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KcMer Neueste Nachrichten

22. Jahrgang

Nummer 5*

Donnerstag, 2. Januar 1932

Stimson fordert energische Abrüstung

n/Dte Unsicherheit im Mittelpunkt Europas" / Oiplomatenkonferenz in Berlin / Oie Reichsregierung nach wie vor für endgültige Reparationslösung

An Frankreichs Adresse

(Bo« unserer Berliner Schriftleit««-).

Zwischen den Ozeanen

Von Or. Paul Rohrbach

Washington, 7. Januar.

Bor dem Auswärtigen Ausschuß be§ Reprä­sentantenhauses erklärte Staatssekretär S t i m s o n, Deutschland und seine Kriegsverbündeten seien prak­tisch entwaffnet, aber umgeben von anderen Böllern, die nicht entwaffnet seien, sondern ihre Rüstungen in vielen Beziehungen noch vergrößert hätten. Da­durch sei im Mittelpunkt Europas eine Un- sicherheit entstanden, die politisch« und finan­zielle Rückwirkungen weit über Europa hinaus ver­ursacht und in der ganzen Welt Unsicherheit hervor- gerufeu habe. Es sei augenscheinlich, daß energische Schritte getan werden müßten, um den ursprüng­lichen Plan der Weltabrüstung durchzuführen.

Wie die ReuporkerHerold Tribüne" hierzu er­gänzend meldet, beziehen sich die Anspielungen Stimsons aufandere bewaffnet« Völker" auf Frankreich und Polen.

Maginoi t

Paris, 7. Januar.

Kriegsminister Andreas Maginot ist in der Nackt zum Donnerstag um 2 Uhr an den Folgen eines schweren Darmtyphus und eines Brust- und Scfcerleibens in brr Pariser Klinik, wohin man. ihn überführt hatte, gestorben. Der Tod ist gänzlich überraschend erfolgt, da selbst die Aerzte noch am Mittwoch abend zuversichtlich über den weiteren Ver­laus der Krankheit urteilten. Die sterblichen Ueher reste Maginots wurden noch in der Nacht in das Kriegsministerium überführt, wo die Leiche aufge­bahrt wird.

*

Maginot wurde am 15. Februar 1877 geboren und hat im Jahre 1910 seine parlamentarische Laufbahn als Abgoovdneter der demokratischen Mlion begon­nen. Dieser Gruppe, die unter der Führung des Kolonialniinisters Paul Reynauld steht, gehören außer dem Präsidenten des Heercsausschuffcs der Kammer, Fabry, der französische Botschafter in Ber­lin, Francois Poncet, und der blinde Abgeordnete Scapini an. Bei Kriegsausbruch trat Maginot als einfacher Infanterist in die Armee ein und nahm an den Kämpfen um Verdun teil, wo er im November 1914 verletzt wurde, nachdem er inzwischen zum Un­teroffizier befördert worden war. Rach Kriegsende übernahm er 1920 erstmalig unter Millerand das Pensionsministerium und wurde zwei Jahre später unter Poincare mit dem Kriegsministerium betraut, das er mit Ausnahme der Rsgierungszeit des Kar­tells nicht mehr aus der Hand gab. Politisch ver­körperte Maginot das militärische Frank­reich mit seinem ganzen Chauvinismus und seinen Hegemoniebestrebungen. Er war es auch, der Poin- care, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, zur Ruhrbesetzung getrieben hat, und der wieder dar­auf drängte, Deutschland durch militärische Demon­strationen einzuschüchtern. Der Herabsetzung der französischen Wehrpflicht vor einem Jahr hat er not­gedrungen unter dem Drucke der Linken zugestimmt, und seine chauvinistischen Reden im Zusammenhang mit der Abrüstung sind noch in aller Erinnerung.

t Umbildung

des französischen Kabinetts?

Paris, 7. Januar.

