Hietzener Peilung
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Vertag der „Gieffeuer Zeitung" (S. m. b. H.
Enthüll alle amtl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen
Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großhei-zoglichen Polizei-Amtes Behörden ©betreffens
Expedition : Selters weg 85.
lHaus Bruder Schmidt.)
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Verlag der ..tSie^ener Zeitung" (9. in. b. H.
Nr 19L
Telephon: Nr. 362.
Donnerstag, den 31. August 1911.
T elepho n: Nr. 362.
23. Jahrg.
Hus Stadt und Land.
Giehcn, den 31. August 1911.
Uebertragen wurde dem Schulamlsaspiran- ten Rurl Vogel aus Orlenberg, Rx. Büdingen, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vaitshain ' Sir Lauterbach.
' Die kommenden L a n d t a g s w a l, l e n.
Fr^drlch-Eroß-Rohrheim ausgestellt 11
< , ^uesPo st Wertzeichen. Am 1 Okto- ber tritt zu den im Reichspostgebiete geltenden Poliwert Zeichen eine Freimarke zu 60 Pfg. hinzu. Sie wird auf uietfjern Papier in violetter Farbe in der Ausfübrunn der übrigen Pfennigwerte hergestellt. Freimarken zu 60 ^' werden bei den Postämtern bereit gehalten wer ^^' ^, ^ häufig zur Frankierung von Poftfendunacn ubÄ Auch bei den Postanstallen in Bay-rn und Württemberg werden von dem genannten Tage ab Freimarken zu 60 Pfg. erhältlich fein 9
" . Evangelischer Bund. Die diesjährige Landesversammlung des Hessischen Hauptvereins des Lu. Bundes wird, wie bereits mitgeteitt, am 10. und 11. September in B utzbach stattfinden. Es wurde hierfür folgendes Programm aufgestellt: Für den Vor- r m XL °^°". Tages find in Butzbach selbst und in den Nachbargemeinden Festgottesdienste vorgesehen. Nach einer Sitzung des Vorstandes und Festausschusses soll am Nachmittag eine große evangelische Volksversammlung die Evangelischen des Bezirkes mit den Gästen aus dem Lande vereinigen. „Deutsch und evangelisch!" so lautet das Thema für diese Versammlung, in besonde- rer Abzweckuug: „Deutsch und evangelisch! 1. in der Ost- mark, 2. in Oesterreich, 3. in den Kolonien." Für jedes Thema wird ein fach-, fach-, beziehungsweise landeskundiger Redner geworben. In der Abendversammlung, die die üblichen Begrüßungen bringen wird, soll von Zwei Herren (Nichtgeistlichen) in hervorragenden Stellungen das Doppelthema behandelt werden: „Mehr Treue zur evangelischen Sache!" „Mehr Mitarbeit am kirchlichen Leben!" Am zweiten Tag sind die Arbeitssitzungen, auch die des Hessischen Hilfsausschusses zur Förderung der evangelischen Kirche in Oesterreich. In der Abgeordneten- und Mitgliederversammlung werden „Die kirchlichen Selbständigkeitsbestrebungen in ihrer Bedeutung für den deutschen Protestantismus" von einer Hess. Autorität auf dem Gebiete des Kirchenrechtes untersucht werden. — Butzbach und Umgebung bringen der Tagung ein lebhaftes Interesse entgegen. Die Zweigvereine im ganzen Lande werden gebeten, sich über die Beschik- kung des Festes zeitig schlüssig zu machen. Es sollte kein Zweigverein unoertreten sein.
* Eine wichtige Neuerung bei der Reifeprüfung der höheren Lehranst alten wird von Ostern 1912 ab in Kraft treten. Bisher sandten die Klassenlehrer für ihr Fach drei Themata für die schriftlichen Arbeiten ein, von denen dann das Provinzialschulkollegium eins bestimmte. Aus den Andeutungen war es den Schülern fast immer möglich, die Themata herauszubekommen und sich vorzubereiten, was nach den Bestimmungen für die Reifeprüfung eigentlich nicht der Fall sein sollte. Um dies zu verhindern, wird das Provinzialschulkollegium in Zukunft allein das Themata aufstellen und dem Direktor einen Tag vor der Arbeit versiegelt zustellen. Der Direktor darf den Brief erst in Gegenwart der Schüler öffnen.
