Kreisen der Hauptstadt und nicht aus der verständigeren und verständigungs­freudigeren Redaktion derDspsche de Toulouse" be­zieht, hat wieder außerordentlich geschickt gearbeitet. Sie hat nicht nur einen sehr energischen Propaganda­feldzug, durch den England als Kompagnon des fran­zösischen Geschäftes gewonnen werden sollte, eingelei­tet, sondern sie hat neben dieser Vorbereitung der materiellen Entscheidung auch bereits einen bedeuten­den taktischen Erfolg erzielt: Die Pariser Draht­zieher haben es zuwege gebracht, daß die beiden gro­ßen Konferenzen, die Reparations- und die Abrüstungskonferenz nun doch zeitlich zusam­menfallen ; in bestenfalls anderthalb Wochen kann in Lausanne keine Lösung des so überaus verwickelten Reparationsproblems gefunden werden, und da ver- Müebene Akteure sowohl dem Laosann«- al-

Genfer Ensemble angehören, so werden sich der gling- zeitigen Durchführung der Verhandlungen natürlich so viele Schwierigkeiten entgegenstellen, daß nichts an­deres übrig bleiben wird, als eine der beiden Kon­ferenzen zu unterbrechen und zu vertagen. Das ist es aber gerade, was sich die französischen Verschleppungs­taktiker wünschten. Die Reichsregierung ist in ein peinliches Dilemma hineinoperiert worden; sie hat wieder einmal nur noch die Wahl zwischen dem grö­ßeren und dem kleineren UeBel, und der Besuch des Herrn Edge, Botschafter der USA. in Paris, hat ihr offenbar die letzten Zweifel genommen, welches das größere Uebel sei: Eine Vertagung der Abrüstungs­konferenz würde der französischen Propaganda einen Erfolg in die Hände spielen, den diese so gründlich ausschlachten würde, daß der Abrüstung der anderen damit ein Begräbnis erster Klasse bereitet wäre. Demgegenüber würde die Unterbrechung der Lau­sanner Verhandlungen einen taktischen Rückzug be­deuten, bet nicht unbedingt mit einem materiellen Verlust verbunden zu sein brauchte, und dabei dürfte auch noch das Argument eine Rolle spielen, daß eine llnnachgiebigkeit in dieser taktischen Frage die Ge­fahr der Isolierung, die seit den französisch- englischen Einigungsversuchen über der ganzen Repa­rationsfrage drohend liegt, noch außerordentlich ver­stärken würde. Nach alledem kann es nicht zweifelhaft sein, welchen Weg der Kanzler beschreiten wird, um aus diesem Dilemma, in das er ob mit oder ohne eigene Schuld, mag hier noch unerörtert bleiben ge­raten ist, herauszukommen. Freilich, zweierlei darf dabei von ihm auf keinen Fall außer Acht gelassen werden: Zum ersten setzt dieser Schritt die Zusicherung aller Beteiligten voraus, daß die kurzfristige Ver­tagung zu Verhandlungen überleitet, die als Ziel eine endgültige Lösung der Reparationsfragen haben, und zum anderen ist die Sorge, daß sich während der Verhandlungspause nicht allein die finanzielle Lage Deutschlands verschlechtern, sondern auch die finanzielle Abhängigkeit Englands von Frankreich verschärfen kann, gebührend zu berücksichtigen.

*

Nur mit ein paar Strichen konnten hier die gro­ßen Schwierigkeiten der bevorstehenden internatio­nalen Verhandlungen angedeutet werden, aber schon diese wenigen Andeutungen müßten ausreichen, um jedem Deutschen, in welchem Lager er auch stehen mag, begreiflich zu machen, daß die Zusammen­fassung aller innerpolitischen Kräfte heute das Gebot der Stunde ist. Und so gesehen, be­kommt der an sich schon bedeutungsvolle Gedanke, der jetzt bei den Verhandlungen Brünings im Spiel ist, erst seine besondere Rechtfertigung. Wir müssen uns darauf einstellen, daß sich die Reparationsoerhandlun­gen über Wochen und Monate hinziehen werden, und wir müssen bemüht sein, während dieser Zeit, in der um Deutschlands Schicksal gerungen wird, die Energie der Nation auf diese große außenpolitische Aufgabe zu konzentrieren. Das Recht des Volkes, seine politi­schen Stimmungen zu offenbaren und durch die Bekun­dung seines Willens den verantwortlichen Männern Direktiven für ihr Handeln zu geben, soll nicht be­stritten und nicht beschnitten werden, und es wird sich im Laufe des Frühjahrs sicherlich auch noch Gelegen­heit zur Ausübung dieses Rechtes bieten. Aber hier geht es um anderes, hier geht es nicht darum, eine Generalprobe der parteipolitischen Kräfte abzuholten, sondern die Aufgabe besteht einzig und allein darin, dasstarke Attivum, das Hindenburg für uns und zwar nicht nur im Sinne der Erzielung einer straffen

Vor der Entscheidung

Oie Verhandlungen über die Reichspräsidentenwahl