Der plötzliche Tod des französischen Kriegs­ministers Maginot, ebenso wie der kränkliche Zu­stand des Außenministers Briand stellen die fran­zösische Regierung vor die heikle Frage, einen Ver­treter für die bevorstehenden internationalen Konfe­renzen zu finden. In gutunterrichteten Kreisen rech­net man daher mit Sicherheit damit, daß Minister­präsident L a v a l am 12. Januar, bas heißt am Tage des Wiederzusammentritts der Kammer, dem Staats­präsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts unterbreitet, um eine neue Besetzung sowohl des Außenministeriums wie auch des Kriegs­ministeriums vorzunehmen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Laval wieder mit der Neubildung des Kabinetts betraut wird. In parlamentarischen Krei­sen vermutet man, daß Laval die Gelegenheit be­nutzen wird, um sein Kabinett nach links zu erweitern. Man spricht in diesem Zusammenhang von Painleve als Kriegsminister und Paul- Bo n c o u r als Außenminister. Es handelt sich jedoch vorläufig nur um Vermutungen.

Koickerenzbeginn: 20. Januar

r Paris, 7. Januar.

In gutunterrichteten französischen Kreisen rechnet man damit, daß die Lausanne« Konserenz nunmehr endgültig am20. Januar ihre Arbeiten heginne« wird.

Echo de Paris" erklärt, daß sich die bevorstehende Reparationskonferenz den Beschluß der Berliner Bankiers, die kurzfristigen Kredite nur für ein Jahr zu verlängern, zueigen machen müßte. Das Blatt schreibt, die Gläubiger hätten ge­wisse Aenderungen im Rahmen des Aoungmorato- riums vorzunehmen, um es so für Deutschland an­nehmbarer zu machen, als die Regelung im Vertrage vom Januar 1930. Solche Abänderungen würden nach einer einjährigen Prüfung vielleicht eine neue Retusche erfahren. Die Sachverständigen des eng­lischen Schatzamtes würden am Freitag in Paris er­wartet. Es sei aber festzustellen, daß der Standpunkt des britischen Schatzamtes und der der französischen Regierung von einer Angleichung noch weit entfernt seien. London beharre darauf, daß Deutschland in seiner jetzigen Lage mehrere Jahre Ruhe brauche.

Oeuvre" erklärt, die Berliner BaMerkonferenz hat nur zu einer Verlängerung der eingefrorenen Kredite gelangen können, weil man zur gegenwärti­gen Stunde annehmbare Stabilisierungsbedingungen für beide Teile nicht hat abschätzen können. Lau­sanne steht also in Gefahr, nicht einmal soweit gehen zu können, wie man es in Basel getan hat.

*

London, 7. Januar. Der diplomatisch. Korre­spondent des ..Dailv T^egraph" erklärt, es habe all­gemeine Ueberraschuna hervorgerufen, daß der Ge­neraldirektor des französischen Außenministeriums, Philippe B e r t h e l o t, gestern nach Paris zuruck- gereist ist, ohne das Eintreffen des Außenministers Sir John Simon in London abzuwarten.

th. Berlin, 7. Januar.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die Konfe­renz von Lausanne sind die d e u t s ch e n B o t s ch a f - ter in Paris, London und Rom nach Berlin zu einer Besprechung berufen worden, die heute oder morgen im Auswärtigen Amt stattfinden wird. Es handelt sich vor allem um die gegenseitige Jnsormierung über den Eindruck, den die deutschen Botschafter im Auslande von der Stellungnahme der dortigen Regierungen zur Reparationssrage empfan­gen haben und über die Meinung, die das Reichs­kabinett in der gleichen Frage vertritt.

Die Reichsregierung wird den Botschaftern wahrscheinlich die Anweisung geben, die ausländi­schen Regierungen noch einmal darauf hinzuweisen, daß eine provisorische Lösung des Reparationspro- blcms von uns nicht als genügend betrachtet wird, sondern daß die Reichsregierung in Lausanne mit allem Nachdruck eine endgültige Lösung der Reparationssrage auf der Basis der voll- ständigen Streichung unserer politischen Zahlungsverpflichtungen anstrcbcn werde.