- k- Großes Konzert in Bad-Nauheim. Wie man uns mitteilt, findet der Kartenverkauf für das Konzert am 4. September in Bad-Nauheim bei der chiestgen Verkaufsstelle Firma E. Chullier, ^Musikalienhandlung nur bis inkl. Samstag, den 2. oept., statt; später im Kurhaus Nauheim. Es sei darauf hingewiesen, daß ausnahmsweise die Konzertkarten zum freien Besuch der Kurterasse am genannten Tage berechtigen.
• ) Gießen, 30. Aug. Der Turm und die Fassade der Iohanneskirche sind gegenwärtig mit mächtigen Gerüsten umgeben. Leider hat sich der Pfälzer gelbe Sandstein, der zu den Gesimsen und Ornamenten verwendet worden ist, nicht so wetterbeständig erwiesen, als er damals allgemein galt. Bei der Beurteilung der Sachlage und der Erwägung der zu treffenden Matz-
I regeln standen und stehen dem Kirchenvorstand die be- | rufensten Sachverständigen mit ihrem Rat zur Seite, nämlich außer Kirchenbaumeister Architekt Meyer der Mineraloge der Universität Pros. Dr. Kaiser, der auch als Sachverständiger für den Kölner Dom tätig ist, und der Landeskirchenbaumeister Prof. Pützer aus Darmstadt. Nach dem mit ihnen feftgeftcUten Bauprogramm werden die ganz schadhaften Teile, wie z. B. das Kreuz ausgewechselt und durch solche aus Muschelkalk
cm Qin C^C6L der als völlig unverwüstlich gilt, ^ie Wasserspeier sollen, da das Herausbrechen dieser gewaltigen Steine einen zu tiefen Eingriff in das Bauwerk erfordern würde, durch kupferne' ersetzt werden. Im übrigen werden alle Sandsteinteile gereinigt und mit Lemölfirniß getränkt, wodurch man sie mindestens auf Jahrzehnte hinaus wetterbeständig zu erhalten hofft Die Kosten finb auf etwa 15 000 Mark veranschlagt, r Gründer g. Die 5. Hauptversammlung ' des Hessischen Lehrerturnvereins findet am 23. September Iper statt. Der Tagung geht eine Einleitungsfeier in der Turnhaue am Abend des 22. September voraus.
* schotten. Der Stadtvorstand genehmigte den Vertrag mit der Provinz wegen Anschluß an die elektrische Ueberlandzentrale in Wölfersheim.
* SH otten. Die Ludwigstags-Konferenz der oberhessischen Lehrer im Lehrerheim auf dem Vogels - berg war zahlreich besuch,. Lehrer Link-Rudingshain gedachte in seiner Begrüßungsansprache des Großherzogs und brachte ein Hoch auf ihn aus. Hauptlehrer V a ch- Groheniinden hielt einen sehr interessanten Vortrag über „Das Sinnenleben, des Kindes und die Schule". Er behandelte dabei die Punkte: Das Sinnenleben als Begleiterscheinung des Unterrichts, als Unterrichtsmittel und als Unterrichtsgegenstand.