Die Botschafter werden nach dieser Besprechung Berlin sofort wieder verlassen. Eine Beteiligung aus­ländischer Diplomaten an dieser internen Be­sprechung kommt selbstverständlich nicht in Betracht. Dagegen hat der Reichskanzler bereits gestern mittag eine Begegnung mit dem Pariser amerikani­schen Botschafter Edge gehabt und zwar bei dem Frühstück, welches der Berliner amerikanische Bot­schafter aus Anlaß des Besuches des Pariser Kol legen gegeben hat. In amtlichen Kreisen wird betont, daß bei dieser Besprechung selbstverständlich keine offiziellen politischen Verhandlungen zwischen dem Kanzler und dem Botschafter geführt worden sino, aber man hält es für ebenso selbstverständlich, vast Edge, der im Kreise der amerikanischen Botschafter in Europa eine führende Stellung entnimmt, mit dem Kanzler über di« Möglichkeiten gesprochen hat, die sich in Lausanne ergeben werden. Gestern hat der Kanzler natürlich den Botschafter über die deutsche Auffassung über die Reparationsfroge unterrich et. Edge hat noch gestern abend die Rückreise nach Paris angetreten.

Die Linie, die vorn Reichskabinett in der Repara­tionspolitik verfolgt wird, geht, wie gesagt, nach wie vor auf eine volle Beseitigung dieser Zahlungen, und nachdem besonders von England und auch in einem Eeil der französischen Presse anerkannt worden war, vaß im Rahmen der deutschen Gesamtleistungsfähig­keit zunächst die Rückzahlung der privaten Kredite berücksichtigt werden muß, besteht immerhin

Singaporc.

Ich bin mit dem holländischen MotorschiffBin- tang" (malavisch: Stern), einem Frachtfahrer, unter­wegs nach Kalkutta. Heute früh, auf der Reede von Singaporc, fuhren wir an einem großen Dampfer vor­bei, an dessen Heck ich schon von weitem die deutsche Flagge erkannte. Als wir nahe genug heran waren, las ich den Namen ,^zsar" (Norddeutscher Lloyd, Bremen) und fühlte mich aus dem Meerespaß zwi-- schen dem Stillen und dem Indischen Ozean, vom Acquator und vom Palmenstrand, zur Bavaria und zum Friedensengel zurückversetzt, die jetzt wohl der kalte Novemberregen feuchtet. In einer Sekunde wurde in mir das Münchener Bild lebendig vom SchiffIsar" hier in der Straße von Singapore, zum schäumenden grünen Fluß dort in feinem Bett voll Alpenkiesel, mit den gemächlichen Anglern und der gemächlichen Stadt an seinen Ufern. Ja, das Rauschen des Meerwaflers unter der Schiffsschraube wurde zum Rauschen der Isar, das Nachts immer durch die offenen Fenster in mein SchlafziMncr in der Widenmayerstraße bringt. Dann fing ich an, die Zeitdifserenz auszurechnen. München hat mittel« europäifche Zeit (Meridian von Stargard in Pom­mern), Singaporc liegt, 93 Längengrade östlicher-, macht bei vier Minuten aus den Grad einen Unter­schied von etwas über fechs Stunden. DieJfar" von Singapore hatte 7 Uhr früh "tto war es an der Jfar von München gegen 1 Uhruächts! Genau ein Viertel des Weges rund um die Erde. Drei Viertel habe ich schon hinter mich gebracht: Amerika, den

Aussicht, daß dieser deutsche Standpunkt in Lausanne auch von anderen Delegationen unterstützt wird.

Allerdings kommt von englischer Seite neuer­dings die Anregung, daß die Konferenz von Lau­sanne nach kurzer Dauer zunächst einer Verta­gung unterworfen werden soll, weil man eine end­gültige Klärung des Problems erst nach den bevor­stehenden französischen Wahlen erwarten kann.

Dann würde der Verlauf also in der Weise zu er­warten fein, daß nach dem Beginn der Konferenz alle Delegationen ihre Auffassungen barlegen, wobei der Reichskanzler Gelegenheit haben würde, die deutschen Forderungen nach einer sofortigen und vollständigen Beseitigung der gesamten Reparationslast nachdrück­lich zu vertreten. Dann würde man jedoch noch nicht zu einer Entscheidung, sondern zunächst zu einer Ver­tagung kommen, und in der Zwischenzeit würde eine diplomatische Fühlungnahme besonders auch nach Ametika hin einzusetzen haben, um die notwendige Verbindung des Reparationsprobtems mit dem alliier­ten Schuldcnproblem herbeizuführen. Eine derartige Verschiebung würde zwar zu bedauern fein, wäre aber vielleicht immer noch besser als eine fosort zu be­schließende Zwischenlösung, die für längere Zeit wie­der jede Verhandlungsmöglichkeit ausschließen würde.

Oie unüberbrückbare Kluft

Noch keine Klarheit über die Tribute.

London, 7. Januar.

Sir Freberic L e i t h R o ß wirb im Laufe bes heu­tigen Donnerstags vom englischen Ministerprästbenten Macbonald empfangen werben, ehe er zu ben Finanzverhanblungen nach Paris abreift.

Es sei gut möglich, fo bemerkt bieTimes", daß bis zum Zusammentritt des Kabinetts, anfang der näch­sten Woche die Dinge sich soweit entwickelt hätten, daß die englische Regierung zu einer Entscheidung über ihre Reparationspolitik kommen könne. Ein Erfolg auf der Lausanner Konferenz lasse sich nach Ansicht der englischen Regierung am besten dadurch erreichen, daß nicht nur das Vertrauen der Deutschen in ihr eige­nes Land, sondern auch das allgemeine Vertrauen der Welt hinsichtlich der zukünftigen Stellung Deutsch­lands wieder hergestellt werde.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" erklärt, daß bisher weder London noch Paris ober Berlin sich zu einer enbgültigen Politik entschlos­sen hätten. Die Aussichten für ein englisch-fran- zösisches Einvernehmen seien technisch ge­sprochen gut, aber Deutschlanb werde mit jedem Plan eines begrenzten Zahlungsaufschubes unzufrie­den sein müssen, und anscheinend sei die Kluft zwischen dem deutschen und dem französischen Standpunkt un­überbrückbar.

Endgültige Lösung!

Die Vorbereitungen der Reichsregierung für die großen Konferenzen

Stillen Ozean, Japan, China, Jnsulinde; ein Viertel bleibt mir noch übrig. Aber was für ein Viertelt Indien und Vorderasien.

Ich habe unser Generalkonsulat hier besucht, hoch im sechsten Stock eines der modernen weißen Paläste unmittelbar am Hafen. Man fährt mit dem Auszug hinauf, man schlägt bie indischen Halbtüren zurück, die oben und unten einen Raum für den Luftdurch­zug freilaffen, man begrüßt sich mit den Beamten, man fragt, ob Nachrichten aus der Heimat da sind, man tritt hinaus in die indische Sonne aus den Bal­kon und erblickt das Gewimmel ber Schiffe an die­sem Kreuzungspunkt der großen ozeanischen Wege. Wo sindBintang" undIsar"? Nach ein wenig Suchen sind sie, ziemlich weit draußen, gefunden. Die Schiffe, welche sich nur kurz aufhalten wollen und die großen Frachtfahrer liegen meist aus der Reede und löschen mU Leichtern (um dieIsar" liegt eine ganze Herde herum), nur die Passagierdampfer gehen an die Kais, was viel höhere Gebühren kostet.