* ) Alsfeld, 30. Aug. Auf Antrag einer Anzahl Vertrauensmänner der Landwirtschaftskammer hatte Oekonomierat Korell-Angenrod die Landwirte des Kreises zu einer Besprechung über die zu ergreifenden Matz- nahmen zur Ueberwinterung und Erhaltung der Viehbestände eingeladen. Der gut besuchten Sitzung wohnten u. a. auch Kreisrat Dr. Heinrichs, Vorsteher der landw. Winterschule Heck, und Sekretär Schwarz-Gießen bei. Folgende Resolutionen gelangten zur Annahme: 1. An die Landwirte des Kreises Alsfeld wird der Appell gerichtet, alles zu tun, um die Viehbestände auf einer der Wirtschaftsgröhe entsprechenden Höhe zu erhalten. 2. Folgende hierzu erforderlichen Hilssstoffe werden zum sofortigen gemeinsamen Bezug empfohlen: a) Futtersaatgut: Weißer Sens, Sens und Buchweizen, Stoppelrüben (zur Gewinnung des Herbsffutters); Iohannisroggen mit Winterwicken, Raps (zur Gewinnung von frühzeitigem Frühjahrsfutter), b) Die zurzeit preiswürdigsten und geeignetsten Kraftfutter- mittel wie: Rapskuchen, Sesamkuchen, Palmkernkuchen, Kokoskuchen, Reisfuttermehl und Baumwollsaalmehl, c) Torfstreu und eventuell Stroh. 3. An die Erohher- zogliche Regierung soll das Ersuchen gerichtet werden, daß die zum Ersatz von Stroh erforderliche Waldstreu unentgeltlich gemeindeweise abgegeben und unter Aussicht des Forstpersonals durch die Interessenten ausgear- beitet wird; das bis jetzt schon ausgesorstete Laub soll zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. 4. Es soll daraus geachtet werden, daß die um 50 Prozent ermäßigten Frachtsätze für Futter- und Streumittel den Landwirten zugute kommen.
* Herbstein. Das Fest der gol-denen Hochzeit beginnen am Samstag der Leinweber August Berling und Frau. Das Ehepaar ist noch sehr rüstig.
- l- Schlitz, 30. Aug. In einer Versammlung der Fortschrittlichen Volkspartei äußerte sich der Reserenl Professor Urstadt aus Gießen über die kommenden Reichslagswahlen dahin, daß ein Zusammengehen der Liberalen notwendig sei. Wenn die Nationalliberalen in Gießen, wie sie schon zugesichert hätten, für die fortschrittliche .Volkspartei eintreten, sei diese bereit, im Reichstagswahlkreis Alsfeld-Lauterbach und noch in einem oder zwei anderen Kreisen die Nationalliberalen zu unterstützen.
* Darmstadt, 30. Aug. Die amtlichen Feststellungen haben nunmehr ergeben, daß der Brand in den Opelwerken mit aller Wahrscheinlichkeit seine Ursache in der Eigenartigkeit und gewissen -Gefährlichkeit des sehr ausgedehnten Betriebes hat. Im vorliegenden Falle fei es allerdings nicht ausgeschlossen, daß eine gewisse Unvorsicht das Auskommen des Feuers unter stützt hat, doch hat sich bisher irgend eine Fahrlässigkeit in keiner Weise nachweisen lassen.
* Mainz, 30. Aug. Ein Lastautomobil der Rheinischen Aktienbrauerei fuhr über die Rheinbrücke
nach Kastel. Infolge Versagens der Steuerung stieß es gegen das Geländer, dieses brach auseinander und das Automobil hängt nun, über die Brücke hinausragend, in dem Gitterwerk. Der Chauffeur und ein Arbeiter konnten sich durch Abspringen retten.
* ) Worms, 30. Aug. Der 16jährige Fr. Dörr sprang oom Sprungbrett auf einen schwimmenden Ka meraden. Durch den Anprall verletzte er sich wahrschein lich tötlich und ging unter.
* Binge n, 30. Aug. Verhaftet wurde gestern vormittag hier der jugendliche Kreisamtsgehilfe Iulius Dahmen aus Aachen, der von bem Gemeindecinnehmer von Monsheim unter der Vorspiegelung Kassenrevisor zu sein, Einsicht in die Kasse verlangte iinb 2080 Mark hatte mitgehen heißen. Er war früher bei den Kreis ämtern Oppenheim und Schotten feit Januar aus bem hiesigen Kreisami beschäftigt und zuletzt in Oppenheiin in Stellung.
* Von b c r Bergstrahe, 30. Aug. Infolge der anhaltenden seitherigen Trockenheit hatten viele Bäume, besonders auch viele Waldbäume ihre Blätter verloren. Der niedergegangene Regen verursacht nun, daß diese verdörrt geglaubten Bäume sich mit srischent Laub schmücken.
* Marburg, 30. Aug. Ober-Regierungsrat W. Hassenpflug in Posen ist jum Kurator der hie sigen Universität unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters als Geheimer Ober-Regierungsrat mit bem Rang der Räte 2. Klaffe endgültig bestätigt worden.
- )(t- Lfim b u r g, 31. Aug. Der Brand in Mensfelden stellt sich etwas kleiner heraus, als wie zuerst angenommen wurde. Montag abend gerieten aus bisher unaufgeklärte Weise in der Nähe des Ortes etwa 80 bis 90 Fuder Getreide, das zum Dreschen bereit lag, und zwei Dreschmaschinen in Brand. Die Feuerwehr konnte gegen das gefräßige Element nichts ausrichten. Die brennenden oder glühenden Getreidekörner bildeten lange Zeit ein großes Funkenmeer und eine große Ge fahr für das Dorf. Ein 200 Meter von der Brandstelle entfernt stehendes Haus begann zu brennen, doch gelang es der Feuerwehr, das Element einzudämmen, so daß nur der Dachstuhl des Hauses vernichtet wurde. — Dem Aufrufe des Landrates des Kreises Limburg, wegen der Futternot einen Hirten anzustellen, der das Vieh auf die Weide treibt, haben sofort eine größere Anzahl Gemeinden entsprochen.
- l-D i l l e n b u r g, 30. Aug. Eine Bluttat hat sich hier wegen eines Mädchens ereignet. Ein gewisser Sauerland, der früher hier wohnhaft war, erstach einen jungen Ziegelarbeiter. Der Täter wurde in Hast genommen.
* Frankfurt, 31. Aug. „Don", der sprechende Hund kommt, nachdem er Hamburg, Berlin, Wien als Gast absolviert hat, nach Frankfurt. Er wird die große Ueberraschung des September-Programms im Albert Schumann-Theater bilden. Bevor jedoch „Don" den Frankfurtern etwas zeigen wird, muß er sein Eramen vor Behörde und Presse bestehen. Zu diesem Zwecke ist eine Ertra-Separalvorstellung arrangiert in der besonders die Presse mit „Don" sich auseinandersetzen soll.
* Frankfurt a. M. Bei dem am Sonntag in Paris stattgefundenen Ruderwettkamps des Frankfurt- Pariser Achterrennens auf der Strecke Courbevoie-As- nieres siegte die Pariser Mannschaft mit 1% Längen, nachdem sie 2500 Meter in 8 Min. 7 Sek. zurückgelegt hatten.
litterarisches.
Käte Leux, SfaruSfiug. Elegant broschiert 1.50 Mk., in Leinen gebunden 2— Mk. Pkriag bon Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Den uralten Zwiespalt zwischen Wollen und Können schildert die Verfasserin in erschütternder Weise. Der „Jkaruèflug,, ist jedem Freunde einer spannenden Lektüre wärmstens zu empfehlen.
Ein Freund des Landmanns wie des Städters hat sich abermals auf die Wanderschaft gemacht, getreu einer alten Ueberlieferung. Es ist der „Lahrer Hinkende Bote". Dem geneigten Leser will er, wie sonst, mit ernsten und luftigen Erzählungen die Zeit vertreiben,- er will im aber auch mit vielem Nützlichen zu Rate gehn. Eine Reihe tüchtiger Vol^schriftstellec und Erzählerinnen sind ihm wieder mit Beitrâgn» zu Hilfe gekommen. Der "Lahcer Hinkende Bote ericheint in 3 Ausgaben: Billige Ausgabe 30 P'g' E-we terte Ausgabe 50 Pfg., Großer Volkskalender 1 Mk.