Man spricht gewohnheitsmäßig vonDampfern", wenn man die Schiffe mit den Schornsteinen sieht. Ein großer Teil von ihnen erzeugt auch noch Dampf, um die Schrauben zu treiben, nur nicht mehr mit Stein­kohle-. sondern mit OeHeverung, und andere, ein wach­sender Prozentsatz sind überhaupt keine Dampfer mehr, sondern Motorschiffe mit Dieselmotoren; (sie werden also mit derselben Kraft getrieben wie Automobile und Flugzeuge. Dies ist kein zufälliger Gedanke in dem englischen Singapore, das immer noch, langsam und in der Stille, als die große F l o 11 e n b a f t s an der Stelle ausgebaut wirb, wo mit einem Griff bie See­wege nach China unb Japan, nach den Sunda-Jnseln und den Philippinen, zusammengehalten und gepackt werden können. Sn gapoie ist so gut ein Stück eng­lischere Seeherrschaft wie Gibraltar, wie Suez, wie Aden wie Hongkong aber das festeste aller englischen See­bollwerke, Englanbs Vorherrschaft über die Dampfer­kohle, ist im Zerfallen. Ich lese gerade an Bord der Bintang" das sehr beachtenswerte Buch eines Fran­zosen übet England: Sink re Siegfried:Die eng­lische Krise" (deutsch bei 5 Fischer, BKlin). Dort findet sich die Rottz daß von hundert im September im Bau befindlichen Schiffen 0,6 Segler waren, 38,8 Dampfet und 60.6 Mctorickiffe. Das heißt, die Hett- 1 ch a f t der englischen Kohle auf den Mee- ten geht zu Ende'

Was für Flaggen weben in Singapore? Die englische die holländische, die javanische dominieren:;; dann kom­men Franzosen, Deutsche, Amerikaner, Chinesen. Von bet englischen Flagge erwartet man als selbstoerständ- lich, daß sic den ersten Platz einnimmt, aber imponie­ren kann auch der niederländische Verkehr nach und von Jnsulinde, der hier bei Singapore vorbeigeht. Es sind prachtvolle Schiffe dabei:Matnix van Sint Alde- gonde", der Dampfer, mit dem ich vor zwei Wochen von hier nach Batavia fuhr, der GesellschaftNeder­land" gehörig, wat ein 20 000-Tonnet, von einem Lu­xus, einer Feinheit und einer Bequemlichkeit, wie sie auf bet Welt nur noch bei ben großen deutschen Schif­fen zu finden find. Imponierend ist auch die unge­heure Energie, mit ber bie Japaner ihre Schiffahrt, Personen- und Frachtdampfet, über Ostasien nach Euro­pa (und Amerika!) ausdehnen. Dabei sieht ein japa­nischer Passagietdampfet so abrett, so sauber unb mo­dern aus, daß er sich auch neben einem holländischen sehen lassen kann.

Auch Singapore seufzt unter ber Krise. Vor dem Kriege wat hier eine der stärksten Positionen des deutschen Handels in ganz Ost- unb Sübostasien. Es gab 600700 Deutsche und einen schönen deutschen Klub. Die Engländer haben das alles zerstört; noch jahrelang nach dem Kriege durfte kein Deutscher nach Singapore, nicht einmal Passagiere durften an Land gehen. Dann wurden es allmählich von neuem gegen hundert Deutsche, aber die Krise hat die Hälfte schon wieder abwandern lassen. Voll wiedergewonnen, ja mehr als das, ist die Position des Deutschtums in China; relativ befriedigend ist sie in Japan und in Manila; gut, immer mit Maßgabe der Krise, ist sie in Wederländifch-Jnbien

Indem ich mit die Flaggen der hundert Schisse hier an den Kais und auf der Reede vergegenwär­tige, die Flaggen der Völker, deren Länder und Be­sitzungen ich in den letzten Monaten besucht habe, jetzt, bevor das Neue, Große kommt, Indien, schieben sich die Eindrücke aus Japan, aus China, aus In- sulinde in der Erinnerung aneinander vorbei, und ich halte sie an, um sie gegeneinander zu werten.

Als ich unfern Generalkonsul fragte, was es Neues gäbe, zeigte er mir die Zeitungsnachricht, Ja­pan habe der Entsendung einer neutralen Kommis­sion zugestimmt wenn sie zuerst nach China gehen und dort den Boykott gegen japanische Güter studieren